Tierisch was los – auch bei Regenwetter

Fröstelnd ziehe ich den Reißverschluss meiner Jacke noch ein Stückchen höher. Der Wind zerzaust meine Haare und die ständigen Regenschauer sind ebenfalls weder vorteilhaft für meine Frisur noch für meine Stimmung. Sich wegen des trostlosen Wetters da draußen das ganze Wochenende auf der Couch verkriechen? Ist zugegebenermaßen mal ganz nett. Wer neben dem Fernsehprogramm aber auch etwas Anderes sehen will – ohne dabei Gefahr zu laufen, weggeweht oder pitschnass zu werden – kann sich von diesen tierischen Ausflugstipps in der Rhein-Neckar-Region inspirieren lassen.

Einfach mal abtauchen!
Einen Seestern berühren, Haie und Rochen beobachten oder die heimische Unterwasserwelt entdecken – ein Besuch im SEA LIFE in Speyer ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Über 3.000 Tiere in mehr als 40 Becken und Aquarien begeistern hier Groß und Klein. Apropos klein: Viele der Becken sind scheinbar vor allem auf Kinder ausgerichtet und gehen Erwachsenen nur bis zur Hüfte. Man muss also schon in die Hocke gehen, um die dortige Unterwasserwelt anschauen zu können. Der Anblick, der sich dann eröffnet, ist es aber auf jeden Fall wert. Wer zum Beispiel glaubt, Schildkröten gebe es nur in fernen Ländern und tropischen Gewässern, wird hier eines Besseren belehrt: Ein wenig tollpatschig an Land, umso eleganter im Wasser und in jeder Situation zum Kreischen niedlich zeigt sich der Nachwuchs der europäischen Sumpfschildkröte. Zusammen mit dem Naturschutzbund Rheinland-Pfalz engagiert sich das SEA LIFE Speyer für ihre Wiederansiedlung in den heimischen Gewässern.
Von putzigen Schildkröten zum schaurigen „Wassermonster“ – kurz vor dem Ausgang gibt’s einen Axolotl zu bestaunen. Der Schwanzlurch wird auch als „ewiges Kinde“ bezeichnet, weil er zeitlebens in seinem Larvenstadium bleibt.
Das SEA LIFE in Speyer öffnet Montag bis Freitag seine Pforten von 11 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Tipp: Wer nicht so lange draußen in der Kälte anstehen will, kann sich für 15,50 Euro online ein Express-Ticket kaufen und so an der Warteschlange vorbeigehen.

 Heißer Anwärter auf den Titel "Reptiliums next Topmodel": Auch dieses farbenfrohe Kerlchen gibt´s in Landau zu bestaunen (Foto: T. Gartner)

Heißer Anwärter auf den Titel „Reptiliums next Topmodel“: Auch dieses farbenfrohe Kerlchen gibt´s in Landau zu bestaunen (Foto: T. Gartner)

Auf Safari mit Krokodil und Anakonda
Wer es gerne kuschlig-warm hat, ist im Reptilium in Landau genau an der richtigen Adresse. Spinnen, Schlangen, Schildkröten, Fische, bunte Frösche und  Erdmännchen – zu bestaunen gibt es laut Website 1.100 Tiere aus 125 verschiedenen Arten und das bei sommerlichen Temperaturen. Mehrfach am Tag können die Besucher bei Fütterungen dabei sein und in der „Kinderstube“ den Nachwuchs begutachten.
Der mit 3.400 Quadratmetern Fläche angeblich größte Reptilienzoo Deutschlands wirkt beim Durchlaufen leider nicht ganz so groß wie erwartet. In einer bis maximal zwei Stunden hat man alles gesehen – vorausgesetzt man findet die gut versteckte Gottesanbeterin. Eine willkommene Abwechslung vom trüben Nass und ein faszinierender Einblick in die Tierwelt bietet das Reptilium allemal. Erwachsene ab 15 Jahre zahlen 15,50 Euro, Studenten 11,50 Euro – an den Studententagen an jedem ersten Mittwoch im Monat sogar nur 11 Euro. Das Reptilium hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Vorschau: Ihr werdet Taufpate? Na, herzlichen Glückwunsch! Nächste Woche lest ihr in der Tipps&Tricks-Rubrik, wie ihr diesen Job perfekt macht.

Dufte Idee

Unternehmensgründer: Sergej und Alexander (von links) (Foto: ...)

Unternehmensgründer: Sergej und Alexander (von links) (Foto: Sergej Konradi)

Parfüm aus dem Automaten – mit dieser duften Idee haben sich Sergej Konradi (29) und Alexander Adis (27) selbstständig gemacht. Im Interview verraten uns die beiden wo ihre Parfümautomaten stehen und wie viel die Kunden für das AROMA-TO-GO berappen müssen.

