Nichts zu verlieren

Am Ende der Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft in Polen, kommt es für die deutsche Auswahl mit dem Duell gegen Dänemark zu einem echten Endspiel um den Einzug ins Halbfinale. Die Face2Face-Sportredaktion wirft deshalb einen genauen Blick auf die deutschen Handballer und wiegt dabei die Siegchancen gegen den wohl größten Brocken des Turniers ab. 

Die Ausgangslage: Mit einem Sieg über Dänemark qualifizieren sich die Deutschen sicher für die Runde der letzten Vier. Bei einem Unentschieden müsste im Anschluss Spanien gegen Russland verlieren, damit die DHB-Auswahl weiterkommt.

Die deutschen Stärken: Diese liegen ganz klar in der Abwehrarbeit. Die selbsternannten „Bad Boys“ Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) und Finn Lemke (SC Magdeburg)  bilden allein schon wegen ihrer beachtenswerten Körpergröße – Pekeler misst 2,03 Meter, Lemke ist sogar 2,10 Meter groß – ein fast unüberwindbares Bollwerk. Auch im Angriff zeigte sich die DHB-Auswahl im bisherigen Turnierverlauf äußerst variabel. Mit Christian Dissinger, Steffen Weinhold (beide THW Kiel) und Steffen Fäth (HSG Wetzlar) besitzen die deutschen Durchschlagskraft und Qualität im Rückraum. Aber auch Matthias Strobel, Jannik Kohlbacher (beide HBW Balingen-Weilstetten), und der von der Siebenmeterlinie genauso variantenreiche wie effektive Tobias Reichmann (KS Vive Kielce) setzten Akzente.

Die deutschen Schwächen: Die Chancenverwertung. Die Deutschen erspielen sich zwar immer wieder gute Möglichkeiten, die Effizienz ist allerdings noch ausbaufähig. Auch die fehlende Kadertiefe stellt ein großes Manko dar. Fielen vor dem Turnier mit Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki (beide Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel) und Paul Drux (Füchse Berlin) gleich vier Leistungsträger aus, gesellen sich mit Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger seit dem vergangenen Spiel gegen Russland zwei weitere dazu.

Die Überraschungen: Mit Finn Lemke und Andreas Wolff (HSG Wetzlar) stechen zwei Spieler aus dem aktuellen EM-Kader heraus, die vor dem Turnier keiner so wirklich auf dem Zettel hatte. Lemke ist zum Abwehrchef aufgestiegen und hat den beim Deutschland-Cup so gut mit Pekeler harmonierenden Erik Schmidt (TSV Hannover-Burgdorf) aus dem Mittelblock verdrängt. Wolff zeigte seine ganze Klasse bereits in der Auftaktbegegnung gegen Spanien, als er für die etatmäßige Nummer eins, Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), eingewechselt wurde und ab dem dritten Gruppenspiel auch dessen Startplatz übernahm.

Die Chancen gegen Dänemark: Das Gute zuerst: Die deutsche Mannschaft hat, anders als die favorisierten Dänen, nichts zu verlieren und kann deswegen befreit aufspielen. Die Krux: Die Dänen zeigen bislang die beste Abwehrarbeit des Turniers (98 Gegentreffer, Deutschland 106 – Rang vier) und sind im Angriff sehr schnell auf den Beinen. Auch die ungemeine Kadertiefe sucht bei diesem Turnier ihresgleichen. Des Weiteren wiegen die kurzfristigen Ausfälle von Weinhold und Dissinger auf deutscher Seite besonders schwer. Die nachnominierten Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) und Julius Kühn (VfL Gummersbach) sind zwar frisch, es ist jedoch fraglich, ob sie ohne Rhythmus gleich ins Turnier finden werden. Das Positive: Die eventuelle Müdigkeit der Dänen, die Skandinavier mussten bereits gestern gegen Schweden antreten, könnte der DHB-Auswahl beim erreichen ihres Ziels in die Karten spielen.

Fazit: Nur wenn die Deutschen sehr gut in der Abwehr stehen und Carsten Lichtlein und Andreas Wolff das Torwartduell gegen Niklas Landin und Kevin Möller gewinnen, ist die Chance auf die Sensation Halbfinale möglich.

Vorschau: Nächste Woche klären wir auf, welche Vor- und Nachteile ein Saunagang mit sich bringen kann.

Rückfall in die 80er? – Spaniens Kampf um die Abtreibung

In Spanien demonstrieren hunderttausende Menschen gegen die Durchsetzung eines neuen Gesetzes, das Abtreibungen verbieten soll. Bis jetzt hat Spanien eine sehr liberale Abtreibungspolitik – bis zur 14. Wochen können Frauen dort abtreiben. Nach dem geplanten Gesetz sollen Abtreibungen grundsätzlich illegal werden. Nur im Falle einer Vergewaltigung und bei Gesundheitsrisiken für die werdende Mutter bliebe sie erlaubt. Frauen unter 18 Jahren könnten nur noch mit Zustimmung der Eltern abtreiben, eine Fehlbildung des Fötus soll kein Abtreibungsgrund mehr sein.

Das (noch) geltende spanische Abtreibungsgesetz wurde erst 2010 unter der damaligen sozialistischen Regierung José Luis Rodríguez Zapateros verabschiedet. Damit war Spanien eines der letzten europäischen Länder, das eine Fristenregelung für Schwangerschaftsabbrüche durchsetzte.

