Gut vorbereitet ins Auslandsssemester – eine Checkliste

Mittlerweile gehört es fast schon bei jedem Studenten zum Studiumsverlauf dazu: Das Auslandssemester. Ein halbes Jahr an einer Universität im Ausland studieren, neue Leute, Länder und Kulturen kennen lernen. Das klingt nach einem großen Abenteuer, das viel Spaß machen kann. Eine gute Vorbereitung sollte dabei aber nicht unterschätzt werden. Face2Face hat euch daher eine Checkliste mit den Dingen zusammengestellt, die man vor seinem Start in das Auslandssemester unbedingt noch erledigt haben sollte, damit man seine Zeit vor Ort anschließend unbekümmert genießen kann.

1. Dokumente beantragen: Wenn ihr in ein außereuropäisches Land reist, braucht ihr einen Reisepass. Dieser hat eine Bearbeitungszeit von mindestens 6 Wochen, also rechtzeitig beantragen! Gleiches gilt für ein Visum und den Antrag für ein mögliches Auslandsbafög. Einen internationalen Führerschein bekommt ihr direkt ausgestellt, wenn ihr bereits einen EU-Scheckkarten-Führerschein und ein biometrisches Passbild besitzt.

2. Impfen lassen: Ein wenig Vorlaufzeit (8-6 Wochen) solltet ihr auch bei notwendigen Impfungen einplanen. Es gibt Ärzte, die sich auf Reisemedizin spezialisiert haben. Dort gibt man in der Regel seinen Impfass ohne Termin ab, füllt einen Fragebogen aus und bekommt dann seinen Termin bzw. seine Termine für die notwendigen Impfungen. Hinweise, welche Impfungen benötigt werden, erhaltet ihr auch auf der Internetseite des auswärtigen Amtes.

3. Kreditkarten beantragen: In fremden Ländern herrscht auch ein anderes Zahlungsmittel (Ausnahme in der EU), demnach müsst ihr euch auch darüber informieren, wie ihr am besten kostenlos Geld abheben und mit einer Karte bezahlen könnt. Beides liefert euch die Kreditkarte von Number26, die auch eine sehr gute App bereitstellt, mit der ihr eure Ausgaben im Ausland immer völlig unter Kontrolle und auf einem Blick habt. Eine sehr gute Ergänzung zur Number26 ist die Kreditkarte der DKB. Mit diesem Paket habt ihr sowohl eine Visa- (DKB), als auch eine MasterCard (Number26) und seid damit gegen eventuelle Ausfälle einer der beiden Karten abgesichert. Beide Karten kosten kein Geld und sind leicht online per Web-ID zu beantragen.

4. Auslandskrankenversicherung abschließen: Bei einem Auslandssemester befindet ihr euch länger im Ausland, als es durch eure Reise-Krankenversicherung abgesichert wäre. Ihr braucht demnach eine spezielle Auslandskrankenversicherung für diese Zeit. Informiert euch im Voraus gut über die einzelnen Konditionen der verschiedenen Versicherungen. Besonderen Wert solltet ihr auf einen 24-Stunden-Notruf-Service legen. Außerdem unterscheiden sich viele Krankenversicherungen im Falle eines Rücktransportes. Achtet darauf, dass eure Versicherung einen „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport mit einschließt, und nicht nur einen „medizinisch notwendigen“. Alle weiteren Unterschiede solltet ihr direkt vergleichen. Die Young Travel Versicherung der „Hanse Merkur“ wurde an vielen Stellen empfohlen.

5. Handyvertrag stilllegen lassen: Woran viele im ersten Moment nicht denken, ist es, den Handyvertrag (falls vorhanden) für die Zeit im Ausland pausieren zu lassen oder zu kündigen, da man in dieser Zeit eine Prepaid-Karte des jeweiligen Landes verwenden wird. Hier räumt o2 beispielsweise eine Vorlaufzeit von zwei Wochen ein.

6. Informationen sammeln: Wenn man in ein fremdes Land reist, sollte man sich vorher auch unbedingt über dessen Kultur, Religion und Gepflogenheiten informieren. Wie sieht es beispielsweise mit der Kleiderordnung in der Universität aus? Welche Verhaltensweisen aus Deutschland sind dort eventuell verpönt? Informiert euch vorher über solche Dinge, damit ihr euer Auslandsssemester nicht direkt mit einem Sprung ins Fettnäpfchen beginnt. Außerdem kann ein Reiseführer nicht schaden, der euch schon einmal einen Überblick darüber gibt, was ihr gerne in eurem Zielland sehen würdet.

7. Unterkunft buchen: Ob ihr lieber vor Ort nach einer dauerhaften Unterkunft suchen wollt oder schon vorab in Deutschland etwas fest gemietet habt: Kümmert euch auf jeden Fall darum, dass ihr die erste Nacht irgendwo untergebracht seid. Wenn ihr beispielsweise nachts erst am Flughafen ankommt, ist es gold wert, wenn man bereits eine Unterkunft gemietet hat. Klärt auch ab, ob euer Hotel eventuell einen Flughafentransfer anbietet.

