Die Partyszene in der „schönsten Stadt der Welt“

Heimat und Zuhause – das bedeutet Speyer für Caroline Gartner. Seit sie denken kann, lebt die 20-Jährige in der Domstadt, hat also auch deren Ausgehmöglichkeiten ausgiebig getestet. Aber nicht nur das: Für eine Hausarbeit hat sie jetzt 130 Jugendliche aus Speyer und Umgebung befragt, wie zufrieden sie mit der Partyszene sind. Und wir wollten natürlich wissen, was da herauskam!

Home is where the heart ist: Caroline hat sich eine Brezel in Herzform als Symbol für ihre Liebe zu Speyer tätowieren lassen (Foto: C. Gartner)

Home is where the heart ist: Caroline hat sich eine Brezel in Herzform als Symbol für ihre Liebe zu Speyer tätowieren lassen (Foto: C. Gartner)

Face2Face: Wieso hast du dich in deiner Arbeit ausgerechnet mit den Ausgehmöglichkeiten für Jugendliche in Speyer beschäftigt?
Caroline: Meine eigene Erfahrung ist, dass das Angebot gerade für die unter 18-Jährigen nicht allzu umfassend ist. Oft war ich traurig, wenn ich an einer der wenigen Partys, die stattfanden, nicht teilnehmen konnte, denn das Warten auf die nächste kam einem da schon seeehr lange vor. Darum hat mich natürlich brennend interessiert, wie das meine Altersgenossen sehen. Gerade durch die vielen Schulen tummeln sich in Speyer ja sehr viele Jugendliche. Deshalb sind sie auch so wichtig für eine Stadt wie Speyer – eine bunte Mischung aus Jung und Alt trägt dazu bei, dass sich eine Stadt weiterentwickeln kann und nicht in der Zeit stehenbleibt.

Face2Face: Was hat deine Umfrage ergeben?
Caroline: Leider sind die Jugendlichen eher unzufrieden mit den Ausgehmöglichkeiten in Speyer. Man muss aber ganz klar unterscheiden zwischen Bars/ Cafés und Diskotheken. Die Umfrage-Teilnehmer wünschen sich eine neue Diskothek bzw. wollen die vorhandenen Locations häufiger für Partys nutzen. Für mich bedeutet das, dass die Jugendlichen gerne mehr Trubel und mehr Möglichkeiten im Speyrer Nachtleben hätten. Wenn das gegeben wäre, würden sie sicher seltener auf die umliegenden Städte ausweichen, um mit ihren Freunden tanzen und feiern zu gehen. Die Bar- und Café-Auswahl ist dafür laut meiner Umfrage durchaus ausreichend für die Jugendlichen – hier bleiben kaum Wünsche offen.

Face2Face: Und was würdest du dir für die Speyrer Partyszene wünschen?
Caroline: Natürlich wäre auch ich von einem neuen Club in Speyer nicht abgeneigt. Allerdings habe ich während meiner Recherchen auch festgestellt, dass Speyer doch einiges an Veranstaltungen zu bieten hat, von denen man jedoch leider oft zu spät oder gar nicht erfährt. Helfen kann es da, wenn die Stadt mit den Jugendlichen in Kontakt tritt. Mit der Facebook-Seite der Stadt Speyer ist hier aus meiner Sicht bereits ein wichtiger Schritt getan.

Face2Face: Schon während der Recherche für deine Arbeit standest du ja in Kontakt zur Stadt Speyer. Was fängt die nun mit dem Ergebnis deiner Umfrage an?
Caroline: Ich glaube die Stadt ist sich dessen bewusst, dass die Jugendlichen doch eher unzufrieden sind mit den Ausgehmöglichkeiten und versucht bereits gemeinsam mit dem Jugendstadtrat etwas zu verändern. Ich habe den Eindruck, dass die Stadt sehr bemüht ist um ihre jungen Bewohner und auch gerade dabei ist etwas in Bewegung zu bringen. Eins bleibt natürlich für mich dabei festzuhalten: Natürlich sind Ausgehmöglichkeiten wichtig – wenn sich die Bürger diese wünschen umso mehr, trotzdem sind es ja nicht nur die Ausgehmöglichkeiten, die Speyer zu einer wunderschönen Stadt machen, sondern auch viele andere Dinge.

Vorschau:

Tierisch was los – auch bei Regenwetter

Fröstelnd ziehe ich den Reißverschluss meiner Jacke noch ein Stückchen höher. Der Wind zerzaust meine Haare und die ständigen Regenschauer sind ebenfalls weder vorteilhaft für meine Frisur noch für meine Stimmung. Sich wegen des trostlosen Wetters da draußen das ganze Wochenende auf der Couch verkriechen? Ist zugegebenermaßen mal ganz nett. Wer neben dem Fernsehprogramm aber auch etwas Anderes sehen will – ohne dabei Gefahr zu laufen, weggeweht oder pitschnass zu werden – kann sich von diesen tierischen Ausflugstipps in der Rhein-Neckar-Region inspirieren lassen.

Einfach mal abtauchen!
Einen Seestern berühren, Haie und Rochen beobachten oder die heimische Unterwasserwelt entdecken – ein Besuch im SEA LIFE in Speyer ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Über 3.000 Tiere in mehr als 40 Becken und Aquarien begeistern hier Groß und Klein. Apropos klein: Viele der Becken sind scheinbar vor allem auf Kinder ausgerichtet und gehen Erwachsenen nur bis zur Hüfte. Man muss also schon in die Hocke gehen, um die dortige Unterwasserwelt anschauen zu können. Der Anblick, der sich dann eröffnet, ist es aber auf jeden Fall wert. Wer zum Beispiel glaubt, Schildkröten gebe es nur in fernen Ländern und tropischen Gewässern, wird hier eines Besseren belehrt: Ein wenig tollpatschig an Land, umso eleganter im Wasser und in jeder Situation zum Kreischen niedlich zeigt sich der Nachwuchs der europäischen Sumpfschildkröte. Zusammen mit dem Naturschutzbund Rheinland-Pfalz engagiert sich das SEA LIFE Speyer für ihre Wiederansiedlung in den heimischen Gewässern.
Von putzigen Schildkröten zum schaurigen „Wassermonster“ – kurz vor dem Ausgang gibt’s einen Axolotl zu bestaunen. Der Schwanzlurch wird auch als „ewiges Kinde“ bezeichnet, weil er zeitlebens in seinem Larvenstadium bleibt.
Das SEA LIFE in Speyer öffnet Montag bis Freitag seine Pforten von 11 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Tipp: Wer nicht so lange draußen in der Kälte anstehen will, kann sich für 15,50 Euro online ein Express-Ticket kaufen und so an der Warteschlange vorbeigehen.