Schon damals veranstaltete die nun seit zwei Jahren regierende konservative Partei Pardio Popular gemeinsam mit der katholischen Kirche und der sich gegen Abtreibung aussprechenden Organisation „Lebensrechtbewegung“ Demonstrationen gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Der jetzige Ministerpräsident Mariano Rajoy begründete die neue Gesetzesinitiative nun unter anderem damit, ein Wahlversprechen einzulösen.

Doch für die geplante Verschärfung der Abtreibungspolitik erntet Rajoy selbst Kritik aus den eigenen Reihen – mehrere Regionalpolitiker distanzierten sich bereits von dem geplanten Gesetz. Nach einer Umfrage der Zeitung El Periódico de Catalunya wird es von rund 80 Prozent der Bevölkerung abgelehnt. Elene Valenciano, die stellvertretende Vorsitzende der Sozialisten, nannte die geplante Illegalisierung von Abtreibung eine „unbegreifliche Einschränkung der Freiheit von Frauen“. In den 80er Jahren war es in Spanien zu vielen Fällen gekommen, bei denen spanische Frauen in andere europäische Länder gereist waren, um dort Abtreibungen vornehmen zu lassen.

Sehr restriktive Abtreibungspolitiken finden sich heute auch noch in den ebenfalls erzkatholischen Ländern Polen und Nordirland. In Nordirland sorgte der Fall der im November 2012 verstorbenen Savita Halappanava für Aufruhr, der ihr Wunsch auf einen Schwangerschaftsabbruch verwehrt wurde. Sie starb an einer Blutvergiftung in Folge der Schwangerschaft.

E Viva Espania

 

Als der spanische Kapitän, Iker Casillas, am verganenen Sonntag, 01. Juli, den Siegerpokal in die Höhe stemmte, ging die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine zu Ende. Face2Face hat das Turnier analysiert und gibt einen Überblick über die Tops und Flops dieser EM.

Top:
Spanien: E Viva Espania! Der Welt- und Europameister hat Geschichte geschrieben. Als erste Mannschaft überhaupt konnte Spanien seinen Titel verteidigen. Der 4:0-Finalsieg gegen Italien war eine Demonstration. „El Roja“ spielt in einer eigenen Liga.

Zuschauer: Je ausgefallener die Aufmachung, desto größer ist die Chance, dass man in die Fernsehkameras winken darf. An der Spitze der Zuschauer liegen aber eindeutig die Iren. Jeodch nicht wegen ihren extravaganten Outfits, sondern wegen ihrem Gesang. Die Jungs von der Insel sangen sich unabhängig von der überschaubaren Leistung ihrer Mannschaft die Kehle aus dem Hals und feierten friedlich die Nächte hindurch. Die UEFA würdigte diese vorbildliche Leistung unlängst mit einem Sonderpreis.

Andrea Pirlo: Der geniale Spielmacher war und ist der Dreh- und Angelpunkt der italienischen Nationalmannschaft. Mit seinen tödlichen Pässen konnte der 33-Jährige ein Spiel entschieden. Der „Alt-Star“, den viele Experten vor diesem Turnier überhaupt nicht mehr auf der Rechnung hatten, überzeugte voll und ganz.

Cesc Fàbregas: „Der geheime Spielmacher“, die „falsche Neun“ oder einfach nur Cesc Fàbregas. Der Mann des FC Barcelona sorgte bereits beim ersten Gruppenspiel gegen Italien unfreiwillig für Aufsehen. Als hängende Spitze ohne echten Mittelstürmer wurde Fàbregas zum Hauptdarsteller des vielleicht ungewöhnlichsten Taktik-Konzepts dieser EM. Die spanische Presse schrieb sich über die „falsche Neun“ die Finger wund. Doch der junge Spanier kam mit der ihm zugewiesenen Rolle bestens zu Recht und trug einen großen Anteil zum erneuten Titelgewinn bei.

Andrés Iniesta: Wenn wir schon beim Aufzählen von spanischen Spitzenfußballern sind, und diese Liste wäre bis ins unermessliche zu führen, darf ein Mann nicht fehlen: Andrés Iniesta. Das 1,70m kleine Genie weis nicht nur beim FC Barcelona, sondern auch in der Nationalmannschaft zu überzeugen. Er ist einer dieser Spielertypen, die den Gegenspieler auf einem Bierdeckel austanzen können. Doch neben seiner fußballerischen Extravaganz und der Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers, konnte Inesta auch noch mit einer anderen Geste auf sich aufmerksam machen: Er spendete seine, vom spanischen Verband überwiesene, Siegprämie von 300.000€ seinen Landsmännern, die aufgrund der heftigen Waldbrände in der Nähe von Valencia quasi „über Nacht“ obdachlos wurden. Vorbildlich!

Italien: Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenn in der großen Fußballwelt mal wieder ein Turnier ansteht, kommt die italienische Liga, pünktlich wie eine Schweizer Taschenuhr, mit einem Manipulationsskandal um die Ecke. So auch in diesem Jahr, als die italienische Polizei eine Razzia im Trainingslager der „Squadra Azzurra“ durchführte. Dass Italien diesen Skandal scheinbar regelrecht braucht, um erfolgreich zu sein, bewiesen sie auch dieses Jahr wieder. Nach dem letzten großen Skandal, den die Mannschaft 2006 mit dem Weltmeistertitel beantwortete, hätte es in diesem Jahr fast schon wieder zu einem Titel gereicht. Doch die Spanier hatten etwas dagegen…

Sami Khedira: Der Mittelfeldmann von Real Madrid entpuppte sich bei diesem Turnier als geheimer Chef der deutschen Nationalmannschaft. Enorme Zweikampfstärke und unbändiger Wille trieben den 23-Jährigen zu Hochleistungen. Somit verwundert es nicht, dass der Schwabe nach dem Turnier ins Allstar-Team gewählt wurde.   

