Dolly – 20 Jahre danach

Am 5. Juli 1996 wurde Dolly geboren, das erste aus erwachsenen (adulten) Zellen geklontes Säugetier. Das nach Dolly Parton benannte Tier brachte es zum Weltruhm als das Klon Schaf.  Nach 6 Jahren starb die wissenschaftliche Sensation jung an einer Lungenkrankheit. Heute noch heute ist Dolly in einem Museum in Schottland ausgestellt.  Nun sind 20 Jahre seit seiner Geburt vergangen. Was haben wir seither gelernt und wie weit kam die Forschung?

Die Methode des Klonens

Viele Schafe- sind sie geklont? (Foto: Werner / pixelio.de)

Viele Schafe- sind sie geklont? (Foto: Werner / pixelio.de)

In ihrer wissenschaftlichen Publikation in der Fachzeitschrift Nature vom Jahre 1997 beschrieben die schottischen Wissenschaftler vom Roslin Institut in Edinburgh ihr Klonierungsverfahren. Einer Spendermutter werden Eizellen entnommen und deren Zellkern mit dessen genetischen Material wird entfernt. Anschließend wird einem anderen Spendertier, welches geklont werden soll, adulte Zellen entnommen und dort der Zellkern ebenfalls entfernt. Dieser Zellkern wird dann in die Eizelle gebracht und einer Leihmutter zur Austragung eingepflanzt. Damals wurden 277 Eizellen entnommen, woraus 29 Embryonen entstanden, von denen nur einer überlebte. Daraus wurde Dolly. Sie hatte also drei Mütter. Und war damit auch kein hundertprozentiger Klon. Denn die Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zelle, haben ihr eigenes genetisches Material und werden immer von der Mutter durch die Eizelle weitergegeben. Diese stammten also noch von der ersten Spendermutter.

Was kam danach?

Schon nach einigen Jahren zeigte das Tier jedoch viel zu früh  Alterserscheinungen und starb schließlich sehr jung an einer Lungenkrankheit im Alter von sechs Jahren.Viele vermuteten, dass dies Folgeerscheinungen des Klonens waren und sich die genetische Uhr nicht zurückdrehen ließe. Doch Dolly konnte während ihres Lebens auch zwei Kinder auf natürliche Weise zeugen und die verantwortlichen Wissenschaftler sagen, dass der Virus von einem anderen Tier übertragen wurde und der Tod nichts mit dem Klonen zu tun hatte. Und tatsächlich altern Dollys Geschwister, die für eine neue Studie geboren wurden, normal.
Seitdem wurde das Verfahren sehr oft angewendet und viele Säugetiere geklont: Pferde,  Ziegen, Schweine, Mäuse, Kaninchen, Katzen und Hunde wurden alle auf diese Weise ohne Komplikationen geklont. Heutzutage ist jedoch die Hauptanwendung beim Klonen die Unterbringung von genetischen Modifikationen. Transgene Schweine oder Rinder, die zum Beispiel gegen eine Krankheit resistent sind, lassen sich so einfach herstellen . Auch beim Menschen wäre es möglich. Doch ein Nachteil bleibt: die Mehrzahl der Klone stirbt und es braucht viele Eizellen, um einen Erfolg zu haben. Außerdem, so konnte die Forschung nach einiger Zeit später durch dieses Grundlagen wissen zeigen, konnten durch die Zugabe von speziellen Faktoren Stammzellen aus adulten Zellen erzeugt werden (induzierte pluripotente Stammzellen– Nobelpreis in Medizin 2012).

Ethische Bedenken und Klonen eines Menschen

Nachdem das Dogma des Klonens gebrochen war, wurden sofort negative Stimmen laut. Sollte man überhaupt klonen? Es ist unethisch und unsicher, einen Menschen zu klonen. Andererseits könnten damit vielleicht Krankheiten geheilten werden. Kontrovers war der Fall Woo Suk Hwang, ein Südkoreanischer Wissenschaftler und eine Größe im Bereich des Klonens, der damals und noch heute Hunde klonte. 2004 behauptete er, eine menschliche klonierte Embryonenzelllinie erstellt zu haben, anschließend noch elf weitere. Beide Publikationen wurden zurückgezogen, da sie sich als Betrug herausstellten.
Es ist nicht die technische Barriere, die uns davon abhält, Menschen zu klonen, sondern eine moralische. Außerdem ist eine Person nicht nur durch ihr Genom charakterisiert. Es bleibt also dabei: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um neue Methoden der Molekularbiologie.

Einmal Vegetarier und wieder zurück

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür Vegetarier zu werden, weil sie einen gesunden Lebensstil pflegen wollen. In den meisten Fällen bleiben sie es aber nicht, wie bei Viktoria Umbach. Die 22-jährige Journalistin verzichtete zuerst auf Fleisch, dann stieg sie wieder um. Ihre Beweggründe erfahrt ihr im Interview.

