Portugal im Februar, Teil 2: Atlantikluft, noch mehr Fisch und der Klang von Fado

Nazare ist ein am Atlantik gelegener Küstenort. Wir machten uns von Aveiro mit dem Bus dorthin auf. Bekannt ist Nazare vor allem für seine Riesenwellen – viele Orte an der Atlantikküste Portugals sind wahre Surferparadiese. Der erste Eindruck von Nazare wollte nicht so ganz überzeugen – viele Hotels dicht an dicht gebaut. Beim Ausstieg aus dem Bus wussten wir noch nicht, wo wir übernachten würden, hatten aber von einem Hostel gehört. Als wir uns nach dem Weg erkundigten, erklärte uns eine ältere, unglaublich liebenswürdige Frau, deren Haut von Sonne und Meer gegerbt war, auf Portugiesisch (wir sprachen alle kein Wort!) wie wir dorthin kämen. Sie kam gar nicht mehr aus ihrem Redefluss heraus und küsste uns alle vier zum Abschied auf die Backen. Was für eine Begrüßung! Als wir eine Häuserzeile nahe der Strandpromenade entlangschlenderten, winkte uns eine Frau zu, die uns mit unseren riesigen Backpacking-Rucksäcken wohl sofort als Touristen ausgemacht hatte. Sie zeigte uns ein Apartment in einem Hinterhof. Es hatte einen kleinen Balkon, Küche, zwei Schlafzimmer und Wohnzimmer. Der Preis war akzeptabel und wir wollten uns auch nicht länger als eine Nacht in Nazare aufhalten.

Unsere Abendplanung für Nazare – Fisch essen. Der Atlantik lag direkt vor unserer Nase und wir hatten bereits ein Fischrestaurant ins Visier gefasst. Das war bereits gut gefüll. Ein kleines Lokal mit, wen wundert es, Mosaiken an den Wänden. Wir wurden hereingebeten und bekamen erst einmal einen Schnaps serviert. An der Theke Fisch und Meeresfrüchte wo man hinsah. Allerdings taten wir uns bei der Bestellung schwer – doch der überaus nette und attraktive Kellner eilte uns zur Hilfe und verriet uns seine Lieblingsgerichte – er war der Sohn des Inhabers. Hier arbeiteten alle mit – Geschwister, Vater, Mutter. Ein richtiger Familienbetrieb. Wir bestellten zwei gegrillte Fische, Garnelen in Knoblauch, sowie einen Art Reiseintopf mit Meeresfrüchten, der in einem Tongefäß serviert wurde. Das Essen war himmlisch. Doch leider machten sie bei mir und einer Freundin Magenschmerzen bemerkbar während wir diese leckeren Gerichten schlemmten – nein, am Fisch war nichts auszusetzen, um euch zu beruhigen. Das Restaurant empfehle ich jedem weiter. Doch leider schienen unsere Mägen an eine solche Wucht an Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren nicht gewöhnt zu sein. Wir hatten den halben Tag im Bus verbracht und uns die Reise über nicht gerade ausgewogen ernährt. Leider verabschiedeten sich die Magenkrämpfe auch nachts nicht. Doch diesen Teil der Geschichte erspare ich euch lieber. Meinen Geburtstag verbrachte ich traurigerweise im Bett, während meine Freundinnen am nächsten Morgen Nazare erkundeten.

Faszinierender Ausblick auf Lissabon (Foto: Mätzke-Hodzic)

Faszinierender Ausblick auf Lissabon (Foto: Mätzke-Hodzic)

Gegen Mittag machten wir uns nach Lissabon auf. Die Stadt kam uns riesig vor. Am Busbahnhof angekommen, fuhren wir mit der U-Bahn ins Zentrum, wo sich unser Apartment befand, das wir über Airbnb gebucht hatten. Auch durch Lissabon schlängeln sich viele kleine Straßen steile Hänge hoch. In einer solchen Straße war unser Apartment gelegen. Die Lage war perfekt und wir fühlten uns sofort pudelwohl. Nachdem wir Lissabon eingehend erkundet hatten, eine abenteuerliche Bahnfahrt mit der ältesten Straßenbahnlinie, die enge Gassen knarrend bergauf (!) ächzt, nichts für schwache Nerven, erlebt und Kirschschnaps in portugiesischer Manier getrunken hatten – die Kirschkerne werden einfach auf den Boden gespuckt – unternahmen wir einen Tagesausflug  ins nahegelegene Sintra. Dort befinden sich gleich mehrere Unesco-Weltkulturerbe auf quasi einem Fleck – eine alte maurische Festung, Schlösser mit Einflüssen aus unterschiedlichen Epochen und ein großflächig angelegter Park mit einer beeindruckenden Flora und Fauna. (Ich habe das erste Mal einen Korkbaum gesehen!)

