Tierrecht in C-Dur – vegane Musik national und international

Taktvoll: Vegane Musik regt zum Nachdenken an (© Fabian Fellmann / pixelio.de)

Mit Thomas D, Jared Leto, Janet Jackson und Bryan Adams ist die Liste der veganen und gleichzeitig hochkarätigen Interpreten – sowohl national als auch international – lang und breit gefächert. Denn immer mehr Musiker, die sich auf diese Weise ernähren, bekennen sich auch durch ihre Musik dazu. Während einige Künstler mit radikalen Bekenntnissen die Fangemeinde spalten, gründen andere wiederum gleich ein ganzes Restaurant.

Vegan essen im Restaurant von Moby

So zum Beispiel der US-amerikanische Sänger und DJ Moby, der 1999 in Deutschland mit seinem Song „Why does my heart feel so bad?“ große Bekanntheit erlangte. Seit der Eröffnung im November 2015 betreibt der Musiker, der sich für Tierrechte engagiert, das vegane Restaurant „Little Pine“ in Los Angeles. Moby hatte nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Menüauswahl ein Wörtchen mitzureden. Die Gerichte haben mediterrane Einflüsse, die verwendeten Lebensmittel sind vegan und stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Moby wuchs mit Hunden und Katzen auf. Aus Liebe zu seinen Tieren entschied er sich 1985 im Alter von 19 Jahren dafür, Vegetarier zu werden. Aufgrund der miserablen Zustände in vielen kommerziellen Farmen ernährt er sich seit 1987 vegan. Im Rolling Stone Magazine schrieb Moby über seine Beweggründe für die vegane Ernährung: „Simply so that I could eat and live in accordance with my beliefs that animals have their own lives, that they´re entitled to their own lives and that contributing to animal suffering is something that I don´t want to be a part of.“ (zu Deutsch: „Einfach, damit ich in Übereinstimmung mit meiner Überzeugung, dass Tiere ihr eigenes Leben haben, dass sie ein Recht auf ein eigenes Leben haben, essen und leben konnte, und dass der Beitrag zum Leiden von Tieren etwas ist, von dem ich kein Teil sein möchte.“)

Die Avocado-Farm von Jason Mraz

Auch der US-amerikanische Sänger Jason Mraz isst hauptsächlich vegan. Zu seinen bekanntesten Songs zählen „I´m yours“, „I won´t give up“, „Love someone“ und das gemeinsame Duett „Lucky“ mit Sängerin Colbie Caillat. Dass der Musiker inzwischen veganes Essen bevorzugt, hat mit den Rolling Stones zu tun. Als Mraz vor ein paar Jahren Supportact bei ein paar Konzerten der Band war, beeindruckte ihn deren mittlerweile gesunde Lebensweise nachhaltig und veranlasste ihn wenig später dazu, seine eigene Ernährung umzustellen. Seitdem ist er nicht nur Veganer, sondern betreibt auch eine eigene große Avocado-Farm in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Wie wichtig ihm die Wertschätzung der Erde und der ökologische und idealerweise eigene Anbau von Lebensmitteln ist, könnt ihr in seinem Song „Back to the earth“ aus seinem Album „Yes!“ (2014) hören: „Cause my home is where my food is grown.“

Veganismus als Konzept der Band Deadlock

Veganismus: Musik- und Lebensstil zugleich (Foto: T. Gartner)

Auch auf nationalen Bühnen treten immer mehr Interpreten in Erscheinung, die Veganismus nicht nur leben, sondern mit in ihre Musik einfließen lassen. So führen alle fünf Köpfe der 1997 gegründeten Melodic-Death-Metal-Band Deadlock nicht nur einen veganen Lebensstil: Auf ihrem 2008 erschienenen Album „Manifesto“ prangern sie in Liedern wie „The Brave / Agony Applause“, „Deathrace“, „Slaughter’s Palace“ und „Seal Slayer“ die Massentierhaltung und das Töten von Tieren an. Das Album „Bizarro World“, das den Musikern 2011 erstmals eine Chart-Platzierung bescherte, erinnert namentlich nicht zufällig an die Comicfigur Bizarro. Vielmehr seien nach dem Bassisten John Gahlert in einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer vielerlei Parallelen zwischen der fiktiven Figurenwelt und der Gegenwart erkennbar: „Es geht darum, wie verdreht vieles auf der Welt ist. Die meisten Leute fressen einfach, was ihnen vorgeworfen wird. Würden sie weiterdenken, würde so manches Lügengebilde schnell einstürzen“. Als Motivation sich auch musikalisch mit den Rechten der Tiere auseinanderzusetzen, gab Gahlert in einem Interview mit dem Magazin All About The Rock an, die Fans zum bewussteren Konsum anregen zu wollen.