Vor zwanzig Augenpaaren – meine Arbeit als Dozentin

Ein bisschen bin ich schon aufgeregt. Mit einer Mappe an Unterlagen in der Tasche, abgezählten Kopien und Folien für den Projektor, bin ich auf dem Weg zum Seminar. Doch ich werde diesmal keine Teilnehmerin sein, keine Studentin, die eine Schein braucht. Dieses Mal bin ich die Dozentin. Mein erster Kurs, ein kleiner Einführungskurs, zwanzig Augenpaare, die auf mich gerichtet sind.

Situationswechsel

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Ich kann mich an mein Einführungsseminar damals, vor fünf Jahren noch gut erinnern. Auch meine Dozentin war eine junge Doktorandin, letztes Jahr hat sie promoviert. Und damals war ich so begeistert, dass ich wusste, wenn sich mir die Möglichkeit bietet, will ich da auch einmal stehen. Vorne, erklärend, lehrend, dozierend. Und das, obwohl ich niemals Lehrerin werden wollte – auch heute will ich das nicht. Aber an der Universität lehren – ein kleiner Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. Der Stoff ist der gleiche geblieben, der gleiche Roman wird gelesen, um die Funktion des Autors zu verdeutlichen, die gleichen theoretischen Texte liegen im Portal der Studierenden. Auf meinem Rechner sind noch die Unterlagen von vor fünf Jahren gespeichert. Heute greife ich wieder darauf zurück, wandle Arbeitsblätter ab und lese nach. Irgendwie bin ich gerade beides, Studentin und Dozentin.

Der fremde Blick

Manchmal fühle ich mich dann verfolgt, von den Blicken, die ich prüfen soll, bei denen es mir aber so vorkommt, als würden sie mich prüfen. Ein Tuscheln, ein Kichern und ich werde unsicher. Haben wir damals nicht auch über Dozenten getratscht? Manchmal bekomme ich dann den Eindruck, ich labere bloß, komme nicht auf den Punkt. Plötzlich wird mir klar, warum für den Dozenten die Seminarzeit zu kurz ist, warum manches bis zur Ermüdung wiederholt wird, warum es trotzdem Leerstellen gibt. Als Dozent Fehler zu machen ist fatal. Ich überprüfe mich selbst, verdeutliche, was auch beim letzten Seminarteilnehmer ankommen muss. Keine Woche vergeht, ohne fragende E-Mails, zu jeder Zeit, auch an Ostersonntag und Ostermontag.

Angekommen?

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Ich freue mich trotzdem auf meine Sitzung, rolle die Augen über Fragen, die im Grunde selbst zu beantworten sind, seufze, wenn das zum x-ten Mal Erklärte trotzdem falsch gemacht wird. Ich habe einen guten Kurs erwischt. Die Teilnehmer machen mit, sind neugierig und nicht auf den Kopf gefallen. Schweigen sie mich an, kann ich sie zum Mitmachen bewegen, sind sie zu laut, bekomme ich sie leise. Ich weiß von Kollegen, dass das auch im Uni-Alltag nicht selbstverständlich ist, dabei sollten doch gerade im Studium die Leute selbstorganisierter und teilnahmebereiter sein. Es gibt Sitzungen, nach denen mir auffällt, was ich alles hätte besser machen können und solche, nach denen ich einfach zufrieden bin. Kein wahrgewordener Traum ist noch ein Traum, aber da vorne, zwanzig Augenpaare auf mich gerichtet, mit all meinen Fehlern, die sich einschleichen, fühle ich mich trotzdem wohl. Und solange ich dort stehen kann, werde ich es tun.

Vorschau: In zwei Wochen geht es aktuell weiter der Frage nach dem Ende der Satire.

War for talents – oder doch nicht?

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit - und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit – und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Sie sind gut ausgebildet und hochqualifiziert: Hochschulabsolventen. Ein regelrechter „war for talents“ (zu Deutsch: Kampf um Talente) ist um die Studenten der Generation Y entbrannt – so zumindest die Theorie. In ihrer Bachelor-Arbeit geht Alice Schweitzer den wirklich brennenden Fragen auf den Grund: Absolventen welcher Fächer werden zurzeit gesucht? Und liegt die größte Herausforderung von Hochschulabsolventen tatsächlich darin sich zwischen unzähligen, tollen Jobangeboten entscheiden zu müssen?

Face2Face: Wie sehen denn die Chancen für Hochschulabsolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus?
Alice: Aufgrund des demografischen Wandels stehen die Chancen für Hochschulabsolventen derzeit sehr gut. Es gibt mehr alte als junge Menschen. Vor allem  qualifizierte, junge Menschen werden deshalb händeringend gesucht.

