Warum Trends funktionieren

Schlaghosen, Color Blocking, Blumenmuster – Trends begleiten uns im täglichen Leben. Dies betrifft so ziemlich alle Themengebiete. Von den beliebtesten Farben bei Autos, zu den neusten Stylings für die Frisur, über die angesagtesten Stilrichtungen und Motiven bei der Tattooauswahl bis hin zu den stetig wechselnden Sommer- und Winter- Kollektionen der einzelnen Modellabels.

Trends mit Halbwertszeit

Obwohl einige Trends im ersten Moment oder während ihres gesamten Bestehen stark belächelt werden, setzen sie sich schlussendlich doch durch, bis ihre Halbwertszeit erreicht ist und sie nach und nach wieder das Rampenlicht verlassen.Trends wie die floral gestalteten Shirts für Männer letzten Sommer, der Ultra V-Ausschnitt bis zum Bauchnabel, der Neon Trend vor zwei Jahren oder die Kleid-lange Shirt- und Pullover- Kreationen, die uns das letzte halbe Jahr begleitet haben, sah man zuerst teilweise nur in sozialen Netzwerken, bis sie nach und nach die Läden der unterschiedlichen Labels füllten.Und diese Trends kamen alle an. Wie kann dasdies sein? Sind siedoch ganz anders oder sogar das komplette Gegenteil der meisten langfristig bestehenden und beliebten Stilrichtungen der Männer- Mode und unterstreichen, weder den extrem eleganten noch den extrem rebellischen und starken Mann.

Wieso funktionierenTrends immer und immer wieder?

Es ist eigentlich ganz einfach: Der Mensch ist genetisch darauf getrimmt, dass die beste Überlebenschance im Rudel besteht. Daraus formten sich über Tausende von Jahren unser Hang und das unüberwindbare Bedürfnis nach sozialen Kontakten und sozialer Anerkennung. Diese Anerkennung versuchen wir zu stärken, indem wir uns anpassen, oder besser, indem wir sogar eine Vorreiter- Stellung einnehmen und das „Rudel“ dadurch anführt.
Genau dieser ureigene Instinkt beeinflusst die Trends von heute und morgen.Wenn der coole Typ aus der Schule, der all die hübschen Mädels abbekommt, ein Kleid-langes Shirt anziehen kann, ohne dass er dafür Spot erntet, oder seinen Alpha- Status verliert, dann bekommt dieses Kleidungsstück natürlich automatisch ein besseres Standing in der Wahrnehmung der Mitschüler.Dieser Effekt wird heut zu tage durch das Fernsehen oder die sozialen Netzwerke noch verstärkt.Denn die Prestige, die der coolste Junge der Schule hat, wird noch weit überschritten, wenn ein Promi oder gleich mehrere sich für einen Kleidungsstil entscheiden und dieser online oder von Fernsehmoderatoren noch gelobt wird. Vorbilder heißen nicht umsonst Vorbilder, denn sie geben das Bildnis vor, nachdem wir uns richten.

Kurzfristige Trends versus dauerhafter Stil

Doch ist es wirklich ratsam sich an kurzfristige Trends zu halten? Besonders im Bereich der Tattoos, welche einen ein Leben lang begleiten, ist ein wenig Weitsicht sicherlich hilfreich. Schließlich sollten wir uns darüber bewusst sein, dass ein eigener und dauerhafter Stil nicht nur Vertrauen schafft, sondern auch eine gelassene Authentizität, für die man schlussendlich beneidet wird.

 

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta im Interview

Von Indonesien ins waschechte Schwabenland. Schwabenkind Designerin Nadine Psotta legte einen langen Weg für ihren Modetraum zurück. Bereits mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Mode und arbeitete ab diesem Zeitpunkt hart an ihrem Traum. Nach einer Second-Hand-Boutique, Arbeiten für die Filmbranche und die Produktion ihrer ersten Kollektion in Indonesin, ist die Modedesignerin an ihrem großen Traum angekommen und führt nicht nur eine erfolgreiche Modelinie, sondern produziert inzwischen, ganz getreu dem Namen, ausschließlich im Schwabenland.

Schwabenkind_Nadine_Psotta

Schwabenkind ganz privat: Designerin Nadine Psotta in ihrem Atelier. (© Ilona Schneider)

Face2Face: Wann wusstest du, dass du etwas mit Mode machen möchtest?
Nadine: Ganz genau am 06.07.1989, meinem ersten Tagebucheintrag. An diesem Tag habe ich Modeschöpferin gespielt. Von meinen Eltern habe ich viel Lob bezüglich meines Talents erhalten. Auch wenn dies eher große Elternliebe war, mein Weg ebnete sich damals genau in diesem Moment. Am Abend dieses Tages interviewte ich mich selbst und beendet des Interview mit folgendem Satz: „Und heute ist sie eine ganz bekannte Modeschöpferin“. Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese, muss ich schmunzeln – Ich möchte definitiv einmal die Entwürfe von damals mit meinem heutigen Wissen umsetzen.

 www.lichtformstudios.de

Verspielt und unkonventionell: Schwabenkind-Dirndl mit Blumenschmuck. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Dein Modelabel wurde ja nach deinen Großeltern benannt, welche Geschichte steckt da dahinter?
Nadine: Meine Großeltern hießen Karl und Maria. Meine Oma war eine ganz begeisterte Näherin und hat viele Dinge mit mir umgesetzt. Aufgrund ihrer gradlinigen Phantasie, haben wir haben uns zwar immer die Köpfe eingeschlagen, ich konnte mich am Schluss aber immer gut durchsetzen. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet. Meine Oma war auch diejenige, die mir die Liebe zum Nähen und Designen beibrachte. Leider ist sie ein halbes Jahr vor meinem Modedesign Abschluss verstorben. In Anlehnung an meine Oma und meinen Opa habe ich deshalb die Modelinie Karla Maria begonnen, wobei Schwabenkind heute präsenter ist bzw. Karla Maria die Exklusivmarke von Schwabenkind ist.

Face2Face: Neben den Basics und Kindersachen gibt es auch die Kollektionen King Karl und Queen Maria. Wofür stehen diese Kollektionen?
Nadine: King Karl steht für meinen Opa den Karl und Queen Maria für meine Oma Maria.

Face2Face: Wie wird denn dein ganz eigener Stil und damit auch deine Kollektionen beeinflusst?
Nadine: Ich reise sehr viel und schaue mir auch gerne Dokumentationen über andere Länder und Kulturen an. Darüber erhalte ich immer ganz witzige Ideen.

Face2Face: Deine Kollektionen sind ja sehr farbenfroh – welche ist denn deine Lieblingsfarbe?
Nadine: Meine Lieblingsfarbe ist Petrol. Petrol oder Türkis, das sind meine persönlichen Favoriten.