A Tasca de Maja - Berauscht von Wein und Fado (Foto: Mätzke-Hodzic)

A Tasca de Maja – Berauscht von Wein und Fado (Foto: Mätzke-Hodzic)

Unseren letzten Abend verbrachten wir ihm alten, maurischen Stadtteil Alfama, dem wir auch tagsüber schon einen Besuch abgestattet hatten. Nachts versprühte dieser Stadtteil einen ganz besonderen Charme. Eine ganze Straße war vom sanften Gitarrenklang und dem melancholischen Fado-Gesang erfüllt.  Fado – die Nationalmusik Portugals entstand vermutlich, als sich portugiesische Seemänner oft monatelang auf See befanden und sowohl die Männer als auch die zurückgelassenen Frauen in Liedern ihre Sehnsucht ausdrückten. A Tasca de Maja ist eine kleine gemütliche Fadobar. Gegründet wurde sich von Maja,  einer gebürtigen Bosnierin, die dort an der Musikakademie studierte, eher zufällig auf Fado aufmerksam wurde, als sie Lieder der populären Sängerin Amalia Rodrigues hörte und sich in die Musik verliebte. In Portugal hat sie bereits beächtliche Bekanntheit erlangt und spricht nebenher auch noch fließend Portugiesisch. Während wir Hauswein tranken und würzige Käsehäppchen naschten, lauschten wir gebannt dem für mich ganz neuen Klang der traditionellen Fado-Lieder. Eine junge Frau zeichnete während des Abends eine Karikatur von mir und meinen Freundinnen – ein Andenken, an diesen schönen Urlaub.

Die Insel Gozo ist noch ein echter Geheimtipp

 

Idyllisch und farbenfroh: Der Hafen von Mgarr (Foto. F. Teuchert)

Idyllisch und farbenfroh: Der Hafen von Mgarr (Foto. F. Teuchert)

Gozo ist mit seinen ca. 40.000 Einwohnern weitaus kleiner als Malta, viel ländlicher und ruhiger als die größere und bekanntere Schwesterninsel Malta.

Nach einer ca. 30-minütigen Fahrt mit der Fähre von Cirkewwa erreicht man den idyllischen, kleinen Hafen von Mgarr. Neben den großen Fähren legen hier auch viele bunte Fischerboote an.

Das Leben auf dieser kleineren und ländlicheren Insel verläuft gemächlich, der Lebensrhythmus wird bestimmt durch die Jahreszeiten, die Fischerei und die Landwirtschaft. Im Winter und Frühjahr bedeckt ein dichter Teppich aus duftenden Kräutern und üppiger Flora die Insel.

Beeindruckend: Der prähistorische Tempel des maltesischen Archipels - Ggantija (Foto: F. Teuchert)

Beeindruckend: Der prähistorische Tempel des maltesischen Archipels – Ggantija (Foto: F. Teuchert)

Das geschichtliche Highlight – der sogenannte Ggantija Tempel, befindet sich im Südosten von Xaghra. Dieser Megalithtempel gehört wohl zu den bedeutendsten, archäologischen Stätten weltweit. Bereits 1980 wurde er Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Einheimischen hielten den Tempel von jeher für heilig und betrachteten das besondere Werk als gigantisch. Daher auch der Name Ggantija. Eine maltesische Legende besagt, dass eine Riesin das Bauwerk in nur einer einzigen Nacht errichtet haben soll. Diese beeindruckende Anlage gehört zu den archäologischen Highlights im Mittelmeerraum. Sie besteht aus zwei Tempeln, die geschichtlich auf zwischen 3.600 und 3.200 v. Chr. zurückdatiert werden konnten.

