Ausgeredet? A little more conversation!

Zu viel Alltag? Wie wär's mit " a little more ..." ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Zu viel Alltag? Wie wär’s mit “ a little more …“ ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Mal wieder ein langer Tag. Nach einer Portion Arbeit, einem Nachmittag voll Kindererziehung, der x-ten Fertigstellung desselben Puzzles, dem unendlichen Putzen von Babynasen, dem monotonen Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Aufsammeln von über den Tag geleerten Joghurtbechern und einem Abendessen mit den Lieben sitzen mein Mann und ich auf dem Sofa. Der Fernseher berieselt uns, das Programm entscheidet der Wochentag. Wir sind müde, redefaul, gefangen im Alltag. Eine Situation, die jedes Paar irgendwann kennt, ob mit oder ohne Kind(er), Hund und Katz, Eltern, die abends anrufen und Kollegen, die sich nach 21 Uhr per Whats App melden. Plötzlich sind die zwei wieder zu zweit.

„A little less conversation, a little more action please“, brummte Elvis Presley einst ins Mikrophon, woraufhin dutzende kreischende Anhänger(innen) nur noch an die verheißungsvolle „Action“ dachten. Doch wie geht man und frau das eigentlich an? Einfach loslegen und hoffen, dass der andere mitmacht? Hinterher um Verzeihung bitten ist leichter, als vorher um Erlaubnis zu fragen? Wie wahnwitzig das bei guten alten Sex ist, wurde erst kürzlich wieder deutlich, als niemand anderes als das Jugendmagazin Bravo sich einer ziemlich negativen Kritik gegenüber sah, nachdem es Mädchen „Flirt-Tipps“ gegeben hatte, die so eindeutig daneben waren, dass ein Stur der Entrüstung durch das Internet rollte. Die Organisation Pinkstinks hat daraufhin mal genauer nachgeschaut und neben Brüste- und Penisgallerien doch glatt einen Beitrag über Oral-Sex gefunden, in dem den weiblichen Geschlechtspartnern geraten wird, sich „selbstlos“ von ihm oral befriedigen zu lassen, auch wenn sie es nicht will, und der männlichen Part bekommt an anderer Stelle allen Ernstes gesagt: „Frag sie im Zweifelsfall hinterher, ob es okay war“, wenn es darum geht, auf sie zu ejakulieren. Wer hier unten liegt, ist ja wohl klar und ich bedanke mich bei Doktor Sommer dafür, die nächste Generation so gegendert, wie nur möglich, zu beraten.

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer "a little more" sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer „a little more“ sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Was ich beim Aufregen über das Frauenbild der Bravo-Redaktion aber auch merke: Es wird nicht geredet. Vor dem Sex nicht und dabei schon gar nicht. Und auch sonst nicht. Jedenfalls nicht über Sex. „Sowas kann man schlecht beim Spaziergang besprechen.“, schreibt Bravo und ich frage, warum nicht? Eine entspannte Atmosphäre ist doch ideal, um über Sex zu reden, über Stellungen und Aktionen, die der eine mag und der andere nicht, oder beide toll finden. Ich fasse es manchmal nicht, dass Sex immer noch derart sakralisiert  wird, dass nicht einmal die, die ihn miteinander haben, haben wollen oder hatten nicht darüber sprechen können. Gehört Geschlechtsverkehr nicht mehr zum Leben dazu? Sind nicht gerade Bücher wie 50 Shades of Grey und After Passion so ein Hit, weil es darum um Sex geht, noch dazu um „besonderen“, weil nicht unter die Kategorie Missionarsstellung verbuchbar? Liebe Leute: Sex gehört zum Leben, sonst würd es das nicht geben!

Im neu erschienenen Buch Think Love geht der Paartherapeut Ulrich Clement gerade diesem Problem an den Kragen, denn er hat darin 180 Fragen gesammelt, die Paare sich gegenseitig über ihren (gemeinsamen) Sex stellen können, um ihn und sich besser zu verstehen und vielleicht auch besser werden zu lassen. Treffend formuliert: „Sexualität ist Kommunikation auf körperlicher Ebene. Nur wer redet wird gehört.“ Weil hinter jeder Frage Platz zum selbst Reinschreiben ist, wird das Buch auch für die interessant, die eben nicht so leicht über Sex reden, sich aber trotzdem dazu auslassen wollen. Denn bevor wir verstummen können und uns der körperlichen Kommunikation hingeben, ist manchmal eben doch „a little more conversation“ nötig. Ohne Frage braucht das oft Überwindung, der Prüderie und Bravo sei Dank, aber wenn wir diese Hürde bei dem Menschen, mit dem wir Speichel, Schweiß und andere Körperflüssigleiten austauschen nicht fallen lassen können, ist es vielleicht nicht verkehrt, darüber mit demjenigen zu reden.

Wir zwei auf unserer Couch genießen manchmal die Berieslung des Fernsehers nach einem stressigen Tag, ziehen uns manchmal an unsere Rechner zurück, haben manchmal Sex. Aber geredet wird bei uns jeden Abend. Über alles. Denn Reden in einer Beziehung ist wie Geld in der freien Wirtschaft. Zahlungsmittel, Zaubermitteln, Zündstoff für das eine oder das andere.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna darüber, wie es ist, wenn die Zeit mal wieder rast.

 

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

IMG_6894

Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Feuchtgebiete – der „Kinoschocker“ 2013

2013-08-23 10.41.54

War 2008 Gesprächsthema Nr.1: Der Bestseller „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. (Foto:Betz)

Wie bereits bei der Veröffentlichung des Buches „Feuchtgebiete“ im Jahre 2008 ist es nun bei der Verfilmung nicht anders: Der Film zur Romanvorlage von Charlotte Roche (1,3 Millionen mal verkauft, 30 Wochen Platz 1 der Bestseller-Liste) sorgt für Gesprächsstoff: Bereits der Trailer wurde heiß diskutiert und musste sogar zensiert werden. Ich persönlich war von dem pinken Buch mit dem Pflaster, um das man zur Zeit der Veröffentlichung nicht drum herum gekommen ist, enttäuscht: meiner Meinung nach ein Buch mit langweiliger Story, ohne Tiefgang. Die zugegebenermaßen teilweise sehr ekelhaften Stellen setzten sich mit Tabuthemen auseinander, allerdings nur um zu provozieren, statt sich der Themen wirklich anzunehmen. Obwohl ich vom Buch nicht überzeugt war, wurde ich dennoch neugierig, wie die Filmemacher dieses Buch wohl auf die Leinwand bringen wollen und habe mich entschlossen, mir das Ergebnis doch einmal anzuschauen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich mir nach der Enttäuschung des Buches von diesem Film wirklich nichts erhofft. Ich ging ohne Erwartungen in diesen Film, doch: ich wurde erfreulicherweise positiv überrascht!

