Zurück auf´s Fahrrad?

Diesel-Skandal, Feinstaubalarm, Umweltverschmutzung – da kann einem die Lust aufs Autofahren schon mal kurzfristig vergehen. Vielleicht sieht eure „urbane Mobilität“ aber auch so aus: Rauf aufs Fahrrad, fünf Minuten strampeln – ankommen.

Es war einmal eine Rettichkönigin…

Ursprünglich hatte er die sogenannte Laufmaschine als eine Alternative zum Reitpferd erdacht – vor 200 Jahren fuhr Karl Drais zum ersten Mal mit dem Vorgänger des Fahrrads durch Mannheim. Seitdem hat sich einiges getan. Das Fahrrad gilt als das weltweit am meisten genutzte Transportmittel. Aktuell ist sogar von einer Rückeroberung der Städte die Rede. In meinem Heimatort ist das Fahrrad definitiv angekommen (oder war es vielleicht nie weg?). Viel gibt´s in Schifferstadt halt auch nicht… Selbst der Goldene Hut, der in der Bronzezeit auf einem Acker gefunden wurde und als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt, steht inzwischen im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Schifferstadt besitzt nur noch eine Nachbildung.
Das, was es gibt, ist dafür wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar: Eine Volksbank, gleich zwei Bahnhöfe, diverse Restaurants und mein geliebter Hofladen, der neben Rettich – im Gegensatz zu den meisten anderen pfälzischen Gemeinden hat Schifferstadt keine Wein-, sondern stattdessen eine Rettichkönigin – auch anderes Gemüse und Obst aus der Region verkauft.

Große Kleinstadt, kleine Mittelstadt

Bisher habe ich immer behauptet, dass ich in einem Dorf lebe. Wikipedia ist da ein winziges bisschen genauer: Mit seinen etwa 20.000 Einwohnern schwankt Schifferstadt zwischen einer sogenannten „großen Kleinstadt“ (10.000 Einwohner bis 20.000 Einwohner) und einer „kleinen Mittelstadt“ (20.000 bis 50.000 Einwohner). Das ist natürlich nichts im Vergleich zu einer „richtigen“ Stadt. Stuttgart hat 30-mal so viele Einwohner und ist mehr als siebenmal so groß wie Schifferstadt. Da kann man mit dem Fahrrad bestimmt vieles, aber sicher nicht alles erledigen.
Wäre für mich jetzt kein Problem gewesen, wenn ich mich nicht dafür entschieden hätte, für zwei Jahre als Backup-Frau für eine werdende Mutti bei der Mercedes-Benz Bank auf dem Stuttgarter Pragsattel einzuspringen. „Sachbearbeiterin Kommunikation“ lautete fortan mein offizieller Titel, inoffiziell stelle ich mich gerne ein klein wenig adeliger vor: „Tatjana von der Kom“.

Vom Gemüsegarten in die Feinstaubmetropole

Vier Tage in der Woche pendelte ich nun mit dem Zug vom Gemüsegarten Deutschlands, wie es die Website der Stadt Schifferstadt so wunderbar bildhaft beschreibt, in die Feinstaubmetropole Baden-Württembergs (auch recht bildhaft *hust*). Am Stuttgarter Hauptbahnhof angekommen, stellten sich mir anfangs zwei Fragen: 1. Wie zum Teufel komme ich hier raus? Bisher dachte ich ja Bahnhöfe wären leicht zu durchschauen – ein Häuschen und ein paar Gleise eben. Von verschiedenen Ebenen, die gefühlt bis zum Erdkern vordringen, und glitzernden Einkaufpassagen, die einen vom Wesentlichen – zur Erinnerung, falls Sie auch gerade abgeschweift sind: Wie zum Teufel komme ich hier raus? – ablenken, war nie die Rede.

Saubere Umwelt: Da ist das Fahrrad durchaus eine Alternative zum Auto (Foto: uschi dreiucker  / pixelio.de)

Saubere Umwelt: Dahingehend ist das Fahrrad durchaus eine Alternative zum Auto (Foto: uschi dreiucker  / pixelio.de)