In Folge dessen wird Ggantija als eine der ersten, von Menschenhand erschaffenen, freistehenden Konstruktionen der Welt angesehen und ist somit sogar noch älter als Stonehenge. Der Baubeginn dieses legendären Bauwerks lag schätzungsweise bei 2.600 v. Chr. Die Pyramiden in Gizeh, Ägypten entstanden im Vergleich dazu etwa zwischen 2620 bis 2.500 v. Chr.

Auch in der Antike spielte das kleine Gozo bereits eine Rolle. Hier, in dieser friedlichen, fast mystischen Idylle, soll die Meeresnymphe Kalypso Homers Odysseus sieben Jahre lang im „Calypso Cave“ oberhalb der Ramla Bay festgehalten haben.

Die Inselhauptstadt Victoria ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Früher trug die Stadt den arabischen Namen Rabat, was so viel wie Vorort bzw. Vorstadt bedeutet. Victoria entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg und wurde 1887 zu Ehren von Queen Victorias diamantenes Thronjubiläum im Jahr 1887 in Victoria umbenannt. Heute leben ca. 6.500 Einwohner in der Hauptstadt der maltesischen Insel Gozo.

Die dortige Zitadelle (maltesisch Cittadella) wurde auf einem Fels nördlich des Stadtzentrums erbaut. Diese Anlage beherbergt die Kathedrale Santa Marija und den Bischofsplatz des Bistums Gozo. Nach einem kurzen Spaziergang durch die verschlungenen, alten Gassen rund um die St. George’s Basilica, kehrt man am besten zum Mittagessen in das traditionelle Lokal Ta Rikardu ein.

Geheimtipp: Das traditionelle Lokal Ta Rikardu (Foto: F. Teuchert)

Geheimtipp: Das traditionelle Lokal Ta Rikardu (Foto: F. Teuchert)

Rikkardus Weinstube ist ein echter Geheimtipp und befindet sich in einem alten Haus in der Nähe der Zitadelle. Rikkardu Zammit und seine Familie servieren in ihrem Lokal nur typische gozitanische Antipasti wie beispielsweise der in Öl eingelegte Ziegenkäse Gbejna, die hausgemachten Ravjul – so nennen die Einheimischen die Ravioli oder eine traditionelle Gemüsesuppe. Wer sich auf die Dachterrasse des Restaurants traut, wird bei schönem Wetter mit einem phänomenalen Ausblick über ganz Gozo belohnt.

Ein weiteres Highlight von Gozo ist mit Sicherheit das Azure Window – auch bekannt als das Blaue Fenster. Es ist eine Art imposanter Felsbogen, der über Jahrtausende hinweg durch verschiedene Umwelteinflüsse wie Wind, Regen und Wellen geformt wurde. Heute ist das 100 Meter lange und 20 Meter hohe Azure Window ein bekanntes Wahrzeichen und die Hauptattraktion der Insel Gozo.

Azure Window

Imposanter Felsbogen: Das Azure Window – hier mit Tauchern (Foto: F. Teuchert)

Noch ein kurzer Einblick zur Geschichte von Gozo:

Der Name Gozo steht für Freude. Die Insel erhielt den Namen unter den Aragonesern, die unter der Herrschaft von Peter III. im Jahr 1282 Sizilien erworben hatten und somit auch über die Inseln Malta und Gozo regierten. Auch die Römer behielten den Namen Gozo bis zur arabischen Herrschaft ab 800 n. Chr. bei. Die Araber änderten den Namen allerdings in Ghawdex um, weshalb Gozo auch heute noch in der maltesischen Sprache Ghadex genannt.

Wiesen und Wasen als UNESCO Weltkulturerbe?

In der Hochsaison der deutschen Volks- und Oktoberfeste dieses Jahr machte sich der deutsche Schaustellerbund dafür stark, die deutsche Festkultur von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Auf breite Zustimmung stieß das Vorhaben bei Politik und Öffentlichkeit. Dass auch durchaus Kritik an diesem Vorhaben geübt werden kann, will Face2Face für euch heute deutlich machen.