Zuerst einmal staunte ich nicht schlecht, als am Anfang des Films der Förderverband für Film und Kultur als Mitwirkender genannt wird und dass das zweite deutsche Fernsehen ebenfalls an der Produktion beteiligt gewesen zu sein scheint. Der erste Gedanke war direkt: „Was hat denn das ZDF mit der Verfilmung von so einem Buch zu tun?“

Nach knapp zwei Stunden kann ich sagen: eine ganze Menge! Den Machern dieses Films ist es gelungen, aus einer meiner Meinung nach schlechten Buchvorlage eine Geschichte mit Tiefgang und Hintergrund zu entwickeln. Neben der „Schockszenen“, in der die Protagonisten beispielsweise ihren Tampon mit der besten Freundin tauscht, die es zweifellos genügend zu finden gibt, wird man als Zuschauer durch geschickt angewandte Techniken, wie zum Beispiel Vor- und Rückblenden zwischen Gegenwart und Kindheit von Helen (der Hauptperson), zum Mit- und Nachdenken angeregt. Durch spezielle Kamera-/Licht- und Tontechniken werden die „Ekel-Szenen“ besonders deutlich dargestellt und lösten den ein oder anderen Ausbruch im Kino aus. Neben einigen ungläubigen oder lauten „Ihhh“- Rufen, gab es auch einige Stellen im Film, die gerade durch ihren extrem offenen Umgang mit Sex, Körperhygiene und –flüssigkeiten, einige Lacher im Publikum auslösten.

Letzten Endes muss sich jeder sein eigenes Bild machen, und ich bin mir sicher, dass gerade bei diesem Film die Geschmäcker sehr weit auseinander gehen können. Mich persönlich hat überrascht, was die Regisseure aus dem Buch gemacht haben und ich bin mit dem Gefühl aus dem Kino gegangen, mein Geld nicht umsonst ausgeben zu haben. Allerdings sollte man keinen typischen Unterhaltungsfilm erwarten und auch nicht zu empfindlich in Bezug auf Körperhygiene eingestellt sein.

Mein Geheimtipp für den Kinobesuch: Das Popcorn diesmal weglassen, der Appetit könnte einem schnell vergehen. 😉

 

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier etwas über das wöchentliche „Tatort-Geschaue“.

 

Kämpfe stilvoll gegen Verschwendung!

Eingängig ist dieser Slogan, das muss man den Erfindern von „kleiderkreisel.de“, DER Flohmarkt-und Tausch-Plattform im Internet, einfach lassen. Doch Kleiderkreisel ist noch mehr als das: Mal als perfekter Ort für einen ausgelassenen Plausch, mal als Selbstdarstellungsstätte in reinster Form und mal als erste Anlaufstelle für Schnäppchenjäger, kommt die Webseite verdammt vielseitig daher.

Begonnen hat alles mit Sophie, Susanne und Martin, drei jungen Kreativen, und einer Osteuropareise. Ausgerechnet hier, – im littauischen Vilnius – lernten sie mit ihrem Gastgeber auch das innovative Sharing-Konzept kennen, das als Pilot-Projekt in Litauen bereits erfolgreich angelaufen war. In Deutschland geriet die Umsetzung, mit freundlicher Unterstützung aus Litauen, schnell in Gang. Die Werbetrommel wurde auf allen möglichen Social-Media-Wegen gerührt und erregte so rasend schnell die Aufmerksamkeit einiger einflussreicher Mode-Blogger. Das alles war in 2008. Heute zählt das Portal stündlich wachsende Mitgliederzahlen und virtuelle Kleiderkataloge wie Sand am Meer.

Kleiderbügel2

Mal wieder richtig ausmisten: Dank kleiderkreisel kein Problem mehr. (Foto: T.Gartner)

Mich hat vor rund drei Jahren eine Freundin auf den Geschmack gebracht. Auf die altbewährte Methode der Mund-zu-Mundpropaganda scheint also selbst heute, im medialen Zeitalter, noch Verlass zu sein. Die Funktionsweise von kleiderkreisel ist zudem schnell erklärt: Wenn du auf der Suche nach einer neuen modischen Errungenschaft bist, gibst du sie ins Suchfeld ein und filterst die Kriterien für ein präziseres Ergebnis gegebenenfalls noch mithilfe der Suchmaske. So kannst du beispielsweise nach Waren, beziehungsweise nach Mitgliedern, fahnden, die ausschließlich aus deiner Stadt stammen.Im Allgemeinen genügt jedoch ein einziges Stichwort mit Größenangabe, etwa „Jeanskleid 36“, um fündig zu werden. Ähnlich unkompliziert gestaltet sich das Anbieten eigener Artikel. Das einzig Umständliche daran ist, wenn davon überhaupt die Rede sein kann, das Fotografieren seiner Kleidungsstücke, die natürlich möglichst clever in Szene gesetzt werden sollen. Oder, um es in den Worten des „Kleiderkreisel-Kommandos“ auszudrücken: Niemand will wissen, wie eure Kleider auf dem Sofa aussehen.

Da heißt es also anziehen, posieren, Bildperspektiven ausprobieren. Wer es gut machen will, braucht dafür schonmal ein Weilchen – oder eine Mutter, die gezwungenermaßen als Modell für eure jugendsündigen Outfits herhalten muss. Nur gut, dass man das missmutige Gesicht dank Photoshop nachträglich herausschneiden kann.

MamiKreisel_Logo_neu

Schon als Knirps stylish wie die Großen: Pendant Mamikreisel macht’s möglich.  (Foto:  Pressefoto mamikreisel.de)

Hat man also den Grundaufbau der Plattform durchdrungen, können im nächsten Schritt die Randfunktionen genauer betrachtet werden. Die wohl Wichtigste dürfte dabei das Forum sein. Dieses ist nicht nur ziemlich stark frequentiert, sondern weist auch eine Themenvielfalt auf, wie man sie sonst höchstens auf gutefrage.net oder bild.de erlebt. Bedauerlicherweise schaffen es viele thread interne Diskussionen inhaltlich häufig auch nicht über BILD-Niveau hinaus: Von „Hilfe, ich bin verliebt in meine Freundin!“ über „Welchem Star sehe ich ähnlich?“ bis hin zu „Glaubt ihr auch an Außerirdische?“ tun sich im nach Themengebieten sortierten Kleiderkreisel-Forum schon mal so einige Abgründe auf. Bleibt nur zu hoffen, einiges davon wurde mit einem intendierten Augenzwinkern verfasst.

