Die Niederlande – Fahrradland Nummer eins?

Fahrradfahren ist für viele ein Hobby oder eine günstige, gesunde und umweltfreundliche Methode, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Auch im Urlaub nutzen immer mehr dieses Fortbewegungsmittel, um möglichst viel von der Landschaft oder der entsprechenden Stadt zu sehen. Doch lässt sich eigentlich herausfinden, welches Land sich am besten für einen Urlaub mit Rad eignet oder Fahrradfahrern im Allgemeinen das Leben erleichtert?

Fahrradfreundliche Urlaubsländer

Der 1983 gegründete Europäische Radfahrer-Verband, kurz ECF, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Radfahren in Europa zu fördern. Dieser hat insgesamt fünf Kriterien aufgestellt, die ein Land als besonders fahrradfreundlich kennzeichnen: Fahrradnutzung (täglicher Gebrauch des Rads als Transportmittel), Sicherheit, Fahrradtourismus (Anzahl der Fahrradtouren im Land durch Touristen), Mitglieder in einem Fahrradverband und Größe des Marktes (verkaufte Fahrräder pro Jahr). Beim „ECF Cycling Barometer“, einer 2015 durchgeführten Untersuchung für EU-Länder, kam heraus, dass Luxemburg und Malta am meisten Sicherheit für Fahrradfahrer bieten. Genutzt wird das Rad hingegen am häufigsten in den Niederlanden. Der Fahrradtourismus ist in Finnland am stärksten, jedoch findet der größte Absatz dieses Fortbewegungsmittels in Slowenien statt. In Dänemark sind allerdings die meisten Menschen Mitglied in einem Fahrradverband. Die Gesamtauswertung hat schließlich ergeben, dass Dänemark, die Niederlande und Schweden die drei fahrradfreundlichsten Länder sind.

Fietsen in den Niederlanden

Es sind trotzdem die Niederlande, die am ehesten mit dem Fahrradfahren (Niederländisch: Fietsen) in Verbindung gebracht werden und sich sicherlich durch noch mehr als die vom ECF festgelegten Kriterien als Fahrradland auszeichnen. So gibt es zum Beispiel sehr gut ausgebaute Fahrradwege. Radfahrer können die Niederlande auf insgesamt über 30.000 Kilometer langen beschilderten Fahrradrouten erkunden. Hinzu kommt, dass Fahrradfahren in einem flachen Land – wie den Niederlanden – auch ohne große Anstrengung möglich ist. Interessant ist ebenfalls, dass in den Niederlanden etwa 22 Millionen Fahrräder existieren – und das bei nur ca. 17,1 Millionen Einwohnern.

Typisch Niederlande: Fahrräder an jeder Ecke (Foto: S. Holitzner)

Fahrradstadt Amsterdam

Insbesondere Amsterdam ist wohl DIE Fahrradstadt der Niederlande. Allein dort gibt es rund 800.000 Fahrräder. Die Stadt verfügt über 400 Kilometer Fahrradwege. Aufgrund der Bauweise und den vielen engen Straßen und Grachten kommt man in der Innenstadt nur schlecht mit dem Auto voran. Wer nicht mit dem Boot fährt oder zu Fuß geht, nimmt da am besten das Fahrrad. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 40% der gesamten Fortbewegung in dieser Stadt auf dem Rad erfolgt. Fahrräder haben daher in der Stadt so gut wie immer Vorrang, was gerade bei Touristen, die zu Fuß unterwegs sind, immer wieder für Verwirrung sorgt oder sogar zu kleineren Zusammenstößen führt. Seit Juni 2016 hat Amsterdam – als erste Stadt der Welt – sogar einen Fahrradbürgermeister bzw. eine Fahrradbürgermeisterin. Aktuell übt Anna Luten dieses Amt ehrenamtlich aus. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Als „Stimme der Fahrradfahrer im Rathaus“ ist es die Aufgabe der Fahrradbürgermeisterin, sich bei der Gemeinde dafür einzusetzen, das Fahrradfahren in Amsterdam zu verbessern und international dafür zu werben.

