Die Niederlande – Fahrradland Nummer eins?

Fahrradfahren ist für viele ein Hobby oder eine günstige, gesunde und umweltfreundliche Methode, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Auch im Urlaub nutzen immer mehr dieses Fortbewegungsmittel, um möglichst viel von der Landschaft oder der entsprechenden Stadt zu sehen. Doch lässt sich eigentlich herausfinden, welches Land sich am besten für einen Urlaub mit Rad eignet oder Fahrradfahrern im Allgemeinen das Leben erleichtert?

Fahrradfreundliche Urlaubsländer

Der 1983 gegründete Europäische Radfahrer-Verband, kurz ECF, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Radfahren in Europa zu fördern. Dieser hat insgesamt fünf Kriterien aufgestellt, die ein Land als besonders fahrradfreundlich kennzeichnen: Fahrradnutzung (täglicher Gebrauch des Rads als Transportmittel), Sicherheit, Fahrradtourismus (Anzahl der Fahrradtouren im Land durch Touristen), Mitglieder in einem Fahrradverband und Größe des Marktes (verkaufte Fahrräder pro Jahr). Beim „ECF Cycling Barometer“, einer 2015 durchgeführten Untersuchung für EU-Länder, kam heraus, dass Luxemburg und Malta am meisten Sicherheit für Fahrradfahrer bieten. Genutzt wird das Rad hingegen am häufigsten in den Niederlanden. Der Fahrradtourismus ist in Finnland am stärksten, jedoch findet der größte Absatz dieses Fortbewegungsmittels in Slowenien statt. In Dänemark sind allerdings die meisten Menschen Mitglied in einem Fahrradverband. Die Gesamtauswertung hat schließlich ergeben, dass Dänemark, die Niederlande und Schweden die drei fahrradfreundlichsten Länder sind.

Fietsen in den Niederlanden

Es sind trotzdem die Niederlande, die am ehesten mit dem Fahrradfahren (Niederländisch: Fietsen) in Verbindung gebracht werden und sich sicherlich durch noch mehr als die vom ECF festgelegten Kriterien als Fahrradland auszeichnen. So gibt es zum Beispiel sehr gut ausgebaute Fahrradwege. Radfahrer können die Niederlande auf insgesamt über 30.000 Kilometer langen beschilderten Fahrradrouten erkunden. Hinzu kommt, dass Fahrradfahren in einem flachen Land – wie den Niederlanden – auch ohne große Anstrengung möglich ist. Interessant ist ebenfalls, dass in den Niederlanden etwa 22 Millionen Fahrräder existieren – und das bei nur ca. 17,1 Millionen Einwohnern.

Typisch Niederlande: Fahrräder an jeder Ecke (Foto: S. Holitzner)

Fahrradstadt Amsterdam

Insbesondere Amsterdam ist wohl DIE Fahrradstadt der Niederlande. Allein dort gibt es rund 800.000 Fahrräder. Die Stadt verfügt über 400 Kilometer Fahrradwege. Aufgrund der Bauweise und den vielen engen Straßen und Grachten kommt man in der Innenstadt nur schlecht mit dem Auto voran. Wer nicht mit dem Boot fährt oder zu Fuß geht, nimmt da am besten das Fahrrad. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 40% der gesamten Fortbewegung in dieser Stadt auf dem Rad erfolgt. Fahrräder haben daher in der Stadt so gut wie immer Vorrang, was gerade bei Touristen, die zu Fuß unterwegs sind, immer wieder für Verwirrung sorgt oder sogar zu kleineren Zusammenstößen führt. Seit Juni 2016 hat Amsterdam – als erste Stadt der Welt – sogar einen Fahrradbürgermeister bzw. eine Fahrradbürgermeisterin. Aktuell übt Anna Luten dieses Amt ehrenamtlich aus. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Als „Stimme der Fahrradfahrer im Rathaus“ ist es die Aufgabe der Fahrradbürgermeisterin, sich bei der Gemeinde dafür einzusetzen, das Fahrradfahren in Amsterdam zu verbessern und international dafür zu werben.

Fahrradparkhäuser lösen das Problem

Ungewöhnliches Parkhaus: Die „Fietsflat“ in Amsterdam (Foto: S. Holitzner)

Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, braucht auch einen geeigneten Abstellplatz. Bei der großen Anzahl an Fahrrädern mangelt es aber oft an sicheren Möglichkeiten. Die Niederländer haben dafür die perfekte Lösung gefunden: Fahrradparkhäuser. In Amsterdam gibt es beispielsweise die sogenannte „Fietsflat“ (zu Deutsch: Fahrradwohnung), die 2001 eröffnet wurde. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof der Stadt. Die drei Stockwerke des überirdischen Parkhauses bieten Platz für 2.500 Fahrräder. In der Nähe des Hinterausgangs des Bahnhofes ist der Fahrradparkplatz „Fietspont“ gelegen. Dort können rund 400 Fahrräder auf einem alten Schiff abgestellt werden.

