Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Mit Dating-Apps kann man ungezwungen Leute kennenlernen – da sind sich die beiden Studenten Katja (26) und Tobias (27) einig. Katja hat bereits Erfahrungen mit den Apps „Tinder“, „Once“ und „OkCupid“ gesammelt und durch letztere ihren derzeitigen Freund gefunden. Auch Tobias hat schon einige Dating-Apps ausprobiert; seiner großen Liebe ist er dadurch jedoch noch nicht begegnet.

Erstmals genutzt hat Katja eine Dating-App während eines Aufenthaltes in Rumänien, weil sie dort niemanden kannte und Kontakte gesucht hat. Tobias hingegen hat sich auf Empfehlung von Freunden, die auf diese Weise ihren Partner getroffen haben, bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet. Als jahrelanger Single dachte er, dass dies seine Chance erhöhen würde, interessante Frauen kennenzulernen. Doch wie hilfreich sind Dating-Apps wirklich und wie unterschiedlich sind die Erfahrungen mit den digitalen Kupplern?

Katja: Viele haben ja Vorurteile, was Dating-Apps angeht, aber ich finde, dass es damit nicht „besser oder schlechter“ ist als jemanden in der „realen“ Welt kennenzulernen.

Dating mal anders: Romantisches Date per Smartphone? (Foto: S. Holitzner)

Tobias: Ich fand „Lovoo“ ziemlich niveaulos. Alles andere war okay. Natürlich gab es auch da sehr seltsame Sachen: Fake-Accounts, Werbung, pornographische Inhalte und schlüpfrige Angebote. Aber dem ist man als Frau bestimmt noch mehr ausgesetzt.

Katja: Wahrscheinlich. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass es zum Beispiel bei „Tinder“ deutlich mehr Männer als Frauen gibt. Selbst ohne aktiv etwas zu tun, wurde ich von Männern angeschrieben.

Tobias: Bei „Tinder“ sind sicher mehr die Typen aktiv, die sich im realen Leben nicht trauen, Frauen anzusprechen und dann einen auf dicke Hose machen. Also gibt es da doch viele notgeile Typen, die nur ne schnelle Nummer schieben wollen und dementsprechend direkt oder versaut schreiben, oder?

Katja: Ich hatte eher das Gefühl, dass es zwei große „Gruppen“ gab: Die, die auf schnellen Sex aus waren, und ganz viele ganz Schüchterne. Also klar gab es auch Männer „dazwischen“, aber viele, die eben in eine dieser Gruppen passen. Ich denke aber, dass die Typen, die nur auf eine schnelle Nummer aus sind, Frauen auch in Bars auf diese Weise anflirten würden. Aber gab es keine Frau bei dir, die „schnell zur Sache“ kommen wollte?

Tobias: Ja, bei mir gab es auch Frauen, die schnell zur Sache kommen wollten. Eine schrieb mir, dass sie mit mir Sex will. Als ich dann meinte, dass ich nicht auf One-Night-Stands aus wäre, schrieb sie, dass man es ja auch zweimal treiben könne. Das war schon wieder so krass, dass es fast amüsant war.

Katja: Oha. Ich glaube, so direkt war da niemand bei mir. Es war dann doch noch ein bisschen mehr „durch die Blume“.

Tobias: Mein Eindruck ist, dass es nur wenige gibt, die eine Beziehung suchen und dies auch so formulieren.

Katja: Das finde ich aber auch schwierig, das von Anfang an so zu formulieren. Es ist immer noch „nur“ ein Weg, um Leute kennenzulernen, und nicht mehr. Mich hat es immer sehr unter Druck gesetzt, wenn ich nach kurzem Chatten die „Ansage“ bekommen habe, dass der andere eine Beziehung sucht.

Tobias: Stimmt, so Ansagen wie „Beziehung gesucht“ sind manchmal nicht einfach und setzen unter Druck. Aber man weiß dann, woran man ist und kann entsprechend damit umgehen. Und erzwingen kann man sowieso nichts.

Katja: Aber wenn du jemanden in einer Bar oder sonstwo kennenlernst, dann stellt sich die Frage nach einer Beziehung auch nicht nach drei Sätzen, oder? Ich glaube etwas „Ungewissheit“ gehört auch einfach dazu und da sind Dating-Apps für mich auch nicht anders als das reale Leben. Ich hatte einmal ein Date mit jemandem, der ziemlich „offen“ und wahrscheinlich auch ein bisschen verzweifelt eine Beziehung gesucht hat. Während des Dates habe ich richtig gemerkt, wie er manche Themen „abgeklopft“ hat, um zu schauen, ob es passt. War super unangenehm.

Tobias: Ich sage meinen Dating-App-Dates schon, dass ich nicht zum Spaß hier bin. Also ich bin nicht auf One-Night-Stands, Abenteuer, Affären oder so aus. Wenn wir uns sympathisch sind, können wir uns mal treffen. Und dann muss man sowieso mal sehen, ob es in eine freundschaftliche Richtung geht oder ob vielleicht mehr daraus wird. Es ist gar nicht so einfach, den guten Mittelweg zwischen „Ausfragen“ und lockerem Gespräch zu finden, weil einfach die Situation schon erzwungen ist.

Katja: Ja, das stimmt. Ich war aber auch jemand, der sich immer relativ schnell treffen wollte, weil ich nicht so hohe Erwartungen haben wollte.

Tobias: Ich kann vielfach von Frauen berichten, die irgendwann nicht mehr zurückschreiben oder kurz vor einem ersten Treffen grundlos absagen und nicht mehr reagieren. Finde das immer ein wenig charakterlos, weil man ja schreiben kann, dass man „kalte Füße“ bekommen hat, jemand anderes kennengelernt hat oder kein Interesse mehr besteht.

Katja: Das geht gar nicht! Ist mir aber auch mit Männern passiert.

Tobias: Ich glaube, manche suchen die Bestätigung und ihnen reicht, wenn man sich mit ihnen treffen will. Oder sie treffen lieber jemand anderes, weil sie parallel mit anderen schreiben. Für mich ist das erste Treffen auch immer ein Kennenlernen bzw. Beschnuppern, weil man sich eben noch nicht persönlich kennt. Erst danach, wenn man sich nochmal trifft, würde ich von einem Date reden.