Nichtsdestotrotz lassen sich zwischen vielen Beiträgen mit wenig Sinn auch hilfreiche Threads entdecken. So tauschen sich die KreislerInnen, wie sie sich intern nennen, nicht selten über die richtige Haarpflege oder etwaige modische Kniffe aus. Bisweilen geben die Damen und Herren, welche nicht nur innerhalb des Forums, sondern auch auf ihren persönlichen Blogs schwer aktiv zu sein scheinen, einander auch Tipps, die eine höhere Besucheranzahl für das eigene Weblog versprechen – natürlich darf dabei der Link zum Verfasser-Blog nicht fehlen.

KK_Original

Kleines Logo, große Bedeutung: Das Portal ist für viele eine soziale Konsumalternative geworden. (Foto: Pressefoto kleiderkreisel.de)

Schenkt man den Stimmen aus den Erfahrungsberichten Glauben, so liegt das entscheidende Manko von Kleiderkreisel genau dort, wo auch sein Vorzug liegt, nämlich bei der Art und Weise, wie Geschäfte gemacht werden.
Die Kauf-und-Tausch-Plattform rühmt sich zurecht damit, keinerlei Gebühren zu verlangen, weder für die Anmeldung noch für die Kaufabwicklung. Kosten, für den Verkäufer inform von Versand und für den Käufer eben als Kaufpreis, entstehen lediglich im Falle eines abgeschlossenen „Kaufvertrags“ – einer, der streng genommen gar nicht existiert. Beide Seiten verlassen sich gutgläubig auf die Einhaltung der im E-Mail-Verkehr festgelegten, wenn nicht sogar von vorneherein im Nutzerprofil angegebenen Bestimmungen. Dazu zählen neben Versand-und Zahlungsart auch Fragen nach Reservierungsdauer bestimmter Artikel und eben allerhand Regeln, die jedem auf den ersten Blick furchtbar kleinkariert vorkommen dürften. In Wahrheit sind diese jedoch nötig, um dem worst case vorzubeugen: Einem Betrug – zugleich leider ein alltägliches Phänomen auf Kleiderkreisel. Betrüger sind alle, die kassieren, ohne zu versenden; schwarze Schafe, die Ware als neuwertig anbieten, welche sich schlussendlich als abgetragen und nach Schweiß miefend herausstellt.

Da sich Betrüger leider erst im Nachhinein als solche entlarven, ist für Jungs und Mädels auch bei ernstzunehmendem Tausch-Rausch Vorsicht geboten. Auf Nummer sicher geht man, indem man die bisherigen Bewertungen der potentiellen Verkäufer genauer unter die Lupe nimmt. Das mag gegenüber neuen, noch bewertungslosen Nutzern ungerecht sein, ist jedoch die einzige Methode, sich der Verlässlichkeit des Verkäufers zu vergewissern. Ist man doch einmal in die Falle getappt, so gibt es immerhin noch das Kleiderkreisel-Kommando, bestehend aus einer handvoll Administratoren, die sich um das Problem zu kümmern versprechen und dies auch zuverlässig tun – mit mal mehr, mal weniger zufriedenstellendem Erfolg. Fälle, in denen selbst ein noch so ausgebildetes Spezialeinsatzkommando nichts mehr ausrichten kann, finden wir bei sogenannten „Rachebewertungen“ vor. Diese werden typischerweise als Racheakt auf eine ebenfalls recht miese Bewertung vom Gegenüber verfasst und kommen meist Schimpftiraden voller unflätiger Ausdrücke gleich.

Spätestens hier dürfte klar geworden sein, welche Zielgruppe Kleiderkreisel bis heute vorwiegend anspricht.

Vorschau:  Beim nächsten Mal gibt es an dieser Stelle nichts geringeres zu sehen als das Lookbook für den Sommer.

Von Punk bis Haute Couture: Vivienne Westwood

Als ich neulich einem Freund erzählte, dass das Thema meines nächsten Artikels Vivienne Westwood wäre, bekam ich als Antwort „Ist das nicht diese komische Punk-Oma?“ zu hören. Wie er, verbinden viele mit der exzentrischen Modedesignerin die Punkrock-Szene – doch dass sie viel mehr als nur die „Mutter“ der Punkrock-Mode ist, nehmen nur wenige wahr. Für insgesamt vier verschiedene Linien entwirft Vivienne Westwood mittlerweile Mode: Red Label (Prêt-à-Porter), Gold Label (Haute Couture), Anglomania (Casual Wear) und Man. Zu ihrem absoluten Markenzeichen gehört bis heute das eigene Schottenkaro MacAndreas.

Die britische Modedesignerin wurde am 8. April 1941 als Vivienne Isabel Swire in Glossop geboren und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen mit ihren beiden Geschwistern auf. Nachdem sie die Schule beendet hatte, beschloss sie eine Lehrerausbildung zu absolvieren und arbeitete insgesamt zehn Jahre lang in diesem Beruf. Anschließend begann ihre Karriere als Modedesignerin, die sie weltweit berühmt machte.

Im Jahr 1962 heiratete Vivienne Westwood den Werkzeugmacher Derek Westwood, mit dem sie ihren ersten Sohn, Ben, bekam. Nach nur drei Jahren Ehe ließ sich das Paar jedoch wieder scheiden und Westwood lernte ihren späteren Geschäftspartner Malcom McLaren kennen, mit dem sie 1967 ihren zweiten Sohn, Joseph Ferdinand Corre, bekam. McLaren, selbst britischer Modemacher und Musik-Manager, war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Westwood den Beruf der Modedesignerin einschlug.
Als Mutter begann sie ihre Kleidung zu nähen und brachte sich das Handwerk selbst bei, indem sie die Nähte der Kleidung zunächst öffnete, um den Schnitt und die Nähte nachvollziehen zu können und anschließend wieder zusammennähte.
1971 eröffneten McLaren und Westwood in der Londoner King’s Road 430 ihre erste eigene Boutique unter dem Namen „Let it Rock“. In diesem Laden zählten vor allem Teds (Anm. d. Red.: Jugendliche Protestbewegung, die sich Anfang der 1950er Jahre in England entwickelte und sich vor allem durch einen eigenen Modestil abgrenzte)  zu ihren Kunden, daher bestand das Sortiment insbesondere aus creepers (Schuhe mit Crêpe-Sohlen), drapes (knielange Anzugsjackets) und drainpipe trousers (enge Hosen).
Nachdem die Teds in Verruf geraten sind, schlossen Westwood und McLaren ihre Boutique und eröffneten 1973 ihr 2. Geschäft unter dem Namen „Too fast to live, too young to die“. Dieses hat bis heute insgesamt drei Namensänderungen durchlaufen: Von „Sex“, über „Seditionaries“ bis hin zu „World’s End“. Und auch das Sortiment wechselte mit den jeweiligen Namen. Während der „Sex“-Zeit bestand das Angebot vor allem aus Erotikwäsche und Sadomaso-Artikeln, wohingegen es heute ihre aktuellen Kollektionen im „World’s End“ zu kaufen gibt.

