SoulMe – eine Dating-App auf der Suche nach dem Seelenverwandten

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass man seine wahre Liebe im echten Leben trifft und dass sich zum Beispiel aus einer Freundschaft mehr entwickeln kann, weil schon mal eine gemeinsame Basis vorhanden ist, auf der man aufbauen kann. Dating-Apps sind deshalb nichts für mich. Eigentlich. Das Konzept der Dating-App SoulMe – den Seelenverwandten statt einen schnellen Flirt finden – hat mich dann aber doch ein wenig neugierig gemacht.

Von Freundschaft zum Start-up

Die Freunde Florian, Johannes und Luca, die sich ursprünglich mal in einem Fitnessstudio kennengelernt haben, haben die App ins Leben gerufen. Inzwischen gehören noch zwei weitere Jungs zum Team von SoulMe. Die Idee, eine Dating-App zu entwickeln, entstand schlicht und ergreifend aus Eigenbedarf: „Wir hatten uns im Sommer 2016 getroffen, um „krampfhaft“ irgendeine – damals noch andere – Idee zu entwickeln, allerdings hatten wir es immer wieder über die oberflächliche Online-Dating-Schiene. Florian kam gerade aus einer langjährigen Beziehung und fand es im ersten Moment schwierig und ungewohnt, wieder Anschluss zu finden. Selbst mit seinen besten Kumpels konnte er nicht so richtig darüber reden, weil keiner wirklich verstanden hat, wie er sich dabei fühlt. So langsam kam also die Idee, ein Konzept zu entwickeln, das einem ermöglichen kann, Leute mit gleichen Interessensgruppen und/oder Charaktereigenschaften zu finden.“ Die Jungs haben dann noch verschiedene Dating-Apps getestet und festgestellt, dass sich ihrer Meinung nach das Meiste nur auf der Oberfläche abspielt. Deshalb wollten sie einen Umbruch im digitalen Kennenlernen starten. „Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man auch in einem Alter, in dem eine tiefe, innige Beziehung das Ziel ist; das ist auf oberflächlichen Kontaktbörsen zwar auch machbar, jedoch sehr schwierig zu finden. Genau deshalb haben wir also auch SoulMe entwickelt, um eine tolle Alternative zu bieten“, sagen die Entwickler. Obwohl sie bei ihrem Start-up mit Patrick nur einen Programmierer im Team haben und die Wort- und Bildmarke erst kreieren mussten, hat es dennoch von der Idee bis zum Release der momentanen Version nur etwa sechs Monate gedauert. Florian, Johannes und Luca sehen ihre Dating-App allerdings vielmehr als generelle Kennenlern- und Freundes-App: „Wir wollen wirklich ALLEN Menschen ermöglichen, online Leute kennenzulernen, egal, ob Schüler, Student, Erwachsener mit Kind, verheiratete Person oder Senior.“

Was eine Dating-App so alles wissen will

Also gut, es kann nie schaden, neue Leute kennenzulernen und man weiß ja nie, ob sich nicht vielleicht doch mehr daraus ergibt. Gesagt, getan! Nach dem kostenlosen Download melde ich mich mit Benutzernamen, E-Mail und Passwort bei SoulMe an.

Originell: Jedes Mal ein neues Zitat beim Start von SoulMe (Foto: SoulMe/S. Holitzner)

Zuvor wurde ich auf dem Startbildschirm mit originellen Zitaten wie „Wer in der Zukunft blättern will, muss in der Vergangenheit lesen“ und „Ich komme eigentlich nie zu spät, die anderen haben es bloß immer so eilig“ begrüßt – eine lustige Idee, die das ganze Thema „Partnersuche“ gleich ein wenig auflockert! Mein Geburtsdatum, mein Geschlecht und meinen Wohnort will die App ebenfalls von mir wissen. Aus einer Liste kann ich meinen Berufsstand und meinen Beziehungsstatus auswählen, muss ich aber nicht. Ich habe kein Problem damit, „Studentin“ und „Single“ anzugeben. Ein Profilbild stelle ich jedoch erst mal nicht ein, da ich zuerst sehen möchte, wer so auf SoulMe unterwegs ist, bevor ich mich auch optisch zu erkennen gebe.

Mit Charaktereigenschaften einen Schritt näher zum Ziel

Nach den erforderlichen Angaben komme ich endlich zu den spannenden und vermutlich einzigartigen Optionen der App, nämlich zur sogenannten „Soulerstellung“. Dazu fordert mich SoulMe auf, aus Listen acht positive, vier ambivalente und vier negative Eigenschaften auszuwählen, die mich einzigartig machen.

Noch recht leicht: Die Auswahl der positiven Charaktereigenschaften (Foto: SoulMe/S. Holitzner)

Es fällt mir recht leicht, bei 31 positiven Eigenschaften, die zur Wahl stehen, acht, die zu mir passen, herauszupicken. Da kann ich mir dann so etwas wie „kreativ“, „romantisch“, „familiär“, „zuverlässig“, „gewissenhaft“ und „kommunikativ“ aussuchen. Zur Angabe von vier ambivalenten Eigenschaften aus insgesamt 22 möglichen kann ich mich auch noch entschließen. Dazu gehören dann Dinge wie „emotional“ und „sensibel“. Es fällt mir jedoch echt schwer, vier negative Eigenschaften von mir aus den 28 Vorgaben zu selektieren. Vieles davon sehe ich tatsächlich wirklich nicht bei mir. Ich hätte keine Schwierigkeit damit, so etwas wie „unpünktlich“ (ja, das bin ich leider wirklich manchmal, auch wenn daran zumindest bei 50% der öffentliche Nahverkehr schuld ist) anzugeben. Das fehlt jedoch komplett in der Auflistung. Stattdessen ringe ich mich notgedrungen dazu durch, „stur“ und „launisch“ in die engere Auswahl zu nehmen. Die Gründer von SoulMe haben mir im Vorfeld verraten, wieso man überhaupt Negatives von sich preisgeben muss: „Da wir einen Umbruch im digitalen Kennenlernen starten, sollen die User auf jeden Fall Charakter zeigen. Damit wollen wir uns von der Oberflächlichkeit verabschieden. Da wir nicht wollen, dass sich jeder nur von seiner besten Seite präsentiert – denn: nobody’s perfect –, haben wir uns das überlegt.“ Ich mache weiter: Nach den Charaktereigenschaften habe ich die Möglichkeit, mir drei Interessen aus 17 verfügbaren herauszusuchen, die zu mir passen. Ganz klar: „Musik“, „Fotografieren“ und „Reisen“. Das war jetzt nicht so schwer. Für die Charaktereigenschaften und Interessen haben die Gründer der App im Internet verschiedene Listen durchgesehen und aus über 1.600 möglichen eine Auswahl getroffen, mit der sich jeder grob beschreiben kann.