Ausländische Journalistin: Mit der Frage an den Neu-Dortmunder Marco Reus: „Hatt Ihnen eigentlich schon mal einer gesagt, dass sie die Haare noch schöner haben als Mario Gomez“, sorgte eine asiatische Journalistin für den komödiantischen Höhepunkt bei der deutschen Pressekonferenz in Danzig.

Stimmung und Stadien: Polen und die Ukraine sollen eine Fußball-EM austragen?! Ob das gut geht?! Es ging gut! Allen Schwarzmalern zum Trotz präsentierten sich die beiden Gastgeberländer aufgeschlossen und erstaunlich gut durchorganisiert. Von einer „Katastrophen-EM“, wie sie die meisten Fans im Vorfeld schon fast heraufbeschworen haben, war nichts zu merken – zum Glück!

Flop:
Livebilder:
Wo live draufsteht, sollte auch eigentlich live drin sein. Von dieser Selbstverständlichkeit schienen die Verantwortlichen der Internationalen Regie allerdings nur sehr wenig zu halten. Vor allem den deutschen Fans ist es noch in bester Erinnerung, wie Bundestrainer Joachim Löw einem ukrainischen Balljungen spitzbubenartig den Ball von hinten aus der Hand schlug. Nicht wenige deutsche TV-Zuschauer werden sich in diesem Moment gewundert haben, wie locker der Bundestrainer mit dem auf ihm lasteten Druck umgeht. Dass diese Szene aber gar nicht, wie dem naiven Zuschauer vor dem Fernsehschirm weis gemacht werden sollte, in der 20. Spielminute stattfand, sondern sich bereits viel früher beim Warmmachen ereignete, ist ein absolutes Unding. Doch diese Szene blieb kein Einzelfall. Auch beim Zünden von sogenannten „Bengalos“ oder bei politisch kritischen Plakaten – also bei Allem, was nicht ins Weltbild dieses Turniers passte, wurden schnell Bilder von jubelnden Fans oder Ähnlichem eingespielt. Manipulation auf höchstem Niveau.

Torrichter: Über die Funktion des Torrichters wurde bereits im Vorfeld dieses Turniers heiß diskutiert. Die in Europacup- und Champions-League-Spielen bereits eingesetzten und sich als überflüssig erwiesenen Torrichter, gaben bei der EM ihre Premiere. Doch mehr, als sich ein internationales Fußballspiel am Spielfeldrand anzuschauen und dafür auch noch bezahlt zu werden, haben die zusätzlichen Unparteiischen bei dieser Europameisterschaft nicht geleistet. Weder klare Elfmeter, noch eindeutige Tore wurden von Torrichtern erkannt. Da passt der Satz eines Kollegen: „So, wie du arbeitest, würde ich gerne Mal Urlaub machen“, wie die Faust aufs Auge.

Boxershorts-Skandal: Der durchaus begabte dänische Stürmer Nicklas Bendtner hebt nach seinem Treffer zum 2:2-Unentschieden gegen Portugal sein Trikot an und lässt damit seine Boxershorts mit einem irischen Wettanbieter aufblitzen. Da dieser Wettanbieter aber nicht zu den offiziellen Sponsoren dieser EM gehört, bekommt der Däne eine saftige Geldstrafe aufgebrummt. Satte 100.000€ soll Bendtner an Strafe bezahlen. Nicht nur auf den ersten Blick, sondern auch im Verhältnis zu den Geldstrafen, die sonst während des Turniers an Spieler oder Verbände verhängt wurden, ein Unding! So musste zum Vergleich der kroatische Verband wegen rassistischen Beleidigungen seiner Fans eine Geldstrafe von 80. 000€ an die UEFA überweisen. Eine gerechte Verhältnismäßigkeit sucht man hier umsonst.

Holland: Als Topfavorit gehandelt, als begossener Pudel die frühe Heimreise angetreten. Die holländische Nationalmannschaft präsentierte sich zu keinem Zeitpunkt dieses Turniers als Einheit. Zu viele der zahlreichen Topstars kochten lieber ihr eigenes Süppchen und schadeten damit dem Image und dem eigenen Erfolg. Null Punkte und gerade einmal zwei geschossene Tore sind das Ergebnis einer miserablen Europameisterschaft aus holländischer Sicht.

Polen: Von vielen Experten als Geheimfavorit gehandelt, avancierte der Gastgeber sehr schnell zu einer Enttäuschung dieser EM. Polen schaffte es trotz drei Dortmunder-Doublegewinner, vier eingebürgerten Spielern und der bedingungslosen Unterstützung der eigenen Zuschauer nicht, ins Viertelfinale einzuziehen. In einer Gruppe, die vom fußballerischen Potenzial her die schlechteste war, belegten die Polen, ohne Sieg, den enttäuschenden letzten Platz.      

Vorschau:
  Nächste Woche setzten wir unsere Reihe „Randsportarten“ mit dem Thema Unterwasserrugby fort.

Nun auch Spanien „unter der Haube“

Erleichterung letzten Samstag bei Finanzminister Wolfgang Schäuble, der EU-Kommission, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den USA: Spaniens Wirtschaftsminister Luis De Guindos verkündet die Absicht, Hilfen aus dem EU-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Mit dem Geld soll ein Programm zur Rekapitalisierung und zukünftiger Kapitalsicherung des angeschlagenen spanischen Bankensektors in Gang gebracht werden. Das Geld soll an Auflagen für den Finanzsektor geknüpft sein, nicht jedoch an die harten strukturellen Sparauflagen der gefürchteten „Troika“, die Sparkommissare der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des IWF. Dies betonte De Guindos ausdrücklich auf der Pressekonferenz am Samstag. Die Spanier wollen nicht in eine Schublade mit den Krisenländern Griechenland, Portugal und Irland gesteckt werden, die bereits Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds EFSF erhalten (Face2Face berichtete). Dies ist einer der Gründe für das lange Zögern und wiederholte Dementieren der Regierungssprecher, wenn es um die Frage ging, ob Spanien einen Antrag auf Kredite bei der EU-Kommission stellen würde.

Das Land kämpft gegen den Kollaps des Bankensystems, ausgelöst durch faule Immobilienpapiere. Nach dem Bauboom vergangener Jahre können zahlreiche Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden (Face2Face berichtete). Kredite zur Rettung der Banken vom Kapitalmarkt scheiden aufgrund der hohen Zinssätze, denen sich das Land gegenübersieht, weitgehend aus. Das Haushaltsziel der spanischen Regierung für das laufende Jahr steht auf der Kippe. Die Unterstützung durch Gelder der Euro-Gruppe war für viele die logische Konsequenz aus der aktuellen Situation und praktisch unausweichlich.

Realistisch erscheint eine Summe von 100 Milliarden Euro, welche den Kapitalbedarf beinhaltet, um die Geldinstitute zahlungsfähig zu halten und einen zusätzlichen Puffer. Allerdings sollten Garantien nicht zu vorschnell erteilt werden. Spanien hat bisher nur eine Absichtserklärung abgegeben, aber noch keinen formellen Antrag eingereicht. Des Weiteren sind die Konditionen, zu denen die Kredite gewährt werden, noch nicht ausgehandelt. Trotz der Vorbehalte Madrids gegen allgemeine Wirtschafts- und Strukturreformen wird das Land nicht um einige Mindestkonditionen herumkommen. Das Grundprinzip des EU-Rettungsschirms, Geld gegen Reformen zur Stabilisierung der Wirtschaft, muss erhalten werden, sonst könnten womöglich die anderen Empfängerländer ihrerseits Forderungen an die EU-Kommission stellen.

Unklar ist, ob Spanien das Geld aus dem provisorischen Rettungsfond EFSF oder dem neuen, dauerhaften Fond ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) erhalten wird. Ein Vorteil des neueren Modells wäre der bevorzugte Gläubigerschutz, das heißt im Insolvenzfalle würden die Kredite der EU an das Land bevorzugt bedient, bevor die privaten Gläubiger an der Reihe wären. Ein negativer Aspekt dieser Regelung ist das erhöhte Risiko für private Investoren, die in zweiter Reihe „abgestellt“ würden. Ein weiterer Vorteil des ESM ist die Beteiligung der Länder, die sich bereits unter dem Rettungsschirm befinden, an den Kreditgarantien. Nach dem alten Modell würde Spanien nach Erhalt des Geldes aus dem Kreis derjenigen, die für die Rückzahlung einstehen, ausscheiden. Dies würde eine zusätzliche Belastung für Deutschland und die anderen zahlenden Staaten bedeuten. Zurzeit ist der ESM-Vertrag jedoch noch nicht von genügend Mitgliedsländern unterzeichnet, darunter paradoxerweise auch Deutschland, wo die Ratifizierung von ESM-Vertrag und Fiskalpakt Gegenstand heftiger Streitereien ist.

Es bleibt spannend im Ringen um die Wirtschaft Spaniens. Ist die Bankenrettung mit EU-Geld die passende Lösung für ein Land, dessen Hauptproblem die enorme Arbeitslosigkeit ist? Oder bedeutet die komplette Abhängigkeit Madrids vom EU-Rettungsschirm ein dauerhaftes Abschrecken der Investoren für spanische Staatsanleihen? Experten sind sich weitgehend einig, dass Spanien bessere Chancen hat aus der Krise zu kommen als zum Bespiel Griechenland. Dies könne aber nur durch die Ergänzung der Bankenregulierung mit zusätzlichen Strukturreformen, und mit der Bekämpfung der Kernprobleme der spanischen Wirtschaft erreicht werden.

Spanien – das Land, in dem weder Milch noch Honig fließt

Längst ist die sonnenverwöhnte Iberische Halbinsel, vor allem Spanien, zum Sorgenkind der Europäischen Union geworden. Waren es vor einigen Monaten noch das hochverschuldete Griechenland sowie das kleine Irland, so geistert seit geraumer Zeit Spanien durch die Nachrichten. Meldungen über Rekordarbeitslosenzahlen, Rezessionsindikatoren und zum Teil gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Zivilpolizei sind leider keine Seltenheit.