Face2Face: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Sergej: Laut Persönlichkeitstrainer Brian Tracy hat jeder Mensch zwei Ideen pro Jahr, mit denen er Millionär werden kann. Das Problem ist nur, dass die Menschen das Potenzial ihrer Ideen oft nicht erkennen. Nach einem Seminar bei Tracy im Oktober 2011 beschloss ich, die Idee mit den Parfümautomaten, die schon seit Längerem in meinem Hinterkopf schlummerte, bewusst voranzutreiben.

Face2Face: Was ist AROMA-TO-GO? Und was macht eure Unternehmensidee so einzigartig?
Alexander: Neben einem Online-Shop können die Kunden unsere Düfte in Form von 2ml Phiolen für drei Euro am Automaten kaufen. Unsere Philosophie ist es, dem Endverbraucher ein qualitativ hochwertiges Produkt zu einem fairen Preis anzubieten. Mit unseren in Deutschland hergestellten Düften bieten wir dem Kunden für kleines Geld die Möglichkeit, sich immer und überall frisch und wohl zu fühlen.
Unsere Produkte präsentieren wir außerdem bei sogenannten Parfumpartys, also Verkaufsrunden in privater Atmosphäre, und bieten Gewerbekunden ein individuelles Produktdesign an, zum Beispiel für Kundengeschenke.

Face2Face: Ihr wollt Parfümautomaten in ganz Deutschland aufstellen – wo gibt es denn schon welche?
Segej: Derzeit sind zehn Automaten auf fünf Standorte verteilt: In der Autobahnraststätte Sindelfinger Wald, in den TOP10 Clubs Balingen und Tübingen, M-Park Diskothek Reutlingen, im City Bowling Reutlingen, sowie Parkhaus Obere Wässere Reutlingen.

Dufte Idee: Das Parfüm aus dem Automaten (Foto: ...)

Dufte Idee: Das Parfüm aus dem Automaten (Foto: Sergej Konradi)

Face2Face: Wenn mir der Duft aus der Phiole im Automaten gefällt, wie komme ich dann an Nachschub?
Alexander: Auf der 2ml Phiole ist ein Gutscheincode drauf. Wenn man den Duft online bestellt, bekommt man die drei Euro wieder zurück. Unsere 100 ml Eau de Parfum (Damen)/  Eau de Toilette (Herren) kosten alle 35 Euro. Die 30ml-Flasche kann man schon für 19 Euro erwerben. Dann gibt es noch den 10ml-Taschenzerstäuber für 13 Euro. Der ist, wie der Name AROMA-TO-GO schon sagt, besonders gut für die Handtasche geeignet.

Face2Face: Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade an eurer Geschäftsidee feilt?
Sergej: Da AROMA-TO-GO nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby ist, verbringe ich sehr viel Zeit sehr gerne auch damit. Als frischgebackener Papa bin ich natürlich auch ganz für meine Familie da und genieß den kleinen Knirps.
Alexander: Wenn mal Freizeit vorhanden ist, verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und Freunde.

Face2Face: Was ist aus eurer Sicht die größte Herausforderung bei der Unternehmensgründung?
Sergej: Durchhalten und an sich glauben – egal, was andere sagen!

Eine kleine Stadt mit großen Unternehmen – Im Interview mit der Schmuckfirma Hellmuth GmbH

Pforzheim ist nicht unbedingt jedem ein Begriff, doch wer aus der Nähe Baden-Württembergs kommt, weiß vielleicht, dass sie oft die Schmuck- und Goldstadt genannt wird. Nicht ohne Grund – etwa 75 Prozent der deutschen Schmuckwaren werden dort produziert. Zudem besitzt sie die einzige Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Deutschlands. Eine Firma, die sogar den Sprung ins internationale Business geschafft hat, ist die Firma Hellmuth GmbH. Im Interview hierzu Daniel Maffert.

Face2Face: Sie heißen Daniel Maffert und arbeiten in der Firma Hellmuth GmbH. Was genau tun sie dort?

Maffert: Ich habe seit dem 1. März 2014 die Geschäftsleitung der Firma übernommen, in der ich bereits zwei Jahre zuvor als Vertriebsleiter tätig war. Als Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Unternehmens ist man eigentlich für alles zuständig. Meine Tätigkeiten reichen von der Büroumstrukturierung und dem damit verbundenen Putz- und Aufräum-Part über Messe- und Kundenbesuche bis hin zur komplexen Liquiditätsplanung für die kommenden Jahre.

Face2Face: Hellmuth ist für seinen ‚Kroko‘-Schmuck bekannt. Woher stammt die Inspiration?

Maffert: Es gibt nur wenige Labels, die durch typische Merkmale geprägt sind, welche man sofort wwiedererkennt. Seit 20 Jahren zeichnen sich alle Designs von Hellmuth durch ein elegantes Krokomuster aus. Die sogenannte „Crocoprägung“ zieht sich durch wie ein roter Faden, von der Verpackung und dem Firmeninterieur über die Schmuckstücke bis hin zum Messestand und dem Displaymaterial. Übrigens: Das Reptil hat sich nicht von ungefähr bei Hellmuth eingeschlichen. Gert Hellmuth gründete seine Firma 1983. Von Beginn an fühlte er sich von seinem Urgroßvater Karl Friedrich Hellmuth, der schon 1870 Krokohandtaschen und Accessoires herstellte, und seinem Vater, der die Tradition mit Krokouhrenarmbändern weiterführte, inspiriert. Seitdem schnappt das Urtier immer wieder beim Design zu: Mal hinterlässt es deutliche Spuren, mal nur ganz leise Hinweise auf sein Wirken.

