Max Mutzke – Einblick in sein Leben

Stefan Raab hat schon so einige Talente hervorgebracht. So auch Max Mutzke. Er ist 2004 durch Raabs Castingshow „SSDSGPS“ („Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“) bekannt geworden. Mit seiner Debütsingle „Can´t wait until tonight“ trat Mutzke im selben Jahr beim Eurovision Songcontest für Deutschland an und schaffte es auf den achten Platz. Seitdem sind einige Jahre vergangen und der Sänger hat sich musikalisch enorm weiterentwickelt. Das zeigt sich auch an seinem aktuellen Album „Max“, das man als das persönlichste seiner bisherigen Platten beschreiben kann.

Sympathischer Sänger: Max Mutzke (Foto: S. Holitzner)

Sympathischer Sänger: Max Mutzke (Foto: S. Holitzner)

Vom Jazz wieder zurück zu Pop und Soul

Sein vorheriges Album „Durch Einander“ widmete Mutzke dem Jazz. Auf seiner aktuellen Platte „Max“ hingegen bewegt er sich musikalisch eher im Pop- und Soul-Bereich. Dabei handelt es sich um sein sechstes Studioalbum. Den schlichten Albumtitel hat der 34-Jährige nicht aus Mangel an Einfallsreichtum gewählt, sondern aufgrund der dreizehn autobiografischen Songs, die darauf enthalten sind. Schön ist die sprachliche Abwechslung auf „Max“, denn es sind sowohl deutsche als auch englische Songs dabei.

Überzeugende Songvielfalt

Der Song „Welt hinter Glas“ macht gute Laune und Lust auf Urlaub, denn Mutzke besingt darin nicht nur eine romantische Beziehung, sondern auch den Strand und das Meer. Besonders überzeugend ist auch „Unsere Nacht“. Diesen Track hat Mutzke gemeinsam mit dem Rapper Eko Fresh aufgenommen, der dem Song eine frische musikalische Note verleiht. Darin plädieren die beiden für mehr Toleranz. Bei „You are all around me“ und „Hier bin ich Sohn“ wird Mutzke besonders persönlich. Im ersten dieser Lieder geht es um den Tod seiner Mutter und seine Erinnerungen an sie, im zweiten um ihre Alkoholkrankheit. Beide Songs sind sehr emotional und berührend. Ein absoluter Ohrwurm ist „Magisch“. Darin singt Mutzke über die Einzigartigkeit einer Person.

Max“ gehört in jedes gute Plattenregal

Das sind nur fünf Songs von einem großartigen Album, das jeder, der gute deutsche Musik mag, in seinem Plattenregal stehen haben sollte. „Max“ überzeugt sowohl mit gefühlvollen als auch mit mitreißenden Texten. Kurzum: „Max“ von Max Mutzke ist mehr als hörenswert.

Mehr Infos zu Max Mutzke gibt es unter www.maxmutzke.de oder auf seiner Facebookseite.

Sinti und Roma – Nirgendwo zu Hause

Ewige Nomaden? In solchen Planwagen sollen sich Roma früher fortbewegt haben (Foto: Annamartha  / pixelio.de )

Ewige Nomaden? In solchen Planwagen sollen sich Roma früher fortbewegt haben (Foto: Annamartha / pixelio.de )

„When the road bends you can‘t walk straight“ – so lautet ein Sprichwort der Roma, das wohl kaum treffender ihren traurigen Leidensweg beschreibt. Wie oft mussten Roma andere Wege einschlagen, weil sich nicht erwünscht waren und Erniedrigungen über sich ergehen lassen. Wie tief muss  die anhaltende Ausgrenzung und Demütigung der Roma in ihren Köpfen festsitzen? Wie kamen die Menschen dazu, schon vor Hunderten Jahren Roma zu diskriminieren, zu versklaven und zu verfolgen? Wieso missfiel ihnen gerade die Lebensweise dieses „fahrenden Volkes“? Eine irreführende Bezeichnung, wo viele Roma teilweise schon mehrere Hundert Jahre in Frankreich oder Spanien aber auch in Deutschland leben. Und oftmals weiter zogen, weil sie nicht geduldet wurden. Wieso haben sie bis heute mit so viel Hass und Vorurteilen zu kämpfen?