Ein plus von 300.000 Besuchern konnte der Stuttgarter Wasen dieses Jahr im Herbst im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. „Ein voller Erfolg“ resümierten die Veranstalter, „das beste Volksfest der letzten zehn Jahre“. Immer mehr Menschen aus der Umgebung, aber auch internationale Gäste oder potentielle Wiesenbesucher, die das kleinere Stuttgarter Volksfest dem großen in München vorziehen, strömen auf den Wasen nach Cannstatt. Vier Millionen Besucher waren es dieses Jahr in den Zelten und auf den Fahrgeschäften; Tendenz steigend. Von einem Titel als immaterielles Weltkulturerbe erhofft sich der Bund der Schausteller noch weitere steigende Besucherzahlen.

Nicht nur Wiesen und Wasen wären, falls das Vorhaben erfolgreich ist, bei der UNESCO eingetragen, auch der Christkindelmarkt in Nürnberg oder der Freimarkt in Bremen sowie weitere große regionale Volksfeste. Auch sie erhoffen sich steigende Besucherzahlen.

Gegen mehr Besucher ist erst einmal nichts einzuwenden, oder doch? Sowohl in München als auch in Stuttgart führen die großen Frühlings- und Oktoberfeste die Infrastruktur der Städte inzwischen jedes Jahr an den Rand eines Zusammenbruchs. Besonders Stuttgart mit der Großbaustelle Stuttgart 21 ist in den Wasen-Tagen besonders überlastungsgefährdet. Weder der Hauptbahnhof in seiner jetzigen Verfassung, noch das umliegende Areal ist für diesen immensen Besucherstrom oder den schlimmsten, anzunehmenden Fall einer Massenpanik mit zumeist stark alkoholisierten Menschen, gerüstet. Ja, sogar ein Heliumluftballon reicht in diesen Tagen aus, um das ganze S-Bahn Netz in Stuttgart schon lahm zu legen – ein Heliumballon war gegen die Hochspannungleitung geflogen und hatte einen Feueralarm für den gesamten Hauptbahnhof auslöst.

Wasen

Müde vom Feiern: Besucher auf dem Heimweg vom Wasen (Foto: Homolka)

Aber zurück zu den Aufgaben und Funktionen des UNESCO Weltkulturerbes. Ziel der UNESCO ist es durch die Aufnahme besonderer Kulturgüter, kulturelle Schätze der Menschheit in ihrer bestehenden Form zu schützen und zu fördern sowie dadurch den kulturellen Dialog zwischen Nationen und Völkern zu fördern und Menschen die Idee der UNESCO näher zu bringen (http://www.unesco.de/welterbetag.html). Ursprüngliches Ziel dabei war es, Kulturdenkmäler wie die Tempel von Assuan in Ägypten vor Modernisierungswahn und autoritären Regimen zu schützen und auch heute noch gibt es Dinge die weitaus dringender geschützt werden müssen als die deutsche Festkultur.

Zudem stellt sich die Frage inwiefern Volksfeste noch in ihrer ursprünglich regionalen Form existieren und ob eine Internationalisierung der Feste, auch durch eine Aufnahme in die Liste der UNESCO, nicht eher dazu beitragen würden, dass am Ende alle regionalen Unterschiede verblassen. Schon jetzt läuft egal in München, Berlin oder Stuttgart fast jeder in Lederhose und Dirndl mit seinem Maßkrug über die Wiesen, Wasen oder den Kudamm im Oktober, aber ist dieses klischeehafte Bild von uns Deutschen wirklich das, was geschütz werden soll? Oder ist es nicht viel mehr die Tracht einer kleinen bayrischen Volksgruppe, die gerade deutschlandweit ihren großen Hype erfährt? Generell ein Punkt, mit dem sich Politik und UNESCO noch einmal tiefer beschäftigen sollten, bevor sie die deutschen Volksfeste in ihre Liste aufnehmen.

Vorschau: Am Dienstag, 18. November geht es weiter in der Reiserubrik mit einem Beitrag über Gent.

Der große Mentalitätencheck, Teil 5: Kroatien

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuchen und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuellen Mentalitäten vor. Heute: Kroatien.

Die Zeiten, in denen gefragt wurde, ob man in Kroatien gefahrlos umherreisen kann, sind lange vorbei. Dieses kleine Land im Südosten Europas, hat seine Vergangenheit überwunden, so scheint es an der Oberfläche. Fährt man jedoch im Landesinneren durch verlassene, kleine Dörfer, kann man sie teilweise sogar noch sehen: Die Einschusslöcher in den Hauswänden. Es wird jedoch fleißig Restaurationsarbeit geleistet – alles soll in neuem Glanz erstrahlen.