Face2Face: In deiner Arbeit ist sogar von einem „war for talents“ die Rede. Spürst du als Hochschulabsolventin oder deine ehemaligen Kommilitonen etwas davon?
Alice: Leider nein. Das liegt wahrscheinlich an unserem Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement. Wirtschaftliche Studiengänge sind sehr beliebt. Hier gibt es viele qualifizierte Absolventen, daher ist die Nachfrage in diesem Bereich größtenteils gedeckt. Bei technischen Studiengängen sieht es da schon anders aus.

Face2Face: Absolventen welcher Fächer werden denn zurzeit besonders gesucht?
Alice: Absolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) werden dringend gesucht. Grund dafür ist unter anderem eine Rezession um 1993/94. Zu dieser Zeit fiel die Nachfrage nach Ingenieuren und es kam zu Einstellungsstopps. Daher wählten damals viele Hochschüler andere Fächer. Jetzt fehlen genau diese qualifizierten Fachkräfte. Die Auswirkungen spürt die Wirtschaft heute noch.

Face2Face: Für deine Arbeit hast du auch eine Umfrage unter Hochschulabsolventen durchgeführt und sie gefragt, was sie sich von ihrem zukünftigen Arbeitgeber wünschen. Was haben sie geantwortet?
Alice: Sie wünschen sich vor allem ein gutes Betriebsklima, einen sicheren Arbeitsplatz und Weiterbildungsmöglichkeiten. Selbstverständlich spielt auch eine gute Bezahlung eine Rolle.

Face2Face: Gibt es deiner Recherche nach Unternehmen, die sich große Mühe geben, den Anforderungen der Hochschulabsolventen gerecht zu werden? Stichwort: Employer Branding.
Alice: Ja, vor allem große Unternehmen wie Daimler, Bosch und Co. haben Ressourcen, um gutes Employer Branding zu betreiben. Kleiner Unternehmen liegen hier etwas zurück, da sie meist nicht die finanziellen Mittel haben, um die Unternehmenskultur nach außen tragen zu können.

Face2Face: Nun bist du ja selbst Hochschulabsolventin. Worauf legst du bei deinem zukünftigen Arbeitgeber besonders wert?
Alice: Als Vertreter der Generation Y lege ich vor allem Wert darauf, dass Privatleben und Beruf miteinander vereinbar sind. Flexible Arbeitszeiten finde ich besonders wichtig. Ein Beruf muss zudem Spaß machen und ein gewisses Maß an Verantwortung darf nicht fehlen.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser! Wie seht ihr das? Was ist euch bei der Berufswahl besonders wichtig?

Von Fußball bis Quidditch – vielfältiger Hochschulsport

Quidditch als Hochschulsport, Spielbrick Films auf flickr.com, CC-Lizenz.

Quidditch als Hochschulsport, Spielbrick Films auf flickr.com, CC-Lizenz.

Oktober bedeutet für Studierende immer wieder aufs Neue: Beginn des Wintersemesters. Sport fördert zu jeder Jahreszeit die Gesundheit. Vor Weihnachten ist es jedoch strategisch günstig sich eine Sportart zu suchen, die man regelmäßig macht. Um dem Zunehmen über die Weihnachtsfeiertage entgegen zu wirken. Doch gerade die typischen Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball finden manche Menschen langweilig. Gut, dass es für Studierende und Mitarbeiter der Uni eine einfache Lösung für all diese Probleme gibt: Universitätssport.

Die Grenzen des Hochschulsports? Gibt’s nicht!

"Ultimate Frisbee" als Hochschulsport an der Uni Rostock. Marcus Sümnick auf flickr.com, CC-Lizenz.

„Ultimate Frisbee“ als Hochschulsport an der Uni Rostock. Marcus Sümnick auf flickr.com, CC-Lizenz.

Sport an deutschen Universitäten wird oft über eine zentrale Stelle organisiert. Ob nun das Sportzentrum der Hochschule oder ein einzelner Studiengang – es gibt für jeden Studi die Möglichkeit Sport zu betreiben. Welche „Art“ von Sport die richtige für einen ist, muss man selbst herausfinden. Die Grenzen des universitären Sportangebots hingegen sind weit. Sehr weit. Fußball, Handball und auch Volley- oder Basketball sind die gängigen Sportarten, die jeder aus dem Schulunterricht kennen könnte. In verschiedene Gruppen nach Leistung sortiert kann man an so gut wie jeder Uni diese Mannschaftssportarten im hochschuleigenen Team betreiben. An den meisten Universitäten gibt es aber weit mehr als die klassischen Breitensportarten. Je nach Größe der Universität variiert das Angebot von Standarttänzen über Rückenschule bis hin zu Denksportangeboten. Aber auch im Bereich der Mannschaftssportarten sind die meisten Universitäten und Studierenden kreativ.

