Tierrecht in C-Dur – vegane Musik national und international

Taktvoll: Vegane Musik regt zum Nachdenken an (© Fabian Fellmann / pixelio.de)

Mit Thomas D, Jared Leto, Janet Jackson und Bryan Adams ist die Liste der veganen und gleichzeitig hochkarätigen Interpreten – sowohl national als auch international – lang und breit gefächert. Denn immer mehr Musiker, die sich auf diese Weise ernähren, bekennen sich auch durch ihre Musik dazu. Während einige Künstler mit radikalen Bekenntnissen die Fangemeinde spalten, gründen andere wiederum gleich ein ganzes Restaurant.

Vegan essen im Restaurant von Moby

So zum Beispiel der US-amerikanische Sänger und DJ Moby, der 1999 in Deutschland mit seinem Song „Why does my heart feel so bad?“ große Bekanntheit erlangte. Seit der Eröffnung im November 2015 betreibt der Musiker, der sich für Tierrechte engagiert, das vegane Restaurant „Little Pine“ in Los Angeles. Moby hatte nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Menüauswahl ein Wörtchen mitzureden. Die Gerichte haben mediterrane Einflüsse, die verwendeten Lebensmittel sind vegan und stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Moby wuchs mit Hunden und Katzen auf. Aus Liebe zu seinen Tieren entschied er sich 1985 im Alter von 19 Jahren dafür, Vegetarier zu werden. Aufgrund der miserablen Zustände in vielen kommerziellen Farmen ernährt er sich seit 1987 vegan. Im Rolling Stone Magazine schrieb Moby über seine Beweggründe für die vegane Ernährung: „Simply so that I could eat and live in accordance with my beliefs that animals have their own lives, that they´re entitled to their own lives and that contributing to animal suffering is something that I don´t want to be a part of.“ (zu Deutsch: „Einfach, damit ich in Übereinstimmung mit meiner Überzeugung, dass Tiere ihr eigenes Leben haben, dass sie ein Recht auf ein eigenes Leben haben, essen und leben konnte, und dass der Beitrag zum Leiden von Tieren etwas ist, von dem ich kein Teil sein möchte.“)

Die Avocado-Farm von Jason Mraz

Auch der US-amerikanische Sänger Jason Mraz isst hauptsächlich vegan. Zu seinen bekanntesten Songs zählen „I´m yours“, „I won´t give up“, „Love someone“ und das gemeinsame Duett „Lucky“ mit Sängerin Colbie Caillat. Dass der Musiker inzwischen veganes Essen bevorzugt, hat mit den Rolling Stones zu tun. Als Mraz vor ein paar Jahren Supportact bei ein paar Konzerten der Band war, beeindruckte ihn deren mittlerweile gesunde Lebensweise nachhaltig und veranlasste ihn wenig später dazu, seine eigene Ernährung umzustellen. Seitdem ist er nicht nur Veganer, sondern betreibt auch eine eigene große Avocado-Farm in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Wie wichtig ihm die Wertschätzung der Erde und der ökologische und idealerweise eigene Anbau von Lebensmitteln ist, könnt ihr in seinem Song „Back to the earth“ aus seinem Album „Yes!“ (2014) hören: „Cause my home is where my food is grown.“

Veganismus als Konzept der Band Deadlock

Veganismus: Musik- und Lebensstil zugleich (Foto: T. Gartner)

Auch auf nationalen Bühnen treten immer mehr Interpreten in Erscheinung, die Veganismus nicht nur leben, sondern mit in ihre Musik einfließen lassen. So führen alle fünf Köpfe der 1997 gegründeten Melodic-Death-Metal-Band Deadlock nicht nur einen veganen Lebensstil: Auf ihrem 2008 erschienenen Album „Manifesto“ prangern sie in Liedern wie „The Brave / Agony Applause“, „Deathrace“, „Slaughter’s Palace“ und „Seal Slayer“ die Massentierhaltung und das Töten von Tieren an. Das Album „Bizarro World“, das den Musikern 2011 erstmals eine Chart-Platzierung bescherte, erinnert namentlich nicht zufällig an die Comicfigur Bizarro. Vielmehr seien nach dem Bassisten John Gahlert in einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer vielerlei Parallelen zwischen der fiktiven Figurenwelt und der Gegenwart erkennbar: „Es geht darum, wie verdreht vieles auf der Welt ist. Die meisten Leute fressen einfach, was ihnen vorgeworfen wird. Würden sie weiterdenken, würde so manches Lügengebilde schnell einstürzen“. Als Motivation sich auch musikalisch mit den Rechten der Tiere auseinanderzusetzen, gab Gahlert in einem Interview mit dem Magazin All About The Rock an, die Fans zum bewussteren Konsum anregen zu wollen.

Offene Provokation durch Samsas Traum

Das deutschsprachige Musikprojekt Samsas Traum, das 1996 von Alexander Kaschte ins Leben gerufen wurde, bekannte sich durch morbide Plakate für die Tierschutzorganisation PETA mit Motiven der Selbstverstümmelung und Überschriften wie „Fleisch ist (Selbst) Mord“ zum veganen Lebensstil. Die plakative Kritik steht dabei konträr zur eigenen musikalischen Entwicklung, in der sich die Band mit lyrischen und anspruchsvollen Texten einer breiten Themenpalette widmet. Bereits der Bandname, der auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ referiert, deutet den literarischen Bezug an. Außerhalb der Musik äußert sich der Bandgründer weniger poetisch denn radikal gegen den Konsum tierischer Güter, indem er in einem Interview mit dem Zillo-Magazin Vegetarier mit Fleischessern auf eine Ebene stellt: „Vegetarier sind Mörder. […] Sie befriedigen ihr Gewissen durch den Verzicht auf Fleisch, konsumieren aber weiterhin Produkte […], die ebenfalls auf den Tod der zur Gewinnung ausgenutzten Tiere hinauslaufen“. Auch Fans werden fundamental zu veganer Ernährung aufgerufen – nicht nur, indem Kaschte auf Konzerten Veganismus-Bücher verkauft und kritische Ansprachen auf DVDs und Hörspiele presst. Kontroverse Diskussionen löste er unter anderem durch die Diffamierung von Fleischkonsumenten auch innerhalb der Fangemeinde aus. So finden sich in „Vegan oder tot“ auf dem 2007 veröffentlichten Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ bewusst provokante und provozierende Worte: „Ich weiß, dass alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. […]  Ich habe kein Mitleid für Menschen, die an einem Herzinfarkt sterben. Ich habe kein Mitleid für Menschen, die übergewichtig sind.“