Per Knopfdruck zum passenden Soul

Für mein Profil muss ich mich dann nochmal für zwei positive Eigenschaften sowie eine ambivalente und eine negative Eigenschaft entscheiden, die dort auftauchen sollen. Auch, dass ich nur Männer angezeigt bekommen möchte, kann ich dort einstellen. Über einen Schieberegler kann ich jetzt bestimmen, zu wie viel Prozent meine Souls mit mir, also meinen gemachten Angaben zu Charakter und Hobbys, übereinstimmen sollen. Souls sind alle Nutzer, die sich bei der App angemeldet haben und zu einem potentiellen Freund werden können. „Unser Konzept war von Anfang an darauf ausgelegt, dass man mit der App Gleichgesinnte, Gleichdenkende und Gleichfühlende finden kann, echte Seelenverwandte, also SoulMates. Da wir allerdings unser eigenes „Wort“ kreieren und den Namen auch etwas abkürzen wollten, haben wir uns für „SoulMe“ entschieden. In der App erstellt jeder Nutzer später seinen individuellen Soul, weswegen wir auch hier das „SoulMe“ mit „text me“ oder „message me“ assoziieren wollen“, sagen die Gründer über die Auswahl des Namens für die App. Von der Grundidee bin ich begeistert. Mal gucken, wer mir jetzt so angezeigt wird, wenn ich auswähle, dass meine Souls zu 50% mit mir übereinstimmen sollen. Klar, es hat auch was, völlig unterschiedliche Eigenschaften und Interessen zu haben, aber für eine erste Kontaktaufnahme schadet es sicher nicht, wenn man doch bei manchen Sachen auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Der Algorithmus des automatisierten Matchings sucht mir nun alle Souls heraus, die mindestens die Hälfte aller eingegebenen Eigenschaften mit mir gemeinsam haben.

Finde deinen Prinzen (oder auch nicht)

Unter dem Menüpunkt „Generals“ kann ich danach festlegen, aus welchem Umkreis meine potentiellen Souls kommen sollen. Ich könnte das auch auf ganz Deutschland ausweiten, entschließe mich aber dazu, die Suche erst mal auf 50 Kilometer Umkreis zu beschränken. Nun werden mir nach und nach rund 40 Männer, manche mit Profilbild, manche ohne, präsentiert. Bei jedem sehe ich neben Alter und Wohnort auch die Entfernung zu meinem Wohnort, die drei Interessen und die insgesamt vier für das Profil ausgewählten Charaktereigenschaften. Mindestens 15 der Männer meiner Suchergebnisse sind über 40 und mindestens 15 weitere unter 20 Jahre alt. Blöd, dass ich so gar nicht nach Alter filtern kann.

Geplant für 2018: Anhand von vier Emojis sollen sich Nutzer gegenseitig bemerkbar machen können (Foto: SoulMe)

Das soll sich zum Glück im Frühjahr 2018 mit dem geplanten Update von SoulMe mit komplettem Redesign und neuen Features ändern. Dann sind zum Beispiel noch viele neue Eigenschaften und Interessen geplant, die das SoulMe-Team durch das für sie wichtige Feedback von Nutzern aufgegriffen hat. Auch wenn die Idee hinter SoulMe ist, Menschen mit ähnlichen Interessen und Charaktereigenschaften anzuschreiben, wandert der erste Blick trotzdem auf das Foto der einzelnen Nutzer. Das mag jetzt vielleicht oberflächlich klingen, aber ich möchte niemanden kontaktieren, der allein schon vom Foto her aussieht, als er sei einem Gruselkabinett entsprungen oder in einen Jungbrunnen gefallen. Auch alle ohne Profilbild fallen daher für mich raus. Von den wenigen verbleibenden Suchergebnissen schreibe ich einen 24-Jährigen und einen 26-Jährigen an, die beide wirklich sympathisch aussehen. Beide haben bei ihren Interessen ebenfalls „Reisen“ und „Fotografieren“ vermerkt. Das ist jetzt drei Wochen her. Noch heute warte ich auf ihre Antwort. Es ist, finde ich, ein Ding der Höflichkeit, wenigstens mal zu antworten, dass man kein Interesse hat oder vorher erst wissen möchte, wer sich optisch hinter einem Profil verbirgt. Aber selbst das war den werten Herren scheinbar zu viel. Auch sonst hat mich niemand von sich aus über die App kontaktiert.

Man muss es wirklich wollen

Das Konzept hinter SoulMe ist meiner Meinung nach wirklich durchdacht und gut gemacht. Doch das bringt mir leider alles nichts, wenn es an geeigneten Souls mangelt. Vielleicht probiere ich nochmal, die Suche deutschlandweit und ohne große Profilübereinstimmung auszuweiten. Vielleicht bin ich auch zu anspruchsvoll oder habe am falschen Ort gesucht. Ich habe jedoch wieder einmal festgestellt, dass ich Menschen einfach lieber im echten Leben kennenlerne und anspreche, als mich auf einen digitalen Kuppler zu verlassen. Der Versuch, eine App wie SoulMe auszuprobieren, schadet sicher nicht. Allerdings muss jeder selbst entscheiden, ob das der geeignete Weg ist, um nette Bekanntschaften zu machen oder den Partner fürs Leben zu finden.

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Mit Dating-Apps kann man ungezwungen Leute kennenlernen – da sind sich die beiden Studenten Katja (26) und Tobias (27) einig. Katja hat bereits Erfahrungen mit den Apps „Tinder“, „Once“ und „OkCupid“ gesammelt und durch letztere ihren derzeitigen Freund gefunden. Auch Tobias hat schon einige Dating-Apps ausprobiert; seiner großen Liebe ist er dadurch jedoch noch nicht begegnet.

Erstmals genutzt hat Katja eine Dating-App während eines Aufenthaltes in Rumänien, weil sie dort niemanden kannte und Kontakte gesucht hat. Tobias hingegen hat sich auf Empfehlung von Freunden, die auf diese Weise ihren Partner getroffen haben, bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet. Als jahrelanger Single dachte er, dass dies seine Chance erhöhen würde, interessante Frauen kennenzulernen. Doch wie hilfreich sind Dating-Apps wirklich und wie unterschiedlich sind die Erfahrungen mit den digitalen Kupplern?