Zehn Jahre nach der Eröffnung ihrer ersten Boutique präsentierte Vivienne Westwood ihre erste Mode-Kollektion namens „Pirates“. Der Name spiegelte sich auch hier in den entworfenen Kleidungsstücken wieder: Rüschenhemdchen, wallende Puffhosen und entsprechende Hüte. Ein Jahr später stellte sie ihre nächste Kollektion „Nostalgia of the Mud“ mit Kleidern im Cowboy- und Landhausstil vor. Im Jahr 1983 kam es sowohl zur privaten als auch geschäftlichen Trennung mit Malcom McLaren.

Bis 1990 widmete Vivienne Westwood sich ausschließlich der Frauenmode und wurde 1989 von dem ehemaligen Herausgeber von Women’s Wear Daily, John Fairchild, als zu den sechs wichtigsten Modemachern neben beispielsweise Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent, gehörig genannt. Ein Jahr später präsentierte sie dann jedoch ihre erste Herrenkollektion namens „Cut and Slash“ und schaffte auch in diesem Bereich ihren Durchbruch. In den Jahren 1990 und 1991 wurde Westwood zur britischen Modedesignerin des Jahres gekürt und bekam 1992 zunächst den OBE (Anm. d. Red.: Officer = 4.Stufe des britischen Verdienstordens) und 2006 schließlich den DBE (Anm. d. Red.: Dame Commander = 2. Stufe des britischen Verdienstordens) von Queen Elizabeth II. verliehen.
Unvergessen bleibt die Pariser Modenschau, in der Naomi Campbell auf 25cm-hohen Schuhen von Vivienne Westwood lief – und fiel. Ein Sturz, den sich bis heute über eine Million Zuschauer auf Youtube angesehen haben.

Doch ebenso wie ihr Kollege Karl Lagerfeld, widmet(e) sich auch Vivienne Westwood nicht nur dem Entwurf schöner Kleidungsstücke: Ende der 80er Jahre war sie als Gastprofessorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien tätig, wo sie auch ihren damaligen Studenten und heutigen Ehemann Andreas Kronthaler kennen lernte. Von 1993 bis 2005 nahm Westwood darüber hinaus einen Lehrauftrag an der Universität der Künste in Berlin an und begann 1996 als Kostümbildnerin am Theater tätig zu sein. Neben Kleidern, entwarf Vivienne Westwood auch Teegeschirr für Wedgwood, Uhren für Swatch, die beiden Parfum-Marken Boudoir und Libertine sowie eine Körperpflegeserie namens Les Coquetteries.

Während Vivienne Westwoods Ziel früher die Abgrenzung zur damaligen bürgerlichen Gesellschaft war, verfolgt sie heute die Rettung unseres Planeten. Vor zwei Jahren spendete sie 1,5 Millionen Dollar zum Schutz des Regenwaldes und verbreitet auch mithilfe ihrer Mode ihre politischen Botschaften, so beispielsweise mit den Aufdrucken „Climate Revolution“ und „I’m not a terrorist, please don’t arrest me“. Ihre Kollektion 2008 nannte sie als Protest gegen den Terrorism Bill 2005 „Westwood 56“. Darüber hinaus verwendet sie seit 2007 keine Tierfelle mehr, engagiert sich für die Schließung des Gefangenenlagers von Guantánamo Bay und den Verzicht auf Atom-U-Boote und unterstützt seit letztem Jahr Julian Assange und Wikileaks mit einer Benefizaktion.

Ihr Aufruf auf der letzten London Fashion Week war eindeutig: „Kauft weniger, sucht gut aus, achtet darauf, dass es länger hält“. Das Gleiche empfahl sie laut Times vor kurzem auch Herzogin Catherine: „Ich habe keine Ratschläge für sie, außer dass ich glaube, es wäre großartig, wenn sie dieselbe Garderobe öfter tragen würde. Das wäre gut für die Umwelt“.
Dass sie trotz ihres – auch finanziellen – Erfolges auf dem Boden geblieben ist, zeigen unter anderem ihre frühere Sozialwohnung in Clapham, in der sie über 30 Jahre lang lebte und nur auf Wunsch ihres Ehemannes im Jahr 2000 in ein neues Anwesen zog. Darüber hinaus bevorzugt Vivienne Westwood das Fahrradfahren, hasst Handtaschen und hat maximal 20 Paar Schuhe, von denen sie nach eigenen Angaben aber nur circa sechs trägt. Herrlich normal unnormal!

Vorschau: Nächste Woche wird an dieser Stelle dem Mysterium Taille nachgegangen!

betterDate.de – das Dating-Portal mit dem Zalando-Prinzip

„Wo Frauen Männer shoppen“, mit diesem Slogan wirbt das Dating-Portal betterDate.de im Internet.
Damit soll offensichtlich gezielt eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen werden: Frauen, die unter Zwang stehen, unabhängig von ihren tatsächlichen Bedürfnissen, einkaufen zu müssen – sogenannte Shopaholics. Diesmal sind damit jedoch keine Schuhe gemeint, sondern die Ware in Form von Männern. Wir leben zwar in einer emanzipierten und toleranten Gesellschaft, aber Männer im Rahmen einer potentiellen Partnerschaft als Produkte zu bezeichnen, geht deutlich zu weit! Wo ist denn da die Grenze zur Prostitution?

Die Single-Shopaholics können mithilfe der Dating-Plattform gezielt auswählen, wer zu ihnen passen könnte und wer sie kontaktieren darf. Die mittels dieses Prinzips ausgewählten Männer können dann als Produkt in den Warenkorb gelegt werden . Erste dann ist es den Männern möglich mit den Damen in Kontakt zu treten.

Frauen besitzen sie das Privileg die völlige Kontrolle über den gesamten Dating- und Kennenlern-Prozess zu haben. Dagegen hat das starke Geschlecht die wichtige Rolle als Produkt Teil der Plattform zu werden. Dies bedeutet natürlich auch: Je besser das Produkt gepflegt, beschrieben und fotografiert ist, desto mehr Interesse erregt es bei den Single-Frauen .