Face2Face: Warum hast du dich damals entschieden, völlig auf Fleisch zu verzichten?Viktoria: Vor etwa sechs Jahren hatte ich mal eine Führung in einem Schlachtunternehmen. Dort habe ich dann gesehen, dass die Tiere in unwürdigen Zuständen gehalten wurden. Zum Beispiel lagen tote Hühner auf dem Boden, während die lebenden einfach drüber liefen. Man hielt sie in engen Käfigen, darum hatten sie keine Wahl. Das waren Bilder, die ich so schnell nicht vergessen kann.

Face2Face: Wie hast du diese Umstellung empfunden?
Viktoria: Ich habe mich deutlich fitter gefühlt und ein paar Kilos hatte ich dann auch runter. Einziges Manko: Durch den Fleischverzicht bekam mein Körper Probleme mit der Versorgung von Spurenelementen. Ich hatte Eisenmangel, ein sehr wichtiges Element, das der Körper nicht selber produzieren kann. Vor allem ist es wichtig, um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden und den Sauerstoff zu transportieren.

Fleisch und Wurst: Leider weiß der Verbraucher nicht immer 100 % wie die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten wurden (Foto: V.Kalra)

Fleisch und Wurst: Leider weiß der Verbraucher nicht immer zu 100 % wie die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten wurden (Foto: V.Kalra)

Face2Face: Und in dieser Zeit wurdest du nicht einmal rückfällig?
Viktoria: Klar, wenn ich mal an einer Dönerbude vorbei gelaufen bin, und sich der Geruch vom gegrillten, würzigen Fleischspieß ausbreitet, habe ich schon überlegt mir vielleicht einen kleinen Döner zu bestellen. Aber auf der anderen Seite hatte ich ja noch diese Schockbilder im Kopf und die haben sich dann letztendlich durchgesetzt.

Face2Face: Und heute bist du wieder Nicht-Vegetarier. Warum?
Viktoria: Wie gesagt, ich litt unter Eisenmangel. Es hat sich einfach verschlimmert, sodass mein Hausarzt mir empfahl wenigstens einmal die Woche wieder Fleisch zu konsumieren. Und da mir meine Gesundheit wichtig ist, beschloss ich diesen Schritt zu wagen.

Face2Face: Schmeckt das Fleisch denn jetzt noch intensiver?
Viktoria: Oh ja! Das war so krass. Das erste, womit ich angefangen habe, war eine Currywurst. Ich hatte ein Stück davon im Mund und der Geruch und Geschmack waren super intensiv. Es war ungewohnt für mich, weil ich das Fleisch vor meiner Zeit als Vegetarierin nicht so wahrgenommen habe. Doch dann ging es und ich konnte einfach nur genießen.

Face2Face: Was isst du denn besonders gerne?
Viktoria: Grillfleisch wie zum Beispiel Spieß gehört zu meinen Favoriten.

Face2Face: Wie oft konsumierst du Fleisch in der Woche?
Viktoria: Also ich finde, dass in Deutschland der Fleischkonsum zu hoch ist. Wir essen einfach worauf wir Lust haben, statt nachzudenken, was der Körper wirklich braucht. Ich versuche deshalb meinen Konsum in Maßen zu halten. Mehr als zwei mal in der Woche ist es nicht. Natürlich gibt es auch Wochen, in denen ich kein Fleisch esse.

Face2Face: Achtest du dabei auf Quantität oder Qualität?
Viktoria: Mir ist es wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Ich achte im Supermarkt auch nicht auf den Preis, sondern kaufe nach Qualität, weil ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

Face2Face: Du kennst nun die Seite des Vegetariers und des Nicht-Vegetariers. Zu welcher Seite tendierst du eher?
Viktoria: Momentan geht es mir gesundheitlich wieder besser. Wenn ich die Möglichkeit hätte, meine Gesundheit auch ohne Fleischkonsum auf Trab zu halten, dann kann ich mir vorstellen, bald wieder fleischlos zu werden. Mal schauen was die Zukunft bringt.

Zoomania – das Märchen vom Hasen und dem Fuchs

Judys Traum ist es, Polizistin zu werden. Sie möchte in die Hauptstadt ziehen und Bösewichte fangen, etwas Gutes tun. Das Problem: Sie ist ein Hase. Noch nie hat sich ein kleiner Nager in das Territorium der großen Raubtiere gewagt. Judy (im Deutschen gesprochen von Josefine Preuß) will die erste Polizistin aus der Familie der Kleinnager in Zoomania sein.

Ein Paradies für Tiere

Zoomania ist die gigantische Hauptstadt der Tierwelt. Die verschiedensten Stadtteile bieten Wohnraum für jede Tierart, in Iglu-Appartements, Dschungel-Baumhäusern und Sahara-Wolkenkratzern. Dorthin wird Judy Hopps zur Eingliederung kleiner Nagetiere in das Polizeirevier versetzt. Ihr erster Auftrag: Parkscheinkontrolle.

ZOOTOPIA – TRAIN STATION. ©2016 Disney. All Rights Reserved.