Erinnerungen an den Krieg: Einschusslöcher in Hauswänden erinnern hier und da an die schmerzhafte Vergangenheit (Foto: Lukenda)

Die Menschen in Kroatien sind es leid, immer wieder an die schmerzhafte Vergangenheit erinnert zu werden. Sie wollen nach Vorne blicken, auch wenn der Schmerz hier und da immer noch tief sitzt. Und nein, Kroaten und Serben hassen sich nicht! Was können wir heute für das, was früher passiert ist? Diese veraltete Denkweise existiert aber vereinzelt noch, vor allem bei der älteren Generation und auf dem Dorf. Die Jugend aber blickt nach vorne und so kommt Kroatien am 1. Juli 2013 als 28. Mitgliedsstaat in die Europäische Union.

Im Land blickt man mit Freude, aber auch besorgt in die Zukunft. Kroatien geht es zurzeit wirtschaftlich nicht so gut. Zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes gehört der Tourismus. Viele Menschen, darunter auch Deutsche und vor allem Italiener, fahren gerne ins benachbarte und nahe Istrien in den Urlaub. Die Halbinsel Istrien ist die touristisch am weitesten erschlossene Gegend Kroatiens. Das kleine Land hat jedoch noch viel mehr zu bieten.

Die Insel Brač in Mitteldalmatien: hier ein Blick auf das kleine Örtchen Sumartin (Foto: Appelt)

Insgesamt gibt es in Kroatien 1264 Inseln, von denen etwa 47 dauerhaft bewohnt sind. Zu den größten gehören die Inseln Cres, Krk, Brač und Hvar, wo auch gerne mal der internationale Jetset seine Anker auswirft. Auf die knapp 2000km Küste sind die Kroaten ganz schön stolz und belächeln da auch gerne die Slowenen, die gerade einmal wenige Kilometer davon ihr eigen nennen können.

Überhaupt sind sie ein ganz schön stolzes Völkchen. Sie sind schnell mal beleidigt, vor allem, wenn man sie Balkaneinwohner (balkanci) nennt, was für sie das Synonym für Hinterwäldler ist. Hier endet für viele der Spaß, gehört Kroatien doch schließlich zu Europa. Nein, Hinterwäldler sind sie nun wirklich nicht. Oder, wenn ein Gast die ihm üppig dargebotenen Speisen ablehnt. Dies gilt für viele als unhöflich, denn ein kroatischer Gastgeber scheut keine Mühen und Kosten, um Gästen ein gutes Essen zu bescheren. Ob man nun viel Geld zur Verfügung hat oder nicht, am Essen spart hier niemand. Außerdem nimmt man sich für die Zubereitung des Essens, sowie für die Mahlzeiten selbst, sehr viel Zeit.

Allein sind die Kroatien auch nicht gerne. So sind die Feste, die sie feiern auch stets voller Menschen. Ob Verwandter, Freund oder die halbe Nachbarschaft, alle sind herzlich eingeladen und jederzeit willkommen. Da kommt dann auch mal der vom Nachbarn selbstgebrannte Sliwowitz (Šljivovica; zu Deutsch: Pflaumenschnaps) oder die selbst gemachten Würste zum Einsatz. An Hunger wird garantiert niemand leiden.

Tipp: wer solche und noch schönere Ausblicke auf die vielen Inseln haben möchte, der sollte unbedingt die Küstenstraße der Autobahn vorziehen – es lohnt sich (Foto: Appelt)

Die kroatische Küche zeichnet sich durch eine große Vielfältigkeit in den einzelnen Regionen aus und hat weit mehr zu bieten als Čevapčiči, Ajvar und Đuveđreis, den ich noch niemals auf einer kroatischen Speisekarte gefunden habe. In Küstengegenden ist sie mediterran, es gibt viel fangfrischen Meeresfisch und Gemüse. Im Landesinneren hingegen wird die Küche deftiger und ungarische Einflüsse machen sich bemerkbar, es werden mehr Fleisch und Eintöpfe gegessen. Bekannte kulinarische Mitbringsel sind beispielsweise der Paški sir, ein bekannter Käse der Insel Pag, der dalmatinische Schinken, Dalmatinski pršut genannt oder aber auch der slawonische Kulen, eine meist pikante, geräucherte Wurst.