Wie es auf der Webseite von betterDate heißt, sollen Männer die Vorgehensweise als Chance sehen. Das Motto scheint zu lauten: Wer sich verstellt und sich statt Feinripp-Felix als Luxus-Lukas ausgibt , auf den stürzen sich die Frauen. Der Kampf beim Sommerschlussverkauf ist nichts dagegen! Also putzt euch raus, liebe Männer, und werdet zum Kassenschlager! Frauen wird es einfach gemacht: Im Shop registrieren, Kundenprofil ausfüllen und eigenes Profilbild hochladen,Produkte (= Männer) durchforsten,Lieblingsteile in den Einkaufswagen legen.

Erst dann dürfen die „Produkte“ die „Kundin“ kontaktieren. Für Männer funktioniert es ähnlich: Im Shop registrieren, Profil mit Produktdaten füllen, sogenannte „Produktfotos“ hochladen,auf die Einkaufsliste von Frauen setzen. Mit Anleitungen wie „wenn sie dich dann in ihren Einkaufswagen legen, darfst du sie kontaktieren“ gibt das Portal Verhaltens-Tipps. Auf Spontankäufe der Frauen zielen – wer sich anstrengt, wird sofort genommen und erhält die direkte Kontakterlaubnis zur potentiellen Partnerin.

Durchforstet man das Netz nach Stimmungen und zu „betterDate“, fällt die Resonanz eher gering aus, gerade einmal 460 Facebook-Anhänger verfolgen das Portal. Im Vergleich zu anderen, weitaus seriöser wirkenden Dating-Angeboten, wie beispielsweise Paarship, ist diese Anzahl sehr gering.

„betterDate“ preist ihre fragwürdige Idee als „Revolution in der Datingbranche“ an. Alles ist auf dem Prinzip shoppingsüchtiger Frauen und Klischees über diese aufgebaut. Der sensible Vorgang der Kennenlern-Phase wird einem Einkaufsbummel gleichgesetzt und büßt so seine wichtige Bedeutung zu Beginn einer Beziehung ein.

Vorschau: Am Dienstag, 13. November berichtet die Panorama-Redaktion über PC-Kurse für Senioren.

Auf zur Dildoparty

Kennt ihr Tupperpartys? Diese seltsamen Versammlungen von Hausfrauen, die nichts interessanter finden, als verschließbare Plastikbehälter für Pausenbrot, Backofen oder Tiefkühltruhe. Es wird gequatscht, oft etwas mithilfe der Tupperware zubereitet, wie beispielsweise selbstgemachten Sahnelikör, und schnellstmöglich verzehrt. Solche Partys gibt es aber auch für Schmuck, Duftkerzen, Unterwäsche. Und mittlerweile auch für Sexspielzeuge. Die sogenannten Dildopartys sorgen für rote Wangen, kichernde Frauen, und angeblich auch für mehr Spaß im Schlafzimmer.

Spielzeug für intime Stunden: gibts auf der Dildoparty … auch (©chrisandre/pixelio.de)

Das Konzept ist dabei das gleiche, wie bei Tupperpartys. Verschiedene Unternehmen wie Dildofee, PepperParties oder Liebesengel, bei deren Namen man schon aufhorcht, versammeln eifrige Beraterinnen unter sich. Diese kommen zu den Gastgeberinnen nach Hause, stellen dort vor den gespannten Gästen die Produkte vor, verteilen Proben, erklären die Produkte, beantworten Fragen. Immerhin wollen die Frauen (tatsächlich ein Beruf, bei dem es kaum Männer gibt) auch was verkaufen. Die interessierten Gäste können im Katalog blättern und nach Herzenslust bestellen. Sobald die Ware da ist, kommt sie zur Gastgeberin, wo die Neukunden in handlichen Päckchen mit Heim nehmen, was sie sich ausgesucht haben.

Das Ganze klingt schon leicht versaut, wenn wir bedenken, welche Produkte namensgebend sind. Dildos eben. Und Dildos sind Spielzeuge, die in den Nachttisch gehören, aber nicht unbedingt von Hand zu Hand wandern sollten. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, habe ich mich – ausschließlich für die Face2Face-Recherche natürlich – auf so eine Party geschlichen und Mäuschen gespielt. Denn Sex gehört zum Leben, ist eigentlich ja ganz normal. Oder?

Ein Grund zum Lachen? Das Thema Sex löst auch auf einer Dildoparty allerlei Kichereien und rote Wangen aus (©Jürgen Schöpe/pixelio.de)

Als Tochter einer Tupper-Tante fielen mir gleich die Unterschiede zu anderen Vorführungen auf. Zum einen sind die Produkte bei einer Dildoparty versteckt, liegen also unter einem Tuch und werden nicht, wie in anderen Fällen, ansehnlich drapiert. Außerdem werden die Bestellungen in einem Nebenraum aufgenommen. So bleibt die Sache doch etwas anonym, nicht jeder weiß gleich, was ich mir kaufen will. Irritiert war dagegen nicht nur ich, als Feuchttücher auf den Tisch gestellt wurden. Wir wurden aber gleich aufgeklärt, dass die nur zum Abwischen der verschiedenen Öle da seien. Und natürlich reagieren die Gäste doch anders, als wenn ihnen eine neue Mikrowellenkanne gezeigt wird. Von roten Wangen über lautes Kichern bis hin zu verlegenen Blicken war alles dabei. Auf der Party, die ich besucht habe, waren tatsächlich nur Frauen. Immerhin verspricht eine Dildoparty dem Mann im ersten Moment wenig Praktisches, als vielmehr Lustiges.

Tatsächlich ist der Name irreführend. Die ersten zwei Produkte, die uns gezeigt wurden, waren zwar tatsächlich Dildos, die per Saugnapffuß gleich mal an die Fenster gehängt wurden, doch auch für Paare und für Ihn hätte es einiges zu entdecken gegeben. Schließlich können auch Dildos, oder die motorisierten Vibratoren, von denen dann doch mehr auf den Tisch kamen, im gemeinsamen Liebesspiel genutzt werden. Penisringe sind da zwar noch mehr für den männlichen Endverbraucher gedacht, aber wer weiß schon, was uns unter der Bettdecke so alles gefällt. Vom Vibrator zum Auflegen, für alle, die nur an, aber nicht in sich so etwas wissen wollen, meinte die Beraterin schließlich, dass auch Männer sehr davon angetan wären. Ebenso von den Analketten.