Disneyfilm mit Botschaft: In Zoomania geht es um mehr, als das friedliche Leben kuschliger Nagetiere. (Foto: ZOOTOPIA – TRAIN STATION. ©2016 Disney. All Rights Reserved.)

Von Natur aus ein Angsthase?

Doch Judy lässt sich nicht entmutigen. Auf der Suche nach einem spannenden Auftrag wittert sie ein böses Geheimnis, dessen Spuren bis zum Bürgermeister – einem großen, wilden Löwen – reicht. Um diesen Fall zu lösen, braucht sie Hilfe. Und sie gerät ausgerechnet an den vorlauten Fuchs und Trickbetrüger Nick Wilde. Wird sie als Hase ihre natürliche Angst vor Füchsen überwinden, um diesen Fall zu lösen, bevor immer mehr Raubtiere auf mysteriöse Weise aus der Stadt verschwinden?

Kinocharts: Noch vor Deadpool

Aktuell befindet sich der Animationsfilm Zoomania (auch in 3D) auf Platz eins der offiziellen Deutschen Kinocharts von mediacontrol (Stand: 10.03.16). Dicht gefolgt von „Der geilste Tag“ mit Matthias Schweighöfer. Der Actionfilm „Deadpool“ rutscht auf Platz drei. Mittlerweile sind Animationsfilme von Disney mit Tieren in der Besetzung gesellschaftstauglich und mehr als nur einfache Kinderfilme. Zoomania ist gut gemacht, mit witzigen Charakteren und einer überraschenden Wendung der Story. Es macht Spaß, die Landschaft von Zoomania zu erleben und lustige Anspielungen und Gags zu entdecken. Den Film in 3D zu schauen lohnt sich nicht unbedingt. Das freut den Geldbeutel oder ihr könnt in eine größere Portion Popcorn investieren. Disney Animationsfans werden Zoomania mögen! Hier könnt ihr euch noch einmal den Trailer ansehen:

Zoomania, Erscheinungsdatum: 3. März 2016 (1 Std. 48 Min.). Die prominenten Synchronsprecher der Original-Fassung sind Ginnifer Godwin (Judy Hopps), bekannt aus „Mona Lisas Lächeln“ und Jason Bateman (Nick Wilde), bekannt aus „Kill the Boss“.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Elisabeth von ihren Erlebnissen als Gast auf ihrer ersten Swap Party.

 

Beitragesbild: ©2015 Disney. All Rights Reserved.

Wie die Schlange ihre Beine verlor

Die Midgardschlange, die mehrköpfige Hydra, Ladon, als Schlangengott Apophis oder als Haare der Medusa, ja sogar in der Bibel ist die Schlange zu finden. Da sie weltweit verbreitet sind, haben sie sich stark in unserer Kultur eingeprägt. Es sind rund 3500 Arten beschrieben und anders wie Blindschleichen, die zu den Echsen gehören, besitzen Schlangen weder Extremitäten, noch keinen, auch keine rudimentären, Becken- oder Schultergürtel. Wie kam dies?

Allgemeines

Schlangen gibt es in den unterschiedlichsten Farb- und Zeichnungsvariationen. Ein Geschlechtsdimorphismus, also unterschiedliches Aussehen bei Männchen und Weibchen kommt nur selten vor. Ihre Epidermis ist zu Schuppen ausgebildet. Die Beschuppung unterscheidet sich im Kopf-, Rücken- oder Bauchbereich. Selbst die Augen werden von einer Schuppe bedeckt, ein Augenlid besitzen sie nicht. Ihre Zähne sind nicht zum Kauen, sondern zum Festhalten der Beute gedacht. Eine Besonderheit ist der Giftzahn.

Sie sind meist Einzelgänger. Das Weibchen sondert Pheromone ab, die der Geruchssinn des Männchens wahrnehmen kann. Das Männchen selbst hat einen gespalteten Penis, Hemipenis genannt. Beim Sexualakt schmiegt sich das Männchen seitlich an und führt den näheren Teil dieses Begattungsorgans ein. Die meisten Schlangen legen Eier, etwa ein Drittel der Arten haben eine Form von Lebendgeburt, bei denen die Eier im Mutterleib ausgebrütet werden, Ovoviviparie genannt.

Physiologie der Schlangen

Der Geruchssinn funktioniert über das Jacobson Organ. Die gespaltene Zunge nimmt chemische Duftstoffe auf und führt sie zu eben diesem Organ in der Mundhöhle. Auch andere Wirbeltiere, wie die Katze verfügen über ein solches Organ. Manche Schlangen verfügen ebenfalls über ein Grubenorgan, wodurch sie Infrarotstrahlung wahrnehmen können. Öffnungen unterhalb des Nasenlochs lassen sie auch Wärmestrahlung wahrnehmen.

