Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

„Wir sind freundlich begrüßt worden – von Menschen, Frauen und Kindern.“

Und wieder ein Jahr, das mit großen Schritten dem Ende entgegenschreitet. Auch in der Sportwelt hat sich 2014 einiges ereignet. Große Triumphe, bittere Niederlagen, Drehbuchreife Dramen und unzählige Sprüche, die diese Ereignisse mit dem gewissen Etwas gewürzt haben.

Das Jahr 2014 war noch recht jung, da fanden im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele statt. Überschattet von den politischen Verhältnissen vor Ort standen die Spiele von Beginn an in der Kritik. Schön, dass die deutschen Sportler mit ihren Mannschaftsoutfit ein inoffizielles Statement abgaben: „Lieber bunter Vogel als graue Maus – die Bunte Republik Deutschland lässt grüßen“, sagte Chef de Mission Michael Vesper nach der Eröffnungsfeier.

Aus rein sportlicher Sicht waren vor allem die (voraussehbaren) milden Witterung ein Graus. Kein Wunder, dass sich die Sportlerinnen und Sportler recht dünn für eine Winterolympiade anzogen. „Ich war so dünn wie möglich angezogen. Ich trug dieses nur, weil ich überhaupt etwas anhaben musste.“(Die norwegische Langläuferin Marit Björgen nach dem 10-Kilometer-Klassikrennen über die Wärme in Krasnaja Poljana) Aber nicht nur das Wetter, auch die Strecken oder Abfahrten hatte es in sich. Gut, dass die österreichische Skirennfahrerin Michaela Kirchgasser nicht so viel an ihrem Körper trug, als sie nach der Abfahrtsstrecke in der Super-Kombination bibberte: „Zwischendrin, glaub‘ ich, ist doch ein bisschen was in die Hose gegangen – nee, aber das ist schon heftig.“

Klar, dass da die deutsche Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger bei so vielen intimen Einblicken Ihrer Kolleginnen, im Bett klare Grenzen setzt und betont: „Mein Schlitten schläft nicht bei mir im Bett. Der hat seine eigene Decke.“ Rodler-Kollegin Tatjana Iwanowa hatte nach den Kommentaren genug gehört und antwortet auf den Vorschlag eines Frauen-Doppelsitzers mit ernster Stimme: „Das wäre zu viel. Zwei Mädels in einem Raum gibt Chaos. Wenn zwei Mädels auf einem Schlitten säßen, würde sie sich gegenseitig die Augen auskratzen.“

Einer der prägendsten Triumphe der Olympiade war aus deutscher Sicht sicherlich der Sieg beim Teamwettbewerb der Skispringer. Bundestrainer Werner Schuster war vor dem Springen für alle Eventualitäten gewappnet und verriet den anwesenden Pressevertretern: „Ich hätte bei einem Misserfolg drei Argumente parat, warum es nicht geklappt hat. Die habe ich wieder in die Schublade getan und nehme sie das nächste Mal mit.“ Das nächste Mal könnte indes schon der Auftakt zur Vierschanzentournee sein. Dort hatten die deutschen Springer nämlich wirklich einen Misserfolg zu verbuchen…

Nach dem Winter kommt der Frühling und dann, ja dann kommt endlich der Monat, auf den die meisten Einwohner in Deutschland gewartet haben: Der Sommer. Und mit ihm auch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Wie es Ex-Fußballer Andreas Möller trotz seiner fragwürdigen Geographiekenntnisse „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“, indes geschafft hatte, sich ordnungsgemäß in Brasilien einzufinden, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

Auch was sich DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock mit dem Satz „Wir sind freundlich aufgenommen worden – von Menschen, Frauen und Kindern“ wirklich gedacht hat, ist noch nicht ganz geklärt. Die deutsche Nationalmannschaft jedenfalls marschierte als Gruppenerster souverän ins Achtelfinale und bekam es dort mit dem großen Außenseiter Algerien zu tun. Der Respekt des Gegners war vor dem Duell riesig. Algeriens Nationaltrainer Vahid Halilhodzic ließ deshalb auch auf der Pressekonferenz verlauten: „Wenn Deutschland fünf Möglichkeiten bekommt, erzielen sie sechs Tore.“ Dass die Partie alles andere als glatt für die deutsche Elf verlief und der Sieg erst nach Verlängerung eingefahren werden konnte, sorgte für einige offene Fragen bei den Journalisten. Fragen, die der deutsche Verteidiger Per Mertesacker so gar nicht nachvollziehen konnte und dem ZDF-Reporter Boris Büchler die schon legendären Sätze entgegnete: „Wat woll’n Sie jetzt von mir?“, „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie eine Karnevalstruppe?“, „Ich lege mich jetzt erstmal für drei Tage in die Eistonne“, „Ich verstehe die ganze Fragerei nicht.“