Schwabenkind_Kleid_rot

Ein Traum in Pink: Eines der vielen farbenfrohen Designs von Nadine Psotta. ( © www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Was möchtest du mit deinen Designs ausdrücken?
Nadine: Ich möchte zeigen, dass alles was nicht zusammen passt, am Schluss definitiv passend gemacht werden kann. Für meine Phantasie gibt es keine Grenzen und ich vertrete die Meinung, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Was mich auch immer genervt hat ist, dass wenn ich in einen Kinderladen rein gegangen bin, ich immer so viele Kleidungsstücke gesehen habe, die ich auch so gerne haben wollte, allerdings gab es diese natürlich nie in meiner Größe. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch solch eine bunte und verrückte Mode machen möchte, allerdings für Erwachsene.

Face2Face: Symbolisieren diese Kollektionen deine Großeltern?
Nadine: In den Kollektionen steckt meistens ein kleines Stück Oma oder Opa. Sei es ein alter Stoff den ich verarbeite oder Rüschen und Knöpfe, die ich noch von meiner Oma geerbt habe.

Face2Face: Deine Kleidungsstücke werden ausschließlich im Schwabenland produziert. Was ist dir daran besonders wichtig?
Nadine: Die Produktion im Schwabenland ist mir auf Grund meiner guten Zusammenarbeit mit meinen Geschäftspartnern Brigitte und Gerhard von der Schwäbischen Alb besonders wichtig. Die hohe Qualität die sie mir bieten, ist einfach unschlagbar. Auch der kurze Anfahrtsweg und der rechtliche Schutz der mir im Inland zusteht, sind grundlegende Kriterien für meine Wahl. Was mir natürlich auch gefällt ist, dass man mich hier versteht, wenn ich „schwätze“, was in Asien generell nicht der Fall war, vor allem wenn ich „gemotzt“ habe.

Face2Face: Soll die Produktion im Schwabenland auch die Marke Schwabenkind symbolisieren?
Nadine: Ich will Schwabenkind definitiv nur noch im Schwabenland produzieren.

Schwabenkind_Tracht_Hut

Traditionell und doch verrückt: Das Waldmädchen von Schwabenkind. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Wie sieht denn der typische Kunde/die typische Kundin aus, die Schwabenkind kauft?
Nadine: Typische Kunden gibt es bei mir gar nicht. Bei mir kauft wirklich von der kleinen Prinzessin, die von ihrer Mutti etwas bekommt, bis zur Oma mit lila gefärbten Haaren. Das beste Erlebnis war auf einer Messe, als ich von weitem zwei Personen gesehen habe, die komplett in Lack und Leder gekleidet waren. Ich wunderte mich schon wo diese hin möchten, als ich an ihrem Namen erkannte, dass sie Stammkunden von mir waren. Im Endeffekt richtig geile Leute. Ich habe noch nie einen meiner Kunden kennengelernt der mir unsympathisch war.

Face2Face: Was hast du, was andere nicht haben?
Nadine: Ich denke meine Stärke liegt darin, dass ich mich nicht darum schäre was gerade Mode ist. Ich höre auf mein Herz und mache nur die Dinge, die mir Spaß machen. Mein großes Geheimrezept liegt wohl darin, dass es mir nicht darum geht das große Geld zu machen, sondern mich selbst in meiner Arbeit widerzuspiegeln.

Danke Nadine Psotta für den Einblick, dass hinter der Mode nicht nur Trends und schöne Schnitte stecken, sondern auch viel tiefgründige Bedeutung und ganz viel Herz.

http://schwabenkind.com

Vorschau:

Traditionell und fesch – Dirndl-Trends 2014

Traditionell und fesch soll es sein: Das Dirndl für die Wiesn 2014 (© Michaela Schöllhorn / pixelio.de)

Traditionell und fesch soll es sein: Das Dirndl für die Wiesn 2014 (© Michaela Schöllhorn / pixelio.de)

Face2Face macht Schluss mit altbackenen Trachten und zeigt euch die Wiesn-Hits 2014 mit den besten Tipps für den schönsten Dirndl-Look und die perfekten Accessoires.

Sehr gefragt sind in diesem Jahr schwarz-goldene Dirndl oder einfarbige Trachten mit goldener Verzierung. Die Top Wiesn-Hits sind aktuell jedoch klassisch geschnittene Trachtenkleider in kräftigen Farben wie Lila, Grün, Gelb und Blau.

Die absoluten Must-Haves für den perfekten Dirndl-Look sind aber die richtigen Accessoires. Schicke Schuhe sind dafür essentiell – dabei darf man jedoch ruhig einmal zwischen High Heel und Ballerina wechseln.

Grün, blau oder doch eine ganz andere Farbe? Die Auswahl an Dirndl ist groß (© Moni Sertel)

Grün, blau oder doch eine ganz andere Farbe? Die Auswahl an Dirndl ist groß (© Moni Sertel)

Ein schöner und gerne auch auffälliger Halsschmuck darf natürlich auch nicht fehlen. Die kostbaren Schmuckstücke kann man übrigens variabel an Hals, Handgelenk oder Mieder hängen.

Zu guter Letzt ist die richtige Tasche das i-Tüpfelchen des perfekten Dirndl-Looks. Ob lässig über die Schulter gehängt oder frei am Handgelenk schwingend – erlaubt sind alle Stoffe und Formen, die zum Dirndl passen und dieses aufwerten.

Das größte Volksfest der Welt bietet also nicht nur gutes Bier und wilde Fahrgeschäfte, sondern auch einen modernen und dennoch traditionellen Catwalk für stilbewusste Madln.

Vorschau: Am Donnerstag, 18. September zeigt euch Robert wie man den anbrechenden Herbst mit Farben erhellt.

Mann oder Frau? …

… Das ist hier die Frage. Wer sich in der Modewelt ein wenig auskennt und ab und zu die aktuellen Trends verfolgt, der erkennt schnell, dass zurzeit für ein wenig Verwirrung auf den Laufstegen gesorgt wird. Natürlich existiert dieser Trend nicht erst seit gestern, doch es scheint, als sei er heute erst richtig in der Modebranche angekommen und hat sich vor allem diesen Herbst und Winter, teilweise auch im Sommer schon, so richtig durchgesetzt.

Frauen tragen geradlinige, maskuline Schnitte und Männer lange Röcke. Sogar die Jeans wird für das männliche Geschlecht immer enger, wobei Frauen in vielen Geschäften und Modezeitschriften die sogenannte Bundfaltenhose oder Boyfriend-Jeans vorfinden, die gerne in Kombination mit einem Blazer getragen werden. In vielen Mode-Stores oder sogar bei Ketten, wie H&M und ZARA findet frau Blazer im Boyfriend-Schnitt, der etwas länger sind, als die normalen Blazer, die Frauen bislang zu einem Kostüm getragen haben. Dazu schlüpft sie in Budapester oder sportliche Vans, und kann, wie Jenna Lyons, die die Chef-Designerin vom amerikanischen Label J.Crew ist, damit fast schon auf den roten Teppich oder auf schnieke Veranstaltungen gehen.

