Das perfekte Oktoberfest-Outfit

„O´zapft is“  heißt es am Samstag in München.  Die Maß werden erhoben und Liter um Liter goldgelber Gerstensaft werden ab diesem Wochenende wieder in der Landeshauptstatt des Freistaats ausgeschenkt.  Auch in diesem Jahr werden wahrscheinlich wieder tausende Australier, Italiener, Asiaten und weitere Gäste aus aller Welt zum Oktoberfest nach Deutschland strömen, um zusammen das wohl bekannteste Volksfest zu feiern. An alle  Bierliebhaber, Feierwütige und Volksmusikfreunde: Das sind unsere Tipps für einen modischen Wiesn-Auftritt.

Ist die Lederhose wirklich ein Muss?

Auch wenn es prinzipiell keinen Dresscode gibt und jeder so willkommen ist, wie er auf der Wiesn erscheint, wirbt der Groß- und Einzelhandel die letzten Wochen fast überall mit Oktoberfestbekleidung in allen Fassetten. Allerdings ist diese zurzeit in einem seltsamen Wandel. Mein Vater, selbst Urbayer  durch und durch, erzählte mir von seiner Zeit in München, seinen Besuchen auf dem Oktoberfest und dem Schmunzeln, das seine Generation (Baujahr 1943) ihren Eltern und Trachtenvereinen entgegenbrachte. In den 60er und 70er Jahren war die Wiesn bereits weltweit bekannt. Sie hatte zwar nicht ansatzweise die Besucherzahlen von heute, war jedoch schon damals DAS Volksfest Deutschlands.

Jedoch waren Lederhosen und Trachtenhut, außer bei den vertretenen Trachtenvereinen, eher die Seltenheit. Der Großteil der Besucher kam in ganz normaler Alltagskleidung. Es galt als altbacken und unmodern überhaupt Trachten zu tragen. Die Rock kultur und der gesellschaftliche Wandel waren es, was die  Generation meines Vaters beeinflusste und man wollte nicht die Traditionsverbundenheit der Eltern übernehmen.

Trachten wieder alltagstauglich

Umso überraschender ist der  Wandel der letzten Jahre: Nicht nur, dass immer mehr junge Männer im schönen Chiemgau  Trachten wie selbstverständlich im Alltag tragen. Nein, auch immer mehr Ortschaften deutschlandweit veranstalten ihr eigenes kleines Oktoberfest.

Diese Tradition wird immer selbstverständlicher und man scheint sogar einen gewissen Stolz zu verspüren, solche Traditionen im Land zu haben.

Dazu hat auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 beigetragen: Das Motto „Die Welt zu  Gast bei Freunden“ lockerte das Bild des  humorlosen, strengen und arbeitswütigen Deutschen  auf, sodass man sich guten Gewissens wieder mehr mit seiner Heimat anfreunden konnte.

Doch was ist nun das perfekte Outfit?

Wie sieht also das perfekte Oktoberfest-Outfit für den Mann aus? Auf welche Details solltet ihr achten, um keinem Trachtenverein auf den Schlips zu treten? Und welche Bedeutung hat welche Stickerei an der Lederhose?

Doch eigentlich ist es nicht das, worauf es ankommt. Das perfekte Oktoberfest-Outfit ist nichts, was man von außen sehen kann. Weder Hut,noch  Lederhose,  Hemd oder das Schuhwerk sind relevant. Es ist eure Einstellung, mit der ihr das Fest besucht!

Der Wunsch eine schöne Zeit zu haben, der Wunsch mit Menschen aus aller Welt zu feiern und das Lächeln, das ihr dabei tragt, ist das Outfit mit dem ihr auf dem größten Volksfest Deutschlands nichts falsch machen könnt.  Bevor man sich in einem Discounter in Lederhosen aus China zwängt, nur um im betrunkenen Zustand eine Schlägerei anzufangen, trägt man lieber die abgewetzten Lieblingsjeans und schunkelt ein bisschen mit Freunden vom anderen Ende der Welt.

Vorschau:

Türkische Auberginensalate – gegrilltes Glück für Genießer

Der angebrochene Frühling äußert sich nicht allein durch Vogelgezwitscher, Blütenpracht und heiterem Sonnenschein: Auch auf den heimischen Tellern ist durch leichte Kost wie Salaten und kalten Suppen der Lenz ausgebrochen. Da zudem die Grillsaison naht, präsentiert euch die Tipps&Tricks-Redaktion – Frühling und Grillgut vereinend – zwei gegrillte Auberginensalate aus der türkischen Traditionsküche. Dort gehört die Aubergine zum kulinarischen Standartrepertoire. Durch die ungenauen Mengenangaben sollte man sich nicht vom Ausprobieren abschrecken lassen. Schließlich gehört diese Form an Kocherlebnis bei den traditionellen Gerichten mit zur türkischen Kochkultur.

Traditionell: Auberginen sind in der mediterranen und orientalischen Küche beliebt (Foto: Onat)

Traditionell: Auberginen sind in der mediterranen und orientalischen Küche beliebt (Foto: Onat)

Zutaten für einen Auberginensalat:

  • eine dicke Aubergine
  • drei scharfe Paprikaschoten
  • zwei Tomaten
  • etwas Petersilie
  • Frühlingszwiebeln
  • etwas Olivenöl, Granatapfelsirup und ein wenig Essig zum Abschmecken
  • Salz und Chiliflockengewürz zum Würzen

Zubereitung:

1. Für den Auberginensalat wird zunächst die namensgebende Aubergine zusammen mit der Paprika und den Tomaten abgewaschen, im Ofen gegrillt und anschließend geschält. Einfacher lässt sich das Schälen bewerkstelligen, wenn man die Aubergine vor dem Braten mit einem Messer einritzt.

2. Derweil können die Frühlingszwiebeln und die Petersilie gewaschen und klein gehackt werden. Das abgekühlte, geschälte Gemüse anschließend mit einem Messer fein hacken und zerdrücken.

3. Nun alles zusammen in eine Schüssel geben und mit Olivenöl, Granatapfelsirup und etwas Essig abschmecken. Mit etwas Salz und Chiliflocken gewürzt ist der Auberginensalat bereits servierfähig.

Zutaten für einen Auberginensalat mit Joghurt:

  • zwei dicke Auberginen
  • ein halbes Glas Joghurt
  • zwei Knoblauchzehen
  • ein Teelöffel Zitronensaft, zwei Esslöffel Olivenöl und etwas Salz zum Abschmecken

Zubereitung:

1. Als erstes die Aubergine waschen und mit einem Messer einritzen. Auf höchster Stufe grillen und abkühlen lassen.

2. Nun die Aubergine schälen und zusammen mit dem Knoblauch mit einem Messer kleinhacken.

3. Die Aubergine samt Knoblauch in eine Schüssel geben und mit dem Joghurt vermischen. Nur noch alles mit einem Teelöffel Zitronensaft, zwei Esslöffeln Olivenöl und etwas Salz abrunden und genießen.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch die Tipps&Tricks-Redaktion zum Frühlingsbeginn fünf saisonale Unternehmungstipps.

Zehn Dinge, die man an Silvester lieber nicht tun sollte

Farbenfroh: Das Silvester-Feuerwerk ist kultischen Ursprungs (© wu-buster / pixelio.de)

Wie mit allen Festtagen, so verbinden sich auch mit dem Jahreswechsel viele Brauchtümer. Bereits bei den Germanen zählte das Neujahr zu einer mythisch-geladenen, von Aberglauben und Ritualen begleiteten Zeit, die sich auch heute noch wiederfinden lassen. So verweist das farbenfrohe Silvester-Feuerwerk auf die lärmende Geistervertreibung der ehemaligen Stämme Mitteleuropas. Daher verrät euch die Tipps&Tricks-Redaktion kurz vorm Jahresausklang noch, was ihr – den tradierten Sitten und Kulten der Germanen folgend – an Silvester lieber vermeiden solltet.

1) Zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche waschen:
In dieser Zwischenzeit, die auch als „Rauhnächte“ oder „Zwölf heilige Tage“ bezeichnet wurden, seien die Geister besonders aktiv. Werde in dieser Zeit Wäsche aufgehängt, so können sich diese darin festsetzen und die Besitzer im neuen Jahr mit Tod, Krankheit und Unheil heimsuchen. Zudem werden aufgehängte Bettlaken ebenso mit Leichentüchern gleichgesetzt, die als todbringendes Omen gelten. Zudem symbolisieren die auf der Wäscheleine trocknenden Textilien die unerledigte Arbeit, die man mit ins neue Jahr hineinträgt und dadurch noch mehr Arbeit heraufbeschwört. Ebenso lässt sich das Waschen der schmutzigen Wäsche jedoch auch im übertragenen Sinne verstehen: Wer die schmutzige Wäsche anderer wäscht, indem er über diese lästert oder tratscht, werde in der Zukunft Unheil in Form von Streitigkeiten verursachen.

2) Am Neujahrsmorgen nicht zu spät aufstehen:
Wer am ersten Morgen des neuen Jahres verschläft, der sei das ganze Jahr über nicht pünktlich. Frühes Aufstehen verspricht hingegen, niemals zu verschlafen. Doch auch das Schlafen selbst hat Einfluss auf die Zukunft: Wer in der Nacht zwischen dem alten und dem neuen Jahr nicht schlafen kann oder Albträume hat, der könne das ganze Jahr über nicht gut schlafen.

3) Zu Neujahr nichts aus dem Haus geben:
Wer gleich im neuen Jahr Gegenstände aus dem Haus bringt oder verkauft, der gebe dadurch auch sein Glück hinfort. Auch der Müll, den man entsorgen möchte, solle daher einen weiteren Tag im Hause ruhen.

4) Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel essen:
Was das Essen betrifft, so trifft hier Masse auf Maß: Zwar werde man, je mehr man isst, desto mehr Geld im nächsten Jahr erhalten und durch gutes Essen auch das folgende Jahr über wohlauf sein. Wer jedoch seinen Teller gänzlich leert und von den Speisen im Hause nichts mehr übrig lässt, der habe das ganze Jahr über nie genug zu essen und werde an Hunger leiden.

5) Nicht zu spät, aber auch nicht zu früh vom Tisch aufstehen:
Beim gemeinsamen Silvester-Essen ziemt es sich, mit den anderen Gästen bis zum Schluss gemeinsam zu speisen. Wer nämlich der erste ist, der den Tisch verlässt, dem stünde im neuen Jahr der Tod bevor. Der letzte wiederum komme – so der christliche Spruch – zu spät in den Himmel.