Stolperstein vor dem Historischen Rathaus Koeln: Das Trauma der Verfolgung und Tötung von Roma und Sinti sitzt tief (Bild: Berthold Bronisz  / pixelio.de)

Stolperstein vor dem Historischen Rathaus Köln: Das Trauma der Verfolgung und Tötung sitzt bei den Sinti und Roma tief (Bild: Berthold Bronisz / pixelio.de)

Roma bestehen aus verschiedenen Gruppen, die ihre Herkunft sowie Sprache verbindet, zu denen auch die Sinti zählen, deren Vorfahren vor etwa 600 Jahren in den deutschsprachigen Raum zogen. Ursprünglich migrierten Roma vor über 1000 Jahren aus Indien nach Europa und lebten über einen längeren Zeitraum hinweg in Persien,  Armenien sowie im Byzanz. Das spiegelt sich in der Sprache Romanes wieder, die unter anderem indische, aber auch persische, armenische sowie griechische Wörter aufweist. Über die Herkunft der abschätzigen Bezeichnung „Zigeuner“ gibt es verschiedene Quellen und Belege. Im Byzantinischen Reich nannte man die Roma „Athingani“ (Unberührbare). Irrtümlicherweise glaubte man bei der Ankunft der ersten Roma in Europa, dass diese aus Ägypten stammten, weshalb man sie als „Giptoi“ (Ägypter) (abgeleitet von dem Ort Gyp(p)e) bezeichnete. Heute weckt die Bezeichnung „Zigeuner“ böse Erinnerungen, ist zudem eine Fremdbezeichnung und wird von den meisten Roma und Sinti abgelehnt, da sie in einem rassistischen Kontext steht. In Europa ließen sie sich in verschiedenen Ländern nieder, wo sie zumeist eine Minderheit darstellten. Je nach Land und Kultur haben die Roma häufig Sprache aber auch Mehrheitsreligon des jeweiligen Landes, in dem sie sich niederließen, angenommen.

Im zweiten Weltkrieg fielen alleine in Deutschland Hunderttausende Roma dem Nazi-Regime zum Opfer. Sie wurden sterilisiert, menschenverachtende Experimente wurden an ihnen durchgeführt und in Konzentrationslagern starben sie einen qualvollen Tod. Die Demütigung der Roma scheint sich über Hunderte von Jahren zu erstrecken. Wirklich willkommen scheinen sie nirgendwo zu sein.

Leben in Baracken: Eine Romasiedlung Belgrad, der Haupstadt Serbiens (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Leben in Baracken: Eine Romasiedlung in Belgrad, der Hauptstadt Serbiens (Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

In Europa leben heute circa 12 Millionen Roma. Sie stellen die größte Minderheit in Europa dar, die jedoch auch mit den größten Vorurteilen konfrontiert ist. Fast unsichtbar leben sie oftmals am Rande von Städten in illegalen Siedlungen und hausen in notdürftigen Baracken. Anderen Bewohnern sind sie ein Dorn im Auge. Nicht selten werden diese Siedlungen auf Geheiß von Regierungen zerstört oder zwangsgeräumt. Wie schlecht steht es um die Roma wirklich, wenn sie an Stadtgrenzen gedrängt werden, kein richtiges Dach über dem Kopf haben, ihre Kinder keine Schulen besuchen? Wählen sie freiwillig den geringsten Weg des Widerstandes, die Isolation, weil sie aus jahrhundertelanger Unterdrückung wissen, dass viele Europäer Vorbehalte gegen sie hegen und sie fast tagtäglich Beschimpfungen wie „dreckige, faule Zigeuner“ über sich ergehen lassen müssen? Weshalb erniedrigen wir seit so vielen Jahren ein Volk, über das wir im Grunde genommen kaum etwas wissen? Über welches kaum Schriftquellen existieren, oder wenn nur solche, die von Nicht-Angehörigen der Sinti und Roma verfasst wurden.

Roma haben maßgeblich den spanischen Flamenco geprägt. Um 1425 kamen sie nach Spanien, wo sie vielen Repressalien ausgesetzt waren. Mit Gesetzen sollten sie zum Sesshaft-Sein gezwungen werden und durften außerdem keine traditionellen Berufe ausüben. Gitanos, wie Roma in Spanien genannt werden, haben in den Flamencoliedern ihr Leid und ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. Diese Musik erlangte schnell große Beliebtheit über die Grenzen Spaniens hinaus. Die Gitanos waren es, die dem Flamenco zu seinem Erfolg verhalfen. Heute scheinen Gitanos in Spanien relativ anerkannt zu sein. Die Mehrzahl lebt in Wohnungen, ihre Kinder gehen zur Schule auch wenn trotz allem nur 1 % von Ihnen an einer Universität studiert.

