Fledermäuse – Der Traum vom Fliegen

Daedalos will mit seinem Sohn von der Insel fliehen. Also bastelt er Flügel aus Wachs. Seinem Sohn Ikaros sagt er, er solle nicht zu hoch und nicht zu tief fliegen, da er sonst abstürzen könnte. Am Ende fliegt Ikaros zu hoch der Sonne entgegen, seine Flügel verbrennen und er stürzt ins Meer hinab. Diese griechische Sage handelt von dem ältesten Traum der Menschheit: dem Fliegen. Nur dank Visionären wie Leonardo da Vinci und Pionieren wie den Gebrüdern Montgolfier und Wright ist es uns heute möglich, wenigstens mit Hilfe von Maschinen, zu fliegen. Im Gegensatz zu den Menschen sind die Fledertiere die einzigen Säugetiere, die wirklich fliegen können.

Friedlicher Schlaf: Eine Gruppe Flughunde hängt im Baum (© S. Thomas / pixelio.de)

Die Fledertiere, das sind Fledermäuse und Flughunde. Neben den Vögeln sind sie die einzigen Wirbeltiere, die aktiv fliegen können. Die in den tropischen Gebieten Afrikas lebenden Flughunde sind meist größer als Fledermäuse und haben eine verlängerte Schnauze, die ihrem Gesicht ein hundeartiges Aussehen verleiht. Allen Fledertieren ist ihre Flugmembran gemeinsam, mit der sie aktiv fliegen können. Die zweiten bis zum fünften Finger sind verlängert und die Flugmembran spannt sich zwischen ihnen und den Fußgelenken. Der Daumen ist stark reduziert. Auch Ober- und Unterarm sind verlängert, wobei der Unterarm nur noch aus einem einzigen Knochen besteht.

Fledermäuse leben fast auf der ganzen Welt und haben sich verschieden angepasst. So gilt zum Beispiel die Schweinsnasenfledermaus neben der Etruskerspitzmaus als kleinstes Säugetier der Welt. Sie sind nachtaktiv und ziehen sich zum Schlafen in Höhlen, Baumstümpfe, aber auch in von Menschen erbaute Verstecke, wie Dachböden und verlassene Minen, zurück. Sie sehen schwarz-weiß, aber einige vegetarisch lebende Arten können ebenfalls UV-Licht erkennen, die von den Blüten reflektiert wird, deren Nektar sie trinken.

Oft werden Fledermäuse in Gruselgeschichten mit Vampiren in Verbindung gebracht. Die Vampire verwandeln sich in Fledermäuse und entkommen so. Dieser Mythos kommt nicht von ungefähr. Unter den Fledermäusen gibt es drei Arten, die sich vom Blut anderer Tiere ernähren. Die Vampirfledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die dies tun.

Gruppenfoto: Fledermäuse sind nie alleine (© Susan Sümer / pixelio.de)

Ebenfalls bekannt ist, dass Fledermäuse sich gerne über Echoortung orientieren. Dabei stoßen sie mit ihrem Kehlkopf Ultraschallwellen aus, deren Reflektionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten das Ohr der Fledermaus erreichen. Dadurch entsteht ein genaues Abbild der Umgebung, ja sogar die Geschwindigkeit des Beutetieres kann dadurch ermittelt werden. Doch der Ruf ist neusten Untersuchungen zufolge auch für soziale Interaktionen innerhalb einer Fledermausgruppe zuständig.

Nach der Erfindung der Flugzeuge war der Traum vom Fliegen für die Menschen erfüllt. Immer schneller, weiter und höher wurden die Ziele. Doch das Gefühl der Freiheit, die ein fliegendes Tier bei seinem Flug erlebt, wird dem Menschen wohl für immer unerreichbar bleiben.

 

Vorschau: Nächste Woche erfahren wir etwas über das Vivarium in Darmstadt.