Katja: Viele haben ja Vorurteile, was Dating-Apps angeht, aber ich finde, dass es damit nicht „besser oder schlechter“ ist als jemanden in der „realen“ Welt kennenzulernen.

Dating mal anders: Romantisches Date per Smartphone? (Foto: S. Holitzner)

Tobias: Ich fand „Lovoo“ ziemlich niveaulos. Alles andere war okay. Natürlich gab es auch da sehr seltsame Sachen: Fake-Accounts, Werbung, pornographische Inhalte und schlüpfrige Angebote. Aber dem ist man als Frau bestimmt noch mehr ausgesetzt.

Katja: Wahrscheinlich. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass es zum Beispiel bei „Tinder“ deutlich mehr Männer als Frauen gibt. Selbst ohne aktiv etwas zu tun, wurde ich von Männern angeschrieben.

Tobias: Bei „Tinder“ sind sicher mehr die Typen aktiv, die sich im realen Leben nicht trauen, Frauen anzusprechen und dann einen auf dicke Hose machen. Also gibt es da doch viele notgeile Typen, die nur ne schnelle Nummer schieben wollen und dementsprechend direkt oder versaut schreiben, oder?

Katja: Ich hatte eher das Gefühl, dass es zwei große „Gruppen“ gab: Die, die auf schnellen Sex aus waren, und ganz viele ganz Schüchterne. Also klar gab es auch Männer „dazwischen“, aber viele, die eben in eine dieser Gruppen passen. Ich denke aber, dass die Typen, die nur auf eine schnelle Nummer aus sind, Frauen auch in Bars auf diese Weise anflirten würden. Aber gab es keine Frau bei dir, die „schnell zur Sache“ kommen wollte?

Tobias: Ja, bei mir gab es auch Frauen, die schnell zur Sache kommen wollten. Eine schrieb mir, dass sie mit mir Sex will. Als ich dann meinte, dass ich nicht auf One-Night-Stands aus wäre, schrieb sie, dass man es ja auch zweimal treiben könne. Das war schon wieder so krass, dass es fast amüsant war.

Katja: Oha. Ich glaube, so direkt war da niemand bei mir. Es war dann doch noch ein bisschen mehr „durch die Blume“.

Tobias: Mein Eindruck ist, dass es nur wenige gibt, die eine Beziehung suchen und dies auch so formulieren.

Katja: Das finde ich aber auch schwierig, das von Anfang an so zu formulieren. Es ist immer noch „nur“ ein Weg, um Leute kennenzulernen, und nicht mehr. Mich hat es immer sehr unter Druck gesetzt, wenn ich nach kurzem Chatten die „Ansage“ bekommen habe, dass der andere eine Beziehung sucht.

Tobias: Stimmt, so Ansagen wie „Beziehung gesucht“ sind manchmal nicht einfach und setzen unter Druck. Aber man weiß dann, woran man ist und kann entsprechend damit umgehen. Und erzwingen kann man sowieso nichts.

Katja: Aber wenn du jemanden in einer Bar oder sonstwo kennenlernst, dann stellt sich die Frage nach einer Beziehung auch nicht nach drei Sätzen, oder? Ich glaube etwas „Ungewissheit“ gehört auch einfach dazu und da sind Dating-Apps für mich auch nicht anders als das reale Leben. Ich hatte einmal ein Date mit jemandem, der ziemlich „offen“ und wahrscheinlich auch ein bisschen verzweifelt eine Beziehung gesucht hat. Während des Dates habe ich richtig gemerkt, wie er manche Themen „abgeklopft“ hat, um zu schauen, ob es passt. War super unangenehm.

Tobias: Ich sage meinen Dating-App-Dates schon, dass ich nicht zum Spaß hier bin. Also ich bin nicht auf One-Night-Stands, Abenteuer, Affären oder so aus. Wenn wir uns sympathisch sind, können wir uns mal treffen. Und dann muss man sowieso mal sehen, ob es in eine freundschaftliche Richtung geht oder ob vielleicht mehr daraus wird. Es ist gar nicht so einfach, den guten Mittelweg zwischen „Ausfragen“ und lockerem Gespräch zu finden, weil einfach die Situation schon erzwungen ist.

Katja: Ja, das stimmt. Ich war aber auch jemand, der sich immer relativ schnell treffen wollte, weil ich nicht so hohe Erwartungen haben wollte.

Tobias: Ich kann vielfach von Frauen berichten, die irgendwann nicht mehr zurückschreiben oder kurz vor einem ersten Treffen grundlos absagen und nicht mehr reagieren. Finde das immer ein wenig charakterlos, weil man ja schreiben kann, dass man „kalte Füße“ bekommen hat, jemand anderes kennengelernt hat oder kein Interesse mehr besteht.

Katja: Das geht gar nicht! Ist mir aber auch mit Männern passiert.

Tobias: Ich glaube, manche suchen die Bestätigung und ihnen reicht, wenn man sich mit ihnen treffen will. Oder sie treffen lieber jemand anderes, weil sie parallel mit anderen schreiben. Für mich ist das erste Treffen auch immer ein Kennenlernen bzw. Beschnuppern, weil man sich eben noch nicht persönlich kennt. Erst danach, wenn man sich nochmal trifft, würde ich von einem Date reden.

Katja: Okay. Ich habe da nie wirklich einen Unterschied gemacht. Ich fand meinen Freund nach dem ersten Treffen noch nicht so cool. Ich habe ihn über „OkCupid“ kennengelernt. Er hat mich angeschrieben und er war mit Bild drin. Ich war bei dieser ganzen Online-Dating-Sache ziemlich unverkrampft und hatte einfach Lust, mich mit ihm zu treffen. Das war jetzt aber kein erstes Date, wo es gleich mega gefunkt hatte. Es war nett, aber mehr halt auch nicht. Und ich war zu dem Zeitpunkt auch eigentlich gar nicht so interessiert, aber er hat da nicht locker gelassen. Ich habe es die ersten Treffen nicht so ernst genommen und dann ist mir langsam gedämmert, dass ich ihn schon mag und daraus ist mehr geworden.

Tobias: Das hat sich ja dann gelohnt, dass er drangeblieben ist. Mit wie vielen Männern hast du dich vorher getroffen?

Katja: Mehr als zehn. Und du?

Tobias: Ich habe mich mit weniger als zehn Frauen getroffen. Vermutlich neige ich dazu, manchmal zu lange mit Frauen zu schreiben. Und dann entstehen beidseitig schon irgendwelche Erwartungen bzw. Hoffnungen. Wenn dann bei einem Treffen nicht so der Funke überspringt vom optischen Eindruck her oder weil man nicht so die Gesprächsthemen findet, ist die Enttäuschung irgendwo beidseitig schon vorhanden.