2. Wie komme ich am geschicktesten durch den Stadtverkehr? Gar nicht mal so einfach, wenn man es gewohnt ist, vom Balkon aus das Feld und damit den Stadtrand zu sehen…
Die U-Bahn stellte sich als die schnellste, komfortabelste aber vor allem unterhaltsamste Lösung heraus. Hier habe ich viel gelernt, zum Beispiel, dass man niemals aussteigen sollte, wenn die Bahn laut Durchsage defekt ist. Denn ganz bestimmt fährt sie genau in dem Augenblick los, wenn ich draußen in der Kälte stehe.
In der U-Bahn kann man sogar seinen Fremdwortschatz erweitern. Oder wissen Sie, was „Kwienohaaa“ ist? Gut, die Dame, die darüber sprach, hatte selbst auch keine Ahnung und fragte deshalb ihre Freundin. Es dauerte einen Moment, bis ich aus dem Lautbild, das sie gezeichnet hatte, ableiten konnte, was sie wohl meinte: Quinoa! Diese kleinen, getreideartigen Kügelchen, die sich als Beilage zu allem möglichen eignen. Mit diesem Hintergrundwissen wirkte der Tipp der Freundin – „ich glaub, das ist sowas wie Risotto“ – leider wenig förderlich auf meine Beherrschtheit und ich konnte ein kleines Schnauben nicht unterdrücken.

Ohne Auto in der Großstadt?

Ich komme dann jetzt mal zurück auf das Fahrrad. Im schwedischen Malmö entsteht gerade ein Gebäude, das speziell auf die Bedürfnisse von Fahrradfahrern abgestimmt ist. 55 Wohnungen, 33 Motel-Zimmer und kein einziger Pkw-Parkplatz. Dafür gibt es einen Fahrradabstellraum, Leihräder für Gäste und eine kleine Werkstatt. Ohne Auto geht also nicht nur in Schifferstadt, sondern auch in Großstädten. Nicht so ganz!
Die zukünftigen Mieter des Hauses bekommen eine Mitgliedschaft bei einem Carsharing-Anbieter und eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel als Ausgleich für die fehlenden Parkmöglichkeiten. Neun Carsharing-Stationen befinden sich im Umkreis von 500 Metern um das Gebäude. Der Hauptbahnhof ist 1.400 Meter entfernt und mit dem Fahrrad (ja, da ist es wieder!) in etwa drei Minuten zu erreichen. Die nächste Bushaltestelle ist 50 Meter entfernt, Supermärkte, Bars und Restaurants im unmittelbaren Umkreis.
Auch wenn die Bewohner vermutlich keine Autobesitzer sein werden, so nutzen sicher viele die Carsharing-Option. Den Wocheneinkauf für eine fünfköpfige Familie mit dem Fahrrad oder in der Bahn zu transportieren, ist halt auch eher unpraktisch.

Die Mobilität der Zukunft

Die Häuslebauer müssen die Wirksamkeit ihres Mobilitätskonzepts übrigens über einen Zeitraum von zehn Jahren nachweisen. Ob das die sagenumwobene „urbane Mobilität der Zukunft“ ist? Ich glaube ja, dass sich die Mobilität von morgen nicht dadurch von der heutigen unterscheidet, weil das Fahrrad dem Auto vorgezogen wird. Stattdessen wird sich die gesamte Infrastruktur wandeln und immer mehr den Bedürfnissen der Großstädter angepasst. Die Carsharing-Station vor der Haustür, die Bus-Haltestelle um die Ecke, das Fahrrad im Keller und wenn man sich mal nicht entscheiden kann, helfen Mobilitäts-Apps.
Puh, so viele Möglichkeiten… Ich schwing mich dann jetzt mal auf mein Fahrrad und kaufe ein bisschen Nervennahrung – diese Multi-Mobilitäts-Zukunft kann einen auch überfordern.

„Noah“ – der neue Thriller von Sebastian Fitzek. Unbedingte Leseempfehlung!

„Zur Geburt Jesu Christi lebten 300 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Heute sind es sieben Milliarden. Wie viel ist zu viel?“ Diese Frage befindet sich auf dem Buchrücken des neuen Thrillers „Noah“ von dem Bestsellerautoren Sebastian Fitzek. Bekannt für seine spannenden Psychothriller, die sich durch gut recherchiertes Fachwissen, interessante Charaktere und unvorhergesehene Wendungen auszeichnen, hat sich der Berliner mit seinem neuesten Werk „Noah“ zum ersten Mal in größerem Umfang an einen Verschwörungs-Thriller gewagt. Inspiriert von einer Naturdokumentation über Parasiten, die ihren Wirt so lange aussaugen bist er stirbt, kam ihm der Gedanke, dass diese Definition auch auf uns Menschen passt. So wurde sein Sinn für die Thematik geschärft und die Grundlage für sein neues Buch geschaffen, verrät Fitzek in einem Interview.

