Zurück auf´s Fahrrad?

Diesel-Skandal, Feinstaubalarm, Umweltverschmutzung – da kann einem die Lust aufs Autofahren schon mal kurzfristig vergehen. Vielleicht sieht eure „urbane Mobilität“ aber auch so aus: Rauf aufs Fahrrad, fünf Minuten strampeln – ankommen.

Es war einmal eine Rettichkönigin…

Ursprünglich hatte er die sogenannte Laufmaschine als eine Alternative zum Reitpferd erdacht – vor 200 Jahren fuhr Karl Drais zum ersten Mal mit dem Vorgänger des Fahrrads durch Mannheim. Seitdem hat sich einiges getan. Das Fahrrad gilt als das weltweit am meisten genutzte Transportmittel. Aktuell ist sogar von einer Rückeroberung der Städte die Rede. In meinem Heimatort ist das Fahrrad definitiv angekommen (oder war es vielleicht nie weg?). Viel gibt´s in Schifferstadt halt auch nicht… Selbst der Goldene Hut, der in der Bronzezeit auf einem Acker gefunden wurde und als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt, steht inzwischen im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Schifferstadt besitzt nur noch eine Nachbildung.
Das, was es gibt, ist dafür wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar: Eine Volksbank, gleich zwei Bahnhöfe, diverse Restaurants und mein geliebter Hofladen, der neben Rettich – im Gegensatz zu den meisten anderen pfälzischen Gemeinden hat Schifferstadt keine Wein-, sondern stattdessen eine Rettichkönigin – auch anderes Gemüse und Obst aus der Region verkauft.

Große Kleinstadt, kleine Mittelstadt

Bisher habe ich immer behauptet, dass ich in einem Dorf lebe. Wikipedia ist da ein winziges bisschen genauer: Mit seinen etwa 20.000 Einwohnern schwankt Schifferstadt zwischen einer sogenannten „großen Kleinstadt“ (10.000 Einwohner bis 20.000 Einwohner) und einer „kleinen Mittelstadt“ (20.000 bis 50.000 Einwohner). Das ist natürlich nichts im Vergleich zu einer „richtigen“ Stadt. Stuttgart hat 30-mal so viele Einwohner und ist mehr als siebenmal so groß wie Schifferstadt. Da kann man mit dem Fahrrad bestimmt vieles, aber sicher nicht alles erledigen.
Wäre für mich jetzt kein Problem gewesen, wenn ich mich nicht dafür entschieden hätte, für zwei Jahre als Backup-Frau für eine werdende Mutti bei der Mercedes-Benz Bank auf dem Stuttgarter Pragsattel einzuspringen. „Sachbearbeiterin Kommunikation“ lautete fortan mein offizieller Titel, inoffiziell stelle ich mich gerne ein klein wenig adeliger vor: „Tatjana von der Kom“.

Vom Gemüsegarten in die Feinstaubmetropole

Vier Tage in der Woche pendelte ich nun mit dem Zug vom Gemüsegarten Deutschlands, wie es die Website der Stadt Schifferstadt so wunderbar bildhaft beschreibt, in die Feinstaubmetropole Baden-Württembergs (auch recht bildhaft *hust*). Am Stuttgarter Hauptbahnhof angekommen, stellten sich mir anfangs zwei Fragen: 1. Wie zum Teufel komme ich hier raus? Bisher dachte ich ja Bahnhöfe wären leicht zu durchschauen – ein Häuschen und ein paar Gleise eben. Von verschiedenen Ebenen, die gefühlt bis zum Erdkern vordringen, und glitzernden Einkaufpassagen, die einen vom Wesentlichen – zur Erinnerung, falls Sie auch gerade abgeschweift sind: Wie zum Teufel komme ich hier raus? – ablenken, war nie die Rede.