Fressen regelmäßig lebendige Ratten und Mäuse: Klassens Python-Schlangen (Foto: privat)

Fressen regelmäßig lebendige Ratten und Mäuse: Klassens Python-Schlangen (Foto: privat)

Schlangen gehören zu den Schuppenkriechtieren, zu denen auch Eidechsen gehören, sind aber enger verwandt mit Leguanen und Waranen und Schleichen. Die ersten Schlangenfossilien gibt es bereits aus dem Jura, einem Erdzeitalter, als die Dinosaurier die Erde beherrschten. Viele Fossilien von Waranartigen, also den vermutlichen gemeinsamen Vorfahren von Schlangen und Waranen, lebten im Wasser. Deshalb wurde immer spekuliert, ob Schlangen sich nun von im Wasser lebenden, marinen Arten oder von grubengrabenden, landlebenden Arten entwickelt haben.

Neue Erkenntnisse

Eine neue Studie, im November 2015 veröffentlicht, fand nun eine Lösung. Die Wissenschaftler rekonstruierten das Innenohr eines 90 Millionen Jahre alten Schlangenfossils. Heutige grabende Schlangen nutzen das Innenohr nicht nur, wie alle Wirbeltiere, zum Hören und zur Balance, sondern sie nehmen dadurch Vibrationen im Boden wahr, durch diese sie ihre Beute fangen. Die Wissenschaftler fanden eine Struktur im Innenohr, die heutige marine Schlangen nicht haben. Auch das Innenohr anderer mariner Echsen, wie der Mosasaurus, ist anders strukturiert. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Schlangen sich von grabenden Vorfahren entwickelt haben.

Die ersten Schlangen waren wohl nachtaktive Lauerjäger, die noch kleine Hinterfüße hatten, aber keine Schultern mehr. Doch ganz sicher ist, dass sie erfolgreich waren und sich weit verbreitet haben.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um psychoaktive Drogen und ihre Wirkung als Medizin

Domestikation- Wie der Hund zum besten Freund des Menschen wurde

Die Deutschen halten schätzungsweise 30 Millionen Haustiere, vor allem sind dies Hunde und Katzen. Bist du ein Katzenmensch oder ein Hundemensch – dazu gibt es mitunter tiefgehende Debatten. Doch egal, welches Tier einem mehr zusagt, es nicht selbstverständlich, dass wir Haustiere halten.

Eines der wichtigsten domestizierten Tiere: Das Rind (Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de)

Eines der wichtigsten domestizierten Tiere: Das Rind (Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Das wohl älteste domestizierte Tier ist der Hund, der sich vor circa 30.000 Jahren aus dem Wolf entwickelt hat (obwohl molekulargenetische Berechnungen auf 100.000 Jahre kommen, so zeigt der Fossilrekord anderes auf). Über viele Generationen hinweg wurden die Tiere genetisch von der Wildform isoliert und auf viele Charakteristika gezüchtet. Das Schaf, welches vom Mufflon abstammt, das Rind, welches vom Auerochsen abstammt, das Schwein, die Ziege und die Katze, welche auch ihre jeweiligen Wildformen haben, folgten vor circa 10 000 Jahren. Zur gleichen Zeit wurden Pflanzen durch die gleiche Art zu Kulturpflanzen gezüchtet. Pferde, Hühner und viele andere Tiere, die oft speziell für die jeweilige Region der Welt waren, kamen vor einigen tausend Jahren nach.

Theoretisch kann jedes Tier domestiziert werden, jedoch gibt es sechs Eigenschaften, welche das Tier haben sollte, sodass es dazu kommt und die in dem Buch Guns, Germs and Steel beschrieben wurden: Kann sich das Tier von den Abfällen der Menschen ernähren und hat keine speziellen Anforderungen hinsichtlich der Ernährung, ist dies sehr hilfreich. Die Generationenfolge, also auch die Lebenserwartung, sollte die des Menschen nicht überschreiten. Ist sie kurz genug, ist die Züchtung besser möglich und eine kurze Zeit für das Erreichen des Erwachsenenalters ist wichtig, damit es seinen Zweck erfüllen kann. Die Fortpflanzung muss auch in der Gefangenschaft des Menschen stattfinden können. Sind die Tiere generell weniger aggressiv und leichter umgänglich, ist dies ebenfalls von Vorteil. Sie sollten ebenfalls ruhiger sein und nicht scheu. Zuletzt ist es ebenfalls wichtig, dass die Tiere eine flexible soziale Hierarchie haben und den Menschen als Herrchen anerkennen.

Viele domestizierte Arten weisen Gemeinsamkeiten auf. Schon Darwin beobachtete, dass menschennahe Spezies fallende Ohren besitzen. Die selektive Fortpflanzung hat also bestimmte folgen. 1950 wurde in Russland ein Langzeitversuch gestartet. Der russische Silberfuchs sollte domestiziert werden, der aufgrund seiner Aggressivität als nicht domestizierbar galt. Dieser Versuch dauert bis heute an. In jeder Generation wurden die weniger aggressiven Tiere ausgesucht. Als die ersten Tiere nach 20 Generationen und ungefähr 25 Jahren als Haustiere gehalten werden konnten, hatten sie kürzere Schnauzen, kleinere Zähne, weiche, fallende Ohren, einen kurvigeren Schwanz und eine andere Fellfarbe. Genetische Veränderungen führten zu hormonellen Veränderungen und so ist ein Fuchs mit einem kleineren Adrenalinlevel auch zahmer. Bei anderen Arten findet man ebenfalls kleinere Gehirne und verringerte akute Sinnesorgane, die in der freien Wildbahn noch überlebenswichtig waren.