Menschen mit Besen zwischen den Beinen, die sich mit Bällen bewerfen lassen: Quidditch.

JQuidditch als Hochschulsport in Amerika.  John Morgan auf flickr.com, CC-Lizenz.

Quidditch als Hochschulsport in Amerika. John Morgan auf flickr.com, CC-Lizenz.

An einigen deutschen Universitäten (Hannover, Freiburg, Augsburg, Bochum, Darmstadt) kann man Quidditch als Hochschulsport spielen. Nein, kein Scherz! Hier geht es wirklich um das Quidditch, welches der Zauberlehrling Harry Potter in den Weltbestsellern von Joanne K. Rowling ebenfalls spielt. Oder zumindest kommt das Hochschul-Quidditch dem in den Büchern relativ nahe – fliegen können die Quidditch-Mannschaften allerdings (noch) nicht. Quidditch begeistert allein in England 60 Teams von Muggle (also Nicht-Zauberern), die sich Besen zwischen die Beine klemmen und dann eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball (oder englisch: Dogeball) spielen. Auch in Amerika begeistert der Sport, sodass genug Teams vorhanden sind, um universitäre Turniere zu veranstalten. Selbst die renommierte Universität Harvard hat sein eigenes Quidditch-Team.

Hochschulsport ist mehr als „nur“ Sport

Der Hochschulsport ist in Deutschland durch einen Dachverband organisiert – und zwar durch den allgemeinen deutschen Hochschulsportverband, kurz adh. Über 180 Universitäten sind in Sachen Hochschulsport durch den adh organisiert und verbunden, denn der adh richtet sowohl nationale als auch internationale Hochschulmeisterschaften jeglicher Art aus. Doch nicht nur die „harten“ Wettkämpfe werden von der adh organisiert, es finden auch regelmäßig nationale „fun“-Turniere statt.

"Netball" an der Nottingham Trent University (UK), Nottingham Trent University auf flickr.com, CC-Lizenz.

„Netball“ an der Nottingham Trent University (UK), Nottingham Trent University auf flickr.com, CC-Lizenz.

An deutschen, aber auch an Universitäten auf der ganzen Welt geht es also um mehr als nur den reinen Wissenserwerb. Durch Hochschulsport kann man neue Menschen aus ganz anderen Fachgebieten kennenlernen, sich auspowern und neben dem Spaß auch etwas für die eigene Gesundheit tun. Was nicht zu verachten ist: die meisten Universitäten nehmen für das sportliche Angebot meist nur eine kleine Kursgebühr zwischen 10 und 50 Euro pro Semester.

Vorschau: Nächste Woche (am 04. November) geht es im Bereich Sport um das Thema Formel 1. Der Grand Prix von Mexiko steht dabei im Mittelpunkt.

„Karma is a bitch“ – Das Phänomen Jodel

Es ist Montag und der 21-jährige BWL-Student Christian sitzt in seiner allwöchentlichen Management-Vorlesung. Statt auf die Vorlesungsfolien starrt er jedoch wie gebannt auf sein Smartphone und aktualisiert die geöffnete App, gennant Jodel, im Minutentakt. Denn was dort geboten wird ist für den Studenten viel interessanter, als die SWOT-Analyse.

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Jodel und Kaffee: Für Studenten wie Christian elementare Bestandteile des Universitätsalltags (Foto: Privat)

„Heute gilt für mich das Badewannen-Prinzip: Volllaufen lassen!“ oder „Wenn der Professor deinen Vorschlag, die Vorlesung heute draußen zu halten, krachend ablehnt“ sind nur einige der Posts, die Christian schmunzeln lassen und ihn mit Erfolg von der Vorlesung ablenken.

Jodel ist eine Smartphone-App, die seit einigen Monaten an Deutschlands Universitäten kursiert. Doch im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. wendet sie sich bewusst gegen die zunehmende Personalisierung. Bei Jodel müssen Nutzer kein Profil mit persönlichen Inhalten anlegen, alles geht komplett anonym vonstatten. Die Applikation greift mittels GPS lediglich auf den Standort des Smartphones zu und verbindet so alle Nutzer, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern aufhalten.

So simpel das Prinzip von Jodel auch ist, desto besser scheint es bei den Nutzern anzukommen. Mithilfe von Text- oder Bildposts, so genannten „Jodel“, können lustige Anekdoten, Events oder Neuigkeiten aus der Universität oder dem Alltag geteilt werden. Mittels Kommentaren können sich die Nutzer austauschen. Alle Posts können jedoch auch hoch- und runtergevotet werden. Ein Meldeprinzip sorgt dafür, dass anstößige oder unpassende Inhalte gelöscht werden. Doch auch das Voting trägt dazu bei, dass die Inhalte der App sich selbst regulieren: Bei einer gewissen Anzahl von Downvotes verschwindet ein Post von den Smartphone- und Tabletbildschirmen.