Offene Provokation durch Samsas Traum

Das deutschsprachige Musikprojekt Samsas Traum, das 1996 von Alexander Kaschte ins Leben gerufen wurde, bekannte sich durch morbide Plakate für die Tierschutzorganisation PETA mit Motiven der Selbstverstümmelung und Überschriften wie „Fleisch ist (Selbst) Mord“ zum veganen Lebensstil. Die plakative Kritik steht dabei konträr zur eigenen musikalischen Entwicklung, in der sich die Band mit lyrischen und anspruchsvollen Texten einer breiten Themenpalette widmet. Bereits der Bandname, der auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ referiert, deutet den literarischen Bezug an. Außerhalb der Musik äußert sich der Bandgründer weniger poetisch denn radikal gegen den Konsum tierischer Güter, indem er in einem Interview mit dem Zillo-Magazin Vegetarier mit Fleischessern auf eine Ebene stellt: „Vegetarier sind Mörder. […] Sie befriedigen ihr Gewissen durch den Verzicht auf Fleisch, konsumieren aber weiterhin Produkte […], die ebenfalls auf den Tod der zur Gewinnung ausgenutzten Tiere hinauslaufen“. Auch Fans werden fundamental zu veganer Ernährung aufgerufen – nicht nur, indem Kaschte auf Konzerten Veganismus-Bücher verkauft und kritische Ansprachen auf DVDs und Hörspiele presst. Kontroverse Diskussionen löste er unter anderem durch die Diffamierung von Fleischkonsumenten auch innerhalb der Fangemeinde aus. So finden sich in „Vegan oder tot“ auf dem 2007 veröffentlichten Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ bewusst provokante und provozierende Worte: „Ich weiß, dass alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. […]  Ich habe kein Mitleid für Menschen, die an einem Herzinfarkt sterben. Ich habe kein Mitleid für Menschen, die übergewichtig sind.“

KAFKAS machen Punkrock für Tier und Mensch

Kafkas gründeten sich 1995 in Fulda und vertreiben bis heute ihre Alben im hauseigenen Label. In ihren Texten setzen sie sich mit Themen wie Tierrecht und -schutz auseinander, engagieren sich aber auch außerhalb der Musik für Tier- und Umwelt-Organisationen. Inspiration für einige der Lieder bietet dabei das Schwein Paula, das als Mitbewohnerin des Sängers Marcus Kafka betitelt wird. In einem Interview mit Veggy-Post gab dieser an, sowohl als Plattform für „weniger massenkompatible Themen“ zu dienen als auch Anstoß zum Nachdenken zu geben. Mit den Songs „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und „Für immer“ erreichte die Band größere Bekanntheit, erhielt schließlich für „Klatscht in die Hände“ 2010 Platz 1 der MTV-Charts im Bereich Rockzone. Musikalisch erhebt die Band dabei nicht den moralischen Zeigefinger und befasst sich vielmehr mit subtileren Klängen und viel Eigenironie mit den ernsten Themen der Gesellschaft. Während das Lied „Vegetarier können nicht tanzen“ auf der „Superrocker“-EP aus dem Jahre 2004 humorvoll mit stereotypen Vorwürfen Vegetariern gegenüber spielt, die „immer bleich [sind], denn die essen ja kein Fleisch“, tritt die Kritik in „Non-Human-Justice“ auf der 1996 veröffentlichten „Serotonin“-CD schonungslos zutage: „Your steak on the table, you close your eyes. You ignore. The law is still on your side. But I think it´s time now for a change to stop killing defenceless life.“