Anschließend begannen für Fitzek die Recherchearbeiten: Wusstet Ihr, dass ein Hamburger aufgrund der Abfälle, die er bei der Produktion abwirft eigentlich 180 Dollar kosten müsste? Das unser Rohöl-Aufkommen bei unseren jetzigen Lebensstandard in wenigen Jahren aufgebraucht sein wird? Und dass alle 3,6 Sekunden ein Mensch verhungert? Sebastian Fitzek hat sich mit dem Problem der Armut und Umweltverschmutzung auseinander gesetzt und sie in einen bis zur letzten Seite fesselnden Thriller eingearbeitet.

In „Noah“ geht es um einen Obdachlosen, der sich ohne Gedächtnis, dafür aber mit einer frischen Schusswunde in der Schulter und einer unsauber gestochenen Tätowierung im rechten Handballen, in einem Berliner U-Bahnhof wieder findet. Die Erinnerungen, die ihn nach und nach einzuholen beginnen, decken ein ungeheuerliches Geheimnis auf, das die gesamte Menschheit verändern wird.

„Was zunächst wie ein schlechtes Weltuntergangs-Szenario klingt, stellte sich als eines der interessantesten Bücher heraus, die ich bisher gelesen habe“, beschreibt Face2Face-Autorin Vanessa Betz den Thriller. Mit einer packenden Handlung, realistischen Fakten und authentischen Charakteren schafft es Fitzek, eine überzeugende Story abzuliefern, die sich dem „Weltuntergangs-Thema“ auf erfrischen andere Weise nähert. „Wer Sebastian Fitzek von seinen vorherigen Büchern kennt, wird zunächst etwas überrascht sein. Das Lesen lohnt sich allerdings auf jeden Fall! Mich hat das Buch auch nachhaltig beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Man sollte es gelesen haben“, empfiehlt Vanessa.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier einen Bericht über die vermeintlich typischen Eigenschaften der Deutschen. Vielleicht erkennt ihr euch ja wieder.

 

Rätselhaftes Fischsterben

Wasser ist für uns unentbehrlich. Es ist die Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze. Eine Beeinträchtigung der Qualität des Wassers hat viele gesundheitliche Folgen. Doch durch die industrielle Nutzung des Wassers kommt es oft zu Verunreinigungen. Auch andere durch den Menschen entstehende Veränderungen haben Einfluss nicht nur auf die Qualität des Wassers, sondern dadurch auch auf das gesamte Ökosystem. In letzter Zeit gab es immer wieder rätselhafte Fischsterben, die auf solche Probleme aufmerksam machen.  Millionen tote Fische allein dieses Jahr:

So etwas haben sie noch nie gesehen, sagen die Menschen in den Fjorden Islands, als im Februar 50.000 Tonnen Heringe am Ufer verrotteten. Sauerstoffmangel soll die Ursache gewesen sein. China erwischte es im Juli gleich zweimal, in Shandong und in einem See in Ninjiang.

In den USA führte fehlender Regen zu Sauerstoffmangel im Sugar Lake, Missouri, im Lake Michigan und im Lake George, Massachusetts. In Dänemark, Großbritannien (jeweils in Nottingham und West Essex) und China wird das warme Wetter für den Sauerstoffmangel verantwortlich gemacht.

Auch Deutschland bleibt nicht unberührt. Im Mai verendeten Karpfen in Thüringen. Im Juni starben die Fische im Gartower See in Niedersachsen, im Juli in Bad Kreuznach im Ellerbach, im August in Berlin in der Spree; bei allen ist es Sauerstoffmangel.

Klimawandel und menschliche Aktivitäten tragen gemeinsam zu der Hitzewelle bei. Menschen sterben an Hitzeschlägen, andere spüren die Folgen an ihrem Essen.

In Frankreich und in Ohio, USA, waren direkte Umweltverschmutzungen schuld. Auch in Thailand sterben auf einer Fischfarm täglich 30.000 Fische wegen verschmutztem Wasser.

Es gibt noch einige dieser Fischsterben auf der ganzen Welt. Die Ämter in Deutschland erhalten diese Informationen und bearbeiten sie bürokratisch, ohne weiter darüber nachzudenken.

All diese Nachrichten waren kaum in den Medien. Die mangelhafte Berichterstattung ist jedoch folgenreich. Die Einflüsse auf das Ökosystem sind das Ergebnis des großen ökologischen Fußabdruckes, den ein jeder von uns hinterlässt. Und ein jeder muss etwas dafür tun, dass sich etwas ändert.

 

Vorschau: In zwei Wochen geht es Weiter mit dem zweiten Teil über Haie.