Katja: Okay. Ich habe da nie wirklich einen Unterschied gemacht. Ich fand meinen Freund nach dem ersten Treffen noch nicht so cool. Ich habe ihn über „OkCupid“ kennengelernt. Er hat mich angeschrieben und er war mit Bild drin. Ich war bei dieser ganzen Online-Dating-Sache ziemlich unverkrampft und hatte einfach Lust, mich mit ihm zu treffen. Das war jetzt aber kein erstes Date, wo es gleich mega gefunkt hatte. Es war nett, aber mehr halt auch nicht. Und ich war zu dem Zeitpunkt auch eigentlich gar nicht so interessiert, aber er hat da nicht locker gelassen. Ich habe es die ersten Treffen nicht so ernst genommen und dann ist mir langsam gedämmert, dass ich ihn schon mag und daraus ist mehr geworden.

Tobias: Das hat sich ja dann gelohnt, dass er drangeblieben ist. Mit wie vielen Männern hast du dich vorher getroffen?

Katja: Mehr als zehn. Und du?

Tobias: Ich habe mich mit weniger als zehn Frauen getroffen. Vermutlich neige ich dazu, manchmal zu lange mit Frauen zu schreiben. Und dann entstehen beidseitig schon irgendwelche Erwartungen bzw. Hoffnungen. Wenn dann bei einem Treffen nicht so der Funke überspringt vom optischen Eindruck her oder weil man nicht so die Gesprächsthemen findet, ist die Enttäuschung irgendwo beidseitig schon vorhanden.

Katja: Ich glaube, dass es hilft, einfach nicht so krampfhaft nach irgendwas zu suchen. Habe ich auch eine Zeit gemacht und es ist ziemlich danebengegangen.

Tobias: Es gab sicher Phasen, in denen ich zu krampfhaft gesucht habe. Die Tatsache, dass ich nicht so die Erfahrungen mit Frauen habe, macht es auch nicht besser. Wenn man mit jemandem schreibt, weiß man halt auch gar nicht, wer am anderen Ende sitzt. Die Emotionen fehlen und das persönliche Kennenlernen ist das A und O. Auch die Optik spielt definitiv eine Rolle und lässt sich nur zum Teil durch Fotos beurteilen, was ja auch oberflächlich ist. Mir gefällt der Spruch: „Die Optik ist die Eintrittskarte und der Charakter die Dauerkarte.“ Aus dem Grund habe ich für mich nun auch gemerkt, dass diese Apps für mich nicht geeignet sind und mich mittlerweile überall abgemeldet. Allerdings hatte es für mich auch nicht nur Schlechtes. Ich habe darüber eine richtig gute Freundin kennengelernt. Da war aber schon beim Schreiben vor dem ersten Treffen klar, dass es rein freundschaftlich ist.

Ob Liebe oder Freundschaft – sowohl Katja als auch Tobias haben über verschiedene Dating-Apps jemanden kennengelernt. Jetzt wollen wir von euch wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit Dating-Apps gemacht?

Vor zwanzig Augenpaaren – meine Arbeit als Dozentin

Ein bisschen bin ich schon aufgeregt. Mit einer Mappe an Unterlagen in der Tasche, abgezählten Kopien und Folien für den Projektor, bin ich auf dem Weg zum Seminar. Doch ich werde diesmal keine Teilnehmerin sein, keine Studentin, die eine Schein braucht. Dieses Mal bin ich die Dozentin. Mein erster Kurs, ein kleiner Einführungskurs, zwanzig Augenpaare, die auf mich gerichtet sind.

Situationswechsel

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Ich kann mich an mein Einführungsseminar damals, vor fünf Jahren noch gut erinnern. Auch meine Dozentin war eine junge Doktorandin, letztes Jahr hat sie promoviert. Und damals war ich so begeistert, dass ich wusste, wenn sich mir die Möglichkeit bietet, will ich da auch einmal stehen. Vorne, erklärend, lehrend, dozierend. Und das, obwohl ich niemals Lehrerin werden wollte – auch heute will ich das nicht. Aber an der Universität lehren – ein kleiner Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. Der Stoff ist der gleiche geblieben, der gleiche Roman wird gelesen, um die Funktion des Autors zu verdeutlichen, die gleichen theoretischen Texte liegen im Portal der Studierenden. Auf meinem Rechner sind noch die Unterlagen von vor fünf Jahren gespeichert. Heute greife ich wieder darauf zurück, wandle Arbeitsblätter ab und lese nach. Irgendwie bin ich gerade beides, Studentin und Dozentin.

Der fremde Blick

Manchmal fühle ich mich dann verfolgt, von den Blicken, die ich prüfen soll, bei denen es mir aber so vorkommt, als würden sie mich prüfen. Ein Tuscheln, ein Kichern und ich werde unsicher. Haben wir damals nicht auch über Dozenten getratscht? Manchmal bekomme ich dann den Eindruck, ich labere bloß, komme nicht auf den Punkt. Plötzlich wird mir klar, warum für den Dozenten die Seminarzeit zu kurz ist, warum manches bis zur Ermüdung wiederholt wird, warum es trotzdem Leerstellen gibt. Als Dozent Fehler zu machen ist fatal. Ich überprüfe mich selbst, verdeutliche, was auch beim letzten Seminarteilnehmer ankommen muss. Keine Woche vergeht, ohne fragende E-Mails, zu jeder Zeit, auch an Ostersonntag und Ostermontag.

Angekommen?

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Ich freue mich trotzdem auf meine Sitzung, rolle die Augen über Fragen, die im Grunde selbst zu beantworten sind, seufze, wenn das zum x-ten Mal Erklärte trotzdem falsch gemacht wird. Ich habe einen guten Kurs erwischt. Die Teilnehmer machen mit, sind neugierig und nicht auf den Kopf gefallen. Schweigen sie mich an, kann ich sie zum Mitmachen bewegen, sind sie zu laut, bekomme ich sie leise. Ich weiß von Kollegen, dass das auch im Uni-Alltag nicht selbstverständlich ist, dabei sollten doch gerade im Studium die Leute selbstorganisierter und teilnahmebereiter sein. Es gibt Sitzungen, nach denen mir auffällt, was ich alles hätte besser machen können und solche, nach denen ich einfach zufrieden bin. Kein wahrgewordener Traum ist noch ein Traum, aber da vorne, zwanzig Augenpaare auf mich gerichtet, mit all meinen Fehlern, die sich einschleichen, fühle ich mich trotzdem wohl. Und solange ich dort stehen kann, werde ich es tun.

Vorschau: In zwei Wochen geht es aktuell weiter der Frage nach dem Ende der Satire.

