Japan-Reihe, Teil 1: Tokyo – Hauptstadt und Megametropole

Wer das erste Mal nach Tokyo kommt ist von der schieren Größe der Stadt überwältigt. Dabei besticht Japans Hauptstadt gerade für Touristen durch eine Reihe von Sehenswürdigkeiten, die sich mit kleinen, einheimischen Orten abwechseln. Bei einer Reise nach Japan sollte diese Stadt natürlich auf keinen Fall fehlen, bietet sie doch dank der internationalen Flughäfen einen guten Ausgangpunkt für Touren.

Tokyo von oben

Tokyo von oben: Auf jeden fall einen blick wert (Foto:Möller)

Tokyo von oben: Auf jeden Fall einen Blick wert (Foto:Möller)

Um sich einen Überblick über die Metropole zu verschaffen lohnt es sich hoch hinaus zu fahren. Dafür bieten sich vor allem zwei Aussichtsplattformen an: Der Tokyo-Tower und die Aussichtsplattform auf dem „Tokyo Metropolitan Government“- Gebäude. Letztere hat den Vorteil, dass sie kostenlos zu besuchen ist, auch wenn mit längeren Schlangen vor den Aufzügen zu rechnen ist. Von oben hat man einen herrlichen Blick über die Stadt, die scheinbar den ganzen Horizont einnimmt und kein Ende findet. Vor allem vom „Tokyo Metropolitan Government“-Gebäude – dem Rathaus der Stadt – hat man einen schönen Blick auf den bekannten Meji-Schrein samt angrenzendem Park. Ein Besuch ist dieser allemal wert.

Die berühmteste Kreuzung und der treuste Hund der Welt

Ganz schön viel los: Die wohl bekannteste Kreuzung der Welt inf Shibuya (Foto: Möller)

Ganz schön viel los: Die wohl bekannteste Kreuzung der Welt inf Shibuya (Foto: Möller)

Shibuya – Der Name steht für die größte Kreuzung der Welt. Hier überqueren pro Ampelphase bis zu 15.000 Menschen die Straße. Das muss man einmal erlebt haben und die Kreuzung ebenfalls überqueren. Vorher lohnt es sich aber noch die wohl berühmteste Hunde-Statur des Landes anzusehen, die direkt am Ausgang des Bahnhofes von Shibuya steht. Hachiko war ein japanischer Atika-Hund und ist zum Inbegriff für Treue geworden; Auch nach dem Tod seines Herrchens ging er jeden Tagzum Bahnhof um darauf zu warten, dass sein Herrchen von der Arbeit kommt. Neben der Kreuzung und der Statur lohnt es sich aber auch einen Spaziergang durch Shibuya einzuplanen. Das Viertel strotzt vor Energie und Lebensfreude. Hier gibt es viele Geschäfte und Cafés und an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken.

Leuchtend, bunt, elektronisch – Akihabara

Bunt und schrill: Akihabara (Foto: Möller)

Bunt und schrill: Akihabara (Foto: Möller)

Kein Viertel Tokyos ist leuchtender, lauter und überwältigender als Akihabara. Das Elektronikviertel ist der Traum eines jeden Technik-Liebhabers. Hier reiht sich ein Kaufhaus mit elektronischen Errungenschaften an das nächste – nur unterbrochen von riesigen, lauten Pachinko-Hallen (Anm. d. Red: Pachinko ist eine Art Glücksspiel mit kleinen Metallkugeln) und dem Konzert-Gebäude von AKB48, einer Mädchen-Band mit 48 Mitgliedern. Hier sollte man abends hinkommen, wenn die Straßen voll sind und die Leuchtreklamen ihre Wirkung entfalten.

Tokyos grüne Lunge – der Ueno Park

Ueno Park zur Kischblütenzeit (Foto: Möller)

Ueno Park zur Kischblütenzeit (Foto: Möller)

Der Ueno-Park mit dem angrenzenden Zoo ist so etwas wie Tokyos Naherholungsgebiet. Hier kann man durch eine wunderschöne Parkanlage schlendern und ein wenig Ruhe in der hektischen Metropole finden. Zur Zeit der Kirschblüte allerdings ist der Park stark bevölkert, da jeder Japaner sein Kirschblütenfest mit einem Picknick im Ueno-Park feiern will.

Dies war der Auftakt unserer Japan-Reihe. Der nächste Teil entführt euch nach Kyoto, der alten Kaiser-Stadt.

 

Unfreiwillige Annäherung

Die Japaner schlafen gern – zu jeder Tageszeit und bevorzugt in der Öffentlichkeit. Sie dösen in Konferenzen, in Vorlesungen, im Park und liebend gerne auch im Zug. Die kleinen Schlafpausen zwischendurch heißen auf Japanisch „Inemuri“ und sollen laut Schlafforschern die Konzentrationsfähigkeit fördern und sogar das Herzinfarktrisiko senken.

Steigt man in Tokyo in die U-Bahn, sieht man überall Köpfe, die synchron im Rhythmus des Zuges wippen. Zugegeben – das monotone Ruckeln der japanischen Bahn (das sich vom Takt einer deutschen U-Bahn unterscheidet) verführt einen tatsächlich dazu, ein kleines Nickerchen zu halten. Doch verpassen die Japaner dann nicht ständig ihre Station? Nein, es scheint so, als hätten sie eine Art inneren Wecker entwickelt. Sobald der Zug in eine Station einfährt, öffnen sie automatisch die Augen, stehen auf und gehen hinaus, als wäre nie etwas gewesen. Das stellt für sie offensichtlich kein Problem dar, doch es gibt da ein anderes Kuriosum, das den schüchternen Japanern manchmal Schwierigkeiten bereitet.

Letzten Sommer, als ich mit der U-Bahn in Tokyo unterwegs war, beobachtete ich folgende Szene:

Gegenüber von mir saß eine junge Frau, die aufmerksam in ihrem Buch las. Der Platz neben ihr war frei, doch nach einer Weile ließ sich ein Japaner im Anzug dort nieder. Es dauerte nur ein paar Minuten und er schloss die Augen. Sobald der Zug losfuhr, fingen wieder alle schlafenden Köpfe an im Takt zu schunkeln, doch der Kopf des jungen Japaner gegenüber mir, tanzte aus der Reihe und landete schließlich auf der gebrechlichen Schulter der bis dahin in ihrer Lektüre vertieften Japanerin. Da kommt wohl das physikalische Phänomen der Trägheit zum Tragen. Ich sah, wie ihr Blick für einen Moment erstarrte und sie leicht errötete, doch sie tat erst einmal so, als hätte sie nichts bemerkt. Man muss an der Stelle anmerken, dass für eine Japanerin, ein derartiger Körperkontakt mit einem fremden Mann in der Öffentlichkeit eine besonders beschämende Angelegenheit ist.

Da alle Plätze dicht belegt waren, hatte sie auch nicht die Möglichkeit wegzurutschen. Sie starrte zwar immer noch in ihr Buch, allerdings wirkte sie nicht mehr so konzentriert wie vorher. Ohne den Blick zu heben, versuchte sie unauffällig ihre Schulter wegzuziehen, wodurch er dann endlich erwachte und sich schließlich aufrichtete.

Nach einer Weile aber rollte der träge Kopf erneut zu ihr und auch diesmal schlief er einfach seelenruhig weiter. Ich habe mich gefragt, warum er jedes Mal ausgerechnet nach rechts fällt. Ob wohl seine rechte Gehirnhälfte schwerer ist als die linke? Jedenfalls wiederholte sich die Szene noch weitere Male bis auch er bei einer Station plötzlich die Augen aufschlug, sich erhob und hinaus lief, als hätte er niemals auf der Schulter dieser fremden Frau seinen Mittagsschlaf gehalten. Der jungen Japanerin, die sich nun wieder ungestört dem Lesen widmen konnte, sah man die Erleichterung deutlich an.

Solltet ihr also irgendwann mal nach Japan fahren, dann nehmt euch in acht vor den schwarzen pendelnden Köpfen in den U-Bahnen oder ihr beteiligt euch einfach selbst am kollektiven Nickerchen. Aber Vorsicht: Verschlaft eure Station nicht!

Vorschau: Nächste Woche geht es um eine kulinarische Spezialität aus Berlin. Lasst euch überraschen…