„Wildes Wohnzimmer“, Teil 1

„Reptilien sind nicht zum Kuscheln da“

Hund, Katze, Maus: Die normalen Haustiere sind heutzutage für viele Tierliebhaber nicht mehr außergewöhnlich genug. Deshalb halten immer mehr Menschen in den eigenen vier Wänden etwas exotischere Lebewesen. In meiner Serie „Wildes Wohnzimmer“ portraitiere ich Tierfreunde mit extravaganten Haustieren.

Nicht zum streicheln, sondern zum anschauen da: Wasseragamen (Foto: Ofer)

Nicht zum Streicheln, sondern zum Anschauen da: Wasseragamen (Foto: Ofer)

„Ich könnte stundenlang vor dem Terrarium sitzen und ihnen zusehen“, erklärt Philipp Ofer aus Dudenhofen. Der 29-jährige hat drei grüne Wasseragamen und eine Wasserschildkröte zu Hause. „Ich war schon immer fasziniert von Reptilien, besonders von Eidechsen und Krokodilen, aber Wasseragamen finde ich wirklich am schönsten“, sagt Ofer. Besonders die Haut der Agamen finde er faszinierend.

Seit zehn Jahren hält er sie bei sich zu Hause, vor drei Jahren sind sogar zwei Junge geschlüpft. „Nachdem sie auf der Welt waren, habe ich die jungen Agamen gleich in ein anderes Terrarium gesetzt, weil sie sonst von ihren Eltern attackiert oder sogar aufgefressen werden“, berichtet der Dudenhofener. Die Tiere seien nicht sehr fürsorglich und verteidigen immer sehr stark ihr Revier.

„Im Alltag sind Wasseragamen nicht so spannend, weil sie sich wenig bewegen und auch nicht die Nähe zum Menschen suchen“, erklärt Ofer. „Aber Reptilien sind ja auch nicht zum Streicheln und Kuscheln da“, fügt er hinzu. Zwar ließen sie sich auf den Arm nehmen, aber irgendwann hätten sie dann auch genug.

Die Jungen aber rennen ihm hinterher und benutzen ihn als Kletterbaum, wenn er sie mal aus dem Terrarium hole. „Nachdem sie gefressen haben, sind sie oft aktiver und laufen ein bisschen in ihrem Terrarium herum“, weiß Ofer.

Ein faszinierendes Hobby: Reptilien im eigenen Haus (Foto: Ofer)

Ein faszinierendes Hobby: Reptilien im eigenen Haus (Foto: Ofer)

Lebendige argentinische Schaben und Heuschrecken stünden meistens auf dem Speiseplan. „Die Agamen mögen alles, was kreucht und fleucht, nur keine Mäuse“, berichtet er.

Die Wasserschildkröte füttere er oft mit bestimmten Sticks für Reptilien. „Manchmal verwechselt die Schildkröte daher auch die Schwänze der Agamen mit den Sticks und beißt zu“, erzählt Ofer. Ansonsten würden sich die Tiere alle aber recht gut vertragen.
Weil sie das Fleisch nicht annähmen, müsse er immer wieder Vitaminpulver dazu füttern. „Ansonsten ist die Haltung von Agamen aber nicht sehr aufwändig. Alle paar Monate muss ich den Boden richtig putzen, ansonsten hält der Filter im Wasser alles sauber“, so der Dudenhofener.

Findet Philipp Ofer besonders schön: Grüne Wasseragamen (Foto: Ofer)

Findet Philipp Ofer besonders schön: Grüne Wasseragamen (Foto: Ofer)

„Man kann die Haltung von Reptilien gar nicht vergleichen mit den Bezug zu normalen Haustieren“, berichtet der 29-jährige. Die Reptilien lebten einfach so vor sich hin, machten aber, auch wegen dem ausgestatteten Terrarium, sehr viel her. „Einen richtig emotionalen Bezug entwickelt man zu Reptilien aber nicht“, so Ofer.,„nachdem ich schon immer Katzen und Hunde hatte und das für mich Normalität war, hat es mich aber einfach gereizt, auch mal ein außergewöhnlicheres Lebewesen zu halten“.

Vorschau: In der nächsten Woche erfahrt ihr mehr zum Thema Wale.

Anfassen ein absolutes No-Go

„Die sind doch giftig oder?“ : Das ist normalerweise die erste Frage, die ich gestellt bekomme, wenn ich den Leuten von meinen „exotischen“ Haustieren – von Skorpione – erzähle. Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja, alle Skorpione sind giftig, ohne wenn und aber.