Nach Algerien war vor Frankreich für die DFB-Elf. Das Spiel wurde 1:0 gewonnen. Die Hitze am späteren Finalspielort in Rio war aber unerträglich. Klar, dass da Thomas Müller mit einem Spruch um die Ecke kam und dem Kaktus huldigte: „Es war schon wie in einer Grillbude. Da merkt man erst mal, was für ein faszinierendes Gebilde ein Kaktus ist, da nicht einzugehen.“ Der Brasilianische Superstar Neymar gab sich, angesprochen auf sein Talent, nicht ganz so bescheiden. Vor dem Viertelfinalspiel gegen Kolumbien ließ er verlauten: „Klar habe ich eine Gabe. Aber ich nehme das Training als Spiel. Und das Spiel gehe ich an, als ob Krieg ist.“ Das Ende vom Lied: Dem Brasilianer wurde der dritte Lendenwirbel im Rücken gebrochen und die WM war für ihn damit gelaufen.

Beim Halbfinale Brasilien gegen Deutschland, sorgten die Deutschen mit einem 7:1-Erfolg für eine Geschichtsträchtige Partie. Doch die DFB-Elf feierte diesen Triumph nicht überschwänglich und tröstete die geschlagenen Brasilianer noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Der Spruch von Nationalspieler Toni Kroos: „Weltmeister ist noch niemand im Halbfinale geworden“, steht sinnbildlich für den Charakter der deutschen Mannschaft. Der Sportartikelhersteller Adidas gab sich da schon eher optimistisch. Mit dem Werbespruch „Nur noch kurze Zeit erhältlich – Deutschland-Trikot mit 3 Sternen,“ sprachen sie vielen deutschen Fans aus der Seele.

Dass das Endspiel dann an Spannung kaum zu überbieten war, ist bekannt. Einer, der sich während dem Turnier mit spannenden wie engen Spielen auskannte war Arjen Robben, der nach dem dritten gedrehten Spiel der Niederländer in die Kamera lächelte: „Ich glaube, die Kardiologen in Holland sind sehr glücklich mit uns.“ Dass sein Nationalmannschaftskollege Nigel de Jong herausstellte, „Ich finde eine fantastische Grätsche, mit der ich einen Treffer verhindere, viel geiler als ein Tor oder eine Vorlage“, ist vielleicht auch ein Grund, warum die Holländer ab dem Viertelfinale kein Tor mehr erzielen sollten.

Treffen wie er wollte konnte auch in diesem Jahr wieder der deutsche Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Als er erst vor kurzem durch seine 14 Punkten über die Los Angeles Lakers auf den achten Platz der ewigen NBA-Scorerwertung kletterte, sagte der 36-Jährige mit seinem typischen Humor: „Ich bin einfach nur glücklich, dass ich Teamkollegen habe, die mich in die richtige Position bringen. Auch wenn ich schon etwas älter bin.“ Den Druck spürt Nowitzki, der in seiner Karriere bereits alles erreicht hat, bestimmt nicht mehr so sehr. Obwohl, den haben die Holländer, insbesondere Klaas Jan Huntelaar, beim Spiel gegen Mexiko auch nicht gespürt. „Der Druck war weg“, sagte er nachdem er vor seiner Einwechslung gegen Mexiko nochmals auf Toilette musste und danach per Strafstoß das 2:1-Siegtor für Oranje erzielte…

Vorschau: Die Darts WM in London ist im vollen Gange. Doch wer holt sich den Titel?

Und dann kam Götze

AUS, AUS, AUS – DEUTSCHLAND ist WELTMEISTER! Mit dem 1:0-Finalsieg über Argentinien sicherte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den vierten Weltmeistertitel in ihrer Geschichte. Face2Face fasst für euch alle wichtigen sportlichen Ereignisse, Fakten und Geschichten der vergangenen 32 Tage zusammen. 

