IP – ob ich will oder nicht

Bald via Internet: Immer mehr Telefonanschlüsse sollen digital werden.

Bald via Internet: Immer mehr Telefonanschlüsse sollen digital werden. (© Rainer Sturm/Pixelio.de)

Neulich habe ich Post von der Telekom bekommen. An sich bin ich eher abgeneigt gegenüber Briefen von der Telekom, weil es immer etwas Schlechtes bedeutet. Bestenfalls sind es Werbebriefe à la „Internet zum Schnäppchenpreis“. Wie dem auch sei: Meine düstere Ahnung hat sich prompt bestätigt. Die Telekom hat mir mitgeteilt, dass ich jetzt IP-Telefonie nutzen muss, also Telefonieren übers Internet. Punkt. Andernfalls hätte ich eben gar keinen Anschluss mehr.

Mich stört schon die Tatsache, dass man auch freundlicher auf ein neues Netz hinweisen kann, als durch die Androhung einer Zwangskündigung. Sie hätten mir auch schreiben können, dass wir den Vertrag umwandeln müssen. Alles im Zuge der neuen Infrastruktur. Das klingt doch gleich netter als „Wenn sie sich nicht für einen neuen IP-Vertrag entscheiden, müssen wir leider ihren Festnetz-Anschluss kündigen“. Dann vielleicht noch ein paar erklärende Worte, warum die Umstellung überhaupt sein muss, und ich wäre deutlicher weniger sauer.

Doch genau da liegt eines der Probleme: Es gibt keinen wirklich guten Grund dafür, das analoge Festnetz abzudrehen, es ist wieder eine Sparmaßnahme. Momentan muss die Telekom immer noch zwei Netze betreuen und instand halten: Das analoge, also „normales“ Telefon, und das digitale, sprich Internet. Wo es dann kein analoges mehr gibt, muss die Telekom nur noch das digitale Netz verwalten und warten. Ganz schön praktisch, nicht?

Wenn ich zynisch bin, kann ich noch weiter gehen und behaupten, dass IP die Abhörmaßnahmen der Nachrichtendienste einfacher und billiger macht. Immerhin müssen sie nur noch das digitale Netz anzapfen. Das heißt, sie bekommen alle Daten über ein einziges Medium. Das sei nur am Rande erwähnt.

Schlagader der Moderne: Immer mehr Dienste laufen über das Netzwerkkabel.

Schlagader der Moderne: Immer mehr Dienste laufen über das Netzwerkkabel. (© Marko Greitschus/Pixelio.de)

Mich interessiert vor allem, dass diese seltsame Zwangs-Umstellung gehörig in meinen Alltag eingreift. Was zum Beispiel, wenn das Internet mal wieder weg ist? Mit dem analogen Netz konnte ich wenigstens noch bei der Telekom anrufen und den Ausfall melden, mich beschweren. Jetzt heißt es: Internet weg, alles weg.

Ich muss damit leben, dass ich meinen Router jetzt rund um die Uhr laufen lassen muss, wenn ich über das Festnetz erreichbar bleiben will. Das heißt im Endeffekt erhöhte Stromkosten für mich, denn bisher hatte ich die Angewohnheit dem Router den Saft abzudrehen, wenn ich ihn nicht gebraucht habe. Ab jetzt brauche ich ihn ja grundsätzlich immer, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Immerhin ist die Telekom so hilfsbereit und aufdringlich, gleich neue Hardware für das digitale Netz anzupreisen. Ich bräuchte ja unbedingt einen neuen Router. „Ach, wirklich, ist dem so?“, war da meine rhetorische Gegenfrage. Ich habe schon jetzt einen Router von der Telekom. Das Ding frustriert mich immer wieder aufs Neue, denn verwalten lässt es sich so gut wie nicht. Aber: Der Kasten ist IP-Telefonie-fähig. Definitiv! Zwei Telefon-Anschlüsse auf der Rückseite und, oh Wunder, in den Einstellungen kann ich auch Telefonnummern eintragen. „Nein, mein Router reicht, der ist IP-fähig!“

Für mich war das Gespräch damit beendet. Doch was ist mit all den älteren Leuten, die froh sind, dass sie überhaupt mit Routern und Computern zurecht kommen? Allein schon der Gedanke an eine Umstellung auf so eine komische Internet-Telefonie sorgt für Verwirrung. Dann noch der Mitarbeiter der Telekom, der seine überteuerten Geräte loswerden will – viele sagen da schneller ja und Amen als nötig. „Der junge Mann von der Telekom wird schon wissen, was ich brauche.“ Leider weiß er nur zu gut, was das Beste für den Konzern ist, nicht unbedingt für den Kunden.