 Heißer Anwärter auf den Titel "Reptiliums next Topmodel": Auch dieses farbenfrohe Kerlchen gibt´s in Landau zu bestaunen (Foto: T. Gartner)

Heißer Anwärter auf den Titel „Reptiliums next Topmodel“: Auch dieses farbenfrohe Kerlchen gibt´s in Landau zu bestaunen (Foto: T. Gartner)

Auf Safari mit Krokodil und Anakonda
Wer es gerne kuschlig-warm hat, ist im Reptilium in Landau genau an der richtigen Adresse. Spinnen, Schlangen, Schildkröten, Fische, bunte Frösche und  Erdmännchen – zu bestaunen gibt es laut Website 1.100 Tiere aus 125 verschiedenen Arten und das bei sommerlichen Temperaturen. Mehrfach am Tag können die Besucher bei Fütterungen dabei sein und in der „Kinderstube“ den Nachwuchs begutachten.
Der mit 3.400 Quadratmetern Fläche angeblich größte Reptilienzoo Deutschlands wirkt beim Durchlaufen leider nicht ganz so groß wie erwartet. In einer bis maximal zwei Stunden hat man alles gesehen – vorausgesetzt man findet die gut versteckte Gottesanbeterin. Eine willkommene Abwechslung vom trüben Nass und ein faszinierender Einblick in die Tierwelt bietet das Reptilium allemal. Erwachsene ab 15 Jahre zahlen 15,50 Euro, Studenten 11,50 Euro – an den Studententagen an jedem ersten Mittwoch im Monat sogar nur 11 Euro. Das Reptilium hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Vorschau: Ihr werdet Taufpate? Na, herzlichen Glückwunsch! Nächste Woche lest ihr in der Tipps&Tricks-Rubrik, wie ihr diesen Job perfekt macht.

Zarte 14 und schon Schwarzgurt

„Ich bin ein ganz normales Mädchen“, sagt Louisa Winstel über sich selbst. Die Titel, die die zierliche 14-Jährige bisher errungen hat, sprechen eine andere Sprache: Sie ist zweimalige Rheinland-Pfalzmeisterin sowie Deutsche Meisterin im Karate. Während andere Mädchen ihres Alters mit Makeup experimentieren trainiert Louisa vier- bis fünfmal in der Woche beim Speyerer Shotokan-Karate Verein. Viel Freizeit bleibt da nicht.

Face2Face: Wie verbringst du deine Freizeit?
Louisa: Schule und Karate füllen fast den ganzen Tag aus. Standart-Tanzen gehört mittlerweile auch zu meiner Freizeitbeschäftigung – das macht mir richtig Spaß!

Face2Face: Unser letztes Interview liegt fast vier Jahre zurück. Würdest du sagen du hast dich seitdem verändert?
Louisa: Ich glaube nicht, dass ich mich persönlich in den letzten Jahren verändert habe, außer vielleicht ein bisschen im Aussehen. Nach wie vor trainiere ich vier- bis fünfmal in der Woche und vor Wettkämpfen sogar täglich 1,5 bis 2 Stunden. Außerdem trainiere ich nicht nur bei meiner Heimtrainerin, Nina Jäger, sondern auch einmal pro Woche beim Bundestrainer Efthimios Karamitsos in Frankfurt.

Face2Face: Du trägst einen Junior-DAN. Was heißt das?
Louisa: Die Prüfung zum Junior-DAN kann man ab dem 12. Lebensjahr ablegen. Das Prüfungsprogramm ist das gleiche wie beim ersten DAN der Erwachsenen, entspricht also einem Schwarzgurt. Der Junior-DAN-Gürtel ist schwarz-rot gestreift. Mit 16 kann ich dann die Prüfung zum ersten DAN nochmal ablegen und bekomme dann einen ganz normalen schwarzen Gürtel.

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Face2Face: Wer begleitet dich auf Turniere und wie kann man sich so ein Turnier vor Ort vorstellen?
Louisa: Meine Trainerin und meine Eltern begleiten mich bei jedem Turnier. Meistens müssen wir weite Strecken zurücklegen, das heißt schon sehr früh am Morgen aufstehen, damit ich pünktlich um  8:30 Uhr auf der Tatami (Anm. d. Red.: eine Tatami ist eine Matte aus Reisstroh) stehen kann. Mittlerweile kenne ich die meisten meiner Gegnerinnen, aber es ist trotzdem immer wieder aufregend und eine Herausforderung gegen diese anzutreten. Meine Trainerin unterstützt mich direkt an der Matte und weiß genau wie sie mich am besten motiviert. Fehler darf ich mir keine erlauben, denn die Kampfrichter sehen ALLES.

Face2Face: Worauf achten die Kampfrichter besonders?
Louisa: Die Kampfrichter achten besonders auf eine saubere Ausführung der Techniken, einen tiefen Stand, eine perfekte Schrittfolge und nicht zu vergessen auf die Vollendung der Technik, also darauf, dass sie mit Kime, also mit einem kraftvollen Endpunkt, ausgeführt wird.

Face2Face: Auf welche deiner sportlichen Leistungen bist du besonders stolz?
Louisa: Im Februar dieses Jahres habe ich mit meinem Kata Team bei der Europameisterschaft in Zürich die Bronzemedaille gewonnen. Das ist mein bisher größter Erfolg.

Face2Face: Bei so vielen beeindruckenden Titeln und Siegen – gibt es etwas, das du noch nicht geschafft hast? Was sind deine Ziele?
Louisa: Mein nächstes großes Ziel ist natürlich die Deutsche Meisterschaft im Juni in Erfurt, um meinen Titel zu verteidigen, und die Nominierung mit meinem Team für die Weltmeisterschaft.

Face2Face: Momentan bist du noch Schülerin. Was möchtest du nach deinem Abschluss machen?
Louisa: Das weiß ich noch nicht. Ich habe zwar schon zwei Praktikumswochen im Bereich der Kinderbetreuung gemacht, bin aber noch nicht überzeugt. Ich konzentriere mich deshalb erstmal noch auf meine Schule. Für meine Zukunft wünsche ich mir einen guten Schulabschluss und viel Zeit, dass ich weiterhin meinen Sport betreiben kann.

Begriffserklärungen:
Shotokan bezeichnet die älteste Stilrichtung im Karate, die von dem Japaner Gichin Funakoshi begründet wurde. Außerdem gibt es noch die Stilrichtungen Shito-Ryu, Goju-Ryu, Wado-Ryu. Das Kyu-System dient dazu das Voranschreiten des Karatekas in Stufen mittels Gürtelfarben zu symbolisieren. Der Schüler beginnt mit dem neunten Kyu (weißer Gürtel) und kann sich bis zum ersten Kyu (brauner Gürtel) hocharbeiten. Die verschiedenen Schwarzgurt-Stufen werden als Dan bezeichnet. Eine Kata ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen gegen imaginäre Gegner besteht.

Vorschau: Nächstes Mal lest ihr im Sport einen Rückblick zur Play-off-Finalserie zwischen den Adlern Mannheim und dem ERC Ingolstadt.

Die Magie der Realität – Bettina Belitz über ihren Roman ‚Vor uns die Nacht‘

Der neue Roman von Bettina Belitz: Liebe mal anders mit einer einzigartigen Sprachmelodie und vielen Einflüssen (mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

Der neue Roman von Bettina Belitz: Liebe mal anders mit einer einzigartigen Sprachmelodie und vielen Einflüssen (mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

In ihrem neuen Roman Vor uns die Nacht betritt die Autorin Bettina Belitz, die für ihre Fantasyreihen Splitterherz und Luzie und Leander bekannt ist, neues, wenn auch nicht ganz unbekanntes Terrain. Die Liebesgeschichte spielt in der realen Welt und überzeugt dabei mit realistischen Details. Face2Face sprach mit der Autorin über ihren Roman und die Zukunft.

face2face: Bettina, du hast mit Vor uns die Nacht diesmal einen Roman geschrieben, der nicht in einer Fantasie-Welt spielt. Warum hast du die Entscheidung getroffen, die reale Welt als Hintergrund zu wählen?
Bettina Belitz: Mit ist aufgefallen, dass viele Leser gerne in die Fantasy-Welten meiner Bücher geflüchtet sind und am liebsten gar nicht mehr heraus wollten. Das hat mir zu denken gegeben, weil ich finde, dass auch in der Realität viel Magisches existiert. Ich wollte mit dem Roman auch zeigen, wie wundervoll es ist, Mensch zu sein.

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face2face: Im Roman wird die Sprache des Herzens für den Werdegang der Heldin Ronia entscheidend. Ist die Herzsprache auch ein besonders Anliegen deinerseits?
Bettina Belitz: Mein Kopf denkt unheimlich gerne, aber ich habe mich in den letzten Jahren durch das Schreiben wieder zur Herzsprache entwickelt. Das ist träumerischer und poetischer. Da schwingt mein Herz mit und ich hoffe, auch das Herz der Leser zu erreichen. Im Schreiben versuche ich ja auch, Dinge zu beschreiben, die sich den Worten entziehen. Das spielt besonders in Vor uns die Nacht eine Rolle. Auch Ronia muss erst lernen, die Herzsprache, die jedes Kind noch beherrscht, wieder zu entdecken.

Ein Herz, das schwingt: Autorin Bettina Belitz schreibt mit einer Herzsprache, die den Leser erreicht (Foto:  Fabian Stürtz)

Ein Herz, das schwingt: Autorin Bettina Belitz schreibt mit einer Herzsprache, die den Leser erreicht (Foto: Fabian Stürtz)

face2face: Da könnte der Leser ja schon eine Gemeinsamkeit zwischen dir und deiner Figur erkennen. Gibt es denn tatsächliche Parallelen zwischen deinem Leben und der Romanhandlung?
Bettina Belitz: Eigentlich nicht. Manchmal kommt natürlich ein kleines Anekdötchen mit hinein, aber zu eigenem erlebten fehlt dann doch die Distanz, die für einen Autor meiner Meinung nach gut ist. Trotzdem ist ein Buch immer wie ein Baby, es ist immer ein Stück von mir selbst. Im regionalen Bezug sieht man da mehr Gemeinsamkeiten. Wie Ronia habe ich eine Zeit lang in Heidelberg studiert und Vorlage für die namenlose Heimatstadt im Roman war Speyer. Der Fluss, an dem Ronia laufen geht, war in meiner Vorstellung immer der Rhein.

face2face: Dein Roman zeigt ja neben der besonderen Sprache auch viele Motive. Woher kommen denn die vielen religiösen Verweise?
Bettina Belitz: Die haben sich auch zu meiner Überraschung eingeschlichen. Während einer nötigen Pause wegen Erschöpfung habe ich viel Meditatives gemacht und das ist fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich setze mich auch mit den damit verbundenen Themen auseinander. Das hat mich wohl unbewusst beeinflusst und für eine gewisse Spiritualität zwischen Ronia und Jan, dem Mann, in den sie sich verliebt, gesorgt. Aber ich finde, das passt gut zum Roman und den Figuren.

face2face: Ziemlich entgegen gesetzt sind ja die durchaus erotischen Momente, wenn Ronia und Jan aufeinandertreffen. Hattest du keine Angst, „Vor uns die Nacht“ könnte als Erotikroman abgestempelt werden?
Bettina Belitz: Eher weniger davor, dass die Leser das tun, als davor, dass die Presse und Kritiker darauf aufspringen. Das ist aber nicht passiert. Wobei es schon ein komisches Gefühl ist, wenn die eigene Mutter dann dieses Buch liest. Aber die tiefere Bedeutung in diesen Szenen scheint klar geworden zu sein.

Regionaler Bezug und weltoffene Geschichte: Bettina Belitz vereint in ihrem neuen Roman viele Elemente zu einer berauschenden Liebesgeschichte (Foto: Fabian Stürtz)

Regionaler Bezug und weltoffene Geschichte: Bettina Belitz vereint in ihrem neuen Roman viele Elemente zu einer berauschenden Liebesgeschichte (Foto: Fabian Stürtz)

face2face: Daneben gibt es auch großen psychologischen Einfluss auf die Geschichte. Auch Ronias und Jans anfängliches Unvermögen, miteinander zu reden, fällt da rein. Ist das denn Absicht?
Bettina Belitz: Der psychologische Einfluss kommt bei mir immer automatisch. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch sein Päckchen trägt und das es in jeder Familie ein Geheimnis gibt, das ans Licht kommen muss. Im Roman ist Jan da ganz wichtig, weil er Licht auf den Staub wirft und einen Reifeprozess für Ronia anstößt. Das Problem der mangelnden Kommunikation betrifft ja auch nicht nur Jan und Ronia, sondern alle Beziehungen in Ronias Leben, zu ihren Eltern, ihren Freunden, ihrem Professor. Meine Lieblingsszene ist darum auch die, wenn Jan in Ronias Badewanne liegt und die zwei endlich miteinander reden. Da zeigt Jan etwas Bodenständiges, aber auch etwas Weiches. Wenn zwei Menschen etwas aneinander liegt, ist es wichtig auf sprachlicher Ebene zusammen zu finden. Insofern ist das Buch durchaus ein Plädoyer für Gespräche und Kommunikation.

face2face: Zum Schluss noch: Gibt es denn schon einen Ausblick auf deinen nächsten Roman?
Bettina Belitz: Der ist bereits geschrieben und wird im Frühjahr 2015 erscheinen. Viel darf ich noch nicht verraten, aber es wird wieder ein Liebesroman für junge Erwachsene mit ungewöhnlichen Helden. Handwerklich wird er allerdings etwas anderes sein, als die bisherigen Romane.

Vor uns die Nacht ist im März 2014 bei Script5 erschienen als gebundene und elektronische Ausgabe.

Weitere Infos zur Autorin:
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Vorschau: Nächste Woche durchleuchten wir  die deutsche Fernsehkultur und fragen uns: Was schauen wir nach der Fußball WM?

Welcome to the Jungle

Ein stechender Schmerz in meinem Kopf zwingt mich dazu, meine Augen zu öffnen. Ich fasse mir an die Schläfe. Meine Hände sind mit schwarzem Lack besprenkelt. Unter meinen Fingernägeln findet sich das halbe Farbspektrum eines Regenbogens wieder. Bei einem Tablettenfrühstück in Form von Maaloxan und Dolormin verlese ich biedermeierliche Weltschmerzpoetik.

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Prägen die Szenerie: Bauschutt und Absperrband (Foto: Privat)

Retrospektive: Wir befinden uns irgendwo in der Speyrer Innenstadt – irgendjemand feiert eine Party. Wir kennen jemanden, der jemanden kennt und so weiter – man kennt das ja. Vor einem unscheinbaren Haus machen wir Halt. „Zur Party“ steht auf einer ausgehängten Tür, die auf dem vermeintlichen Boden liegt. Erst beim Überschreiten der Türschwelle fällt uns der klaffende Abgrund auf, der sich unter der Tür als provisorische Brücke befindet. Ein Schutthaufen versperrt uns die Sicht. Dahinter befinden sich leere Zimmerfluchten, ein kafkaeskes Wirrwarr aus Durchgangszimmern und abgetretenen Treppenstufen in weitere Stockwerke. Auf dem Dachboden eine 80er Jahre Motiv-Tapete, getüncht in rötliches Zwielicht. Ein lebensgroßer Posterausschnitt von Frank Zappa strahlt uns, in Unterhosen bekleidet, von der Wand aus an.

Überall im Haus tummeln sich Menschen, und ergießen sich in kreativer Destruktion. „Kick here“, steht an der merklich von Fußtritten mitgenommenen Wand. Daneben: Ein steht ein Affe mit übergroßem Schweif und Penis. Phallussymbolik überall – „Fuck U“ lautet der schonungslose Gruß auf der Fensterscheibe an die Außenwelt.

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Ein wiederkehrendes Motiv: Ein Phallus schmückt die Wand (Foto: Privat)

 Im ersten Obergeschoss ist die Party in vollem Gange. Gut dreißig Menschen tanzen zu dem Song „Aerials“ von der Band System Of A Down. Spekulationen über einen Mord in jüngster Vergangenheit machen ebenso die Runde, wie Gerüchte über den „Gender-Trouble“ des DJs. Die Badewanne, in der eine Frau ihren Mann erstochen haben soll, bietet uns an diesem Abend kühle Erfrischung in Form von alkoholischen Getränken. Der Dachboden des Abrisshauses wird kurzerhand zur Trinkspielarena erklärt. Die suboptimalen räumlichen Verhältnisse konfrontieren die Spieler mit Schmutz auf den Handflächen und Spinnweben in den Haaren. Im Mayhem-Raum erfahren die Spiele eine Fortsetzung. Eine Flasche, ein Würfel und eine Friedenspfeife zirkulieren unter den Mitspielern. Für demokratische Abstimmungen sorgt das „Schnick-Schnack-Schnuck“-Verfahren. Der Brunnen ist dabei keine zulässige Geste.

Das Haus fällt – einer Sandburg gleichend – der infantilen Zerstörungswut zum Opfer. In unbestimmter Zukunft werden Abrissbirnen das vollenden, was wir an diesem Abend begonnen haben. Unser Kunstprojekt kann nur in dieser ephemeren Gegenwelt existieren.

Wutnacht

Es ist heiß, der Sommer hat Deutschland fest im Griff. Die Sonne ballert derartig vom Himmel herunter, dass man schon wieder vor Schweiß starrt, wenn man die Dusche verlässt. Nicht, dass mich das stören würde; wenn die Sonne so richtig knallt, fühle ich mich wohl. Warum also nicht in die Strandbar gehen?

Dieser Gedanke kommt mir an einem Donnerstagabend gegen halb zehn. Das ist einigermaßen problematisch. In einer Kleinstadt wie Speyer ist man unter der Woche quasi stets mit dem Dilemma konfrontiert, dass ungefähr jede Kneipe so früh schließt, dass man noch nicht einmal den Gutenmorgenkaffee halb heruntergewürgt hat. Doch mir als Großmeister der Soziologie erscheint das an diesem Abend als vernachlässigbar. Vor gerade einmal zwei Tagen hat das Speyrer Brezelfest seine Tore geschlossen. Ungeachtet des Wochentags wankten Dienstagnacht unzählige Schnapsleichen durch die Partyzelte auf dem Messplatz. Und die müssen ja heute Abend auch irgendwo sein! Wo? Na klar, bei dem Wetter hängen die selbstverständlich alle in der Strandbar rum! So früh wird da schon noch nicht dicht sein…

Schnell ist ein Kumpel organisiert, der mich begleitet. Besonders flott kommen wir allerdings nicht voran. Mehrfach müssen wir rasten, um Kippen zu drehen und mit den Weizendosen zu kämpfen, an denen wir uns wässern. Ernsthaft: Wer kauft eigentlich Weizen in der Dose? Vermutlich sind das dieselben Leute, die sich die Wohnung mit „Swarovski“-Kristallfiguren vollstellen.

Nach langen Umwegen und einer unterhaltsamen Diskussion über die Weltreligionen kommen wir endlich in der Strandbar an. Aber wo sind denn alle? Vor der Bar hat sich eine längere Schlange gebildet. Bringen die etwa gerade alle ihr Pfand zurück?

„Öy!“, will ich von der Barkeeperin wissen, „Öy! Macht ihr schon zu?“.
„Nein, erst um zwölf, wie jeden Abend“, erklärt sie.
Ich schaue auf mein Handy. Viertel nach elf. Shit.

Zwei Bier später verlassen wir die Strandbar und stehen vor der beißenden Frage: Wohin? Das Problem löst sich an diesem Abend jedoch verblüffend schnell. Etwa hundert Meter entfernt vom Ausgang der Strandbar sitzt eine Gruppe aus etwa fünfzehn Hippies auf dem Boden. Die Hippies, die eigentlich gar keine Hippies sind, haben zwar keine Ahnung, wo noch etwas los sein könnte, laden uns aber freundlich ein, uns zu ihnen zu setzen. Ein Abschlussseminar eines freien sozialen Jahres wird hier gefeiert, danach will ein Großteil der Gruppe scheinbar soziale Arbeit studieren. Sympathische Leute, eigentlich.

Wir sitzen also am Rhein, die knallende Sonne ist längst untergegangen. Irgendein Fabian drückt mir ein Bier in die Hand, was viel zu schnell verzehrt ist. Wir könnten an die Tankstelle laufen, denke ich mir, bleibe dann aber doch sitzen. Die Gruppe ist ziemlich unterhaltsam. Ein Mexikaner und ein Kolumbianer sitzen neben mir und erzählen irgendwelche Geschichten, denen ich nicht mehr so ganz folgen kann.

Stattdessen werfe ich mit allgemeinen Ratschlägen um mich: „Ihr solltet studieren gehen!“, „Fahrt mit uns nach Rock’n’Heim!“ und „Ey, lasst uns mal an die Tanke laufen, wir brauchen Bier!“. Die Leute fangen an, mich mit dem Namen eines Hendrix-Songs anzureden. Da fällt mir ein: Wir brauchen eine Gitarre!

Also schnell hinters Telefon geklemmt und ein wenig Sozialkapital mobilisiert. Es ist kurz vor eins, als ich tatsächlich eine Gitarre aufgetrieben habe. Problem: Sie steht im Nachbarkaff am Bahnhof. Noch problematischer: Keine Sau kann mehr Auto fahren. Tja.

Viele unserer Probleme an diesem Abend hängen mit unserer Immobilität zusammen. „Lasst uns mal zu mir nach Hause fahren, Ghettoblaster holen!“ – Geht nicht. „Lasst uns mal zur Tanke fahren, wir brauchen Bier“ – Pech gehabt. „Alter, wir müssen sofort nach Freiburg, da gibt’s ’ne Wasserrutsche mit ’nem Looping!“ – Woah, geil! Kann noch wer fahren? Wir drehen uns ein wenig im Kreis.

Zumindest Musik kriegen wir tatsächlich aufgetrieben. Irgendjemand zaubert einen CD-Spieler herbei, den ich nach wenigen Minuten kapere. „Los! Alle müssen tanzen! Major Lazer!“, verkünde ich – und alles tanzt. Danach Deichkind. Danach Prodigy. Danach Prinz Pi. Und immer noch tanzt alles.

Doch da kippt die Stimmung. Offensichtlich davon überzeugt, dass wir ihr Bier oder ihre Telefone klauen wollen, beginnt eine Frau – nennen wir sie „Conny“, denn ich weiß leider nicht mehr, wie sie wirklich hieß – die Grüppchen abzuschreiten und gegen meinen Kumpel und mich herumzuhetzen. Ich mag manchmal ein wenig paranoid sein, aber so etwas merke ich dann doch. Mein Gewissen schaltet sich ein. Gehen wir den Leuten hier etwa auf den Wecker? Ich frage in die Runde. „Nö, alles okay!“. Beruhigt tanze, trinke, rauche ich weiter.

Der Hammer kommt um kurz vor zwei. Conny baut sich vor der Gruppe auf: „Ey, wir hauen jetzt ab!“, brüllt sie.
„Was? Wieso?“, will ich wissen.
„Verpiss dich jetzt, du blöder Spack!“, schreit es mir entgegen. Was zur Hölle?!

Sinnlose Streitereien kann ich einfach nicht mehr ertragen. Ständig raufen sich die Leute aus den allerschwachsinnigsten Gründen. Ich habe diesen Sommer schon einige wirklich doofe Anfeindungen erlebt: „Du hast beim Flunkeyball übertreten. Fick dich, du Spastie! Du hast einen anderen Glauben als ich, gleich macht’s Klatsch“. „Woah, bist du blöd. Ich trete dir gleich ins Gesicht!“. Ich kann einfach nicht verstehen, dass sich manche Leute immer wieder streiten müssen. Warum denn auch? Ist unsere Gesellschaft heute wirklich so frustriert, dass da nur noch ungezügelte Wutausbrüche Abhilfe schaffen? Mich macht das traurig.

Und Lust zu streiten habe ich auch nicht. „Yeah, ich bin ein blöder Spack! Aber was hab ich dir eigentlich getan?“.

Darüber will Conny nicht sprechen. Stattdessen befiehlt sie mir plötzlich, die Hosentaschen auszuleeren. Scheinbar unzufrieden über das Ergebnis und über die Tatsache, dass wir wirklich nichts geklaut haben, steigert sie sich immer weiter in einen Wutanfall hinein. Mehrfach entschuldige ich mich für was weiß ich was. Ich habe wirklich keine Lust, einen so schönen Abend kaputtzustreiten. Es wird Zeit, sich vom Acker zu machen.

Aber nicht, ohne was zu rauchen. Vorher müssen natürlich Wegkippen gedreht werden. Conny links liegen lassend verkünde ich in die gerade aufbrechende Runde: „Tja, also Leute. War schön, euch kennengelernt zu haben. Wir machen uns noch ’ne Kippe und sind dann auch weg“. Das will sie aber auch nicht hören. Conny baut sich vor uns auf und brüllt uns laut an. Abhauen sollen wir. „Chill jetzt, verdammt. Wir machen noch Kippen und sind dann weg“. Schließlich wird sie weggezerrt. „Zu viel gesoffen“, verkündet ihr Seminarkollege und verabschiedet sich. Und lässt uns doch einigermaßen desillusioniert zurück am Rhein sitzen.

Was ist da gerade passiert? Keine Ahnung, aber es ist doch alles in allem ein ziemlich niederschmetternder Einblick in die menschliche Psyche.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Model Samantha Stone

Zeigt sich gerne sexy: Model Samantha Stone (Foto: Florian Lohmann)

Zeigt sich gerne sexy: Model Samantha Stone (Foto: Ender Akdogan)


Mit neun Jahren lief sie ihre erste Modenschau, im vergangenen Jahr war sie BILD Girl und 2014 will sie mit einem Bildband von sich reden machen: Samantha Stone arbeitet hauptberuflich als Model. Trotz ihrer, für die Modelbranche recht ungewöhnlichen Größe von 160 cm ist die 25-Jährige zurzeit gefragt wie nie. Mit Face2Face sprach das Model aus Frankenthal über Erfolgserlebnisse, Castingshows und ihren Sohn.

Face2Face: Wie bist du zum Modeln gekommen?
Stone: Als ich das erste Mal gemodelt habe, war ich neun Jahre jung und noch in der Grundschule. Damals bin ich eine Modenschau für Kinder gelaufen. Ich erinnere mich noch, dass ich unglaublich aufgeregt war. Allerdings war das Modeln damals noch nichts für mich – das kam erst später.

Face2Face: Wie viele Aufträge hast du pro Monat und wie viel bekommst du beispielsweise für ein Fotoshooting?
Stone: Meistens modele ich nur am Wochenende, außer es steht etwas Größeres an. Natürlich werde ich für meine Arbeit auch bezahlt – über Geld spreche ich allerdings nicht.

Face2Face: Samantha Stone ist dein Künstlername. Wie lautet dein bürgerlicher Name und wieso hast du dich für einen Künstlernamen entschieden?
Stone: Eigentlich heiße ich Samantha Stein, aber „Stone“ passt einfach besser zu meinem Vornamen.

Face2Face: Machst du ausschließlich Fotos oder auch Laufstegjobs?
Stone: Ich mache beides – je nachdem, was gerade an Aufträgen reinkommt. Natürlich durfte ich schon Modenschauen mitlaufen und das bei meiner Größe von 160 cm… Ich hatte allerdings auch die höchsten Schuhe an und jede Menge Laufstegtraining.

Tanzt am liebsten nackt: Samantha in der BILD-Zeitung - fotografiert von Florian Lohmann

Tanzt am liebsten nackt: Samantha in der BILD-Zeitung – fotografiert von Florian Lohmann

Face2Face: Was war dein bisher größtes Erfolgserlebnis im Model-Business?
Stone: Mein größtes Erfolgserlebnis bis jetzt war, dass ich ein Casting gewann und so zu einem eigenen Management kam. Allerdings wechsele ich mein Management gerade wieder.

Face2Face: Was war dein spannendstes Shooting bisher?
Stone: Ein Shooting für das Reptilium Landau war bisher das spannendste Shooting für mich. Dort stand ich mit Schlangen, Spinnen, Skorpionen und weiteren Tierchen vor der Kamera – und das, obwohl ich eine riesige Angst vor Spinnen habe.

Face2Face: Was bedeutet dir das Modeln? Gibt es auch etwas, das dir am Modeln weniger gut gefällt?
Stone: Modeln bedeutet für mich abschalten und in eine andere Welt eintauchen. Was mir am Modeln weniger gefällt, ist ganz klar, dass man zwar viele interessante Menschen und auch andere Models trifft, mit diesen aber nach Miss-Wahl oder Shooting nur noch online oder via Handy Kontakt halten kann. Mit Glück sieht man sich einmal im Jahr und das ist sehr schade.

Face2Face: Auf den meisten deiner Bilder bist du eher spärlich bekleidet. Möchtest du bewusst durch nackte Haut herausstechen oder wieso lässt du dich gerne so fotografieren?
Stone: Ich arbeite in allen Bereichen außer Pornografie. Ich mag meinen Körper so wie er ist und muss nichts dafür tun, also kann ich ihn auch zeigen. Andere können gerne gucken, aber anfassen darf mich nur mein Mann.

Face2Face: Du bist auch Mutter eines vierjährigen Sohnes – wäre es dir unangenehm, wenn er dich irgendwann einmal auf deine Fotos anspricht oder hast du Angst davor, dass er später einmal wegen deiner Fotos gehänselt wird?
Stone: Mein Sohn kennt das schon von klein auf und war schon oft bei Shootings dabei. Er ist das gewohnt und freut sich immer auf die ersten Ergebnisse. Er weiß auch ganz genau, wer seine Mama ist, wenn er mich in Magazinen, Zeitungen oder im Netz sieht.

Samanthas spannendstes Shooting: Für das Reptilium Landau posierte sie unter anderem mit Spinnen (Foto: Jürgen Wegner)

Samanthas spannendstes Shooting: Für das Reptilium Landau posierte sie unter anderem mit Spinnen (Foto: Jürgen Wegner)

Face2Face: Was hälst du von Casting-Shows wie Germany´s Next Topmodel? Könntest du dir vorstellen, selbst einmal an so einem TV-Format teilzunehmen?
Stone: Nein, an so etwas habe ich kein Interesse. Mir ist das Gezicke zu doof und das viele Geschwätz.

Face2Face: Du hast seit Kurzem eigene Autogrammkarten – erkennen dich die Leute auf der Straße? Und wenn ja, wie findest du das?
Stone: Anfangs fand ich das total komisch, vor allem, als ich im März auf einer Motorradmesse drei Tage lang Autogramme geben sollte und sich Fans mit mir fotografieren lassen konnten. Auf der Straße werde ich mal erkannt und mal nicht. Privat lege ich keinen Wert auf Make-up, trage meistens einen Dutt und habe eine Brille auf der Nase (lacht). Wenn ich erkannt werde, werde ich angesprochen und gebe natürlich Autogramme. Aber jedes Mal denke ich mir dabei: Eigentlich bin ich ja nur das nette Mädchen von nebenan.

Face2Face: Was möchtest du im Bezug auf das Modeln noch erreichen? Hast du schon konkrete Pläne?
Stone: Ich plane nie. Es kommt, wie es kommt! Als nächstes steht ein Buchprojekt an: Ein Bildband mit Fotos von mir und dem Titel „Samatha Stone“, das man dann in der Buchhandlung kaufen kann.

Face2Face: Hast du einen Tipp für alle angehenden Models? Auf was sollten sie speziell achten, was ist wichtig im Model-Business?
Stone: Angehende Models müssen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein – das ist alles, denn es öffnet Türen!

Vorschau: Nächsten Dienstag beschäftigt sich die Panorama-Redaktion mit Missstände in deutschen Krankenhäusern und Ausbeutung der Pflegekräfte. Wir stellen uns die Frage: Was bewegt junge Leute, diesen Beruf dennoch zu erlernen?

Gewinnspiel:
Ihr seid von Samantha begeistert? Dann sichert euch mithilfe von Face2Face eine Autogrammkarte von ihr mit exklusiver, persönlicher Widmung!

Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis einschließlich Freitag, 16. August, 23:59 Uhr eine Mail an tatjana.gartner@face2face-magazin.de mit dem Betreff „Samantha“. Darin enthalten sein sollten euer Vor- und Nachname, eine Adresse (Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort), eine gültige E-Mail-Adresse sowie eure Wunsch-Widmung! Verlost wird unter allen Einsendungen. Mitarbeiter von Face2Face sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe des Gewinners erfolgt dann am Samstag, 17. August via Mail.

Die Panorama-Redaktion wünscht allen Teilnehmern viel Glück!

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Nutzungsbedingungen 

§ 1 Gewinnspiel
(1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

§ 2 Teilnahme

(1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
(2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mailadresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt.
(3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen.
(4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel


(1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Online-zeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen.
(2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden.
(3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden.
(4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht.
(5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden.
(6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung
(1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert.
(2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich.
(3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden.
(4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz.
(5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz
(1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten.
(2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face.
(3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren.
(4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges
(
1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
(2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar.
(3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Ihr Ziel: Die Shisha-Weltherrschaft – zwei Jungunternehmer packen aus

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Jugendkultur Shisharauchen“ titelten wir vor etwa einem Jahr auf unserer Website. An diesem Trend scheint sich bis heute wenig geändert zu haben: Viele, vor allem jüngere Menschen schätzen es in gemütlicher Runde – daheim oder in einer der zahlreichen Shishabars in der Umgebung – beisammen zu sitzen, Wasserpfeife zu rauchen und über Gott und die Welt zu quatschen. Zwei jungen Männern war das allein aber nicht genug: Toni Udiljak (24) und Rida Karkaba (28) gründeten im März ein eigenes Unternehmen rund um den Shisha-Bedarf. Über ihren Onlineshop verkaufen sie unter anderem Shishas, Tabak und Mundstücke, aber auch selbstentwickelte Produkte wie den „THS Diamond“, einen Glasaufsatz, der mittels indirekter Hitze das Einatmen von Schadstoffen aus der Kohle vermindert.

Am vergangenen Samstag eröffneten die Jungunternehmer zudem eine Filiale in Sinsheim. Face2Face war für euch vor Ort und hat mit den beiden über ihre größte Leidenschaft, das Shisharauchen, und die Herausforderungen einer Unternehmensgründung gesprochen.

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Es ist 12 Uhr an einem verregneten, grauen Samstag. Nur bei dem Gedanken daran heute noch vor die Tür treten zu müssen, fröstelt man unweigerlich. Im Bett oder vor dem Kamin, eingemummelt in kuschelige Decken, den Duft eines dampfend heißen Kakaos einatmen – an etwas anderes ist an einem Tag wie diesem nicht zu denken. Oder doch? Mitten im tristen Industriegebiet Sinsheims hat eine Handvoll junger Männer beschlossen, den Samstag anders zu verbringen: In gemütlicher Runde sitzen sie in einem Eckhaus mit Glasfassade. Beim Eintreten steigt einem gleich der fruchtige Geruch von Shishatabak in die Nase. An den Wänden des großzügigen, hellen Raumes stapeln sich kunterbunte Tabakboxen – von klassischem Doppelapfel, über Frozen Maracuja bis hin zu Zimt-Kaugummi ist alles dabei. In blitzblanken Glasvitrinen werden Köpfe und Mundstücke präsentiert. Zur Eröffnung des Shops können die Besucher diverse Tabaksorten ausprobieren, was sich die Shishaliebhaber aus der Umgebung natürlich nicht zweimal sagen lassen. Begierig saugen sie an den Schläuchen der Shishas und pusten den duftenden Rauch in die Luft.

„Shisharauchen bedeutet für uns einerseits Entspannung, andererseits das Verlangen die heutigen Standards im Bezug auf das Shisharauchen zu verbessern“, erklären die beiden Jungunternehmer. Da sei es für beide naheliegend gewesen, einen Shop für Shishabedarf zu gründen. Gute Konzepte und Produkte seien die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung, wissen sie. „Das Wichtigste aber ist der Ehrgeiz etwas durchzuziehen, obwohl viele Leute das nicht für gut befinden und einem Steine in den Weg legen“, ist sich Udiljak sicher. Nach dem Boom des Onlineshops durch den Verkaufsstart des „THS Diamond“ im März, möchten die beiden jungen Männer nun mit ihrer Filiale etwas mehr Präsenz zeigen und den Leuten die Möglichkeit geben, die Produkte vor Ort zu testen.

Das Fazit der Eröffnung fällt jedenfalls positiv aus: „Ich schätze mal, es waren um die 100 Besucher da“, berichtet Karkaba. Das läge minimal unter den Erwartungen, sei aber vermutlich auf das schlechte Wetter zurückzuführen, spekuliert er. Zufrieden seien sie dennoch und sehen zuversichtlich in die Zukunft: „Wir wünschen uns natürlich, dass der Shop weiterhin gut besucht ist, dass sich die Kunden hier wohlfühlen und die Beratung sowie Chillzone in Anspruch nehmen.“ Das Ziel auf längere Sicht: „Die Weltherrschaft in Bezug auf Shisha an uns zu reißen“, sagt Udiljak mit einem Augenzwinkern.

Kontakt:
THS Shisha Bedarf Shop:
Langestraße 22
74889 Sinsheim

www.shisha-bedarf.com
info@shisha-bedarf.com


Vorschau:
Nächste Woche geht es im Panorama um das Thema Couchsurfing.

Geschwister erzählen, Teil II: Brüderlein und Schwesterlein

Zusammen sein: Laura und Elias haben viele gemeinsame Hobbys (Foto: Julia Mungenast)

Zusammen sein: Laura und Elias haben viele gemeinsame Hobbys (Foto: Mungenast)

Brüder und Schwestern – Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit haben sie viele. Doch bei gemeinsamen Erzählungen hört man manchmal zwei Versionen: Da schwankt das zusammen erlebte Weihnachtsfest von turbulent zu besinnlich, der Nachbarschaftsstreich avanciert von abenteuerlich zu strafbar. Und genau dieses authentische Verhältnis zwischen Geschwistern möchte die Panorama-Redaktion näher beleuchten. Der zweite Teil der Serie „Geschwister erzählen“ porträtiert Laura (20) und Elias (18) Stiegeler, die in Karlsruhe vielen gemeinsamen Hobbys nachgehen.

Die Beiden haben noch vier jüngere Brüder. Laura und Elias sind gerade fertig mit ihrem Abitur und wohnen noch zuhause. Laura plant in naher Zukunft eine Weltreise und Elias macht ab September ein Freiwilliges Soziales Jahr im Schwarzwald.

Face2Face: Laura, wie ist es mit fünf Brüdern zuhause?
Laura
: Ganz ehrlich: Nach dem dritten Bruder habe ich geweint. Ich fand es so traurig, dass ich keine Schwester bekommen habe. Aber ich habe ein Mädchen kennen gelernt, das auch fünf Brüder hat und ich habe sie mir als Vorbild genommen. Wenn eine andere Freundin erzählt, wie sie sich mit ihren fünf Schwestern streitet, lache ich nur. Ich habe diesen Streit nicht.

Face2Face: Elias, ist Laura ein Vorbild für dich?
Elias
: In vielen Hinsichten ja, früher aber mehr als heute. Ich bin auf dieselbe Schule gegangen, ich bin schwimmen gegangen, in die Kirche gegangen, weil sie das alles gemacht hat. Heute ist das nicht mehr so.

Face2Face: Hat dich das genervt, dass er dir etwas nachmacht, Laura?
Laura
: Nein, hat es nicht. Ich habe allerdings ein aktuelles Beispiel, das mich nervt, ja: Ich mag die Farbe Grün sehr gerne. Ich habe ein neues Rad in grün. Jetzt kommt der Elias und hat zwei grüne neue Räder. 
Elias
: Ich muss dagegen protestieren, denn ich hatte meine grünen Räder bevor Laura ihr grünes Rad hatte. Zunächst habe ich ein Rad repariert, das einer Freundin gehört. Die Freundin wollte es aber nicht wieder zurück, also habe ich es behalten. Außerdem ist grün einfach eine coole Farbe, das hat nichts mit Laura zu tun. Und, unser Vater liebt auch grün – demnach hast du wohl unseren Vater nachgemacht. 
Laura
: Das wusste ich gar nicht, dass grün seine Lieblingsfarbe ist. Das hat er nie erwähnt.
Elias
: Doch, wenn wir ‚Mensch-ärgere-dich-nicht‘ spielen, nimmt er immer die grünen Männchen. Also muss ich feststellen, dass Laura unserem Vater nachmacht, nicht ich ihr.

Face2Face: Habt ihr beide viel mehr miteinander zu tun, als mit euren Brüdern?
Laura
: Wir machen viel zusammen, wir haben dieselben Hobbys, aber auch weil wir eben schon dasselbe Alter haben, und unsere Geschwister noch zu jung sind. Wir sind oft mit Kollegen vom Schwimmen unterwegs. Wir haben denselben Freundeskreis.
Elias
: Das heißt, es sind eigentlich Freunde in Lauras Alter, aber ich bin trotzdem immer dabei.

Verkleidungsfieber: Laura und Elias an Fasching (Foto: Privat)

Verkleidungsfieber: Laura und Elias an Fasching (Foto: Privat)

 

Face2Face: Wie ist bei euch die Zimmeraufteilung?
Elias
: Ich habe ein Zimmer mit meinem Bruder David und Laura hat ein eigenes Zimmer. 
Laura
: Wir haben aber früher in einem Zimmer gewohnt und uns gestritten, welche Kassetten wir hören. Ich wollte TKKG hören, weil das spannend war, und Elias wollte, weil er noch uncool war, Benjamin Blümchen hören. 
Face2Face
: Wie habt ihr euch geeinigt? 
Elias
: Es war ihr Kassettenrekorder.

Face2Face: Wie tragt ihr Streitereien untereinander aus?
Elias
: (lacht) Wir veranstalten immer eine kleine Olympiade im Garten und der Gewinner hat Recht. Nein, nein, Streitereien haben abgenommen, wir streiten fast gar nicht mehr. Als Laura in der Pubertät war, haben wir mehr gestritten. Ich war nie in der Pubertät, ich habe sie übersprungen.
Laura
: Ich dachte auch, dass ich nie in der Pubertät war, aber mittlerweile denke ich: Oh doch.
Elias
: Manchmal maulen wir uns an, aber das liegt eher an Stimmungsschwankungen und schlechter Laune.  Das legt sich schnell wieder.

Face2Face: Habt ihr mal alle gemeinsam gegen eine Entscheidung eurer Eltern protestiert?
Laura
: Ja! Da ging es um die Wahl des Urlaubsorts: Wir fahren immer mit einer anderen Familie in Urlaub und sie hatten sich Marielyst, eine Stadt in Dänemark, ausgesucht, aber da wollten wir Kinder nicht hin. Woanders wussten wir von einem Haus mit Pool und allem. 
Elias
: Wir sind dann mit Plakaten auf denen ‚Marielyst ist beschissen‘ stand durch die Wohnung gelaufen, haben eine richtige Demo gemacht. 
Laura
: Wir haben aber nur halb gewonnen: Wir sind zwar nicht nach Marielyst gefahren, aber auch nicht in das Haus mit Pool.  

Face2Face: Welche Eigenschaft an deinem Bruder beziehungsweise deiner Schwester bewunderst du? 
Laura
: Elias ist unglaublich offen und kann leicht Menschen ansprechen. Ich lass mich lieber ansprechen.
Elias
: Da muss ich jetzt erst kurz nachdenken. Wenn mich etwas nervt, dann fällt es mir schwer, das zu sagen. Laura kann das, das finde ich toll. Und ich finde gut, dass Laura rot werden kann. Ich würde in manchen Situationen auch gerne zeigen, dass ich mich geschmeichelt fühle.
Laura
: Also, wenn du das von mir haben willst, nimm, ich schäme mich, wenn ich rot werde.

Face2Face: Was nervt euch aneinander?
Elias
: Wir verstehen uns zu gut, als das wir sagen könnten, was wir aneinander nicht mögen.

Vorschau: Nächste Woche haben wir im Panorama einen ganz besonderen Leckerbissen für euch parat: Face2Face-Mitarbeiter Sebastian hat die Anmachtricks von „How I met yout mother“-Playboy Barney Stinson mal genauer unter die Lupe genommen – im Selbstversuch Playbook.

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Weitere Serienteile:

Teil I: Geschwister erzählen, Teil I: Unter Brüdern

Face2Face enthüllt: Ein Blick hinter die Kulissen einer aufstrebenden Militärdiktatur

Als „harmlosen Blödsinn“ beschrieb eine Speyrer Lokalzeitung am Dienstag, 24. April 2012 die Umtriebe des Sizilianers Salvatore Maria di Calandrucci in Römerberg/ Heiligenstein. Doch mit harmlosem Blödsinn hat das, was dort seit ein paar Monaten geschieht, nichts mehr zu tun: Von einem am Ortsrand gelegenen, inzwischen zu einer Art Festung ausgebauten Großbauernhof aus hat di Calandrucci eine regelrechte Militärdiktatur in dem gerade einmal 3.000 Seelen großen Dorf errichtet. Dort herrscht inzwischen ein Klima der Angst, und nicht einmal mehr in den Hinterhöfen traut man sich heute noch, über die beängstigende Wandlung zu sprechen, die die Gemeinde heimgesucht hat wie eine aggressive Seuche. Menschen, die man bei aktuellem Entwicklungsstand der Lokalpolitik durchaus als „Regimekritiker“ bezeichnen kann, werden am helllichten Tage auf offener Straße verschleppt und bleiben wie vom Erdboden verschluckt. In einer Art Heereslager auf einem aufgegebenen Weinberg sammeln sich seit Anfang Dezember hunderte Sizilianer und nachts patroulieren di Calandruccis Schlägertrupps in den Straßen Heiligensteins. Die Polizei scheint weitgehend machtlos und im naheliegenden Speyer spekuliert man längst über eine großangelegte Unterwanderung der Behörde durch di Calandruccis Männer.

Auslöser für all das war – so unglaublich es klingen mag – ein Nachbarschaftsstreit, der sich bis heute so weit extremisiert hat, dass gar schon angrenzende Ortschaften um ihre hegemoniale Existenz bangen müssen.

Unter Einsatz seines Lebens hat es der – inzwischen auf der Flucht befindliche – Face2Face-Politik-Redakteur Fabio Lampone (Anm. d. Red.: Name zum Schutz von Leib und Leben des Redakteurs geändert.) geschafft, sich in die Reihen di Calandruccis einzuschleusen. Mit dem Vorschlag, ein regimeeigenes Propagandablatt zu publizieren, konnte Lampone das Vertrauen des 71-Jährigen gewinnen und hat sich seitdem – bis zum Zeitpunkt seiner Demaskierung – als Chefredakteur des „il guerriero“ im engsten Kreis des Padrone bewegt. Schließlich sollte es Lampone gelingen, den Mafia-Warlord mit verstecktem Mikrofon zu seinen Plänen zu befragen. Exklusiv bei Face2Face – Salvatore Maria di Calandrucci im Interview!

Face2Face: Padrone, auf dem Weg nach Heiligenstein bin ich heute Abend an einer Straßensperre von schwer bewaffneten sizilianischen Zöllnern aufgehalten worden, die letztlich mein Auto durchsucht haben und mir einen Wegzoll in Rechnung gestellt haben. Was hat das zu bedeuten?
Di Calandrucci: Die Erhebung von Wegzöllen ist einer der Schritte, die die Familie (Anm. d. Red.: Wenn di Calandrucci von „Familie“ spricht, meint er für gewöhnlich das Verbrechersyndikat, welches er anführt) für nötig befindet, um die lokale Infrastruktur zu schwächen. Die Erhebung von Wegzöllen und die teilweise durch uns verhängten Spontanabriegelungen einiger wichtiger Straßen in und um Heiligenstein schaden dem wirtschaftlichen Geflecht der Region nachhaltig.

Face2Face: Die Infrastruktur schwächen? Der Wirtschaft schaden? Wie können solche Schritte in eurem Interesse liegen?
Di Calandrucci: Die Destabilisierung Römerbergs ist ein erster Schritt, um unsere Herrschaft über die Straßen auf eine rechtliche Basis zu stellen. Sobald die Region vorm wirtschaftlichen Kollaps steht, wird ein kompetenter Investor den Kontakt zum Gemeinderat suchen und ihm den Börsengang Heiligensteins…
Face2Face: Den Börsengang Heiligensteins?
Di Calandrucci: …anbieten. Unterbrich mich nicht, Fabio! Unser Mann in Frankfurt hat bereits alles für diesen einzigartigen Schritt in die Wege geleitet. Der Gemeinderat steht längst auf meiner Gehaltsliste. Und sobald das marode Heiligenstein in Frankfurt notiert ist, schlagen wir zu und übernehmen das Dorf.

Face2Face: Aber glaubt ihr, dass die Bevölkerung und die Behörden einen erzwungenen wirtschaftlichen Abbau ihrer Heimat hinnehmen werden?
Di Calandrucci (lacht): Es wird ihnen kaum etwas anderes übrig bleiben. Die Heiligensteiner Bevölkerung hat ihre Ohnmacht längst begriffen.

Face2Face: Tatsächlich erweist sich ein Blick auf die Straßen als ausgesprochen aufschlussreich über die neuen Machtverhältnisse in Heiligenstein. Wie, Padrone, seid ihr in diese Position gelangt?
Di Calandrucci: Auf dem Nachbarhof ist vor einigen Jahren eine neapolitanische (di Calandrucci spuckt auf den Boden) Großfamilie sesshaft geworden. Mehrfach trieb der unverschämte Kerl, der den Hof neu eröffnet hatte, sein Vieh auf meine Weide und stahl schließlich sogar meine Weintrauben im großen Stil. Schließlich versuchte er sogar, meinen Traktor zu entwenden – sein Pech, dass an jenem Abend eine große Familienfeier auf unserem Hof stattfand. Schnell war sein Hof umstellt und der Räuberbande blieb nichts anderes übrig, als zurück in die neapolitanische (di Calandrucci spuckt erneut aus) Gosse zu kriechen, aus der sie hervorgekommen war. Doch ließen die Vertriebenen neben ihrem Hof noch etwas ganz anderes zurück – ein Gefühl der Macht, das uns alle ergriffen hatte. Uns wurde klar, wie stark, wie mächtig wir sind, wenn wir zusammenstehen. „Das können wir!“, begeisterte sich mein Neffe. Wir wollten an unsere Grenzen gehen, sehen, wie weit wir gehen können. Nachdem die Behörden es anfänglich verschlafen hatten, gegen die Expansion der Familie in Heiligenstein vorzugehen, waren wir bald schon zu mächtig geworden, als dass dies noch möglich gewesen wäre.

Face2Face: Beeindruckend. Aber wozu das alles, Padrone? Was beabsichtigt ihr hier zu erreichen?
Di Calandrucci: Nachdem sich Heiligenstein unter unsere Kontrolle befindet, werden wir zunächst das tief gespaltene Römerberg (Anm. d. Red.: Römerberg gliedert sich in die Gemeinden Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim) wieder vereinen. Nachdem wir die beiden übrigen Gemeinden annektiert haben, werden wir auf dem Fleckchen Erde, das den schandhaften Namen „Römerberg“ trägt Palermo Nuovo errichten. Und dann steht einer Expansion unserer sizilianischen Exklave nichts mehr im Wege. Dudenhofen verfügt über eine ähnlich ausgeprägte Unterwelt wie die, die wir gerade errichtet haben, und um Widerstand im Keim zu ersticken, werden wir das Dorf wohl brandschatzen müssen. Liegt Dudenhofen erst einmal in Trümmern, heißt unser nächstes Ziel Speyer. Und dann? Wir werden sehen. Mannheim, Frankfurt, Berlin… Die Träume eines alten Mannes…