Katja: Ich glaube, dass es hilft, einfach nicht so krampfhaft nach irgendwas zu suchen. Habe ich auch eine Zeit gemacht und es ist ziemlich danebengegangen.

Tobias: Es gab sicher Phasen, in denen ich zu krampfhaft gesucht habe. Die Tatsache, dass ich nicht so die Erfahrungen mit Frauen habe, macht es auch nicht besser. Wenn man mit jemandem schreibt, weiß man halt auch gar nicht, wer am anderen Ende sitzt. Die Emotionen fehlen und das persönliche Kennenlernen ist das A und O. Auch die Optik spielt definitiv eine Rolle und lässt sich nur zum Teil durch Fotos beurteilen, was ja auch oberflächlich ist. Mir gefällt der Spruch: „Die Optik ist die Eintrittskarte und der Charakter die Dauerkarte.“ Aus dem Grund habe ich für mich nun auch gemerkt, dass diese Apps für mich nicht geeignet sind und mich mittlerweile überall abgemeldet. Allerdings hatte es für mich auch nicht nur Schlechtes. Ich habe darüber eine richtig gute Freundin kennengelernt. Da war aber schon beim Schreiben vor dem ersten Treffen klar, dass es rein freundschaftlich ist.

Ob Liebe oder Freundschaft – sowohl Katja als auch Tobias haben über verschiedene Dating-Apps jemanden kennengelernt. Jetzt wollen wir von euch wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit Dating-Apps gemacht?

„Karma is a bitch“ – Das Phänomen Jodel

Es ist Montag und der 21-jährige BWL-Student Christian sitzt in seiner allwöchentlichen Management-Vorlesung. Statt auf die Vorlesungsfolien starrt er jedoch wie gebannt auf sein Smartphone und aktualisiert die geöffnete App, gennant Jodel, im Minutentakt. Denn was dort geboten wird ist für den Studenten viel interessanter, als die SWOT-Analyse.

Jodel

Jodel und Kaffee: Für Studenten wie Christian elementare Bestandteile des Universitätsalltags (Foto: Privat)

„Heute gilt für mich das Badewannen-Prinzip: Volllaufen lassen!“ oder „Wenn der Professor deinen Vorschlag, die Vorlesung heute draußen zu halten, krachend ablehnt“ sind nur einige der Posts, die Christian schmunzeln lassen und ihn mit Erfolg von der Vorlesung ablenken.

Jodel ist eine Smartphone-App, die seit einigen Monaten an Deutschlands Universitäten kursiert. Doch im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. wendet sie sich bewusst gegen die zunehmende Personalisierung. Bei Jodel müssen Nutzer kein Profil mit persönlichen Inhalten anlegen, alles geht komplett anonym vonstatten. Die Applikation greift mittels GPS lediglich auf den Standort des Smartphones zu und verbindet so alle Nutzer, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern aufhalten.

So simpel das Prinzip von Jodel auch ist, desto besser scheint es bei den Nutzern anzukommen. Mithilfe von Text- oder Bildposts, so genannten „Jodel“, können lustige Anekdoten, Events oder Neuigkeiten aus der Universität oder dem Alltag geteilt werden. Mittels Kommentaren können sich die Nutzer austauschen. Alle Posts können jedoch auch hoch- und runtergevotet werden. Ein Meldeprinzip sorgt dafür, dass anstößige oder unpassende Inhalte gelöscht werden. Doch auch das Voting trägt dazu bei, dass die Inhalte der App sich selbst regulieren: Bei einer gewissen Anzahl von Downvotes verschwindet ein Post von den Smartphone- und Tabletbildschirmen.

Jodel2

Auch die Face2Face Redakteurin Nadine hat Jodel für euch getestet: Das vielsagende Icon der App (Foto: Privat)

Auch das Anreizprinzip von Jodel ist interessant: Durch Aktivität oder durch Down- und Upvotes der eigenen Posts steigt oder sinkt das sogenannte „Karma“. Mit dem spirituellen Konzept des Handelns und deren Folgen hat das Jodel-Karma wohl wenig zu tun. Dennoch sind viele Jodler fleißig am Karma sammeln.

„Jodel eignet sich super zur Ablenkung in allen Lebenslagen, sei es in der Bibliothek, bei der Arbeit oder in der Vorlesung“, so der begeisterte Christian. Auch die Soziologiestudentin Sabine zeigt sich positiv gegenüber der Neuerung im Unialltag: „Man hat immer etwas zu lachen und die Community, die sich in Jodel herausgebildet hat, ist eine ganz besondere. Wenn man nach den richtigen Regeln spielt, kann man dort viel Spaß haben.“

Jodel scheint in vielerlei Hinsicht eine Eigendynamik entwickelt zu haben. So gibt es eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln oder Verhaltenscodes, an die sich die Nutzer halten. Die Wahrung der Anonymität ist vielen Jodlern sehr wichtig und auch Hashtags werden – wenn auch in Jodel komplett unnütz – rege benutzt.

In letzter Zeit scheint sich Jodel jedoch in eine Art Singlebörse oder Abklatsch von Frage-Portalen wie „gute-frage.de“ oder „Free your Advice“ verwandelt zu haben. Besonders Männer, die in die Welt und Denkweise der Frauen Einblick erhalten wollen und andersrum sind besonders häufig zu beobachten. Christian und Sabine zeigen sich von all dem unbeeindruckt – sie werden fleißig weiterjodeln und Karma sammeln. Ob die Entwickler von Jodel ihr Versprechen halten, dass etwas tolles passieren soll, wenn man viel Karma gesammelt hat, wird sich zeigen…

Vorschau: Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle über die Cartoons von Gerhard Glück in der Caricatura Frankfurt.

Das Smartphone – Droge oder nützlicher Gebrauchsgegenstand?

Ständig in der Hand: Das Smartphone. Sind wir schon suchtgefährdet? (© Ute Mulder / pixelio.de)

Ständig in der Hand: Das Smartphone. Sind wir schon suchtgefährdet? (© Ute Mulder / pixelio.de)

Beim Treffen mit Freunden, beim Autofahren, während der Vorlesung – das Smartphone ist heutzutage fast überall dabei. Wenn dann noch Stichworte wie Handy-Sucht oder digitale Demenz durch die Medien geistern, bekommt es der eine oder andere mit der Angst zu tun.