Jüngst erregte die private Ratingagentur „Standard&Poor’s“, kurz: S&P, aufsehen, da sie die Bonität des Landes, welche als Indikator für die Kreditwürdigkeit dient, um gleich zwei Stufen herabsetzte. Solche Herabstufungen in Krisenzeiten haben vor allem psychologische Gründe, denn zum Beispiel ist die Verschuldung Spaniens relativ zum Bruttoinlandsprodukt niedriger als in Deutschland. Die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy hat die Maßnahme von S&P natürlich kritisiert und verweist auf ihren strikten Sparkurs. Die angekündigten und zum Teil bereits umgesetzten Reformen wären nicht berücksichtigt worden, würden aber auf lange Sicht den Weg aus der Krise ermöglichen. Bis 2013 schon will die Regierung die Kriterien des EU Stabilitäts- und Wachstumspakt erfüllen, die seit 1997 das jährliche Budgetdefizit auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines Staates begrenzen. Spanien hat sich hiermit sehr hohe, wenn nicht sogar unrealistische Ziele geschaffen, da das Budgetdefizit momentan mit einem Niveau von 8,5 Prozent am dritthöchsten in der EU ist. Deutschland zum Vergleich weist gerade einmal ein Defizit von einem Prozent auf. Spanien nimmt im Gegensatz zu Griechenland, Irland oder Portugal derzeit noch kein Geld aus dem EU-Rettungsschirm in Anspruch.

Kann der rigide Sparplan der Regierung tatsächlich die Probleme Spaniens lösen? Dies ist mehr als fraglich. Ökonomen wissen, dass strikte Kürzungen der Ausgaben – unter anderem Lohn- und Gehaltskürzungen – den Konsum drosseln und somit ein Land, welches sich bereits in einer Rezession befindet, noch tiefer in die Krise stürzen können.

Die Volkswirtschaft Spanien hat seit jeher mit überdurchschnittlichen Arbeitslosenzahlen zu kämpfen und gerade in Krisenzeiten sind diese enorm. Der Fokus der Nachrichten liegt deshalb auch auf diesem Thema. Momentan verzeichnet das Land eine Quote von 24,44 Prozent Erwerbslosen, das heißt jeder vierte Spanier ist ohne Arbeit und geregeltes Einkommen. Diese Zahl liegt um fast zwei Prozent höher als noch Ende 2011. Besonders die hohe Jugendarbeitslosigkeit führt zu immer häufigeren Auseinandersetzungen mit der Regierung und zu den oft gewaltsamen Protesten. Die Quote erreichte jüngst die 50 Prozent. Jeder zweite spanische Jugendliche hat keinen Job, während in Deutschland „nur“ acht Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos gemeldet sind. Die Situation für die Jugendlichen wird durch den Sparkurs Rajoys nicht verbessert, das Gegenteil ist der Fall: Die Firmen haben weniger Geld zur Verfügung und stellen neue Mitarbeiter nur mit befristeten Zeitverträgen ein, während ältere Mitarbeiter durch den überdurchschnittlich hohen Kündigungsschutz, der in Spanien lange Jahre üblich war, gegen Entlassung geschützt sind. Angestrebte Reformen hierzu stecken noch in den Kinderschuhen.

Die Gründe der hohen Arbeitslosenzahlen Spaniens liegen unter anderem im Bauboom, der erst durch den Ausbruch der Krise zum Erliegen kam. Große Zahlen junger Menschen brachen die Schule ab, um sich „einen Job auf dem Bau“ zu suchen. Für diese Art von Arbeit braucht man keine hohen Qualifikationen, es war leicht möglich eine Anstellung zu bekommen. Nach dem Platzen der Immobilienblase und infolge der Tatsache, dass viele Privatleute ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, kam die Baubranche von einem Moment auf den anderen zum Erliegen. Deswegen haben heute besonders niedriger qualifizierte Arbeiter Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Auch die Möglichkeit auszuwandern, welche vor allem junge spanische Akademiker in Betracht ziehen, kommt für diese Menschen eher selten in Frage. Die Chancen auf dem europäischen Markt sind für Personal mit abgeschlossener Ausbildung oder Hochschulstudium natürlich höher.

Es bleibt fraglich, ob die Regierung die Probleme mittel- bis langfristig lösen kann, um der spanischen Wirtschaft zu neuem Wachstum zu verhelfen. Dazu müsste sie ihren Fokus allerdings zumindest teilweise auf die Ankurbelung der Wertschöpfung und Schaffung von Jobs und Einkommen legen. Lediglich undifferenzierte Sparmaßnahmen werden das generelle Problem wahrscheinlich nicht lösen. Verlorene Jobs, nicht nur im Immobilien- sondern auch im Dienstleistungssektor nähren die sozialen Spannungen. Streiks und Proteste werden sich in Zukunft noch mehren. Experten, die vor einer der vielen traurigen Betonruinen, welche in Zeiten des Booms einmal zu einem Gebäude werden sollten, über die weiterhin schrumpfende Wirtschaft und explodierenden Arbeitslosenzahlen sprechen. Es ist zu hoffen, dass das Bild des Südens in den Nachrichten bald wieder ein anderes sein wird.