Vielversprechend: Das Schwein soll an Silvester Glück bringen (© Verena N. / pixelio.de)

6) Kein Geflügel verspeisen:
Während traditionell Fisch als Silvester-Karpfen auf dem Speiseplan steht, so soll auch das Schwein als Glückssymbol Segen für das neue Jahr bedeuten. Geflügel sollte man hingegen von der Einkaufsliste streichen, da mit dem Federvieh auch das zukünftige Glück davonfliege. Die – vor allem zum Jahreswechsel gekauften – Berliner, Krapfen beziehungsweise gefüllten Pfannkuchen hingegen sollen die Geister günstig für das neue Jahr stimmen.

7) Keine Schulden mit ins neue Jahr bringen:
Wer ohne Geldsorgen in die Zukunft starten möchte, der sollte noch im alten Jahr seine Schulden begleichen. Ebenso solle man kein Geld verleihen, da man sonst das ganze Jahr hindurch viel verleihen müsse. Spenden an Bedürftige hingegen versprechen zukünftiges Glück. Wer zudem trotz des Monatsendes noch Geld hat, dem sei das ganze Jahr über finanzieller Wohlstand garantiert.

8) Keine ungebetenen Gäste einladen:
Die erste Person, die an Silvester nach Mitternacht das Haus betritt, gelte als Omen für das anbrechende Jahr: Handelt es sich dabei um eine gewünschte oder geliebte Person, so bringe sie Gutes für das Jahr mit. Das Gegenteil verheißt wiederum ein unerwünschter und lästiger Gast. Wer wiederum Silvester mit seinen Freunden und der Familie feiert, der sei das ganze Jahr hindurch von Liebe umgeben.

9) Nichts verkehrtherum anziehen:
Passiert es einem doch, dass man mit verkehrt herum angezogenem Kleidungsstück in das neue Jahr startet, so soll es das ganze Jahr über bei einem verkehrt zugehen.

10) Keine unvorsichtigen oder leichtsinnigen Schritte tätigen:
Auch wenn durch den feucht-fröhlichen Start ins neue Jahr das Silvesterfest beschwipst und angeheitert zugehen mag, so sollte man buchstäblich keine ungeschickten Schritte unternehmen. Kommt es nämlich dazu, dass man sich am Neujahrstag den Kopf anschlägt und eine Beule erhält, so bedeutet das Unglück für das ganze Jahr.

Vorschau: Nächste Woche geht es 2016 im dritten Teil weiter mit dem Thema Zeitmanagement.

Frohes Neues mal anders – Silvestertraditionen verschiedener Länder

„Andere Länder, andere Sitten“: Dieses Sprichwort gilt auch für den Jahreswechsel. Während wir in Deutschland das neue Jahr meist mit Raketen, dem Sketch-Klassiker „Dinner for One“ und Fondue oder Raclette begrüßen, haben andere Länder ganz eigene Rituale entwickelt. Ein paar davon wollen wir euch heute vorstellen:

Italien

Die Farbe Rot spielt zu Silvester eine große Rolle im Land von Pizza, Pasta und Amore. Denn Rot soll Glück bringen. Deswegen ist es in Italien Brauch, zum Jahreswechsel rote Unterwäsche zu tragen, um das Glück für das neue Jahr sozusagen gleich auf der Haut zu haben. Geschäfte preisen in der Woche vor Silvester allerhand rote Dessous an: Von Spitzen-Bustiers bis Boxershorts – alles in rot. Gegessen wird üblicherweise Schweinshaxe mit roten Linsen. Dieses deftige Essen soll Glück und Geldsegen im neuen Jahr bringen.

Spanien

In Spanien gehören Weintrauben zum Neujahresfest dazu. Laut altem Brauch essen die Spanier um Punkt Mitternacht zu jedem Glockenschlag eine Weintraube. Wer sich verzählt oder verschluckt, dem droht im neuen Jahr Unglück. Supermärkte und Straßenhändler verkaufen sogar rund um den Silvestertag Päckchen mit exakt 12 Weintrauben.

Griechenland

Der Jahreswechsel ist in Griechenland traditionell die Zockernacht. Die Casinos sind brechend voll und die Griechen spielen um die Wette. Wer gewinnt, kann auf ein finanziell erfolgreiches neues Jahr hoffen. Und wer verliert, hofft auf das Glück in der Liebe.

Bulgarien

Mit Schlägen beginnt hier das neue Jahr. Aus Ästen fertigen Kinder Ruten, mit denen sie ihren Verwandten und Nachbarn auf den Rücken schlagen. Das soll Gesundheit und Reichtum bringen.

Die Tipps&Tricks Redaktion wünscht auch euch ein frohes, neues Jahr. Wir hoffen, ihr habt ganz viel Spaß beim Hereinfeiern und euren ganz eigenen Traditionen.

Vorschau: Nächste Woche zeigen wir euch 10 Dinge, die man zu Silvester nicht machen sollte

Sitzen, rösten, warten… und? Genießen! – Kaffeetradition aus Eritrea

(K)einen Kaffee zum Mitnehmen, bitte! In der Mittagspause schnell zu Starbucks einen Energieschub holen – den bekommt man meist in einem Pappbecher. Das schwarze Gold wird zwischen Tür und Angel getrunken, damit man im Schul-, Uni- oder Arbeitsalltag wach bleibt. Der Genuss bleibt da auf der Strecke. Die aus Eritrea stammende Altenpflegerin Tsega Bahta Baryagaber (48) zeigt uns, wie Kaffee in ihrer Heimat getrunken – ja, zelebriert wird.