Saubere Umwelt: Da ist das Fahrrad durchaus eine Alternative zum Auto (Foto: uschi dreiucker  / pixelio.de)

Saubere Umwelt: Dahingehend ist das Fahrrad durchaus eine Alternative zum Auto (Foto: uschi dreiucker  / pixelio.de)

2. Wie komme ich am geschicktesten durch den Stadtverkehr? Gar nicht mal so einfach, wenn man es gewohnt ist, vom Balkon aus das Feld und damit den Stadtrand zu sehen…
Die U-Bahn stellte sich als die schnellste, komfortabelste aber vor allem unterhaltsamste Lösung heraus. Hier habe ich viel gelernt, zum Beispiel, dass man niemals aussteigen sollte, wenn die Bahn laut Durchsage defekt ist. Denn ganz bestimmt fährt sie genau in dem Augenblick los, wenn ich draußen in der Kälte stehe.
In der U-Bahn kann man sogar seinen Fremdwortschatz erweitern. Oder wissen Sie, was „Kwienohaaa“ ist? Gut, die Dame, die darüber sprach, hatte selbst auch keine Ahnung und fragte deshalb ihre Freundin. Es dauerte einen Moment, bis ich aus dem Lautbild, das sie gezeichnet hatte, ableiten konnte, was sie wohl meinte: Quinoa! Diese kleinen, getreideartigen Kügelchen, die sich als Beilage zu allem möglichen eignen. Mit diesem Hintergrundwissen wirkte der Tipp der Freundin – „ich glaub, das ist sowas wie Risotto“ – leider wenig förderlich auf meine Beherrschtheit und ich konnte ein kleines Schnauben nicht unterdrücken.

Ohne Auto in der Großstadt?

Ich komme dann jetzt mal zurück auf das Fahrrad. Im schwedischen Malmö entsteht gerade ein Gebäude, das speziell auf die Bedürfnisse von Fahrradfahrern abgestimmt ist. 55 Wohnungen, 33 Motel-Zimmer und kein einziger Pkw-Parkplatz. Dafür gibt es einen Fahrradabstellraum, Leihräder für Gäste und eine kleine Werkstatt. Ohne Auto geht also nicht nur in Schifferstadt, sondern auch in Großstädten. Nicht so ganz!
Die zukünftigen Mieter des Hauses bekommen eine Mitgliedschaft bei einem Carsharing-Anbieter und eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel als Ausgleich für die fehlenden Parkmöglichkeiten. Neun Carsharing-Stationen befinden sich im Umkreis von 500 Metern um das Gebäude. Der Hauptbahnhof ist 1.400 Meter entfernt und mit dem Fahrrad (ja, da ist es wieder!) in etwa drei Minuten zu erreichen. Die nächste Bushaltestelle ist 50 Meter entfernt, Supermärkte, Bars und Restaurants im unmittelbaren Umkreis.
Auch wenn die Bewohner vermutlich keine Autobesitzer sein werden, so nutzen sicher viele die Carsharing-Option. Den Wocheneinkauf für eine fünfköpfige Familie mit dem Fahrrad oder in der Bahn zu transportieren, ist halt auch eher unpraktisch.

Die Mobilität der Zukunft

Die Häuslebauer müssen die Wirksamkeit ihres Mobilitätskonzepts übrigens über einen Zeitraum von zehn Jahren nachweisen. Ob das die sagenumwobene „urbane Mobilität der Zukunft“ ist? Ich glaube ja, dass sich die Mobilität von morgen nicht dadurch von der heutigen unterscheidet, weil das Fahrrad dem Auto vorgezogen wird. Stattdessen wird sich die gesamte Infrastruktur wandeln und immer mehr den Bedürfnissen der Großstädter angepasst. Die Carsharing-Station vor der Haustür, die Bus-Haltestelle um die Ecke, das Fahrrad im Keller und wenn man sich mal nicht entscheiden kann, helfen Mobilitäts-Apps.
Puh, so viele Möglichkeiten… Ich schwing mich dann jetzt mal auf mein Fahrrad und kaufe ein bisschen Nervennahrung – diese Multi-Mobilitäts-Zukunft kann einen auch überfordern.

Überfischung – sind die Meere bald leer?

Fast jeder hat schon einmal das Wort Überfischung gehört. Doch was heißt das überhaupt? Müssen wir aufhören Fisch zu essen, damit sich die Meere erholen? Oder ist es selbst dafür zu spät?
Ein Gebiet wird dann als „überfischt“ eingestuft, wenn dort mehr Fische gefangen werden als durch die natürliche Vermehrung nachkommen. Hält dieser Zustand länger an, sterben zuerst einzelne Fischarten aus, weitere folgen und schließlich ist das Gebiet völlig leergefischt. Bis sich dort wieder etwas tut, vergeht viel Zeit, weil sich die Fischbestände nur langsam durch Zuwanderung wieder erholen.