Fahrradparkhäuser lösen das Problem

Ungewöhnliches Parkhaus: Die „Fietsflat“ in Amsterdam (Foto: S. Holitzner)

Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, braucht auch einen geeigneten Abstellplatz. Bei der großen Anzahl an Fahrrädern mangelt es aber oft an sicheren Möglichkeiten. Die Niederländer haben dafür die perfekte Lösung gefunden: Fahrradparkhäuser. In Amsterdam gibt es beispielsweise die sogenannte „Fietsflat“ (zu Deutsch: Fahrradwohnung), die 2001 eröffnet wurde. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof der Stadt. Die drei Stockwerke des überirdischen Parkhauses bieten Platz für 2.500 Fahrräder. In der Nähe des Hinterausgangs des Bahnhofes ist der Fahrradparkplatz „Fietspont“ gelegen. Dort können rund 400 Fahrräder auf einem alten Schiff abgestellt werden.

Das größte Fahrradparkhaus der Welt

In Utrecht entsteht derzeit – nach einem Entwurf von Ector Hoogstad Architecten – das größte Fahrradparkhaus der Welt. Bereits im Juli 2014 wurde mit dem Bau begonnen. Am 7. August 2017 wurde ein Teil der neuen, überwachten Fahrradtiefgarage bereits eröffnet. Sie befindet sich an der Jaarbeurskant bei der Centraal Station, dem Hauptbahnhof von Utrecht. Momentan können Pendler und Besucher dort rund 6.000 Fahrräder unterstellen. Bis Ende 2017 sollen dort 7.500 Fahrräder Platz finden. Über eine App und Schilder in der Stadt bekommen Nutzer freie Stellplätze angezeigt. Um zu diesen zu gelangen, ist es sogar erlaubt, in der Tiefgarage Fahrrad zu fahren. Kosten für die Unterstellung fallen erst nach einem Tag an. Die Plätze sind nummeriert und farblich markiert. Pro Platz können zwei Fahrräder abgestellt werden: eins stehend und eins darüber hängend. Ende 2018 – nach Fertigstellung des Bauprojekts – soll das Fahrradparkhaus auf drei Stockwerken Platz für ca. 12.500 „Fietsen“ bieten.

Mit dem Fahrrad zum Hit

Die Liebe zum Fahrradfahren geht in den Niederlanden sogar soweit, dass ganze Lieder diesem Thema gewidmet werden. So handelt zum Beispiel der Song „Bagagedrager“ (zu Deutsch: Gepäckträger) der niederländischen Rapper Gers Pardoel und Sef davon, dass ein männlicher Protagonist gemeinsam mit seiner Traumfrau auf seinem neuen Fahrrad die Gegend erkundet und überlegt, wohin er zusammen mit ihr fahren kann. Dabei wird das Fahrrad als einzig wahres Fortbewegungsmittel, mit dem Frauen beeindruckt werden können, angepriesen. Das Lied wurde 2011 veröffentlicht und entwickelte sich zu einem großen Hit in den Niederlanden und Belgien. So erreichte der Song Platz zwei der niederländischen und Platz drei der belgischen Singlecharts.

Auf den Spuren von Harry Potter Teil 3

Die Reise auf den Spuren von Harry Potter neigt sich nun langsam dem Ende zu. Aber kein Grund zum Trübsal blasen, schließlich gibt es vorher noch viele Abenteuer in  Schottland und Irland zu erleben.