KAFKAS machen Punkrock für Tier und Mensch

Kafkas gründeten sich 1995 in Fulda und vertreiben bis heute ihre Alben im hauseigenen Label. In ihren Texten setzen sie sich mit Themen wie Tierrecht und -schutz auseinander, engagieren sich aber auch außerhalb der Musik für Tier- und Umwelt-Organisationen. Inspiration für einige der Lieder bietet dabei das Schwein Paula, das als Mitbewohnerin des Sängers Marcus Kafka betitelt wird. In einem Interview mit Veggy-Post gab dieser an, sowohl als Plattform für „weniger massenkompatible Themen“ zu dienen als auch Anstoß zum Nachdenken zu geben. Mit den Songs „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und „Für immer“ erreichte die Band größere Bekanntheit, erhielt schließlich für „Klatscht in die Hände“ 2010 Platz 1 der MTV-Charts im Bereich Rockzone. Musikalisch erhebt die Band dabei nicht den moralischen Zeigefinger und befasst sich vielmehr mit subtileren Klängen und viel Eigenironie mit den ernsten Themen der Gesellschaft. Während das Lied „Vegetarier können nicht tanzen“ auf der „Superrocker“-EP aus dem Jahre 2004 humorvoll mit stereotypen Vorwürfen Vegetariern gegenüber spielt, die „immer bleich [sind], denn die essen ja kein Fleisch“, tritt die Kritik in „Non-Human-Justice“ auf der 1996 veröffentlichten „Serotonin“-CD schonungslos zutage: „Your steak on the table, you close your eyes. You ignore. The law is still on your side. But I think it´s time now for a change to stop killing defenceless life.“

—————————————————————————————————————
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Sabrina Holitzner und Gülcin Onat.
—————————————————————————————————–————

Bio – Alles besser (für die Tiere)? Teil 2: Bio-Fleisch

Wer Fleisch essen will, kauft es meist im Supermarkt. Dass das Fleisch aus der Theke dort aus der Intensivtierhaltung (korrekter Begriff für die Massentierhaltung) stammt, ist bekannt.
Wer nun nicht möchte, dass das tote Tier auf dem Teller sein Leben in Qualen verbracht hat sondern es frische Luft atmen, Sonne auf der Haut fühlen und frisches Gras fressen konnte weicht vielleicht auf Fleisch mit einem Bio-Siegel aus. Was versprechen diese Siegel? Was hat Bio-Fleisch für eine Auswirkung auf den Organismus? Was an Bio-Fleisch ist also besser?

Die Frage, ob Bio-Fleisch besser für die Gesundheit des Menschen ist, ist schnell beantwortet. Wenn es mir um die Gesundheit geht, ich genetisch verändertes Essen ablehne und nicht von meinem Organismus abgebaut wissen möchte, dann entscheide ich mich für Bio-Fleisch. Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere belegt in einer Langzeitstudie, dass das Fleisch von Biorindern doppelt so viele gesunde Omega-3-Fettsäuren enthält als das von Artgenossen in konventioneller Haltung. Die Tiere auf Höfen mit Siegeln von der EU, Naturland, Demeter und Co sind nachweislich mit gentechnikfreiem Futter aufgezogen worden. Diese Siegel sind, trotz seltener Skandale in den letzten Jahren, doch vertrauenswürdig.

Ebenfalls unterstützt der verminderte Einsatz von Antibiotika die Gesundheit von Mensch und Tier. Hier wird nicht wie in der konventionelle Tierhaltung bei Krankheitsfall vorsorglich der gesamte Bestand mit einem Antibiotikum behandelt, sondern die Tiere ausgesondert und behandelt. So entstehen weniger Antibiotika-Resistenzen im Tier, welche beim Fleischverzehr vom Menschen aufgenommen werden.

Einer Schätzung der Bundesregierung zufolge werden Schweine durchschnittlich sechsmal pro Jahr mit Antibiotika behandelt, Milchrinder und Mastkälber etwa zweimal pro Jahr. Während eines Hühnerlebens kommt es im Schnitt zwei Mal zur Behandlung mit Antibiotika.

Geht es mir darum, dass es dem Tier während der Aufzucht besser erging als den Tieren auf engstem Raum in dunklen Hallen, so bieten verschiedene Siegel unterschiedliche Vorteile: Beim EU-Bio-Siegel haben die Tiere mehr Platz zur Verfügung, oft sind ein paar wenige Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden, die tierquälerische Kastenhaltung von Säuen beispielsweise wird unterbunden. Viele Tiere (nicht alle!) haben Freilauf an einigen Tagen der Woche. Es ist allerdings nach EU-Recht möglich, auf ein- und demselben Hof konventionelle Tierhaltung parallel zur biologischen Tierhaltung zu betreiben. Hier ist der Unterschied dann meist ausschließlich im gentechnikfreien Futter zu suchen.

696481_web_R_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de
(c) Katharina Wieland Müller, www.pixelio.de

Beim Siegel von Demeter, Naturland etc. gibt es strengere Vorgaben. Die Tiere haben viel Freilauf, werden oft in kleinen Gruppen gehalten, konventionelle Tieraufzucht gibt es auf diesen Höfen nicht parallel, Tierrechte werden stärker berücksichtigt. Der Einsatz von Antibiotika, welcher in konventioneller Tierhaltung über alle Maßen ausgeführt wird und damit mit uneinschätzbaren Folgen Mensch und Tier schadet, ist in Bio-Betrieben sehr eingeschränkt.
Natürlich werden auch diese biologisch aufgezogenen Tiere nicht zu Tode gestreichelt, aber sie führen ein würdiges Leben bis zu ihrem Tod.


Wie kann ich mir sicher sein, dass das Fleisch, das ich kaufe, auch wirklich aus guter Tierhaltung kommt? Ganz einfach: Im Supermarkt kann ich mir, egal welches Siegel auf dem Fleisch ist, nie sicher sein. Einige Skandale bestätigen dies. Um sicher gehen zu können sollte ich mich in regionalen Ställen selbst umsehen, bevorzugt Ställe, in denen die Tiere besichtigt werden können. Da freut sich das Gewissen, und ich unterstütze noch den kleinen Bauern statt der Agrarfabrik, die Mensch und Tier ausbeutet.

Die meisten Regionen besitzen mindestens einen zertifizierten Hof, wo auch Gemüse, Milchprodukte und einiges mehr erstanden werden kann – in bester Bio-Qualität, versteht sich. Mit etwas Glück werden diese Produkte wie beispielsweise in Hannover dann auch noch wöchentlich zugeliefert. In Süddeutschland gibt es die Vorzeige-Biohöfe wie Herrmannsdorfer (www.herrmannsdorfer.de) und Co, welche an Tierfreundlichkeit in der Aufzucht nicht zu übertreffen sind. Des Weiteren existieren Geschäfte wie „Meine kleine Farm“, wo genau nachzuvollziehen ist, welches Teil von welchem Tier man kauft. Transparenter und tierfreundlicher ist dann nur noch die eigene Aufzucht und Schlachtung im Hinterhof.

Natürlich ist Bio-Fleisch teurer als konventionelles Fleisch. Wem jedoch die eigene Gesundheit am Herzen liegt und wen auch das Tierwohl nicht kalt lässt der reduziert seinen Fleischkonsum allerdings sowieso. Und dann kommt am Ende keine teurere Lebensweise, sondern eine gesündere dabei heraus.

Eine Serie auf Face2Face zu dem Thema „Vegetarismus“ findet ihr hier:

http://face2face-magazin.de/2011/05/22/vegetarisch-essen-teil-1-fakten-fakten-fakten/

Am 31.7. beschäftigt der kommende Artikel von Bernd sich mit Gedankenstudien.Im dritten Teil dieser Bio-Reihe im August wird es dann um Bio-Obst und Gemüse gehen.

„Wir können selbst die Veränderung sein, die wir auf der Welt sehen wollen“ – ein Interview mit Autor Christian Vagedes

Christian Vagedes ist Autor, Designer und Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland e.V. Mit seinem Buch „veg:up – die veganisierung der welt“ liefert er Antworten auf Fragen wie warum Menschen bislang noch immer nichtvegane, konventionelle Produkte konsumieren, obwohl die negativen Folgen längst bekannt sind. Vagedes sprach mit Face2Face unter anderem über Fastfood, Lebensweisheiten und seinen Erfolg.

Christian Vagedes: Autor des Buches „veg:up – die verganiserung der welt“ (Foto: Jenowein)

Face2Face: Bereits einige Wochen nach dem Erscheinungstermin ihres Buches gab es Anfragen zur Übersetzung aus Polen und Amerika – wie erklären Sie sich diesen nachhaltigen Erfolg? War das für sie überraschend oder haben Sie das erahnen können?
Vagedes: Das Interesse am Thema vegan ist weltweit enorm und wird immer größer. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Lösungsmöglichkeiten die Veganisierung unserem Planeten bietet.

Face2Face: Ihr Buch besteht zu 100 Prozent aus veganen Materialien. Gab es bis zur endgültigen Fertigstellung Momente, in denen Sie glaubten, dass es so in der Praxis doch nicht umsetzbar sei?
Vagedes: Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Eine der größten Buchdruckereien meinte definitiv, dass es ganz vegan nicht gehen würde. Mit viel Recherchieren, Herumprobieren und Querdenken ging es dann letztendlich doch.

Face2Face: Sie schreiben in ihrem Buch, dass die Veganisierung der Menschheit die Lösung für all unsere Probleme ist. Wie erklären Sie demnach einem Teenager, der sich genüsslich von Fastfood ernährt, Ihre Lebenstheorie?
Vagedes: Ich sage nicht, dass die Veganisierung das Allheilmittel schlechthin sei, aber eine der wichtigsten Lösungsansätze für viele Herausforderungen. Man denke nur an die Welternährungsgerechtigkeit, den Regenwald, die Weltmeere, die Trinkwasserreserven, das Klima, die gequälten Tiere. Und die Teenager könnten auch veganes Fastfood genießen, ich beispielsweise esse es manchmal selbst gern.

Face2Face: Ihr Buch wird in mehreren Bestsellerlisten geführt. Wie kommt ein Designer dazu ein Buch zu schreiben, das sich mit einem globalen Thema befasst?
Vagedes: Irgendwann hat es „klick“ gemacht und ich dachte: das beste Design für die Welt besteht darin, etwas zu fördern, was wir wirklich beeinflussen können. Mit der Veganisierung haben wir etwas selbst in der Hand, mit dem wir heilend auf den Planeten einwirken können.

Face2Face: Viele junge aber auch ältere Menschen gehen zurzeit auf die Straße und protestieren. Wie stehen Sie zu den aktuellen Occupy-Bewegungen und den herrschenden Krisen? Gibt es für diese Probleme vielleicht auch einen veganen Lösungsansatz?
Vagedes: Wie ich hörte sehen viele Menschen in dieser Bewegung auch die Tierrechte und vegan als wichtig an. Die Welt ist gerade in einem Umbruch. Wir müssen alle lernen neu zu denken, aber dazu gehören alle Bereiche, die die Menschheit betreffen. Einseitige Schuldzuweisungen sollten gemeinsam erarbeiteten Lösungen weichen. Wir benötigen proaktives, lösungsorientiertes Denken. Protest ist wichtig, aber nur konkrete Lösungen bringen uns vorwärts.