Eine überzüchtete Hunderasse: die englische Bulldogge (Foto: M. Großmann  / pixelio.de)

Eine überzüchtete Hunderasse: die englische Bulldogge (Foto: M. Großmann / pixelio.de)

Rassenhunde zeigen uns heute auch die Schattenseiten der Züchtung auf. Reinrassige Hunde wurden vor gerade einmal Hundert Jahren durch Inzucht auf die verschiedenen Charakteristika gezüchtet. Rassen wie der Boxer und die Bulldogge haben zum Beispiel kürzere Schnauzen und diese Brachycephalie führt zu Atemwegsproblemen und einer gestörten Thermoregulation. Aber auch andere Rassen leiden unter den verschiedensten Krankheiten, welche zu einer kürzeren Lebenserwartung führt. Sogenannte Mischlinge sind die genetisch gesünderen Individuuen.

Doch der Mensch hat sich sogar selbst domestiziert. Der Übergang von einer Jäger und Sammler-Gesellschaft zu einer sesshaften Farmer-Gesellschaft, brachte Vor- und Nachteile. Mehr Nahrungsmittel waren vorhanden und die Abstände zwischen Geburten verringerten sich aufgrund der Sesshaftigkeit. Die Population stieg an. Dies führte aber auch dazu, dass sich neue Infektionskrankheiten entwickelten, die sich nur in einer dichten Population entwickeln konnten. Genetische Veränderungen führten zur Entwicklung von Resistenzfaktoren (unter anderen die AB0 Blutgruppen), einer adulten Laktose Persistenz und einem besseren Alkoholmetabolismus für das im westlichen Eurasien getrunkene, nährstoffreiche Bier. Die Verkürzung des Kiefers, im Gegensatz zu unseren Hominiden Vorfahren, zeigt ebenfalls, analog zum Fuchs-Experiment, ein Merkmal des weniger aggressiven und wilden Menschen auf.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um die Kristalle in unserem Ohr.

Elefanten und Tenreks – die komplizierte Verwandtschaft der Afrotheria

Phylogenie, das ist die Rekonstruktion der Stammesgeschichte der Organismen. Hierzu werden Lebewesen in verschiedene Verwandtschaftsgruppen eingeteilt, was als Taxonomie bekannt ist. Schon Aristoteles hat versucht, Tiere und Pflanzen einzuordnen. Lange Zeit war den Biologen dies anhand von morphologischen, anatomischen und physiologischen Merkmalen möglich. Doch dank der Molekulargenetik gibt es nun ein weiteres Werkzeug, die Stammesgeschichte der Tiere zu rekonstruieren. Dies führte schnell zu einigen Neugruppierungen innerhalb der Systematik. Denn manchmal entwickeln sich Tiere so, dass sie sich sehr ähnlich sehen und gleiche Verbreitungsgebiete haben, obwohl sie andere Vorfahren hatten. Eine sehr diverse Gruppe sind die Afrotheria, zu denen Elefanten, Seekühe, Erdferkel und Klippschliefer gehören. Obwohl das Körpergewicht zwischen 5 Gramm und 5 Tonnen variiert, sind sie doch miteinander verwandt.

Auch ein Verwandter des Elefanten: die Seekuh (Foto: Marion  / pixelio.de)

Auch ein Verwandter des Elefanten: die Seekuh (Foto: Marion / pixelio.de)

Die Afrotheria sind eine Gruppe, die bis auf zwei nach Asien ausgewanderte Arten, in Afrika lebt und sich hier auch in der Kreidezeit getrennt von den anderen Säugetieren entwickelt hat. Sie umfasst 80 Arten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Elefanten sind ihre berühmtesten Vertreter. Die Seekühe sind genauso grau. Diese friedlichen Pflanzenfresser leben in Küstennähe oder im Süßwasser und sind neben Walen und Robben die dritten Meeressäuger, jedoch nicht miteinander verwandt. Das Erdferkel könnte man ebenfalls dank der Rüsselartigen Schnauze mit einem Elefanten verbinden. Doch ob die nach vorne abstehende Schnauze aller Afrotheria wirklich von einem gemeinsamen Vorfahren kommt oder sich nur ähnlich zueinander entwickelt hat, ist unklar.

Die anderen Tiere der Gruppe der Afrotheria würde man nicht so schnell in Verbindung zu den obigen bringen. Rüsselspringer sind kleine, langschnauzige Bodenbewohner, die man schnell als Maus abtun würde. Die 30 bis 60 cm großen Schliefer dagegen könnten mit Murmeltieren verwechselt werden. Die Debatte um ihre Verwandtschaft wurde lange geführt, bis in den 90ern molekulargenetische Untersuchungen die Erklärung lieferte. Goldmulle, die Maulwürfen ähnlich sehen und Tenreks bilden weitere Gruppen. Tenreks oder Tanreks haben Vertreter, die man mal Igeln, Spitzmäusen und Ottern zuordnen würde. Sie haben sich an viele unterschiedliche Nischen angepasst und somit variiert ihr Aussehen stark.