Vor der Röstung: rohe Kaffeebohnen (Foto: Bierbrauer)

Vor der Röstung: rohe Kaffeebohnen (Foto: Bierbrauer)

Im mannheimerischen Wohnzimmer baut sie ihren „Kaffeestand“ auf. Der besteht hauptsächlich aus einem Gaskocher, einem Höckerchen und einem Schränkchen mit allerlei Zubehör: rohe Kaffeebohnen, Weihrauch und traditionelles Kaffeegeschirr. Apropos traditionell: Für uns schmeißt sich die 48-Jährige in Schale und präsentiert uns stolz ihre weiß-grüne Tracht aus Eritrea.

Das Feuer wird geschürt, die rohen, noch grünen Kaffeebohnen müssen dran glauben: Tsega gibt sie in eine kleine Pfanne und hält diese über das Feuer. Kaffeeduft steigt auf, die Bohnen knacken und dampfen um die Wette. Der Weihrauch darf bei der Zeremonie nicht fehlen: „Er hat eine reinigende Wirkung und trägt zur Entspannung bei, zudem riecht er sehr angenehm“, lässt uns die Altenpflegerin wissen. Spätestens jetzt wissen auch die Nachbarn: Tsega macht Kaffee!

Ganz in ihrem Element: Tsega beim Kaffeerösten (Foto: Bierbrauer)

Ganz in ihrem Element: Tsega beim Kaffeerösten (Foto: Bierbrauer)

Während sie den Kaffee röstet, erzählt sie uns Geschichten aus ihrer Kindheit: „Früher hat man sich sonntags zum Kaffeetrinken getroffen. Für uns Kinder war die Zeremonie immer eine Sensation.“ Und was bedeutet Kaffee generell in Eritrea, fragen wir uns. „Genießen und erzählen – zu allen Anlässen“, teilt uns die gebürtige Eritrearin mit.

Die Bohnen sind fertig geröstet, Tsega erhebt sich von ihrem kleinen Hocker. Und das aus einem bestimmten Grund: „Damit zeige ich Respekt gegenüber den Besuchern“, sagt die leidenschaftliche Kaffeetrinkerin. Danach werden die Kaffeebohnen in der eigenen kleinen Kaffeemühle gemahlen. Wer sich jetzt übrigens fragt, wo der Kuchen abgeblieben ist: „Bevor der Kaffee nicht fertig ist, gibt’s nichts zu essen“, erzählt uns die traditionsbewusste Afrikanerin schmunzelnd. Anstelle von Kuchen wird in Eritrea salzig-knuspriges Popcorn aufgetischt, aber eben erst, wenn der Kaffee fertig ist – so will es die Tradition.

Kaffeebohnen: frisch geröstet (Foto: Bierbrauer)

Kaffeebohnen: frisch geröstet (Foto: Bierbrauer)

Nun ist es endlich soweit: Der gemahlene Kaffee wird mit heißem Wasser vermengt und in eine Keramikkanne gegeben. Auf der Kanne steht „Keren“. Was das wohl bedeutet? „Das ist der Ort, an dem ich geboren wurde“, berichtet uns Tsega. Sie schüttet den Kaffee immer wieder von der Kanne in ein anderes Gefäß und wieder zurück in die Kanne: „Der Kaffee wird dadurch richtig vermischt“, weiß Tsega und lehrt uns, den Kaffee zu genießen.

In Erzähllaune: Tsega beim Sonntagskaffee (Foto: Bierbrauer)

In Erzähllaune: Tsega beim Sonntagskaffee (Foto: Bierbrauer)

Heißer Kaffeedampf steigt auf, auf einem silbernen Tablett serviert sie uns die kleinen Tassen ohne Henkel. Traditionell gibt es drei Runden – für jeden drei Tassen. Wer will, mit Zucker – ähnlich wie Espresso. Sehr aromatisch! Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt. Sicher ist es schwierig, in der alltäglichen Mittagspause so viel Zeit für eine – oder besser gesagt – drei Tassen Kaffee aufzubringen. Aber für alle, die sonntags mal den Kaffee afrikanisch genießen möchten: Der Campingkocher des letzten Festivals ist sicher nicht nur für Dosenravioli geeignet…

Entspannung pur? Schluss mit den Yoga-Klischees

Wer hat eigentlich das lächerliche Gerücht in die Welt hinausposaunt, Yoga sei entspannend? Es hält sich nämlich hartnäckig. Erst kürzlich kam mir so ein Kommentar wieder zu Ohren. Ich war gerade vom Yoga nach Hause gekommen, hatte mich frisch geduscht und wollte meine Freundin in Empfang nehmen. Eher beiläufig erwähnte ich, dass ich ziemlich erschöpft sei. Was mir mit meinen roten Bäckchen durchaus abzukaufen war! Sie blickte mich darauf ungläubig an. „Vom Yoga etwa?“ „Das ist doch entspannend, oder?“ Da wunderte ich mich, nicht zum ersten Mal darüber, wieviel Unwissen und Skepsis über die Yoga-Praxis herrscht. Ich muss allerdings gleich zu Beginn anmerken – eigentlich habe ich mit Yoga erst vor wenigen Monaten begonnen. Ich bin also alles andere als eine Yoga-Expertin. Ich habe allerdings genügend Einblicke erhalten, es quasi am eigenen Körper erfahren, um klarstellen zu können – Yoga ist alles andere als Entspannung pur! Aber beginnen wir von Anfang an:

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt.(©Paulwip  / pixelio.de)

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt! (©Paulwip / pixelio.de)

Das Yoga eine uralte philosophische Lehre ist, die aus Indien stammt, ist den Meisten wohl bekannt. Yoga beruht auf sehr alten Schriften – die älteste geht dabei auf das zweite Jahrhundert nach Christus zurück. Diese heiligen Schriften von verschiedenen Gelehrten, bilden heute das Grundgerüst einiger Yoga-Arten. Die Körperübungen, sogenannte Asanas, gesellten sich erst sehr viel später dazu, machen heute aber einen bedeutenden Teil des Yogas, wie er zumindest in westlichen Ländern gelehrt wird, aus. Gegenwärtig existiert eine breite Fülle an Yoga-Ausrichtungen, welche sich in den Übungen und in der Intensität in der Asanas ausgeführt werden, wesentlich unterscheiden. Das Tolle daran ist – für jeden Geschmack ist etwas dabei! Für diejenigen, die Spaß an körperlichen Herausforderungen haben, aber auch für jene, die es lieber ruhiger angehen lassen. Noch toller: Yoga lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Matte ausgerollt und los geht‘s! (zugegeben eine gehörige Portion Motivation gepaart mit Disziplin ist unabdingbar!)

Ganzheitliche Beansprunchung: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe  / pixelio.de)

Ganzheitliche Beanspruchung des Körpers: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe / pixelio.de)

Ich übe mich im Hatha-Yoga, einer sehr körperbetonten, klassischen Yoga-Form, in der die Übungen langsam und bewusst im Wechsel mit Entspannungsphasen ausgeführt werden. Dieses Yoga eignet sich besonders für Anfänger, da Fehlhaltungen von den „Yogis“ (so nennen sich die, die Yoga praktizieren, sich allerdings schon auf einem fortgeschrittenen Level befinden) schnell erkannt werden. Wer ordentlich schwitzen will, sollte sich im Ashtanga-Yoga probieren, welches viel Kondition erfordert und in dem die Übungen in einer flotten Tempoabfolge durchgeführt werden. Schwitzen ist also Programm! Und wer Schwitzen im wortwörtlichen Sinne versteht, sollte mal eine Runde Bikram-Yoga in Erwägung ziehen – In einem auf 40 Grad Celsius aufgeheizten Raum, werden 26 Asanas in einer genauen Abfolge ohne Pause vollführt. Klingt nach purer Entspannung, oder? Wer aber wirklich die Absicht hat, im Yoga zur Ruhe zu kommen, dem sei Kundalini-Yoga ans Herz gelegt. Hier wird der spirituellen Seite des Yogas viel Raum gegeben und die Meditation steht im Vordergrund. Wer gerne dem Beispiel von Prominenten wie etwa Madonna folgt, der könnte Freude am dynamischen Jivamukti-Yoga haben. Hier werden kraftbetonte Übungen in einem fließenden Ablauf praktiziert und mit der Lehre von heiligen Schriften und Mediation vereint. Jivamukti setzt sich aus Jiva (Seele) und mukti (Befreiung) zusammen und bedeutet so viel wie „Befreiung der Seele“. Klingt doch vielversprechend, oder?

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert  / pixelio.de)

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist – Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert / pixelio.de)

Yoga bedeutet weitaus mehr als ausschließlich verrenkende, fast akrobatisch anmutende Körperübungen zu vollführen. Vielmehr ist es die philosophische Lehre auf der alles begründet. Gerade in heutigen Zeiten, wo ein häufiges Volksleiden Stress ist und nie dagewesene Krankheitsbilder wie Burn-Out auftauchen, wo Menschen gehäuft an körperlichen Beschwerden leiden, scheinen die Yoga-Studios Hochkonjunktur zu verzeichnen. Nicht umsonst ist mittlerweile bei vielen Krankenkassen Yoga als Präventionsmaßnahme anerkannt.

Wer seine Vorurteile einmal von Bord wirft und sich auf Yoga einlässt wird bemerken, dass Yoga neben schweißtreibenden Übungen, auch ein völlig neues Lebensgefühl verleiht. Yoga lehrt den Mensch, auf sich Acht zu geben, seine Gedanken zu fokussieren, zugleich aber auch die eigenen Grenzen und Ängste zu überwinden und sich so vom „inneren Leiden“ zu heilen. Und deshalb ein kleiner Wink an denjenigen, der dieses unsinnige Gerücht, von wegen Yoga sei entspannend, in die Welt setzte: Yoga wirkt sogar entspannend UND anstrengend zugschleich! Schreib dir das gefälligst hinter die Ohren. Namaste!

Vorschau: Eva setzt sich nächste Woche mit einem hochaktuellen Thema auseinander: 70 Jahre nach Ausschwitz gibt es AfD und Pegida.

 

Do-It-Yourself-Projekt: Zuckerstangen

Ob nun Lebkuchen, Spekulatius oder selbstgebackene Plätzchen: Es gibt Süßigkeiten, die bei keinem Weihnachtsfest fehlen dürfen. Dies gilt auch für die farbenfrohen Zuckerstangen namens „Polkagrisar“ (Anm. d. Red.: Der schwedische Begriff bedeutet übersetzt „Polkaschweinchen“), die bereits seit 1859 hergestellt werden. Im anglo-amerikanischen Raum gehören die gebogenen Stangen längst zur Weihnachtstradition. Doch auch in heimischen Gefilden bringen sie – ob nun als Nascherei oder Christbaumschmuck – Augen zum Strahlen. Mit etwas Kraft und Geschwindigkeit lässt sich die festliche Spezialität aus Schweden auch in der eigenen Küche herzaubern.