Heringe vor dem Ausnehmen

Gute Wahl: Die Heringbestände sind bisher kaum gefährdet (© Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de)

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO stufte in ihrem Zweijahres-Bericht 30% der weltweiten Fischgebiete als überfischt ein. Nur in 10% der Gebiete kann die Fangmenge noch gesteigert werden, der Rest ist an seinem Limit angekommen. Die dort gefangene Menge an Fisch kann das Ökosystem noch verkraften, wird sie jedoch gesteigert, droht auch hier der Kollaps.
Besonders von der Überfischung betroffen sind wandernde Fischarten und Arten, die sich hauptsächlich außerhalb nationaler Hoheitsgewässer aufhalten. Das sind Bereiche fern der Küsten, die kein Land für sich alleine beansprucht. Daher darf dort jeder fischen und es liegen keine Bestandszahlen vor. Das erschwert den Schutz der hier heimischen Fischarten erheblich.

Schon vor Jahren, als die Bedrohung der Überfischung durch immer gründlichere Fangmethoden erstmals Konturen annahm, glaubte man eine Lösung gefunden zu haben: Die Regierungen bestimmen Fangquoten, die festlegen, wie viel von jeder Fischart gefangen werden darf. Diese Quoten entsprechen jedoch eher den Interessen der Wirtschaft als denen des Umweltschutzes: Sie sind um die Hälfte höher als die Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung.
Dabei entspricht eine langfristige Überfischung keineswegs den Interessen der Fischer! Der übermäßige Fang einiger Arten kann zu einer Veränderung des ganzen Ökosystems führen, die die Fischerträge deutlich sinken lässt.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Umweltschutzorganisationen setzen sich neben nachhaltigen Fangquoten und Fischerei-Schutzzonen auch für eine Mindestgröße der Fischernetzmaschen ein. Denn nur dann können junge Fische, die sowieso nicht gefangen werden dürfen, entkommen. Sind die Maschen zu eng, landen sie zusammen mit den großen Fischen in den Händen der Fischer. Die dürfen sie jedoch nicht mit an Land nehmen und werfen sie als „Beifang“ zurück ins Meer. Eigentlich gut, leider überlebt fast keiner der Fische den unfreiwilligen Landgang.
Doch nicht nur die Politik, auch jeder einzelne Verbraucher kann zum Schutz der Fischbestände beitragen. Wichtig beim Fischkauf ist dabei weniger die Fischart, sondern vielmehr die Herkunft des Fisches. Der WWF hat hierfür einen Einkaufsführer herausgegeben. Außerdem sollten Verbraucher auf Labels achten. Für einen nachhaltig produzierten oder gefangenen Fisch stehen die Siegel von MSC, FOS, fair-fish und SAFE.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr mehr über Winterschlaf und Winterruhe im Tierreich.

Die 100 am stärksten bedrohten Arten

Knapp 20.000 Tier- und Pflanzenarten gelten derzeit als vom Aussterben bedroht. Während es für einige davon dank zahlreicher Hilfsprogramme und Schutzmaßnahmen schon wieder bergauf geht, steht es um andere schlechter denn je. Rund 8000 Wissenschaftler haben nun im Auftrag der Weltnaturschutzorganisation IUCN die 100 am stärksten bedrohten Arten ermittelt.

Dafür ermittelten sie für 24 Pflanzen, 75 Tier- und eine Pilzart Daten über deren Populationsgröße, Verbreitungsgebiet, Gründe für die Bedrohung und Vorschläge zu Schutzmaßnahmen.
Bei vielen Arten, vor allem denen, die in schwer zugänglichen Waldgebieten leben, ist die Erforschung aber schwierig. Keine der Arten, für die es Schätzungen gibt, zählt mehr als 1000 lebende Vertreter, die meisten nicht einmal 100. Von 14 Arten ist die genaue Zahl der noch lebenden Vertreter bekannt – und hier gerade, weil es so wenige sind.