BEZWINGER DES KONTINENTS: Das wichtigste Faktum zuerst: Mit dem Erringen des vierten Weltmeistertitels ist Deutschland das erste europäische Land überhaupt, das einen Fußballtriumph auf dem amerikanischen Kontinent feiern konnte. 

FANS: Was für eine Stimmung, was für ein Fest! In vollen Stadien machten die Fans aus Südamerika die WM zu einem einmaligen Erlebnis. Die Straßen von Rio bis Sao Paulo waren stimmgewaltig, schrill und farbenfroh. Da machten auch die Gäste aus Europa gerne mit. 

JAMES: Vor der Weltmeisterschaft nur wirklichen Insidern ein Begriff, kennt den jungen Mann aus Kolumbien mittlerweile die ganze Fußball-Welt. Atemberaubend sein Tor gegen Uruguay, bei dem er den Ball zunächst mit der Brust annahm, um ihn dann aus der Drehung unter der Latte zu versenken. 

TRETER: Weniger erfreulich waren dagegen die Großzahl an Fouls, die alle Zuschauer im Stadion und vor dem Fernseher miterleben mussten. Ausgerechnet im künstlerischen Brasilien feierten die Klopper und Meister der Blutgrätsche ihr Comeback. „Höhepunkt“ der Treterei war das Viertelfinalspiel zwischen Brasilien und Kolumbien. In diesem wurden insgesamt 54 (!) Fouls gezählt, aber nur vier Verwarnungen in Form einer Karte verteilt. Prominentestes Opfer: Neymar, der sich nach einem brutalen und nicht geahndeten Foul von Zuniga einen Wirbelbruch zugezogen hatte. 

TORLINIENTECHNIK & SCHAUM : Drin oder nicht drin? Das ist beim Fußball eine oft gestellte Frage. Auch wenn die neue Technik nur beim Spiel zwischen Frankreich und Honduras wirklich auf dem Prüfstand stand – sie hat ihre Reifeprüfung bestanden. Genauso wie das viel diskutierte und parodierte neue Schiedsrichterutensil – der Freistoßschaum. 

KEINE HYMNE: Stichwort Frankreich gegen Honduras. In der Gruppenbegegnung hatte die Stadionregie scheinbar so große Tonprobleme, dass die jeweilige Hymne der beiden Länder erst gar nicht abgespielt wurde. Frankreich kam auch ohne „Warmsingen“ zurecht und entschied die Begegnung letztlich mit 3:0 für sich. 

SUAREZ:  Ups I did it again. Der Uruguayer Luis Suarez hat es schon wieder getan. Der Ex-Liverpoolspieler und jetzige Akteur des FC Barcelona biss sich bei der WM regelrecht in seinen Gegenspieler Giorgi Chiellini fest. Nicht seine erste Beisattacke: Bereits in der Vergangenheit ist der Stürmer bei seinen Clubs durch Bisse gegen seine Gegenspieler aufgefallen. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Vier Monate Sperre bekam er für seine Bissfestigkeit aufgebrummt.

TRIKOTTAUSCH: Nicht schön, aber selten. In der Vorrundenpartie zwischen Kroatien und Kamerun legten der Kroate Ivan Rakitic und Kameruns M’Bia einen Trikottausch der anderen Sorte hin: Da bereits alle Leibchen vergriffen waren, tauschten die beiden ehemaligen Kollegen des FC Sevilla einfach ihre Hosen. 

Noch etwas nackt auf der Brust: Das Deutschland-Trikot mit (nur) drei Sternen (FOTO: Privat)

Noch etwas nackt auf der Brust: Das Deutschland-Trikot mit (nur) drei Sternen (FOTO: Privat)

MANU DER LIBERO: Manuel Neuer hat bei der abgelaufenen Weltmeisterschaft abermals unterstrichen, dass er momentan der beste Torwart der Welt ist. Und das nicht nur, weil er wie kein anderer Bälle halten kann, sondern auch, weil er als Spieler auf dem Feld eine ordentliche Rolle spielen würde. In der Achtelfinalpartie gegen Algerien hat Neuer das eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er nicht nur einmal den Ball vor einem heranstürmenden Algerier klärte. „Manu der Libero“ beherrschte danach die Schlagzeilen in der ganzen Republik. Der „Goldene Handschuh“ für den besten Torwarts des Turniers war die logische Konsequenz. 