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Sabrina Holitzner und Gülcin Onat.
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Schnelles Rezept für Spinatnudeln mit Feta und Pinienkernen

Die Arbeit ruft, Freunde wollen was unternehmen, der Haushalt möchte auch gemacht werden und die Familie wünscht sich ebenfalls Beachtung. In diesem Spannungsfeld stehen viele junge Menschen heute. Gleichzeitig wollen sie auch noch auf gesunde, ausgewogene Ernährung achten. Diese sollte jedoch am besten schnell zuzubereiten sein, denn Zeit ist nun einmal Mangelware. Damit dies gelingt, verraten wir euch heute ein ganz einfaches schnelles Rezept für Spinatnudeln mit Feta und Pinienkernen. Es geht nicht nur wahnsinnig schnell sondern schmeckt super lecker und ist auch für gemütliche Abende mit Freunden geeignet.

Zutaten:

  • 500 Gramm Nudeln
  • Ein Feta
  • Eine Packung Rahmspinat
  • Pinienkerne nach belieben
  • Kirschtomaten nach belieben
  • Salz und Pfeffer nach belieben

Zubereitung:

Die Nudeln in sprudelndem, leicht gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung kochen lassen. Währenddessen den Feta in kleine Stücke schneiden und ungefähr ein Viertel zur Seite legen. Anschließend die Kirschtomaten vierteln.

Den Rahmspinat in einer tiefen Pfanne oder einem Topf erwärmen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gleichzeitig die Pinienkerne in einer Pfanne goldgelb rösten und anschließend abkühlen lassen.

Dreiviertel des kleingeschnittenen Fetas zu dem Spinat geben und schmelzen lassen. Sobald die Nudeln gar sind diese abtropfen lassen und zu der Spinat-Feta-Mischung geben. Alles gut miteinander vermischen. Abschließend vorsichtig die Kirschtomaten unterheben und darauf achten, diese nicht zu zerquetschen. Beim servieren die Pinienkerne und den restlichen Feta über der Nudelmischung verteilen. Wer will, kann das Gericht noch mit frischen Kräutern verfeinern.  Viel Spaß beim Genießen!

Vorschau:

Fleischesser gegen Veganer- die ewige Debatte

In unserer modernen Gesellschaft der ersten Welt können wir uns glücklich schätzen. Kaum einer muss Hunger leiden. Auch Mangelerscheinungen wie Skorbut gehören eher der Vergangenheit an. Stattdessen aber diskutieren wir nun darüber, was wir essen sollten und was nicht. Während die eine Seite gerne Fleisch verzehrt oder zumindest nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichten will, will die andere Seite uns warnen vor den schlimmen Folgen des Verzehrs von Tierischen Produkten und den damit zusammenhängenden Leiden der Tiere. Doch keiner der beiden Seiten scheint dem Anderen zuzuhören. Stattdessen bewerfen sie sich gegenseitig mit Anschuldigungen. Was sind die Fakten?

 

Viel Gemüse ist gesund (Foto: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de)

Viel Gemüse ist gesund (Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Eindeutig ist ein zu hoher Fleischkonsum ungesund. Er führt zur Übersäuerung des Körpers und einer mit dem Säure-Basen Haushalt miteinhergehende schlechtere Knochendichte, einer Ansammlung von Fetten im Blut (HDL) und dadurch zu erhöhtem Herzinfarktrisiko, Übergewicht, und erhöhtem Risiko an Gicht oder Dickdarmkrebs zu erkranken, und möglicherweise auch Diabetes. Auch der übermäßige Antibiotikaeinsatz der Massentierhaltung und die dadurch entstehenden Multiresistenten Keime sind sicher ein Gesundheitsrisiko. Doch die Veganer führen neben den gesundheitlichen Risiken noch andere Folgen des Fleischkonsums an: so führt die Massentierhaltung durch die Rodung von Wäldern für Weiden, die Monokulturen für den Futteranbau und die CO2-Emissionen der Tiere zu Klimawandel und Artensterben. Der ökologische Fußabdruck erhöht sich also durch den Fleischkonsum.