Face2Face: Sie leben den „grünen Traum“. Halten Sie sich zu Hause Haustiere?
Vagedes: Ich besitze drei Katzen, die ich aus dem Tierheim geholt habe. Sie sind extrem verschmust.

Face2Face: Was haben Sie in naher Zukunft geplant? Schreiben Sie schon an einem zweiten Buch? Wenn ja, welche Thematik wird uns erwarten?
Vagedes: Ich habe sogar schon eines fertig, aber ich kann aus bestimmten Gründen noch nicht darüber sprechen.

Face2Face: Gibt es vielleicht etwas, das Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben wollen, beispielsweise eine Lebensweisheit?
Vagedes: Wir können alles verändern und die beste Lebensweisheit kommt von Gandhi: Wir können selbst die Veränderung sein, die wir auf der Welt sehen wollen. Wichtig ist mir die Quintessenz von „veg:up – die vaganisierung der welt“: Wir sind geistig-kulturell noch im Evolutionsaufstieg, begriffen haben es alle vor uns. Das kann uns Hoffnung machen und unsere menschliche Kreativität, die von jedem einzelnen Menschen gefragt ist. Dazu brauchen wir Selbstvertrauen und Mut. Im Übrigen auch den Mut zu lieben.

Info: Das Buch „veg:up – die verganiserung der welt“ (287 Seiten) ist bereits im Sicht-Verlag erschienen.

Weitere Information zum Thema Veganisierung erhaltet ihr HIER.

Vorschau: Ist die Jugend von heute ausreichend aufgeklärt – oder sogar überaufgeklärt? Dieser Frage wird Tatjana nächste Woche auf den Grund gehen.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

„Als würde ich in einen menschlichen Arm beißen“

Vegetarier-Serie Teil 4

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie dazu kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten.
Sara studiert an der Hochschule Darmstadt, lebt in Frankfurt und isst seit siebzehn Jahren kein Fleisch mehr. Es war die Begegnung mit einer Horde quiekender Schweine, die sie als Auslöser für ihren Vegetarismus noch bis heute genau in Erinnerung hat.

Face2Face: Wie kamst du dazu, Vegetarierin zu werden und wann war das?
Sara: Ich war als Kind, mit elf Jahren, in einem Reitverein, neben dem ein Bauer Schweine und Hühner züchtete. Der Schweinestall war ganz dunkel und ich habe von dort immer wenig mitbekommen, bis zu dem Tag, an dem alle geschlachtet werden sollten. Vor Angst und Stress haben sich die Schweine gegenseitig ihre Ringelschwänze abgebissen und fürchterlich geschrien. Damals dachte ich mir ‚Jetzt esse ich nie wieder Fleisch’. Das habe ich dann sofort und konsequent umgesetzt.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür, keine Tiere mehr zu essen?
Sara: Wie gesagt, ausgelöst wurde diese Umstellung durch den Vorfall auf dem Bauernhof. Aber an sich geht es mir nicht um das sterbende Tier, sondern die schreckliche Haltung davor. Wenn ich mich außerdem an die Bisse in Fleisch erinnere, fühlt es sich für mich immer danach an, als würde ich in einen menschlichen Arm beißen. Bei dem Gedanke an die Konsistenz von Fleisch wird es mir einfach ganz anders.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Sara: Das kommt darauf an, ob ich Lust auf Fleisch hätte. Im Moment ist das nämlich ganz und gar nicht der Fall. Aber grundsätzlich ja. Fisch würde ich schon eher essen. Das habe ich letztes Jahr auch ausnahmsweise getan, auf einem Forellenhof, wo ich der Meinung war, die Tiere werden artgerecht gehalten. Das würde ich auch wieder machen, wenn ich genau weiß, woher der Fisch jetzt kommt und ob es ihm gut ging.

Face2Face: Was hat sich seither für dich verändert? Fühlst du dich besser?
Sara: Irgendwo schon, weil ich ein reineres Gewissen habe. Ich verzichte und tue damit nicht unbedingt etwas weltbewegendes, aber es beruhigt mich, dass ich es mache. Andererseits ist das auch ein Trugschluss, zu glauben, man sündigt jetzt gar nicht mehr. Denn wenn man weiterhin tierische Produkte wie Käse oder Eier ist, selbst wenn es Bio-Eier sind, unterstützt man ja weiterhin diese Massenproduktion.

Face2Face: Was würdest du dir in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft wünschen?
Sara: Mein Ziel ist es, dass es die Massentierhaltung so nicht mehr gibt. Die Leute sollten aber beim Fleischkauf insgesamt mehr nachdenken, und nicht jedem billigen Angebot nachgehen.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Sara: Ich mache mir zum Beispiel gerne Spinat mit Gorgonzola-Soße und Tomaten. Aber als ich in Indien war, habe ich das indische Essen für mich entdeckt. Ich liebe also Curry-Gemüse und die ganzen vegetarischen Speisen aus diesem Land.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

„Bei dem Quatsch mache ich nicht mit“

Vegetarier-Serie Teil 3

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie zum Vegetarismus kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten.

Andreas Pollierer (31) aus Darmstadt ist seit achtzehn Jahren Vegetarier mit einer besonderen Regel: Ab und zu, wenn er weiß, dass das Tier gut gehalten wurde, isst er auch mal einen Happen Fleisch.

Face2Face: Wie kamst du dazu, Vegetarier zu werden und wann?
Andreas Pollierer: Als ich dreizehn war, also 1993, wurde ich Vegetarier nachdem ich einige Tiertransport- und Massenhaltungsfilme gesehen habe. Damals habe ich mir gedacht: Bei dem Quatsch mache ich nicht mit. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber relativ schnell habe ich dann aufgehört Fleisch zu essen.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür gewesen?
Pollierer: Hauptsächlich war es das Entsetzen über die Methoden der Produktion, die mich zu dieser Umstellung gebracht haben. Aber natürlich taten mir auch die Tiere als Lebewesen irgendwie leid.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Pollierer: Alle fünf Jahre kommt so was in der Art mal vor, ja. Wenn ich ganz genau weiß, wo das Tier herkommt und dass es ein artgerechtes Leben hatte, kann ich es auch mal essen.
Das war mal eine große Ausnahme, als ich ein Spanferkel mit gegessen habe, da es vom Bauernhof nebenan kam und ich es quasi persönlich gekannt habe.