Auch oft zu sehen auf den Laufstegen sind Hemdblusen, die man unter einem Strickpullover trägt – natürlich in Kombination mit einer Bundfaltenhose, bunten Socken und umgeschlagenem Saum.

Nun fragt sich unser eins, wie man da die weiblichen Kurven sexy in Szene setzen soll. Alles ist kastig geschnitten, sogar die Wintermäntel umschmeicheln nicht mehr die Weiblichkeit wie etwa ein Daunenmantel mit Gummizug auf Taillenhöhe. In der September-Ausgabe der Zeitschrift „InStyle“ heißt es: „die neuen Jacken sind tough statt feminin“. Hierbei geht es um Bomberjacken und Parkas im Millitary-Look und Lederjacken, die diesen Winter in keinem Kleiderschrank fehlen dürfen.

Oft sieht man auf den Laufstegen aktuell gerade auch die Frau, die den typischen Herrenhut trägt, was ihr einen eher strengen und maskulinen Ausdruck verleiht. Das Accessoire, was einst einmal Herrenhut genannt wurde, ist für die Frau nun kaum noch wegzudenken. Im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten, in denen der Hut noch als Symbol für gesellschaftliche Zugehörigkeit – oder Ausgrenzung – galt, drückt er heute vor allem eins aus: Power!

Im Vergleich dazu findet man bei den Männern auf den Laufstegen eher einen Ausdruck der ihre feminine Seite unterstreichen soll. Enge Hosen, lange Shirts und oftmals mit einer Handtasche ausgestattet laufen sie über die Laufstege von heute.

Im Sommer waren sogar auch die Shorts keine Bermudas mehr, sondern knappe Höschen, die man kaum von unseren Hotpants unterscheiden konnte. Diesen Winter können wir allein schon wegen des Schnittes der Winterjacken kaum unterscheiden, ob wir da einem heißen Boy, oder einer modebewussten Lady hinterher schauen. Auch bei den Schuhen wird nicht mehr zwischen den zwei Geschlechtern unterschieden – außer bei der Größe vielleicht. Mann trägt jetzt nämlich auch Stiefel zum langen Wintermantel.

Außerdem muss man als modebewusster Kerl diese Saison nicht nur Karotten im Gemüsefach haben, sondern auch im Kleiderschrank. Gemeint sind die sogenannten „Karottenhosen“, die man bisher nur im Kleiderschrank einer Frau gefunden haben dürfte. Wem diese Hosen nichts sagen, der kann sich darunter eine Art Bundfaltenhose in 7/8-Länge vorstellen, deren Form einer Karotte gleicht.

So viel Weiblichkeit war uns bei unseren Herren bislang unbekannt. Für die Ladies gilt: Solang der Kerl sich noch verhält wie ein Gentleman, ist der Modestil Nebensache und er darf sich gerne auch etwas modebewusst und femininer zeigen.

Für die Jungs bleibt zu sagen: Ganz ist die Weiblichkeit der Frau natürlich nicht verschwunden. Ebenfalls sehr trendy und aktuell sind kurze Hosen kombiniert mit Overknee-Stiefeln sowie die Sanduhr-Silhouette, die durch High-Waist-Hosen und Bleistiftröcke sehr schön zur Geltung gebracht werden kann.

Dennoch kann man sagen: Die Frau von heute tritt mit einem ganz anderen Flair auf die Straße. Sie ist tough, elegant und graziös und scheint zu wissen was sie will.

 Vorschau: Nächste Woche dreht sich alles rund um Nagellack. Seien wir gespannt!

Lookism – Warum nicht nur innere Werte zählen

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband“, – ja, dergleichen Sprichwörter gibt es einige. Sie alle drehen sich rund ums Verhältnis zwischen Innen und Außen, zwischen Oberfläche und Inhalt, zwischen dem Offensichtlichen und dem Verborgenen. Vor allem Vertreter der sogenannten inneren Werte und damit einem Freund von mir zufolge auch Opfer des „Lookism“ würden den eben zitierten Sprichwörtern ohne lange Bedenkzeit beipflichten.

Doch ich, aus meiner Täter-Perspektive heraus, sollte dem vielleicht eine Definition des Lookism voranstellen, zumal sie mir vor nicht allzu langer Zeit selbst erstmals zu Ohren kam:

Lookisten machen sich der Vorverurteilung anderer anhand ihrer Optik schuldig. Sie ziehen ihre Schlüsse über die Menschen, indem sie ihre Kleider, Haare oder Körperpflege betrachten. Im Volksmund nennt man ein solches Verhalten in höchstem Maße oberflächlich. Ich jedoch nenne es in erster Linie natürlich und damit alles andere als verwerflich.

Es mag sein, dass der ein oder andere gegen meine Reduktion des Wesentlichen auf das mit bloßem Auge Sichtbare sogleich heftigen Widerspruch einlegen möchte. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass meine Worte an so manchem Vertreter des stilistischen Minimalismus eiskalt abprallen. Für alle Übrigen hoffe ich ein für allemal als Sprachrohr fungieren zu können, eine Solidarisierung mit den im Alltag vom umgangssprachlichen Augenkrebs Geplagten zu schaffen und nicht zuletzt auf die Vielheit der Bereiche aufmerksam zu machen, in denen sich Aussehen sehr wohl noch eines wachsenden Stellenwerts erfreut.

img028

The look of love: Verliebtheit sollte beim eigenen Spiegelbild anfangen (Foto: P.Werth)

 Womöglich tut es mir nicht direkt im Herzen weh, wenn ich, wie so oft, als oberflächlich betitelt werde, nur weil ich – wie leider ebenfalls viel zu oft – anmerken muss, dass dieser oder jener sich in meinem unmittelbaren Sichtfeld Befindende grauenhaft gekleidet oder scheußlich geschminkt oder aber furchtbar frisiert ist. Mich tangiert die Bewertung meiner Person an dieser Stelle nicht etwa deswegen peripher, weil ich mich selbst als schöner, besser, stilvoller oder gar nicht kritisierbar ansehe – das tue ich beim besten Willen nicht, denn auch ich habe schon meine fiesen Faux-Pas gelandet, wie private Archivbilder dokumentieren. Nein, mir ist es allein deswegen einerlei, dass man mich als oberflächlich einstuft, weil ich die Bedeutung des Wortes zu kennen vermag. An der Oberfläche kratzen, das ist schließlich, wenn man auf Tiefgang verzichtet und Menschen nicht „trotzdem“ – das heißt, obwohl man von ihrer Optik nicht viel hält – bereitwillig Teil seiner Lebenswirklichkeit sein lässt. Oberflächlich ist, worunter nichts steckt, oberflächliche Personen sind leere Hüllen.