Die beste Reisezeit für Kroatien ist die Nebensaison. Im Sommer ist es sehr heiß und es sind viele Touristen unterwegs, auch die meisten Kroaten nehmen dann ihren Sommerurlaub und an den Stränden wird es eng. Am schönsten ist es im September, wenn die Strände und Städte nicht mehr überfüllt sind und es noch immer warm genug ist, um den ganzen Tag am Strand und im Wasser zu verbringen. Sandstrände sucht man in Kroatien aber vergeblich, dafür ist das Wasser umso klarer. Beim Mieten einer Strandliege mit Sonnenschirm sollte man sich nicht übers Ohr hauen lassen, die Liegenvermieter zwacken dem Gast gerne mal etwas mehr ab.

UNESCO Weltkultur- und Naturerbe der Menschheit: die historische Altstadt von Split (Foto: Appelt)

Auch fernab der Strände bietet Kroatien zahlreiche Aktivitäten. Es gibt beispielsweise acht große Nationalparks, unter denen die Plitvicer Seen zu den bekanntesten zählen. Sie gehören auch zum UNESCO Weltkultur- und Naturerbe der Menschheit, von denen es in Kroatien noch sechs weitere gibt, wie zum Beispiel die Altstadt von Dubrovnik oder den historischen Komplex der Stadt Split mit dem Palast Kaiser Diokletians.

Wer also nach Kroatien in den Urlaub fährt, sollte nicht nur am Strand liegen, sondern auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten nicht zu kurz kommen lassen. In diesem Sinne: Willkommen in Kroatien oder wie wir Kroaten sagen würden „Dobrodošli“.

Vorschau: Am Dienstag, 25. September erscheint der nächste Teil der Hoteltest-Serie, diesmal über das Hotel Seeblick am Starnberger See.

Nicht vergessen: Die Reise-Redaktion verlost bis einschließlich Dienstag, 25. September das Buch „1000 palces to see before you die“. Weitere Infos zum Gewinnspiel findet ihr HIER.

Elektro-magnetische Nacht in Erstauflage – Das „Electro Magnetic Festival“ 2012

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“: Eine außergewöhnliche Kulisse für das „Electro Magnetic Festival“ (Foto: L. Pohlmeyer)

Es ist zwei Uhr morgens, die Nacht immer noch angenehm warm, vor, hinter und neben mir verschwitzte Menschen, die sich schon zur Musik von „Fritz Kalkbrenner“, „Monika Kruse“ oder „Andre Galuzzi“ verausgabt haben. Das Gedränge Richtung Main Stage hält an, die Nacht der elektronischen Musik scheint unendlich – von Erschöpfung keine Spur.

Wie der Titel schon verrät, handelt es sich beim „Electro Magnetic“ um ein Festival der elektronischen Musik. Mehr als 8000 Fans zählte das Festival, das vergangenen Samstag, 7. Juli 2012, seine Premiere in der als Weltkulturerbe ausgezeichneten „Völklinger Hütte“ in der Nähe von Saarbrücken feierte. Die Tickets aus dem Vorverkauf waren nach kürzester Zeit restlos ausverkauft und aus der Menge an Besuchern zu schließen, war auch das Kontingent an Karten an der Tageskasse vermutlich binnen kürzester Zeit erschöpft. Und das zu Recht, denn wohl kaum einer dürfte von dem „Neuling“ unter den Festivals enttäuscht worden sein.

So war bereits das Line-up, das von Top-Acts der elektronischen Musik wie „Digitalism“, „Lexy & K-Paul“, „Fritz Kalkbrenner“, „Turntablerocker“, „Bonaparte“, „Moonbootica“, „Tiefschwarz“, „Matthias Tanzmann“, „The Koletzkis“, „Dominik Eulberg“ und „Karotte“ angeführt wurde mehr als vielversprechend. Von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen wurde auf fünf verschiedenen Floors aufgelegt und performt, so dass das Festival getreu seinem Titel zum Magneten für Fans elektronischer Musik wurde. Dazu setzten Lichtkünstler mit Illuminationen und Kunstinstallationen das Welturkulturerbe in ein ganz neues Licht. Damit bot das „Electro Magnetic“ ein breites Spektrum an verschiedenen Musik- und Kunstelementen, präsentiert von einer Vielzahl an internationalen, nationalen und regionalen Akteuren. Eine Symbiose die wahres Erfolgspotential hat.