Doppelt vertreten: Gleich zwei Nashornarten, nämlich das Java- und das Sumatra-Nashorn stehen auf der Liste der 100 bedrohtesten Arten (© Fritz Zühlke / Pixelio)

Am meisten setzt den bedrohten Arten die Zerstörung ihres Lebensraums zu. Wenn ihre Wälder abgeholzt und ihre Wiesen in Felder umgewandelt werden, wird ihnen die Grundlage ihres Lebens genommen. Sie finden nicht mehr ausreichend Nahrung und Platz zur Fortpflanzung.
Die zweitgrößte Bedrohung ist die, meist illegale, Jagd der Tiere, um Felle, Hörner und Knochen gewinnbringend zu verkaufen oder schlicht, um das Fleisch zu essen.
Viele Arten werden außerdem durch sogenannte „invasive Arten“, also Arten, die in diesem Gebiet nicht heimisch sind, sondern vom Menschen eingeschleppt wurden, bedroht. Entweder befinden sie sich in Nahrungskonkurrenz mit den heimischen Arten oder sie jagen diese als leichte Beute, da sie nicht an die fremden Räuber angepasst sind.
Nicht zuletzt machen auch der Klimawandel und die Umweltverschmutzung vielen Arten zu schaffen. Ihr Lebensraum verändert sich schneller als sie sich anpassen können und sie bleiben auf der Strecke.

Zur Rettung der meisten Arten schlagen die Wissenschaftler die Einrichtung von Schutzgebieten und eine konsequentere Verfolgung der Wilderer vor.
Des Weiteren müsse die einheimische Bevölkerung aufgeklärt und für den Artenschutz sensibilisiert werden. Denn vielen ist die Bedeutung der Artenvielfalt für unser Ökosystem gar nicht klar. Das Sterben einer Art reißt oft viele andere mit in den Tod, zum Beispiel Räuber, die dann nicht mehr genug Beute finden oder Pflanzen, deren Samen nur von bestimmten Tieren verbreitet werden.
Jüngere Studien weisen außerdem darauf hin, dass artenreiche Gegenden weniger anfällig sind. Denn Artenreichtum hilft, moderate Schwankungen, zum Beispiel durch Dürreperioden, besser auszugleichen.

Kaum zu glauben: Auch eine Unterart der Kokosnuss ist bedroht
(© Manfred Schütze / Pixelio)

Dieses Wissen im Hinterkopf haben die Wissenschaftler ihren Bericht den Namen „Priceless or Worthless“ gegeben. Sie wollen damit noch einmal besonders ins Gedächtnis rufen, dass Artenschutz vielleicht auf den ersten Blick Geldverschwendung sein mag. Wenn eine Art aber verschwunden ist, dann ist sie unwiederbringlich und ihr Beitrag zum Leben auf der Erde für immer verschwunden. Dann ist sie unbezahlbar.

Doch die Liste der 100 am stärksten bedrohten Arten ist keinesfalls Schwarzmalerei. So führen die Wissenschaftler auch Arten auf, die kurz vor dem Aussterben noch gerettet werden. Buckelwal, Mauritiusfalke und das Przewalski-Wildpferd, dass seine Ausrottung zeitweise nur in Zoos und Wildparks überstand, sind nur einige Beispiele dafür, dass konsequenter Artenschutz erfolgreich sein kann.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr hier interessante Details zur Evolution der Wale.

Mode aus Milch, Bananen & Co. – Der Öko-Trend auf der Überholspur

„Öko-Mode“ – für viele der Inbegriff für Wollsocken und lapprige Leinenhemdchen. Doch seit einigen Jahren geht der Modetrend immer mehr in Richtung nachhaltige, umweltfreundliche Mode und wird durch Star-Designer wie Stella McCartney und Giorgio Armani unterstützt. Da die Verarbeitung von der am häufigsten eingesetzten Faser in der Textilbranche, der Baumwolle, in der Regel mit dem Einsatz von umweltgefährdenden und gesundheitsschädlichen Chemikalien verbunden ist, wird weltweit nach alternativen Materialien geforscht.

Der deutschen Modedesignerin und Diplombiologin Anne Domaske ist diesbezüglich ein Durchbruch gelungen: Mode aus Milch! Zwar gibt es bereits seit 1930 die Möglichkeit die sogenannten Kaseinfasern aus Milch zu gewinnen, jedoch war das bisherige Verfahren extrem ressourcenaufwendig: 20.000 Liter Wasser für ein Kilogramm Fasern. Nun ist es dank Domaske möglich mit nur zwei Liter Wasser die gleiche Menge herzustellen.