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Auch die Face2Face Redakteurin Nadine hat Jodel für euch getestet: Das vielsagende Icon der App (Foto: Privat)

Auch das Anreizprinzip von Jodel ist interessant: Durch Aktivität oder durch Down- und Upvotes der eigenen Posts steigt oder sinkt das sogenannte „Karma“. Mit dem spirituellen Konzept des Handelns und deren Folgen hat das Jodel-Karma wohl wenig zu tun. Dennoch sind viele Jodler fleißig am Karma sammeln.

„Jodel eignet sich super zur Ablenkung in allen Lebenslagen, sei es in der Bibliothek, bei der Arbeit oder in der Vorlesung“, so der begeisterte Christian. Auch die Soziologiestudentin Sabine zeigt sich positiv gegenüber der Neuerung im Unialltag: „Man hat immer etwas zu lachen und die Community, die sich in Jodel herausgebildet hat, ist eine ganz besondere. Wenn man nach den richtigen Regeln spielt, kann man dort viel Spaß haben.“

Jodel scheint in vielerlei Hinsicht eine Eigendynamik entwickelt zu haben. So gibt es eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln oder Verhaltenscodes, an die sich die Nutzer halten. Die Wahrung der Anonymität ist vielen Jodlern sehr wichtig und auch Hashtags werden – wenn auch in Jodel komplett unnütz – rege benutzt.

In letzter Zeit scheint sich Jodel jedoch in eine Art Singlebörse oder Abklatsch von Frage-Portalen wie „gute-frage.de“ oder „Free your Advice“ verwandelt zu haben. Besonders Männer, die in die Welt und Denkweise der Frauen Einblick erhalten wollen und andersrum sind besonders häufig zu beobachten. Christian und Sabine zeigen sich von all dem unbeeindruckt – sie werden fleißig weiterjodeln und Karma sammeln. Ob die Entwickler von Jodel ihr Versprechen halten, dass etwas tolles passieren soll, wenn man viel Karma gesammelt hat, wird sich zeigen…

Vorschau: Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle über die Cartoons von Gerhard Glück in der Caricatura Frankfurt.

Die Sache mit dem Doktor oder warum ich promovieren will

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Mit dem Masterzeugnis in der Tasche wandere ich erst einmal zum Kopierer. Ich will mich aber nicht für irgendwelche Arbeitsstellen bewerben, nein, mein Plan ist es, erst einmal zu promovieren. Sobald ich das aber erzähle heißt es erst einmal: „Warum?“ Dicht gefolgt von „Jetzt?“ und „Was willst du später damit machen?“

Ja, es mag sich für manche etwas verrück anhören, wenn eine Mutter, die gerade erst ihr drittes Kind bekommen hat, sich nicht ein bis drei Jahre nur um eben dieses kümmert, sondern gleich wieder loslegen will. Auch in einer Zeit, in der Kindertagesstätten für Einjährige deutschlandweit zu finden sind und Väter ebenso Elternzeit nehmen können, wie Mütter. Doch das bin ich gewohnt, immerhin bin ich auch 2013, als meine Tochter geboren wurde, nach dem Mutterschutz wieder arbeiten und studieren gegangen. Mit Kind. Zum Glück kein Problem für meinen Arbeitsalltag. Und so konnte ich es auch schaffen in fünf Semestern meinen Master zu machen und zwei Kinder zu bekommen – vier Semester sind die Regel. Warum sollte ich also nicht jetzt promovieren?

Tatsache ist auch, was ich an der Uni bisher gemacht habe, macht mir großen Spaß. Das Analysieren von Texten, das Erarbeiten von Zusammenhängen, das liegt mir. „Du arbeitet ja nur theoretisch“, meinte mein bester Freund einmal kopfschüttelnd, aber für mich sieht die Sache anders aus. Ich finde, ich arbeite nur praktisch, am Objekt meiner Arbeit, dem Text. Am liebsten würde ich mein Leben lang nichts anderes machen, als so zu arbeiten. Davon abgesehen, dass zu promovieren und weiterhin an der Uni zu arbeiten mir eine gewissen Flexibilität gibt, die andere Berufe nicht haben und die ich als Mutter gut gebrauchen kann.

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Aber, um das tun zu können, muss ich erst einmal promovieren und dann versuchen, weiter zu machen, was erstens finanziell problematisch wird (wenig Lohn) und auch logistisch kompliziert werden kann. Ein Grund es von vorneherein nicht wenigstens zu versuchen ist das aber nicht. Mein bester Freund – genau der, der findet, ich arbeite nur theoretisch – wollte sein Leben lang Fluglotse werden. Er schwärmte immer davon und traute sich nach dem Abitur dann doch nicht, sich zu bewerben, sondern studierte erst einmal etwas ganz anders. Kaum hatte er seinen Abschluss in der Tasche aber, wagte er den Versuch. Nein, er ist kein Fluglotse geworden, aber er arbeitet heute in einem ähnlichen Bereich am Flughafen und ist überglücklich, doch noch gewagt zu haben, seinen Traum wahr werden zu lassen.

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Ich werde vielleicht nie Professorin, Bestsellerautorin oder gewinne den Pulitzer-Preis, aber das hindert mich nicht daran, weiter an mir zu arbeiten, mein Bestes zu geben und es immer wieder zu versuchen. Was wäre ich für eine Mutter, wenn ich das nicht meinem Kind vorleben könnte, was ich mir von ihm auch wünsche? Darum, darum jetzt und darum ist es nicht wichtig, heute zu wissen, was ich morgen damit machen will. Denn dann werde ich immer noch sagen können, ich bin meinem Weg gefolgt und bereue es nicht. Immerhin gibt ein Sprichwort, das auf Marc Twain zurückgeht, der gesagt hat: „In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke.“

Vorschau: Nächste Woche nimmt sich Anna für euch die Yoga-Klischees vor.

Willkommen in Krakau – Witamy w Krakowie!

Der wohl beste Ausgangspunkt, um die drittgrößte Stadt Polens zu erkunden, sind die Krakauer Tuchhallen inmitten des zentral

Bei Nacht: Der zentrale Marktplatz (Foto: Hohmann)

Bei Nacht: Der zentrale Marktplatz (Foto: Hohmann)

gelegenen Hauptmarktes. Wer sich für traditionelle polnische Trachten interessiert oder aber nach Souvenirs für die Daheimgebliebenen sucht, ist hier genau richtig. Die Renaissance-Architektur verleiht den Hallen außerdem seinen ganz eigenen Charme. Seit 2010 findet man zudem ein unterirdisches Museum, in dem man mehr über die Geschichte Krakaus erfahren kann.

Wer nach einem Stadtbummel gemütlich einen Kaffee trinken möchte, dem sei das traditionelle Café Hawelka auf dem Marktplatz empfohlen. Hier gibt es lecker Kuchen, den man in der Sonne genießen kann und das Flair der Kulturhauptstadt aus dem Jahre 2000 förmlich spüren kann. Besonders sind beispielsweise die vielen Pferdekutschen, die auf dem gesamten Platz verteilt sind. Dieses Bild erinnert stark an die österreichische Hauptstadt Wien. Das liegt womöglich an der Besetzung Krakaus durch Österreich in den Jahren 1836-41. Wer sich also mit einem ganz besonderen Flair die Stadt anschauen möchte, dem sei eine Kutschfahrt ans Herz zu legen. Allerdings sind diese meist teuer und nicht für den kleinen Geldbeutel geeignet.

Sehenswert: Einblick in das jüdische Viertel (Foto:Hohmann)

Sehenswert: Einblick in das jüdische Viertel (Foto:Hohmann)

Wer mehr über die historische Komponente Krakaus erfahren möchte, der sollte sich das berühmte jüdische Viertel Kazimierz ansehen. Hier gibt es u.a. auch das Galicia Jewish Museum, in dem an die Opfer des Holocausts gedacht wird und die jüdische polnische Geschichte präsentiert wird.

Einen anschließenden Besuch auf dem Wawelhügel, der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, können wir ebenfalls empfehlen. Das Augenmerk ist hier insbesondere auf das Königsschloss und die Wawelkathedrale zu lenken. An einem warmen Sommertag diese Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und die Idylle auf dem Berg zu genießen, lässt jeden einen kleinen Moment die Realität vergessen.

Die im Jahre 1346 erbaute Jagiellonen-Universität in Krakau ist die zweitälteste Universität in Mitteleuropa. Heutzutage studieren hier an die 48.000 Studenten aus aller Welt. Neben unzähligen polnischsprachigen Studienfächern gibt es seit  einiger Zeit auch mehr und mehr englischsprachige Bachelor- und Master- Studiengänge, die allerdings gebührenpflichtig sind. Das älteste Gebäude der Universität, das Collegium Maius, ist im neugotischen Stil gebaut und daher ein Besuch auf jeden Fall lohnenswert!

Zum Schluss unserer kleinen Reise nach Krakau noch ein kleiner Tipp, wenn ihr mehr als Krakau erkunden möchtet: Eine kostengünstige Variante ist der Transfer mit Bussen. Eine Busfahrt zur Gedenkstätte Ausschwitz und wieder zurück kostet beispielsweise umgerechnet nur 7€ und dauert etwa 90 Minuten. Außerdem findet ihr weitere Angebote für Fahrten ins nahegelegene Kattowitz, aber auch Breslau oder Warschau.

Vorschau: In zwei Wochen entführen wir euch in Englands Metropole London!