Doch wie Smartphone-suchtgefährdet sind junge Menschen überhaupt? Und sind die Ängste, die mit der scheinbar ununterbrochenen Smartphone-Nutzung einhergehen, berechtigt?

15 Personen zwischen 20 und 30 haben uns in Form einer anonymen Umfrage Einblick in ihr Smartphone-Nutzverhalten gegeben. Acht der Befragten sind weiblich, sieben männlich, sodass wir euch ein ausgewogenes, wenn auch nicht repräsentatives Ergebnis präsentieren dürfen.

Hier ein Pfeifen, dort ein Summen und das im Minutentakt – kostenlose Messaging-Dienste und Gruppenchats sorgen dafür, dass am laufenden Band Nachrichten via Smartphone verschickt werden. Ein in der FAZ geschildertes Experiment mit Oberstufenschülern, die ihre Handys zwei Stunden lang ausschalten mussten, zeigt Erschreckendes: Teilweise erhielten die Schüler in besagtem Zeitraum rund zweihundert Kurznachrichten.
Tatsächlich gab ein Teilnehmer der Face2Face-Befragung an, im Durchschnitt über 50 Nachrichten pro Stunde zu erhalten.

Über 50 Nachrichten pro Stunde? Einer der 15 Umfrage-Teilnehmer gab diesen Wert an (Grafik: T. Gartner)

Über 50 Nachrichten pro Stunde? Einer der 15 Umfrage-Teilnehmer gab diesen Wert an (Grafik: T. Gartner)

Jedoch legten sich auch sechs Personen darauf fest, nur ein bis zwei Nachrichten pro Stunde zu erhalten.

Durchschnittlich drei Stunden pro Tag und damit fast 50 Minuten länger als im Jahr davor waren Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren 2013 online. Zu diesem Ergebnis kam der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest in der jährlich erscheinenden JIM-Studie (Jugend, Information, Multi-Media). Die Verbreitung von Smartphones wird als Hauptgrund für die verstärkte Internetnutzung gesehen: 2013 besitzen 73 % ein Handy beziehungsweise Smartphone – 2011 hingegen waren es nur 29 %.

Erschreckend oder längst Alltag? Drei Stunden am Tag beschäftigen sich viele mit ihrem Smartphone (Grafik: T. Gartner)

Erschreckend oder längst Alltag? Drei Stunden am Tag beschäftigen sich viele mit ihrem Smartphone (Grafik: T. Gartner)

Unsere Face2Face-Umfrage zeigt, dass drei Stunden ein durchaus realistischer Wert für die Beschäftigung mit dem Smartphone ist. Zwar gaben sechs Personen an, eine Stunde oder weniger pro Tag mit ihrem Smartphone zu verbringen, insgesamt 8 Befragte sehen sich jedoch bei zwei bis drei und drei bis fünf Stunden. Ein Teilnehmer gab sogar an, sich täglich fünf bis sechs Stunden mit dem Smartphone zu beschäftigen.

Unzählige Nachrichten, stundenlanges Online- und Erreichbarsein – sind wir denn nun Smartphone-abhängig oder nicht?
„Das Smartphone ist meine Droge an stressigen Tagen“ – so beschreibt ein an der Umfrage Teilnehmender sein Nutzverhalten. Ein weiterer Teilnehmer spricht sogar von einer „Mutter-Kind-Beziehung“ zwischen ihm und seinem Smartphone. Ohne Handy fühle er sich schutzlos, schreibt er.
Doch auch weniger emotionale Bindungen zwischen Smartphone und Nutzer offenbaren sich in unserer Umfrage: „Nützlicher Gebrauchsgegenstand“, „praktisch“ und „schön, wenn man’s hat, aber es geht auch ohne“ schreiben die Befragten.

Smartphone-Nutzung: Hauptsächlich zu Kommunikationszwecken (Grafik: T. Gartner)

Smartphone-Nutzung: Hauptsächlich zu Kommunikationszwecken (Grafik: T. Gartner)

Und was sagen die Experten?
„Viele Jugendlichen nutzen das Smartphone zwar intensiv, sie sind aber nicht abhängig“, sagte Medienpädagogin Angelika Beranek der FAZ. Stattdessen biete das Internet und damit verbunden auch das Smartphone „große Chancen für die sozialpsychologischen Reifungsprozesse in dieser Lebensphase“ weiß Mediensoziologin Sabina Misoch. Das Knüpfen und Pflegen von Kontakten ist also ein wesentlicher und vor allem positiver Aspekt der Smartphone-Nutzung. Das bestätigt auch die Face2Face-Umfrage: Am häufigsten wird das Handy zu Kommunikationszwecken genutzt.

Aber geht´s denn auch ganz ohne? Das wollten wir von unseren Umfrage-Teilnehmern wissen. Und siehe da: Die deutliche Mehrheit antwortete auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, einen oder mehrere Tage ohne Smartphone zu leben, mit „Ja, klar, kein Problem!“ Vier der Befragten würden sich immerhin problemlos einen Tag lang von ihrem Handy trennen – mehrere Tage aber auf keinen Fall.

Wer mehr über seine ganz persönliche Smartphone-Nutzung herausfinden möchte, dem empfehlen die Face2Face-Mitarbeiterinnen Vanessa und Melanie die an der Uni Bonn entwickelte Android-App „Menthal“. Sie analysiert, wie viel Zeit ihr am Tag mit dem Handy verbringt und welche Apps ihr am häufigsten nutzt.

Mehr zum Thema Smartphone gefällig? Wie der Selbstversuch einer Face2Face-Autorin, vier Tage lang ohne Whatsapp zu leben, ausgeht, lest ihr HIER.

Vorschau: Am Dienstag, 15. Juli erwartet euch an dieser Stelle ein Interview mit einer Autorin, die erotische Romane schreibt. 

Evernote-Notizen per Mail senden (Quicktip)

Was Evernote ist und wie es funktioniert, habe ich euch in meinem letzten Beitrag näher gebracht. Wenn ihr Evernote nun schon ein paar Tage genutzt habt, standet ihr womöglich vor folgender Situation:

Ihr sitzt im parkenden Auto, seid kurz vorm Schlafen oder zwischen Tür und Angel und habt gerade einen Geistesblitz. Zur Hand ist nur euer Smartphone. Klar könnte man die Notiz jetzt über die Tastatur via T9 eintippen oder Evernote öffnen und via Sprachnotiz diktieren. Nun könnte es folgende Probleme geben:

  • Bei Eintragung über die Tastatur fällt eine solche Notiz aufgrund von Faulheit, Müdigkeit, Zeitdruck oder Stress oftmals relativ kurz aus und ein paar Tage später kann man den damaligen Gedankengang wahrscheinlich nicht wieder nachvollziehen.
  • Um die App zu öffnen und eine Sprachnotiz zu diktieren, benötigt man Datenvolumen und eine stabile Verbindung. Ist beides nicht vorhanden, kommt das Ganze ins Stocken und man benötigt mehr Zeit – Zeit, die man in Situationen mit Zeitdruck nicht hat.