Romajunge in Sarajevo, Bosnien: Viele Kinder werden zum Betteln auf die Straße geschickt oder verkaufen Schmuck, Taschentücher (Foto: Mätzke-Hodzic)

Roma-Junge in Sarajevo, Bosnien: Viele Kinder werden zum Betteln auf die Straße geschickt oder verkaufen Schmuck, Taschentücher oder anderes um etwas Geld zu verdienen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Romamädchen in Guca, Serbien (Foto: Mätzke-Hodzic)

Roma-Mädchen in Guca, Serbien (Foto: Mätzke-Hodzic)

Viele Vorurteile über Roma halten sich hartnäckig – sie seien Diebe, faul, mysteriöse Wahrsager, ewige Nomaden, exotisch, primitiv. Wenn sie nicht gerade diskriminiert werden, dann wird in den höchsten Tönen von ihrer Musikalität geschwärmt. Ein Extrem scheint das nächste zu jagen, wenn wir von diesem Volk sprechen, das viele Fragen aufwirft und über welches doch so viel Unwissen herrscht. Musik spielt für einige Roma durchaus eine wichtige Rolle. Sie jedoch nur darauf zu stigmatisieren, scheint ihnen nicht gerecht zu werden. Der Filmregisseur Tony Gatlif, in Frankreich wohnhaft und in Algerien geboren, hat algerische sowie Roma-Vorfahren. In seinen Filmen widmet er sich den Lebensumständen der Roma in unterschiedlichen Ländern, in all seinen Facetten, setzt sich mit deren vielfältigen Traditionen, ihrer Geschichte und Herkunft auseinander. Durch seine Filme verdeutlicht er, wie heterogen Roma sind und leben. In einem aktuellen Film von ihm, „Liberte“ (in der englischen Fassung auch – Korkoro – was Frieden in der Romane-Sprache bedeutet), nähert er sich dem grausamen Kapitel des Völkermords an den Roma in Frankreich zur Zeit des 2. Weltkrieges.

Je fremder den Menschen ein Volk ist, umso misstrauischer stehen sie diesem oftmals gegenüber. Es bleibt  zu hoffen, dass die Roma in Zukunft mehr Anerkennung erlangen. Dass wir ihnen endlich den Frieden (zurück)geben, den sie verdienen. Uns von verstaubten Vorurteilen und Stereotypen, die bis in das Mittelalter zurückreichen befreien. Den Roma ihre Würde aber auch eine Stimme geben. Vielleicht wollen sie dann ja bleiben…

Vorschau: Nächste Woche erwatet Euch hier ein neuer Text von Anne!

„Ludwigshafen ist bunt“

In vielen deutschen Großstädten lockt „PEGIDA“, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ die Menschen auf die Straße. Die Unzufriedenen äußern – vor allem auf ihren Montagsdemonstrationen – ihren Unmut über den Einfluss der muslimischen Kultur, über Flüchtlinge, über die deutsche Politik. Doch in der Metropolregion Rhein-Neckar will es der Bewegung nicht gelingen, Fuß zu fassen.

So waren es – nach Veranstalterangaben – 12.000 Demonstranten, die es Samstag, den 17. Februar 2015, auf die Straße trieb. Die Botschaft hieß: „Mannheim sagt ja! Flüchtlinge willkommen – für Vielfalt statt Hass und Angst!“. Die Demonstranten zogen von der Universität Mannheim durch die Innenstadt bis zur Alten Feuerwache, wo die Demonstration in einer Kundgebung enden sollte. Neben Vertretern verschiedener Organisationen sprach auch der Mannheimer Oberbürgermeister vor den Versammelten. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein großes Kulturfest.

Gemeinsam gegen rechts: Geschlossen und mit Bengalos ausgestattet ziehen Anhänger der Antifa über die Rheinbrücke nach Ludwigshafen (Foto: Glaser)

Gemeinsam gegen rechts: Geschlossen und mit Bengalos ausgestattet ziehen Anhänger der Antifa über die Rheinbrücke nach Ludwigshafen (Foto: Glaser)

Damit hatte Mannheim ein klares Zeichen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit gesetzt. Trotz dieser eindeutigen Geste versuchte nun der Verein „Gemeinsam-Stark Deutschland“ am vergangenen Sonntag, den 08. Februar 2015, eine Demonstration für rechtsradikale Hooligans in der Metropolregion zu organisieren. Als Schauplatz wurde Ludwigshafen auserkoren. Die ursprünglich angedachte Demonstration wurde allerdings von der Ludwigshafener Stadtverwaltung aufgrund der Gefährdung öffentlicher Sicherheit auf eine Kundgebung am städtischen Hauptbahnhof reduziert. Dabei wurden bis zu 1.000 Teilnehmer erwartet, die zum Teil schon an den Hooligan-Krawallen in Köln teilgenommen haben sollen.

