„Bist du mein Typ?“ – Beuteschemata im Alltag

„Bist du mein Typ?“. Ein einfacher Fragesatz, der an der Innentür einer Damentoilette meiner Universität prangt. Er gehört zu einem Plakat, das für die Untersuchung unserer Gewebemerkmale – eine sogenannte Typisierung – wirbt. Wer sich typisieren lässt, wird automatisch Teil einer weltweit verfügbaren Spenderkartei und somit auch eventueller Lebensretter für einen Blutkrebspatienten.

Die an sich nicht verkehrte, wenn auch zweifelsohne an fragwürdiger Stelle angebrachte Werbemaßnahme – schließlich möchte ich mich nach dem Klo eigentlich lieber entspannt, als an Krebskrankheiten erinnert fühlen – brachte mich jedoch unweigerlich auch auf einen anderen Gedanken: Ist die Frage nach einem bestimmten Typ, ob nun auf Stammzellen oder Menschen angewandt, nicht ohnehin allgegenwärtig? Entscheidet die Frage nicht a priori, welchen Typ wir an unserer Seite haben?

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Typisch: Schubladendenken, das unseren Alltag durchzieht. (Foto: Perlowa)

Mich selbst ertappe ich ständig beim Nachdenken und Sprechen über „meinen Typ“. Er ist rothaarig, groß und sommersprossig – kurzum: typisch britisch. Das brachte mich nicht nur früh dazu, Bilder von Prinz Harry aus Frauenzeitschriften auszuschneiden und einen Fanclub für Ron Weasley aus Harry Potter zu gründen – immerhin hatte der drei Mitglieder! – sondern auch zu vorschneller Oberflächlichkeit. Rote Haare sind sexy. Andersfarbige (Haare) schlicht nicht mein Typ. Liest sich schwarz auf weiß beinahe wie eine rassistische Aussage; unfair gegenüber potentiellen Kandidaten, deren blond-brünette oder ebenfalls orange Eltern nicht zufällig einen Rotschopf hervorbrachten, ist es ganz obendrein auch noch.

Außerdem kann ja nicht jeder, der rote Haare hat, auch ausschließlich wegen seines Phänotyps ein Schönling sein. Ganz zu schweigen von der Grundannahme, dass jeder Kobold auch zugleich ein toller Mensch ist. Ich bin natürlich schon mit „Redheads“ ausgegangen, manche von ihnen waren sogar groß und hatten zu allem Überfluss tatsächlich auch noch Sommersprossen im Gesicht und am Körper. Langfristig zum Erfolg geführt hat das weder mich noch meine Typen. Auch wenn ich ganz offensichtlich ebenfalls in ihr Beuteschema gepasst haben muss – oder? Woher kann ich schon wissen, ob einer dieser zeitweiligen Abschnittsgefährten nicht möglicherweise eine Art ästhetischen Kompromiss eingegangen ist und es daher ausnahmsweise einer Brünetten mit Locken anstatt der sonst präferierten Blonden Kurzhaarigen gestattete, ihm ins Netz zu gehen?

Und da haben wir es scheinbar: Wenn Fische auf See einem Angler ins Netz gehen, dann geschieht das zufällig. Sie werfen ihren Köder aus und hoffen, dass überhaupt ein Fisch anbeißt. Und auch, wenn sie heimlich auf den waschechten Regenbogenfisch mit seinen schimmernden Schuppen hoffen, ist und bleibt der – anders als im Kinderbuch – auf dem Wasser leider eine Seltenheit. Selbstverständlich bedeutet das – um uns wieder von hohen Gewässern zu distanzieren und den menschlichen Selektionskategorien anzunähern – noch lange nicht, dass alle Männer und Frauen sich verzweifelt auf alles und jeden einlassen, der ihnen gerade vor die Flinte läuft. Vielmehr bedeutet das in den meisten Fällen eine gewisse Flexibilität, die glücklicherweise nicht zuletzt der Persönlichkeit zu verdanken ist. Denn die sollte doch gegenüber optischen Idealbildern immer noch im Vordergrund stehen und über die Frage entscheiden, ob du mein Typ bist oder nicht.

Vorschau: Und es geht schön weiter – mit Kolumnist Sascha und seinen Gedanken zum heutigen Jugend-und Schönheitswahn.

In der Weihnachtsbäckerei

Ein großer Erfolg: Nach langem Ringen mit dem Teig grinsen unsere Kekse fröhlich in die Welt (Foto: Denzinger)

KEKSE BACKEN FÜR EINEN GUTEN ZWECK! steht immer noch in meiner Facebook-Veranstaltungsliste. Nachdem Face2Face die Initiatorin Sabine Zettl interviewt hat, steht fest: Wir backen mit! Und so treffen sich am Samstag, 1. Dezember 2012, nachmittags vier Face2Face-Redakteure – Anja Rambacher, Gülcin Onat, Melanie Denziger und ich – in Melanies WG-Küche, um bedürftigen Kindern eine Freude zu machen .

Das gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet. Vor allem der Mangel einer Großküche bereitet uns arge Probleme. Zwar sind vier Leute da, die alle backen wollen, aber kaum Platz vorhanden, um gleichzeitig zu arbeiten. Und da wir auch keine vier Backöfen zur Verfügung haben, sondern nur einen, verbringen wir etwa sieben Stunden mit der gesamten Keksbackaktion.

Schatzkiste: Schöne Verpackungen haben wir tatsächlich auch gefunden. Und ab damit…

Schon beim Einkaufen werden uns erste Probleme bewusst. Ein herausgesuchtes Rezept enthält Nüsse, doch: Was, wenn eines der Kinder eine Allergie gegen Nüsse hat ist? Also verzichten wir auf Mandeln und kaufen stattdessen eine Packung Kokosraspeln.

Butterplätzchen, Vanillekipferl und unsere garantiert allergiefreundlichen Kokosplätzchen wandern nach und nach in den Backofen. Die Vanillekipferl bekommen wir ohne Probleme hin, doch für die Butterplätzchen brauchen wir ganze drei Anläufe, weil der Teig nicht lange genug gekühlt und damit zu klebrig ist, um die Plätzchen auszustechen . Uns beschleicht der Verdacht, dass wir einfach zu doof sein könnten, ordentliche Kekse zu backen. Nach langem Kampf und der bewundernswerten Idee, den Teig in die Gefriertruhe zu packen, kriegen wir ihn dann aber doch noch in Keksform aufs Backpapier.

Während wir mit dem Teig ringen, überlegen wir, wem wir unser Gebäck eigentlich vermachen sollen. Ein paar Kandidaten stehen zur Auswahl, die Entscheidung fällt schließlich auf das Spielhaus Sara Lehmann in Speyer, in welchem unter anderem Flüchtlingskinder betreut werden. An Nikolaus sollen dort unsere Kekse verteilt werden.

…ins Spielhaus Sara Lehmann. Chefredakteurin Tatjana Gartner übergibt der Leiterin der Einrichtung Isabell Estevez-Aneiros kurz vor der Adventsstunde unsere Kekse (Fotos: C. Gartner)

In Folge unserer Backaktion werde ich krank. Vom einem herumhustenden und herumniesenden Menschen Kekse überbracht zu bekommen, ist nicht besonders appetitlich. Glücklicherweise erklärt sich Face2Face-Chefredakteurin Tatjana Gartner kurzfristig bereit, die Kekse direkt am Nikolaustag im Spielhaus Sara Lehmann abzuliefern. Und da landen sie dann auch – zufällig nicht mal eine Stunde, bevor in der Betreuungseinrichtung die Adventsstunde anklingt.

Vorschau: Am Dienstag, den 25. Dezember, beschäftigt sich die Panorama-Rubrik mit Vorbildern für junge Menschen.