Das Problem der Forschung der Phylogenese ist, dass man diese Prozesse nicht direkt beobachten kann. Die zugrundeliegenden Evolutionsprozesse sind auch nicht so einfach experimentell nachweisbar. Deshalb müssen Hinweise aus verschiedenen Bereichen der Biologie zusammenfügt werden, um das Rätsel zu lösen.

Vorschau: Nächstes Mal erfahren wir alles zur Wissenschaft des Kaffees.

Wie die Schildkröte ihren Panzer bekam

Der Panzer der Schildkröte stellt eindeutig das auffallendste Merkmal dieser Tiere dar. Deshalb waren Biologen schon lange daran interessiert herauszufinden, wie er sich entwickelt hat. Welcher evolutionäre Druck führte zu diesem Phänomen? Studien der Morphologie und der Embryologie konnten nur zum Teil erklären, wie der einzigarte Körperbau zustande kommt. Erst in den letzten Jahren konnten Fossilienfunde weitere Puzzleteile zum Rätsel beisteuern. Der neuste Fund wurde nun in der Fachzeitschrift Nature beschrieben.

Frontansicht auf den Panzer: eine Karettschildkröte (Foto: Margit Völtz  / pixelio.de)

Frontansicht auf den Panzer: eine Karettschildkröte (Foto: Margit Völtz / pixelio.de)

Der Panzer macht 30% des Körpergewichtes einer Schildkröte aus. Er besteht aus massiven Knochenplatten, die einen Rippenkäfig bilden und sich aus dem Rückenpanzer (Carapax) und dem Bauchpanzer (Plastron) zusammensetzen. Er geht entwicklungsgeschichtlich aus den Wirbelbögen und Rippen hervor und der Schulterknochen hat sich dabei, im Gegensatz zu allen anderen Wirbeltieren, unter die Rippen geschoben. Die Atmung ist ebenfalls speziell angepasst und muss durch Muskelkraft der Extremitäten unterstützt werden.

Eunotosaurus war ein Reptil, welches vor 260 Millionen Jahren lebte und weite flache Rippen besaß. Dieses Tier besaß schon erste Anpassungen, zum Beispiel verlängerte Wirbel, ist aber noch weit von einer Schildkröte entfernt. Odontochelys ist das nächste Fossil in der Reihe. Es wurde 2008 gefunden und ist 220 Millionen Jahre alt. Das Reptil hatte einen bereits voll entwickelten Bauchpanzer. Doch durch diese 40 Millionen Jahre große Lücke konnte man nicht erklären, wie es zur Entwicklung eines kompletten Panzers kam.

Pappochelys, der neuste Fund, füllt die Lücke auf. Es bildet das morphologische Zwischenglied. Übersetzt „Großvater Schildkröte“, war das 240 Millionen Jahre alte Tier 20 Zentimeter groß und hatte noch Zähne, während heutige Schildkröten diese nicht mehr haben. Eine kurze spitze Schnauze und ein langer peitschenartiger Schwanz gehörten ebenfalls in sein Arsenal.

Der Schildkröten-Stammvater besaß paarige Knochen am Bauch, die mit den großen Rippen einen kompletten Käfig bildeten, der den Körper schützte. Außerdem kontrollierte es mit dem Gewicht der Knochen auch den Auftrieb im Wasser. Die Knochen im Bauch sind Bauchrippen, welche man auch bei Krokodilen finden kann. Dies ist der endgültige Beweis dafür, dass sich der Bauchpanzer der Schildkröten aus eben solchen Bauchrippen entwickelt hat und nicht, wie eine alternative Theorie besagte, aus Hautknochenplatten. Ebenfalls zeigt das Fossil, dass sich der Panzer im aquatischen oder semi-aquatischen Lebensstil entwickelte, da das Reptil in Seen lebte. Spätere Vertreter der Schildkröten, welche einen voll entwickelten Panzer besaßen, lebten wohl eher am Land.

Zusammengefasst bildet das neue Fossil Pappochelys eine neue Stufe in der Entwicklung des Schildkrötenpanzers. Man darf gespannt sein, ob in Zukunft weitere Fossilien gefunden werden.