Die Alternative ist also der heutige Quicktip:

Einfach beispielsweise die Sprachnotiz via Siri diktieren und direkt per E-Mail an Evernote als Handykontakt senden lassen. Selbst wenn keine Verbindung da ist, geht die E-Mail nicht verloren, sondern landet unter „Entwürfe“ und wird bei vorhandener Verbindung versendet.

Nun seid ihr gefragt: Habt ihr die E-Mail-Funktion von Evernote schon entdeckt und genutzt oder hört ihr mit diesem Beitrag erstmalig davon? Schreibt es in die Kommentare!

Vorschau: Am Sonntag, 13. Juli erkläre ich euch die „Beitrag planen“-Funktion für Facebook-Seiten.

Evernote – mehr als nur Notizen

Wer von euch kann mobil jederzeit auf den Einkaufszettel, die Urlaubsplanung für den nächsten Irland-Trip und das komplexe Projekt, das man gerade betreut, zugreifen?

Klar, wenn die Handtasche groß genug ist, bekommt Frau das auch mit Notizbüchern und zentnerschweren Collegeblöcken hin – aber seien wir ehrlich: Der einfachere Weg ist Evernote.

Evernote? Noch nie gehört?

Zu viel Papiermüll ? Das ist Vergangenheit dank Evernote (Foto: Odermatt)

Zu viel Papiermüll ? Das ist Vergangenheit dank Evernote (Foto: Odermatt)

Evernote ist dein virtuelles Gedächtnis – und so überrascht auch der Elefant als Logo nicht. Mit der Software Evernote habt ihr die Möglichkeit Notizen in der Cloud zu speichern und diese von überall aus abzurufen. Das geht mithilfe der entsprechenden App am PC, am Smartphone oder Tablet. Diese ist für alle Plattformen kostenlos zu haben.

Der Gesamtspeicherplatz für die Notizen in der Cloud wird durch den Anbieter nicht limitiert. Stattdessen gibt es verschiedene Pakete, die sich durch die Upload-Kapazität unterscheiden. Die kostenlose Version bietet 60 Megabyte im Monat an. Nach einem Monat wird das verbrauchte Datenvolumen dann wieder auf Null zurückgesetzt. Viele kennen das ja bereits von ihrem Datenvolumen beim Smartphone-Vertrag. Die kostenlose Version ist für reine Textinhalte und gelegentliche Bilder oder Belege hervorragend geeignet.

Wer Evernote komplex nutzt, wird jedoch schnell an die Grenzen der Upload-Kapazität der kostenlosen Version kommen.

Unter „komplexer Nutzung“ ist Folgendes zu verstehen:

  •  das häufige Einscannen und Abfotografieren von Belegen, Visitenkarten usw. via Smartphone, die samt Kurznotiz in Evernote gespeichert werden
  •  die Recherche im Web, mit der man dank „Webclipper“ sehr lesefreundliche Artikel direkt in Evernote abspeichern kann
  •  das Ablegen von Fotos in Evernote samt Notizen

Für solche Fälle gibt es die Premium-Version mit einem Gigabyte Upload-Kapazität für fünf Euro monatlich oder 40 Euro im Jahr. Im nachfolgenden Video nutze ich die Premium-Version und habe mit dieser Version noch nie die Upload-Kapazität von einem Gigabyte (1.000 Megabyte) aufgebraucht.

Wie gefällt euch der Funktionsumfang von Evernote? Könntet ihr euch vorstellen, damit zu arbeiten oder arbeitet ihr bereits damit?

Vorschau: Am Sonntag, den 08. Juni gibt es an dieser Stelle einen Quick Tipp zu Evernote.

Alles App oder was?

Lange habe ich mich gewehrt. Nie wollte ich ein Smartphone haben. Ich war der letzte unter meinen Fachinformatiker-Kollegen, der noch mit einem stinknormalen Mobiltelefon durch die Gegend gerannt ist. Mein altes Klapp-Handy ging wunderbar, war «unkaputtbar», finnische Qualität eben, mit der man zur Not auch mal einen Nagel in die Wand schlagen konnte, um danach einfach weiter zu telefonieren.

Die Generationen des Handy von alt nach neu.

Generationenwechsel: Das Smartphone, hier links, hat das konventionelle Handy bereits verdrängt. (© Dirk Kruse/Pixelio.de)

Schließlich habe ich dann doch klein beigegeben, ich habe mir in der Tat ein Smartphone gekauft. Natürlich nicht das teuerste, für den Anfang tut es auch ein günstiges Einsteiger-Modell, aber immerhin – ich bin nun in der Welt der Apps und des Touch-Pad angekommen.

Klar, dass ich mir das neue Handy nicht ohne Grund gekauft habe – Smartphones sind mehr als nur nette Spielzeuge, sie sind auch extrem praktisch.

Mit meinem alten Klapp-Handy konnte ich telefonieren und SMS schreiben. Aber schon das simsen war eher mühselig. Mit dem Ziffernblock Buchstaben einzugeben geht zwar mit etwas Übung recht flott, so konnte ich am Ende eine normale SMS in gut 30 Sekunden ins Gerät hacken. Trotzdem blieb es einfach unbequem und unpraktisch. Internet wäre mit meinem alten Handy theoretisch auch möglich gewesen, aber wenn schon das SMS schreiben nervt, dann kann man sich ja vorstellen, wie angenehm es war, im Interent unterwegs zu sein.

Deshalb habe ich mir gedacht, dass es nun endgültig Zeit wird, auf ein Smartphone umzusteigen. Bequemes SMS-Schreiben, Mail-Zugriff, Facebook, alles an einem Ort, immer verfügbar, wenn ich es brauche. Die Betonung liegt hier auf dem ‚Ich‘, denn immer verfügbar zu sein, wenn es die anderen wollen, das ist es, was ich gerade nicht will, was mich unter anderem auch lange Zeit von einem Smartphone abgehalten hat.