Ungestört sollte auch die Kundgebung nicht über die Bühne gehen. Das Netzwerk gegen rechte Gewalt gab seine Antwort in Form eines Kulturfestes unter dem Motto „Ludwigshafen bunt statt braun“, auf dem neben verschiedenen Redebeiträgen auch ein multikulturelles Unterhaltungsprogramm geboten wurde. Die Eröffnung der Veranstaltung fand bereits in Mannheim statt, wo sich ein für 10 Uhr anberaumter Demonstrationszug sammelte. Vom Paradeplatz aus marschierte die Menschenmasse am Schloss vorbei, über die Rheinbrücke in die Ludwigshafener Innenstadt bis zum Theaterplatz am Pfalzbau, auf dem das Kulturfest schließlich stattfand. Trotz eisiger Temperaturen und leichtem Schneefall fanden sich hier etwa 2.000 Personen ein, um ein Zeichen gegen die rechtsradikalen Hooligans zu setzen.

Kulturfest: Am 8. Februar nehmen unzählige Demonstranten an den Kundgebungen für Toleranz in Ludwigshafen statt.

Kulturfest: Am 8. Februar nehmen unzählige Demonstranten an den Kundgebungen für Toleranz in Ludwigshafen statt (Foto: Glaser)

Aufgrund der zu erwartenden Konflikte waren unzählige Polizeikräfte im Einsatz. Trotzdem kam es zu Ausschreitungen in der Ludwigshafener Innenstadt: Festgenommen wurden dabei vor allem dem linken Spektrum zugehörige Gegendemonstranten, die versuchten, durch die Polizeiabsperrungen zu brechen und die sich sammelnden Hooligans am Hauptbahnhof zu erreichen. Insgesamt soll es zu 131 Festnahmen gekommen sein. Trotz dieser Ausschreitungen scheint es gelungen zu sein, erneut Position gegen Fremdenhass zu beziehen. Dafür sorgten auch die prominenten Teilnehmer des Kulturfestes: Neben der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin fanden sich etwa die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und deren Stellvertreterin Eveline Lemke am Theaterplatz ein.

Das Ende der Toleranz

Kommentar: Obwohl Deutschland verfassungsrechtlich gesehen an keine Staatskirche gebunden ist, ist der Einfluss der christlichen Glaubenslehre auf die deutsche Lebenswelt – auch im 21. Jahrhundert – nicht zu übersehen: christlicher Religionsunterricht wird an staatlichen Schulen in den meisten Bundesländern unterrichtet, der Jahresablauf ist durchzogen von allerlei christlichen Feiertagen und die traditionell stärkste politische Kraft in Deutschland weist sich gar namentlich als „christlich“ aus. Man mag den Eindruck gewinnen, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer weniger Menschen mit der christlichen Glaubensgemeinschaft identifiziert haben, und doch lässt sich ein Einfluss christlicher Wertvorstellungen auf Alltag und Gesellschaft kaum verleugnen.

Dass aber die Lebensgestaltung vieler Gläubige gerade mit katholischen Glaubens-inhalten inzwischen nicht mehr allzu viel gemein hat, das hat nun auch der Vatikan anerkannt. Um dem Modernisierungsdruck zu begegnen, hatte Papst Franziskus eine Synode im Vatikan einberufen, an der in den vergangenen zwei Wochen rund 180 Kardinäle und Bischöfe teilnahmen. Synoden dienen eigentlich der Beratung des Papstes durch Bischöfe. Doch bei dieser Familiensynode standen Debatten um den Umgang mit Homosexuellen und Geschiedenen auf dem Programm. Themen also, denen sich die katholische Kirche dringend zu stellen hat.