„Karma is a bitch“ – Das Phänomen Jodel

Es ist Montag und der 21-jährige BWL-Student Christian sitzt in seiner allwöchentlichen Management-Vorlesung. Statt auf die Vorlesungsfolien starrt er jedoch wie gebannt auf sein Smartphone und aktualisiert die geöffnete App, gennant Jodel, im Minutentakt. Denn was dort geboten wird ist für den Studenten viel interessanter, als die SWOT-Analyse.

Jodel

Jodel und Kaffee: Für Studenten wie Christian elementare Bestandteile des Universitätsalltags (Foto: Privat)

„Heute gilt für mich das Badewannen-Prinzip: Volllaufen lassen!“ oder „Wenn der Professor deinen Vorschlag, die Vorlesung heute draußen zu halten, krachend ablehnt“ sind nur einige der Posts, die Christian schmunzeln lassen und ihn mit Erfolg von der Vorlesung ablenken.

Jodel ist eine Smartphone-App, die seit einigen Monaten an Deutschlands Universitäten kursiert. Doch im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. wendet sie sich bewusst gegen die zunehmende Personalisierung. Bei Jodel müssen Nutzer kein Profil mit persönlichen Inhalten anlegen, alles geht komplett anonym vonstatten. Die Applikation greift mittels GPS lediglich auf den Standort des Smartphones zu und verbindet so alle Nutzer, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern aufhalten.

So simpel das Prinzip von Jodel auch ist, desto besser scheint es bei den Nutzern anzukommen. Mithilfe von Text- oder Bildposts, so genannten „Jodel“, können lustige Anekdoten, Events oder Neuigkeiten aus der Universität oder dem Alltag geteilt werden. Mittels Kommentaren können sich die Nutzer austauschen. Alle Posts können jedoch auch hoch- und runtergevotet werden. Ein Meldeprinzip sorgt dafür, dass anstößige oder unpassende Inhalte gelöscht werden. Doch auch das Voting trägt dazu bei, dass die Inhalte der App sich selbst regulieren: Bei einer gewissen Anzahl von Downvotes verschwindet ein Post von den Smartphone- und Tabletbildschirmen.

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Auch die Face2Face Redakteurin Nadine hat Jodel für euch getestet: Das vielsagende Icon der App (Foto: Privat)

Auch das Anreizprinzip von Jodel ist interessant: Durch Aktivität oder durch Down- und Upvotes der eigenen Posts steigt oder sinkt das sogenannte „Karma“. Mit dem spirituellen Konzept des Handelns und deren Folgen hat das Jodel-Karma wohl wenig zu tun. Dennoch sind viele Jodler fleißig am Karma sammeln.

„Jodel eignet sich super zur Ablenkung in allen Lebenslagen, sei es in der Bibliothek, bei der Arbeit oder in der Vorlesung“, so der begeisterte Christian. Auch die Soziologiestudentin Sabine zeigt sich positiv gegenüber der Neuerung im Unialltag: „Man hat immer etwas zu lachen und die Community, die sich in Jodel herausgebildet hat, ist eine ganz besondere. Wenn man nach den richtigen Regeln spielt, kann man dort viel Spaß haben.“

Jodel scheint in vielerlei Hinsicht eine Eigendynamik entwickelt zu haben. So gibt es eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln oder Verhaltenscodes, an die sich die Nutzer halten. Die Wahrung der Anonymität ist vielen Jodlern sehr wichtig und auch Hashtags werden – wenn auch in Jodel komplett unnütz – rege benutzt.

In letzter Zeit scheint sich Jodel jedoch in eine Art Singlebörse oder Abklatsch von Frage-Portalen wie „gute-frage.de“ oder „Free your Advice“ verwandelt zu haben. Besonders Männer, die in die Welt und Denkweise der Frauen Einblick erhalten wollen und andersrum sind besonders häufig zu beobachten. Christian und Sabine zeigen sich von all dem unbeeindruckt – sie werden fleißig weiterjodeln und Karma sammeln. Ob die Entwickler von Jodel ihr Versprechen halten, dass etwas tolles passieren soll, wenn man viel Karma gesammelt hat, wird sich zeigen…

Vorschau: Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle über die Cartoons von Gerhard Glück in der Caricatura Frankfurt.

Söflinger Zipfelklatscher – eine Band auf der Erfolgsspur

Leander Lovis (21) und David Leonhard (22) sind jung, außergewöhnlich und eine Bereicherung für die Volksmusik. Aus einer spontanen Idee entwickelt sich ein undenkbarer Erfolg. Gemeinsam haben sie die Zweimann-Band Söflinger Zipfelklatscher im April 2012 gegründet und sorgen mit ihren Liedern für gute Laune. Die aus Ulm kommenden Studenten haben schon Jahre zuvor zusammen an vielseitigen Musikprojekten gearbeitet und wissen, worauf es ankommt. Sie bringen frischen Wind in die sonst eher negativ behaftete Schlager-Szene und beweisen, dass es sich dabei nicht nur um traditionelle Musik für Ältere handelt. Der Schlagzeuger Lovis und Gitarrist Leonhard steigen immer weiter auf der Karriereleiter empor – Grund genug für Face2Face euch die beiden Musiker einmal vorzustellen.

Face2Face: Welche Entstehungsgeschichte steckt hinter eurer Band und dem Namen?
Söflinger Zipfelklatscher: Musik haben wir schon immer gemacht – auch schon einige Jahre zusammen. Dabei haben wir eine Menge Stile ausprobiert: Rock, Jazz, Musical und noch einiges mehr. Dass am Ende Schlager rauskommen würde, hätten wir nie gedacht, aber auf einer Party hatte Leander plötzlich spontan die Idee, das doch einfach mal auszuprobieren. Naja, und dann war sehr schnell klar, dass das einerseits riesig gut ankommt und uns außerdem unheimlich viel Spaß macht! Der Name war der Beitrag eines Verwandten, es handelt sich dabei um eine liebevolle schwäbische Beschimpfung. Für uns hat er sich nicht zuletzt wegen seiner eingängigen Sprachmelodie gehalten.

Face2Face: Was war der ausschlaggebende Anlass, weshalb ihr euch für die Volksmusik entschieden habt?
Söflinger Zipfelklatscher: Da war eben diese Party eines guten Freundes, bei der Lean­der aus Gründen, die im Nachhinein wohl nicht mehr nachvollziehbar sind, die beste Idee unseres Lebens hatte. Wir haben dann noch an diesem Abend den Song Wolke Acht geschrieben – ohne Instrument, mit nichts als der Notizzettel-App auf dem Handy. Als uns der Song am nächsten Tag immer noch gefiel, wussten wir, dass wir etwas Besonderes gefunden hatten.

Face2Face: Das goldene Jackett ist euer Markenzeichen. Wieso? Gibt es noch weitere Besonderheiten, die euch auszeichnen?
Söflinger Zipfelklatscher: Ein Tipp für alle Musiker: Wenn ihr einmal etwas Lustiges, Auf­fälliges macht, dann werdet ihr das niemals los! Eigentlich waren die Jacketts bloß eine Art Gag gewesen, aber nachdem wir einmal darin aufgetreten sind, wollte uns niemand mehr ohne sehen. Was sonst mit uns verbunden wird? Also, ein Hit wie Chica Chica ist ja nun ein ziemliches Markenzeichen und wer unser Videotagebuch, den Zipfelkurier auf unserem YouTube-Kanal anschaut, kennt auch einige typische Textzeilen.

Erstaunt über den Erfolg: Söflinger-Zipfelklatscher (Foto: Max Düsterer)

Face2Face: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Söflinger Zipfelklatscher:Bunt, fröhlich, ungezwungen und nett. Wir versuchen sicher nicht, das Rad neu zu erfinden. Wir wollen gern Musik machen, zu der man gut feiern kann, die aber auch handwerklich gut gemacht ist. Gerade in unserer Szene wird viel Schrott produziert, von dem wir uns absetzen wollen. Und dazu benutzen wir alles, was wir in über 15 Jahren musikalischer Erfahrung gelernt haben.

Face2Face: Was ist eure Zielgruppe?
Söflinger Zipfelklatscher: Jeder, der was für gute Musik übrig hat! Nein, im Ernst, wir wissen von Hörern unter fünf und über 90 Jahren und dazwischen ist auch alles vertreten. Wir spielen in Kindergärten, auf Volksfesten, aber auch in Hip-Hop-Clubs. Unsere Musik scheint überall reinzupassen.

Face2Face: Hört ihr in eurer Freizeit eigentlich auch Volksmusik? Und wer sind eure mu­sikalischen Vorbilder beziehungsweise wer liefert euch die Inspiration?
Söflinger Zipfelklatscher: Nun ja, gelegentlich gibt es zum Feiern einfach nichts Besse­res und wir gehen beide gerne auf Volksfeste. Ansonsten liegen unsere Vorlieben tenden­ziell woanders, wobei Schlagergrößen wie Udo Jürgens natürlich dabei sind – an ihm kommt man nicht vorbei. Aber unsere Inspiration holen wir eigentlich direkt aus dem Le­ben. Alles, was um einen herum so passiert, ist irgendwie auch Inspiration für uns. Das merkt man den Texten mal mehr, mal weniger an.

Face2Face: Wer von euch schreibt die Stücke? Und wie entwickelt ihr die Textideen?
Söflinger Zipfelklatscher: Grundsätzlich ist unsere Musik ein Gemeinschaftsprojekt. Da­vid schreibt für gewöhnlich die Songs und arrangiert ein bisschen vor und dann geht Leander ran und sorgt dafür, dass das Ganze auch nach etwas klingt. Die Textideen entstehen überall, oft im Zug, mal in der Vorlesung, auf dem Fahrrad, beim Essen oder beim Sport. Dann wälzen wir die Gedanken im Kopf hin und her, bis am Ende ein Song rauskommt.

Face2Face: Von wem werdet ihr unterstützt?
Söflinger Zipfelklatscher:Zunächst mal ganz klar: Durch unsere Fans! Hätten wir nicht ein so tolles Publikum, wären wir sicher nie so weit gekommen! Zu denen gehören auch Leute wie Max Düsterer, unser großartiger Fotograf oder Nici König, der das tolle Musikvi­deo zu Chica Chica gedreht hat. Finanziell haben wir bisher selbst investiert, wobei na­türlich als Student immer die Eltern mithelfen, wenn es mal knapp wird. Dafür ein Danke­schön! In Zukunft könnte das allerdings deutlich leichter werden, wir befinden uns gerade mit einigen Labels im Gespräch…

Face2Face: Ihr habt bereits mehrere Auftrittsangebote erhalten und selbst das ZDF hat eure erste offizielle Single in einer Bierzeltwerbung laufen lassen. Wie ist es dazu gekom­men? Und wie war es für euch?
Söflinger Zipfelklatscher:Das war beim Dreh des Musikvideos. Nici, der Regisseur, hat­te kein passendes Stativ. Also haben uns spontan unsere Fans einer Ulmer Filmproduktion – von denen wir gar nicht wussten, dass sie unsere Fans sind – unter die Arme gegriffen. Als die das fertige Video gesehen haben, waren die gerade dabei, diesen Bierzeltspot zu drehen. Und so kam eins zum anderen. Wir hatten auch einfach ziemlich viel Glück!

Von links: David Leonhard und Leander Lovis wollen hoch hinaus (Foto: Max Düsterer)

Face2Face:Wie erklärt ihr euch den Erfolg? Habt ihr damit gerechnet oder nur darauf ge­hofft?
Söflinger Zipfelklatscher: Als Leander die Idee hatte, haben wir mit überhaupt nichts gerechnet. Und auch jetzt noch sind wir immer wieder einfach nur verblüfft über das, was passiert. Selbst gehofft wäre zu viel gesagt, vielleicht haben wir von sowas geträumt. Dass die Musik so gut ankommt, liegt wohl daran, dass wir eine Marktlücke gefunden haben. Schlager hat bei vielen Leuten kein gutes Image. Wir haben den Anspruch, was wir machen, gut zu machen und dabei frisch und jung, und nicht wie viele „Kollegen“ altbacken und kitschig zu wirken. Das ist es wohl, was viele vom Schlager hören fernhält, obwohl es sich dabei eigentlich um eine großartige und außerdem ausgesprochen vielseitige Musikrichtung handelt!

Face2Face: Ihr seid ja bereits fleißig am Erstellen einer schönen Homepage. Wie sehen eure weiteren Zukunftspläne aus?
Söflinger Zipfelklatscher: Das Wichtigste im Moment ist, dass wir bei einem Label mit einem vernünftigen Promotion-Programm unterkommen. Alles Weitere wird dann wohl von selbst kommen. Nun ja, aber wo wir damit hin wollen ist klar: So weit es geht!

Face2Face: Habt ihr ein Statement an die Fans und Leser da draußen abzugeben?
Söflinger Zipfelklatscher: Wenn ihr für eine verrückte Idee brennt, dann lasst euch nicht davon abbringen! Wir wurden am Anfang auch belächelt und bespöttelt, aber wir wussten für uns selbst, dass wir das durchziehen wollen. Und jetzt nimmt man uns ernst!

Weitere Infos findet ihr auf ihrer Homepage und natürlich auch auf Facebook!

Vorschau: Nächste Woche geht es um das Thema Journalismus und ob man diesen noch braucht.

Jung und schwanger

Der Trend ist ungebrochen. Immer mehr Frauen bekommen in späteren Jahren Kinder, wenn überhaupt. Das Statistische Bundesamt zeigt auf, dass 2010 100 von 1000 Frauen mit 31 Jahren Mutter wurden, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 97. Der Schnitt hat sich dabei nur um eine Nachkommastelle verschoben. 30,5 Jahre ist eine Frau demnach bei der Geburt ihres Kindes, wobei Erstgebärende in der Regel 28,9 Jahre alt sind. Viele von uns sehen den Trend in den eigenen Familien. Meine Großmutter wurde mit 19 zum ersten Mal Mutter, meine Mutter dann mit 28. Hätte ich also bis 37 warten sollen?

Zu früh? Nur wenige Frauen werden mit 20 Mutter (© Andreas-Zöllick / pixelio.de)

Habe ich nicht. Ich gehöre zu den 22 von 1000 Frauen, die mit 20 Mutter geworden sind. Damit bin ich eine gesellschaftliche Randerscheinung. Zu jung, um in den Augen vieler ernsthaft als Mutter wahrgenommen zu werden, zu alt, um als Teenie-Mama durchzugehen. Und auch jetzt, da mein Kind vier ist und ich mein zweites erwarte gehöre ich zu einer Minderheit in Sachen Geburtenstatistik. Dabei sind viele Reaktion allein deswegen weniger schlimm, da die Menschen in meiner Umgebung bereits wissen, dass ich schon ein Kind habe. Bei meinem ersten Kind war der Schock für viele groß. Für mich und meinen damaligen Freund, der heute mein Ehemann ist, allerdings nicht. Uns war klar, was passieren kann und so hatten wir nie einen „Was machen wir jetzt nur“- Moment. Wir haben uns von Anfang an gefreut.

Die Reaktionen in unserem Umfeld dagegen waren gespalten. Von Menschen, die dachten, das wäre eine totale Katastrophe, bis hin zu den Konservativen, die schon das Hochzeitsdatum festlegen wollten, gab es alles. Reaktionen, die eine „normale“ Schwangere nicht zu erwarten hat. Junge Schwangere müssen gegen einen Haufen Vorurteile ankämpfen und stehen immer in Gefahr, dass alles, was schief läuft, auf ihr Alter zurückgeführt wird. „Die ist doch selbst noch ein Kind“, heißt es da oder es gibt Aufregung, weil die Ausbildung ja noch gar nicht beendet ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sind hier klar verteilt. Dabei bietet eine junge Mutterschaft durchaus ihre Vorteile. Jung heißt eben nicht immer gleich zu jung. Und laut der Biologie ist etwa mit 24 für eine Frau das beste Alter erreicht, um schwanger zu werden.

Mal davon abgesehen, dass allein die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden mit zunehmendem Alter immer mehr abnimmt und die Gefahr von Genfehlern dagegen steigt, gibt es weitere Vorteile, die gern unter den Teppich gekehrt werden. Sei es, dass die Großeltern des Nachwuchses selbst noch fit und agil sind und so die Möglichkeit einer guten Beziehung besteht, die für das Kind von Vorteil sind. Sei es, dass manches Verständnis von den jungen Eltern kommt, da sie ihrer eigenen Kindheit näher sind. Doch wie immer sind das situationsabhänge Vorteile. Auf der anderen Seite gibt es vieles zu bedenken. Ist die Partnerschaft beispielsweise nicht gefestigt, bricht sie dann genauso kompliziert auseinander, wie eine Ehe nach 20 Jahren. Auch die Ausbildungssituation ist natürlich ein Faktor. Als Studentin bin ich flexibel, kann wählen welche, und wie viele Kurse ich belege, und werde unterstützt, wenn beispielsweise mein Kind krank ist. Eine Ausbildung ist nicht so leicht zu unterbrechen, wie mit einem Urlaubssemester das Studium. Auch die Wiederaufnahme danach ist schwieriger. Als Studentin dagegen hat die Karriere selbst noch nicht begonnen, wird also für das Kind auch nicht unterbrochen.

Dazu gehören zwei. Eine stabile Partnerschaft ist für ein Kind wichtig, egal ob die Mutter 20 oder 30 ist (© JMG / pixelio.de)

Dass die Meinungen hier gespalten sind, zeigt gerade, wie andere junge Menschen auf junge Schwangere, junge Mütter und junge Familien reagieren. Beliebte Aussage hier ist: „Also ist könnte mir das nicht vorstellen“. Die Angst, irgendwie in Freiheiten beschnitten zu werden ist natürlich nicht unberechtigt. Ich persönlich hatte dagegen noch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges wegen meines Kindes verpasst zu haben. Stattdessen höre ich jeden Tag „Mama, ich hab dich ja so lieb“, worauf ich nicht verzichten wollte. Die persönliche Einstellung macht hier wie immer den Unterschied. Manche Frauen sind früh bereit, Mutter zu werden und schlüpfen dann mit Leichtigkeit in diese Rolle, andere haben auch mit 30 noch Probleme mit der Vorstellung. Das kann sich aber schnell ändern. Erst gestern haben sich mir gegenüber im Zug zwei junge Frauen um die 22 unterhalten. „Also, vor einem Jahr hab ich noch gesagt, ich könnte mir das nie vorstellen, jetzt ein Kind zu bekommen. Und jetzt denk ich, wenn ich den richtigen Mann hätte, wäre das schon schön“.

Das Problem der Diskriminierung junger Mütter liegt vor allem an der gesellschaftlichen Norm. Viele Frauen bekommen erst nach ihrem 30ten Lebensjahr ihr erstes Kind. Aber eben nicht alle. Und viele Frauen, die früh Mutter werden, sind keineswegs schlechte Mütter, sondern eben mindestens genauso fähig. Zu der persönlichen Entscheidung, wann es für ein Kind die beste Zeit ist, fällt aber die Reaktion der Umwelt als Punkt mit Sicherheit auf. In meinem Fall habe ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und hatte es auch nie. Ich bin gern Mutter und ich bin gerne jung. Wer sagt, dass nicht beides geht?

Vorschau: Nächste Woche lüftet Sascha, wie sehr wir doch am Aberglaube hängen und schon kleine Rituale und Ängste unser Leben beeinflussen.

Zusammenziehen – ja/nein/vielleicht?

Von links: Florian Büttner, Jule Frölich, Elvira Wilms, Sabrina Kuhn und Tobias Kloster (Fotos: privat)

„Liebe ist zwei Wohnungen gegen eine zu tauschen“ – so heißt es in einem von vielen „Liebe ist“-Sprüchen aus der berühmten Cartoon-Reihe von Kim Casali. Die Realität zeigt aber, dass sich heutzutage viele Paare noch nicht reif für den großen Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft fühlen. Vor allem müssen gewisse Kriterien vorher erfüllt sein, damit die Entscheidung eines Zusammenzugs denkbar ist. Dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt, sind sich die meisten einig. Es stellt sich nun die Frage, ab wann eine Beziehung bereit für den Zusammenzug ist. Face2Face hat sich an diese Frage gewagt und dazu fünf junge Menschen befragt.

„Natürlich ist der Zusammenzug etwas Besonderes, es markiert den Höhepunkt in der Beziehung und man möchte jede Nacht zusammen sein“, findet der 22-jährige Student Florian Büttner. Obwohl er selbst noch nie mit dem Gedanken gespielt habe, sei ein solcher Schritt nur dann möglich, wenn sich beide blind verstehen und dazu noch die finanziellen Mittel besitzen. Wichtig sei vor allem, dass man nicht in die Wohnung des anderen ziehe, sondern gemeinsam eine suche. Der 22-Jährige befürchtet nämlich, dass es sonst zu Streitigkeiten komme, da der zugezogene Partner sich zu stark anpassen müsse. Auf die Frage, was absolute No-Gos beim Zusammenleben wären, antwortet er: „Wenn der Partner nicht putzen kann und sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt.“ Bei dem Gedanken „Zusammenzuziehen“ habe Büttner besondere Bedenken in Bezug auf die Harmonie einer Beziehung. Diese könne aufgrund von verschiedenen Ansprüchen und Geschmäckern, wie zum Beispiel die Einrichtung der Wohnung, leiden. Dennoch verbinde er mit diesem Schritt die gemeinsame Zukunftsplanung und ein eigenes Zuhause.

Auch Jule Frölich hat sich bisher keine ernsthaften Gedanken darüber gemacht. Allerdings sehe sie die Option „Zusammenzug“ als eine praktische und machbare Sache an, wie sie Face2Face berichtet. Schließlich würden ihr Partner und sie keine Termine für ein Wiedersehen mehr machen müssen, da sie sich beispielsweise abends noch Zeit füreinander nehmen könnten. Für die 19-jährige FSJ-lerin sei dies ein besonderer und gewaltiger Schritt in eine ernsthafte Langzeitbeziehung. „Entweder es klappt und man bleibt beieinander wohnen oder es klappt eben nicht“, äußert sie sich dazu. Eine Dramaqueenbeziehung sei für sie keine Grundlage dafür. Im Gegenteil, die Partner müssen sich ihrer Meinung nach gut verstehen, finanziell auf einen Nenner kommen und weitestgehend gleichberechtigt sein. Frölich vermutet, dass der Haushalt letzten Endes doch an der Frau hängen bleiben würde und das wolle sie auf keinen Fall. „Schon klar, man kann nicht über jede Kleinigkeit diskutieren, um am Ende auf eine gerechte Lösung zu kommen, aber grundsätzlich und im alltäglichen Leben sollte Gleichberechtigung herrschen.“ Ausgeschlossen sei ein „Zusammenzug“, wenn der Partner unmotiviert sei und nicht aktiv am gemeinsamen Leben teilnehmen möchte. Wann eine Beziehung reif dafür sei, ließe sich für die 19-Jährige nur schwer sagen. Großes Vertrauen und eine Mindestdauer von einem Jahr Beziehung sollten jedoch bestehen. Allerdings möchte sie sich darauf nicht festlegen, da zahlreiche Gründe, wie zum Beispiel beruflicher oder familiärer Art, mit in die Entscheidung fließen. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist meiner Meinung nach, dass die Alltagsroutine die Liebe erstickt.“

Im Vergleich dazu hat Elvira Wilms bereits an das „Zusammenziehen“ gedacht. Das Thema Sicherheit ist ihr sehr wichtig. Daher seien eine langjährige Beziehung und Kompromissbereitschaft die Voraussetzung dafür. Zugleich müsse es finanziell stimmen – ein fester Arbeitsvertrag sei daher grundlegend. Besonders wichtig sei für die 22-jährige Fachangestellte für Bürokommunikation ein Zimmer, in dem sie sich zurückziehen könne. „Sollte dies nicht gegeben sein, wird ein Zusammenzug sehr schwierig werden“, so Wilms. In ihrem Umfeld habe sie Paare gesehen, die nach drei Monaten Beziehung diesen Schritt gewagt und sich dann getrennt haben, weil es ihrer Meinung nach zu früh war. Für die 22-Jährige ist das Zusammenziehen mit ihrem Partner schon gleichbedeutend mit Heirat, denn „immerhin sieht man dann den Partner jeden Tag und muss mit seinen Macken zurechtkommen.“ Außer der Angst sich auf die Nerven zu gehen, habe Wilms im Großen und Ganzen keine Bedenken. „Ich wünsche mir, dass mit dem Zusammenzug ein Anfang für eine gemeinsame Zukunft geschaffen werden kann. Die Beziehung sollte nicht einschlafen, sondern mit dem Zusammenzug trotzdem wachsen“, so die 22-Jährige im Gespräch mit Face2Face.