Lookisten unterscheiden sich folglich nicht nur per Definitionem von den Oberflächlichen. Lookisten sind darüber hinaus sogar als Prüfsteine und damit als kleines, aber dabei gleichzeitig unabdingbares Rädchen im Getriebe unserer in vielerlei Punkten deutlich zu unkritischen Gesellschaft. Sie entscheiden über Hop oder Top in nicht von der Hand zu weisenden Bereichen wie Mode, Stil, Beauty – mit anderen Worten dem gesamten ästhetischen Areal. Alle Freunde der Kunst werden meinen Ausführungen zustimmen, schließlich wissen sie, dass Ästhetik bei allen Vorwürfen, subjektiv und damit nicht einheitlich messbar zu sein, doch stets ein Kriterium ist und bleibt, welches über Aufstieg und Fall von Kunstwerken entscheidet. Und was ist der Mensch, wenn nicht ein wandelndes Bisschen Kunst? Oder, anders gefragt: Wie viel Kunst steckt in jedem und jeder von uns? Wie viel ästhetisches Potential wartet darauf, in die Freiheit entlassen zu werden? – Die Antwort lautet: Eine ganze Menge.

 Womöglich mehr, als sich die ewig gegen die Lookisten Auflehnenden träumen lassen. Mit ein bisschen Hilfe von einem erfahrenden Lookisten wäre auch aus den erbitterten Widerständlern schnell ein Augenschmaus gezaubert, der dem Selbstbewusstsein des Verwandelten und den dieses Lobenden gleichermaßen nützt.

Und wo wir schon beim Thema Nutzen angelangt sind: Aussehen ist zweifelsohne brauchbar. Man beginne beim Vorstellungsgespräch, bei dem ein gepflegtes Äußeres a priori Pflicht ist. Weiter geht es beim Date – warum sonst besingt Dusty Springfield den „Look of Love“ mit solchem Nachdruck – dicht gefolgt von einer ganzen Branche, die uns alle zunehmend beeinflusst, mögen wir sie auch noch so unermüdlich verteufeln: Die Werbung. Ohne sie würde es zum einen zwar keine Konsumkritiker geben, da kein Konsum angekurbelt würde, doch zum anderen würde es uns auch an so vielen ansehnlichen Werbegesichtern fehlen, die nicht nur ihre Brötchen damit verdienen, in die Kamera zu lächeln, sondern auch damit, die Gemüter freiwilliger wie unfreiwilliger Betrachter mit ihrem Erscheinungsbild zu erheitern.

Dieses Spiel ließe sich an dieser Stelle noch eine Weile weiter treiben, doch ich beschließe dieses kleine Plädoyer lieber mit einem praktischen Aufruf als mit noch mehr trockener, lookistischer Theorie: Leute, macht was aus euch! Bei aller Wahrheit, die im kleinen Prinzen und seinem sehenden Herzen steckt, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der erste Eindruck noch immer zählt. Wenn das gewisse (zumeist optische) Etwas überzeugt hat, ist es für das in der Regel schüchterne Wesentliche überhaupt Zeit, zum Vorschein zu kommen. Bitte versteht mich richtig, dies ist keine Hommage an den krankhaften, operativen Schönheitswahn, keine Forderung nach dem verbissenen Streben nach utopischen Maßen oder gar der Uniformierung von Individuen. Im Gegenteil, ich plädiere hier für den Genuss, im ästhetischen wie im kulinarischen wie auch nicht zuletzt im weltlichen Sinne. Um den sprichwörtlichen Kreis also wiederum mit einem Sprichwort zu schließen: Das Auge is(s)t mit.

Vorschau: Was hat es mit dem Pareto-Prinzip auf sich? Wir erfahren es in der kommenden Woche von Kolumnist Sascha.

Wie findest du deinen eigenen Stil?

Stil

Stilgefühl: Der eigene Stil hat keine Regeln – erlaubt ist alles, was Spaß macht.
(Foto: Ilona Schneider)

Du läufst auf der Straße und siehst Menschen mit ganz unterschiedlichem Stil. Eine Dame, elegant und schick in einem Bleistiftrock mit luftiger Bluse. Ein Mädchen im sportlichen Look mit Denim-Jeans, Sneakers und weißem Tank Top. Oder einfach in einem romantischem Outfit mit Maxikleid und flachen Sandaletten. Doch ist der Stil dieser Menschen nun elegant schick, sportlich oder romantisch? NEIN!

Es ist wichtig, sich bei der Definition eines Looks, vor allem bei seinem eigenen, sich nicht selbst in eine Schublade zu stecken. Willst du denn nur in der Schublade glamourös und schick feststecken? Unsere Persönlichkeit hat so viele Facetten, die wir mittels unserer Kleidung ausleben können, dass diese unmöglich nur einem einzigen Stil zugeordnet werden können. Es macht also wenig Sinn, seinen persönlichen Stil lediglich in eine bestimmte Schublade zu stecken und strikt an diese zu halten. Stattdessen kann man seinen Stil mit einer großen Fotocollage vergleichen, in der man viele Dinge anbringen, kombinieren und so etwas Wunderschönes kreieren kann. Unser Stil ist also alles, was uns glücklich macht und die Person ausdrückt und verkörpert, die wir sind.

Wie kannst du deinen Stil also weiterentwickeln und ständig neu entdecken?

Lass dich inspirieren: Inspiration lässt sich überall finden. Ob Modezeitschriften, Fashion-Blogs oder auch Menschen, die du täglich auf der Straße triffst – wir werden permanent mit spannenden Looks konfrontiert. Dabei können Dinge die dir vor zwei Jahren noch nicht gefallen haben, dich heute inspirieren. Du musst lediglich die Augen offen halten.

Führe ein Fashion-Tagebuch: Du kannst einen Fashion-Blog eröffnen oder auch einfach nur deine Looks abfotografieren und in deiner Smartphone-Galerie sammeln, falls du nicht alles online stellen willst. Das Schöne an einem Fashion-Tagebuch ist nämlich, dass du deinen Stil dokumentieren und deine eigene Entwicklung beobachten kannst. Es macht wirklich Spaß jeden Tag ein Outfit festzuhalten und sich später davon inspirieren zu lassen, es mit anderen Teilen anzupassen und deinen Stil wieder neu zu kreieren.

Frage nach: Um deinen eigenen Stil zu erfinden und zu verhindern, dass du dich durch einen einzigen Stil definierst, kannst du dir immer einfache Fragen stellen, wie: Wenn ich ein Paar Schuhe wäre, welches wäre ich? Beispielsweise eine rote Sandale mit Absatz von ASOS. Dann ist die Frage nach dem Stil leicht beantwortet mit farbenfroh, elegant und feminin. Wenn du eine Halskette wärst, welche wärst du? Eine Statement Kette oder eher eine schmale Halskette mit Anhänger? Mit diesen simplen Fragen kann man immer schnell herausfinden wie der eigene Stil gerade aussieht.

Mit all diesen Tipps erreicht man also, dass der eigene Stil sich ständig weiterentwickelt und man sich selbst verwirklichen kann. Stil und Fashion sollte etwas sein, das einen nicht begrenzt oder Druck ausübt, sondern Spaß bringt und glücklich macht. Wenn du gut angezogen bist und dich wohl in deinen Klamotten fühlst, dann strahlst du vor allem Selbstbewusstsein aus. Also Ladies legt eure persönlichen Lieblingsklamotten an und lasst uns die Welt regieren, denn mit dem Selbstvertrauen und der Power von unserem eigenen Stil gibt es nichts was wir nicht tun können.

Vorschau: Nächste Woche zeigen wir euch die No-Gos des Sommers.

Kämpfe stilvoll gegen Verschwendung!

Eingängig ist dieser Slogan, das muss man den Erfindern von „kleiderkreisel.de“, DER Flohmarkt-und Tausch-Plattform im Internet, einfach lassen. Doch Kleiderkreisel ist noch mehr als das: Mal als perfekter Ort für einen ausgelassenen Plausch, mal als Selbstdarstellungsstätte in reinster Form und mal als erste Anlaufstelle für Schnäppchenjäger, kommt die Webseite verdammt vielseitig daher.

Begonnen hat alles mit Sophie, Susanne und Martin, drei jungen Kreativen, und einer Osteuropareise. Ausgerechnet hier, – im littauischen Vilnius – lernten sie mit ihrem Gastgeber auch das innovative Sharing-Konzept kennen, das als Pilot-Projekt in Litauen bereits erfolgreich angelaufen war. In Deutschland geriet die Umsetzung, mit freundlicher Unterstützung aus Litauen, schnell in Gang. Die Werbetrommel wurde auf allen möglichen Social-Media-Wegen gerührt und erregte so rasend schnell die Aufmerksamkeit einiger einflussreicher Mode-Blogger. Das alles war in 2008. Heute zählt das Portal stündlich wachsende Mitgliederzahlen und virtuelle Kleiderkataloge wie Sand am Meer.

Kleiderbügel2

Mal wieder richtig ausmisten: Dank kleiderkreisel kein Problem mehr. (Foto: T.Gartner)

Mich hat vor rund drei Jahren eine Freundin auf den Geschmack gebracht. Auf die altbewährte Methode der Mund-zu-Mundpropaganda scheint also selbst heute, im medialen Zeitalter, noch Verlass zu sein. Die Funktionsweise von kleiderkreisel ist zudem schnell erklärt: Wenn du auf der Suche nach einer neuen modischen Errungenschaft bist, gibst du sie ins Suchfeld ein und filterst die Kriterien für ein präziseres Ergebnis gegebenenfalls noch mithilfe der Suchmaske. So kannst du beispielsweise nach Waren, beziehungsweise nach Mitgliedern, fahnden, die ausschließlich aus deiner Stadt stammen.Im Allgemeinen genügt jedoch ein einziges Stichwort mit Größenangabe, etwa „Jeanskleid 36“, um fündig zu werden. Ähnlich unkompliziert gestaltet sich das Anbieten eigener Artikel. Das einzig Umständliche daran ist, wenn davon überhaupt die Rede sein kann, das Fotografieren seiner Kleidungsstücke, die natürlich möglichst clever in Szene gesetzt werden sollen. Oder, um es in den Worten des „Kleiderkreisel-Kommandos“ auszudrücken: Niemand will wissen, wie eure Kleider auf dem Sofa aussehen.

Da heißt es also anziehen, posieren, Bildperspektiven ausprobieren. Wer es gut machen will, braucht dafür schonmal ein Weilchen – oder eine Mutter, die gezwungenermaßen als Modell für eure jugendsündigen Outfits herhalten muss. Nur gut, dass man das missmutige Gesicht dank Photoshop nachträglich herausschneiden kann.

MamiKreisel_Logo_neu

Schon als Knirps stylish wie die Großen: Pendant Mamikreisel macht’s möglich.  (Foto:  Pressefoto mamikreisel.de)

Hat man also den Grundaufbau der Plattform durchdrungen, können im nächsten Schritt die Randfunktionen genauer betrachtet werden. Die wohl Wichtigste dürfte dabei das Forum sein. Dieses ist nicht nur ziemlich stark frequentiert, sondern weist auch eine Themenvielfalt auf, wie man sie sonst höchstens auf gutefrage.net oder bild.de erlebt. Bedauerlicherweise schaffen es viele thread interne Diskussionen inhaltlich häufig auch nicht über BILD-Niveau hinaus: Von „Hilfe, ich bin verliebt in meine Freundin!“ über „Welchem Star sehe ich ähnlich?“ bis hin zu „Glaubt ihr auch an Außerirdische?“ tun sich im nach Themengebieten sortierten Kleiderkreisel-Forum schon mal so einige Abgründe auf. Bleibt nur zu hoffen, einiges davon wurde mit einem intendierten Augenzwinkern verfasst.

Nichtsdestotrotz lassen sich zwischen vielen Beiträgen mit wenig Sinn auch hilfreiche Threads entdecken. So tauschen sich die KreislerInnen, wie sie sich intern nennen, nicht selten über die richtige Haarpflege oder etwaige modische Kniffe aus. Bisweilen geben die Damen und Herren, welche nicht nur innerhalb des Forums, sondern auch auf ihren persönlichen Blogs schwer aktiv zu sein scheinen, einander auch Tipps, die eine höhere Besucheranzahl für das eigene Weblog versprechen – natürlich darf dabei der Link zum Verfasser-Blog nicht fehlen.