Zuckersüß: Traditionelle Zuckerstangen aus Schweden (© Jörg Brinckheger / pixelio.de)

Zuckersüß: Traditionelle Zuckerstangen aus Schweden (© Jörg Brinckheger / pixelio.de)

Zutaten und Materialien:

  • 250g Zucker
  • 100g Glukosesirup
  • 100ml Wasser
  • ½ TL Backpulver
  • etwas Puderzucker
  • etwas Milch
  • nach Belieben Lebensmittelfarbe und Aroma
  • ein mit Backpapier ausgelegtes Blech, ein Topf, Löffel und Messer

Zubereitung:

  1. Zunächst wird das mit Backpapier ausgelegte Bleck mit einer Schicht Puderzucker bestreut und der Ofen auf 180 Grad Celsius vorgewärmt.
  2. In einem Topf werden Wasser, Zucker und Sirup miteinander vermengt und auf mittlerer Hitze gegart. Anschließend das Gemisch auf höchster Stufe zum Kochen bringen und dabei ständig rühren.
  3. Die Hälfte der Zuckermasse wird auf dem Backblech zu gleichgroßen Streifen gegossen. Den vorgewärmten Ofen nun ausschalten und das Blech hineingeben. Schließlich soll die Hitze den Zucker lediglich formbar halten.
  4. Nun die übrige Masse je nach Bedarf mit Lebensmittelfarbe und Aroma mischen und abkühlen lassen. Wenn sie so abgekühlt ist, dass man sie gerade noch berühren kann – jedoch keinesfalls kälter! – muss sie wie ein Seil gezogen werden.
  5. Hierfür die bunte Hälfte an beiden Enden festhalten und in die Länge ziehen. Diese erneut zusammenfalten, drehen und wieder zu einer Schnur ziehen. Dies sollte so lange wiederholt werden, bis der Zucker undurchsichtig wird. Anschließend die Schnur zu einer Rolle formen und in den warmen Ofen geben, damit sie nicht aushärtet.
  6. Währenddessen kann die weiße Hälfte weiterverarbeitet werden. Auch mit dieser wird so verfahren wie bei Schritt 5.
  7. Jetzt werden beide Farben miteinander verbunden: Hierfür die Rollen aus dem Ofen nehmen, aufeinander legen und mit einem Messer in gleichgroße Stücke schneiden. Diese wiederum an den Enden zusammenziehen und ineinander drehen. Dadurch entstehen die typischen Streifen der Zuckerstangen. Die bunten Rollen nun erneut in Stangen-große Stücke zerschneiden und jeweils einen Haken einbiegen. Anschließend brauchen die kleinen Zuckerportionen lediglich bei Zimmertemperatur auszukühlen.

Tipps:

  • Sollte der Zucker zu fest werden, kann er jederzeit erneut in den Ofen gestellt werden, um wieder elastisch zu werden.
  • Klebt die Masse an den Händen, hilft es, sie mit Pflanzenöl einzureiben. Auch Handschuhe sind zu empfehlen, um sich beim klebrigen, heißen Zucker nicht zu verbrennen.
  • Wer keinen Glukosesirup hat, kann diesen ebenfalls selbst herstellen, indem er in einem Topf – unter ständigem Rühren – 125g Zucker mit 75ml Wasser und etwas Zitronensäure zum Kochen bringt und ¼ Teelöffel Natron hinzugibt.

Vorschau: Passend zum ersten Advent verraten wir euch nächste Woche, wie ihr einen eigenen Adventskalender herstellen könnt.

Schon wieder Wiesn

Eindeutig: Bayern ist bekannt für seine auffälligen Traditionssymbole

Eindeutig: Bayern ist bekannt für seine auffälligen Traditionssymbole. (©Rainer Sturm/Pixelio.de)

Die Uhr tickt mal wieder. In nur wenigen Tagen fängt es an, das größte Volksfest der Welt, das Münchner Oktoberfest, in Bayern kurz die Wiesn. Alle sind schon ganz gespannt: Mit wie vielen Schlägen wird Dieter Reiter, der neue Oberbürgermeister Münchens, das erste Fass Bier anzapfen? Gibt es einen neuen Besucherrekord? Wird das Wetter gnädig sein?

Es ist wie vor Weihnachten, alles ist ganz aus dem Häuschen. Nur ich gehöre zu der seltenen Speziesderer, die sich nicht vom Volksfest-Fieber anstecken lassen. Ich gehe an der Wiesn vorbei, wie ein echter Münchner das Glockenspiel am Marienplatz nur beiläufig im Blickwinkel registriert – ist ja nichts Besonderes.

Die Wiesn, das heißt heutzutage vor allem ungeheure Menschenmassen. Selbst einem Menschenfreund wird der Trubel und das Gedränge auf der Theresienwiese einfach zu bunt. Um fünf Uhr vor dem Zelt Schlange stehen, nur damit ich um zehn Uhr noch einen Platz im Zelt bekomme? Oder gar ein Jahr im Voraus einen Platz reservieren? Nein danke, da verzichte ich lieber.