ASIEN: Null Siege, kein Team in der K.o.-Runde. Asien ist der Verlierer-Kontinent des Turniers. Wer geglaubt hatte, Klima und Spielstil würden Mannschaften wir Südkorea und Japan entgegenkommen, irrte sich gewaltig. 

THOMAS MÜLLER: Was wäre die WM aus deutscher Sicht ohne die Tor- und Spaßkanone Thomas Müller. Dass der 25-Jährige nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb fast immer die richtigen Töne trifft, zeigten nicht zuletzt seine locker leichten und damit sympathischen Interviews. Beispiel gefällig? Auf die Frage einer kolumbianischen Journalisten nach der entgangenen Torjägerkanone antwortete er lautstark in bayrischem Dialekt: „Des interessiert mi ois ned, der Scheißdregg, Weltmeister samma – den Pott hamma. Den Scheißdregg „Goidna Schua“ konnst da hinda d’Ohrn schmiern.“ Kollege Bastian Schweinsteiger neben ihm lachte sich halb tot. 

GOLDENER BALL: Mit dem goldenen Ball wird der beste Spieler der Weltmeisterschaft ausgezeichnet. Bei diesem Turnier wurde das begehrte Objekt an Argentiniens Lionel Messi übergeben. Ein schwacher Trostpreis für den niedergeschlagenen Wunderknaben. Besonders bitter: Die Ehrung war keineswegs unumstritten. Der „Floh“, wie er von seinen Teamkollegen liebevoll gerufen wird, hat seine Mannschaft zwar mit vier geschossen Toren alleine durch die Vorrunde getragen, danach kam von Messi aber bis auf eine Vorlage nichts mehr Zählbares heraus. Selbst Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona übte Kritik an der Übergabe: „Er wurde mit etwas ausgezeichnet, was er nicht verdient hatte“, zürnte er. 

SALTO KLOSE: Mit seinen nun 16-WM-Toren ist Miroslav Klose endgültig im Fußball-Olymp angekommen. Auch wenn sein jahrelanges Jubelmarkenzeichen, der Salto, bei seinem 15. Treffer gegen Ghana etwas daneben ging, seinen Triumph nimmt ihn keiner mehr. Übrigens: Mit 24 Einsätzen hat Klose nach Lothar Matthäus (25) die meisten WM-Spiele aller deutschen Nationalspieler vorzuweisen. 

113. MINUTE: Und dann kam Götze. Eine Zahl, die einigen Fußballfans wohl noch lange mit der siegbringenden Aktion gegen Argentinien in Erinnerung bleiben wird. Ein Schuss für die Ewigkeit, ein Schuss, der dem Deutschen Fußballbund (DFB) den vierten Stern brachte. Und knapp sieben Minuten später wurde die Partie abgepfiffen: Aus, aus, aus – Deutschland ist Weltmeister.

Rooney und ein Bier

Dass sich Pep Guardiola bereits bestens beim FC Bayern München eingewöhnt hat, brachte der 43-Jährige vor der vergangenen Partie beim FC Augsburg zum Ausdruck: „Die Bundesliga ist für uns beendet. Wir haben die Liga gewonnen“, machte der Spanier, nicht ohne die scheinbar nötige Bayern-Arroganz, deutlich, dass es für den Rekordmeister nur noch zwei Prioritäten gibt: Die Champions League und den DFB Pokal. 

Vor allem erst Genanntes genießt beim FCB besondere Aufmerksamkeit. Der Titelverteidiger möchte die Champions League verteidigen. Es wäre die erste Titelverteidigung seit Gründung dieses Wettbewerbes 1992. 

Guardiola weiß, dass die Bewertung seiner ersten Saison bei den Bayern überwiegend an der Königsklasse gemessen wird. Dort steht der FC Bayern momentan im Viertelfinale – genauer gesagt im Viertelfinal-Rückspiel. Gegner ist Manchester United. Der Rekordchampion von der Insel steckt im heimischen Ligaalltag in der Krise, wird sich nächste Saison wahrscheinlich nicht für die Champions League qualifizieren können. Dennoch zeigt United, dass es international mithalten kann. Im Achtelfinale egalisierte Wayne Rooney und Co. eine 0:2-Hinspielniederlage bei Panathinaikos Athen und ermauerte sich im Hinspiel gegen den FC Bayern ein beachtenswertes 1:1-Unentschieden.