Erst in ihrer jetzigen Beziehung kam das „Zusammenziehen“ für die 23-jährige Sabrina Kuhn in Frage. Sie hätte von Beginn an mit dem Gedanken gespielt und es letztendlich nach vier Monaten Beziehung durchgezogen. Absolute Ehrlichkeit und Vertrauen seien für die Studentin und Angestellte bei der Drogerie Müller unverzichtbar. Die Bereitschaft eines „Zusammenzugs“ zeige sich darin, dass man nicht ohne den Partner aufwachen möchte und sich auf einen gemeinsamen Alltag freue. Auch wenn eine Beziehung schon Jahre dauere und man die Ticks des anderen kenne, hieße das für Kuhn noch lange nicht, dass ein „Zusammenleben“ funktionieren würde. Ansonsten hätte die 23-Jährige auf ihr Bauchgefühl gehört und sei der Meinung, „dass man es einfach weiß, wenn man soweit ist, diesen Schritt zu gehen.“ Unehrlichkeit und Misstrauen sprechen ihrer Meinung nach gegen eine gemeinsame Wohnung – ebenso wie wirtschaftliche Differenzen der Partner. Schließlich führe das zur finanziellen Abhängigkeit und könne viele Komplikationen verursachen. Etwas Gewöhnliches sei der „Zusammenzug“ für Kuhn keinesfalls, denn ab diesem Zeitpunkt teile man alles mit seinem Partner. Einen Rückzugsort gebe es ihrer Ansicht nach nicht im gemeinsamen Haushalt, da man sich dem Partner praktisch voll und ganz öffne. „Das ist auch eine gewisse Prüfung für die Beziehung“, ist sich die junge Frau bewusst. Obwohl Kuhn sich recht früh sicher war, habe sie auch Bedenken gehabt, was den Zusammenzug mit ihrem Partner betraf. Vor allem, ob sie sich ihm vollkommen öffnen könne. Weiterhin habe sie befürchtete in punkto Haushalt und Ordnung, sowie beim Geschmack in Bezug auf die Dekoration dem Partner nicht gerecht zu werden. Glücklicherweise haben sich diese Bedenken nicht bestätigt, denn derzeit sind die 23-Jährige und ihr Partner an einem Hausbau tätig. Für die Zukunft habe sie den Wunsch, weiterhin eine harmonische Beziehung zu führen und ein ganzes Leben vereint zu sein. Abschließend äußert sie: „Heiraten kann jeder, aber es zu schaffen, jahrelang zusammenzuwohnen, das ist mehr wert.“

Keine einfache Frage: Willst du mit mir zusammenziehen? (Foto: Sharifi)

Zu Beginn sollte man sich vergewissern, dass ein „Zusammenzug“ eine langfristig und ernst gemeinte Sache sei, findet Tobias Kloster. Der 21-jährige Student legt viel Wert auf einen ähnlichen, aber nicht gleichen Musikgeschmack, denn sonst könne es irgendwann öde werde. Mangelnde Hygiene, die Farbe Rosa und Kompromisslosigkeit wie zum Beispiel der Verzicht auf schlechte Musik oder Castingshows, die das Fernsehprogramm bestimmen, seien kontraproduktiv. Obwohl er der Ansicht ist, dass eine Beziehung nie reif für den Schritt in die gemeinsame Zukunft sei, sehe er es durchaus als etwas Besonderes an. Zum Thema Bedenken offenbart er: „Bedenken kaum, eher Angst, dass es nicht funktioniert, die Partner sich hassen und sich auf der Straße nicht mehr ansehen.“ Selbstverständlich hofft der 21-järige Student, der gerade mit seiner Freundin in eine Wohnung gezogen ist, „dass es so nie wird natürlich.“

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen interessanten Testbericht über die More Blond-Serie von Balea. Dabei könnt ihr fünf Sets aus jeweils Shampoo&Spülung gewinnen.

Der Countdown läuft – nur noch wenige Stunden bis das Gewinnspiel der Tipps&Tricks-Redaktion endet. Weitere Infos findet ihr HIER.

Multimedialer Auftritt bei der mediale*2012

Inspiriert von den Studentenprojekten: Caro Lobig bei der mediale*2012 (Foto: Krebs)
Inspiriert von den Studentenprojekten: Caro Lobig bei der mediale*2012 (Foto: Krebs)

HIER KOMMT IHR ZUM AUDIO-INTERVIEW ZUR mediale*2012

Jedes Jahr präsentieren die Studenten der Hochschule Darmstadt ihre besten Semester- und Abschlussprojekte auf der mediale*, der Werkschau der Hochschule in der Darmstädter Centralstation.

Diese besteht aus einer großen Ausstellung mit Exponaten, den Filmnächten mit von den Studierenden produzierten Filmen, Workshops und Vorträgen.

Jannicke Ostoicke, Mitleiterin der Organisation der mediale*2012 erzählt Face2Face, was es auf der mediale* in diesem Jahr zu entdecken gibt.

Aktiv bei der Werkschau der Hochschule Darmstadt: Jannicke Ostoicke bei der mediale*2011 (Foto: privat)
Aktiv bei der Werkschau der Hochschule Darmstadt: Jannicke Ostoicke bei der mediale*2011 (Foto: privat)

Ein Rundgang durch die Gehege des Vivarium Darmstadt

Vier Hektar Fläche, 150 verschiedene Arten und insgesamt 1500 exotische und einheimische Tiere: Das ist das Vivarium in Darmstadt. Vögel, Affen, Fische und Reptilien sind unter anderem Tierarten, die in den naturnah gestalteten Gehegen, Terrarien und Aquarien des Darmstädter Zoos einen Platz gefunden haben.

Von der Aldabra-Riesenschildkröte über den stark bedrohten Affen, den Schopfmakaken, bis hin zum Kriechtier Zwerggürtelschweif sind die außergewöhnlichsten aller Tierarten in dem 1956 gegründeten Zoo vertreten.

Ein Waldkauz bei der Beutebeobachtung: Für die Tier im Vivarium gilt - je ausgefallener, desto besser (Foto: Lobig)

Ein Waldkauz bei der Beutebeobachtung: Für die Tier im Vivarium gilt - je ausgefallener, desto besser (Foto: Lobig)

Auf die Zucht dieser besonderen und teilweise vom Aussterben bedrohten Tierarten ist das Vivarium natürlich stolz. Sehr beliebt bei den Besuchern sind das begehbare Känguru-Gehege und der Streichelzoo mit afrikanischen Zwergziegen.

Die Online-Journalismus-Studenten Chris Heeb, Feri Nguyen und Tom Neubert haben im Winter 2011 mit der Kamera einen Rundgang durch den Darmstädter Zoo gemacht und dabei einen außergewöhnlichen Besucher, ein frierendes Känguru und einige Exoten im Reptilienhaus gefunden.