KK_Original

Kleines Logo, große Bedeutung: Das Portal ist für viele eine soziale Konsumalternative geworden. (Foto: Pressefoto kleiderkreisel.de)

Schenkt man den Stimmen aus den Erfahrungsberichten Glauben, so liegt das entscheidende Manko von Kleiderkreisel genau dort, wo auch sein Vorzug liegt, nämlich bei der Art und Weise, wie Geschäfte gemacht werden.
Die Kauf-und-Tausch-Plattform rühmt sich zurecht damit, keinerlei Gebühren zu verlangen, weder für die Anmeldung noch für die Kaufabwicklung. Kosten, für den Verkäufer inform von Versand und für den Käufer eben als Kaufpreis, entstehen lediglich im Falle eines abgeschlossenen „Kaufvertrags“ – einer, der streng genommen gar nicht existiert. Beide Seiten verlassen sich gutgläubig auf die Einhaltung der im E-Mail-Verkehr festgelegten, wenn nicht sogar von vorneherein im Nutzerprofil angegebenen Bestimmungen. Dazu zählen neben Versand-und Zahlungsart auch Fragen nach Reservierungsdauer bestimmter Artikel und eben allerhand Regeln, die jedem auf den ersten Blick furchtbar kleinkariert vorkommen dürften. In Wahrheit sind diese jedoch nötig, um dem worst case vorzubeugen: Einem Betrug – zugleich leider ein alltägliches Phänomen auf Kleiderkreisel. Betrüger sind alle, die kassieren, ohne zu versenden; schwarze Schafe, die Ware als neuwertig anbieten, welche sich schlussendlich als abgetragen und nach Schweiß miefend herausstellt.

Da sich Betrüger leider erst im Nachhinein als solche entlarven, ist für Jungs und Mädels auch bei ernstzunehmendem Tausch-Rausch Vorsicht geboten. Auf Nummer sicher geht man, indem man die bisherigen Bewertungen der potentiellen Verkäufer genauer unter die Lupe nimmt. Das mag gegenüber neuen, noch bewertungslosen Nutzern ungerecht sein, ist jedoch die einzige Methode, sich der Verlässlichkeit des Verkäufers zu vergewissern. Ist man doch einmal in die Falle getappt, so gibt es immerhin noch das Kleiderkreisel-Kommando, bestehend aus einer handvoll Administratoren, die sich um das Problem zu kümmern versprechen und dies auch zuverlässig tun – mit mal mehr, mal weniger zufriedenstellendem Erfolg. Fälle, in denen selbst ein noch so ausgebildetes Spezialeinsatzkommando nichts mehr ausrichten kann, finden wir bei sogenannten „Rachebewertungen“ vor. Diese werden typischerweise als Racheakt auf eine ebenfalls recht miese Bewertung vom Gegenüber verfasst und kommen meist Schimpftiraden voller unflätiger Ausdrücke gleich.

Spätestens hier dürfte klar geworden sein, welche Zielgruppe Kleiderkreisel bis heute vorwiegend anspricht.

Vorschau:  Beim nächsten Mal gibt es an dieser Stelle nichts geringeres zu sehen als das Lookbook für den Sommer.

Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – welcher Typ bist du?

Beraterin in Farb- und Stilfragen: Image-Consultant Birgit Diehsle (Foto: Hoff)

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance – da ist sich Birgit Diehsle sicher. Die 45-Jährige berät seit zwölf Jahren als Image-Consultant Frauen und Männer in Sachen typgerechtes Auftreten. Exklusiv für Face2Face verrät sie wie man ein paar Pfunde zu viel wegzaubert, bei der Oberweite trickst und vieles mehr.

Face2Face: Wie wichtig ist typgerechtes Auftreten in Alltag und Beruf?
Diehsle: Sehr wichtig! Mit nur geringem Aufwand kann man das Optimale erreichen, nämlich seinen Typ zu unterstreichen, um so einen optimalen ersten Eindruck zu machen. Nach einer Typberatung fühlt man sich selbstsicherer und lässt sich seltener zu Fehlkäufen hinreißen. Der Einkauf geht viel schneller und man braucht auch weniger, da die Basisgarderobe sehr gut kombinierbar ist. Wie sagt man so schön: Gute Produkte verkaufen sich in entsprechender Verpackung besser.

Face2Face: Wie läuft eine Typberatung bei Ihnen ab?
Diehsle: Ich beginne mit einer Farbanalyse, stelle also fest, ob der Kunde ein warmer oder ein kalter Typ ist. Dementsprechend folgt dann die Farbberatung, in der ich die Farben aufzeige, die dem Kunden besonders gut stehen. Bei Frauen folgt danach ein typgerechtes Makeup und dann eine Stilanalyse und -beratung. Ziel ist es hierbei Problemzonen zu erkennen und zu kaschieren. Bei der folgenden Gesichtsformanalyse achte ich besonders auf Faktoren wie Brille oder nicht, Haarlänge und -farbe und so weiter. Außerdem beschäftige ich mich gemeinsam mit dem Kunden mit Accessoires, erörtere also welcher Schmuck, welche Taschen und welcher Gürtel zum jeweiligen Stil und Typ passen. Am Schluss erhält der Kunde einen individuellen Farbpass, der als Einkaufshelfer dienen soll sowie einen Stilratgeber, in dem die insgesamt drei Stunden dauernde Typberatung festgehalten wird.

Face2Face: Wie unterscheiden Sie die verschiedenen Typen?
Diehsle: Es gibt zwei Farbfamilien: warm und kalt. Diese zwei Farbfamilien unterscheidet man wiederum in die zwei kalten – Winter und Sommer – und die zwei warmen – Frühling und Herbst – Typen. Kalte Typen haben einen rosigen beziehungsweise bläulichen Hautunterton – ihnen stehen kalte Farben, da diese einen hohen Blauanteil haben. Warme Typen haben einen gelblichen Hautunterton. Warme Farben haben einen hohen Gelbanteil, daher stehen sie den warmen Typen. Im Grunde genommen baut also die gesamte Analyse auf dem Farbton der Haut auf. Um zuverlässig zu beraten, kommen bei mir über 70 Tücher zum Einsatz, die ich dem jeweiligen Kunden in Gesichtsnähe anhalte – wirkt das Gesicht jünger, frischer und gesünder, ist es die richtige Farbe. So kann ich nach und nach den Farbtyp ermitteln und Tipps zur passenden Farbe von Kleidung, Haaren und Makeup geben.

Face2Face: Apropos Tipps: Wie kann man beispielsweise geschickt von ein paar Pfunden zu viel ablenken?
Dieshle: Korpulentere Frauen sollten dunkle Farben – vor allem an der stärksten Stelle – bevorzugen und darauf achten, dass die Kleidung aus matten, glatten Materialien besteht. Zudem sollten sie zu feineren, eher kleinen Mustern greifen. Längsnähte und -musterungen strecken zusätzlich.

Face2Face: Welche Tricks kann man anwenden, um zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch oder Geschäftsessen seriös zu wirken?
Diehsle: Um seriös zu wirken, sollte man außen dunkel und innen hell tragen, also beispielsweise ein dunkles Kostüm mit einer hellen Bluse drunter. Die umgekehrte Variante, also außen hell und innen dunkel, wirkt im Gegensatz dazu sportlich. Vermeiden sollte man außerdem zu kurze Röcke, tiefe Ausschnitte und zu hohe Absätze. Insgesamt sollte man eher bei dunklen Tönen bleiben und das Geschäftsoutfit dann mit einer helleren Farbe, wie zum Beispiel der bereits erwähnten hellen Bluse, auffrischen. Wichtig ist zudem, nicht zu viel Makeup und Schmuck zu tragen.