Atheisten und Flötenstücke – die Weihnachtstraditionen der Face2Face-Redaktion

Wenn die Wohnzimmer hell erleuchtet sind vom Glanz der Kerzen, wenn der Duft von Glühwein und Tannenbäumen die leeren, dunklen Gassen erfüllt, wenn man von drinnen das fröhliche Lachen kleiner Kinder hört und das Läuten der Kirchenglocken über die schneebedeckten Dächer hallt – dann ist Weihnachten. Aber wie verbringen eigentlich die Face2Face-Redakteure das Fest der Liebe? – Ein Blick hinter die Kulissen:

Eva-Maria Obermann (Kolumne) begründet eine eigene Weihnachtstradition

Kirche, Kind und Weihnachtsessen: Face2Face-Kolumnistin Eva-Maria Obermann bringt alles unter einen Hut (Foto: privat)

 „Früher, als ich Kind war oder zumindest ein kleineres Kind als heute, war Weihnachten einfach. An Heiligabend besuchten wir die eine Oma, am ersten Feiertag die andere und oft schafften wir es, vorher unterm eigenen Baum zu feiern. Doch so klein bin ich schon lange nicht mehr. Scheidungen, neue Familienmitglieder, Termine, Termine. An Weihnachten war ich immer hin und her gerissen und wusste nicht so recht, wo ich eigentlich sein will. Als ich schwanger wurde, habe ich unter das Chaos einen Schlussstrich gezogen: seitdem lade ich zu Heiligabend Eltern, Großeltern und meinen Bruder ein, und wer nicht mag, hat Pech gehabt. Manche wollen das nicht so ganz verstehen, aber ich bleibe stur.

Nachmittags gehe ich mit meinem Sohn in die Kinderchristmette – wer will kann uns da schon begleiten. Die meisten kommen aber erst zum Essen und sparen sich die Kirche. Ich finde gerade die Kindermesse wirklich schön und weihnachtlich. Dann geht es nach Hause. Unter unserem Weihnachtsbaum können sich die Geschenke – hauptsächlich für den kleinen Mann – stapeln und auch mein Weihnachtsessen ist nicht ohne: Champignoncremesuppe für meinen Bruder, jedes Jahr eine neue, leicht exotische Salatvariation, Weihnachtspute mit Ofengemüse und nach der Bescherung einen süffisanten Nachtisch. Weihnachten ist eben nur einmal im Jahr. Und das strahlende Gesicht eines Kindes, wenn es alle, die es lieb hat, versammelt weiß, ist den kleinen Ärger, weil ich damit eine neue Tradition begründet habe und an ihr festhalte, wirklich wert.“

Johannes Glaser (Wirtschaft&Poltik) ist begeistert von so viel Frieden und Toleranz

Liebt den Frieden in der Weihnachtszeit: Politik-Redakteur Johannes Glaser (Foto: privat)

 „Weihnachten und Kirche – bei uns zuhause hing das nie zusammen. Aufgewachsen bin ich in einer ziemlichen Atheistenfamilie, weswegen ich meine bisherigen Kirchgänge wohl gut an einer Hand abzählen kann – auf Weihnachten ist bisher keiner davon gefallen.

Trotzdem habe ich Weihnachten immer geliebt. Als ich jünger war natürlich vor allem wegen der Geschenke, die mir inzwischen nicht mehr wichtig sind. Ich finde Weihnachten deshalb so toll, weil die Menschen, die das ganze Jahr über damit beschäftigt sind, sich aus den schwachsinnigsten Gründen gegenseitig zu schaden und zu hassen, zumindest zeitweise zur Besinnung kommen. Anfang Dezember werden die Leute jedes Jahr scheinbar über Nacht viel friedlicher, umgänglicher und toleranter. Das finde ich wunderschön, und ich bin Jahr für Jahr aufs Neue begeistert!

Weihnachten selbst feiere ich mit meiner Familie und vielleicht nachts noch mit Freunden, soweit sind die Pläne bisher noch nicht. Auf jeden Fall freue ich mich dieses Jahr vor allem darauf, dass meine Schwester, die angefangen hat in Konstanz zu studieren, über die Feiertage nach Hause kommt. Andererseits hat Weihnachten dieses Jahr auch einen bitteren Beigeschmack: Meine Oma, die wir zu Weihnachten immer besucht haben, ist dieses Jahr verstorben. Da bleibt eine große Lücke.“

Verbringt Weihnachten wie hier 2007 mit Freunden: Musik-Redakteurin Selin Güngör (Mitte) (Foto: privat)

Selin Güngör (Musik) begeht das Fest der Liebe mit ihren engsten Freunden

 „Ich verbringe Weihnachten jedes Jahr mit meinen engsten Freunden. Da ich Muslima bin und Weihnachten für mich keinen religiösen Aspekt hat, gehe ich auch am Weihnachtsabend nicht zur Messe. Es geht mir nicht um Geschenke, wenn ich Weihnachten mit meinen Freunden feiere, es geht mir um den Zusammenhalt und das familiäre Beieinander. Jedes Jahr am 23. Dezember gehen wir alle zusammen essen. Wir suchen ein gemütliches Lokal, treffen uns, essen gemeinsam und freuen uns zusammen zu sein. Diese Tradition gibt es schon seit vier Jahren. An den eigentlichen Weihnachtsfeiertagen bin ich dann entweder bei der Familie meines Freundes oder bei der Familie meiner besten Freundin und auch wenn ich kein Wintermensch bin – auf unser Weihnachtsessen freue ich mich immer wieder.“

Julia Pfirrmann (Wirschaft&Politik) zollt in diesem Jahr dem Satz „I´m coming home for christmas“ Tribut

Freut sich auf ihren Weihnachtsbesuch in Deutschland: Wirtschafts-Redakteurin Julia Pfirrmann (Zt. in Barcelona, Spanien) (Foto: privat)