Damit ich alle Vorteile meines Smartphones nutzen kann, brauche ich auf jeden Fall ein paar Apps. Schon einmal je eine für Mail und Facebook, denn so geht es einfach schneller und bequemer als wenn ich den Browser dafür verwende. Dann auch noch die MVG Fahrinfo App. Dieses kleine Tool hat mich schon lange gereizt, jetzt mit meinem Smartphone kann ich es endlich nutzen. Es handelt sich um eine App, die mir für München alle Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel live anbietet. Ich sehe also sofort, ob die U-Bahn Verspätung hat, ob ich zum Beispiel besser auf die Tram umsteigen sollte. Außerdem bekomme ich immer und überall die kürzesten und schnellsten Verbindungen angeboten – das ist echt praktisch, ohne hier Werbung machen zu wollen. Ich spare mir mit diesem wie mit anderen kleinen Helferlein jede Menge Zeit im Alltag.

Einziger Wehrmutstropfen: Um diese tollen Apps nutzen zu können, muss ich mir doch tatsächlich ein Google-Konto anlegen, denn auf meinem Handy läuft Android. Ohne Google-Account kein Google PlayStore und ergo keine Apps – dann hätte ich ja gleich bei meinem alten Handy bleiben können. Im Endeffekt ist es ja auch egal, ob ich nun einen Google-Account habe oder nicht – irgendjemandem muss ich eben meine Daten verfügbar machen, darum führt leider kein Weg vorbei, wenn ich mein Smartphone optimal nutzen will. Daran hätte auch ein iPhone nichts geändert, dann wäre ich jetzt eben bei Apple in der Datenbank.

Trotzdem: unterm Strich bin ich einfach nur zufrieden mit meinem neuen Gerät. Es ist bequem und der Akku hält auch länger als befürchtet. Und das Beste: Wenn ich keine Lust mehr auf Facebook oder WhatsApp habe, dann schalte ich einfach das Handy aus – ja auch ein Smartphone kann man abschalten. Denn trotz Smartphone, auf eines will ich nicht verzichten: Meine Freiheit, selbst zu bestimmen, wann ich wie erreichbar bin.

Vorschau: Blogger schenken Lesefreude – Was es mit dieser Aktion zum Welttag des Buches im April auf sich hat, erfahrt ihr nächste Woche von Eva.

Cool sein kann nicht jeder

Gerade neigen sich die Fashion Weeks in Berlin, New York, London, Mailand und Paris dem Ende zu. Somit sind die neuen Street Style-Trends auch schon gesetzt: Überall findet man Bilder von Bloggerinnen und Stars wie Anna Dello Russo, Chefin der japanischen Vouge, mit verrückten, bunten und lustigen Handyhüllen. Sie sind das neue It-Accessoire. Ob als Pommestüte von Moschino, als Duff Beer Dose von Urban Outfitters, als Hot Dog von Asos oder als Nagellackfläschchen von Iphoria – wer solche Hüllen aus Silikon oder Hartplastik besitzt, ist up to date und liegt damit voll im Trend.

Als ob es nicht schon genügt, als Smartphone-Besitzer „in“ zu sein, muss jetzt noch eins drauf gesetzt werden: Das elektronische Spielzeug dient ab sofort auch als cooles Accessoire. Aber cool sein kann nicht jeder. Was ein blöder Zufall, dass es die meisten Hüllen nur für das Iphone 5 oder 5s gibt. Wer da nicht mithalten kann, liegt nicht im Trend und ist leider uncool.

auffallender Nagellack und Handy in der Hand - cool sein kann eben nicht jeder (Foto: T. Gartner)

 Cool sein kann eben nicht jeder

(Foto: T. Gartner)

Ein ähnliches Prinzip herrscht beim Beauty-Trend schlecht hin: Bunte Nail-Art zum Aufkleben ist ebenso wie die Handyhüllen eines der neuen It-Accessoires. Es gibt sie in tausenden verschiedenen Varianten und Farben: Als Fake-Nägel oder Nagelfolien in grafischen Mustern, mit einem hippen Moutache oder im Leo-Style. Nun reicht es auch nicht mehr aus, seine natürlich gewachsenen Nägel in nude oder fetzigen Farbtönen zu lackieren. Stattdessen müssen unechte Klebe-Nägel her, um als Accessoire zu dienen. Erscheint logisch, denn wenn man den ganzen Tag sein Smartphone in den Händen hält, um die neue Hülle zu präsentieren, müssen die Nägel natürlich mit dem Iphone konkurrieren – ein trendiges Accessoire scheint vielen nicht mehr auszureichen.

Was dann nicht fehlen darf, ist die Handtasche mit dem eigenen Namen drauf, wie es das britische Supermodel Cara Delevingne, It-Girl Alexa Chung und die US-amerikanische Sängerin Lana Del Rey vormachten. Sie alle bekamen eine nach ihnen benannte Tasche der Luxusmarke Mulberry. Cara Delevingne durfte sogar auch an deren Designs mitgestalten. Das eben noch angesagte Namenstattoo wird also mal eben von einer mit dem eigenen Namen bedruckten Tasche abgelöst und der süße Verkäufer hinter der Theke kann gleich auf der Tasche lesen, wie man heißt. Wer also so richtig cool sein will, holt sein Smartphone aus der Tasche, klebt sich in Windeseile die bunten Fake-Nägel auf und hofft, in den nächsten paar Sekunden von einem Street Style-Fotografen entdeckt zu werden.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr das 1×1 des Modebloggins lernen.

Winter sei Dank

Winterliebe? Die Hände können sich über eisige Temperaturen auch freuen (©sassi / pixelio.de)

Winterliebe? Die Hände können sich über eisige Temperaturen auch freuen (©sassi / pixelio.de)

Es ist Winter. Unübersehbar. Auf den Straßen werden morgens erst einmal die Autoscheiben freigekratzt, die Schulkinder sind eingepackt, als wollten sie zur Schule rollen und meine Finger stecken in wunderbar wärmenden Handschuhen, wenn ich morgens auf den Zug zur Uni warte. Das Problem dabei ist erst seit ein paar Jahren aktuell. Denn mit wunderbar wärmenden Handschuhen lassen sich die Mobiltelefone mit dem fragwürdigen Titel Smartphone einfach nicht bedienen. Und da die neusten Modelle im Schnitt noch vier Knöpfe haben, von denen zwei die Lautstärke regeln, sind die Nutzungsmöglichkeiten eines solchen Gerätes im Winter einfach eingeschränkt.