Die Basis ist technisches Kasein, Milcheiweiß in Pulverform, das natürlicher Bestandteil und ein Nebenprodukt der Milch ist. Folglich werden keinerlei Lebensmittel durch die „Milchmode“ vernichtet. Zusätzlich hat der Stoff aus Milchfasern eine pflegende, beruhigende Wirkung auf die Haut. Also Wellness und Mode in einem! Da immer mehr Menschen an Allergien leiden, ist die Verwendung einer solchen antibakteriellen und antiallergischen Naturfaser in Textilien auch bezogen auf gesundheitliche Aspekte eine wirkliche Alternative.
Die Gründerin des Modelabels „Madame Chi Chi“ Domaske hat daraufhin ihr zweites Unternehmen gegründet: „Qmilch“ – und gewann bereits zwei Innovationspreise für die Entwicklung dieser ökologischen, chemikalienfreien Produktion.

Mode aus Milch ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit „grüne Mode“ herzustellen. Wie das australische Unternehmen „aussieBum“ beweist, eignen sich auch Bananen dafür. Sobald die Bananen von den Bananenpalmen geerntet werden, kann man aus der Rinde des Pflanzenstamms die Fasern herauswaschen. Anschließend wird aus diesen Fasern das Garn gesponnen. Ebenso wie bei den Milchfasern, werden auch bei der Gewinnung von Bananenfasern – auch Bananenseide genannt – keine Lebensmittel vernichtet: Da nach der Ernte die Pflanzen zurückgeschnitten werden müssen, handelt es sich bei der Produktion um Verwertung von Abfall.

Milch, Bananen und – Algen! Das deutsche Unternehmen „Twosquaremeter“ verwendet in seinen Textilien Algenfasern, sogenanntes „Seacell-Jersey“. Die positiven Eigenschaften der Algen übertragen sich auf die Textilien, sodass diese hautschützend, entzündungshemmend und atmungsaktiv sind. Darüber hinaus wird beim Tragen dieser Kleidung Kalzium, Magnesium und Vitamin E an die Haut weitergegeben, was einen Anti-Aging-Effekt hervorruft.

Wer passend zu seiner „grünen Mode“ auch „grünen Schmuck“ tragen will, ist bei „Green Age“ genau richtig: Die beiden gebürtigen Kolumbianer aus Hamburg gründeten in ihrer Heimat dieses Unternehmen und lassen seit dem vor allem von sozioökonomisch benachteiligten Frauen handgefertigten Schmuck unter sehr guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen in Cali produzieren. Hauptbestandteil ihres Schmucks ist dabei die Tagua-Nuss, auch pflanzliches Elfenbein genannt. Diese Nuss ist ein Palmensamen aus den kolumbianischen Regenwäldern und wird im Laufe der Zeit immer schöner. Als weiteren Bestandteil verwenden die Kolumbianer Orangenschalen in ihren Kollektionen.

Dass die Öko-Mode auch Einzug in die Fashion Weeks erhält, zeigte sich diesen Monat in Berlin. Designern wurden in Berlin gleich mehrere Plattformen für nachhaltige, ökologische Mode geboten:
Die öffentlichen Schauen des Lavera Showfloor fokusierten grüne Mode, die beweist, dass die modische Avantgarde auf Nachhaltigkeit setzt. Wesentliche Kriterien für die Auswahl der Designer waren zum Beispiel regionale Produktion unter sozialen Bedingungen sowie kurze Transportwege, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Teilnehmer waren unter anderem das österreichische Modelabel „Göttin des Glücks“ und das britische Unternehmen „Battenberg-Cartwright“.

Auch der „GREENshowroom“, der Luxus und Nachhaltigkeit verbindet, war wieder fester Bestandteil der Berliner Fashion Week. Im luxuriösen Hotel Adlon zeigten Labels, die unter nachhaltigen Aspekten produzieren, ihre aktuellen Kollektionen. Wie jedes Jahr wurden die Teilnehmer ebenfalls nach strengen Richtlinien ausgewählt, so zum Beispiel „edelziege“ und „Muriée“.