Nun treffen in der katholischen Kirche bei Grundsatzfragen immer wieder zwei Lager aufeinander: Konservative Hardliner wollen die Religionsausübung streng nach biblischer Lehre ausrichten, während für progressivere Kreise eine Orientierung an den Bedürfnissen der Gläubigen vorgenommen wird. Ein Zwischenbericht, der auf Kardinal Péter Erdő zurückging, machte neugierig: Erdő hatte etwa mögliche Änderungen zur Wiederheirat Geschiedener und mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen angedeutet. Das stieß allerdings prompt auf heftige Widerworte, etwa durch den deutschen Kardinal und Vorsitzenden der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller, der die Inhalte des Zwischenberichts als „unwürdig, schändlich, vollkommen falsch“ bezeichnete. Kardinal Fernando Filoni erklärte, bei dem Zwischenbericht habe es sich lediglich um ein Arbeitspapier gehandelt.

Letztlich scheiterten die Bestrebungen für mehr Toleranz an fehlenden Mehrheiten. An eine Gleichsetzung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen mit der traditionellen Ehe hatte im Vorfeld wohl keiner gedacht. Doch immerhin hatte man darüber abgestimmt, Homosexuellen zukünftig mit „Respekt und Taktgefühl“ zu begegnen – was 62 Stimmberechtigte ablehnten. Auch Geschiedene sollen vorerst nicht erneut zur Kommunion zugelassen werden. Zwei-Drittel-Mehrheiten wären notwendig gewesen, um die Meinung der Synode widerzuspiegeln. Letztlich liegen solche Entscheidungen zwar beim Papst, nicht bei der Synode. Die Botschaft, die von dieser Sperrhaltung ausgeht, scheint aber das öffentliche Bild der katholischen Kirche zu bestätigen. Geradezu menschenverachtend wirken die Worte des Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz, der es nicht für akzeptabel hält, Homosexuellen die Verantwortung für Minderjährige zu überlassen. Der amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke hingegen merkt an, dass viele Diskussionen, die auf der Synode geführt wurden, direkt den Lehren Jesu, „Wahrheiten, die sich nun einmal nicht verändern lassen“, zuwiderlaufen.

Vielleicht ist es an dieser Stelle tatsächlich einmal an der Zeit, über Toleranz zu sprechen – und zwar nicht über Toleranz gegenüber Homosexuellen und Geschiedenen, sondern über Toleranz gegenüber eben solchen überkommenen Glaubensvorstellungen. Dass diese dem heutigen Zeitgeist kaum noch entsprechen, das vermag die politische Bühne eindrücklich zu verdeutlichen. Denn sogar die namentlich christliche Union lässt sich gegenwärtig kaum noch zu entsprechenden Aussagen hinreißen. Werden solche Aussagen aber doch einmal getätigt – etwa zum Thema der rechtlichen Gleichstellung der „Homo-Ehe“ – folgt regelmäßig ein öffentlicher Shitstorm.

Dogmatisch werden hier Menschen stigmatisiert und benachteiligt. Was in vielen anderen Sphären zum abrupten Karriereende führen könnte, ist nach biblischer Lehre noch immer salonfähig. Es scheint uns heute leicht zu fallen, mit dem Finger gen Mekka zu zeigen und kopfschüttelnd von Diskriminierung zu sprechen. Dabei scheinen wir zu übersehen, dass im so fortschrittlichen Deutschland auch heute noch eine einflussreiche Organisation waltet, die sich selbst die Diskriminierung zahlloser Menschen auf die Banner gepinselt hat – weil jahrtausendealte Lehrsätze eben das propagieren.

Tragisch ist das einerseits natürlich aufgrund der dogmatischen Indoktrination, für die die Kirche steht. Tragisch ist das aber auch, weil in Deutschland Kirche und Staat zwar voneinander getrennt sind, dennoch aber partnerschaftlich agieren. Unzählige kirchliche Hilfsorganisationen werden zu großen Teilen vom Staat finanziert – und bei allem Respekt vor deren Leistungen muss man eben auch sagen: Damit erhalten diese intoleranten Glaubensvorstellungen einen direkten Einfluss auf das Leben von Menschen, die sich in gravierenden Lebenskrisen befinden.

Ein solch dogmatischer Glaubensapparat scheint kaum noch mit den Vorstellungen eines aufgeklärten 21. Jahrhunderts vereinbar. Es bleibt zu hoffen, dass sich die katholische Kirche künftig von solch überkommenen Vorstellungen abwendet – die nächste Chance bietet sich bereits im Herbst des nächsten Jahres, auf der sie sich in einer neuen Synode erneut mit den in den vergangenen zwei Wochen diskutierten Problemen auseinander setzen soll.

