Die Kommerzialisierung der Musik am Beispiel „Culcha Candela“

Mit ihrem Song „Hamma!“ schossen „Culcha Candela“ im August 2007 auf Platz eins der deutschen Single-Charts, wo sie sich ganze 52 Wochen halten konnten. Eine Erfolgsgeschichte wie sie im Buche steht: Aus dem Nichts in die Charts.

 Aus dem Nichts? – Nicht wirklich. Denn tatsächlich besteht die Formation bereits seit 2001 und hat bis zum deutschlandweiten Erfolg mit „Hamma!“ schon zwei Alben – 2001: „Unión verdadera“ und 2005 „Next generation“ – veröffentlicht. Von denen wissen allerdings die wenigsten. Und eine Unión verdadera (zu Deutsch: authentische Gemeinschaft) war „Culcha Candela“ auch bis etwa 2007. Eine bunte Mischung ethnischer Herkünfte, unter anderem Polen, Kolumbien und Deutschland, Songs in mindestens drei verschiedenen Sprachen – eine Band, für die Gesellschaftskritik kein Tabuthema war. Die Betonung liegt auf WAR. Hier einmal ein aussagekräftiger Vergleich:

Textausschnitt aus „Augen auf“ (keine Chartplazierung; Album: Unión verdadera, 2004):
Mächtig whack ist der fact und noch nicht einmal legit,
dass der Chef von dieser nation nicht mehr power hat als shit.
Macht er mit ist er der Spielball von den ganzen Lobbyisten
Und hat keine schöne Aussicht, sondern eine von den tristen.
Terroristen, schwarze Listen alle sind jetzt plötzlich gleich,
Doch sie sind es wirklich erst im gelobten Himmelsreich.
Streich die ein Prozent der Leute die die halbe Welt besitzen
Und du hast noch neunundneunzig auf dem Rest der Scheiße sitzen.

Zum Vergleich ein Auszug aus „Ey DJ“
(Platz 7 in den deutschen Single-Charts; Album: Culcha Candela, 2007):

Oh Mami, wie du Dich bewegst.
Von hinten sieht´s aus, als wenn Du viel bewegst,
meine Blicke wandern von Backe zu Backe,
wenn ich mich entscheiden müsste würde ich beide nehmen,
meinen Quadrizeps dehnen und dann richtig abgehen.
Gib mir Vibration, ich will dein ***** zittern sehen
Ey Stop! Wofür wirst Du bezahlt? DJ, dreh die Platte rückwärts, spiel den Shit nochmal!

Und? Was aufgefallen? Wahrscheinlich würde selbst ein blinder mit Krückstock den Unterschied erkennen (ohne jemanden diskriminieren zu wollen). Hier stehen sich Sinn und Unsinn frontal gegenüber. Anscheinend wurde in Beispiel zwei versucht den Inhalt des Liedes, sowie das Sprachniveau an die breite Masse der Zuhörer anzupassen. Nicht nur, weil der Text insgesamt wenig aussagekräftig ist, sondern auch weil fremdsprachliche Begriffe, sowie Fachausdrücke beinahe völlig vermieden wurden. Dieses Phänomen kennt man im Journalismus nur zu gut: Ja keine ausländischen Wörter oder komplizierten Fachjargon verwenden, sonst fühlt sich der Leser in seinem Intellekt angegriffen.

 2009 machte es dann den Eindruck als würde die Band geläutert zu ihren ursprünglichen, musikalischen Wurzeln zurückkehren. In ihrem Song „Schöne neue Welt“ (Platz 12 in den deutschen Single-Charts) setzen sie sich ironisch-satirisch mit Themen wie Klimawandel, Überwachungsstaat und Schönheitswahn auseinander. Aber sind wir doch mal ehrlich: Leute, die sich von einem „Ey DJ“-Text ansprechen lassen, werden die Ironie in Aussagen wie „Jeder sagt es: Klima ist ’ne Riesenkatastrophe, doch bald brauchen wir nur noch Bikini und ’ne Badehose“ Wohl kaum durchschauen.