Auf der Partnermesse des „GREENshowroom“, der Ethical Fashion Show, bekamen Modelabels die Möglichkeit ihre Street- und Casualwear-Kollektionen einem großen Publikum zu präsentieren. Diese Modelabels sehen Ökologie und Ethik als selbstverständlich an und richten ihre Produktionen dementsprechend aus.

Vorschau: Was alles in den Koffer muss, um modisch durch den Urlaub zu kommen, erfahrt ihr nächsten Donnerstag in der Moderubrik.

„WWF Earth Hour“ – Deine Stunde für unseren Planeten

Am Samstag den 31. März ist es wieder soweit: Bereits zum sechsten Mal wird das Licht zum Symbol für die weltweit größte Umweltaktion. In Syndey hat die Bewegung ihren Ursprung und von dort aus hat sie den gesamten Erdball umrundet. Von 20.30 bis 21.30 Uhr werden an diesem Tag nicht nur unzählige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Brandenburger Tor, der Big Ben und der Eifelturm ohne Licht sein, sondern wir sind alle aufgerufen Teil dieser Bewegung zu sein. Im letzten Jahr nahmen 1,8 Milliarden Menschen in 5251 Städten und 135 Ländern teil  – in allen 24 Zeitzonen zugleich.

Das Vorhaben ist ganz klar. Die Teilnehmer wollen zeigen, wie sehr ihnen die Erde in ihrer einzigartigen Schönheit am Herzen liegt und natürlich auch, dass sie sie erhalten wollen.

Doch was tut man eine Stunde ohne Licht? Im Zeichen des Umweltschutzes bietet es sich an, ein klimafreundliches Candellight-Dinner zu arrangieren. Dabei gilt es die „sechs Regeln für Besseresser“ zu berücksichtigen:

1. Gemüse in Massen, Fleisch in Maßen:
Denn für die Produktion von Fleisch- und Milchprodukten fallen rund 40% der insgesamt durch Lebensmittel erzeugten Treibhausgase an. Außerdem ist Massentierhaltung sowie die präventive Gabe von Antibiotika nicht zu unterstützen.

2. Bitte nur Bio:
Hier wird auf schädliche Pestizide verzichtet und weitaus weniger Treibhausgase entstehen.

3. Kochen nach Kalender:
Die ständige Verfügbarkeit aller Lebensmittel unabhängig von der Jahreszeit hat uns fast vergessen lassen, was eigentlich wann wächst. Doch das können wir nun mit einem Saisonkalender für Gemüse und Obst wieder wett machen.

4. Regional ist genial:
Lebensmittel aus regionaler Produktion erfordert viel weniger Treibhausgase, da eine große Menge davon auf der langen Reise entsteht. Mit regionalen und saisonalen Erzeugnissen tut man der Umwelt also etwas Gutes.

5. Lieber frisch als fertig:
Gefrorene Kost ist eine gute Alternative zu frischem Gemüse, da es schonend haltbar gemacht wurde. Dennoch fallen hohe Kosten für Lagerung und Produktion, wie auch für den Transport an.

6. Kein Menü für den Müll:
Laut WWF werfen die Deutschen pro Person im Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel weg, die eigentlich noch genießbar wären. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfkriterium und Speisen, die man nicht aufisst kann man in den meisten Fällen am nächsten Tag immer noch essen.

Ob mit einem Earth Hour Dinner oder mit einem schönen Buch bei Kerzenschein, die Earth Hour lässt sich auf viele Weisen feiern. Das Wichtigste ist es, ein Zeichen zu setzen. Für den globalen Klimaschutz und gegen die Zerstörung unseres Planeten.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Ines an dieser Stelle über Pestizide.

Buchdruck auf „elektronisch“

Weihnachten ist vorbei, die Kerzen am Baum abgebrannt und die Geschenke alle ausgepackt. Doch etwas ist anders: Die Anzahl der verschenkten Elektronikartikel, wie iPods, Smartphones, Fernseher und diverse Spielekonsolen nimmt zu. E-Book-Reader nehmen allmählich den Platz, der die Jahre davor für Bücherstapel reserviert war, ein. Der Wandel, das Elektronikzeitalter, hat nun auch die Bücherwelt erfasst. Seit 2007 erfährt der E-Book-Reader einen Auftrieb in der Literaturwelt.