Meine Meinung über: Das Anti-Homosexuellen-Gesetz und der Profisport

KOMMENTAR: Seit in Russland das Anti-Homosexuellen-Gesetz verabschiedet wurde, welches es Schwulen und Lesben verbietet, ihren Lebensstil öffentlich auszuleben, ist die Welt in Aufruhr. Die meisten Länder zeigen sich schockiert über diese Entwicklung, die so völlig in eine andere Richtung als eine soziale und aufgeklärte Gesellschaft strebt. „Homosexualität ist heilbar“, wird da propagiert, „Ein Kind braucht Mutter und Vater“, ist auch eine der Aussagen, mit denen das Gesetz gerechtfertigt werden soll. Die Folge dieser Entwicklung sind öffentliche Proteste, auch in der Sportwelt sympathisieren viele Athleten sehr öffentlichkeitswirksam mit Homosexuellen. Eine schwedische Leichtathletin lackierte sich die Fingernägel in den Farben der Gay-Pride-Flagge, der Mittelstreckenläufer Nick Symmons (USA) widmete seinen Vizeweltmeistertitel seinen schwulen und lesbischen Freunden. Und auch russische Sportler protestieren offen gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz: Bei der Siegerehrung für die 4×400 Meter-Staffel küssen sich zwei Läuferinnen der siegreichen russischen Staffel auf den Mund.

Die schwedische Hochspringerin hatte sich ihre Fingernägel in den Farben der Homosexuellen-Bewegung lackiert: die Gay Pride Flagge (Grafik: Rambacher)

Die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro hatte sich ihre Fingernägel in den Farben der Homosexuellen-Bewegung lackiert: die Gay Pride Flagge (Grafik: Rambacher)

Die Frage ist nun, was das Gesetz bewirkt: Einerseits wird in Russland das Leben von Schwulen und Lesben bedeutend schwieriger, da es ihnen verboten ist, ihre Liebe öffentlich zu zeigen. Sie sind gezwungen sich zu verstecken, zu verstellen, gar ihre Sexualität zu unterdrücken. Andererseits entsteht auch die Hoffnung, dass durch die große Aufmerksamkeit, die durch die Proteste entstanden ist, die Menschen die Augen öffnen und begreifen, dass ein Mensch, nur weil er eine andere Sexualität hat als man selbst, nicht weniger wert ist, denn immer noch herrscht in viel zu vielen Gesellschaftsschichten die Ansicht, dass Schwule und Lesben eine Abartigkeit sind und Homosexualität eine Krankheit.

Vor allem im Sport gibt es immer noch sehr wenige Athleten, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen. In letzter Zeit werden die Outings häufiger – was wohl mit der zunehmenden Sympathie und Akzeptanz in der Gesellschaft zu tun hat. So beispielsweise der Fußballer Robbie Rogers. Er hatte sich im Februar öffentlich geoutet – gleichzeitig aber sein Comeback vom Profisport bekannt gegeben. „Ich hatte jahrelang Angst, mich jemandem anzuvertrauen. Ich dachte, ich könnte nicht beides sein: Fußballer und schwul. Ich bin froh, dass es jetzt endlich raus ist.“ Vor kurzem feierte Rogers jedoch sein Comeback im Profifußball – und wurde von seinen Fans frenetisch gefeiert!

Dies nur eines von leider sehr wenigen Beispielen. Die Dunkelziffer – falls man in diesem Zusammenhang überhaupt von so einem Wort sprechen kann – ist immer noch viel zu hoch.

Anmerkung: Es handelt sich hierbei um einen Meinungsbeitrag. Der Text spiegelt nicht zwingend die Meinung der gesamten Face2Face-Redaktion wieder.

Rechtsextreme Vorbildfiguren

Die olympischen Spiele gelten seit jeher als Ort des Zusammentreffens von Ausnahmesportlern aus aller Herren Länder. Der Sport verbindet: Auf der ganzen Welt fiebern Olympiabegeisterte den Wettbewerben entgegen. Und bereits die olympische Flagge – fünf ineinander verschränkte Kreise, die die Kontinente der Welt symbolisieren – deutet es an: Hier soll es um ein Miteinander gehen. Diese schöne Gedankenkulisse wurde bei den diesjährigen Spielen allerdings von einem peinlichen Vorfall gestört.

Überschattet wurden die Londoner Spiele von der Meldung, dass eine deutsche Sportlerin in rechtsextreme Kreise verwickelt sei. Nadja Drygalla, Athletin der deutschen Frauenrudermannschaft, unterhält eine Beziehung zum Rostocker NPD-Politiker Michael Fischer, der im vergangenen Jahr als Kandidat zur Landtagswahl angetreten war. Auch bei Neonazi-Demonstrationen soll Drygalla schon mitgelaufen sein, was von ihr selbst allerdings entschieden zurückgewiesen wird.