Top 10 der neuen Spezies 2015

Die Entdeckungen sind noch lange nicht ausgeschöpft. Jedes Jahr werden neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Bereits zuvor berichtete Face2Face von den Top 10 der neu entdeckten Spezies. Auch dieses Jahr wurde eine Top 10 Liste vom International Institute for Species Exploration (IISE) aus dem College of Environmental Science and Forestry aus New York erstellt:

  • Das Hühnchen aus der Hölle, Anzu wyliei, ist das einzige Fossil und der einzige Dinosaurier auf dieser Liste. Der gefiederte vogelähnliche Dinosaurier hatte, wie viele andere Tiere aus dieser Gruppe, zu der auf der bekannte Tyrannosaurus Rex gehört, leichte Knochen und einen papageienähnlichen Schnabel.
  • Balanophora coralliformis, ist eine parasitäre Korallenpflanze, die in einer Höhe von 1500m bis 1800m um den Berg Mingan in den Philippinen wächst und ihre Nährstoffe von anderen Pflanzen bezieht. Diese Spezies wurde sofort als kritisch vom Aussterben bedroht angesehen.
  • Cebrennus rechenbergi ist eine agile Spinne, die in der marokkanischen Wüste lebt und sich bei Gefahr davon macht, indem sie einen Radschlag macht.
  • Die X-Phyla ist ein multizellulärer Organismus, der einem Pilz ähnelt.
  • Die Knochenhaus-Wespe hat eine besondere Art des Nestschutzes entwickelt. Die Weibchen dieses schwarzen 1,5 cm langen Insekts legen ihre Eier in abgetrennten Zellen in hohlen Stämmen und töten, als Nahrung, je eine Spinne und legen sie mit in die Zelle. Am Ende verschließt sie dem gesamten Stamm mit 13 toten Ameisen.
  • In Indonesien fand man einen Frosch namens Limnonectes larvaepartus, der als einzige Froschart keine Eier in Wasser legt, sondern lebendige Kaulquappen gebiert.
  • Eine ganze Familie von Insekten sieht zur Tarnung aus, wie ein kleiner Zweig. Phryganistria tamdaoensis ist eine der kleineren Arten aus dieser Familie.
  • Die Seeschnecke Phyllodesmium acanthorhinum gehört zu einer Gruppe von Seeschnecken, die symbiotisch lebende Algen in ihrem Darm haben und durch diese fluoreszierend leuchten.
  • Die Weihnachtsbromelie ist eine Pflanze, die zu den Ananasgewächsen gehört. Die Einheimischen in Mexiko kennen sie schon lange und zu Weihnachtsfeiern genutzt.
  • Der Kugelfisch Torquigener albomaculosus liefert die Erklärung für ein lange ungeklärtes Mysterium. Am Meeresgrund bei Japan fanden Wissenschaftler zwei Meter breite Kreise mit geometrischen Sandskulptur-Zeichnungen. Nun stellte sich heraus, dass dies Nester sind, die von den Männchen dieser Kugelfischart gebaut werden, um Weibchen anzulocken. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern minimieren Meeresströmungen im Zentrum des Nestes. Doch diese Nester werden nur einmal benutzt und dann verlassen.

 

Die Liste der Top 10 wird erstellt, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu wecken und Aufmerksamkeit auf das Feld der Biodiversität und Taxonomie zu lenken. Die IISE hat es sich zum Ziel gemacht, zu inspirieren und zu ermutigen und den Fortschritt in der Taxonomie und die Entdeckung der Spezies der Erde zu voranzutreiben.

Paddington – Ein Bär für jedes Alter

Spätestens seit dem Film „Ted“ mit Mark Wahlberg weiß man, dass Bären nicht nur etwas für Kinder sind, sondern auch Menschen, die älter sind, in ihren Bann ziehen können.

Den neuesten Beweis dafür liefert der Film Paddington. Zugegeben: Der pelzige Tollpatsch war früher zu seinen Trickfilmzeiten eher ein TV-Serien-Star für das Sandmännchen-Publikum, doch was die aktuelle Kinoproduktion angeht, so scheint dies alles Schnee von gestern zu sein. Was zuvor als Gefallen für meine Freundin gedacht war, stellte sich im Nachhinein als Glücksgriff heraus. Die Entscheidung, sich den liebreizenden Bären mit dem modisch fragwürdigen Hut im Kino anzuschauen.

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard  / pixelio.de)

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard / pixelio.de)

Balsam für die Seele. Ein Sprichwort, das schon direkt zu Beginn des Films positiv ausgereizt ist: Auf rührende Art wird die Herkunft Paddingtons erläutert. Welches traurige Schicksal steckt hinter der Tatsache, dass er bei seinem Onkel und seiner Tante in den tiefsten Wäldern Perus lebt? Auch diese Frage beantwortet der Film. Eine genreübergreifende Mischung aus Komödie, Romanze und dem richtigen Anteil Action lässt den Zuschauer in eine andere Welt eintauchen und fasziniert jeden Schritt des kleinen Bären in eine für ihn ebenso fremde Welt verfolgen. Wer nach Betrachten des Filmplakates dachte: „Was ist das nur für ein schräger, alter Hut?“, dem leisten die Drehbuchautoren Abhilfe und präsentieren sogar dessen nicht ganz unwichtige Geschichte, sowie nebenbei eine Möglichkeit, künftig Marmeladenbrote für den Notfall aufzubewahren.