Umweltfreundlich in die Zukunft: Der aktuelle E-Reader von Thalia OYO2 (Foto: Jenowein)

Wird das gute, alte Buch aussterben? Werden Regale, vollgestopft mit Geschichten aus fernen Welten bald der Vergangenheit angehören? Momentan sträuben sich die Deutschen noch etwas dagegen. Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels betrug der E-Book-Kauf 2010 nur 0,5 Prozent des gesamten Buchmarktes. Doch zukünftig wollen immer mehr Verlage ihre Bücher auch in E-Book-Format anbieten. Hier sind die USA und England ein Vorbild. Der Absatz von E-Books hat dort schon den Kauf von gebundenen Büchern überholt. Auch der Wandel der Musikindustrie vom Tonträger hin zum Online-Sharing lässt ähnliches vermuten.

Nicht nur, dass E-Book-Reader leichter und mobiler sind, sie sind nachhaltiger als ein Buch. Bäume müssen nicht abgeholzt werden, Papier muss nicht mehr mit giftigen Chemikalien behandelt werden und mit teuren Farben bedruckt. Aber rechnet sich das mit den Herstellungskosten des E-Readers, und vor allem mit den anfallenden Stromkosten?

Das Institut für angewandte Ökologie, auch Öko-Institut e.V. genannt, hat im Rahmen ihrer mehrjährigen Studie aus Sicht des Klimaschutzes die hundert wichtigsten Haushaltsgeräte untersucht. Auch der E-Book-Reader wurde unter die Lupe genommen. Die untersuchten Gesichtspunkte waren die ökologischen Optimierung und die Kosteneinsparung beim Gebrauch.

Das Ergebnis: ein Deutscher liest im Schnitt zehn Bücher mit etwa 200 Seiten im Jahr. Das sind 200 DIN-A5 Frischfaserpapierseiten, bei deren Produktion rund elf Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Bei der Verwendung von recyceltem Papier verringert sich die CO2-Menge minimal auf neun Kilogramm. „Da die Papierherstellung große Umweltauswirkungen hat, erzielen E-Reader schon bei einer drei-jährigen Nutzungsdauer positive Effekte“, erklärt Andreas Manhart vom Öko-Institut e.V.

Bei einem E-Reader mit elnk-Display, das nur beim Umschlagen der Seiten Strom verbraucht, wäre der Kauf ab elf gelesenen Büchern pro Jahr schon rentabel. Da ein solches Gerät bei der Herstellung etwa 25 Kilogramm CO2-Ausstoß verursacht, sind diese Zahlen auf die Nutzung von mindestens drei Jahren ausgelegt.

Ein elnk-Display hat keine Hintergrundbeleuchtung. Er arbeitet mit Schwarz-Weiß-Kontrasten – die Umgebungsbeleuchtung muss, wie bei einem richtigen Buch, angepasst werden. Diese elnk-Displays können nun, da sie als umweltschonend gelten, vom Hersteller mit dem „Blauen Engel“ (Anm. d. Red.: Der Blaue Engel ist das älteste Umweltschutzzeichen der Welt; Träger sind Produkte und Dienstleistungen mit ökologischen Eigenschaften) ausgezeichnet werden.

Nicht nur der CO2-Ausstoß kann mit der Nutzung eines E-Book-Readers gesenkt werden. Der Papierbedarf geht zurück und somit werden Ressourcen geschützt. „Ein E-Book-Reader rechnet sich dann aus Umweltsicht, wenn damit mindestens 30 Bücher à 400 Seiten ersetzt werden“, so Manhart. Vor allem in Zeiten des Klimawandels ein kleiner Schritt in Richtung des Schutzes unserer Wälder.

Aber auch die Informationshöhe und -dichte kann durch das Speichern elektronischer Bücher steigen. Ein durchschnittlicher E-Reader kann bis zu 1.400 Bücher aufnehmen. Das können neben Romanen und Krimis auch Sach- und Fachbücher sein. Dazu kann man bei bestimmten E-Readern Kommentare einfügen und die Texte mit verschiedenen Tools bearbeiten.

Vielleicht schauen wir in naher Zukunft nicht mehr auf die verschiedenen Abenteuer und Geschichten in unserem Wohnzimmerregal, sondern tragen die vielen Welten Tag für Tag in unseren Taschen mit uns herum.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Bernd über die Streifenmode der Natur – Zebras und Quaggas.