Cliffs of moher

Cliffs of moher, Irland

Angekommen in Schottland, ist Edinburgh ein Muss für jeden Harry Potter-Fan: Hier begann und endete die Geschichte Harry Potters. Im Cafe Spoon schrieb Joanne K. Rowling das erste  Buch, im Balmoral Hotel das letzte. Wer gerade nicht 1.000 Pfund pro Nacht für die „J. K. Rowling Suite“ in dem Hotel übrig hat, um im Raum 652 zu übernachten, in dem Rowling das letzte Harry Potter-Buch geschrieben hat, kann einen Abstecher auf den Friedhof machen. Friedhöfe haben, warum auch immer, oft eine inspirierende Wirkung auf Schriftsteller. So auch Greyfriars Kirkyard. Die Namen der Verstorbenen dienten als Vorlage für manche Charaktere (für die zukünftigen Schriftsteller: Die Schreibweise der Namen sollte immer ein wenig verändert werden, um  Urheberrechts-Klagen zu entgehen). Hier befindet sich also das Grab von Tom Riddell (im Buch Tom Riddle) oder auch William McGonagall (im Buch Minerva McGonagall). Nach einem Ausflug auf den Friedhof, ist das Spoon Cafe genau das richtige, um dort wie einst J.K. Rowling einen Kaffee zu trinken und selbst an einem Besteller zu arbeiten. Bestärkt kann nun am Potter Trail teilgenommen werden, eine kostenlose Tour über 1 ½ Stunden. Wer danach wieder Lust auf einen Tee oder Kaffee hat, kann das Elephant House aufsuchen. Auch dort sind viele Seiten des Potters Universums entstanden. Loch Etive liegt als nächstes auf den Weg. Ein 31,6 km langer Fjord, an dem Harry, Hermine und Ron damals campten. So langsam neigt sich der Trip dem Ende zu. Passend dazu steht als nächstes Glen Coe an, das auch als „Tal der Tränen“ bezeichnet wird. Das Tal wurde als Kulisse sowohl für Hagrids Hütte genutzt, als auch für die Brücke, die zum Eingang von Hogwarts führt. Wer bis jetzt nur mit dem Auto unterwegs war, sollte nun auf den Zug umsteigen, zumindest für die Strecke von Fort William nach Glenfinnan. Der Hogwarts Express ist nämlich der Jacobite Train und das Glenfinnan Viadukt ist die ‚Brücke nach Hogwarts‘, über die eben auch der Hogwarts Express fährt. Wer die Strecke von Fort William nach Glenfinnan fährt, wird also auch über die Brücke fahren, die einst Harry, Hermine und Ron überquerten. Wenn man vorher in den Harry Potter-Studios Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung gekauft hat, scheint Hogwarts nur noch eine Zugstation entfernt zu sein. Der Loch Eilit bringt das Thema Tod noch einmal auf. Nachdem sich in Oxford der real existierende Friedhof angeschaut wurde, diente der See als Aufnahmen für die Insel, auf der das Grab von Dumbledore ist. Zudem wurden dort auch Hogwarts Außenanlagen gedreht. Bevor der Flug nach Irland ansteht, sollte als letzte Aktion das Loch Arkaig geplant werden. Im Vergleich zu „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2“ muss der Flug allerdings mit einem Flugzeug bewältigt werden und nicht mit einem Drachen. Wer aber zumindest gerne sehen möchte, wo die Außenaufnahmen des Drachenflugs gefilmt wurden, ist am Loch Arkaig genau richtig. Zudem soll dort ein Schatz versteckt sein – eine gute Möglichkeit, um die Reisekasse wieder zu füllen.

Irlands Schönheit

Die letzte Station auf der Harry Potter-Reise stellt Irland dar: die Cliffs of Moher. In  Teil 6 zu sehen, als Dumbeldore und Harry sich auf die Spuren von Voldemorts Vergangenheit begeben und so auf die Klippen apparieren. Da Appararieren aber nur mit Lizenz, nach vorher erfolgreichen Apparierprüfung möglich ist, und genau deshalb wohl bei den meisten von uns scheitert, muss sich nun doch wieder per Flugzeug auf den Heimweg nach Deutschland gemacht werden. Für jeden, den jetzt endgültig die Traurigkeit über das Ende der Reise überfällt, sei jedoch an folgendes erinnert:

“Whether you come back by page or by the big screen, Hogwarts will always be there to welcome you home.” J.K. Rowling

Und nicht vergessen: Wer zwischen 1985 und 1998 geboren ist, hat seinen Hogwarts Brief nur nie erhalten, weil Voldemort das Verzeichnis gelöscht hat.

Vorschau: Am Freitag, 15. April wird die Fantasiewelt verlassen und sich wieder der Realität zugewandt.