Momentchen mal, denken sich die Informierten. Da gibt es doch mittlerweile Stifte für die tastempfindliche Oberfläche, gewiefte Handschuhe, die eine Eingabe möglich machen und gleichzeitig die Finger wärmen. Gibt es alles, hat aber eben doch nur eine Minderheit. So ein Stiftchen habe ich tatsächlich auch, doch so akkurat lässt sich das mit wunderbar wärmenden Handschuhen nicht mehr führen. Dauernd tippe ich daneben, es rutscht weg und schließlich landet es doch wieder in der Tasche.

Kälteschutz: Das Mobiltelefon einfach mal in der Tasche lassen (© Espressolia / pixelio.de)

Kälteschutz: Das Mobiltelefon einfach mal in der Tasche lassen (© Espressolia / pixelio.de)

Da bleibt mir also nur, einen Handschuh abzustreifen, möglichst schnell bitte, wenn gerade mein Mann, meine Mutter oder der Kindergarten anruft. Kaum habe ich meinen Handschuh wieder an kommt eine dringende Mail vom Chef, die dank des Allzeit-Bereit-Drucks, die das angeblich so smarte Phone versprüht, sofort gelesen werden will. Meine Hand weiß schon nicht mehr, ob sie eigentliche noch friert. Wenn ich schon einmal dabei bin, lese ich noch schnell die aktuellen Tagesnachrichten und meine Hand wird langsam blau.

So könnte es ausgehen. Muss es aber nicht. Stattdessen stelle ich das Gerät auf lautlos und genieße die paar mobiltelefonfreien Minuten, ehe der Zug einfährt. Da kommt man auf ganz außergewöhnliche Ideen. Was man zum Beispiel an Weihnachten alles verschenken will, ob das Toilettenpapier über die Feiertage reicht und wie der Film nochmal hieß, in den ich letzten zufällig reingeschaut habe. Zeit, plötzlich habe ich Zeit, echte Zeit. Minuten sogar. Minuten zum Denken, zum Sammeln, zum Besinnen. So ohne Mobiltelefon freuen sich meine Hände einer ungeahnten Wärme und ich mich einem Moment ohne Stress.

Nicht nur meine Finger profitieren also, mein ganzer Geist entspannt sich und bald freue ich mich direkt auf die paar Minuten, ehe der Zug einfährt. Wie eine eisige Insel stehen sie in meinem Tagesplan. Mein Akku hält plötzlich länger und länger, denn ich finde auch unter dem Tag auf einmal Zeit, das Ding wegzulegen, dass unsere Gesellschaft zu einer Sklavenmeute der digitalen Erreichbarkeit macht. Lautlos, einfach mal lautlos lassen, wirklich wichtiges geht dabei nicht unter, statt dessen gewinnt es an Bedeutung. Der Winter mit seiner Kälte zeigt, dass er durchaus einen Plan hat. Die Menschen weg von den Mobiltelefonen zu bringen, hin zu sich selbst.

Vorschau: Alexandra schreibt nächste Woche über die immer noch schlimme Diskriminierung von Singles in der Weihnachtszeit.

Ohne Whatsapp, ohne mich!?

Whatsapp abschalten und ein paar Tage für viele Leute unerreichbar sein? Klingt unvorstellbar? Ich habe es gewagt. Vier Tage lang war ich ohne jegliche smartphoneartige Kommunikation auf SMS und Anrufe angewiesen. Anstoß für diesen Selbstversuch war, dass ich kaum noch eine ruhige Minute hatte. Wie ein Magnet zog mich mein Smartphone an, ich suchte die Wetterprognosen für die nächsten Tage (gleich an mehreren Orten), schaute was es Neues auf Facebook gab, checkte ständig meine E-Mails und dazu kamen die Whatsapp-Nachrichten im Sekundentakt (Gruppen können auch ein wahrer Fluch sein). Ich hatte keine freie Minute mehr, war vollkommen im Freizeitstress gefangen.

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Bevor ich die Internetverbindung meines Handys ausschaltete, habe ich meinen Selbstversuch in meinem Freundeskreis angekündigt. Von „Handy kaputt?“ über „Was ist denn los?“ bis hin zu „Oh, dann schreib ich dir mal einen Brief“ war jede Reaktion dabei.

Der erste Morgen ohne Smartphone fing schon nervenaufreibend an. Ohne Wetterapp, die App der öffentlichen Verkehrsmittel und Spiegelonline ein für mich ungewohnter Start in den Tag. Ich zog mich zu kalt an, verpasste die Bahn zur Arbeit und konnte nicht wie gewohnt die Nachrichten lesen. Doch je länger das Smartphone für seine eigentlichen Zwecke unbrauchbar war, desto entspannter wurde ich. Schon fast eine Art Ferienhochgefühl machte sich breit. Auf dem Heimweg beobachtete ich einen wunderschönen Sonnenuntergang, der mich von einem stressigen Tag abschalten ließ. Währenddessen schienen die Menschen um mich herum von ihren Handys gefesselt zu sein, alle schauten auf die kleinen Bildschirme in ihren Händen.

Nach Tag zwei vermisste ich nichts mehr, berief mich auf „alte“ Mittel wie Zeitung, Wetternachrichten im Fernsehen und merkte mir die Bahn-Fahrzeiten. Leute, die mir alltäglich nicht nur ein Blabla via Facebook oder Whatsapp schickten, sondern wirklich wissen wollten, wie es mir geht, riefen an oder schrieben SMS. Und wenn dann mal telefoniert wurde, dann hatte man sich auch wirklich etwas zu erzählen und kein mittlerweile Altbekanntes „Oh, dann habe ich dir das schon geschrieben gehabt?“ störte den Gesprächsfluss.

Als ich am vierten Tag abends meine Datenverbindungen wieder einschaltete, machte ich das mit großem Widerwillen. Das Urlaubsgefühl der letzten Tage war so plötzlich verpufft, wie es gekommen war. Doch ich habe viel gelernt: Durch die schnelle Kommunikationsgesellschaft, in der wir heute leben, gehen wertvolle Worte verloren. Bevor auf „senden“ geklickt wird, macht man sich wenig Gedanken, was man mit seiner Nachricht auslösen kann, oder auch nicht. Früher waren Briefe tagelang unterwegs, wurden von Hand auf Schmierpapier geschrieben, bevor sie auf Briefpapier übertragen wurden.

Ich will nicht sagen, dass ich nun Smartphones und deren spielerisches Können verachte. Eher, dass man die Möglichkeiten, die wir heutzutage haben, mit etwas mehr Bedacht nutzen sollte. Denn die wichtigsten Sachen der Welt – die zwischenmenschliche Kommunikation – sollte nicht zur alltäglichen Nebensache verkommen.

 Vorschau: Nächste Woche berichtet Julia von einem Treffen für junge Väter in Freiburg.