Sollte ich es tatsächlich schaffen, einen Platz im Zelt oder Biergarten zu erkämpfen, dann geht es ja erst richtig los. Eine Maß Bier kostet 2014 zum ersten Mal über zehn Euro. Wer meint, ein Wasser oder eine Cola seien billiger, weit gefehlt. Die ein, zwei Euro weniger, sind die mitleidigen Blicke auch nicht wert: „Das ist also der arme Chauffeur.“ Selbst das Essen ist maßlos überteuert. Ein halbes, ja ein halbes Hendl, das heißt halbe Brust, nur ein Flügel, ein Schenkel, kostet auch schon rund zehn Euro. Da bleibt einem die Hähnchenbrust im Halse stecken, egal wie saftig sie auch sein mag.

Überhaupt bedeutet das Oktoberfest heute nur noch, möglichst viele Besucher möglichst schrill und bunt zu bespaßen. Das, was der Wiesn-Gänger zu sehen bekommt, hat mit echter bayerischer Natur nicht mehr viel gemeinsam. Übergroße Hüte in Form von Bierkrügen, neueste Designer-Dirndl in quietschbunten Leucht-Farben oder wankende Bierleichen, die lallend „Viva Bavaria“ gröhlen. Leider ist das alles nur noch eine Karikatur der bayerischen Tradition. Echtes „Mia san mia“ und urig-kerniges Volkstum suchen wir auf der Wiesn vergebens.

Doch auch wenn ich die Theresienwiese fern meide, komme ich dem Trubel nicht aus. Wer schon einmal versucht hat, während der Wiesn in München mit den Öffentlichen zu fahren, weiß, wovon ich spreche. Wenn es durch die Innenstadt gehen soll, wird die sonst entspannte Fahrt zur reinsten Nervenprobe. Da hilft es auch nur wenig, dass die gesamte Belegschaft der Münchner Verkehrsbetriebe Urlaubssperre hat und Überstunden schiebt. Bus und Bahn sind überfüllt, überall Verspätungen, den Fahrplan kann der Pendler vergessen.

Gemütlich: Im Biergarten ist die Atmosphäre noch nartürlich gesellig

Gemütlich: Im Biergarten ist die Atmosphäre noch nartürlich gesellig. (©Olga Meier-Sander/Pixelio.de)

Klar ist es schön, dass so viele Menschen nach München kommen. Doch häufig ist der Grund nur noch einer: Möglichst viel Alkohol und möglichst wilde Party. Leider kommt es mir so vor, als ob die Theresienwiese immer mehr zum Ballermann verkommt. Daran ändert auch die „Oide Wiesn“ nichts, wo das Oktoberfest so nachgestellt wird, die es früher einmal war. Allein der Fakt, dass wir die Tradition spielen müssen, ist für mich traurig genug.

Ich bleibe der Münchner Wiesn lieber fern. Ja, ich bin ein Münchner, durch und durch. Doch das halte ich einfach nicht aus. Da lobe ich mir kleinere Feste wie das Dachauer Volksfest. Dort finde ich noch traditionelle Stimmung und das Bier kostet in etwa die Hälfte im Vergleich zur Wiesn-Maß. Dann schmeckt die Halbe gleich doppelt so gut.

Vorschau: Nächste Woche sind die Sommerferien wieder überall in Deutschland vorbei. Passend dazu wird Eva ihre Erfahrungen über Schulkinder und Lehrergatten mit uns teilen.

Tee, Trend und Tradition: Wiener Kaffeehäuser

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto:Dreer)

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto: Dreer)

Tradition, Kaffee, Gemütlichkeit: Das sind nur einige der Begriffe, die einem durch den Kopf schießen, wenn man an die Wiener Kaffeehäuser denkt. Der Ursprung der berühmten Kaffehäuser liegt in einer Legende: Nach der Türkenbelagerung 1683 überließen die Türken dem polnischen Geschäftsmann und Dolmetscher Franz Georg Kolschitzky 300 Säcke mit Kaffeebohnen, bevor sie fluchtartig die Stadt verließen. Dieser sei es auch gewesen, der noch im selben Jahr das erste Kaffeehaus der Stadt eröffnete, welches er „Zur blauen Flasche“ taufte. Andere Quellen jedoch behaupten der Armenier Johannes Diodato habe 1685 den ersten Kaffeeausschank in Wien betrieben.

Doch was ist das Besondere an der Wiener Kaffeehauskultur, die sogar seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört? „Ins Kaffeehaus gehen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“, sagte einst Schriftsteller und Feuilletonist Alfred Polgar. Vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert waren die urigen Kaffeehäuser bei Künstlern, Literaten und anderen Intelektuellen beliebt. Das gemütliche Ambiente diente als Ort des Gedankenaustauschs und Schreibens, zudem hat man bis heute die Möglichkeit aus einem Angebot von dutzenden verschiedenen Zeitschriften und Tageszeitungen zu wählen. Zunehmendes Interesse an der Kaffeehaus-Tradition kann man seit den 1990er Jahren erkennen, sodass die Wiener Kaffeehäuser keinesfalls als unmodern oder überholt bezeichnet werden können.