 „Vermutlich wird sich an den Heilig Abend-Feierlichkeiten in unserem Hause nie viel ändern. Der 24. Dezember beginnt mit der geschwisterlichen Diskussion, wer denn jetzt die großen Kugeln an den Weihnachtsbaum hängen darf und wer die unbeliebte Aufgabe des Tannennadelwegsaugens übernimmt. Am Ende erledigt die große Schwester – also ich – dann meist alles alleine. Nachdem letzte Geschenke eingepackt und Flötenstücke eingeübt sind, besuchen wir nachmittags den Weihnachtsgottesdienst und danach, mit Miniweihnachtsbäumen und Kerzen bestückt, den Friedhof. Letztere Aktivitäten sind uns weniger aus religiösen Gründen, sondern vielmehr zur Erhaltung alter Familientraditionen wichtig. Dieser Weihnachtsgruß an unsere Lieben besteht schon sehr lange und wir lassen uns auch nicht von Regen, Schnee oder der unangenehmen Mischung aus beidem aufhalten.

Das von selbstgemachten Nudeln begleitete Weihnachtshähnchen wurde von meinem Stiefvater liebevoll das „schnellstes Huhn der Welt“ getauft. Wenn er dann einmal im Jahr am Herd steht, werden wir festtagsgemäß mit maßlosen Mengen an Sahne beglückt, sehr zur Freude meiner Mutter und mir. Dem Essen folgt ein wenig weihnachtlicher Sing-Sang und dann, bevor die Hälfte der Anwesenden der Völlerei wegen eingeschlafen ist, die Bescherung.

Neben all der Tradition wird dieses Weihnachten aber etwas ganz Besonderes für mich sein. Ich habe meine Familie nun mehrere Monate nicht gesehen und unterbreche mein Auslandssemester in Spanien für vier Tage um zum ersten Mal dem Satz „I’m coming home for christmas“ Tribut zu zollen. Das Wichtigste an Weihnachten sind mir nämlich meine Lieben und die Freude, die ich durch kleine Geschenke in ihre Gesichter zaubern kann.“

Vorschau: SPONTANE PROGRAMMÄNDERUNG: Am Dienstag, 27. Dezember erwartet euch anstelle des angekündigten Interviews mit heute-journal-Nachrichtensprecher Claus Kleber ein Interview mit Schauspieler Matthias Schweighöfer. Das Gespräch mit Claus Kleber gibt´s dann im Januar.
Lisas Rätsel des Monats wird nach wie vor am Dienstag, 3. Januar erscheinen.

Europas Profilneurotiker

José Manuel Barroso ist unzufrieden. Der Sozialdemokrat, der als Maoist (Anm. d. Red.: Ein Maoist ist ein Kommunist „Made in China“) seine politische Karriere begann und von 2002 bis 2004 Premierminister von Portugal war, ist seit November 2004 Präsident der Europäischen Kommission und steckt gerade in einer politischen Midlife-Crisis. Vorbei sind die goldenen Zeiten, in denen er erfolgreich gegen das Böse – namentlich den US-amerikanischen Technologiekonzern „Microsoft“ und dessen Webbrowser „Internet Explorer“ sowie das Audio- und Videoabspielprogramm „Windows Media Player“ – zu Felde ziehen konnte und mit reicher Kriegsbeute – „Microsoft“ wurde zu Strafzahlungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro verurteilt – aus den Schlachten hervorging.

In der jüngeren Vergangenheit konnte er lediglich durch die geniale Idee, Benzin mit aus Lebensmitteln gewonnenem Ethanol zu strecken und damit die Abhängigkeit Europas von den ölexportierenden Ländern zu verringern und gleichzeitig das Klima und damit die Welt zu retten, glänzen. Dass dies Auswirkungen auf Lebensmittelpreise haben oder gar die Brandrodung etwa in Brasilien beschleunigen könnte, wurde durch entsprechende Studien ausgeschlossen. Und wie sicher jeder weiß, ist E10 ein Bestseller an der Tankstelle, senkt den Kraftstoffverbrauch und hat in keiner Weise zu einer allgemeinen Erhöhung der Kraftstoffpreise beigetragen.

Doch wenn es um die wirklich wichtigen Dinge in Europa – also Geld und im Speziellen das Recht, Geld von anderen zu fordern – geht, hat die Europäische Kommission noch nicht die totale Kontrolle. Hinzu kommt, dass durch die Staatsschuldenkrise Frankreichs Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel auf der politischen Bühne in Brüssel die Hauptrollen übernommen haben. Das alles ärgert Herrn Barroso.

Darum setzt er sich vehement für die Einführung einer Finanzmarkttransaktionssteuer – die natürlich unter der Aufsicht der Europäischen Kommission eingetrieben wird und direkt in den EU-Haushalt einfließt – in Europa ein. In einem jüngst vorgestellten Grünbuch (Anm. d. Red.: als Grünbuch wird ein Diskussionspapier zu einem Gesetzesvorschlag bezeichnet) schlug Barroso auch wieder die Einführung von „Stabilitätsanleihen“ – das ist Neusprech für „Eurobonds“ – in drei verschiedenen Varianten vor. Das Grünbuch enthält keine konkreten Forderungen oder Vorschläge, sondern nur grobe Ideen. Es erfüllt aber seinen Zweck insofern, dass es dem Autor die Aufmerksamkeit der Medien sicherstellt.