Das größte Fahrradparkhaus der Welt

In Utrecht entsteht derzeit – nach einem Entwurf von Ector Hoogstad Architecten – das größte Fahrradparkhaus der Welt. Bereits im Juli 2014 wurde mit dem Bau begonnen. Am 7. August 2017 wurde ein Teil der neuen, überwachten Fahrradtiefgarage bereits eröffnet. Sie befindet sich an der Jaarbeurskant bei der Centraal Station, dem Hauptbahnhof von Utrecht. Momentan können Pendler und Besucher dort rund 6.000 Fahrräder unterstellen. Bis Ende 2017 sollen dort 7.500 Fahrräder Platz finden. Über eine App und Schilder in der Stadt bekommen Nutzer freie Stellplätze angezeigt. Um zu diesen zu gelangen, ist es sogar erlaubt, in der Tiefgarage Fahrrad zu fahren. Kosten für die Unterstellung fallen erst nach einem Tag an. Die Plätze sind nummeriert und farblich markiert. Pro Platz können zwei Fahrräder abgestellt werden: eins stehend und eins darüber hängend. Ende 2018 – nach Fertigstellung des Bauprojekts – soll das Fahrradparkhaus auf drei Stockwerken Platz für ca. 12.500 „Fietsen“ bieten.

Mit dem Fahrrad zum Hit

Die Liebe zum Fahrradfahren geht in den Niederlanden sogar soweit, dass ganze Lieder diesem Thema gewidmet werden. So handelt zum Beispiel der Song „Bagagedrager“ (zu Deutsch: Gepäckträger) der niederländischen Rapper Gers Pardoel und Sef davon, dass ein männlicher Protagonist gemeinsam mit seiner Traumfrau auf seinem neuen Fahrrad die Gegend erkundet und überlegt, wohin er zusammen mit ihr fahren kann. Dabei wird das Fahrrad als einzig wahres Fortbewegungsmittel, mit dem Frauen beeindruckt werden können, angepriesen. Das Lied wurde 2011 veröffentlicht und entwickelte sich zu einem großen Hit in den Niederlanden und Belgien. So erreichte der Song Platz zwei der niederländischen und Platz drei der belgischen Singlecharts.

32 Konzerte in 21 Ländern – Depeche Mode auf „Global Spirit Tour“

35 Jahre rocken sie bereits die Bühnen dieser Welt und im Mai geht es wieder los.  Die britische Synthie Pop-Gruppe  Depeche Mode  feierte schon zu ihren Anfängen große Erfolge: so enthält das zweite Album „Some Great Reward“, das sie herausbringen, die Nummer „People are People“, die in Deutschland auf Platz eins der Charts landet. In Ländern wie England und Österreich erreicht der Song ebenfalls die Top 10! Die Nummer ist mit elektronischen Klängen durchzogen und schon jetzt mit dem Markenzeichen der Band versehen: der klaren, marken Stimme von Frontmann Dave Gahan.

Internationaler Erfolg

Bereits in den Anfängen hat Depeche Mode Erfolg: Mit ihren düsteren, elektronisch angehauchten Klängen begeistert die Band nicht nur Europa. Denn auch in den USA treten Depeche Mode nach der Veröffentlichung ihrer LP „Music for the masses“ im Jahre 1984 vor großen Massen im Rahmen ihrer ersten Welttournee auf.

Tiefer Fall

Nach dem erfolgreichen Höhepunkt der Band kommen einige Tiefschläge: Alan Wilder, der Keyboarder und Schlagzeuger, verlässt die Band für eigene Soloprojekte. Sänger Dave Gahan unternimmt aufgrund seiner schweren Heroinsucht einen Suizid-Versuch. Dave Gahan fasst nach schwerer Leidenszeit den Entschluss einen Entzug zu machen und begibt sich mit den anderen beiden verbleibenden Bandkollegen, Andrew  Fletcher und Martin Gore, wieder ins Studio. Sie nehmen weitere Alben auf und gehen 1989 sogar wieder auf Welttournee.