Grundsätzlich stehen die Bayern vor dem heutigen Rückspiel (20.45 Uhr / Live auf ZDF) nicht unter Druck. Ein erzieltes Auswärtstor kann goldwert sein. Allerdings wissen die Münchener auch, dass solch ein 1:1-Unentschieden trügerisch sein kann. Dementsprechend wollen sie gegen die defensiv auftretenden Gäste aus Manchester auch auf Angriff spielen. FCB-Kapitän Philipp Lahm forderte deswegen auch vor der Partie: „Wir müssen die Nerven bewahren, wir wollen nicht abwarten. Wir wollen so spielen, wie wir immer spielen. Mit viel Ballbesitz, dann im richtigen Moment attackieren“, machte Lahm deutlich, in welche Richtung die Partie verlaufen soll. Einer, der bei der Umsetzung dieser Forderung nicht helfen kann ist FCB-Akteur Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldregisseur sah in Manchester nach einem vermeintlichen Foul an Wayne Rooney die Gelb-Rote Karte und ist damit für das Rückspiel gesperrt. „Nicht nur das Fehlen von Bastian Schweinsteiger belastet uns, wir haben nicht so die große Auswahl, die wir sonst haben. Am Ende der Saison braucht man jeden Spieler“, verweißt Lahm auf die momentane Verletzungsmisere des Rekordmeisters. Neben Schweinsteiger werden den Münchenern auch Javi Martinez (gesperrt), Thiago und Xherdan Shaqiri (beide verletzt) definitiv fehlen. Dafür dürfte der Rest der Meisterschaftstruppe aber gut ausgeruht in diese Begegnung gehen. Lahm Franck Ribèry und Arjen Robben bekamen von Cheftrainer Guardiola am vergangenen Wochenende gegen den FC Augsburg komplett frei. Die Stammkräfte Dante, Rafinha, Jerome Boateng, Mario Götze, Thomas Müller und David Alaba saßen nur auf der Bank.

Einer, der den Bayern besonders gefährlich werden könnte, ist der bereits angesprochenen Wayne Rooney. „Er ist sehr gefährlich, wir müssen ihn immer im Auge behalten“, warnte Dante vor dem Sturmtank. Der Einsatz des englischen Nationalspielers steht aber bis zuletzt auf der Kippe. Wenn es nach Guardiola geht, wird die United-Legende am heutigen Abend aber zu 100 Prozent in der Münchener Allianz-Arena auflaufen. „Er wird spielen, zu 100 Prozent. Große Spieler spielen in großen Spielen. Ich wette um ein großes Bier, dass er spielen wird“, sagte Guardiola und ergänzte: „Es hängt von uns ab, ob wir weiterkommen. Von Details, von unserer Leidenschaft, von unserem Willen. Das Gute ist: Wir kennen jetzt Manchester United, wir wissen jetzt, was diesen Verein auszeichnet. Wenn jeder Spieler von uns sagt, wir werden das schaffen, dann schaffen wir das.“

Dortmund vs. Bayern in Wembley?

Es ist das Jahr der deutschen Teams in der Championsleague. Das deutsche Meisterteam des FC Bayern München schoss sich mit einer wahren Fußballgala gegen die vermeintlich beste Mannschaft der Welt, den FC Barcelona, in eine hervorragende Ausgangssituation in Hinsicht auf das Endspiel im Wembley-Stadion in England.