Barroso, der die kritische Hinterfragung seiner Handlungen und Kritik an seiner Person übrigens gerne als Verleumdung und Rufschädigung bezeichnet, erinnert im Zusammenhang mit der Schuldenkrise und dem Thema Finanzdisziplin gerne daran, dass ihm während seiner Amtszeit als Premierminister Portugals die Einhaltung des Euro-Stabilitätspaktes gelungen sei und er nicht mit den negativen Entwicklungen der letzten Jahre in Verbindung gebracht werden könne. Dass die Einhaltung des Euro-Stabilitätspaktes jedoch nur deshalb gelang, weil Lissabon staatliche Beteiligungen verkaufte, den Pensionsfonds des staatlichen Postunternehmens anzapfte und einen Weg fand, zukünftige Steuereinnahmen zu verbriefen und an der Börse zu verkaufen – ein Schelm, wer jetzt an Enron denkt – wird in diesen Ausführungen gerne verschwiegen.

Was kommt nach Nowitzki?

Der Freund eines jeden Korbjägers: Der Basketball (Foto: privat)

Seit Sonntag, 18. September ist die Basketball-EM in Litauen vorbei. Der alte und neue Europameister heißt Spanien. Die Iberer waren mit ihren zahlreichen NBA-Stars um Pau Gasol das Maß aller Dinge bei dieser Europameisterschaft und setzten sich in einem hochklassigen Finale auch verdient gegen Frankreich durch.

Für die deutsche Mannschaft lief es dagegen nicht ganz so rund. Angeführt vom Finals-MVP (Most Valuabel Player) und NBA-Champion Dirk Nowitzki kam die Deutschen  nicht über die Zwischenrunde hinaus. Auch Chris Kaman, der zweite NBA-Spieler in den Reihen der DBB-Auswahl, konnte trotz seinen zehn Rebounds pro Spiel letztlich nicht den Unterschied ausmachen. Nowitzki, der nicht zuletzt wegen seiner gewonnen Meisterschaft mit den Dallas Mavericks eine regelrechte Basketballeuphorie in Deutschland auslöste, opferte sich für die Gruppe. „Big D“ konnte nach einer kräftezehrenden Saison und gerade einmal drei Wochen Urlaub nicht die Form haben, die er in den Finals hatte. Und ohne einen Nowitzki in Top-Form scheint die deutsche Mannschaft auf internationalen Parkett nichts zu reißen.

Angetreten, um die Olympiaqualifikation für London im nächsten Jahr zu schaffen, scheiterte Deutschland bereits in der Zwischenrunde – zu wenig. Mannschaften wie Serbien, Frankreich, Spanien und Litauen waren einfach eine, wenn auch ab und zu nur eine kleine, Nummer zu groß. Aber muss man sich als Fan jetzt Sorgen um unsere Korbjäger machen? Eine klare Antwort ist hier nicht zu fällen. Die Zeit wird es zeigen. Siege gegen Italien, die Türkei und die ordentliche Vorstellung gegen Spanien lässt hoffen. Fakt ist aber auch, dass Superstar Nowitzki so schnell nicht mehr zur Verfügung stehen wir – er braucht Abstand. Ob er überhaupt nochmals in die Nationalmannschaft zurückkehrt, ließ der 2,13 Meter Riese offen. Eine mögliche Heim-WM 2015 mit Nowitzki – er wäre zu diesem Zeitpunkt bereits 37 Jahre alt – ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Wer so viel für Basketball-Deutschland geleistet hat wie Nowitzki, darf sich auch ruhig hinterfragen, ob er sich solche Torturen noch zumuten muss. Vor allem mit dem Hintergedanken, dass er so hart bei dieser EM verteidigt wurde, wie sonst kein anderer Spieler. Dass ihm diese Fouls persönlich nichts ausmachen, und er selbst sagt, dass sie zu diesem Sport eben dazu gehören, macht unter anderem den hervorragenden Charakter Nowitzkis aus.

Nun stellt sich aber  die Frage, was kommt nach Nowitzki? Eins ist klar: Ohne Nowitzki heißt auch gleichzeitig ohne Kaman, da es der gebürtige Amerikaner vorzieht, nur zusammen mit dem Superstar der NBA für „sein Land“ aufzulaufen. Bleibt also der Blick auf die jüngeren Spieler im Kader. Hervorgestochen ist ohne Zweifel Robin Benzing. Der Small Forward des FC Bayern München hat bei dieser Europameisterschaft viel mitnehmen können und gezeigt, dass er auf internationalem Niveau bestehen kann. Im Vergleich zur WM 2010 in der Türkei steigerte der 22-Jährige seinen Punkteschnittt von 4,6 auf 9,3 und seine Trefferquote von 32 auf 55,3 Prozent.

„Wie sich Robin in diesem Sommer präsentiert hat, war hervorragend“, zeigte sich auch Bundestrainer Dirk Bauermann voll des Lobes für den Hoffnungsträger. Aber auch Philipp Schwethelm und der begabte, aber mit viel zu wenig Einsatzzeit bedachte, Tibor Pleiß halten die Flamme der Hoffnung nach oben.

 Aber selbst wenn sich diese Talent hervorragend entwickeln bleibt anzuwarten, ob es für die Zukunft reicht Mannschaften wie Spanien, Frankreich, Russland und Griechenland in Bedrängnis zu bringen.

 Vorschau: Nächste Woche beschäftigt sich Anja mit der Frage, ob man Snooker, Darts und Poker wirklich als Sportarten bezeichnen kann.