Kämpfen für die Musik

2001, drei Jahre nach der großen Tour, erscheint das Album „Exitor“ des Trios, das sich nicht unterkriegen lässt und weiter seiner Leidenschaft – der Musik – nachgeht. Vier weitere Jahre später, im Jahre 2005, schaffen sie es mit „Playing the Angel“ in sage und schreibe 18 Ländern an die Spitze der Charts!

Sie gehen wieder auf Tour

Am vergangenen Freitag ist das 14. Studioalbum „Spirit“ erschienen. Im Anschluss an dieses wird die Band im Mai ihre „Global Spirit Tour“ starten. Bisher sind 32 Konzerte in 21 Ländern bestätigt worden. In Deutschland werden die drei in den Städten Köln, Dresden, München, Hannover, Gelsenkirchen, Leipzig, Frankfurt und Berlin auftreten. Es gibt noch Karten für die Konzerte. Lasst euch das nicht entgehen! Hier könnt ihr Tickets bestellen.

Vier Schwestern und der Kampf um den ESC

Spätestens seit Lenas „Satellite“ sind auch wir in Deutschland alle ein bisschen Eurovision Songcontest (ESC). Bereits seit über 50 Jahren ist dieser Wettbewerb eines der Highlights der europäischen Musikwelt. Ob Newcomer wie die Siegerin des letzten Jahres, Conchita Wurst, oder alt eingesessene Künstler, wie das schwedische Quartett ABBA – der ESC war und ist schon immer ein anziehendes Ereignis.

Spannend für die deutsche Musikwelt ist der Vorentscheid für die Auswahl des diesjährigen deutschen Vertreters. Seit einigen Jahren haben dabei nicht nur die großen Stars des Business die Möglichkeit für Deutschland anzutreten, auch Newcomer bekommen die Chance im Clubkonzert eine begehrte Wildcard zu ergattern. Am 19. Februar ist es in Hamburg wieder so weit, der Kampf um die Wildcard zum Vorentscheid wird eröffnet. Zehn junge Künstler und Bands werden an diesem Abend gegeneinander antreten, um ihrem Traum von einer Teilnahme am ESC ein Stückchen näher zu kommen. Mit dabei ist auch die Wiesbadener Band „Ason“ und genau mit ihnen waren wir für euch im Interview.

Vorab: Ason, das sind Dorotea (20), Lillie (18), Joella (16) und Mickelina (12). Musik steckt den vier Schwestern im Blut. Das Singen hat ihnen ihre schwedische Mutter, die Sängerin ist, mit auf den Weg gegeben. Ihr Gefühl für Rhythmus haben die Wiesbadenerinnen vom Vater, der Schlagzeuger ist. Neben Schlagzeug spielen die jungen Musikerinnen auch Klavier, Gitarre und Bass. Ihr Song für den ESC heißt „Hey You“ und erzählt die Geschichte von einem Wiedersehen und von gemeinsamen Erinnerungen zweier Personen. Ihre Musik bezeichnen die vier Künstlerinnen generell mit den Worten „New. Free. Sound“.

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Musikalisch: Musik liegt den vier Schwestern in den Genen. (Foto: Ason/ Jonathan Gaubatz)

Face2Face: „Eure Band heißt Ason. Was bedeutet der Bandname?“

Ason: „Der Name Ason ist eine Abkürzung von unserem Nachnamen Andersson. In   Schweden gibt es viele ähnliche Namen wie Eriksson, Svensson, Pettersson oder eben auch Andersson. Manche Schweden schreiben dann ihren Nachnamen einfach verkürzt auf. Man nimmt den ersten Buchstaben ein Semikolon und dann „son“. Bei uns wäre das dann zum Beispiel A:son. Wir haben jedoch beschlossen das Semikolon einfach wegzulassen.“

Face2Face: „Seit wann macht ihr Musik und wie habt ihr die Liebe zur Musik entwickelt?“

Ason: „Gefühlt: schon immer. Wir sind einfach mit Musik aufgewachsen. Das geht wahrscheinlich nicht anders mit so musikalischen Eltern. Wir haben schon als kleine Kinder gesungen und getanzt. Musik war und ist schon immer Teil unseres Lebens. Mit richtigem Musikunterricht haben wir mit circa sechs Jahren angefangen. Als Ason machen wir jetzt seit etwa eineinhalb Jahren Musik.“

Dorotea: Vor allem kommt die Liebe zur Musik auch vom Hören und Erleben. Ich war schon sehr früh bei den Auftritten meines Vaters dabei und durfte Musik live erleben. Schön ist es, wenn man sieht was Musik bei Menschen auslöst. Wenn man anfängt Musik mit dem Herzen zu fühlen und vor allem zu verstehen, dann kommt alles andere von allein.

Face2Face: „Habt ihr musikalische Vorbilder? Und gibt es Künstler, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?“

Ason: „ Musikalische Vorbilder sind für uns Künstler wie Ed Sheeran, Goythe, The Script, U2, Peter Gabriel, Peter Fox, Sting und noch so einige andere. Und nicht zu vergessen natürlich auch unser Papa. Natürlich würden wir gerne mit unseren musikalischen Vorbildern mal gerne zusammenarbeiten, auch Andreas Bourani, George Ezra, Darwin Deez, Robyn, Kiefer Sutherland, Benedict Cumberbatch oder Martin Freemann würden auf so einer Liste ganz oben stehen.“

Face2Face: „Wie beschreibt ihr eure Musik jemandem, der noch nichts von euch gehört hat?“

Ason: „ Das was wir mit unserer Musik vor allem erreichen wollen, ist das wir etwas in anderen auslösen. Deshalb ist die Musik so wie wir sind – einfach bunt.“

Face2Face: „Für euch steht nun ein ganz besonderes Konzert an. Im Clubkonzert kämpft ihr um eine Wildcard für den ESC Vorentscheid? Wie kam es dazu und vor allem was fühlt ihr dabei?“

Ason: „Wir haben noch am Tag des Anmeldeschlusses unser Video eingereicht. Einige Tage später wurden wir angerufen, mit der Nachricht, dass wir dabei sind Es war ziemlich überraschend. Im Moment sind wir sehr gespannt, denn diese Zeit ist besonders aufregend aber gleichzeitig total schön. Jetzt heißt es erst einmal proben, proben, proben. Aber die Freude auf die nächste Zeit überwiegt.“

Face2Face: „Zu guter Letzt die Frage: wann und wo können wir euch hören? Wann kommt euer Album raus?“

Ason: „Also erst einmal dürft ihr natürlich am 19.Februar um 22 Uhr im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit uns mit fiebern und für uns Voten. Das Album werdet ihr dann hoffentlich bald in den Händen halten. Für dieses Jahr stehen schon einige Termine an. Die findet ihr übrigens immer ganz aktuell auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.de/asonband.“

Die Face2Face-Musikredaktion wünscht Ason viel Erfolg beim Kampf um die Wildcard. Auch wenn die Band mit einem kleinen Wermutstropfen in den Ring steigt. Das Mindestalter beim ESC liegt für Teilnehmer bei 16 Jahren. Mickelina, die erst zwölf Jahre alt ist, wird nicht live auf der Bühne stehen können, sondern legendlich beim Auftritt eingeblendet werden.

Mainstream – Musik ohne Message?

Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Eintönig: Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Das ist ja mal wieder voll Mainstream, das neueste Lied in den Charts!“ – diesen Satz habt ihr bestimmt schon mal gehört, wenn ihr gerade beschwingt einen aktuellen Song im Radio gehört habt. Aber was ist eigentlich Mainstream und was soll daran so schlecht sein?

Unter Mainstream (zu Deutsch: Hauptstrom) versteht man den Geschmack, der einem Großteil der Gesellschaft gefällt. Aber bedeutet dies, dass Musik die von einer breiten Masse gehört wird, dann auch inhaltsleer ist?

Die meisten Lieder in den aktuellen Charts drehen sich um Liebe, Tanzen oder Party. Hinzu kommt noch eine Brise von Gute-Laune-Klängen und fertig ist der Song. So singt uns Pharrell Williams gut gelaunt ein „Happy“ (zu Deutsch: glücklich) entgegen und Miley Cyrus scheint nur mit ihrer halbnackten Performance auf einer Abrissbirne noch schockieren zu können. Muss man dann die Frage nach inhaltsleerer Mainstream-Musik klar mit einem Ja beantworten? Ist Gesellschaftskritik in Mainstream-Musik ein Tabuthema?! Ist das Ziel der Musiker wirklich nur schnell reich und berühmt zu werden? Müssen wir uns fragen, ob wir als Hörer lieber die inhaltsleeren Gute-Laune-Lieder kaufen und ob uns der Style des Musikers wichtiger ist, als der Text des Liedes?

Es wäre zu schnell geurteilt, wenn man behauptet, dass die Lieder in den Charts fern von Gesellschaftskritik sind. Unser Anspruch an politischer Beteiligung nimmt zu und so äußern sich auch viele Musiker in ihren Songs zu aktuellen Themen wie Gewalt oder Homophobie. Natürlich handelt nicht jedes Lied in den Charts von solch schwerer Kost. Doch es werden eben auch Gefühle zu den meist diskutierten Themen von Musikern in ihren Songs verarbeitet.

Bestes Beispiel ist der momentan bekannte und erfolgreiche Rapper Mackelmore zusammen mit seinem Produzenten Ryan Lewis. Mit dem Song „Same Love“ (2012) äußerte er sich öffentlich zum Thema Homophobie. „Same Love“ erschien während eines Volksentscheids in Washington zur Legalisierung der Homo-Ehe. Zudem ist Mackelmore ein Beispiel dafür, dass man mit kritischen Liedern die breite Masse für sich gewinnen kann. In 17 verschiedenen Charts konnte sich der Song über mehrere Wochen halten. Außerdem erhielt der Song einen VMA (MTV Video Music Award) für das beste Video mit einer sozialen Botschaft. Nach diesem Preis stieg „Same Love“ nochmals in den Charts auf, da immer mehr Leute den Song kauften.

Mackelmore ist keineswegs ein Einzelfall in der Mainstream-Musik. Pink griff 2006 mit ihrem Song „Dear Mr. President“ den damaligen Präsidenten der USA – George W. Bush an und landete damit in Europa und Kanada Chartplatzierungen. Aber auch deutsche Musiker stehen ihren amerikanischen Kollegen in nichts nach. Xavier Naidoo ist einer von ihnen. Er singt über Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit oder Drogenmissbrauch und ist dabei einer der erfolgreichsten Musiker, der auch die breite Masse für sich begeistern kann.

Schlussendlich lässt sich also sagen, dass Mainstreammusik zwar hauptsächlich gute Laune und Liebe in den Fokus stellt. Aber sie kann eben auch gesellschaftskritisch sein und den Hörer auffordern, über diese Kritik nachzudenken.

Vorschau:     Nächsten Samstag gibt es einen Ausgeh-Tipp für das Rhein-Main-Gebiet.

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Komponieren für Anfänger – ein Interview mit Klaus Kauker

„So wie ich spricht vermutlich niemand über Musik“, urteilt der Pop-Komponist Klaus Kauker über sich selbst. Das könnte auch der Grund sein, weshalb zahlreiche Musik-Laien und Profis die „YouTube“-Videos des Studenten begeistert mitverfolgen. Erst kürzlich wurde der 24-Jährige für seine Beiträge mit dem „Webvideo“-Publikumspreis 2012 ausgezeichnet. Die Musik wurde dem Essener Produzenten dabei in die Wiege gelegt. Bereits mit sechs Jahren erhielt er die ersten Klavierstunden – und bis heute hat sich an Kaukers Leidenschaft zur Musik nichts geändert: „In Musik kann man einfach wunderbar eintauchen und sich seine eigene Klangwelt schaffen. Sie ist einfach unendlich vielfältig, so dass man immer wieder faszinierende Dinge entdeckt“. Durch seine eigene musikalische Tätigkeit weiß der Komponist genau, was es beim Komponieren zu beachten gibt.

Hat Musik im Blut: Klaus Kauker (© C.K. Banski)

Face2Face: Ist das Komponieren erlernbar? Sind dazu alle Menschen fähig?
Kauker:
Ja und ja. Nur Mut an alle, die Lust haben, sich musikalisch auszudrücken. Man lernt ständig dazu und man entwickelt sich laufend weiter. Man sollte einfach loslegen. Anfangs schreibt man seine Musik am ehesten für sich selbst. Es dauert seine Zeit bis der eigene Stil so sitzt, dass sich auch ein Publikum bildet.

Face2Face: Sind theoretische Kenntnisse und musikalische Grundlagen von Vorteil?
Kauker: Oh ja! Besonders als Anfänger ist es tödlich, sich vor diesem Themengebiet zu verschließen. Theoretisches Wissen verändert zwar den eigenen musikalischen Stil – aber aus meiner Erfahrung nur zum Positiven.

Face2Face: Muss man heutzutage noch Noten lesen und Instrumente beherrschen, um komponieren zu können?
Kauker: Ein Komponist ist meist so verliebt in die Welt der Klänge – er müsste sich schon in eine Zwangsjacke begeben, um nicht der Versuchung zu erliegen, ein Instrument in die Hand zu nehmen. Auch DJ-Turntables, Midi-Controller und alles, was Klänge produziert, kann dabei als Instrument dienen. Noten lesen können vereinfacht wiederum das Leben eines Musikers und ist auch nicht besonders schwer. Wer lesen und schreiben gelernt hat, kann auch lernen, wie man Noten liest und schreibt.

Face2Face: Was kommt zuerst: Der Text oder die Melodie? Sind beide Elemente gleich gewichtet?
Kauker: Bei mir kommt meist die Musik zuerst. Aber ich habe auch schon anders herum gearbeitet. Für mich hat der Songtext die Aufgabe, den Hörer auf eine grobe Spur zu bringen, Assoziationen zu wecken, auf sprachlicher Ebene musikalisch zu klingen. Ich sehe nicht vor, dass der Songtext wie ein Gedicht für sich allein stehen kann. Meine Melodien funktionieren hingegen auch ohne Text. Dort liegt also mein Hauptgewicht. Jeder Komponist trifft hier aber seine eigene Entscheidung.

Face2Face: C, A-Moll, F und G sind eine populäre Akkordfolge in der Popmusik. Wie kommt es, dass Lieder mit diesen Akkorden von Erfolg gekrönt sind?
Kauker: Die Akkordfolge, der man das größte Hit-Potential zuschreibt, ist wohl C, G, Am und F. Nachdem einige Welthits diese Harmonien in das Unterbewusstsein der Hörer eingebrannt haben, handelt es sich hier um ein Wiedererkennungsmerkmal, das sich neue Songs zunutze machen, um besonders leicht zugänglich zu sein. Da viele Songschreiber glauben, es handle sich bei dieser Folge um den Schlüssel zum Erfolg, werden einfach überdurchschnittlich viele Songs so geschrieben. In Wahrheit kann aber auch jede andere Akkordfolge einem Hit zugrunde liegen.

Face2Face: Was ist beim Übergang von Strophe zu Refrain beziehungsweise beim Übergang der Elemente im Allgemeinen musikalisch zu beachten?
Kauker:Schreibt man einen Popsong, sollte man sich darüber im Klaren sein, warum es Strophen und Refrains überhaupt gibt. Der Unterschied der beiden Formteile besteht darin, dass Strophen stets neue Inhalte haben – der Refrain dagegen in gleicher Form wiederkehrend ist. Für den Zuhörer schafft man damit eine gute Balance zwischen Neuem und Bekanntem. Für den Songwriter macht es dann Sinn, die Instrumente in den Strophen zurück zu nehmen, da man auf den neuen Text hören muss. Im bekannten Refrain dagegen kann der Zuhörer schon mitsingen, sofern die Melodie einfach genug ist. Die Instrumente dürfen sich hier ruhig weiter verdichten. Einen Übergang von „passiv“ zu „aktiv“ kündige ich musikalisch gerne an – beispielsweise durch einen Drum Fill-In. Der Bruch von „aktiv“ auf „passiv“ darf aber auch gerne völlig abrupt und überraschend sein.

Face2Face: Welche Musikprogramme und Editoren eignen sich besonders für Laien?
Kauker:
Es gibt tonnenweise Midi-Sequenzer zum kostenlosen Download oder Audio-Editoren wie „Audacity“. Viele Hersteller von USB-Soundkarten liefern ein gutes Musikprogramm für Einsteiger gleich mit. Arbeitet mit dem was Ihr habt – Es klappt auch mit Stift und Papier.

Face2Face: Wodurch kann man einem Lied eine Spannungskurve verleihen, damit es nicht langweilig wird?
Kauker: Bedient man sich den im Pop üblichen Formteilen, lässt sie in ihrer Länge nicht ausarten und beachtet dabei, dass sie sich musikalisch voneinander unterscheiden, kann nicht mehr viel schief gehen. Oft hilft eine Bridge, die sich musikalisch deutlich absetzt, um weiter Spannung aufzubauen. Manchmal ist es aber auch eine gute Entscheidung, eine Strophe zu streichen, um aus einem „langweiligen“ Lied ein kurzes und gutes zu machen.

Face2Face: Sollte man sich auch an ungewohnte Harmonien heranwagen?
Kauker: Die „Soll-Man-Frage“ ist die erste, die man sich als Komponist abgewöhnen sollte. Natürlich kann man sich von anderen Komponisten inspirieren lassen. Aber es bringt überhaupt nichts, alles so zu machen wie andere es bereits tun. Beim Komponieren geht es darum, seinen eigenen Weg zu gehen und dabei auch etwas zu wagen. Auf seinem Weg begegnet man neuen und ungewohnten Dingen. Diese nimmt man auf und verarbeitet sie in seiner Musik – oder man lässt sie eben links liegen. Man sollte nur nicht aufhören, immer einen Schritt vor den anderen zu setzen.

Kontakt:
Klaus Kauker – Contemporary Music
MusikTraining Kostenlos

Vorschau: Nächste Woche findet ihr hier den ersten Teil der neuen Hausmittel-Serie. Dabei macht das Thema Natron den Anfang.

TOP 10 Playlist: Jahrespoll 2011 – die besten Alben und Songs

Nicht nur kalendarisch, auch musikalisch gesehen neigt sich das Jahr wieder einmal dem Ende zu. 2010 beherrschte vorwiegend Elektromusik die Szene. In diesem Jahr könnte man resumieren, dass viele Künstler und Bands versucht haben, sich neu zu entdecken und somit unterschiedliche Richtungen und Stilelemente miteinander zu verknüpfen.

An dieser Stelle wünscht euch die Face2Face-Musikredaktion einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Auch im Jahr 2012 könnt ihr euch auf spannende Artikel freuen.

Es ist uns auch diesmal nicht leicht gefallen, uns zu entscheiden: Hier unsere zehn Lieblingssongs und Alben des Jahres 2011, sowie die für 2012 mit Spannung erwarteten Veröffentlichungen.

Kategorie: Songs des Jahres 2011
# 1
The Rapture – How deep is your love? ♫

# 2
Lana Del Ray – Video games ♫

# 3
Metronomy – The Bay ♫

# 4
Kasabian – Days are forgotten ♫

# 5
Foster the people – Pumped Up Kicks ♫

# 6
James Blake – Wilhelms Scream ♫

# 7
The Black Keys – Lonely Boy ♫

# 8
Thees Uhlmann feat Casper – & Jay-Z singt uns ein Lied ♫

# 9
Calvin Harris – Feel so close ♫

# 10
Boy – Little Nummers ♫

Kategorie: Alben des Jahres 2011
# 1
Adele – 21

# 2
Casper – XOXO

# 3
Metronomy – The English Riviera

# 4
Noel Gallagher – Noel Gallagher’s High Flying Birds

# 5
Foster the people – Tourches

# 6
Thees Uhlmann – Thees Uhlmann

# 7
Boy – Matual Friends

# 8
Selah Sue – Selah Sue

# 9
Paul Kalkbrenner – Icke wieder

# 10
James Blake – James Blake

Kategorie: Mit Spannung für 2012 erwartet

Vega – Vincent (VÖ 13.01.2012)

Kraftklub – Mit K (VÖ 20.01.2012)

Lana Del Ray – Born to die (VÖ 27.01.2012)

Max Prosa – Die Phantasie wird siegen (VÖ 27.01.2012)

Calvin Harris – Tbc (VÖ 06.02.2012)

Deichkind – Befehl von ganz unten (VÖ 10.02.2012)

Deine Jugend

Bakkushan

Seeed

Supershirt

Franz Ferdinand

Morning Parade

Vorschau: Nächsten Samstag könnt ihr an dieser Stelle ein Interview mit Johannes Strate, Singer und Songwriter der Band Revolverheld, lesen.

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Weitere Playlists:

TOP 10 Playlist: Herbstmelodien

TOP 10 Playlist: Frühlings- und Sommerboten

TOP 10 Playlist: Electro-Swing

TOP 10 Playlist: Jahrespoll 2010

Eurovision Song Contest: Aus der Traum!

Willkommen zurück in der Realität! Der Eurovision Song Contest ist vorbei, die – meiner Meinung nach – übertriebene Lena-Hysterie ebenfalls und Deutschland darf sich mit einem zehnten Platz zufrieden geben. Es hätte immerhin schlimmer kommen können. Dass die Idee, unsere liebe Lena noch einmal antreten zu lassen, nicht bei jedermann auf Begeisterung gestoßen ist, war spätestens am Samstagabend bei der Punktevergabe nicht zu übersehen.

 Hat Lena 2010 von fast jedem der 43 Länder Punkte erhalten – häufig sogar die Höchstpunktzahl zwölf -, mussten wir am Samstag feststellen, dass von der vergangenen Euphorie für Lena nicht mehr viel geblieben ist. Aber vielleicht lag es auch einfach an ihrem doch sehr gereiften Auftreten. Überzeugte sie letztes Jahr eher durch etwas schiefe Töne und einem mehr als hibbeligen Auftritt, wirkte sie nun sehr erwachsen und fast schon streng. Der Stress der vergangenen Monate war ihr ebenfalls anzusehen – sie wirkte in ihrem schwarzen Kostüm erschreckend dünn. Nichtsdestotrotz muss ich mit großer Bewunderung – und dass obwohl ich kein Lena-Fan bin – sagen, dass ihr Auftritt zu den besten des Abends gehörte, wenn nicht sogar der beste war. Sie wirkte selbstsicher und punktete mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Weniger ist mehr, war hier eindeutig das Motto. Denn der Song wurde nur durch Lena, ihre Stimme und den in silberne Ganzkörperanzüge gehüllten Tänzerinnen im Hintergrund getragen. Für die Titelverteidigung hat es aber nicht gereicht…

 Aber wen wundert das? Wenn wir den Aspekt des Wiederantritts von Lena außer Acht lassen, fällt eines ganz schnell ins Auge. Etwas, worüber wir uns – die wir vor dem Fernseher saßen und somit zu den knapp 14 Millionen Zuschauern gehörten – nicht nur wunderten, sondern auch aufregten: Wieso kam es trotz fachmännischen Jurys zu einem einzigen Punkte hin- und herschieben? Oder war es etwa Zufall, dass die osteuropäischen Länder sich so oft Höchstpunktzahlen zuschusterten? Man musste sich nur den Atlas heranholen und konnte schon im Voraus ungefähr sagen, wohin die höchsten Punkte gehen würden. Und außerdem stelle ich mir die Frage, wieso 43 Länder Stimmrecht haben und nicht nur die 25 Länder, die sich qualifiziert haben. Denn durch den überwiegenden Anteil der osteuropäischen Staaten entsteht bei der Punktevergabe ein leichtes Ungleichgewicht…

 Für mich ist der Eurovision Song Contest schon lange nicht mehr fair und objektiv. Nehmen wir nur einmal die Sieger: Aserbaidschan. Joa, das Lied war gut, nicht schlecht, okay. Aber nicht wirklich der totale „Burner“, erinnerte eher an eine Schmachtnummer, wie wir sie schon viel zu oft gehört haben. Aber nun gut, wem es gefällt…

 Länder, die wirklich tolle Sänger und Sängerinnen in das Rennen geschickt haben, sind auf den hinteren Rängen gelandet. Frankreich, das den Versuch wagte, auf klassische Musik in korsischer Sprache und auf den jungen Tenor Amaury Vassili zu setzen, wurde leider enttäuscht. Dennoch gilt zu sagen, dass der junge Franzose eine Wahnsinnsstimme mit Gänsehautfeeling hat und in Frankreich bereits zu Recht zu den ganz Großen gehört.

 Auch Irland mit seinem schrillen Zwillingsduo hatte kein wirkliches Glück: Die Synthiepop-Nummer „Lipstick“, die aus den 80-er Jahren zu stammen schien, überzeugte nicht. Dabei wurden die beiden als Favoriten gehandelt, weil sie mit ihrem ausgefallenen Aussehen und ihrem aufgedrehten Choreographie deutlichen Wiedererkennungwert besaßen. Auch die englische Boygroup Blue schaffte es nicht unter die Top Ten, wobei hier gesagt werden muss, dass ihr Auftritt auch nicht stark war und die eingefleischten Fans der Gruppe wohl enttäuscht waren. Der Justin-Bieber Verschnitt aus Schweden sah zwar gut aus, an seinem musikalischen Talent muss er aber noch etwas feilen. Stimmlich herausragend war auch die junge Österreicherin Nadine Beiler, die sich mit einem der hinteren Plätze zufrieden geben musste. Zu meinen Favoriten zählte neben Irland noch die serbische Sängerin Nina, die in ihrer Heimatsprache sang und so gegen den Mainstream schwamm. Ihr Auftritt war bunt, spritzig und frech, ihre Stimme überzeugte auf Anhieb und das Lied sowie die Show erinnerte an Pop-Art, den Stil der 60-er Jahre.

 Mein persönliches Fazit: Dieses Jahr hatte der Contest mehr gute Lieder vorzuweisen gehabt, was die Entscheidung nicht wirklich leicht machte. Auch die Moderation war gelungen und unterhaltsam. Das Motto Feel your heart beat war stimmig und hat gepasst. Was die Punktevergabe angeht – darüber sollte man vielleicht noch einmal nachdenken. Objektivität und Fairness sucht man beim ESC manchmal vergeblich…

 Oder was sagt ihr dazu? Ich bin auf eure Meinungen gespannt

Eure Lea

Vorschau: Eva blickt nächste Woche auf die Eurokrise, die aus Griechenland und Portugal Europa nicht aus der Finanzkrise kommen lässt.