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Es bedarf keines Arztes, um dieser Tage zu erkennen, welche Krankheit sich bei Studenten aller Fakultäten in extremer Ausprägung eingeschlichen hat: Kaum sind die Semesterferien angebrochen, schon fehlt von den meisten Kommilitonen jede Spur. Wer glaubt, sie wären bloß unterwegs auf reichlich ausgedehnter, für Studenten vermeintlich typischer Kneipentour, der muss sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Damen und Herren befinden sich in ihrem sogenannten „Zuhause“, welches mitnichten mit ihrem „eingetragenen Wohnsitz“ zu verwechseln ist.

 Ich habe mir das Phänomen kürzlich von einer Kommilitonin darlegen lassen – Sie leidet selbst seit Beginn ihres Studiums unter dem von mir spöttisch als „Heimscheißer-Syndrom“  betitelten Drang, an Wochenenden und zu jeder denkbaren Gelegenheit die sieben Sachen zu packen und zurück zu ihrem Elternhaus fahren. Zurück an den Ort des Grauens, würde manch einer behaupten, der sich an den Kleinkrieg vor und in der Abiturphase erinnert, als man es kaum noch erwarten konnte, endlich sein eigener (Haus-)Herr zu sein, sein Geschirr überall stehen und das Zimmer wochenlang ungeputzt zu lassen, ohne den erhobenen Zeigefinger mütterlicherseits fürchten zu müssen. Erstaunlicherweise gibt es allerdings mehr als genug junger Menschen, unter ihnen die besagte Kommilitonin, die den Freitag so ungeduldig erwarten wie Robinson Crusoe.

Heimatliebe: Home is where your heart is.
(Foto: C.Gartner)

Sie jedenfalls erklärte mir, dass „daheim“ dort sei, wo sich ihre Freunde befänden. Das leuchtet natürlich ein. Doch was ist mit all den Studiengefährten, die sie in ihren mittlerweile sage und schreibe zwei Jahren an der Universität kennengelernt hat? Ganz einfach – die machten es ja genauso. Mir drängte sich sogleich die Frage auf, ob sie nicht begreife, dass Freundschaften erst durch gemeinsam verbrachte Zeit, und dazu zählt für mich definitiv besonders die nach den Vorlesungen, wachsen. Wenn sich ihre Interaktionen mit allen aus Langeweile oder Not heraus gebildeten Bekanntschaften nur werktags abspielten, würde es mich nicht wundern, wenn sie ein Leben lang mit den immer gleichen Leuten aus dem Heimatdorf beisammen sitzt und über gute alte Zeiten plaudert – was doch wie 40 Jahre vorgespult klingt; Eindeutig eine Sache, der man sich im Alter widmen sollte, auf Klassentreffen oder bei unregelmäßigen Kaffeekränzchen. Aber jedes Wochenende dieselben Gesichter sehen müssen, mit denen man schon in der Grundschule auf dem Pausenhof schaukeln war? Nein danke, ich verzichte. Ganz offensichtlich bin ich nicht in der Provinz aufgewachsen, wo man sich beim einzigen Bäcker in der einzigen Straße begegnet und, jeden namentlich kennend, in grausigem Dialekt über das Wetter plauscht. Offenbar bin ich tatsächlich eine von denen, die der Auszug und damit das neue, eigenverantwortliche Leben nicht schnell genug ereilen konnte.

Das alles heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht auf das Wiedersehen mit alten Schulfreunden oder das Abendessen made by Mutti freue. Es sollte nur eben etwas Besonderes bleiben. Der Alltag, Wochenende und ein Großteil der Semesterferien inklusive, findet hier statt. In der Wohnung, die ich, ganz im Gegensatz zu der Kommilitonin mit Heimscheißer-Marotte, heimelig hergerichtet habe. Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf „heim“! Dort, wo mein Kleiderschrank und mein Bücherregal stehen, wo ich studiere, um zu leben und nicht umgekehrt. Und auch wenn meine Ernährung seit dem Auszug von „Zuhause“ ein einziger McDonalds-Besuch ist: Geschissen wird weiterhin daheim.

Vorschau:  Und in der nächsten Woche meldet sich Kolumnist Sascha mit der Frage nach nützlichem Wissen in der Welt von Google und Co. zu Wort.

Prüfungsanforderungen für Bachelor variieren

Hier verbringt man als Student während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit viel Zeit: In der Bibliothek (Foto: T. Gartner)

Ein bewölkter Nachmittag im eisigen Februar. Genau das richtige Wetter für eine heiße Schokolade in gemütlicher Runde. Diesen Gedanken hatten auch drei be-freundete Masterstudierende. Zwischen dampfenden Getränken und duftendem Kuchen fällt das Thema schnell auf die unterschiedlichen Prüfungsanforderungen des vor wenigen Monaten abgeschlossenen Bachelorstudiums.