Face2Face: Was hat sich seither für dich verändert? Fühlst du dich besser?
Pollierer: Ich esse weiterhin Fisch, weil ich die tierischen Eiweiße für sehr wichtig für die Ernährung halte. Außerdem habe ich für mich entschieden, dass ich nur das Tier esse, dass ich auch selbst schlachten würde – Fisch gehört da dazu. Für mich bedeutet es keine Einschränkung oder Verzicht, kein Fleisch zu essen.

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Face2Face: „Vegetarier essen Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Pollierer: Der Spruch ist nicht provokant, sondern dumm und falsch.
Deswegen ärgere ich mich auch nicht darüber. Es gäbe nämlich kein Hungerproblem auf der Welt, wenn alle vegetarisch leben würden. In den Dritte – Welt – Ländern haben Menschen zum Beispiel kein Getreide, da es als Tierfutter nach Europa exportiert wird.

Face2Face: Was würdest du dir in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft wünschen?
Pollierer: Die Leute sollten bewusster essen. Der Trend geht glücklicherweise schon dahin, beispielsweise achten viele Menschen auf Bio-Siegel. Außerdem ist es ja schon mal ein Etappensieg, dass in Deutschland keine Eier aus Käfighaltung mehr verkauft werden. Das haben die Menschen selbst bewirkt, da sie dieses Produkt nicht mehr genügend gekauft haben.
Ich wünsche mir, dass dieser Trend so weiter geht und die Menschen weniger und bewusster Fleisch essen.

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Pollierer: In meiner Kindheit habe ich immer mit Haustieren zusammen gelebt. Wir hatten Hunde, Katzen, Hamster, Fische und in der Nachbarschaft Pferde.
Gerade habe ich keine Zeit mehr, mich um ein Tier zu kümmern. Aber ich schätze alle Lebewesen, und bin sogar dem Fisch in meinem Sushi dankbar, während ich ihn esse.
Ich kann ein Tier eher essen, wenn es noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurde.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Pollierer: Ich liebe Sushi, deswegen esse ich darin auch Thunfisch. Das ist wirklich die einzige Ausnahme, bei der ich gegen meine Prinzipien verstoße. Die Produktion von Thunfisch ist nämlich nicht gerade artgerecht.
Außerdem esse ich gerne Kartoffelauflauf mit verschiedenem Gemüse wie Karotten, Zucchini und Erbsen. Für mich bedeutet ein Leben ohne Fleisch keinen Verzicht.

Bisherige Teile der Vegetarier-Serie:

Susanne aus Dudenhofen
Tanja aus Speyer
Johanna aus Darmstadt

Vorschau: Am nächsten Donnerstag lest ihr über die Geschichte eines Pferdes, das in letzter Sekunde wieder das Vertrauen zu Menschen gewinnen konnte.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen – Vegetarier-Serie Teil 3

 

Nun wieder Vegetarierin: Die Studentin Johanna aus Darmstadt (Foto: Lobig)

Nun wieder Vegetarierin: Die Studentin Johanna aus Darmstadt (Foto: Lobig)

„Vegetarismus hat nichts mit ‚gut sein’ zu tun“

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wie sie dazu kamen und nun ihr Leben gestalten.

Johanna Kindermann ist 23 Jahre alt und studiert in Darmstadt Online-Journalismus. Der Vegetarismus ist für sie seit ihrer Kindheit gezwungenermaßen ein Thema gewesen – jetzt, wo sie in einer WG wohnt, holt er sie doch wieder ein.

Face2Face: Wie kamst du dazu Vegetarier zu werden und wann?
Johanna: Ich esse jetzt erst seit etwa vier Monaten wieder kein Fleisch. Davor war ich seit meiner frühen Jugend keine Vegetarierin mehr, aber richtig viel Fleisch gab es bei mir trotzdem nie.
Ich bin vegetarisch erzogen worden. Aber mit der Zeit ist es für mich einfach normal geworden, dass auf meiner Pizza oder in meinem Döner Fleisch ist und ich das mit esse. Wie ich dazu kam, lässt sich kaum sagen.
Ich habe einfach angefangen, darüber nachzudenken, wie ich essen will. Irgendwann gab es einfach kein Zurück mehr. Ich konnte es nicht mehr mit mir vereinbaren, Fleisch weiterhin zu essen.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür?
Johanna: So etwas hat meiner Meinung nach immer ein bisschen mit der Erziehung zu tun, denke ich. Was dir deine Eltern dazu erzählen, brennt sich in dein Gehirn.
Auch, wenn ich es als Kind verabscheut habe, dass es zu Hause Milch und Eier vom nächsten Bauern gibt, habe ich zwangsläufig irgendwann angefangen, mir Gedanken darüber zu machen. Einerseits will ich mich also „gesund“ ernähren. Andererseits stelle ich mich auch dagegen, dass Tiere meistens so unwürdig gezüchtet und geschlachtet werden.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Johanna: Ja. Es gibt ja auch viele Tierhaltungen, die in meinen Augen okay sind. Abgesehen davon, dass es sehr schwierig ist, das genau zu überprüfen, würde ich dieses Fleisch bedenkenlos essen. Allerdings hab ich in diesen vergangenen vier Monaten festgestellt, dass mir Gerichte ohne Fleisch sogar besser schmecken, also würde ich es vielleicht doch nicht essen.