Nun könnte man sagen: „Lasst die Frau doch in Ruhe! Es geht hier um Sport, nicht um Politik.“ Doch stärkt man mit dieser Haltung die intoleranten Rechten ganz ungemein, macht mit der Akzeptanz von rechtsextremem Gedankengut Fremdenfeindlichkeit erst salonfähig. Wer auf internationaler Bühne auftritt – vor allem bei einer Veranstaltung, die wie kaum eine andere für ein Gemeinsam der Völker steht – der darf unter keinen Umständen mit menschenverachtenden, überkommenen Weltvorstellungen in Verbindung gebracht werden. Diese Verwicklung führt den olympischen Gedanken ad absurdum.

Wie sollte auch scharf zwischen Politik und Sport getrennt werden? Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung ja eben nicht konkret der Sportler, der um die Medaillen kämpft – es ist die Nation, als deren Agent der Athlet hier fungiert. Ständig wird aufgerechnet, welche Nation bereits wie viele Trophäen erringen konnte; der Wettstreit nimmt also eindeutig eine Dimension der kollektiven Identifikation an.

Wie sehr diese Identifikation auch vom politischen Geschehen geprägt wird, das vermögen zahlreiche Beispiele zu illustrieren. In jüngster Vergangenheit trafen etwa die deutschen Fußballnationalspieler während der Europameisterschaft 2012 auf das griechische Nationalteam. Bereits im Vorfeld der Begegnung wurden hier Sportler und (politische) Nation Griechenland gleichgesetzt, den Griechen dabei immer wieder ihre wirtschaftliche Bankrottlage und ihre Verschuldung bei den anderen Euroländern vorgeworfen. Dass eine politische Identifikation stattfand, ist also kaum zu verleugnen.

Wenn nun also bekannt wird, dass Nadja Drygalla einen Lebensgefährten aus dem rechtsextremen Milieu hat, und möglicherweise selbst schon an politisch äußerst fragwürdigen Aktionen teilgenommen hat, dann stellt das ein ganz massives Problem dar. Da die Trennung von Sport und Politik, die von so vielen Menschen beschworen wird, gar nicht stattfinden kann, wird hier der Öffentlichkeit nicht etwa schlicht eine deutsche Sportlerin präsentiert, sondern eine deutsche Sportlerin mit rechtsextremen Umtrieben. Die Botschaft, die hier den Massen vermittelt wird, ist mehr als zweifelhaft.

Das sieht auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich so. Extremistisches Gedankengut habe im Sport keinen Platz, äußerte er gegenüber der „BILD“ – und verwies auf den Vorbildcharakter der Sportler.

Das Dilemma ist wohl auch Drygalla selbst bewusst. Nach dem Medienecho um ihre politischen Verstrickungen reiste sie aus dem olympischen Dorf ab, um Belastungen der Olympia-Mannschaft zu vermeiden. Inzwischen wurde sie vom Vorsitzenden des Deutschen Ruderverbands (DRV) Siegfried Kaidel dazu aufgefordert, sich von rechtsextremem Gedankengut zu distanzieren.

Zum Nachdenken…

Toleranz und Integration. Zwei Begriffe, mit denen man heutzutage schon von klein auf konfrontiert wird und die wesentlicher Bestandteil unserer multikulturellen Gesellschaft sind. Allerdings schockiert es immer wieder, dass manche Menschen davon anscheinend noch nie etwas gehört haben oder von solchen Themen einfach nichts wissen wollen. So wurde ich letzte Woche erst wieder davon überzeugt, dass zwar schon eine Menge für die Integration und Toleranzförderung getan wird – dies aber bei manch einem spurlos vorbei geht.

 Ich war auf dem Weg zur Uni – wieder mal mit der Bahn (dieses Mal gab es aber keine Unpünktlichkeiten oder unschöne Überraschungen, so wie man es doch fast schon gewöhnt ist). Ich war gerade umgestiegen und hatte mich hingesetzt, als ein älterer Mann und eine Frau den Zug betraten. An sich ja noch nichts Ungewöhnliches, doch das, was dann folgte, hat mich den ganzen Tag beschäftigt.