Face2Face: Schnell entwickelte sich das Unternehmen auch international. Seit wann sind Sie auch auf dem weltweiten Markt unterwegs?

Maffert: Die Firma hat sich wirklich in rasender Geschwindigkeit auf dem internationalen Markt entwickelt und etabliert. Dies haben wir ganz klar unserem außergewöhnlichen und trotzdem klassischen Design mit der Crocoprägung zu verdanken, das schlicht weg wie eine „Bombe“ auf dem US-Markt, Russland und den Emiraten eingeschlagen ist. Den internationalen Markt bearbeiten wir nunmehr seit 1995.

Face2Face: Wie ist das Gefühl, aus einer doch relativ kleinen Stadt wie Pforzheim zu kommen und nun international zu agieren?

Maffert: Dieses Gefühl kann ich natürlich nicht in gleichem Maße schildern, wie es Herr Hellmuth könnte, da er diesen gigantischen Schritt mit dieser Firma gemacht hat. Was ich Ihnen sagen kann ist, dass es keine bessere Infrastruktur in einer anderen Stadt für die Schmuckmanufaktur in Deutschland gibt, da ich im operativen Geschäft auf sehr gute Heimarbeiter zurückgreifen kann und dadurch in Auftragsspitzen meinen Personalstamm nicht unnötig aufstocken muss. Ebenfalls sitzen in Pforzheim zwei der bekanntesten Gießereien, die uns schnelles Handeln im Alltag ermöglichen.

Face2Face: War es schwer, den Sprung ins internationale Business zu schaffen? Und was würden Sie kleineren Unternehmen auf den Weg geben, die Ähnliches vorhaben?

Maffert: Für mein Empfinden ist es wie mit Allem: Viel Fleiß, ein Produkt mit einer Story – das finden sowohl Juweliere als auch Endkunden super. Und beim „Türklinken putzen“ wie es so böse heißt, nicht aufgeben und immer freundlich und nicht enttäuscht verabschieden auch wenn sie zehn Stunden geflogen sind und kein Auftrag zustande kommt.

Face2Face: Wenn Hellmuth weltweit tätig ist, gibt es bestimmt auch Stars, die den Schmuck tragen. Sind darunter auch ein paar bekannte Namen?

Maffert: Design und Herstellung von edlem Schmuck ist bei Hellmuth eine perfekte Mischung aus hohem künstlerischem Anspruch und präzisem Handwerk mit Liebe zum Detail. Hellmuth hat sich zu einem Must-Have zahlreicher Promis gemausert: Christina Aguilera, Emma Roberts, Hilary Swank, Jennifer Lopez, Jessica Simpson, Kate Hudson, Katy Perry, Kim Kardashian und Rihanna, um nur einige zu nennen, lieben den Croko-Look. Davon profitiert auch der deutsche Fachhandel, da ihre Bilder mit dem Schmuck regelmäßig in den Lifestyle-Zeitschriften auftauchen.

Face2Face: Und nun zum Abschluss: Wenn Sie das Unternehmen in drei bis fünf Wörtern beschreiben müssten, welche wären diese?

Maffert: Einzigartig, rockig, elegant, Made in Germany, innovativ.

Vorschau:

Wo Studierende und Unternehmen zusammenkommen

Wollen eine Brücke zwischen Studierenden und Unternehmen schaffen: David Schneider (links) und Florian Klakbrenner (Foto: studoor)

Wollen eine Brücke zwischen Studierenden und Unternehmen schaffen: David Schneider (links) und Florian Klakbrenner (Foto: studoor)

Eine Brücke zwischen Studenten und Unternehmen schlagen – das ist das erklärte Ziel von David Schneider (27) und Florian Kalkbrenner (26). Die beiden Masterstudenten möchten sich nach dem Ende ihres Studiums selbstständig machen. Ihre Geschäftsidee namens studoor soll Studierenden mehr Praxiserfahrung ermöglichen und so den späteren Berufseinstieg erleichtern. Wir haben mit den beiden Existenzgründern gesprochen.

Face2Face: Was ist studoor? Wie funktioniert es?
David: Der Name studoor setzt sich aus den beiden englischen Begriffen „student“ und „door“ zusammen. Wir möchten mit diesem Namen die Verbindung von Studenten und Unternehmen verdeutlichen. Der Begriff „door“ bedeutet im Deutschen „Tür“ und genau eine solche soll unser Unternehmen darstellen – studoor möchte als Bindeglied zwischen Studenten und Unternehmen wahr genommen werden.
Florian: Zunächst kümmert sich studoor um die Akquise der Unternehmen und passenden Studenten. Anschließend wird das Projekt definiert und realisiert. Während der kompletten Projektphase übernimmt studoor die Projektleitung und ist Ansprechpartner für beide Parteien. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projektes ist es möglich, über studoor den Kontakt zu den Firmen beziehungsweise zu den Studenten zu halten, um somit auch zukünftig zusammenarbeiten zu können und weitreichende Netzwerke aufzubauen.

Face2Face: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, studoor zu gründen?
David: Die Idee entstand während unseres ersten gemeinsamen Projekts im Masterstudium an der SRH Hochschule in Calw. Aufgabe war es, eine Geschäftsidee zu entwickeln, die Studenten und Unternehmen in irgendeiner Weise zusammenbringt. Nach der Fertigstellung des Projekts dachten wir uns, dass man damit doch tatsächlich Geld verdienen kann und das Konzept in der Realität funktionieren könnte. Also bastelten wir während des Studiums immer mal wieder an der Idee herum. Entstanden ist das heutige Konzept von studoor, mit dem wir jetzt kurz vor dem ersten Projekt stehen.
Florian: Bereits seit dem Abitur hatten wir beide unabhängig voneinander immer den Traum, irgendwann in die Selbstständigkeit zu gehen. Dass wir so früh den Schritt wagen, hätte damals keiner gedacht. Nun hoffen wir natürlich, dass es direkt klappt und wir uns mit unserem eigenen Baby frei entfalten können (lacht).

Face2Face: Welche Funktionen nehmt ihr beide in eurem Unternehmen ein?
David: Wir beide sind zunächst die Gründer und Geschäftsführer von studoor. Zu Beginn übernehmen wir von der Akquise der Unternehmen und Studenten über die Abwicklung des Projektes alle Aufgaben besonders im administrativen Bereich. Das bedeutet im Einzelnen, dass wir nach der Übergabe des Projektes an die Studenten das Projekt in Bezug auf die Zielsetzungen kontrollieren und betreuen. Darüber hinaus sind wir über das ganze Projekt hinweg Ansprechpartner für beide Parteien. Studoor kümmert sich also um das Projektmanagement.

Mehr als graue Theorie: Beim Studium sollte Praxiserfahrung nicht zu kurz kommen (Foto: T. Gartner)

Mehr als graue Theorie: Beim Studium sollte Praxiserfahrung nicht zu kurz kommen (Foto: T. Gartner)

Face2Face: Gibt es bereits ähnliche Angebote wie studoor? Und wenn ja, wie wollt ihr euch gegenüber diesen durchsetzen?
David: Es gibt an einigen Universitäten eingetragene Vereine, die ebenfalls Projekte von Unternehmen betreuen. Diese nennen sich dann oft studentische Unternehmensberatungen. Allerdings bestehen hier feste Teams, welche meistens von größeren Unternehmen Projekte jeglicher Art übernehmen und keinen bestimmten Bereich abdecken.
Florian: Wir von studoor haben es uns zur Aufgabe gemacht, die kleinen bis mittelständischen Unternehmen explizit in den Bereichen Marketing und Kommunikation zu unterstützen und regionale Studierende mit den ansässigen Unternehmen zu verbinden. Dies kann jeder Student von jeder Universität sein. Die Studierenden füllen einfach das Formular auf unserer Homepage aus und wir suchen uns dann die besten für die einzelnen Projekte heraus. Vorteil hierbei ist weiterhin, dass der Student neben der wertvollen Praxiserfahrung auch Geld verdient. Er kann also über studoor seine Studienzeit finanzieren. Für die Unternehmen ist das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber Agenturen der entscheidende Grund, Projekte über studoor laufen zu lassen.

Face2Face: Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade an eurem Unternehmen feilt?
Florian: Aktuell schreiben wir beide bei einem Konzern im Raum Stuttgart unsere Masterarbeit in den Bereichen Marketing und Kommunikation. Danach schließen wir unser Studium ab und können uns hoffentlich in Vollzeit um studoor kümmern. Das ist unser Ziel.

Face2Face: Wo seht ihr euch in 5, 10 und 20 Jahren?
David: Ziel von studoor ist zunächst das Bundesland Baden-Württemberg. Hier wollen wir möglichst viele Unternehmen und Studenten miteinander verbinden. Nach diesem bereits sehr großen ersten Schritt wollen wir das Konzept natürlich deutschlandweit etablieren, was im Moment aber noch sehr, sehr weit weg ist.

Face2Face: Wo kann man mehr über studoor erfahren? Wie kann man euch unterstützen?
Florian: Infos über studoor findet man auf www.studoor.de. Unterstützen kann man uns jederzeit mit Kontakten zu kleinen bis mittelständischen Unternehmen, die auf der Suche nach neuen Kommunikationsmaßnahmen oder Ideen sind.
David: Aktuelle Projekte finden die Studenten auf unserer Website und können sich dann dafür bewerben.

Vorschau: Am Dienstag, 12. August lest ihr im Panorama mehr zum Heimwegtelefon.

Glücklich im Job – geht das überhaupt?

Was macht dich glücklich? Der erste, warme Sonnenstrahl nach einem eisigen Winter, eine wilde Partynacht oder ein ausgedehnter Sonntagsbrunch mit der ganzen Familie?

Glück ist ein subjektives Gefühl, das sich in einem oft unbewussten Wohlbefinden äußert. Des Weiteren besagt ein klassischer Glücksansatz, dass Glück in dem Maße entsteht, in dem man seine eigenen Ziele und damit sich selbst verwirklicht. Nach ihrem Bildungsabschluss, teilweise auch schon während des Studiums versuchen sich viele junge Menschen in Form ihrer Arbeit selbst zu verwirklichen. Endlich haben sie die Möglichkeit, das, was sie jahrelang gelernt haben, das Wissen und die Fähigkeiten, die sie sich erarbeitet haben, unter Beweis zu stellen. Und das macht sie glücklich.

Glückliche Menschen leisten gerne mehr: Das weiß Autor Oliver Haas (© Thommy Weiss  / pixelio.de)

Glückliche Menschen leisten gerne mehr: Das weiß Autor Oliver Haas (© Thommy Weiss / pixelio.de)

Dieses Gefühl, aus seiner Tätigkeit und Leistung Befriedigung schöpfen zu können, bildet die Grundlage für das betriebliche Glück, die sogenannte Corporate Happiness. Bei Corporate Happiness handelt es sich um ein ganzheitliches Führungssystem, schreibt Oliver Haas, dessen Buch zum Thema passenderweise den Zusatz „Glückliche Menschen leisten gerne mehr“ trägt.

Doch existiert das betriebliche Glück tatsächlich? Gibt es Unternehmen, deren Management im Glück ihrer Mitarbeiter einen Mehrwert sieht und es deshalb gezielt fördert? Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen gefragt:

Die 24-jährige Studentin Nadine hat neben ihrem Studium bereits in mehreren, unterschiedlichen Branchen gearbeitet: Aktuell ist sie in einer Rechtsanwaltskanzlei und als freiberufliche Autorin tätig. Zwei Jahre hat sie in einer Bekleidungshauskette sowie ein halbes Jahr in einer der PR-Agentur gearbeitet. Das Betriebsklima beschreibt Nadine bei allen ihren bisherigen Tätigkeiten als gut bis sehr gut. „Ich glaube, das gute Betriebsklima hat viel mit gegenseitigem Respekt zu tun“, so die junge Frau, „egal welche Position man innehat: Man sollte die anderen Kollegen und deren Arbeit wertschätzen – ganz egal, ob es sich dabei um den Geschäftsführer oder den Praktikanten handelt.“ Faire Bezahlung, annehmbare Arbeitszeiten und ein gutes Arbeitsumfeld tragen ihrer Meinung nach schon viel zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei. Zudem sei es wichtig, dass Probleme offen angesprochen werden.

Das ist im Job von Jessica (23) leider nicht der Fall. Die Gärtnerin ist seit sechs Jahren bei der Stadt angestellt und beschreibt die Stimmung zwischen ihrem Vorgesetzten, den Kollegen und sich als „kalt“. „Mit meinem Vorarbeiter habe ich mich regelmäßig in der Wolle“, erzählt sie, „er sollte eine Art Vorbild sein – das wäre motivierend. Das ist er aber leider nicht.“ Von Seiten des Arbeitsgebers ist laut Jessica keine Hilfe zu erwarten: „Ich war schon ein paarmal bei der Chefin, aber die Angelegenheit wird von ihr einfach immer nur so im Raum stehen gelassen als wäre es ihr völlig egal.“

Spielt in vielen Unternehmen eine untergeordnete Rolle: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter (© Rainer Sturm  / pixelio.de)

Spielt in vielen Unternehmen eine untergeordnete Rolle: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Laut einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup sind in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern 85 % gering engagiert. Die Folge ist ein Leistungsabfall von bis zu 25 %. Übrigens haben Mitarbeiter mit einer hohen Bindung zum Unternehmen 41% weniger Fehlzeiten im Vergleich zu Mitarbeitern mit keiner Bindung. Wie sehr Corporate Happiness und Produktivität zusammenhängen zeigt eine Analyse im „Harvard Business Review Notice of Use Restrictions“: Glückliche Mitarbeuter haben im Durchschnitt eine um 31% gesteigerte Produktivität; ihre Verkäufe sind um 37% höher; ihre Kreativität ist dreimal höher. Corporate Happiness hat also nicht nur einen positiven Effekt auf die Mitarbeiter, die sich dank der Konzentration auf ihr Wohlbefinden im Betrieb anerkannt und infolgedessen glücklich fühlen, – sie stellt auch einen Mehrwert für den Unternehmer dar. Als Führungssystem ist Corporate Happiness nämlich auf die Steigerung des Unternehmenswertes ausgerichtet, weiß Autor Haas.