Ein Haufen Bratwurst: Der Traum eines Fleischessers (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de)

Ein Haufen Bratwurst: Der Traum eines Fleischessers (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Manche Veganer möchten nur aufklären, doch Andere machen dem Vorwurf, dass Veganer missionarisch und fanatisch sind und sich für bessere Menschen halten, alle Ehre. Und so wird auf beiden Seiten provoziert, sodass Sätze wie „Fleisch ist mein Gemüse“, “Veganer essen meinem Essen das Essen weg“ genau so schnell fallen, wie „Ihr seid zu bequem euch zu ändern“, und „eure Moralvorstellungen sind verdreht“. Auch stehen schnell Aussagen im Raum, welche wissenschaftlich begründet sein sollen, um den eigenen Standpunkt zu belegen. Welche davon haben einen Wahren Kern?

Wer vegan lebt, muss nicht, wie satirischer Weise oft gezeigt, schmal und unterernährt sein. Trotzdem sollte man sich, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, informieren, denn eine vegane Ernährung sollte gezielt sein, um alle nötigen Nährstoffe zu erhalten (wie zum Beispiel Vitamin B12). Sterben Kinder durch solche Mängel, wurden sie nicht gezielt ernährt.

Unser Körper: Wir haben keine Reißzähne, wie ein Löwe. Unser Gebiss ist charakteristisch für Omnivoren, Allesfresser. Wir sind also darauf ausgelegt Fleisch und Pflanzennahrung zu uns zu nehmen. Streng genommen ist Omnivorie sehr weit verbreitet, so frisst eine Kuh unfreiwillig Insekten mit dem Gras und andere Herbivore ergänzen ihre Ernährung gezielt mit tierischen Proteinen, genauso, wie Krokodile auch Früchte essen. Der Mensch ist jedoch ein echter Omnivor, wobei er nachweislich trotzdem den Großteil seiner Nahrung aus pflanzlichen Quellen, besonders Früchte, bezogen hatte. Selbst unser Schlafrhythmus entspricht dem eines Omnivoren.

Andere Primaten holen sich ihre tierischen Proteine hauptsächlich aus Insekten und nur der Schimpanse und der Mensch jagen und essen Wirbeltierfleisch. Deshalb ist unser Verdauungssystem nicht absolut darauf ausgerichtet, genauso wenig wie es dazu ausgerichtet ist Gras zu essen und Cellulose zu verdauen, und wir verdauen rohes Fleisch nur sehr ineffizient. Erst durch das Feuer und das Kochen des Fleisches aßen die frühen Menschen auch mehr Fleisch und das Jagen und Fleischessen waren unweigerlich wichtige Aktivitäten.

In der Evolution des Menschen war das Fleischessen, zusätzlich zum Kochen, überlebenswichtig, besonders, weil pflanzliche Nahrung zwischenzeitlich knapp war. Die wissenschaftliche Theorie, dass das Fleischessen ein wichtiger Faktor für das Gehirnwachstum war, ist durch zahlreiche Beweise untermauert. Doch die komplexen sozialen Strukturen gehören ebenfalls dazu.

Es bleibt einzig die moralisch ethische Frage übrig. Ist es okay, ein Lebewesen zu töten? Dies ist die falsche Frage, da Pflanzen ebenfalls Lebewesen sind. Wenn, dann geht es um leidensfähige Lebewesen, welche Schmerzen empfinden können. Dann ist die Frage, wo die Grenze gezogen wird bei leidensfähig. Ist ein ausgebildetes Nervensystem, wie das eines Wirbeltieres? Pflanzen reagieren darauf, wenn Insekten ihre Blätter anfressen, verspüren aber keinen Schmerz. Doch Muscheln besitzen ebenfalls keine Schmerzrezeptoren. Wäre es okay Insekten zu verspeisen, wie es bei Primaten und in asiatischen Kulturen der Fall ist? Einige Menschen sind davon überzeugt, dass Insekten die Nahrungsquelle der Zukunft sind, und auch die EU hat bereits Pläne hierzu geschmiedet und gefördert.