Schweres Wasser

Nach wie vor taumelt die EU am Rande eines fiktiven Finanzabgrundes entlang. Alle Blicke ruhen auf Griechenland. Während die Zahlenakrobaten des Staatenbundes damit beschäftigt sind, mit mehr oder weniger virtuellen Zahlen zu jonglieren, braut sich an der Atlantikküste eine ganz reale Bedrohung zusammen.

Beängstigend: Vor den europäischen Atlantikküsten schlummert radioaktives Unheil (© klaustroisieme / pixelio.de)

Die Nutzung von Atomkraftwerken wirft – neben der berechtigten Angst vor Nuklearunfällen – vor allem die Frage nach einer vertretbaren Endlagerung der verseuchten Abfälle auf. Bis heute gibt es keine zufriedenstellende Lösung für das Problem, auch wenn es an Ideen nicht mangelt: Einlagerung in alten Salzbergwerken, Wiederanreicherung und „Recycling“ des gebrauchten Materials, Deponien im Weltall – doch all diese Ansätze lassen sich aus technischen, finanziellen und auch (bio-)ethischen Gründen kaum umsetzen.

Wie bedenklich vergangene Bewältigungsversuche der Endlagerfrage waren, zeigen Untersuchungen, die von Greenpeace – teilweise schon vor Jahren – im Atlantik angestellt wurden: Ende der 60er-Jahre beschlossen einige Regierungen, darunter auch die deutsche, radioaktive Abfälle vor den Küsten Portugals im Ozean endzulagern. Bis 1982 wurden 114.726 Tonnen des verseuchten Mülls an mehreren Stellen versenkt. Doch während die anhaltende Endlagerdebatte in Deutschland immer wieder durch Politik und Medien geistert, scheint diese Altlast der Atomenergienutzung einfach vergessen worden zu sein – mit katastrophalen Folgen.

Bereits 1992 wurde in den betroffenen Regionen eine Verseuchung durch Plutonium bei Fischen nachgewiesen; schon kleinste Bruchteile eines Grammes Plutonium gelten für den Menschen als tödlich. Im Jahr 2000 entdeckte Greenpeace dann eine radioaktive Verseuchung des Ärmelkanals, der weit vom Abwurfpunkt der Abfallbehälter entfernt ist. Aber nicht nur Radioaktivität konnte hier festgestellt werden: Erschreckenderweise waren es inzwischen beschädigte Atommüllfässer, die ihre Wanderung in den Nordatlantik angetreten hatten.

Die atomare Verseuchung des Ozeans zeigt, wie bedenklich die Nutzung von Atomenergie nach wie vor ist. Zwar ist der Atomausstieg inzwischen beschlossene Sache, doch eine Lösung des Endlagerdilemmas ist noch immer nicht gefunden – ganz zu schweigen von Ansätzen zur Behebung bisher angerichteter Umweltverseuchungen durch Atommüll: Die Fässer im Atlantik sind kein Einzelfall.

So droht beispielsweise auch aus Russland eine radioaktive Kontamination der Weltmeere. Als der am stärksten durch Strahlung belastete Ort der Welt gilt der russische „Karatschai-See“, in dem zu Sowjetzeiten Unmengen von radioaktivem Abfall versenkt wurden. Die Strahlenbelastung ist hier so hoch, dass bereits ein einstündiger Aufenthalt eines Menschen eine tödliche Form der Strahlenkrankheit auslöst. Problematisch ist aber vor allem, dass die dort vorhandenen Abfälle durch Grundwasserströme und Flüsse bis ins Meer gelangen könnten; ein Horrorszenario, das eine weltweite Verseuchung der Meere nach sich ziehen könnte.

Die noch vor kurzer Zeit vorhandene, stark ausgeprägte öffentliche Empörung über Atomenergienutzung, die nach dem Desaster von Fukushima die Medienlandschaft prägte, ist inzwischen wieder verflogen. Viel interessanter erscheint momentan die Finanzlage der EU und die Zukunft des Euro – zweifelsohne keine geringfügigen Probleme. Doch das Unheil, was dort vor unseren Küsten droht, ist um ein vielfaches beängstigender. Da nun inzwischen aber wieder der Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit fehlt, bleibt zu bezweifeln, ob es zu Eindämmungsmaßnahmen oder gar zu Bergungsaktionen kommen wird – denn auch die würden Milliarden verschlingen.

 Vorschau: Nächste Woche lest ihr Thomas‘ Interview über die LKW-Linie „Actros“.