Auf den Spuren von Harry Potter

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts

„After all this time?“ „Always.“  Wer diese Zeilen sofort erkennt, ist hier genau richtig! Einer von diesen verkannten Muggels, der eigentlich für Größeres bestimmt war. Hogwarts sollte deine Schule sein, doch das Einzige, was an Hogwarts erinnert, ist die Tatsache, dass man in der Uni nun Professor anstatt Lehrer sagt und dass es auch so genug Menschen gibt, die von ihrem Charakter her Todesser ähneln.
Im Juni geht es also weiter: Ein neues Harry Potter Buch. Keine Fortsetzung, sondern ein Theaterscript. Egal – Grund genug, um für eine kurze Zeit der Muggel-Welt zu entfliehen. Juni ist in diesem Fall auch eine gute Zeit für eine UK-Rundreise. Zwar ist in der Hauptsaison alles noch mal teurer als es sowieso schon ist, aber es erhöht zumindest ein wenig die Chance auf das schier unvorstellbare Phänomen von gutem Wetter in UK.

London calling

Ankunft London Heathrow: Leider nicht mit dem Hogwarts Express, sondern mit dem Flugzeug geht es nach Hogwarts oder zumindest erst einmal nach London.

Bahnhof King’s Cross

Eine (für London-Verhältnisse relativ) preiswerte Unterkunft, das Generator, lässt sich vom Flughafen aus mit der Touristen oyster card einfach erreichen (die oyster card sollte am besten über das Internet, drei Wochen vor Abreise bestellt und nach Hause geschickt werden). Von dort aus lässt sich die erste Harry Potter-Station, der Bahnhof King’s Cross, in einem zehnminütigen Fußweg erreichen. Dort steht Gleis 9 3/4 mit Gepäckwagen, der in der Wand verschwindet, für ein Erinnerungsfoto bereit. Jedoch empfiehlt es sich, den Platz abends aufzusuchen. Dann ist zwar keine Eule mehr im Koffer, aber 12 Pfund mehr in der Tasche, da tagsüber nur ein „professionelles Foto“ möglich ist und dieses eben entlohnt werden möchte. Abends jedoch ist das Gleis frei zugänglich, daher kostenlos und ohne Wartezeit. Es fehlt eben nur die Eule und ein Schal.  Wer aber sein Tourigeld bereits am ersten Harry Potter-Anknüpfungspunkt ausgeben möchte, kann natürlich auch in den daneben gelegenen Touri-Shop verschwinden. Eulen, Zauberstäbe, Schuluniformen – dort gibt es alles für einen authentischen Harry Potter-Auftritt.

 

Auf dem Weg zum Hogwarts Express

Da es trotzt großer Anspannung nicht geklappt hat, mit dem Wagen die Wand zu durchqueren, muss sich der Harry Potter-Fan nun auf anderen Wegen dem Hogwarts Express nähern. Das geht am besten mit einem Ausflug zu der Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London.

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts Exxpress

30 Minuten von London entfernt, spart man sich viel Geld, wenn man erneut seine oyster Karte benutzt und selbstständig zum Bahnhof Watford Junction fährt und nicht das all inclusive Paket mit Abholung in London bucht. Vom Bahnhof fährt alle 30 Minuten ein Bus von den Studios zum Bahnhof und wieder zurück – kostet zwei Pfund und man wird schon auf der Hinfahrt mit einem Video auf die bevorstehende Zauberwelt eingestimmt. Dort angekommen erwartet einen die Original-Halle Hogwarts, der Hogwarts Express, das Gryffindor-Wohnzimmer und vieles mehr. Die Tickets sind natürlich teuer (40 Pfund), trotzdem begehrt, weshalb es sich empfiehlt, vor Anreise die Tickets übers Internet zu bestellen. Zurück in London sollten zwei weitere Tage für die noch ausstehenden Kulissen eingeplant werden: Die Millennium Bridge (zu Beginn des Films „Harry Potter und der Halbblutprinz“ sieht  man deren Einsturz), London City Hall (das Gebäude ist ebenfalls am Anfang von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ von außen zu sehen) Piccadilly Circus („Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1“: Hermine, Ron und Harry fliehen durch London), Leadenhall Market („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Außenaufnahmen der Winkelgasse + Pub zum Tropfenden Kessel), St. Pancras Renaissance Hotel („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Außenaufnahmen des Bahnhofeingangs+Kammer des Schreckens ), Claremont Square („Harry Potter und der Orden des Phönix und „Die Heiligtümer des Todes: Teil 1“: Außenaufnahmen des Grimmauldplatzes), Australia House („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Innenaufnahmen von Gringotts). Alles ist kostenlos zu besichtigen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen.
Um Harry Potter treu zu bleiben, findet auch dieser Text nun sein vorläufiges Ende. Natürlich gibt es aber einen Teil 2 und Teil 3.
Vorschau: Am Freitag, 01. April wird London verlassen und sich auf den Weg nach Schottland begeben.