Finde es heraus: Welcher Typ bist du? (Foto: www.typservice.de)

Face2Face: Gibt es einen Trick, die Oberweite optisch größer beziehungsweise kleiner aussehen zu lassen?
Diehsle: Mit aufgesetzten Taschen, Rüschen und Applikationen wirkt die Oberweite größer. Bei einem großen Busen, der kleiner geschummelt werden soll, sollte man darauf völlig verzichten und anstatt dessen V-Ausschnitte sowie sämtliche Muster und Stoffe, die in die Länge strecken, tragen.

Face2Face: Was gibt es in Sachen Makeup zu beachten?
Diehsle: Zuerst einmal muss man zwischen Tages- beziehungsweise Businessmakeup und Abendmakeup unterscheiden. Beim Tagesmakeup sollte man sich entscheiden, ob man die Augen oder den Mund betont, da man sonst schnell überschminkt wirkt. Grundsätzlich sollte ein Tagesmakeup immer gepflegt, aber nicht geschminkt aussehen, also eher dezent. Beim Abendmakeup kann man es ruhig auch mal wagen Mund und Augen zu betonen. Wichtig ist, dass man immer – ob am Tag oder in der Nacht – bei seiner Farbpalette bleibt und nicht kalte und warme Farben mischt. Außerdem sollte das Makeup mit dem individuellen Stil korrespondieren: Der dramatische Typ kann gerne mal etwas extravaganter geschminkt sein, der sportliche Typ eher zurückhaltend.

Face2Face: Kann man auch ohne die professionelle Meinung eines Image-Consultant herausfinden, welche Farben einem stehen und welcher Typ man ist?
Diehsle: Das ist relativ schwer – selbst professionelle Farbberater können dabei Fehler machen. Zudem gibt es ja mehr als die vier genannten Typen, weil es nämlich auch Mischtypen gibt. Um wenigstens ein ungefähres Ergebnis zu ermitteln, kann man sich mit zwei Tüchern, einem weißen und einem beigen, weiterhelfen: Man hält sich beide abwechselnd in Gesichtsnähe und stellt so fest, welches einem besser steht. Ist es das weiße, dann ist man ein kalter Typ, passt das beige besser, ist man ein warmer Typ. Es ist aber wirklich eine gefährliche Sache, die auch leicht nach hinten losgehen kann.

Gewinnspiel:
Face2Face verlost eine eineinhalbstündige Farbberatung plus typgerechtes Makeup bei Image-Consultant Birgit Diehsle. Die Gewinnerin sollte in der Nähe wohnen beziehungsweise in der Lage sein, Frau Diehsle in Bellheim aufzusuchen.
Um zu gewinnen, schreibt bitte bis einschließlich Freitag, 30. März, 23.59Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Typberatung“ an tatjana.gartner@face2face-magazin.de. Inhalt der E-Mail sollte euer vollständiger Name, sowie eine aktuelle E-Mail-Adresse sein. Die Gewinnerin wird am Samstag, 31. März per E-Mail benachrichtigt und darf dann ihren ganz persönlichen Beratungstermin mit Frau Diehsle vereinbaren.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Mitarbeiter von Face2Face dürfen nicht am Gewinnspiel teilnehmen.

Die Tipps&Tricks-Redaktion wünscht allen Teilnehmerinnen viel Glück!

Kontakt:
Birgit Diehsle, Image-Consultant
Bellemer-Heinerstraße 20
76756 Bellheim
Tel.: 01728779899
E-Mail: diehsle@typconsult.de
Homepage: www.diehsle.typconsult.de

Vorschau: Nächsten Sonntag erklärt euch Melanie wie man selbst Brot backen kann.

„Wir sollten uns gute Kleidung wert sein“ – Ein Interview mit Daniela Uhrich, der Gründerin des „Lady-Blogs“

Sie schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit in Medienlinguistik, liest gerne vier Bücher gleichzeitig und hilft nebenbei in Stilfragen aus: Daniela Uhrich beschäftigt sich auf dem „Lady-Blog“ mit Fragen rund um Kunst, Kultur, Etikette, Reisen und Mode. Eine Bloggerin außerhalb des Mainstreams – Face2Face hat mit ihr über Modeerscheinungen, Stil und ihre Lieblingsdesigner gesprochen.

Hat ihren Stil gefunden: Daniela Uhrich (Foto: Uhrich)

Hat ihren Stil gefunden: Daniela Uhrich (Foto: Uhrich)

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee den „Lady-Blog“, eine Seite für modeinteressierte junge Frauen zu gründen?
Uhrich:
Der „Lady-Blog“ wurde im Februar 2010 gegründet. Ich habe damals im Rahmen eines Praktikums zum ersten Mal gebloggt und hatte viel Spaß dabei. Schon nach kurzer Recherche stellte ich fest: Es gibt zwar jede Menge Stilblogs für Männer – wie der Gentleman-Blog, den ein Bekannter von mir gegründet hat – aber keinen Blog, der Stil- und Kniggethemen für die Frau behandelt. Anscheinend begeistern sich Männer stärker für klassische Themen wie einen maßgeschneiderten Anzug, eine hochwertige Uhr oder den Genuss eines guten Weines. Ich biete nun allen Frauen mit Stil eine Alternative zu den üblichen Modeblogs an.

Face2Face: Sie behandeln oft die Frage, was Stil denn nun sei – haben Sie bereits eine Antwort gefunden?
Uhrich:
Georgio Armani sagte einst: „Der Stil ist der Mode überlegen. Er läßt sich von der Mode anregen und greift ihre Ideen auf, ohne sie ganz zu übernehmen. Niemand mit Stilbewußtsein würde seine Art, sich zu kleiden, nur um der Mode willen radikal ändern. Was Stil von Mode unterscheidet, ist die Qualität.“

In diesem Zitat steckt viel Wahres: Eine Lady hat ihren eigenen Stil – nennen wir es Geschmack – und lässt sich nichts von der Mode diktieren. Sie greift sich Teile der aktuellen Mode heraus und kombiniert sie mit Klassikern. Eine ganz entschiedene Rolle spielt die Qualität: Nicht der Preis eines Kleidungsstücks, nicht das Label und nicht das Alter ist entscheidend, sondern die hochwertige Verarbeitung. Vom modischen Aspekt abgesehen, ist eine Frau mit Stil für mich jemand, der die Regeln der Etikette beherrscht. Sie schreit nicht, lästert nicht, hat stets saubere Fingernägel und kennt die Tischmanieren. Und unterschätzen Sie niemals den Einfluss der Körpersprache.

