Drei Tipps zur Selbstverteidigung

Im schummrigen Licht der Straßenlaternen liegt die Gasse vor mir. Sie scheint ins Nichts zu führen. Der Boden ist nass vom andauernden Nieselregen. Verzerrte Gestalten spiegeln sich in den vom Wind zerfurchten Pfützen. Kein Mensch in Sicht. Ich will einfach nur nach Hause und laufe noch ein bisschen schneller. Meine Schritte hallen auf dem nassen Asphalt. Klack klack. Klack klack. Immer schneller. So viele Schritte. Als würde ich rennen, denke ich verwundert. Oder als wäre ich nicht alleine…

Wer sich in einer solchen Situation sicherer und selbstbewusster fühlen möchte, dem können Selbstverteidigungsübungen helfen. Wie ihr euch aus drei Griffen befreien könnt, zeigen wir euch im Video:

Vorschau: Nächsten Sonntag erfahrt ihr wie ihr Reisen in ferne Länder clever planen könnt.

Im Fitness-Test: Thai-Robic

Er zeigt wie es richtig geht: Thai-Robic Trainer Alberto (Foto: Stephanie Schweigert)

Trainer Alberto steht vor der Truppe aus 12 Frauen und einem Mann und dreht die Musik auf. „Los geht’s, wir fangen an!“ Der Kurs beginnt mit Stretching – um Verletzungsgefahren zu mindern und den Körper aufzuwärmen und vorzubereiten auf das, was kommt. Tief in die Knie gehen wir, Waden, Oberschenkel, Rücken, alles wird in die Dehnung gebracht. Und wer jetzt glaubt: Stretching, das ist noch keine Anstrengung, wird sich bei diesem Kurs umschauen. Schnelle Bewegungen von rechts nach links, von unten nach oben bringen den ganzen Körper in Schwingung, so dass sich bereits hier die ersten Schweißtropfen bilden. Und dann sagt Alberto auch noch: „Und jetzt fangen wir richtig an!“ Laura neben mir staunt, „ich bin ja jetzt schon kaputt!“.

Der Trainer dreht die Musik auf, wummernde Bässe lassen einen schon mal den Rhythmus spüren. Er zeigt uns die verschiedenen Schritte, die im folgenden Satz drankommen. Mit dem Ellenbogen einen Kinnhaken ausführen, Schläge nach vorne und dabei einen festen Stand behalten. Außerdem Kicks zur Seite, nach vorn und nach hinten. Und dabei die Deckung nicht vergessen.

Ein Element. im Kurs: Der Tritt nach vorne (Foto: Stephanie Schweigert)

Etwa eine Minute lang führen wir meist zwei kombinierte Bewegungen aus, das reicht um jeden von uns zum Schwitzen zu bringen. Dankenswerterweise gibt es alle zehn Minuten eine kurze Trinkpause, in der wir wieder zu Atem kommen, um uns erfrischen können. Doch die ist eigentlich viel zu kurz. „So, weiter geht’s!“, ruft Alberto, und bei einigen Teilnehmerinnen hört man ein leichtes Stöhnen. Jeder kann die Intensität der Übungen selbst bestimmen, ob etwas fester geschlagen wird oder der Tritt vielleicht doch etwas niedriger ausgeführt wird. Der Vorteil bei diesen Übungen ist, dass der komplette Körper gefordert und gefördert wird, und auch die verschiedensten Bereiche des Sports mit eingebunden werden. So wird Ausdauer trainiert, durch länger anhaltende Tritt- und Schlagserien, Kraft wird durch feste Schläge gefordert und auch die Beweglichkeit wird durch die verschieden hohen Schläge und Tritte und am Ende durch Stretching gefördert.
„Bei regelmäßiger Teilnahme können die verschiedenen Bewegungen auch zur Selbstverteidigung genutzt werden!“, erklärt Alberto. Und an die Teilnehmerinnen, die zum ersten Mal da gewesen sind schmunzelt er: „Erzählt mir beim nächsten Mal einfach, was euch NICHT wehgetan hat!“

Vorschau: Lest nächste Woche über den überzeugenden Turnierverlauf der deutschen Handballmannschaft bei der WM in Spanien.

Waffenrecht – Ärger ohne Ende

KOMMENTAR Eine Tragödie erschüttert die USA: Am Freitag, 14. Dezember, betritt der 20-jährige Adam Lanza die Sandy-Hook-Schule in Newtown, Connecticut, und erschießt innerhalb weniger Minuten zwanzig Schüler im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene. Bevor Lanza sich gegen 9.30 Uhr gewaltsam Zutritt zum Schulgebäude verschafft, tötet er im eigenen Haus seine Mutter. Nach dem Amoklauf in der Schule richtet er die Waffe schließlich gegen sich selbst. Nach diesem schrecklichen Vorfall stehen die Vereinigten Staaten erneut vor einer Debatte um das Waffenrecht.