 Im Hinspiel brillierten die Bayern mit 4:0 vor heimischem Publikum in der Allianz-Arena, ein grandioses Spiel, vor allem für Thomas Müller. Der Rechtsaußen-Spieler war immer da, wenn er gebraucht wurde, bereitete Tore vor, ließ die Gegner auflaufen – und schob den Ball auch selbst über die Torlinie. Von den Katalanen aus Barcelona war im Münchner Hexenkessel kaum etwas zu sehen – trotz der höheren Ballbesitzquote konnten die Spanier kaum Torchancen herausspielen. Einzig Weltfußballer Lionel Messi kam Münchner Torwart Manuel Neuer gefährlich nahe, wurde jedoch von Dante ausgebremst. Ansonsten konnte der Argentinier seine Spielstärke nicht zeigen, wurde aus dem Spiel genommen und dadurch wurde auch das berühmt-berüchtige Kurzpassspiel der Spanier unterbunden. Das Rückspiel wird in Spanien stattfinden – fünf Tore müssten die Jungs unter Barcelona-Trainer Tito Vilanova schießen (und das ohne Gegentor), um ins Finale zu kommen. Eine schier unmögliche Aufgabe bei der derzeit überragenden Form der FC Bayern-Spieler.

Der bereits sichere Final-Kandidat aus Deutschland ist die Truppe um den Noch-Dortmunder (und bald FC Bayern-Spieler) Mario Götze. Borussia Dortmund hat nach der letztjährigen verkorksten CL-Saison, bei der sie bereits frühzeitig ausschieden, gezeigt, dass sie auch international zu den ganz Großen gehören. Sprach man ihnen die letzte Saison noch Nervosität vor internationaler Stärke und Unerfahrenheit zu, ließen sie in diesem Jahr keine Zweifel an ihren Ambitionen, ganz oben mitzuspielen. Im Hinspiel besiegten sie Spieler von Real Madrid mit 4:1. Im Signal Iduna Park patzte einzig Mats Hummels – diesen Fehler nutzte Reals Superstar Cristiano Ronaldo eiskalt aus und machte das Tor. Ansonsten kann das Spiel nur als Lewandowski-Gala bezeichnet werden – alle vier Treffer gingen auf das Konto des polnischen Nationalspielers. Nach diesem Spiel dürfte der Marktwert des ohnehin schon auf dem Transfermarkt umkämpften Dortmunders noch etwas höher geworden sein. Im Rückspiel ließen es die Rheinländer etwas ruhiger angehen – ein 2:0-Sieg der Madrilenen reichte den Dortmundern dennoch für den Einzug ins Finale. Und doch war es gegen Ende spannend, nach 83 Minuten torlosen Fußballs schossen Sergio Ramos und Karim Benzema die Spanier in Reichweite – ein 3:0 hätte ihnen zum Finale gereicht.

Ein deutsch-deutsches Finale ist nun kein Traum mehr, sondern höchstwahrscheinlich. Der FC Bayern wird am heutigen Mittwoch, den 1. Mai kaum eine plötzliche Formschwäche erreichen und fünf Tore des FC Barcelona zulassen. Championsleague-Finalbegegnungen aus demselben Land gab es bis jetzt erst zwei Mal in der Geschichte, 2000 spielte Madrid gegen Valencia und 2008 Manchester United gegen den FC Chelsea. Chancen auf den Sieg werden eher dem FC Bayern zugerechnet, sieht man sich deren Dominanz und spielerische Größe in der Bundesliga an. Doch wer weiß – die Borussen aus Dortmund sind immer für eine Überraschung gut.

Vorschau:

Enger Kampf ums Halbfinalticket

Heute erwartet Fußballdeutschland ein echter Pokalhochgenuss! Wenn um 20:30 Uhr der FC Bayern München den deutschen Meister Borussia Dortmund in der heimischen Allianz Arena empfängt, werden Millionen von Fußballbegeisterten vor den Fernsehgeräten platz nehmen. Das letztjährige DFB-Pokalfinale findet in dieser Saison bereits im Viertelfinale statt. Face2Face macht wenige Stunden vor dem Anpfiff eine Analyse, wer beim Kampf um das Halbfinalticket die Nase vorne hat.

Die Abwehr: Bayern München stellt mit gerade einmal acht Gegentoren den besten Defensivverbund Europas. Mit dem Brasilianer Dante bekamen die Münchner einen echten Stabilisator in die Mannschaft. Selbst den Ausfall von Nationalverteidiger Holger Badstuber konnte die Abwehrreihe problemlos kompensieren. Ein Gegentor gegen diese „Mauer“ zu schießen ist schwierig, bei einem engen Spielgeschehen fast unmöglich.