Video zum Vivarium Darmstadt

Von der Idee zum Verein – Studentor

Seit kurzer Zeit bin ich Gründungsmitglied. Im November habe ich den „Studentor e.V.“ mitgegründet und mich wahrlich eingeschummelt in ein eine tolle Idee, die andere hatten. Natürlich nicht einfach so und ohne Hintergedanken. Wenn ihr die innovative Absicht von „Studentor“ noch nicht kennt, erst mal das: Ich wünschte, es hätte sie schon früher gegeben.

Die Idee: Studenten als Mentoren für Schüler (Bild: Studentor e.V.)

Die tolle Idee hatten Daniel Jalalpoor, Matthias Trunk und Alexander Frank vor mehr als einem Jahr. Auch eigene Erfahrungen spielten mit, als sie „Studentor“ aus der Wiege hoben und damit ein Netzwerk zwischen Schülern und Studenten errichten wollten. Studenten sollten den zukünftigen Abiturienten zur Seite gestellt werden, um sie bei Uniwahl, Umzug, Studienfachüberlegungen und was sonst zum Studentwerden dazugehört. Ein Mentor soll den Schülern also gegeben werden, auf Wunsch auch noch in den ersten Semestern. So werden Stundenplanorganisation, Kurswahl und das Zurechtfinden an den Universitäten vereinfacht.

„Ich habe beispielsweise nach der ersten Woche gemerkt, dass meine Fachwahl so nicht geht“, erklärte Jalalpoor auf der Vereinsgründung. Er habe dann „gebastelt“ und sei schließlich zur Kombination „Technischer Umweltschutz“ und „Chemie“ an der TU Berlin gekommen. Manchmal gibt es da aber auch eine totale Kehrtwende. Immerhin musste ich erst vier Semester Biologie studieren und ein Kind bekommen, um mich für die Germanistik entscheiden zu können. Solche Entscheidungen kann „Studentor“ einfacher machen, weil es neben dem Mentor-Programm Vorträge gibt, gehalten von Studenten über ihre Fächer. Denn wer kann besser Stärken und Schwächen aufzeigen, als diejenigen, die sie gerade erleben.

Realistisch soll das Bild sein, dass dabei vermittelt wird. Bei der Gründungsveranstaltung gab es zur Veranschaulichung einen Vortrag der Sportwissenschaftsstudentin Nina Fischer. Sie gab einen Überblick über ihr Studienfach, erzählte von den Rivalitäten der Fachbereiche und ihren Fußballversuchen, aber auch Wohnungsmarkt, die Standorte der Lehrstühle und, dass aktuelle Informationen auch in Berlin nicht immer leicht zu erreichen sind, kamen zur Sprache. Keine reine Theorie also, viel mehr praktische Hinweise, ein Einblick in Fachwelt und Studentenleben. Nichts soll beschönigt werden. Es geht nicht um Werbung für Unis oder Fächer, sondern um Hilfestellung. Eine sinnvolle Sache, finde ich, gerade wo es immer mehr Erstsemester an den Unis gibt, auf Grund des verkürzten Abiturs und dem Wegfall der Wehrpflicht. Immer jünger werden die Studienanfänger, kaum 18 sind sie und sollen eine Entscheidung für ihr weiteres Leben treffen. Solche Entscheidungen fallen auch mir mit 24 nicht leicht. „Studentor“ hilft, durch Kontakt zwischen Schülern und Studenten, einen Informationsaustausch herzustellen. Aktuelles kommt dann dort an, wo sie gebraucht werden.

Erster Vorsitzender: Daniel Jalalpoor hatte die Idee zu Studentor mit Matthias Trunk und Alexander Frank (Foto: Studentor e.V.)

Seit die Idee gedacht war, haben Jalalpoor, Trunk und Frank sie umgesetzt, mithilfe des Fördervereins für das Gymnasium im Paul-von-Denis-Schulzentrum Schifferstadt. Dabei richtet sich das Angebot an alle Schüler und Studenten, ohne regionale Begrenzung. Angedacht ist auch, einen Austausch mit Auszubildenden herzustellen, für alle, die nicht studieren wollen, und Realschülern, die noch das Abitur machen wollen, Unterstützung zu bieten. Um das alles voranzubringen, wurde nun aus „Studentor“ der „Studentor e.V.“. Das hieß zunächst eine intensive Auseinandersetzung mit Rechten und Gesetzten, denn die Vereinssatzung muss vor Gericht bestehen können. Die drei Gründungsväter suchten Hilfe beim Notar und arbeiteten sich ein, bis sie eine Satzung hatten, die sie am Abend der Vereinsgründung präsentieren konnten. Die halbe Nacht dauerte das Unterfangen, fünf Stunden, in denen die Anwesenden vertraut wurden mit der Sache von „Studentor“. Gründlich wurde das Rechtliche besprochen und an einigen Stellen abgeändert. Mindestens sieben Gründungsmitglieder müssen eine Satzung unterschreiben, genauso wie das Gründungsprotokoll. Beides muss dann bei Amtsgericht und Finanzamt vorgelegt und abgesegnet werden. Die Kleinigkeiten waren es, die Zeit kosteten: Mitgliedsbeiträge, Datenschutz, Vorstände, Rechte und Pflichten.

Als gemeinnütziger Verein muss der „Studentor e.V.“ keine Steuern zahlen. Einnehmen darf er trotzdem etwas und Aufwandsentschädigungen für die Vortragenden zahlen. Es liegt noch eine Menge Arbeit vor dem frisch gewählten ersten Vorsitzenden (Jalalpoor) und seinen beiden Vertretern (Frank und Trunk). Drei erweiternde Vorstände wurden außerdem bei der Vereinsgründung gewählt, Anja Jalalpoor, Christoph Cappel und meine Wenigkeit. Eine Mitgliedschaft ist jederzeit möglich, als Förderer oder Interessierter. Die Vorträge sind für Mitglieder frei, ansonsten kostet der Eintritt einen geringen Betrag, um Notwendiges wie Ausdrucke zu finanzieren. Studenten, die mitmachen wollen, und Schüler, die interessiert sind, können sich jederzeit melden. „Wir wollen wachsen“, sagte Jalalpoor und da ist der „Studentor e.V.“ auf dem besten Wege.

Vorschau: Nächste Woche wird es richtig sündig, wenn Sonja von der Schokoladenmesse schreibt. Lecker.