„Zweimal bescheiden, einmal beschissen“, so beschreibt Sebastian (26) das Betriebsklima in den drei Unternehmen, in denen er bisher tätig war. Teilweise habe er sich richtiggehend ausgenutzt gefühlt, berichtet der Maler, Lackierer und Gerüstbauer. Neben dem finanziellen Aspekt müsse ein gewisser Zusammenhalt in einem Unternehmen herrschen, sodass er 100-prozentig zufrieden und glücklich mit seinem Job sein könnte. „Sitzungen abhalten, in denen Probleme angesprochen und geklärt werden können, wäre ein guter Ansatz“, findet er.

Die Herausforderung, Glück und Erfüllung im Beruf zu finden, ist anscheinend größer, als es sich zunächst anhören mag. Dennoch scheint es Unternehmen zu geben, deren Betriebsklima gut ist und die – ob bewusst oder unbewusst – ein Auge auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter haben. Diese Unternehmen gilt es vor allem für den Berufseinstieg zu finden, denn sie bieten eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre.

Wie sieht es bei euch aus? Ist Corporate Happiness in eurem Unternehmen nur ein Mythos oder gelebte Unternehmensphilosophie?

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama eine spannende Reportage zur modernen Schatzsuche – dem Geochaching.

Ihr Ziel: Die Shisha-Weltherrschaft – zwei Jungunternehmer packen aus

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Jugendkultur Shisharauchen“ titelten wir vor etwa einem Jahr auf unserer Website. An diesem Trend scheint sich bis heute wenig geändert zu haben: Viele, vor allem jüngere Menschen schätzen es in gemütlicher Runde – daheim oder in einer der zahlreichen Shishabars in der Umgebung – beisammen zu sitzen, Wasserpfeife zu rauchen und über Gott und die Welt zu quatschen. Zwei jungen Männern war das allein aber nicht genug: Toni Udiljak (24) und Rida Karkaba (28) gründeten im März ein eigenes Unternehmen rund um den Shisha-Bedarf. Über ihren Onlineshop verkaufen sie unter anderem Shishas, Tabak und Mundstücke, aber auch selbstentwickelte Produkte wie den „THS Diamond“, einen Glasaufsatz, der mittels indirekter Hitze das Einatmen von Schadstoffen aus der Kohle vermindert.

Am vergangenen Samstag eröffneten die Jungunternehmer zudem eine Filiale in Sinsheim. Face2Face war für euch vor Ort und hat mit den beiden über ihre größte Leidenschaft, das Shisharauchen, und die Herausforderungen einer Unternehmensgründung gesprochen.

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Es ist 12 Uhr an einem verregneten, grauen Samstag. Nur bei dem Gedanken daran heute noch vor die Tür treten zu müssen, fröstelt man unweigerlich. Im Bett oder vor dem Kamin, eingemummelt in kuschelige Decken, den Duft eines dampfend heißen Kakaos einatmen – an etwas anderes ist an einem Tag wie diesem nicht zu denken. Oder doch? Mitten im tristen Industriegebiet Sinsheims hat eine Handvoll junger Männer beschlossen, den Samstag anders zu verbringen: In gemütlicher Runde sitzen sie in einem Eckhaus mit Glasfassade. Beim Eintreten steigt einem gleich der fruchtige Geruch von Shishatabak in die Nase. An den Wänden des großzügigen, hellen Raumes stapeln sich kunterbunte Tabakboxen – von klassischem Doppelapfel, über Frozen Maracuja bis hin zu Zimt-Kaugummi ist alles dabei. In blitzblanken Glasvitrinen werden Köpfe und Mundstücke präsentiert. Zur Eröffnung des Shops können die Besucher diverse Tabaksorten ausprobieren, was sich die Shishaliebhaber aus der Umgebung natürlich nicht zweimal sagen lassen. Begierig saugen sie an den Schläuchen der Shishas und pusten den duftenden Rauch in die Luft.

„Shisharauchen bedeutet für uns einerseits Entspannung, andererseits das Verlangen die heutigen Standards im Bezug auf das Shisharauchen zu verbessern“, erklären die beiden Jungunternehmer. Da sei es für beide naheliegend gewesen, einen Shop für Shishabedarf zu gründen. Gute Konzepte und Produkte seien die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung, wissen sie. „Das Wichtigste aber ist der Ehrgeiz etwas durchzuziehen, obwohl viele Leute das nicht für gut befinden und einem Steine in den Weg legen“, ist sich Udiljak sicher. Nach dem Boom des Onlineshops durch den Verkaufsstart des „THS Diamond“ im März, möchten die beiden jungen Männer nun mit ihrer Filiale etwas mehr Präsenz zeigen und den Leuten die Möglichkeit geben, die Produkte vor Ort zu testen.

Das Fazit der Eröffnung fällt jedenfalls positiv aus: „Ich schätze mal, es waren um die 100 Besucher da“, berichtet Karkaba. Das läge minimal unter den Erwartungen, sei aber vermutlich auf das schlechte Wetter zurückzuführen, spekuliert er. Zufrieden seien sie dennoch und sehen zuversichtlich in die Zukunft: „Wir wünschen uns natürlich, dass der Shop weiterhin gut besucht ist, dass sich die Kunden hier wohlfühlen und die Beratung sowie Chillzone in Anspruch nehmen.“ Das Ziel auf längere Sicht: „Die Weltherrschaft in Bezug auf Shisha an uns zu reißen“, sagt Udiljak mit einem Augenzwinkern.