Wehren kann ich mich ja leider nicht gegen die IP-Telefonie, ich muss in den sauren Apfel beißen. Dafür habe ich mein angebliches VDSL runter gestuft. Jetzt lebe ich wieder mit normalem DSL, wobei ich von der Geschwindigkeit und vom Durchsatz her keinen Unterschied erkenne. Leider ist auch das mit dem VDSL so eine Sache: Bin ich zu weit vom Verteiler weg, dann ist das superschnelle Internet genauso schnell wie der Standard-Anschluss, nur dass er mehr kostet. Aber das ist wieder eine andere Baustelle in der Welt des rosa Internet. Ob es wohl eine Möglichkeit gibt, wenigstens eines der vielen Probleme bei der Telekom zu beheben?

Vorschau: Regeln begegnen uns überall im Alltag und Eva wird sich nächste Woche mit der Frage beschäftigen, wie wichtig Regeln eigentlich sind.

Augen im Himmel – Mit Drohnen gegen Sprayer

Schwarzfahrer, Verspätungen, Streitereien um Bahnhöfe und um fehlerhafte Zugtechnologien – die Deutsche Bahn muss sich ständig mit kleinen wie großen Problemen herumschlagen und wird ebenso regelmäßig in der Öffentlichkeit für Lösungsansätze verspottet. Dieser Tage macht die Bahn wieder von sich reden Ein öffentlicher Aufschrei ist gewiss: Die Deutsche Bahn will mithilfe moderner Drohnentechnologie auf die Jagd nach Sprayern gehen.

Was sich im Angesicht des „Euro Hawk“-Debakels wie ein verspäteter Aprilscherz liest, scheint bitterer Ernst zu sein. Der „Bild am Sonntag“ sagte Gerd Neubeck, Sicherheitschef der Bahn, man müsse neue Wege bei der-Vandalismus-Bekämpfung gehen. Im vergangenen Jahr sei durch Graffiti ein Schaden von 7,6 Millionen Euro entstanden.

Bereits in den nächsten Wochen sollen die unbemannten Flugkörper – zunächst aus Datenschutzgründen nur über Bahngelände – getestet werden. Mit Wärmebildkameras ausgestattet können die fast lautlosen Flugobjekte aus einer Höhe von 150 Metern Bewegungen registrieren und so eine Verfolgung der Täter erleichtern. Eine solche Drohne kostet etwa 60.000 Euro und trägt das Logo der Deutschen Bahn.

In den vergangenen Monaten und Jahren waren Drohneneinsätze vor allem im militärischen Rahmen immer wieder stark kritisiert worden. Eine zivile Nutzung zur Abwehr und Verfolgung von Sprayern scheint auf den ersten Blick und unverhältnismäßig. Wird hier gerade versucht, eine breite Überwachung des Alltags salonfähig zu machen? Datenschützer und Bürgerrechtler werden Sturm laufen gegen die Drohneneinsatzpläne.

Allem Anschein nach werden die ferngesteuerten „Miniflugzeuge“ jedoch immer attraktiver für zivile Überwachungsaufgaben. Anfang Mai hatte die deutsche Telekom verkündet, gegen Kupferdiebstähle in Zukunft mittels sogenannter künstlicher DNA vorzugehen, die durch Drohnentechnologie auf Freileitungen angebracht wird.

Zweifellos erweisen sich die Fluggeräte als überaus praktisch, vereinfachen sie doch viele der Aufgaben, die von Menschen nur schwer oder gar nicht zu bewältigen wären. Ob sich der zivile Einsatz militärischer Überwachungstechnologie allerdings gesellschaftlich durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten.