12 points go to – der Eurovision Song Contest 2016

Am 14. Mai 2016 fand der 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Im letzten Jahr siegte der Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden mit seinem Song „Heroes“ und sorgte dadurch für die diesjährige Ausstragung des ESC in seinem Heimatland. Zusammen mit der Komikerin Petra Mede moderierte er den Musikwettbewerb, an dem in diesem Jahr 26 Länder teilnahmen.

Neues Punktesystem

Ein neues Punktesystem, bei dem die Punkte von Fachjury und Publikum der 42 stimmberechtigten Länder erstmals getrennt vergeben worden sind, sorgte für einige Überraschungen am Abend und machte den ESC spannend bis zum Schluss. Zuerst wurden die Punkte der Fachjurys der jeweiligen Länder verkündet. Danach hätte die Sängerin Dami Im aus Australien mit ihrem Song „Sound of silence“ den ESC gewonnen.

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Platz zwei und drei wären nach Juryabstimmung an Sängerin Jamala aus der Ukraine und den sympathischen Sänger Amir mit seinem französisch-englischen Gute-Laune-Hit J’ai cherché” aus Frankreich gegangen. Der polnische Sänger Michał Szpak bekam für seinen Song „Colour of your life“ von der Jury lediglich sieben Punkte, was den vorletzten Platz bedeutet hätte.

Zuschauer teilten Jurymeinung nicht

Doch das Zuschauervoting kippte das Ergebnis. Das führte dazu, dass Michał Szpak vom Publikum 222 Punkte erhielt und mit einem guten achten Platz äußerst zufrieden sein konnte. Damir Im aus Australien hatte sich zu früh gefreut. Durch das Zuschauervoting stieß die Ukrainerin Jamala sie mit insgesamt 534 Punkten vom ersten auf den zweiten Platz und siegte mit ihrem Song „1944“ beim diesjährigen ESC.

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Der Song hatte bereits im Vorfeld des ESC aufgrund seines Inhalts für Kritik gesorgt, denn er handelt von der Geschichte von Jamalas Uroma, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurde. Auch nach dem Sieg gab es Kritik an der dadurch entstandenen Politisierung des ESC. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte der Russe Sergey Lazarev den Wettbewerb gewonnen. Er konnte nicht nur gesanglich mit „You are the only one“, sondern auch mit seiner spektakulären Show, bei der die Videoanimationen im Hintergrund perfekt auf seine Performance abgestimmt waren, überzeugen. Da ihn die Jury jedoch nicht ganz so weit vorne sah, schaffte er es mit insgesamt 491 Punkten nur auf den dritten Platz.

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Viele Höhepunkte und Jamie-Lee als Schlusslicht

Zu den Höhepunkten gehörten auch der Schwede Frans mit seinem Liebeslied „If I were sorry“ (Platz fünf) und der Niederländer Douwe Bob, der in seinem Song „Slow down“ dazu aufruft, im stressigen Alltag öfter mal innezuhalten, was er bei seiner Darbietung sowohl durch eine zehnsekündige Pause als auch durch eine rückwärtsgehende Uhr im Bühnenbild verdeutlichte (Platz elf). Jamie-Lee Kriewitz konnte mit ihrem Song „Ghost“ und ihrem Manga-Look weder Jury noch Publikum begeistern und belegte mit nur elf Punkten den letzten Platz.

Der diesjährige Eurovision Song Contest überzeugte durch viele tolle Songs und Auftritte sowie auffallend viele hübsche Sänger, die den ESC auch optisch zu einem Highlight machten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier mehr über Miles Davis.

Musik verbindet – der Eurovision Song Contest

Es ist wieder einmal so weit. Am Samstag, den 14. Mai feiern Stockholm, Schweden und ganz Europa den 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC.
Am Dienstag und Donnerstag fanden bereits die Halbfinale statt. Was uns dieses Jahr erwartet, ist hier zu lesen.