Die Worte „ein erwachsen gewordener Kinderfilm“ würde diese Produktion am besten beschreiben. An Weisheiten für das Leben wird nicht gespart, dafür aber das vermeintlich unrealistische Zusammenleben zwischen Vorstadtfamilie und Bären an den richtigen Stellen in Szene gesetzt und so der Wille nach einem pelzigen Freund für jedes Alter gestärkt.

Oft verschmilzt die Grenze zwischen Tier und Mensch. Paddington ist uns in dem Film sehr ähnlich, hat meist ähnliche Probleme, Sorgen oder Bedürfnisse. Nicht zuletzt deswegen kann der Zuschauer sich gut mit ihm identifizieren und in seine Lage hineinversetzen. Auch für Elyas M’Barek Fans lohnt es sich. Zwar ist er selbst nicht zu sehen, als sanfte und sympathische Stimme Paddingtons jedoch zu hören.

 

 

Gleich knallt’s

Gleich knallt's. Das neue Jahr wird mit lauten Böllern eingeleitet (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Gleich knallt’s. Das neue Jahr wird mit lauten Böllern eingeleitet (©Tim Reckmann / pixelio.de)

„Peng“, knallt es auf der Straße und hallt nach. Gleich noch einmal. „Peng.“ Es ist kaum Mittag am Vortag zu Sylvester und ich hab schon jetzt genug von dem Geknalle. Eigentlich seit Weihnachten vorbei ist höre ich die Böller explodieren und rieche immer mal wieder den Gestank des Schwarzpulvers auf der Straße. Ich ärgere mich schon jetzt und weigere mich, sogenannte „Knaller“ zu kaufen. Selbst die, die mein Sohn geschenkt bekommen hat, verweilen seit einem Jahr in einer Tüte und falls sie da nächstes Jahr noch liegen, wandern sie in den Müll.

Sylvester und ich vertragen uns dabei eigentlich ganz gut. Ich mag es, mich mit Freunden oder der Familie zusammenzusetzten, das letzte Jahr zu resümieren und mich darauf zu freuen, was alles im nächsten passieren kann. Es ist irgendwie ein Abend, wie alle anderen, nur dass Dinner for one läuft und wir uns in Gruppen versammeln. Seit wir Kinder haben, feiern wir dabei oft zu Hause, manchmal auch einfach nur für uns. Was brauchen wir da Knaller?

Je lauter, desto beliebter: Doch nicht alle haben ihren Spaß daran (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Je lauter, desto beliebter: Doch nicht alle haben ihren Spaß daran (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Die Tradition der lauten Böller kommt ja daher, dass die Menschen die bösen Geister für das nächste Jahr vertreiben wollten. Das weiß heute kaum ein Dreikäsehoch, der die lautesten seines Sortiments schon vor der eigentlichen Stunde 0 verschießt. Und so wie es auf der Welt aussieht, bezweifle ich, dass lautes Geknalle Geistern noch Schrecken einjagen würde. Es erschrecken sich dafür die Hunde und Katzen, die draußen oder drinnen am liebsten einfach nur davon rennen wollen. Für die empfindlichen Ohren der Tiere sind Knaller die reinste Tortur. Ich will gar nicht an die Vögel und Wildtiere denken, die auch noch davon betroffen sind.

Daneben, seien wir ehrlich, ist so ein Böller absolut nicht förderlich für die Umwelt. Die Gase, die wir an Sylvester jedes Jahr in die Luft pfeffern, bringen nicht nur uns selbst zum Röcheln und können uns die Tränen in die Augen treiben – sie verpesten geradezu auf einmal die Atmosphäre in erschütterndem Ausmaß. Wo Autos auf Feinstaubplaketten achten müssen, sind in Böllern und auch Raketen Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickstoff – von Farbzusätzen, damit es bunt wird mal ganz abgesehen. Gesund ist das jedenfalls nicht.

Schön aber schädlich: Sylvester ist kein Umweltfreund (©Daniela Berghold / pixelio.de)

Schön aber schädlich: Sylvester ist kein Umweltfreund (©Daniela Berghold / pixelio.de)

Mir jedenfalls reicht auch eine Wunderkerze, um ein paar Funken an Sylvester zu streuen. Und die machen auch meinen Kindern am meisten Spaß. Ja, haltet mich für langweilig, spießig und doof, aber so ist das nun mal. Ich kann der Böllerei so wenig abgewinnen, wie den roten Nasen zwei Monate später. Und wenigstens sparen wir uns das Geld, anstatt es in die Luft zu jagen. Gut, zugegeben, eine kleine Packung Raketen schafft mein Mann dann doch jedes Jahr an und es gibt ein paar brave „Ohhs“ und „Ahhs“, wenn sie hochgehen. Aber nach 27 Jahreswechseln, von denen ich bestimmt mehr als einen gediegen verschlafen habe, finde ich etwas Ruhe, um ein neues Jahr einzustimmen wesentlich angenehmer, als noch mehr Krach. Vielleicht wird dann ja auch das nächste Jahr ein gemütlich ruhiges. Ein Versuch wäre es zumindest wert.