Face2Face: Was hat sich für dich verändert seither? Fühlst du dich besser?
Johanna: Bisher hat sich noch gar nichts verändert, aber es sind ja auch erst wenige Monate und ich habe vorher auch nie viel Fleisch gegessen.
Anstrengend finde ich es nur, wenn man in der Gruppe kocht. Da müssen sich die anderen dann doch etwas nach einem richten. Manchmal finden die das auch etwas befremdlich und sind genervt, „dass man ein guter Mensch sein will“. Obwohl das nichts mit gut sein zu tun hat, finde ich. So bin ich einfach. Ich finde es dabei auch völlig okay, dass andere trotzdem Fleisch essen.

Face2Face:„Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Johanna: Den Spruch habe ich noch nie von jemandem ernsthaft gehört. Ich bezweifele, dass das je jemand ernst gemeint hat. Ich glaube, dass sich viele Menschen eher angegriffen fühlen, wenn man verkündet, Vegetarier zu sein.
So, als ob ich ihn gleich bekehren wollen würde. Mich stört es nicht, wenn jemand einen Witz darüber reißt. Das muss man ja alles nicht so eng sehen.

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?Johanna: Etwas mehr Bewusstsein wäre schön. Es ist logisch, dass das Fleisch von bestimmten „No Name“-Marken so extrem billig ist, darüber denkt aber kaum jemand nach.

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Johanna: Wir hatten mehrere Katzen und einen Hund, daher bin ich es gewohnt, Tiere wie Familienmitglieder zu behandeln. Andererseits bin ich genauso Schlachtung gewohnt. Neben uns züchtete jemand Hasen. Es war normal, dass manchmal der Hase, mit dem man am Vortag noch spielte, plötzlich weg war. Damit hatte ich aber nie ein Problem.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Welches ist dein Lieblingsrezept?
Johanna: Kein Fleisch eben. Bei mir zu Hause ist das kein Problem, da habe ich mir nie Schnitzel gebraten oder Truthahn gemacht.
Nur unterwegs ist man die geringe Auswahl an vegetarischen Sachen schnell satt. Tomate mit Mozarella, da ist kein Bäcker kreativer. Ich habe aber eine Freundin, die vorher jeden Tag mindestens zum Mittagessen Fleisch aß. Deswegen wurde ihre Ernährung so stark umgeschmissen, dass sie Tabletten für die Ersatzstoffe nehmen muss.
Alles Gewöhnungssache. Mein Lieblingsrezept? Reispfanne mit angebratenen Karotten, Broccoli, Erdnüssen und Sojasauce.

Vorschau: Am nächsten Donnerstag gibt es ein Interview mit Manuela Leopold, Pferdezüchterin und Tierliebhaberin, zu lesen.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen – Vegetarier-Serie Teil 1

„Ein Gebet vor dem Essen bringt den Tieren nichts“

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wie sie dazu kamen und sie nun ihr Leben gestalten.

Tierlieb: Hessert hat ihre Vierbeiner den ganzen Tag um sich herum. (Foto: Hessert)

Tierlieb: Hessert hat ihre Vierbeiner den ganzen Tag um sich herum (Foto: Hessert)

Face2Face:Wie kamst du dazu Vegetarier zu werden und wann?
Tanja Hessert: Als ich in der 7. Klasse war, hat unser Lehrer uns ein Video von einem Tiertransport gezeigt. Das, was ich da sah, hat mich erschüttert.
Von da an habe ich beschlossen, vollkommen auf Fleisch zu verzichten.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür?
Hessert: Ich bin gegen die Massentierhaltung und ich toleriere den Umgang mit diesen armen Tieren nicht. Ich bin überzeugt davon, dass nur das Fleisch von glücklichen Tieren auch gesund sein kann. Gegen meine Überzeugung geht es mir, dass wir Lebewesen essen, die Augen und eine Seele haben. Diese für den Verzehr gezüchteten Tiere haben oft kein Tageslicht in ihrem Leben gesehen, geschweige denn Gras gefressen und den Regen gespürt. Das macht mich unsagbar traurig.
Wir haben einfach nicht das Recht, so mit Lebewesen umzugehen und sie dann zu töten.
Abgesehen davon, ganz aktuell – Mastbetriebe produzieren immense Mengen an Co2. Da sollten sich die Menschen gerade ernsthaft überlegen, ihren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Dadurch ließe sich nämlich auch endlich die Überproduktion von Fleisch vermeiden.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Hessert: Wenn sie nicht nur artgerechter sondern artgerecht gehalten würden, dann in Maßen sicher.

Face2Face: Was hat sich für dich verändert seither? Fühlst du dich besser?
Hessert: Ich tue etwas Gutes, darum fühle ich mich viel besser als zuvor. Ich kann von mir sagen, dass ich einen so grausamen Umgang mit Lebewesen, wie wir es auch sind, nicht unterstützte und zudem noch etwas für den Schutz unserer Umwelt tue. Wenn mehr Menschen so denken, kann das schon einiges verändern.

Face2Face: „Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Hessert: Nun ja – darüber lache ich nur und fühle mich nicht angesprochen!

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?
Hessert:Ich wünsche mir den Sonntagsbraten zurück! Man muss und sollte nicht jeden Tag Fleisch essen, sondern Fleisch als ein kostbares Gut sehen, dass nur an besonderen Tagen verzehrt wird.

Vegetarisch kochen und leben: Hessert, ihre Schildkröten und ihr Hase. (Foto: Hessert)

Vegetarisch kochen und leben: Hessert, ihre Schildkröten und ihr Hase (Foto: Hessert)

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Hessert: Ich liebe Tiere. Ohne sie wäre die Welt nur halb so schön. Deshalb sollten wir anfangen, sie zu respektieren! Ein Gebet vor dem Essen ändert leider nichts.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Hessert: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Internet und in der Buchhandlung gibt es eine große Vielfalt an vegetarischen Kochrezepten und Büchern, da ist sicher für jeden etwas dabei! Fleischersatz ist bei uns kein Thema. Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse, tolle Gewürze – daraus lässt sich immer etwas Leckeres zaubern!

Vorschau: Am nächsten Donnerstag könnt ihr eine zweite spannende Geschichte über Linda Tellington-Jones Arbeit in Dudenhofen mit einem Haflinger [für die nicht-Pferdekenner: eine kräftigere, kaltblütige Pferderasse, die früher in der Landwirtschaft zum Einsatz kam]und einem Menschen lesen.

Hier geht es zum ersten Teil der Vegetarier Serie.

Vegetarisch essen, Teil 2: Tipps rund um den fleischfreien Genuss

Fade Sojawürstchen und verkochtes Gemüse müssen nicht unbedingt das Schicksal eines jeden Vegetariers sein. Ist der Entschluss einmal gefasst, sich aus moralischen, gesundheitlichen oder  sonstigen Gründen vegetarisch zu ernähren, stellt sich meist nur eine Frage: Wie kann ich gesund und vor allem gut essen? Daher gibt es heute Tipps zum fleischlosen Genuss. Ausgegangen wird hierbei vom Ovo-Lacto-Vegetarier – Eier, Milch und Milchprodukte sind also erlaubt.

Vegetarische Produkte, die etwas taugen: Salami von "Heirler" und Tofu-Rostbräterle von "Taifun" (Foto: T. Gartner)

 Penetrant feuriger Geruch, ansprechende, rote Farbe, die von kleinen, weißen Flecken durchzogen wird – so kennt und liebt der Omnivor (zu Deutsch: Allesfresser) seine Salami. Obwohl diese Tatsache immer wieder kritisch beäugt wird: Auch für Vegetarier gibt es Wurst und in diesem Fall eben Salami. Frisch, saftig und ein bisschen scharf – so könnte man den Geschmack der etwa 3,50 Euro teuren Salami der Marke „Heirler“ – unter anderem erhältlich im Reformhaus Hug OHG, Wormserstraße 51 in Speyer – beschreiben.

 Aber was ist da eigentlich drin, in so einer „Pseudowurst“? Wasser, Rapsöl, Weizenstärke, Zwiebelpulver, Meersalz, Tomatenpulver, grüner Pfeffer gemahlen, Muskatnuss um nur einige der auf der Zutatenliste angegebenen Inhaltsstoffe zu nennen. Zudem stammt der Großteil davon aus kontrollierter ökologischer Erzeugung, wie auf der Packungsrückseite zu lesen ist.

 Natürlich dürfen an dieser Stelle auch die Tofu-Würstchen nicht fehlen. Die Rostbräterle der Marke „Taifun“ können wie gewöhnliche Würste in der Pfanne angebraten oder gegrillt werden, werden ähnlich knackig wie ihre fleischigen Verwandten, sind aber im Geschmack etwas milder. Mit pikanten Saucen kann dem aber schnell Abhilfe geschaffen werden. Die Tofu-Rostbräterle sind für etwa zwei Euro unter anderem im Biomarkt „Füllhorn“, Wormserstraße 49 in Speyer zu erstehen.

 Jetzt habe ich was zum auf´s Brot legen, aber was esse ich, wenn ich mal wirklich hungrig bin, lautet die nächste Frage. Da das Gericht nicht nur fleischlos, sondern auch schnell und einfach zubereitbar sein soll, hier zwei kleine Rezepttipps:

Rezept 1: Pellkartoffeln mit Frühlingscreme
Zutaten:
–       Kartoffeln
–       Quark
–       Creme fraiche
–       Eine halbe Salatgurke
–       Salz, Pfeffer, Schnittlauch, Petersilie (wir erinnern uns: Peterlilie enthält viel wertvolles Eisen)
–       Eine große Zwiebel
–       Nach Belieben: Paprika, Knoblauch

Zubereitung:
–       Die Kartoffeln etwa eine dreiviertel Stunde im Dampftopf garen, dann abkühlen lassen und schälen
–       Währenddessen Zwiebeln (und Knoblauch) in kleine Würfel schneiden, die Gurke waschen und in dünne Scheibchen reiben, Schnittlauch waschen und in etwa einen Zentimeter lange Stückchen schneiden, Petersilie kleinscheiden, (gegebenenfalls Paprika waschen und würfeln)
–       Kleingeschnittenes Gemüse und Kräuter in eine Schüssel geben, mit Creme fraiche und Quark vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und fertig ist die Frühlingscreme
–       Die gepellten Kartoffeln können nun neben einem Klacks Frühlingscreme serviert werden, als Deko empfiehlt es sich etwas Schnittlauch aufzubewahren und diesen vor dem Servieren über den Teller zu verstreuen

Rezept 2: Kässpätzle
Zutaten:
–        Ein bis zwei Packungen Kässpätzle aus dem Kühlregal (zwei Packungen reichen für etwa vier Personen)
–       Schnittlauch, Petersilie
–       Geriebener Käse

Zubereitung:
–       Die Kässpätzle nach Packungsbeilage zubereiten (meist muss man sie etwa fünf bis zehn Minuten in kochendes Wasser geben)
–       Währenddessen Schnittlauch und Petersilie kleinschneiden
–       Fertige Kässpätzle in eine mit Olivenöl ausgestrichene Auflaufform geben, Kräuter darüber geben und mit den Nudeln vermischen
–       Geriebenen Käse drüberstreuen und für etwa 20 Minuten bei 200 Grad Umluft in den Backofen – das Gericht ist fertig sobald der Käse beginnt braun zu werden

Das verheißungsvolle Knistern und Knacken des Feuers, der Duft von Steak und Würstchen, der fettig-glänzende Saft, der aus den Poren des Fleisches tritt und einem schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt – spätestens bei der nächsten Grillparty lauert die Versuchung.

 Aber was legt ein Vegetarier auf den Grill? Neben Gemüsespießen und Schafskäse – letzteren gemeinsam mit ein paar Tomatenscheiben, Knoblauch, Zwiebelringen und Oliven in Alufolie einpacken und das würzen mit Salz und Pfeffer nicht vergessen – kann man es auch etwas exotischer angehen: Mit Peperonispießen. Einfach frische, eingelegte Peperoni kaufen, auf Schaschlik- oder metallene Spieße stecken. Nun noch etwas Knoblauchsauce zum Dippen, knuspriges Fladenbrot dazu und fertig ist der griechische Grillgenuss.