Europa kommt zusammen

„Come together“ heißt das Motto des diesjährigen ESC. Das ist es auch, wofür der ESC steht – den europäischen Geist und ein freundschaftliches Fest für die Musik.
Was vor 60 Jahren in der Schweiz mit nur sieben Teilnehmern begann, hat sich bis heute zu einem der größten TV-Ereignisse des Jahres und zur weltweit größten Musikshow entwickelt, denn der Eurovision Song Contest, wird nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt übertragen. Dieses Jahr nehmen 28 Länder am Finale des Wettbewerbs teil.
Diese Teilnehmer beschränken sich inzwischen nicht mehr nur auf Europa. Regelmäßig ist Israel ein gerngesehener Gast. Auch Australien hat sich zum zweiten Mal in Folge durch seine Begeisterung für den Wettbewerb einen Platz unter den Auftretenden verdient.

Ein Fest der Gegensätze

Der ESC steht außerdem für eine bunte Mischung der mitunter bizarrsten und verrücktesten Auftritte. Aufsehen erregende Bühnenshows sind ebenso zu finden, wie schlichte, ganz auf die Musik konzentrierte Darbietungen.
Die wohl spektakulärste Show bietet dieses Jahr der Russe Sergey Lazarev. Die Videoleinwände im Hintergrund lassen ihm riesige schwarze Flügel wachsen und sind insgesamt sind so eingesetzt, dass sie perfekt in seine Choreographie hineinpassen. Zusammen mit zusätzlichen Requisiten sorgen sie dafür, dass die Grenzen zwischen Illusion und Realität verschwimmen.
Ein Zeichen in die ganz andere Richtung setzt Douwe Bob aus den Niederlanden. Sein Lied Slow down, ruft in einer hektischen Zeit dazu auf, öfter innezuhalten. Passend dazu macht er auch während seiner Darbietung eine zehnsekündige Pause, die zumindest im ersten Halbfinale, ein übereiltes Publikum schon irreführen konnte.
Ein eher ruhiger Vortrag kommt auch von der Österreicherin Zoë. Sie singt, übrigens im Gegensatz zu den Muttersprachlern selbst, ihr Lied ausschließlich auf Französisch.
Unsere eigene Kandidatin Jaime-Lee Kriewitz fällt als „Mangamädchen“ auf.
Auch in diesem Jahr sind die Beiträge also wieder sehr verschieden und gegensätzlich. Doch ist es wahrscheinlich genau das, was den Reiz des ESC ausmacht.

Der Songcontest ist ein Wettbewerb der Gegensätze. Er polarisiert, sowohl in seinen Darbietungen selbst, als auch in den Meinungen über sie und über ihn selbst. Ob man den Wettbewerb nun mag oder nicht: An Spannung und Überraschungspotenzial hat er auch nach sechzig Jahren nicht verloren. Die Diskussionen darüber verbinden, und das ist es, worauf es beim Eurovision Song Contest ankommt – oder?

Stockholm hat Stil – der Shoppingguide

Passend zu meinem Artikel „Fünf Tage in Stockholm- Shopping und Schnee“ möchte ich euch auch einen Shoppingguide für diese wundervolle Stadt mitgeben. Denn wie bereits erwähnt ist Stockholm ein Paradies zum Einkaufen, Bummeln und sich inspirieren lassen von den hübschen, stylishen und stilbewussten Schweden.

 Ich möchte gerne von vornherein anmerken, dass es teilweise furchtbar deprimierend sein kann, durch die Straßen Stockholms zu schlendern und ein Auge auf den Streetstyle der jungen Schweden zu werfen. Während ich dick eingepackt wie das „Michelin-Männchen“ versuchte, auf den riesigen Eisplatten, die die Gehwege überzogen, mein Gleichgewicht zu halten, begegneten mir zahlreiche Schweden Mädchen mit Sportschuhen, Leggins und dünner Übergangsjacke. Sie schienen geradezu über die glatten Stellen zu gleiten, von frieren keine Spur. Keine Ahnung wie die das schaffen.

 Hinzu kommt noch, dass die meisten jungen Leute in der Hauptstadt Schwedens unheimlich sportlich wirken, strahlende Augen haben und ganz nebenbei alle aussehen wie Topmodels. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wer diesen Schock überwunden hat, sollte sich einfach von den stilbewussten, kreativen Köpfen des Nordens begeistern und vor allem inspirieren lassen.