„Also ich hatte drei Monate Zeit, um eine 30-seitige Bachelorarbeit zu schreiben“, erzählt Tom, „eine mündliche Prüfung gab es nicht.“ „Ist das dein Ernst?“, wirft Katharina ein, „ich musste in sechs Wochen 50 bis 60 Seiten abliefern. Und eine mündliche Prüfung kam auch noch dazu… Wie war das bei dir, Daniel?“ „Eine mündliche Prüfung hatte ich auch. Das war sozusagen die mündliche Verteidigung der schriftlichen Bachelorarbeit“, berichtet Daniel, „war das bei dir anders?“ „Ja, auf jeden Fall!“, sagt Katharina, „bei mir durfte das mündliche nicht mit dem schriftlichen Thema übereinstimmen.“

Ein einheitliches baden-württembergisches oder gar europäisches Hochschulbild? Offensichtlich nicht. Grund genug einmal nachzuhaken, bei denen, die es wissen müssen.

„Tatsächlich bestehen sehr unterschiedliche Vorgaben für die Bachelorarbeiten an den verschiedenen Hochschulen, wie auch zwischen den verschiedenen Fächern derselben Hochschule“, räumt Patrick Stoll (21), Physikstudent im fünften Semester an der Universität Konstanz und Sprecher der Landesstudierendenvertretung, ein. Und Marie Haibt (22), Soziologiestudentin im fünften Semester an der Universität Mannheim und Sprecherin der Landesstudierendenvertretung, erläutert: „Die Studierenden der Psychologie an der Universität Mannheim haben beispielsweise zwölf Wochen Zeit zum Verfassen ihrer Bachelorarbeit, während Soziologiestudierende der 2010er Prüfungsordnung sechs Wochen, jene der Prüfungsordnung 2012 acht Wochen Zeit vom Tag der Anmeldung an, haben.“

Ein Problem sehen Haibt und Stoll jedoch nicht in der Varianz der Bachelorprüfungen. „Bachelorarbeiten zählen unterschiedlich stark in die Gesamtnote und haben unterschiedlich viele ECTS-Punkte – daher sollten sie dementsprechend unterschiedlichen Aufwand für die Studierenden bedeuten“, erläutert Stoll. Und Haibt fügt an: „Für verschiedene Fächer oder aber auch allein verschiedene Richtungen eines Faches können unterschiedliche Seitenzahlen unterschiedlichen Aufwand bedeuten, während eine theoretische Arbeit mit geisteswissenschaftlicher Fragestellung nicht unter 40 Seiten beantwortet werden kann, ist in den Naturwissenschaften eine wissenschaftliche Fragestellung mit aufwendigem Versuchsaufbau und Analyse unter Umständen in nur wenigen Seiten dargestellt.“ Die Seitenzahl einer Bachelorarbeit sei daher keine aussagekräftige Messgröße über den Aufwand und den wissenschaftlichen Wert. Die Prüfungsordnungen lege ihres Wissens nach unter anderem aus diesen Gründen keine Seitenanzahlen fest, diese würden von der betreuenden Lehrkraft empfohlen.

Tippen bis die Finger wund werden: Während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit wird das Laptop zum treuen Gefährten (© Sylvia Krahl / pixelio.de)

Kurzum: Eine Vereinheitlichung der Vorgaben halten die beiden Studierenden nicht für zielführend. „Wichtig ist, dass die Studierenden über die Anforderungen der Bachelorarbeit in Kenntnis gesetzt werden und eine individuelle Betreuung gewährleistet ist“, sind sie sich einig.

Laut Jochen Schönmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, ist die Varianz in den Bachelorprüfungen explizit erwünscht. „Die Kultusministerkonferenz eröffnet in den sogenannten ʽLändergemeinsamenʼ Strukturvorgaben Spielräume für Abschlussarbeiten (Bachelor- wie Masterarbeit) und legt unter anderem fest, dass der Bearbeitungsumfang für die Bachelorarbeit zwischen sechs und zwölf ECTS-Punkten beträgt“, erläutert er. Die vorgesehenen Spielräume sollen den inhaltlichen, wissenschaftlichen und praktischen Anforderungen und Zielen von Studiengängen unterschiedlicher Fachkulturen Rechnung tragen. Zudem mache gerade der Erwerb einer Vielzahl verschiedener Kompetenzen während des Studiums die Anwendung verschiedener Methoden bei der Prüfungsart sinnvoll, so Schönmann.

Ob sich die Absolventen aufgrund dieser Sinnhaftigkeit gerechter behandelt fühlen, sei einmal dahingestellt. Und auch ob ein naturwissenschaftliches Projekt weniger Aufwand und entsprechend weniger Seiten erfordert, als die Bearbeitung eines geisteswissenschaftlichen Themas, ist fraglich. Sicher ist jedoch: Der Abschluss ist derselbe – egal ob 30 oder 80 Seiten.

Vorschau: Nächsten Dienstag berichtet die Panorama-Redaktion exklusiv über eine junge Autorin, die die Thalia Buchhandlung in Mannheim für eine kleine Kochsession nutzt. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.