Sinnlich und lecker – Liebe geht eben durch den Magen (©Joujou/pixelio.de)

Ihr seht, da war dann doch für jeden etwas dabei. Auch Liebeskugeln, von denen ich euch schon einmal geschrieben habe, versuchte die Verkäuferin an die Frau zu bringen. Da war ich dann doch leicht schockiert, wie skeptisch die übrigen Gäste waren. „Bringt das wirklich was“?, wollten sie wissen. Und: „Sind die nicht viel zu groß?“ Mehr Anklang fanden da die Riech- und Schlecköle, denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Von Schokolade  bis Kirschgeschmack war alles dabei. Erst massieren, dann ablecken. Auch Körperfarbe zum Verzehr machte die Runde und jeder durfte mal kosten. Begeistert waren Viele auch vom Gleitgel, vom dem eine Kundin gleich verriet, dass sie es als Handcreme täglich verwendet. Warum auch nicht. Körperschaum und Kerzen, deren geschmolzenes Wachs Massageöl ist – wir kamen aus dem Riechen gar nicht mehr heraus. Sinnlich kommt eben von Sinne, und die wollen angesprochen werden.

Beim Testen des Stimulierungsgels kam dann ans Licht, wie viel Aufklärung so eine Damenrunde überhaupt verträgt. Rote Wangen bei der einen Testerin, die andere schrieb gleich versteckt eine Kurznachricht. Und ich kann verraten: Das Zeug wirkt. Die durchwachsenen Reaktionen zeigen aber, dass vielleicht doch nicht alle zu so einem Abend eingeladen werden können. Tatsächlich, so verriet die Beraterin, seien die älteren Damen versauter, aber auch die besseren Kunden. Während die jungen viel drucksen, aber kaum bestellen, wissen die älteren, was sie wollen und holen es sich auch. Und das ist für die Verkäuferin nur von Vorteil. Immerhin bekommt sie gerade mal 20 Prozent Provision, was nicht wirklich als Nebenerwerb reicht. „Ich mach das eher just for fun“, sagte unsre Beraterin, die seit etwa einem Jahr dabei ist. Immerhin sei sie flexibel in den Arbeitszeiten, weswegen ihr Hauptberuf nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber auch sie sei erstaunt, wie verklemmt manche beim Thema Sexspielzeug so sind.

Eine Dildoparty ist in jedem Fall ein lustiger Abend. Das Testen der Vibrationen an der Nasenspitze kann bei vielen das Eis brechen. Zu lachen gibt es auf jeden Fall etwas. Ob jetzt der Hund einen Dildo als Kauspielzeug missbraucht oder die Wasserfestigkeit des Vibrators in der durchsichtigen Schüssel auf dem Tisch präsentiert wird – so was sehen wir nicht alle Tage. Weswegen ich mir auch überlege selbst mal so eine Party zu veranstalten. Das Schöne für die Gastgeberin ist ja, dass sie, je nach Umsatz, einen Gutschein geschenkt bekommt. Und bei der Auswahl findet garantiert jeder was.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um das liebe Geld, und warum wir es nicht immer so wichtig nehmen sollten.

Eine Kugel für die Liebe

Es gibt solche Worte, die sich im ersten Moment einfach nett anhören, bis im zweiten Moment die Bedeutung mitschwingt. „Liebeskugel“ ist so ein Wort. Eine Kugel für die Liebe. Und klar ist: Eigentlich geht es nicht um Liebe an sich, sondern um das Liebesspiel. Um Sex. Und in vielen Köpfen schweben Vorstellungen von Frauen, die mit Liebeskugeln Gott weiß was anstellen. Tatsächlich ist das Internet voll von Foren, in denen die Frage „Wie verwende ich Liebeskugeln“ ausführlich diskutiert wird. Dabei ist die Anwendung nicht kompliziert. Wichtiger ist aber, dass Liebeskugeln eben kein (oder nicht nur) Sexspielzeug sind, sondern nüchtern ausgedrückt: Beckenbodentrainingsgeräte.

Liebeskugeln: Gibt es einzeln oder paarweise (Foto: Obermann)

Nun kommt aber kaum einer auf die Idee, sich ein nüchternes Beckenbodentrainingsgerät zu besorgen, wenn das Ganze auch wesentlich anzüglicher verkauft werden kann, am besten noch in knalligen Bonbonfarben. An mancher Stelle etwa werden Liebeskugeln als Lustkugeln oder gar Orgasmuskugeln verkauft. In Ursprung haben sie in Japan, wo sie im Alltag getragen wurden. Im Alltag kann man moderne Liebeskugeln wie etwa die von „FunFactory“ auch tragen. Je nach Belieben gibt es in verschiedenen Größen und Farben eine Kugel oder mehrere, wobei sie immer verbunden sind. Eine Art Rückholbändchen gibt es auch, die Sorge mancher Frauen, sie könnten die Kugeln in sich verlieren, ist also unberechtigt. Tatsächlich ist der Sinn von Liebeskugeln kein dumpfes Rein-Raus, wie manch einer denken mag. Die Kugeln werden eingeführt und bleiben dann erst mal wo sie sind. Einige Minuten, mehrere Stunden, oder etwas dazwischen.

Nur dann kann der Effekt der Kugeln auch zur Geltung kommen. Denn wenn die Frau sich bewegt, kommen die Kugeln in Schwingung. Das kann zwar durchaus auch anregend sein, ist im ersten Moment aber gewöhnungsbedürftig. Durch das Gewicht und die zusätzlichen Schwingungen wird vor allem der sogenannte PC-Muskel, der Musculus pubococcygeus, trainiert, aber auch der gesamte Beckenbodenmuskel. Während die Muskel dann tatsächlich auch für die sinnliche Erfahrung während des Sex verantwortlich sind, wirkt sich das Training noch auf weitere Teile aus.

Sinnliches Training: Zur Beckenbodenstärkung nach einer Schwangerschaft sind Liebeskugeln ideal (© Mikhael Timofeev / pixelio.de)

Beckenbodentraining hilft bei Inkontinenz, die in der Menopause auftreten kann, aber unter bestimmten Umständen auch schon davor. Und das Training ist absolut notwendig, beispielsweise nach einer Schwangerschaft. Denn durch Schwangerschaft und Geburt werden Gebärmutter, Blase und Enddarm stark belastet. Die Gebärmutter wird gedehnt und muss darum im Nachhinein wieder trainiert werden. Das ist wie mit dem Training für die Bauchdecke.

Natürlich hört es sich wesentlich schöner an, von Liebeskugeln und Orgasmustrainern zu reden, als von Beckenbodentraining, das dafür sorgen soll, Frauen nach der Geburt zu helfen, Wasser zu halten. Aber auch dann bleiben Liebeskugeln Trainingsgeräte und weniger Masturbationshelfer. Errötende Wangen und verfängliche Blicke, sobald eine Frau das Wort „Liebeskugeln“ in den Mund nimmt, zeugen nur mal wieder vom Unverständnis für solch abstrakte Begriffe. Die Kugel für die Liebe kann zwar Auswirkungen auf das Liebesspiel haben, muss es aber nicht. Einen positiven Effekt, eben auf den Beckenboden, hat sie trotzdem. Alle Frauen, die denken: „Inkontinent werde ich eh nicht und schwanger bin ich noch lange nicht“ sollen dann eben die Kugeln als Orgasmustrainer verwenden und der positive Effekt bleibt dennoch. Denn frühzeitiges Training hilft auch später noch.