Die Dortmunder haben im Gegensatz zur vergangenen Saison etwas Probleme in der Defensive. 23 Spieltagen stehen 27 Gegentore gegenüber. Zum Vergleich: Nach den gesamten 34 Spieltagen der vergangen Saison musste der BVB nur 25 Gegentore hinnehmen. Dennoch stellt die Borussia mit Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Neven Subotic und Lukas Piszeck viel Qualität und die drittbeste Abwehrreihe der Bundesliga auf den Platz.
Vorteil: Bayern München

Das Mittelfeld: Beim FCB drängen sich mit Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, Frank Ribéry und Arjen Robben nur so die Superstars im Mittelfeld. Klar, dass es da auch mal zu unzufriedenen Gesichtern kommt. Zuletzt beim Holländer Robben zu sehen, der sich über sein andauerndes Reservistendasein beschwerte. Beim Pokalknaller wird der Flügelflitzer aber wieder von Beginn an auf dem Platz stehen. Er ersetzt den gesperrten Ribéry.

Beim deutschen Meister muss sich das Traumduo Mario Götze/Marco Reus sicher nicht vor der bayrischen Flügelzange Ribéry/Robben verstecken. Auch der Pole Jakub Blaszczykowski hat schon mehrmals bewiesen, dass er das Zünglein an der Wage sein kann. Mit Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl, Sven Bender, Moritz Leitner und Rückkehrer Nuri Sahin besitz der BVB ein Überangebot an hochkarätigen Spielern auf der sogenannten Sechserposition, bei dem jeder, jeden nahezu gleichwertig ersetzen kann.
Vorteil: Unentschieden 

Der Sturm: Mario Gomez, Mario Mandzukic, Claudio Pizzaro – Namen, die das Herz eines Fußballbegeisterten höher schlagen lassen. Der FCB verfügt im Angriff über drei hervorragende Angreifer. Mandzukic führt zusammen mit dem Leverkusener Stefan Kießling die Torschützenliste an. Nationalspieler Gomez scheint ohnehin eine Torgarantie gepachtet zu haben und auch der Peruaner Pizarro ist immer für einen Treffer gut. Egal wer aus diesem Trio spielt: Bayern ist im Sturm immer Top besetzt.

Auch Dortmund hat mit Robert Lewandowski eine Granate im Angriff zu verzeichnen. Kein Wunder, dass sich schon seit Wochen hartnäckige Gerüchte um ein Münchner Werben für den Polen halten. Doch hinter dem Torjäger ist mit Julian Schieber nicht die gleiche Qualität vorhanden, wie beim FC Bayern. Glück für die Borussia, dass auch ein Götze oder Reus diese Position erfolgreich ausführen können.
Vorteil: Unentschieden

Die Bank: Die Münchener haben aus den vergangenen beiden Jahren, und vor allem aus dem Champions League-Finale, gelernt und in dieser Saison ihre Bank deutlich aufgebessert. Wer es sich leisten kann einen Spieler vom  Format eines Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen, der hat alles, nur keine schwachen Alternativen. Auch die Reservisten im Mittelfeld oder der Abwehr hätten bei anderen Bundesligisten einen Stammplatz sicher.

Bis auf die starken Ersatzspieler im Mittelfeld, ist beim BVB ein Qualitätsabfall auf der Bank zu verzeichnen. Sollte etwa ein Außenverteidiger oder Lewandowksi mal ausfallen, steht kein gleichwertiger Ersatz parat und Trainer Jürgen Klopp wäre zum Experimentieren gezwungen.
Vorteil: Bayern München

Fazit: Von der Papierform her geht der FC Bayern München als Favorit in die Begegnung. Wer zu Hause spielt und die Liga mit 17 Punkten Vorsprung anführt, kann sich dagegen auch kaum erwehren. Allerdings ist die Borussia aus Dortmund der Angstgegner der Münchener. Dass die Schwarz-Gelben in der Allianz Arena bestehen können, haben sie in den letzten Auftritten dort eindrucksvoll bewiesen. Somit wird dieses Pokal-Viertelfinale eine ganz enge Kiste, bei der Nuancen den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer ausmachen können. Auch eine Entscheidung durch Elfmeterschießen ist durchaus zu erwarten.

Vorschau:  Nächste Woche erscheint ein Nachbericht über die nordische Ski-WM in Italien.