 Und so kann es auch schon losgehen mit dem eigentlichen Shoppingguide!

 Los geht es, wo eigentlich jede Shoppingtour durch Stockholm beginnen sollte: in der „Fußgängerzone“, der „Drottninggatan“. Am besten erreicht man diese mit der U-Bahn, Haltestelle „T-Centralen“, hier hält jede Linie. Hier findet man alle möglichen Geschäfte, vor allem die größeren Kaufhäuser und typischen Schwedenmarken wie „H&M“. „H&M“ gibt es in dieser Straße gleich mehrmals und wer denkt, dass er „H&M“ schon zur Genüge kennt, sollte trotzdem einen Blick in die verschiedenen Filialen werfen, da die schwedischen „H&M“s um einiges mehr zu bieten haben als die deutschen. Besonders interessant ist die Filiale von „H&M Home“ und die Filiale, zu der eine eigene Schuhabteilung gehört. Kaum zu übersehen ist das Kaufhaus „Åhléns City“ (Klarabergsgatan 50/Ecke Drottninggatan). Hier gibt es alles von Kleidung über Make-Up bis zu einem Supermarkt mit Gourmet Abteilung. Ein weiteres Muss für jeden Musikfan ist der Record Store „Bengans“ (Drottninggatan 20). Hier gibt es alles, was das Musikherz begehrt und nicht selten geben hier bekannte schwedische Bands wie „Mando Diao“ oder „The Hives“ kleine Konzerte oder Autogrammstunden. Weiter nördlich auf der Drottninggatan befindet sich „Weekday“ (Drottninggatan 65). Hier kaufen die Fashionistas Europas ein. Zu „Weekday“ gehört beispielsweise die inzwischen sehr verbreitete und bekannte Marke „Cheap Monday“ und wer Glück hat, kann hier super Schnäppchen machen oder auch schon die Trends von morgen aufspüren. Die Verkäufer sind übrigens sehr hilfsbereit und präsentieren zu 100% den typisch schwedischen Streetstyle. Wer die Fußgängerzone weitergeht, findet noch alle möglichen weiteren Shops und Kaufhäuser; auch in den Seitengassen rund um die „Drottninggatan“ gibt es einiges zu entdecken.

 Ganz in der Nähe der Fußgängerzone (Hamngatan 10) befindet sich eine der zahlreichen Filialen von „Gina Tricot“, was man sich so ähnlich vorstellen kann wie „H&M“. Direkt nebendran liegen die Filialen von dem Nobelabel „Acne“ sowie „Tiger of Sweden“. Beide Marken stehen für skandinavischen Purismus, gepaart mit einer ordentlichen Portion Rock’n’Roll. Weiter Richtung „Sergels Torg“ innerhalb der Passage „Gallerian“ gibt es eine kleine Filiale des britischen In-Kaufhauses „Topshop“ (Hamngatan 37). Diese „Topshop“ Filiale ist wohl für Frauen interessanter, da die Männerabteilung recht klein ist.

 Weiter in den noblen Stadtteil „Östermalm“: Hier befindet sich mein persönlicher Shopping Favorit, „Urban Outfitters“. Leider sind die Klamotten etwas teurer, jedoch kann man sicher gehen, dass die Teile von „Urban Outfitters“ hier in Deutschland noch lange nicht so bekannt sind (bis jetzt gibt es nur eine Filiale in Hamburg) wie z.B. die von „Zara“ oder „H&M“. Aber am imposantesten bei diesem Geschäft ist die Architektur. Diese Filiale ist nämlich in einem alten, restaurierten Kino untergebracht. Man shoppt hier auf zwei Ebenen zwischen Stuckwänden und roten Samtvorhängen und kann auf der alten Kinoempore entlang spazieren. Sonst sind in „Östermalm“ sehr viele internationale  und skandinavische Nobelmarken wie „Agent Provocateur“, „Hugo Boss“, „Filippa K“ oder „Fifth Avenue Shoe Repair“ vertreten.

 Für Vintage und Second Hand Fans ist der Stadtteil „Södermalm“ wohl am interessantesten. Hier verkehrt die junge, kreative und weltoffene Szene. Nicht selten begegnet man hier dem ein oder anderen bekannten Gesicht wie den Jungs von Mando Diao, Sugarplum Fairy oder The Hives. Mit dem Shoppen beginnt man am besten direkt an der U-Bahn Station „Slussen“ und arbeitet sich ab der Götgatan vor Richtung Süden. In den Seitenstraßen gibt es zahlreiche schöne Secondhandläden, mir persönlich besonders gut gefallen hat „Emmaus“, wo es wirklich alles gibt, von Hässlich über Kitschig bis absolut stylish. Die üblichen Verdächtigen Shops wie Weekday (Götgatan 21) und Monki (Götgatan 19)  tauchen auch hier in noch einmal auf. Geht man nun weiter und ab Medborgarplatsen nach Osten tauchen immer mehr kleine Vintageparadiese auf. Unschlagbar und nicht mehr unbekannt ist „Beyond Retro“ (Åsögatan 144), wo es wirklich aus jeden Jahrzehnt etwas gibt. Außerdem ist dieser Vintage Store perfekt sortiert und alle Teile sind Originale, hier ist nichts nur „auf alt gemacht“. Nicht umsonst ist das der Shop des Vertrauens von Miss Li, Robyn und Lykke Li.

 Am Interessantesten ist jedoch immernoch, das Selbstentdecken und die zufälligen Glückstreffer. Weitere Tipps sind immer willkommen.

Ein paar hilfreiche Links:

 www.monki.com

 www.weekday.com

 www.urbanoutfitters.com

 www.bengans.se

 www.ginatricot.com

 www.shoerepair.se

 www.filippa-k.com

 www.acnestudios.com

 www.beyondretro.com

 www.lesmads.de/2010/08/shopping_in_stockholm_sodermalm.html#more

 

Shopping und Schnee – fünf Tage in Stockholm

Die ersten Tage, an denen man ohne dicke Winterjacke die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen kann, sind gekommen. Und was mache ich? Ich sitze mit meinem besten Freund im Auto auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, in der Hand mein Flugticket nach Stockholm. Im Gepäck Winterjacke, Handschuhe, Mütze und robustes Schuhwerk. Dass es sich trotz der eisigen Temperaturen gelohnt hat, werdet ihr hoffentlich am Ende des Artikels auch bejahen.

 Der Flug nach Stockholm wurde von „SAS“ (wegen der „Star Alliance“) durchgeführt und war absolut entspannt. Das einzige Manko: „SAS“ bietet zwar eine große Auswahl an Getränken und Snacks an, aber nur gegen recht viel Geld. Also ließ ich meinen Magen vorerst knurren und kaufte mir am Stockholmer Flughafen einen Imbiss. Von dort aus ist es nicht schwer, in die Stadt zu kommen, da der „Arlanda“ Flughafen im Gegensatz zum Billigflieger Flughafen „Skavsta“ recht nahe an der Stadt liegt. Mit dem „Arlanda Express“ ist man in 20 Minuten am Hauptbahnhof „T-Centralen“. Ein Hin- und Rückfahrtticket für Jugendliche bis 25 Jahre ist zwar recht teuer, aber es lohnt sich nicht nur wegen dem Komfort sondern auch wegen der wunderbaren Aussicht auf die traumhafte Landschaft der „Upplands“ nördlich von Stockholm.

 Angekommen am „T-Centralen“ haben wir uns erst einmal ein Sieben-Tages-Ticket für die U-Bahn gekauft, mit dem man zu jeder Zeit und so oft man will, fahren kann. Dieses erhält man an einem der vielen Kioske, die es in jeder U-Bahn Station gibt („Pressbyrån“). Die Kosten dafür lagen bei 280 SEK, also ungefähr 30€. Man muss sich also schnell daran gewöhnen, das Schweden eines der teuren EU-Länder ist.

 Dann machten wir uns auf den Weg zu unserem Hostel „Långholmen“. Dabei handelt es sich um ein altes Gefängnis, welches sich auf einer kleinen Insel im Nordwesten der Insel „Södermalm“ befindet. Dieses Gefängnis wurde zu einem Hotel und Hostel umgebaut, ohne architektonisch viel zu verändern. Man wohnt tatsächlich in einer Gefängniszelle, die etwa acht Quadratmeter groß ist und Doppelstockbetten hat. In unserem Falle hatten wir noch ein eigenes Bad in unserer Zelle, welches fast genauso groß wie die Zelle war. Außerdem war es sehr sauber und hygienisch, was mir persönlich sehr wichtig ist. Gegen einen kleinen Aufpreis bekommt man an der Rezeption Bettwäsche und Handtücher. Da wir kein Hotelfrühstück gebucht hatten, probierten wir am ersten Tag Frühstück in der Stadt aus, was sich aber als nicht sonderlich billiger als das Hotelfrühstück entpuppte. Also kauften wir von nun an jeden Tag Tickets für das Hotelfrühstück. Für etwa zehn Euro hatten wir eine große Auswahl an Brot, Brötchen, Aufstrichen, Käse, Wurst sowie frisch gekochten Eiern und Müsli.

Urig: Das Hostel im ehemaligen Gefägnis (Foto:Wobbe)

 Da ich das große Glück habe, dass dies mein vierter Aufenthalt in Stockholm war, kenne ich mich schon recht gut aus. Also wusste ich auch schon ein wenig, was sehenswert ist und was nicht. Wer in Stockholm jedoch die Millionen Sehenswürdigkeiten à la London oder Paris sucht, der wird wohl enttäuscht. In Stockholm steht nicht an jeder Ecke irgendetwas, worum sich die Touristen schlagen. Ich sehe die Stadt eher als Gesamtkunstwerk. Stockholm wird ja auch nicht umsonst gerne „Venedig des Nordens“ genannt. Einen ganz besonderen Reiz haben die vielen Inseln, kleine und große, die die Stadt gliedern und die jede für sich etwas ganz Eigenes haben. Die interessanteste Insel für Touristen ist ohne Frage „Gamla Stan“ (dt. Altstadt). Dort befinden sich noch größtenteils alle mittelalterlichen Gebäude und Straßenverläufe. Wichtigste Sehenswürdigkeit ist natürlich das königliche Schloss, der Sitz der schwedischen Monarchie. Sehenswert sonst ist die „tyska kirkan“ (dt. deutsche Kirche), sowie das Ritterhaus und die „Svenska Akademien“, wo der weltbekannte Nobelpreis verliehen wird. Am besten jedoch, man fängt einfach in einer der kleinen Gassen an loszulaufen und entdeckt die Stadt für sich selbst. Daneben liegen die Inseln „Riddarholmen“ und „Helgeandsholmen“, wo sich das Mittelaltermuseum, der Reichstag und wichtige Justizinstitutionen befinden.

 Auf „Norrmalm“ befinden sich weitere Regierungssitze, sowie der berühmte „Sergels torg“, ein Platz an dem z. B. das Kulturhaus mit Stadttheater liegt. Von dort aus ist man auch schnell in der „Drottninggatan“, die Haupteinkaufsstraße Stockholms. Rund um diese Straße kann man alle möglichen kleinen Boutiquen und Cafés entdecken.

 Auf „Östermalm“ im Nordosten tummeln sich die schwedischen Besserverdiener. Alles ist sehr nobel, jedoch nicht übertrieben protzig. Entsprechend teuer sind auch die Restaurants, Hotels und Shops, die man hier entdeckt. Nichtsdestotrotz ist „Östermalm“ ein Besuch wert, gerade auch weil man hier ebenfalls eine wunderschöne Aussicht auf „Gamla Stan“ und das Wasser genießen kann. Hier befindet sich auch das Königliche Dramatische Theater, sowie das Theater und Restaurant „Berns“, welches am besonders im Sommer wunderschönen „Berzeliuspark“ liegt. Man findet hier auch zahlreiche Restaurants und Bars jeglicher Nationen, die jedoch recht teuer sind. Ein weiteres kulinarisches Erlebnis ist die „Saluhall“, eine alte Markthalle, in der alle erdenklichen Gerichte direkt verkauft werden.

 Im Winter eher unbeliebt bei Touristen, im Sommer umso mehr, ist der Naturpark „Djurgården“. Diese Insel liegt nordöstlich von „Gamla Stan“ und hat einiges zu bieten: zuerst einmal das bekannte „Vasamuseum“, das „Nordische Museum“, zahlreiche Vergnügungsparks und natürlich „Skansen“. Dabei handelt es sich um ein großes Freilichtmuseum, was sehr gut die Entwicklung des schwedischen Lebens darstellt. Die Insel als Gesamtes ist einfach wunderschön aufgrund der einzigartigen schwedischen Natur und den Farben im Sommer. Ein Spaziergang lohnt sich definitiv.

 Als letzte Insel möchte ich euch meine persönliche Lieblingsinsel „Södermalm“ vorstellen. Das frühere Arbeiterviertel hat sich in den letzten Jahren zum Szeneviertel gemausert. Im Norden der Insel trennt „Slussen“ (dt. Schleuse) das Süßwasser des Mälarsees vom Salzwasser der Ostsee. Von dort aus hat mein eine einzigartige Aussicht auf das Wasser. Eine noch viel atemberaubendere Aussicht hat man vom „Katarinahissen“, ein Stahlweg hoch über den Dächern von „Södermalm“. Hier hat man nicht nur tagsüber sondern auch nachts einen Ausblick über den gesamten Norden der Stadt, der mich vollkommen begeistert hat.Sonst entdeckt man „Södermalm“ am besten zu Fuß, in dem man von „Slussen“ aus die „Götgatan“ entlangläuft bis zu „Medborgarplatsen“ und immer gerne einmal ein paar Abstecher in diverse ruhigere Seitenstraßen macht. Am Wochenende ist hier nachts sehr viel los in den Bars und Clubs, jedoch ist es für einen fremden kaum möglich an den Türstehern vorbeizukommen, wenn man keinerlei Kontakte hat. Das ist etwas schade.

 Alles in allem ist Stockholm auf jeden Fall eine Reise wert, im Sommer sowie im Winter. Wer gerne eine etwas ruhigere, naturverbundene und familienfreundlichere Großstadt mag, der ist hier sicherlich richtig. Auch zum Shoppen gibt es meiner Meinung nach in Europa kaum etwas Vergleichbares. An Museen mangelt es hier auf keinen Fall, Stockholm hat die meisten Museen verglichen mit europäischen Großstädten jener Größe. Wer jedoch auf Touristenmagneten und ständiges Fotogeknipse nicht verzichten kann, der sollte hier lieber nicht herkommen. Denn die Schweden sind eben ruhig, naturverbunden und puristisch.

Sugarplum Fairy: Die Norén-Brüder auf Solopfaden

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen: Ich als sechzehnjähriges Mädchen, das gerade die Indie und Alternativemusik für sich entdeckt. Eine Band, die einiges dazu beigetragen hat, war „Sugarplum Fairy“ aus dem legendären Borlänge, Schweden.

 Bereits 1998 wurde die Band von Carl Norén (Vocals, Gitarre, Klavier, Harmonika, Orgel) und seinem jüngeren Bruder Victor Norén (Vocals, Gitarre, Bass) gegründet. Weitere Bandmitglieder wie David Hebert (Bass, Gitarre, Orgel, Klavier), Jonas Karlsson (Backing Vocals, Gitarre) und Kristian Gidlund (Schlagzeug, Percussion) kamen im Laufe der Zeit dazu. Anfangs spielten „Sugarplum Fairy“ hauptsächlich in der eigenen Garage oder auf Schulfestivals. Während der ältere Bruder Gustav Norén mit seiner Band „Mando Diao“ auf europaweitem Erfolgskurs war, blieb für „Sugarplum Fairy“ der richtige Erfolg vorerst aus. Im April 2004 sollte es dann so weit sein: Die erste EP „Stay Young“ wurde veröffentlicht und die Songauskopplung „Sweet Jackie“ wurde in Schweden zum Hit. Das Debütalbum „Young and Armed“ folgte und wurde Anfang 2005 auch in Deutschland veröffentlicht. Mit ihrem Sound, der oft an klassische Rockbands wie „Rolling Stones“, „The Beatles“ oder „Oasis“ erinnert, erspielten sie sich die ersten Fans in Nordeuropa. Zu diesem Zeitpunkt knüpften „Sugarplum Fairy“ auch erste Bande mit Hörern aus deutschsprachigen Ländern und spielten vereinzelt Konzerte auch außerhalb Schwedens. Spätestens nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „First Round First Minute“ im August 2006 blieben sie nicht nur ein Geheimtipp unter Indiefans. Eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz folgte im Herbst 2006, die den Bekanntheitsgrad der Band um einiges steigerte. Nach zwei Jahren Pause, die Victor Norén eine Nebenrolle im Film „Das wilde Leben“ bescherte, veröffentlichten „Sugarplum Fairy“ im Herbst 2008 ihr drittes Album „The Wild One“, welches sich musikalisch am meisten von den anderen Platten unterscheidet.

 Nach zweijähriger Sendepause gab es nun auch wieder ein Lebenszeichen von den Schweden, das mich etwas verwirrt hat: Sowohl Carl als auch Victor sind nun solo unterwegs. Verwirrt hat es mich deswegen, weil ich absoluter Gegner von Leadsängern auf Solopfaden bin. Das geht leider nur in seltenen Fällen für die Band gut aus, auch wenn manche Leadsänger solo einiges zustande bringen. Meistens findet die Band danach nicht mehr zusammen. Man kann also nur abwarten und hoffen, was „Sugarplum Fairy“ betrifft…

 Doch nun eine nähere Betrachtung der Soloprojekte: Carl bleibt seinen alten Wurzeln treu und widmet sich dem, was er am besten kann: Gitarre, Keyboard/Klavier und Harmonika. Damit zaubert er rockige Folksongs, die stark an Akustikversionen von „Sugarplum Fairy“ erinnern und trotzdem interessant bleiben. Auch sein erstes Video zur Single „The Anger“, das im Oktober veröffentlich wurde, ist trotz seiner Einfachheit überraschend gut. Da ich die Ehre hatte, Carl als Supportact von Johnossi im Oktober zu sehen, kann ich nur empfehlen, eine Show von ihm zu besuchen. Er ist einer der wenigen, der er schafft, mit Akustikgitarre, Keyboard und Harmonika ohne auffällige Lichteffekte oder elektronische Hilfe gute Musik zu machen. Sein Debütalbum „Owls“ wird hoffentlich bald in Deutschland herauskommen.

 Victor hingegen scheint sich auf den ersten Blick bzw. Ton um 180 Grad gedreht zu haben. Dass Victor der exzentrischste der Norén Brüder ist, war dem ein oder anderen wohl schon vorher klar. Wer seine Homepage besucht und sein Video zu „When we were 10“ ansieht, wird trotzdem ähnlich verwirrt reagieren wie ich. Es wirkt wie ein Video einer gecasteten Boygroup und die Musik klingt nach Popmusik gemacht von Computereffekten. Außerdem fällt auf, dass Victor sich nun „Viktorious“ nennt. Nach dem Durchlesen der Biografie auf seiner Homepage kann man die 180 Grad Drehung dann doch verstehen. Er erklärt ausführlich, dass er schon immer ein Fan von Madonna und Michael Jackson war und auch schon immer davon geträumt hat, die Gitarre in der Garage stehen zu lassen, um tanzbare Popmusik zu machen. Das hat er auf jeden Fall geschafft und nachdem ich mir das Video ein zweites Mal angeschaut habe, muss ich begeistert den Hut ziehen. Das Video ist sehr gelungen und individuell, auch wenn ich mich an den Anblick Viktors mit lackierten Fingernägeln noch gewöhnen muss.

Vorschau: Wir haben den Latino-Reggae Sänger / Songwriter vor seinem Auftritt in Landau getroffen und interviewt. In diesem Sinne wünsche euch eine schöne Woche.