Wer den Kugeln aber doch zu skeptisch gegenübersteht, kann es ja mal mit einfachem Beckenbodentraining versuchen. Die Hürde dabei ist, erst mal den Beckenbodenmuskel zu finden und gezielt anzuspannen. Dazu gibt es unzählige Übungen, bei denen es nicht immer leicht ist, zu wissen, ob es denn so richtig ist. Liebeskugeln sind da tatsächlich die einfachere Variante.

Vorschau: Sascha schreibt nächste Woche über Fremdsprachen und wie es ist, nochmal eine neue zu lernen.

Sex sells – doch die Aufklärung bleibt auf der Strecke

Können heutzutage niemanden mehr schocken: Halbnackte Frauenkörper (Foto: Beutler)

„Die Jugend von heute…“ – der Beginn eines Satzes, der bei den meisten Minderjährigen zum genervten Augenverdrehen führt und für die ältere Generation oftmals den Startschuss zu einer wilden Diskussion liefert. Aber wie ist die Jugend von heute eigentlich aus Sicht der Erwachsenen, also derer, die es wissen müssten?

Die Jugend von heute ist respektlos dem Alter gegenüber und die Jugend von heute ist politikverdrossen – das sind Kommentare, die man häufig hört und die, wenn hier auch keine Generalisierung stattfinden kann und darf, zumindest teilweise zutreffen mögen. Doch wie sieht es mit der sexuellen Aufklärung Jugendlicher aus? Ist die Jugend von heute unaufgeklärt, optimal aufgeklärt oder vielleicht sogar überaufgeklärt?

Im Gegensatz zu früher sind die Jugendlichen dank der immer weniger stattfindenden Tabuisierung von Sexualität vor allem durch die Medien sehr gut aufgeklärt – so lautet die These. Dem widersprechen Studienergebnisse wie die folgenden: Mehr als jeder vierte deutsche Teenager glaubt, dass er sich bei der Benutzung einer Toilette über eine verunreinigte Klobrille mit sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheiten infizieren kann. Zudem schätzen fast die Hälfte aller deutschen Jugendlichen, nämlich 41,1 Prozent, die Ansteckungsgefahr von HIV, Tripper, Chlamydien und Co gering oder gleich Null ein. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kam die Jugendstudie „The Face of Global Sex 2010“, die vom Kondom-Hersteller „Durex“ in Auftrag gegeben wurde.

Auch beim Thema Verhütung haben die Jugendlichen laut einer repräsentativen Studie der Jugendzeitschrift „Bravo“ noch Nachholbedarf: 63 Prozent und damit fast zwei Drittel der befragten elf- bis 17-Jährigen räumten ein, dass sie nicht genug über Verhütung Bescheid wüssten. So hält jeder Vierte die für Notfälle gedachte „Pille danach“ für ein gängiges Verhütungsmittel. Ebenso viele glauben, dass „Aufpassen“ durch einen Koitus interruptus ein wirksamer Schutz vor ungewollter Schwangerschaft sei.

Wilde Theorien wie der Einsatz von Tampons zur Verhütung, das Einträufeln von Cola in die Scheide zur Abtötung der Spermien oder das Joggen gehen nach dem Geschlechtsverkehr – um den Körper so stark durcheinander zu schütteln, dass eine Schwangerschaft unmöglich wird – geistern durch Medienberichte. Von Aufklärung kann hierbei keine Rede sein.

Doch vielleicht begründet sich die Ahnungslosigkeit und Verwirrung der Jugendlichen ja auch auf einer Art Überaufgeklärtheit – dafür verantwortlich: Die Medien.

Der Begriff „Sex“ hat bei der Suchmaschine „Google“ drei Milliarden Treffer mehr als das Wort „Liebe“, Pornofilme sind dank Internet und Smartphone überall und jederzeit abrufbar, kaum eine Zeitschrift wirbt mehr ohne eine tiefdekolletierte Dame auf dem Cover, ein Werbeblock ohne mindestens einen TV-Spot mit nackter Haut – undenkbar. „Früher hätt´s des net gewwe“ – noch so ein Spruch, den die jüngere Generation oft zu hören bekommt.

Feiern mit Verstand: Das Kondom ist nur eine Verhütungsmethode von vielen (© Rike / pixelio.de)

Doch führt die überdurchschnittliche Präsenz von Sexualität und Nacktheit in Film, Fernsehen, Internet und Print automatisch zu einer Überaufgeklärtheit unter den Konsumenten der genannten Medien?

Die bereits genannten Forschungsergebnisse legen das Gegenteil nahe. „Wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft“, sagt Eveline von Arx, Leiterin des „Dr.-Sommer-Teams“ der „Bravo“, „junge Leute reagierten darauf verunsichert.“

Eine Unterscheidung zwischen Übersexualisierung, die unserer heutigen Gesellschaft ganz offensichtlich zugrunde liegt, und Überaufgeklärtheit, die laut Studienergebnissen nicht gewährleistet ist, muss also getroffen werden.

„Spiegel“-Autorin Anne Reimann spricht in einem Artikel sogar von „sexueller Verwahrlosung“ Jugendlicher. Den Zwiespalt zwischen sexueller Reizüberflutung beispielsweise durch Pornos und tatsächlicher Aufklärung sieht der Bielefelder Sozial- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann im „unangemessenen Umgang“ mit Sexualität innerhalb der Familie. Sexualforscher Volkmar Sigusch pflichtet ihm bei: „Gegen sexuelle Verwahrlosung von Heranwachsenden hilft nur, die Lage ihrer Familien zu verbessern. Wenn schon Kinder Pornos gucken, ist das unmittelbar mit der Situation ihrer Eltern verknüpft.“

Wie lautet nun also der Lösungsansatz für ein Problem, das in der heutigen Gesellschaft, in der sich Eltern, Schule und Medien gegenseitig die Verantwortung für die sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen zuschieben, kaum wahrgenommen wird?