Kontakt:
THS Shisha Bedarf Shop:
Langestraße 22
74889 Sinsheim

www.shisha-bedarf.com
info@shisha-bedarf.com


Vorschau:
Nächste Woche geht es im Panorama um das Thema Couchsurfing.

Ein Abend von vieren

Geschafft – ein gelungener Abend fern der Couch (© Bady-markus / pixelio.de)

Es ist eine alte Geschichte. Jemand findet jemanden, mit dem er oder sie zusammensein will. Zieht zusammen, heiratet vielleicht sogar. Und schneller, als gefürchtet findet sich das traute Paar in der Routine wieder. Die gemeinsamen Abende werden nicht selten, aber sie vergrauen. Warum ausgehen, wenn die gemütliche Couch lockt? Warum essen gehen, wenn ein romantisches Mahl auch am heimischen Esstisch eingenommen werden kann? Warum tanzen gehen, wenn man sich immer noch in den Augen des anderen verlieren kann? Romantisch und verhängnisvoll.

Dann geht es los. Mal meckert er, mal meckert sie. Die Argumente sind fast immer die gleichen. „Nie gehen wir aus“, „Wir erleben nichts Neues mehr“, die gemeinsame Zeit wird zum Alltag und die Angst kommt, dass der andere vielleicht Langeweile in der Beziehung wiederfindet – oder gar der eine selbst.

Auch ich versuche immer mal wieder es zu schaffen, mit meinem Mann auszugehen. Kein leichtes Unterfangen. Mindestens drei von vier geplanten Abenden scheitern. Ich werde krank, er wird krank, unser Sohn wird krank. Er muss noch arbeiten, jemand kündigt sich plötzlich als Besuch an, wir finden keinen Babysitter. Hürden, die sich von Paar zu Paar unterscheiden und doch die gleichen Ergebnisse liefern. Der Abend fällt ins Wasser. Verschoben, verplant, verloren. Und die Angst wächst.

Zusammensein – das eigentliche Ziel (©Jorma Bork / pixelio.de)

Ich bin dazu übergegangen, unseren gemeinsamen Kalender zu durchforsten, die Tage mit meiner Mutter abzusprechen, wann sie auf das Kind achten kann, die Möglichkeiten ausloten, was ich mit meinem Mann unternehmen kann. Eine Liste, die erstaunlich kurz ist und immer kürzer zu werden scheint. Wenn ich dann tatsächlich auf ein Datum gekommen bin, einen schönen Abend geplant habe und damit stolz zu meinem Mann komme, ist seine Reaktion oft verhaltener, als ich gehofft hatte. Ab und an eröffnet er mir auch, dass der sorgfältig ausgewählte Tag ihm so gar nicht passt. Frustrierend? Vielleicht, aber die Mühe wert.

Selbst wenn von vier geplanten Abenden, drei ins Wasser fallen, bleibt ein Abend, den wir nicht nur zusammen verbringen, sondern mit etwas nicht alltäglichem. Kino, Theater oder Essen, es zählt der Moment, an dem wir nicht zu Hause sitzen und das tun, was wir immer tun. Selbst wenn der Film schlecht ist, das Stück nur einem von uns gefällt und wir beim Essen ins Diskutieren kommen, das ist unsere Zeit. Es kann immer sein, das wir dabei noch etwas am anderen entdecken, was wir noch nicht kannten, was wir lange nicht gesehen hatten, was ihn uns näher bringt.

Eigentlich war unser Plan, alle zwei Wochen auszugehen. Wenn wir es einmal im Monat schaffen, ist das mittlerweile schon viel. Jeder Abend wird dabei zum Geschenk, schon allein wegen des Aufwandes, des Hintergrundes und der kostbaren Zeit. Und wenn alle Stricke reißen, können wir auch sehr gut einen gemütlichen Abend auf der Couch genießen und zu schätzen wissen. Vielleicht schaffen wir es nur einen von vier geplanten Abenden auch wirklich aus dem Haus, das heißt nicht, dass wir die anderen drei Abende nicht auch zu Hause gemeinsam verbringen können.