 Wer zum Sattwerden etwas mehr braucht, kann sich an Grillkäse versuchen. Den gibt´s fertig eingelegt mit Gewürzen oder ganz natura unter anderem bei „Lidl“ für knapp zwei Euro. Ist der Käse zu dick, einfach einmal quer durchschneiden, sodass die Scheiben etwas weniger als einen Zentimeter dick sind. Wer´s knackig mag, kann den Käse direkt auf den Rost legen. Eine andere Variante wäre ihn wie den Schafskäse zusammen mit beliebigen Zutaten in Alufolie einzupacken.

 Und schon kann die Grillparty steigen!

Vorschau: Nächste Woche zeige ich euch in Form eines Videos wie man französische Zöpfe flechtet.

———————————————————————————-

Teil 1 zum Thema vegetarisch Essen findet ihr hier. Dort könnt ihr alle wichtigen Fakten über die vegetarische Ernährungsweise und ihre Variationen nachlesen.

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten

Kaum mehr Federn am Körper, ausgebleichter Kamm und Schnabel, verzweifelte Klagelaute – wenn man sich Bilder der Massentierhaltung von zum Beispiel Hühnern ansieht, jagt es einem eiskalte Schauer den Rücken hinunter.

Frisch und gesund: Obst (Foto: Beutler)

 Die eigene Moralvorstellung, aber auch Ekel oder schlicht gesundheitliche Gründe – man denke nur an den als BSE bezeichneten Rinderwahn – können Auslöser für eine Ernährungsumstellung hin zum Vegetarismus bedeuten. Dass sich der Verzicht auf Fleisch positiv auf den menschlichen Organismus auswirken kann, zeigen zahlreiche Studien, die bei Vegetariern unter anderem günstiger Blutdruckwerte, sowie eine höhere Lebenserwartung nachweisen konnten. Ein Beispiel: Die „London School of Hyhiene and Tropical Medicine“ beobachtete 11.000 Vegetarierinnen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg und verglich diese Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe, die bis auf den Fleischkonsum eine ähnliche Lebensweise aufwies. Das Ergebnis: Die Sterberate der Vegetarierinnen lag um 20 Prozent unter, die Krebstodrate sogar um 40 Prozent unter der der fleischessenden Kontrollgruppe. Na, wenn das kein Argument für eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist.

 Aber was ist mit Mangelerscheinungen? – höre ich da jemanden fragen. Klar ist, dass Fleisch wichtige Nährstoffe enthält, so zum Beispiel Eisen und Eiweiß. Verzichtet der Vegetarier jedoch nicht auf Milchprodukte und Eier ist zumindest die Zufuhr von Kalzium und Eiweiß gesichert. An dieser Stelle ein kleiner Exkurs, bevor wir zum Thema Eisen kommen, denn Vegetarismus ist nicht gleich Vegetarismus: Da hätten wir die Ovo-lacto-Vegetarier, die Milchprodukte und Eier zu sich nehmen, die Lacto-Vegetarier, die auf Eier verzichten – schließlich würde auch dort irgendwann Leben entstehen – dafür aber Milchprodukte akzeptieren, die Pescetarier, die zwar kein Fleisch von Warmblütern, wohl aber das von Fischen essen und schlussendlich die Veganer, die auf sämtliche tierische Produkte verzichten. Letztere Form der Ernährung wird aus wissenschaftlicher Sicht kritisch beäugt, da ein Ausgleich der fehlenden Nährstoffe so gut wie unmöglich ist.

Nicht nur schön anzusehen: Tomaten sind sehr gesund (Foto: Beutler)

 Nun zurück zum Eisen: Ein Mangel an diesem Spurenelement kann zu Schwindelgefühl und Konzentrationsstörungen führen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, beispielsweise durch frisches Obst oder Saft, kann die Aufnahme des sonst nur schwer für den Körper aufnehmbaren, pflanzlichen Eisen gewährleisten. Von der Einnahme von Eisenpräparate ist eher abzuraten, da diese leicht überdosiert werden können. Eine erhöhte Einnahme kann für Kleinkinder sogar tödlich enden. Besonders viel natürliches Eisen steckt zum Beispiel in Kräutern wie Petersilie, Brennnessel und Thymian, aber auch in Kürbiskernen, Erbsen und Spinat. Verzichtet werden sollte indessen auf Kaffee, Kakao, Knoblauch oder schwarzen Tee, da diese Produkte die Eisenaufnahme hemmen. Es ist auf jeden Fall ratsam bei körperlichen Beschwerden nach der Ernährungsumstellung einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann einen Bluttest durchführen, mögliche Mängel feststellen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Tipps für die weitere Ernährung geben. Ist der Mangel zu gravierend und kann nicht anderweitig ausgeglichen werden, sollte auf jeden Fall eine zumindest geringfügige Aufnahme von Fleisch wieder eingeführt werden, schließlich geht die Gesundheit eindeutig vor.

 Wer sich beim besten Willen nicht vorstellen kann auf Milch, Eier, Fleisch und Fisch zu verzichten, der sollte in Verantwortung für sich selbst und als Vorbild für andere möglichst auf Bio- beziehungsweise Freilandprodukte zurückgreifen.

 Übrigens: Laut einer im Jahr 2007 durchgeführten Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter 2517 Teilnehmern ergab sich, dass der typische Vegetarier weiblich, jung sowie überdurchschnittlich gebildet ist und in einer Großstadt lebt – nur als kleiner Denkanstoß.

Spinner oder Helden des Alltags – was denkt ihr über Vegetarier?

Vorschau: Nächste Woche gibt es dann ein paar Rezepte- sowie Produkttipps, die sicherlich nicht nur dem eingefleischten Vegetarier schmecken werden. Außerdem erfahrt ihr was ein Vegetarier zur Grillparty mitbringen kann. Zu Teil 2 gelangt ihr hier.