 In dem Zugabteil, in dem ich saß, saß noch eine englischsprachige, dunkelhäutige Kindergruppe mit zwei Betreuerinnen. Der ältere Mann ging zu einer der Betreuerinnen und sagte irgendetwas zu ihr, was ich allerdings nicht verstand. Die Frau bedachte den Mann mit einem unsicheren, fragenden Blick und schüttelte den Kopf. Daraufhin drehte er sich wütend um und ging zurück zu der Frau in den Türbereich, laut durch den Zug keifend: „Ich glaub’ es nicht! Wo sind wir denn hier?! Sind doch hier nicht im Busch, oder? Ich muss mir nichts gefallen lassen in meinem eigenen Land. Ich bin Deutscher! Eine Unverschämtheit!“

 Mir klappte die Kinnlade herunter – und das ist jetzt nicht im wortwörtlichen Sinnegemeint. Ich konnte im ersten Augenblick gar nichts anderes tun, als den Mann mit großen Augen anzustarren. So unwirklich kamen mir seine Worte vor. Außerdem hatte ich so etwas zuvor auch noch nicht erlebt. Die Frau, die vor mir saß, fand schneller zu ihrer Stimme als ich und fragte, ob sich der Herr nicht auf den Platz neben ihr setzen wollte. Doch der winkte wieder nur ab und grummelte etwas, einen wütenden Blick in Richtung der englischen Gruppe werfend. Auf einmal kam eine kleine Frau, die sich kurz darauf als Dolmetscherin der Gruppe vorstellte, auf ihn zu und meinte mit gebrochenem deutschen Akzent: „Entschuldigen Sie. Die Frau, die sie eben angesprochen haben, hat sie nicht verstanden. Es tut ihr Leid. Bitte seien Sie nicht mehr böse auf sie. Ist das okay?“ Der Mann schnaubte, nickte dann aber nur. „Ist okay“, sagte er und damit war das Gespräch beendet. Die Frau schenkte ihm ein Lächeln und ging zurück zu einer der Betreuerinnen der Gruppe. „Ich muss mir nichts gefallen lassen“, brummte der Mann und beschloss für den Rest der Zugfahrt, sich nicht einmal in die Nähe der Gruppe zu setzen – obwohl es dort genug andere Sitzplätze gab – und lieber im hinteren Zugabteil zu stehen und weiter vor sich hinzugrummeln.

 Was mag in dem Kopf dieses Mannes vor sich gegangen sein? Letztlich kann man über die Ursache seines Verhaltens nur mutmaßen. Und auch, wenn es gerade oft die älteren Leute sind, die sich oft über die Intoleranz junger Menschen gegenüber der älteren Generation beklagen und sich mit der Globalisierung etwas schwer tun, frage ich mich, ob man deshalb gleich so ausholen muss – und das nur aufgrund eines Verständigungsproblems und eines daraus resultierenden versagten Platzes? Meines Erachtens nach müsste dieser Mann mitunter noch einmal darin unterrichtet werden, was es bedeutet, jemandem Toleranz entgegen zu bringen und dass die Hautfarbe dabei überhaupt keine Rolle spielt. Ebenso sollte man mittlerweile zumindest etwas aufgeschlossener gegenüber anderssprachigen Menschen sein und sie akzeptieren, so wie man gerne von anderen auch akzeptiert werden würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Herr es gut geheißen hätte, wenn er in der Rolle desjenigen gesteckt hätte, den man – wirklich schon grenzwärtig – beleidigt hätte. Manchmal würde es vielleicht schon helfen nachzudenken, bevor man etwas sagt. Und ein wenig Empathiegefühl kann auch nie schaden…

 Auf der anderen Seite durfte ich aber feststellen, dass gerade die englischsprachige Gruppe, die wohl gar kein Deutsch sprechen konnte, sich sehr tolerant verhalten hat. Der Frau tat ihr Verhalten so Leid, dass sie die Dolmetscherin zu dem Mann schickte und das Missverständnis aufklären ließ. Sie hat sich nicht beschwert, kein einziges böses Wort verloren, sondern hat sich dem Mann gegenüber und seinem Verhalten nachsichtig gezeigt. Etwas, das auf keinen Fall als selbstverständlich angesehen werden sollte.

 Dabei dreht sich doch gerade nicht nur alles um den Fußball in Deutschland, sondern steht anlässlich der Frauen WM auch alles im Zeichen der Integration und Toleranz. Naja, manch einer von uns wird seine Werte wohl noch einmal gründlich überdenken müssen…

Eure Lea

Vorschau: Eva schreibt über das Sommerloch und wie die Medien da raus finden.