Schwein am Spieß: das Fleisch war früher ein Tier (Foto: Andreas Preuß/pixelio.de)

Schwein am Spieß: das Fleisch war früher ein Tier (Foto: Andreas Preuß/pixelio.de)

Wer ein abgepacktes Stück Fleisch im Supermarkt sieht, denkt nicht mehr daran, dass dazu ein Tier geschlachtet werden musste. Der Film Earthlings zeigt auf, wie grausam es auf Schlachthöfen zugehen kann oder auch bei der Massenproduktion von Milch und Eiern. Und doch hat nicht jeder die gleichen Moralvorstellungen und so mancher Fleischesser ist sich sicher, auch selbst ein Tier schlachten zu können, wenn er es denn müsste.

Weidefleisch wäre eine gute Alternative. Das Thema, dass ein veganer Lebensstil trotzdem Tierleid verursacht durch Kollateralschaden beim Anbau, zum Beispiel bei Feldmäusen, verursacht erneut hitzige Diskussionen, doch Vorteile gegenüber Massentierhaltung sind nicht von der Hand zu weisen. Massentierhaltung bleibt bestehen, wie der Fleischatlas zeigt, denn die EU- Agrarsubventionen machen es möglich. Bleibt die Frage, ob, wenn die Subventionen gestrichen werden würden, Fleisch automatisch teurer würde und somit der Verbrauch automatisch geringer.

Was sollen wir also nun essen? Wir können uns nicht von Licht und Liebe ernähren und Lebewesen müssen für uns Heterotrophe (=„sich von anderen ernähren“) sterben. Und selbst eine vegane Ernährung ist nicht komplett tierleidfrei. Eine globale und pauschale Lösung, wie wir uns alle ernähren sollten, wird es nie geben und es ist nicht möglich aufzurechnen, welche Ernährungsform nun die Beste sei. Eine Ernährung mit regionalen und saisonalen Lebensmittel ist sicherlich ein wichtiges Stichwort und ob er nun gar keine tierischen Produkte oder sie in Maßen genießt, sollte jedem selbst überlassen sein.

Vorschau: In zwei Wochen erfahren wir etwas über die Entwicklung des Ozonloches.

Bio – Alles besser (für die Tiere)? Teil 2: Bio-Fleisch

Wer Fleisch essen will, kauft es meist im Supermarkt. Dass das Fleisch aus der Theke dort aus der Intensivtierhaltung (korrekter Begriff für die Massentierhaltung) stammt, ist bekannt.
Wer nun nicht möchte, dass das tote Tier auf dem Teller sein Leben in Qualen verbracht hat sondern es frische Luft atmen, Sonne auf der Haut fühlen und frisches Gras fressen konnte weicht vielleicht auf Fleisch mit einem Bio-Siegel aus. Was versprechen diese Siegel? Was hat Bio-Fleisch für eine Auswirkung auf den Organismus? Was an Bio-Fleisch ist also besser?

Die Frage, ob Bio-Fleisch besser für die Gesundheit des Menschen ist, ist schnell beantwortet. Wenn es mir um die Gesundheit geht, ich genetisch verändertes Essen ablehne und nicht von meinem Organismus abgebaut wissen möchte, dann entscheide ich mich für Bio-Fleisch. Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere belegt in einer Langzeitstudie, dass das Fleisch von Biorindern doppelt so viele gesunde Omega-3-Fettsäuren enthält als das von Artgenossen in konventioneller Haltung. Die Tiere auf Höfen mit Siegeln von der EU, Naturland, Demeter und Co sind nachweislich mit gentechnikfreiem Futter aufgezogen worden. Diese Siegel sind, trotz seltener Skandale in den letzten Jahren, doch vertrauenswürdig.

Ebenfalls unterstützt der verminderte Einsatz von Antibiotika die Gesundheit von Mensch und Tier. Hier wird nicht wie in der konventionelle Tierhaltung bei Krankheitsfall vorsorglich der gesamte Bestand mit einem Antibiotikum behandelt, sondern die Tiere ausgesondert und behandelt. So entstehen weniger Antibiotika-Resistenzen im Tier, welche beim Fleischverzehr vom Menschen aufgenommen werden.