Um es mit den Worten von Ulf Pittner, Teamleiter der „Durex“-Studie, zu sagen: „ Es zeigt sich, dass europäische Jugendliche mehr und vor allem professionellerer Sexualerziehung durch geschulte Lehrer bedürfen als bisher. Erfolgreiche Aufklärungsarbeit muss alle Aspekte und Instanzen mit einbeziehen. Nur wenn alle Verantwortlichen aus Politik, Schule und Industrie an einem Strang ziehen, kann gewährleistet werden, Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer sexuellen Gesundheit zu ermutigen.“

Vorschau: Nächste Woche nimmt der Fernsehkritiker Holger Kreymeier Stellung zur aktuellen Fernsehlandschaft, den eigentlichen Aufgaben der Sender und gibt zudem einen Ausblick auf die Zukunft des Fernsehens.

 

BDSM – „An erster Stelle kommt die Einvernehmlichkeit“

In Lack und Leder gehüllte Menschen, die mit Peitschen schwingen und sich gegenseitig quälen. Das sind die Stereotypen, denen man innerhalb der Gesellschaft begegnet, wenn es um sexuelle Vorlieben im BDSM-Bereich geht. So einheitlich die Vorurteile der BDSM-Szene gegenüber auch sein mögen – umso facettenreicher ist dafür der BDSM selbst. Neigungen zu Fesselung und Disziplin, Dominanz und Submission, Sadismus und Masochismus werden darin eingeschlossen. Der 58-jährige Matthias T. J. Grimme kennt diese Vielfalt nicht nur bestens, sondern lebt sie ebenfalls seit fast 25 Jahren aus. Als Verleger und Sachbuchautor, aber auch als Künstler und Lehrer hat er sich im SM- und Bondage-Bereich einen Namen gemacht.

Erfolgreich: Ob als Autor, Performer oder Fotograf – Matthias T. J. Grimme beweist sich als wahrer Allrounder (Foto: privat)

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee, BDSM-Handbücher zu schreiben?
Grimme: Auf den ersten Partys vor mehr als 20 Jahren sah ich so manches, was ich für gesundheitsgefährdend oder schlicht problematisch hielt. Zu der Zeit gab es neben ein paar englischen Handbüchern und einem schmalen Band deutscher Übersetzungen zum Thema Sicherheit fast nichts. Dadurch entstand die Kolumne in unserem Magazin Schlagzeilen „Das SM-Sicherheitsbrevier“.

Face2Face: Viele Menschen träumen von BDSM-Praktiken. Wie lässt sich da zwischen bloßer Fantasie und sexueller Vorliebe unterscheiden?
Grimme: Ich glaube, es ist unnötig zu unterscheiden. Manche wollen ihre Träume als Träume behalten und andere wollen sie ausprobieren. Fantasien sind ja meist der erste Ansatzpunkt sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Face2Face: Sollte man den Partner in einer neuen Beziehung gleich am Anfang mit seinen Neigungen konfrontieren?
Grimme: Ich würde das nicht sofort machen. Man muss den anderen ja erst einmal als Person kennen lernen. Aber wenn man mit seiner Vorlieben zu lange hinter dem Berg hält, sind Probleme vorprogrammiert. Ich würde eher vorsichtig an das Thema herangehen und damit beginnen, sich gegenseitig erotische Fantasien mitzuteilen. Man kann dabei Gelegenheiten schaffen, in denen man wie zufällig auf das Thema kommt. Etwa, wenn man sich zusammen einen Film wie „Eyes wide shut“ oder „Tokyo Decadence“ anschaut. Oder, indem man einen Bildband mit entsprechenden Fotos herumliegen lässt – und dann anmerkt, ob der andere sich vorstellen kann, das mal real auszuprobieren.

Face2Face: Sie schreiben in Ihren Handbüchern, dass Sicherheit vorgeht – auch wenn ein gewisses Verletzungsrisiko besteht. Wie weit darf sich ein Laie dann hervorwagen? Und was sollte von Anfängern besonders beachtet werden?
Grimme:Nicht nur Sicherheit ist wichtig. An erster Stelle kommt die Einvernehmlichkeit. Die meisten Unfälle beim BDSM lassen sich vermeiden, wenn man informiert ist. Es ist sinnvoll, vorher zu recherchieren, worauf man achten sollte. Man steigt ja auch nicht einfach in ein Auto und fährt los, sondern nimmt erst einmal Fahrstunden.

Zwischen Erotik und Kunst pendelnd: Matthias T. J. Grimme bei einer Bondage-Performance (Foto: bondageproject.com)

Face2Face: Welche Vorkehrungen sollten für eine Session mit einem Unbekannten getroffen werden?
Grimme: Ich würde den Unbekannten an einem öffentlichen Ort treffen, bevor man irgendwo hingeht. Am besten sich auch eine Kopie des Personalausweises geben lassen. Wenn der Ort feststeht, würde ich das jemandem mitteilen. Vorher würde ich mit ihm einen Code ausmachen, mit dem ich ihn anrufen kann und ihm signalisieren kann „Alles in Ordnung“ oder „Komm vorbei und hol‘ mich hier raus“.

Face2Face: Inwieweit lohnt sich der Besuch von BDSM-Stammtischen für Interessierte?
Grimme: Zum einen ist das eine gute Möglichkeit Gleichgesinnte kennen zu lernen und das zu fragen, was man wissen will. Zum anderen kann man so Leute treffen, mit denen man etwas zusammen unternehmen kann. Dann ist man zum Beispiel nicht alleine auf einer Party. Ungeeignet sind Stammtische, wenn man glaubt hier seinen Traumpartner zu finden.

Face2Face: Wäscheklammer statt Nippelkette: Wieso sollte man auf teures Fetisch-Zubehör zurückgreifen, wenn der Baumarkt um die Ecke die günstigere Alternative ist?
Grimme: Man kann ja auch SM ganz ohne irgendwelche Spielsachen betreiben, wenn alles mehr innerhalb der Kopf-Schiene bleibt oder wenn man seine eigenen Hände zum Festhalten, Kneifen, Knebeln und Schlagen benutzt. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum man nicht das eine mit dem anderen verbinden kann. Ich stehe auf ganz normale Wäscheklammern. Aber bei Seilen würde ich dann doch lieber keine aus dem Baumarkt nehmen und bei Schlagwerkzeugen sollte man auf vernünftige Qualität achten. Das heißt : Lieber etwas mehr ausgeben statt Pressleder-Peitschen zu benutzen, die ganz schnell auseinander fallen. Manches kann man sich auch sehr gut selber basteln, wie etwa Fesseln aus zerrissenen Bettlaken oder Baumwolltüchern. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Kontakt:
Matthias T. J. Grimme
www.schlagzeilen.com
www.bondageproject.com
www.diequaelerei.de

Vorschau: Am Sonntag, 11. Dezember, verrät euch Face2Face was man gegen kalte Hände und Füße tun kann.