 

Der große Mentalitätencheck, Teil 6: Ägypten

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuchen und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuellen Mentalitäten vor. Heute: Ägypten.

Mohammed Mursi heißt der neue Mann an Ägyptens Spitze seit der Absetzung Husni Mubaraks im Verlauf des arabischen Frühlings. Unter anderem steht er für ein neues Ägypten, das nach mehr Demokratie strebt.  Was sich in Ägypten seit dem arabischen Frühling verändert und was, im Gegensatz dazu, seinen Ursprung in einer mehr als tausendjährigen Tradition hat, wie zum Beispiel der Umgang mit Touristen, soll dieser Artikel zum Inhalt haben.

Es ist das klassische Bild einer Ägyptenreise: Touristen, weiß oder braun gebräunt, auf einem Kamel vor den Pyramiden von Gizeh begleitet von einem einheimischen Führer. Schon Napoleon genoss dieses   Panorama und auch in der Antike schaffte es dieser Anblick beim vielleicht ersten Reiseautor  der Weltgeschichte Herodot unter die Top sieben.  Damals waren die drei Pyramiden von Gizeh übrigens auch schon tausend Jahre alt

Vielleicht ist diese Tatsache das beste Argument, um zu zeigen, dass die Ägypter das Touristen-erfahrenste Volk der Welt sind – was seine Vor- und Nachteile hat. Ob auf dem Basar, bei antiken Bauten oder auch bei Demonstrationen zur aktuellen politischen Lage, eine einfache Frage „Können Sie mir etwas über … sagen?“, reicht aus, um durch ein ganzes Stadtviertel geführt zu werden.  An jeder Ecke besteht die Möglichkeit auf einen mehr oder weniger kompetenten Guide zu treffen, der einem gegen ein Trinkgeld, das sogenannte Bakschisch, auf Englisch oder sogar auf Deutsch die Gegend zeigt.

Unter dem Smock Kairos: Blick auf die Mohammed-Ali Moschee (Foto: Homolka)

Das Hauptproblem dabei ist, dass Ägyptens Wirtschaft auch zu großen Teilen vom Tourismus abhängig ist. Das heißt, dass Touristen in politisch unruhigen Zeiten, wie zum Beispiel jetzt, für viele Händler, Reiseleiter und Handwerker eine hart zu umwerbende Kundschaft darstellen.  Es gilt also immer zu beachten, dass jeder Blick, den man als Tourist riskiert, sofort als Kaufinteresse gedeutet werden kann und man innerhalb einer Sekunde von einer Schar von Händlern umgeben ist. Ebenso gehört zu einem normalen Souvenireinkauf das Handeln und Feilschen dazu, wobei es für Händler und Käufer auch darum geht die richtige Mischung aus Konversation und Geschäftseifer zu finden. Ägypter sind aber auch ein großzügiges und gastfreundliches Volk und sind im arabischen Raum für ihren Witz und ihre Ironie bekannt.

Die derzeitige Umbruchsituation in der ägyptischen Gesellschaft spiegelt auch wider, dass Ägypten ein sehr junges und dynamisches Land ist. Fast 40% der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. In welche Richtung der ägyptische Staat nach dem arabischen Frühling tendiert, ist selbst für Experten immer noch schwer auszumachen. Sowohl eine Machtübernahme durch das Militär, als auch eine zunehmende Islamisierung könnten neben einer Demokratisierung nach westlichem Vorbild die Folgen des Umbruches sein.
Bei einer Ägyptenreise in diesem oder nächsten Jahr könnte der politische Aspekt, neben dem entspannten Sonnen am roten Meer oder der Besichtigung antiker Stätten ebenfalls ein interessantes Thema sein, worüber einem jeden Ägypter gerne freundlich Auskunft gibt.

Mehr zum Thema Ägypten findet ihr hier.

Vorschau: Am Dienstag,  23. Oktober, berichtet Face2Face aus dem Süden Paris‘.