Lust zu spielen? Zeit zu zwei daheim genießen (Foto: Sharifi)

Ob beim Fernsehen statt im Kino, beim Spieleabend statt im Theater, beim Puzzeln, Computerspielen oder was auch immer. Gemeinsame Zeit ist kostbar, egal wo wir sie miteinander verbringen. Wichtig ist dabei, dass wir uns dieser Zeit bewusst sind. Dass sie dennoch ein Ausbruch aus dem Alltag ist, oder zumindest ein Lichtblick im grauen Einerlei. Keine Beziehung kann immer auf der Höhe schweben, jede braucht ab und an etwas mehr als Alltag. Wo wir das finden, ist unsere Sache. Dass wir danach suchen, ist eigentlich unvermeidlich. Vielleicht müssen wir nur richtig hinschauen, um es zu entdecken, um auch im Alltag das Schöne wiederzufinden, das wir doch in einer Beziehung gesucht haben. Die Versuche, endlich mal wieder auszugehen, sind schon allein wichtig, weil es Versuche sind. Wenn sie gelingen, um so besser. Wenn nicht, können wir auch in anderen Momenten das finden, was wir uns an diesen Abenden erhofft haben. Auch einer von vier Abenden zählt und tut uns einfach gut. Also werde ich nicht aufhören, zu planen und zu versuchen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra von der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren.

Die soziale Bedrohung

„Shitstorm“ – was sich zunächst wie der Name eines Rockfestivals anhören mag, hat in erster Linie etwas mit sozialen Netzwerken zu tun. Dabei kommt die wörtliche Übersetzung des Begriffes seiner eigentlichen Bedeutung sehr nahe. Als „Shitstorm“ bezeichnet man eine soziale Kampagne bestimmter Interessengruppen in sozialen Netzwerken, Blogs und auf Homepages der initiierenden Organisationen. Dabei geht es gewöhnlich um Kritik an Unternehmen, Parteien oder auch Einzelpersonen, mitunter aufgrund ethischer Fragestellungen.

Gerade in der, trotz Nutzerprofils, relativ anonymen Welt des Internets fällt es leichter, seinem Ärger Luft zu machen. Was kann schon passieren? Ein Post oder eine Nachricht als Antwort? Nicht weiter schlimm. Die Tatsache, dass sich negative Nachrichten, vor allem im Bezug auf Unternehmen, in der Regel schneller verbreiten als positive und über das Internet unglaubliche Wellen schlagen, können für das Unternehmen oder die Organisation unangenehme Folgen haben. Besonders gefährdet ist die Reputation (Anm. d. Red.: der Ruf eines Unternehmens und seiner Tätigkeiten im Fachjargon). Die entstehende Eigendynamik der Kampagne führt häufig dazu, dass jeder neue Kommentar die Debatte weiter anheizt und die Äußerungen immer niveauloser und beleidigender werden.

Um die Entstehung und Verbreitung des „Shitstorms“ besser zu verstehen, betrachten wir hier einmal das Beispiel eines großen Unternehmens: Auslöser für die soziale Kampagne könnte ein Blog sein, in dem die Initiatoren zu offener Kritik an dem Unternehmen aufrufen. Besucher der Seite können diesem dann direkt eine E-Mail schreiben, werden aber auch dazu angehalten, andere Kanäle zu verwenden. Auf der offiziellen „Facebook“-Seite können sie Posts des Unternehmens kommentieren oder, falls die Firma ihre Seite dazu freigegeben hat, auch eigene Posts auf deren Pinnwand posten. Auch „Twitter“ und andere Netzwerke eignen sich zur Verbreitung der Kritik. Dennoch ist „Facebook“ zurzeit wohl die einflussreichste Community und mit der richtigen Platzierung der Posts kann dem Ruf eines Unternehmens erheblich geschadet werden.

Ob ein „Shitstorm“ große Wellen schlägt, hängt von der Relevanz der Seiten und Netzwerke sowie der Anzahl und Platzierung der Kommentare ab. Ein negativer Kommentar unter einem Beitrag des Unternehmens, den hunderte Menschen „geliked“ haben, ist eine viel größere Bedrohung als ein eigenständiger Nutzerpost auf dessen Pinnwand, der gerade einmal fünf Fans „gefällt“. Diese Kommentare unter dem beliebten Beitrag des Unternehmens sieht dann nämlich jeder, der den „Gefällt mir“-Button unter diesem Post geklickt hat. Und eben nicht nur diejenigen Fans der Seite, die sich die Mühe machen, die Beiträge an der Pinnwand des Unternehmens zu lesen.

Dies ist auch der Grund, warum viele Unternehmen ihre „Facebook“-Seite für Kommentare Dritter öffnen. So können Kritiker sich direkt äußern. Dennoch hofft man, dass viele, die sich nicht mit den Dynamiken des sozialen Netzwerkes auskennen, diesen Weg bevorzugen und die Kritik dadurch eine geringere Reichweite hat. Mittlerweile gibt es jedoch eine Menge Nutzer, die sich bestens auskennen und Kommentare geschickt unter Beiträge mit vielen Likes platzieren.

Ein „Shitstorm“ erledigt sich jedoch gewöhnlich von selbst, wenn das Interesse der breiten Masse abnimmt und sich die Nutzer der Netzwerke wieder anderen Themen zuwenden. Die Gefahr einer sozialen Kampagne wird aber weiter steigen, da sich immer mehr Menschen sozial vernetzen und Unternehmen und Institutionen in den gleichen Netzwerken vertreten sind. Das Krisenmanagement sollte dementsprechend vorbereitet sein!