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei "Demel" (Foto:Hohmann)

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei „Demel“ (Foto: Hohmann)

Das kulinarische Angebot reicht von Kuchen und Torten bis hin zu kleinen Speisen wie Würstel oder auch verschiedene Mehlspeisen. Das Besondere im Vergleich zu anderen Cafés ist, dass man ungestört Stunden dort verweilen kann, ohne dass die Kellner in immer kürzeren Abständen eine neue Bestellung aufnehmen möchten. Im Gegenteil: Die Kellner servieren traditionell auf einem Silbertablett zu jeder Tasse Kaffee oder Tee ein Glas Wasser, was in den Wiener Kaffeehäusern als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Beim Verzehr der Getränke und Speisen hat man die Gelegenheit, es sich in den „Schanigarten“, also im Sitzbereich vor dem Café, gemütlich zu machen.

Rund 500 Kaffeehäuser verteilen sich quer durch Österreichs Hauptstadt. Die drei Bekanntesten möchten wir euch vorstellen.

Das Café Hawelka ist wohl das traditionsreichste Kaffeehaus im Stadtbezirk. Im Jahre 1939 eröffnet das frisch vermählte Ehepaar Leopold und Josefine Hawelka das Kaffeehaus. Die Einrichtung hat sich seitdem kaum verändert, wodurch man sich beim Eintreten in das Lokal in eine andere Zeit versetzt fühlt. Empfehlenswert sind die hausgemachten Buchteln (Hefegebäck) mit Vanillesoße. Ein Besuch lohnt sich also!

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Ein weiteres bekanntes Kaffeehaus ist das Café Sacher, wo man selbstverständlich ein originales Stück Sacher-Torte kosten muss. Das Café ist an das Hotel Sacher gekoppelt und befindet sich gegenüber der neuen Oper. Dementsprechend ist es sehr zentral gelegen. Durch den vorhandenen Wintergarten kann man das turbulente Treiben außerhalb beobachten und sich trotzdem einen Moment Ruhe gönnen.

Das Café Sperl ist eines der ältesten Kaffeehäuser in Wien und gleichzeitig denkmalgeschützt. Seit der Eröffnung 1880 wird dort die Sperl Torte angeboten, die wegen der Mischung aus Vanille, Zimt, Milchschokolade und Mandelmasse eine wahrhaftige Leckerei ist.

Und, läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? Dann schaut doch bei eurem nächsten Städtetrip in Wien mal in einem der zeitlosen Kaffeehäuser vorbei und genießt einen Schluck Wiener Melange, die österreichische Kaffeespezialität, oder ein Stück der originalen Sacher-Torte.

Wer sich für traditionelle Cafés aus der Region interessiert, sollte sich unsere Serie hierzu nicht entgehen lassen. Zu Teil 1 geht’s HIER.

 Vorschau: Nächste Woche starten wir mit unserer kulinarischen Reihe. Den Anfang macht Württemberg!

Der Ginkgo Baum

Unsere Rubrik heißt zwar „Tier&Umwelt“, jedoch sollten die Pflanzen nicht vernachlässigt werden. Die Pflanzenwelt hat ebenso Erstaunliches vorzuweisen wie die Tierwelt und bildet mit der Photosynthese die Grundlage für den Stoffkreislauf und somit für die ganze Welt. Der Ginkgo Baum zum Beispiel gilt als lebendes Fossil und wird in der traditionellen chinesischen Medizin gerne eingesetzt.

Unverwechselbar: Das Blätterwerk des Ginkobaums (Foto: Günter Schüttauf  / pixelio.de)

Unverwechselbar: Das Blätterwerk des Ginkobaums (Foto: Günter Schüttauf / pixelio.de)

Der Ginkgo Baum ist der einzige heute noch lebende Vertreter einer Gruppe von Samenpflanzen, die es schon vor 300 Millionen Jahren gab. Wie seine Verwandten, die es nur noch als Fossilien gibt, zeichnet sich der Ginkgo durch gabelig verzweigte Blattadern und fächerförmige Blätter aus. Ein Individuum kann bis zu 40 Meter hoch wachsen und majestätische 1000 Jahre alt oder sogar älter werden.

Der in China heimische Baum fand anfangs als Tempelbaum Verwendung. Ab dem 18. Jahrhundert wurde er als Zierbaum genutzt und weltweit angebaut. Seine gerösteten Samen werden im östlichen Raum noch heute gerne verzehrt.

Sein hohes Alter und seine Resistenz gegenüber Krankheiten, durch Bakterien oder Viren, aber auch Pilzbefall, oder gegenüber Pflanzenfressern, haben zur Mystik beigetragen, die über dem Baum liegt. Die Japaner und Chinesen verehren ihn als lebensverlängernd und kraftspendend und das Erfüllen von Wundern wird ihm nachgesagt. Der gongsun shu, wie der unter Naturschutz stehende Baum noch genannt wird, war Teil vieler daoistisch schamanischer Rituale. Nur Ginkgos und Kakerlaken sollen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki überlebt haben.

Auch in der westlichen Medizin werden die Inhaltsstoffe der Blätter, wie zum Beispiel die ätherischen Öle, zur Durchblutungsförderung und zur Verbesserung des Gedächtnisses eingesetzt. Die Forschung beschäftigt sich oft mit Extrakten mit den Namen EGb 761 und LI 1370. Viele klinische Studien belegen, dass die Flavonoide und Terpenoide aus dem Ginkoblattextrakt bei der Behandlung von Gefäßstörungen, Demenz, Alzheimer und ADHS helfen.

Der Effekt, den der Baum auf die Welt hatte und noch heute hat, ist enorm. Die Form des Blattes veranlasste sogar Johann Wolfgang von Goethe ein Gedicht zu schreiben, welches seiner Liebe gewidmet war:

„Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?“