Einer Schätzung der Bundesregierung zufolge werden Schweine durchschnittlich sechsmal pro Jahr mit Antibiotika behandelt, Milchrinder und Mastkälber etwa zweimal pro Jahr. Während eines Hühnerlebens kommt es im Schnitt zwei Mal zur Behandlung mit Antibiotika.

Geht es mir darum, dass es dem Tier während der Aufzucht besser erging als den Tieren auf engstem Raum in dunklen Hallen, so bieten verschiedene Siegel unterschiedliche Vorteile: Beim EU-Bio-Siegel haben die Tiere mehr Platz zur Verfügung, oft sind ein paar wenige Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden, die tierquälerische Kastenhaltung von Säuen beispielsweise wird unterbunden. Viele Tiere (nicht alle!) haben Freilauf an einigen Tagen der Woche. Es ist allerdings nach EU-Recht möglich, auf ein- und demselben Hof konventionelle Tierhaltung parallel zur biologischen Tierhaltung zu betreiben. Hier ist der Unterschied dann meist ausschließlich im gentechnikfreien Futter zu suchen.

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(c) Katharina Wieland Müller, www.pixelio.de

Beim Siegel von Demeter, Naturland etc. gibt es strengere Vorgaben. Die Tiere haben viel Freilauf, werden oft in kleinen Gruppen gehalten, konventionelle Tieraufzucht gibt es auf diesen Höfen nicht parallel, Tierrechte werden stärker berücksichtigt. Der Einsatz von Antibiotika, welcher in konventioneller Tierhaltung über alle Maßen ausgeführt wird und damit mit uneinschätzbaren Folgen Mensch und Tier schadet, ist in Bio-Betrieben sehr eingeschränkt.
Natürlich werden auch diese biologisch aufgezogenen Tiere nicht zu Tode gestreichelt, aber sie führen ein würdiges Leben bis zu ihrem Tod.


Wie kann ich mir sicher sein, dass das Fleisch, das ich kaufe, auch wirklich aus guter Tierhaltung kommt? Ganz einfach: Im Supermarkt kann ich mir, egal welches Siegel auf dem Fleisch ist, nie sicher sein. Einige Skandale bestätigen dies. Um sicher gehen zu können sollte ich mich in regionalen Ställen selbst umsehen, bevorzugt Ställe, in denen die Tiere besichtigt werden können. Da freut sich das Gewissen, und ich unterstütze noch den kleinen Bauern statt der Agrarfabrik, die Mensch und Tier ausbeutet.

Die meisten Regionen besitzen mindestens einen zertifizierten Hof, wo auch Gemüse, Milchprodukte und einiges mehr erstanden werden kann – in bester Bio-Qualität, versteht sich. Mit etwas Glück werden diese Produkte wie beispielsweise in Hannover dann auch noch wöchentlich zugeliefert. In Süddeutschland gibt es die Vorzeige-Biohöfe wie Herrmannsdorfer (www.herrmannsdorfer.de) und Co, welche an Tierfreundlichkeit in der Aufzucht nicht zu übertreffen sind. Des Weiteren existieren Geschäfte wie „Meine kleine Farm“, wo genau nachzuvollziehen ist, welches Teil von welchem Tier man kauft. Transparenter und tierfreundlicher ist dann nur noch die eigene Aufzucht und Schlachtung im Hinterhof.

Natürlich ist Bio-Fleisch teurer als konventionelles Fleisch. Wem jedoch die eigene Gesundheit am Herzen liegt und wen auch das Tierwohl nicht kalt lässt der reduziert seinen Fleischkonsum allerdings sowieso. Und dann kommt am Ende keine teurere Lebensweise, sondern eine gesündere dabei heraus.