Allerdings unterscheidet sich die Giftwirkung der einzelnen Arten stark. So gibt es auf der einen Seite einige Arten, deren Giftwirkung mit der eines Bienestiches verglichen werden kann, aber auf der anderen Seite auch solche, deren Gift sogar für den Menschen gefährlich werden kann. Der Laie fragt sich jetzt natürlich, wie man solche Tiere freiwillig bei sich zu Hause halten und pflegen kann.

Hierfür gibt es eigentlich nur eine logische Erklärung: Faszination.

Bei Skorpionen handelt es sich um Tiere, die es schon seit Jahrmillionen auf diesem Planeten gibt und die gelernt haben, sich selbst den extremsten Umweltbedingungen anzupassen. Warum sonst gäbe es wohl fast auf der ganzen Welt verteilt diese Spinnentiere? Ob unter großer Hitze in der Sahara, tropisch feuchten Regenwäldern in Südamerika oder in dunklen kalten Höhlen mancherorts in Europa – man findet sie überall.

Skorpione sind Überlebenskünstler, die auch problemlos ein halbes Jahr oder länger ohne Nahrung auskommen können. Und eben diese Faszination bewegt einige tausend Menschen in Deutschland dazu, sich diese Tiere daheim zu halten. Zumal die Anforderungen, Skorpione zu halten – verglichen mit anderen Haustieren – sehr gering sind. Normalerweise werden sie in einem Terrarium untergebracht (dessen Größe hängt natürlich von der Größe, der Art und der Anzahl der Individuen ab). Als Bodengrund dient je nach Herkunft Sand oder Erde. Einige Versteckmöglichkeiten, eine flache Trinkmöglichkeit und eine Terrarien-Beheizung am besten in Form einer Lampe – mehr braucht es im Groben nicht. Natürlich sind der gestalterischen Hand des Halters keinerlei Grenzen gesetzt. Viele verwandeln ihre Terrarien mit viel Liebe zum Detail in richtig naturnahe Wüsten oder Regenwaldausschnitte, was natürlich optisch auch toll zur Geltung kommt. Gefüttert wird etwa einmal wöchentlich mit Insekten aller Art (Heuschrecken, Schaben, Grillen etc.), die es in jedem guten Zoofachgeschäft zu kaufen gibt.

Natürlich sollte man zusätzlich noch einige Dinge beachten, wenn man wirklich mit dem Gedanken spielt, sich solche Tiere anzuschaffen. Zum einem gilt es, die gesetzliche Lage abzuklären, die in Deutschland je nach Bundesland verschieden ist und von einem kompletten Verbot über eine Einschränkung auf mindergiftige Arten bis hin zur absoluten Uneingeschränktheit reichen kann. Dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Skorpione zum einen oft sehr versteckt leben und meist erst gegen Abend zu sehen sind, und zum anderen, dass es sich hierbei um reine „Anschauungstiere“ handelt.

Die Tiere auf die Hand nehmen oder anfassen ist ein absolutes „No Go“. Für so was gibt es Hamster und Kaninchen! Auch ist es ein absolutes Muss, sich vor der Anschaffung ausreichend zu informieren und keine überstürzten Spontankäufe zu tätigen.

Hat man alle notwendigen Informationen zusammengetragen und sich vielleicht auch schon für eine Art entschieden, gilt es vor der endgültigen Anschaffung zunächst einmal die zukünftige Behausung (also das Terrarium) einzurichten, einen Probelauf zu machen (stimmt die Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc. ?) und natürlich – falls noch nicht vorhanden – Zubehör, wie z.B. eine lange Pinzette anzuschaffen, welche zum füttern und umsetzen des Tieres dient. Den Skorpion selbst erwirbt man am besten auf einer Terraristikmesse von einem Züchter oder nimmt Kontakt mit einem solchen über diverse Forenplattformen auf.

Einen Kauf in einem „Zoofachgeschäft“ kann ich nicht empfehlen, da die Tiere dort meist Wildfänge sind, außerdem völlig überteuert und zumeist falsch gehalten werden. Beachtet man all die oben genannten Dinge, kann man sich etwas später an einem wirklich interessanten und pflegeleichten Haustier erfreuen.

Sollte ich euer Interesse geweckt haben, kann ich euch folgende Informationsquellen empfehlen:

Internet: www.skorpione.de (Forum)

Bücher: Skorpione im Terrarium von M. Watz oder für diejenigen, die der englischen Sprache mächtig sind und etwas Anspruchsvolleres suchen: „Scorpions of the World“ von R. Stockmann und E. Ythier

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Anm. d. Red.: Dieser Texte wurde von unserem ehemaligen Redaktionsmitglied Dominik Höfer verfasst.