Face2Face: Alle Designer repräsentieren eine eigene Art von Stil. Welchen Modemacher würden Sie Ihre Garderobe entwerfen lassen?
Uhrich:
Ganz klar: Die Kleidung stammt von Dorothee Schumacher, die Schuhe von Salvatore Ferragamo und die Taschen von Kate Spade.

Face2Face: Klassisch-elegant wird oft im selben Atemzug mit spießig-elitär genannt. Stimmt das, oder ist die heutige Wahrnehmung von Polohemd und Co. auf Grund von Stereotypen eine falsche?
Uhrich:
Wird es? Vielleicht liegt es daran, dass elegante Kleidung vor allem im konservativen Milieu eine große Rolle spielt. Dazu kommt, dass klassische und elegante Bekleidung qualitativ hochwertig verarbeitet ist, was in der Regel seinen Preis hat. Ich denke, dass viele erst ab einem gewissen Alter beginnen sich eine zeitlose Garderobe zuzulegen und dann auch bereit sind Geld für gute Kleidung auszugeben. Wer kann es jungen Leuten verdenken, dass sie sich jede Saison für wenig Geld neu bei „H&M“ einkleiden. Ich möchte auf meinem Blog jedoch zum Umdenken anregen. Wir sollten uns gute Kleidung wert sein – das sind wir unserem Körper, der Umwelt und den Arbeitern in den Produktionsländern schuldig.

Face2Face: Bunt, grell, schnelllebig und auffällig scheint heutzutage das Motto vieler Bekleidungs- und Kosmetikhersteller zu sein. Sie dagegen stellen auf Ihrem Blog eher dezente und hochwertige Produkte vor und das Echo der Leser ist groß – wie erklären Sie sich diese „Gegenbewegung“?
Uhrich:
Unsere Welt ist bunt, globalisiert und schnelllebig – das gilt nicht nur für Kleidung. Wir suchen darum nach Orientierung, nach Werten und nach Tradition. Dinge, die unsere Großeltern getan, gedacht und getragen haben, gewinnen wieder an Bedeutung, denn sie haben sich bewährt. Ich glaube nicht, dass es eine Gegenbewegung ist – eher ein Umdenken. Die 68er-Generation wollte immer alles anders machen als ihre Eltern. Unsere Generation fragt sich jetzt, ob vielleicht doch nicht alles schlecht war.

Face2Face: Haben Sie modische Vorbilder? Wenn ja, wer darf sich dazu zählen?
Uhrich:
Ein modisches Vorbild ist Audrey Hepburn. Trotz ihrer zierlichen Figur strahlte sie eine Eleganz aus, die nach ihr nur noch wenige Frauen erreicht haben. Ihre Kleidung war niemals overdressed, aber immer très chic: Kleines Schwarzes, enge 7/8-Hosen, Ballerinas, gestreifte Shirts, große Sonnenbrillen.

Gerne unterwegs: Die Autorin des Lady-Blogs (Foto: Uhrich)

Gerne unterwegs: Die Autorin des Lady-Blogs (Foto: Uhrich)

Face2Face: Auf Ihrem Blog geben Sie auch Reisetipps. Welche ist Ihre Lieblingsdestination? Eher Entspannung am Strand oder Kulturprogramm?
Uhrich:
Nachgewiesenermaßen ist man nach einem zweiwöchigen Strandurlaub ein bisschen dümmer als vorher – ich ziehe darum Städtereisen vor, am liebsten verbunden mit einer Rundreise durch das Land. Vor ein paar Jahren habe ich beschlossen, dass ich alle europäischen Großstädte gesehen haben möchte, bevor ich einen Fuß auf afrikanischen, asiatischen oder amerikanischen Boden setze. Zwar ist mir ein New York-Urlaub dazwischengekommen, aber die europäischen Hauptstädte habe ich mittlerweile fast alle besichtigt. Zwei meiner schönsten Reisen gingen übrigens durch die Niederlande und Irland – beides Länder die völlig unterschätzt werden. Und Kopenhagen war die lebenswerteste Stadt, die ich bisher besucht habe. Als nächstes steht eine Rundreise durch England auf dem Programm.

Face2Face: Welcher Künstler, Musiker oder Autor begeistert Sie gerade?
Uhrich:
Schon vor einer Weile habe ich den jungen Künstler Danny Roberts für mich entdeckt und verfolge seitdem täglich die Entwürfe auf seinem Blog. Neben der Lektüre für meine Doktorarbeit liegen auf meinem Nachtschränkchen momentan Jane Austens „Emma“ und „Der perfekte Kleiderschrank“ von Nina Garcia. Auf dem Sofa lese ich „Connected!“ von Nicholas Christakis und unterwegs die Biografie von Joachim Gauck.

Face2Face: Gibt es auch Stil zum kleinen Preis? Zum Beispiel bei „H&M“, „Zara“ oder „Mango“?
Uhrich:
Obwohl ich leider immer wieder von „H&M“ enttäuscht werde, kann man wohl auch dort gute Kleidung erwerben. Wichtig ist, auf das Etikett zu schauen und nur Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, Wolle, Leinen oder Seide zu kaufen – auf keinen Fall Polyester. Außerdem würde ich immer den Fusseltest machen: Lassen sich feine Härchen lösen oder ist das Stück schon im Laden voller Fussel von den danebenhängenden Kleidern? Dann weg damit. Vor allem bei „Zara“ kann man manchmal richtige Lieblingsstücke entdecken – momentan führen sie beispielsweise ganz zauberhafte Samtblazer. Fündig wird man meines Erachtens auch bei „Benetton“ oder „Esprit“.

Face2Face: Was ist für Sie der absolute modische Fauxpas? Und machen Kleider wirklich Leute?
Uhrich: Es gibt einige modische Erscheinungen, die mir nicht gefallen: Wedges beispielsweise oder kurze Hosen über Strumpfhosen. Aber das ist Geschmacksache und kein modischer Fauxpas. Wirklich schlimm sind Plastikkleider, Schuhe, die im Laden nach Chemie riechen, die meisten Kunstledertaschen, verschmutzte Kleidung oder abgetragene Absätze. Das hat für mich nichts mit finanziellen Möglichkeiten zu tun, sondern ist schlichtweg Nachlässigkeit. Und ja: Natürlich machen Kleider Leute. Versetzen Sie sich doch gedanklich mal zurück in ihre Schulzeit und ersetzen sie die Dame mit der Lesebrille, dem Cordblazer, dem Füller und der Ledertasche durch eine gepiercte Frau mit Minirock, Plateauschuhe und klappernde Armreifen.

Vorschau: Nächstes mal erfahrt ihr an dieser Stelle mehr über die junge Designerin Nazli Yigit.