Mit ihren explosiven Sounds lockten beispielsweise die zwei Hamburger Tobias Schmidt und Oliver Kowalski gleich am frühen Abend alle „Moonbootica“-Fans in den „Schattenhof“. Das Beatbauer-Duo, das für seine äußerst tanzbaren Rhythmen bekannt ist, lieferte mit einer Mischung aus House, Breakbeats, Jazz und Funk Elementen einen legendären Auftakt zur Festivalnacht.

Das „Electro Magnetic“ bei Nacht: Eine Kombination aus Electro-Acts und Illumination (Foto: L. Pohlmeyer)

Eines der Highlights der Magnetic Festivalinnovation war ohne Zweifel das DJ-Duo „Lexy & K-Paul“, das nicht viel später auf der Main Stage zu sehen und vor allem zu hören war. Dass die beiden DJs nicht für dezentes Plattenteller- und Reglerbedienen stehen, sondern lieber mit einer Mischung aus Elektro-Bässen und Techno-Rhythmen das Publikum ordentlich in Bewegung bringen, bewiesen sie mit ihrer Performance am „Electro Magnetic“. Mit ihrem unbefangenen „Technoelectro“ brachten sie die Festival-Menge zum brodeln und feierten mit den Fans zu „Ponyboy“, „Trick on me“ und „I gave you my digits“ als gäbe es kein Morgen. Live-Qualität aus der Hauptstadt – vom langweiligen Electro-Act keine Spur. Ebenfalls in Höchstform war die Berliner Elektro-Punk-Band „Bonaparte“ zu erleben, die mit ihrer wechselnden extravaganten Kostümierungen – von Fahrrad fahrendem Pferd bis zur höchst erschöpfenden Trampolinperformance – puren Wahnsinn in Live-Version verbreiteten. Denn statt Gitarre zupfen und ins Mikrofon zu hauchen, zog die „Bonaparte“-Crew lieber ein Tierkostüm über und schickte rockende, praktisch nackte Piraten über die Bühne, die ihre Unterwäsche dem Publikum entgegen schleuderten. Ein fulminantes Ende der fast zwölf Stunden langen Performance verschiedener Künstler auf der Main Stage lieferte das Elektro-House-Duo „Digitalism“. Die zwei Jungs, die für ihre Tracks aus Techno und Indierock bekannt sind und damit zu einem weltweit gefragter Live-Act avancierten, bildeten das perfekte Ende der tobenden Festivalnacht. Denn spätestens hier ließen die Fans nochmal ordentlich die Beine zappeln.

Zu den absoluten Besonderheiten des Festivals zählte vor allem auch der Veranstaltungsort, die „Völklinger Hütte“, ganz in der Nähe von Saarbrücken. Denn wie oft tanzt man schon vor der Kulisse eines UNESCO-Weltkulturerbes die Nacht durch? Durch dunkle Gänge, unter rostigen Rohren entlang und schon lag  links die „Sennheiser Silent Stage“, auf der sich die mit Headphones ausgestatteten Festivalgänger zur Musik bewegten. Nur ein paar Schritte weiter das Schrottgleis, auf dem Drum and Bass-Rhythmen, ebenso wie Dubstep-Beats von Künstlern wie „JarJar“, „Bananas From Outer Space“, „Seki & Minoru“ und „Tiefklang“ aufgelegt wurden. An zerfallenen Fabrikhallen vorbei und bis zur Aussichtsplattform am Hochofen wo Elektro-, House- und Technobeats pulsierten und damit jeden Winkel des Weltkulturerbe zum Vibrieren brachten. Eine außergewöhnliche Verbindung der Extraklasse, die mit modernem Musikgeist neues Leben in das „Alte Eisen“ brachte.

Kurzum: Eine einzigartige Nacht der elektronischen Tanzmusik, die hoffentlich erst der Anfang einer ganz besonderen Festival-Reihe in der „Völklinger Hütte“ ist.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr den ersten Artikel zum Thema „Musik und Berufe“.