Eine Serie auf Face2Face zu dem Thema „Vegetarismus“ findet ihr hier:

http://face2face-magazin.de/2011/05/22/vegetarisch-essen-teil-1-fakten-fakten-fakten/

Am 31.7. beschäftigt der kommende Artikel von Bernd sich mit Gedankenstudien.Im dritten Teil dieser Bio-Reihe im August wird es dann um Bio-Obst und Gemüse gehen.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen – Vegetarier-Serie Teil 1

„Ein Gebet vor dem Essen bringt den Tieren nichts“

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wie sie dazu kamen und sie nun ihr Leben gestalten.

Tierlieb: Hessert hat ihre Vierbeiner den ganzen Tag um sich herum. (Foto: Hessert)

Tierlieb: Hessert hat ihre Vierbeiner den ganzen Tag um sich herum (Foto: Hessert)

Face2Face:Wie kamst du dazu Vegetarier zu werden und wann?
Tanja Hessert: Als ich in der 7. Klasse war, hat unser Lehrer uns ein Video von einem Tiertransport gezeigt. Das, was ich da sah, hat mich erschüttert.
Von da an habe ich beschlossen, vollkommen auf Fleisch zu verzichten.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür?
Hessert: Ich bin gegen die Massentierhaltung und ich toleriere den Umgang mit diesen armen Tieren nicht. Ich bin überzeugt davon, dass nur das Fleisch von glücklichen Tieren auch gesund sein kann. Gegen meine Überzeugung geht es mir, dass wir Lebewesen essen, die Augen und eine Seele haben. Diese für den Verzehr gezüchteten Tiere haben oft kein Tageslicht in ihrem Leben gesehen, geschweige denn Gras gefressen und den Regen gespürt. Das macht mich unsagbar traurig.
Wir haben einfach nicht das Recht, so mit Lebewesen umzugehen und sie dann zu töten.
Abgesehen davon, ganz aktuell – Mastbetriebe produzieren immense Mengen an Co2. Da sollten sich die Menschen gerade ernsthaft überlegen, ihren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Dadurch ließe sich nämlich auch endlich die Überproduktion von Fleisch vermeiden.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Hessert: Wenn sie nicht nur artgerechter sondern artgerecht gehalten würden, dann in Maßen sicher.

Face2Face: Was hat sich für dich verändert seither? Fühlst du dich besser?
Hessert: Ich tue etwas Gutes, darum fühle ich mich viel besser als zuvor. Ich kann von mir sagen, dass ich einen so grausamen Umgang mit Lebewesen, wie wir es auch sind, nicht unterstützte und zudem noch etwas für den Schutz unserer Umwelt tue. Wenn mehr Menschen so denken, kann das schon einiges verändern.

Face2Face: „Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Hessert: Nun ja – darüber lache ich nur und fühle mich nicht angesprochen!

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?
Hessert:Ich wünsche mir den Sonntagsbraten zurück! Man muss und sollte nicht jeden Tag Fleisch essen, sondern Fleisch als ein kostbares Gut sehen, dass nur an besonderen Tagen verzehrt wird.

Vegetarisch kochen und leben: Hessert, ihre Schildkröten und ihr Hase. (Foto: Hessert)

Vegetarisch kochen und leben: Hessert, ihre Schildkröten und ihr Hase (Foto: Hessert)

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Hessert: Ich liebe Tiere. Ohne sie wäre die Welt nur halb so schön. Deshalb sollten wir anfangen, sie zu respektieren! Ein Gebet vor dem Essen ändert leider nichts.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Hessert: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Internet und in der Buchhandlung gibt es eine große Vielfalt an vegetarischen Kochrezepten und Büchern, da ist sicher für jeden etwas dabei! Fleischersatz ist bei uns kein Thema. Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse, tolle Gewürze – daraus lässt sich immer etwas Leckeres zaubern!

Vorschau: Am nächsten Donnerstag könnt ihr eine zweite spannende Geschichte über Linda Tellington-Jones Arbeit in Dudenhofen mit einem Haflinger [für die nicht-Pferdekenner: eine kräftigere, kaltblütige Pferderasse, die früher in der Landwirtschaft zum Einsatz kam]und einem Menschen lesen.

Hier geht es zum ersten Teil der Vegetarier Serie.