Lanzas Motiv der Gräueltat ist bislang nicht bekannt, die Behörden verweisen allerdings auf schlüssige Hinweise, die vorliegen würden. Der Amokläufer wird von früheren Bekannten als hochintelligent, aber zurückgezogen und isoliert, gar als merkwürdig beschrieben. Offensichtlich litt er am Asperger-Syndrom, einer Ausprägung des Autismus. Der 20-Jährige lebte bis zur Tat bei seiner Mutter, in der er sein erstes Opfer fand. Hobbyschützin Nancy Lanza lagerte in ihrem Heim fünf verschiedene Waffen, darunter ein Sturmgewehr, mit dem offensichtlich die Morde in der Schule verübt worden sind.

Beängstigend ist, wie häufig solche Amokläufe inzwischen in den USA geworden sind. Der Amoklauf von Newtown ist in diesem Jahr bereits das dritte Verbrechen dieser Art. Beängstigend ist auch die Routine, die dort inzwischen nach Amokläufen erkennbar ist. Schon jetzt ist klar: Es wird eine neue Debatte um das Waffenrecht geben. Und schon jetzt ist zu erwarten: Sie wird erneut im Sande verlaufen. Newtown steht in einer Reihe mit den Massakern von Columbine im Jahr 1999 und dem an der Virginia Tech im Jahr 2007; beide lösten weltweites Entsetzen aus. Doch trotz aller Trauer lässt eine Verschärfung des Waffenrechtes bis heute auf sich warten.

Eine Frage zwingt sich auf, mit der auch wir uns hier in Deutschland konfrontiert sehen: Wie kann es – gerade in Anbetracht all des vergossenen Blutes – heute noch sein, dass es scheinbar in aller Welt möglich ist, ohne größere Probleme an Schusswaffen zu gelangen? Wie kann man angesichts all dieser Gräueltaten immer noch für einen zivilen Zugang zu Kriegsgerät plädieren?

Für Nancy Lanza war – wie für unzählige andere Menschen – der Schützensport ein Hobby, eine ganz eigene Faszination. Doch das vermag noch lange keine Erklärung, noch lange keine Rechtfertigung dafür zu sein, in einem Haushalt fünf Schusswaffen – darunter, wie bereits erwähnt, gar ein Sturmgewehr – zu lagern. Eine Waffe in der Hand verleiht ein Gefühl der Macht, und das scheint der Ausgangspunkt der Faszination am Schießen zu sein.

Auch der Tierwelt begegnen viele Menschen in ihrer Freizeit mit eben diesem Machtgefühl, wenn alljährlich die Jagdsaison beginnt. Doch weder in Deutschland, noch in den Vereinigten Staaten ist irgendjemand darauf angewiesen, sich seine Lebensmittel selbst zu jagen. Auch die Jagd also muss – zumindest in großen Teilen der westlichen Welt – als reines Hobby verstanden werden.

Schießen und Töten. Zwei Beschäftigungsmöglichkeiten, die so bedenklich sind, dass sie nun doch nur sehr, sehr schwache Argumente für einen privaten Waffenbesitz liefern.

Ein drittes, besonders in Amerika gerne angebrachtes Argument gesellt sich hinzu: Die Selbstverteidigung. Scheinbar, so mutet es teilweise an, wenn man sich die Aussagen von Verfechtern eines freien Waffenrechtes besieht, muss man vor allem in Amerika jederzeit damit rechnen, Opfer einer Gewalttat, eines Überfalls oder eines Einbruchs zu werden. Vor allem die vermeintliche Sicherheit, die eine Schusswaffe verspricht, muss immer wieder zur Begründung eines privaten Waffenbesitzes herhalten. Wie kurzsichtig die Annahme ist, sich mit Waffengewalt vor Waffengewalt zu schützen, bedarf keiner tiefergehenden Betrachtung. Denn im Grunde ist es ganz einfach: Keine Waffen in Umlauf bedeuten schließlich den kompletten Zusammenbruch dieser Gefährdungslage.

Tatsächlich entstammt das Recht auf Volksbewaffnung aus einer Zeit, die als höchst unsicher gelten musste. Ende 1791 wird das Second Amendment, der zweite Verfassungszusatz der Vereinigten Staaten verabschiedet, der bis heute den privaten Waffenbesitz regelt. Der 1783 beendete britisch-amerikanische Unabhängigkeitskrieg war noch lange nicht vergessen und eine funktionierende Waffenkontrolle in der zukünftigen Weltmacht sowieso kaum durchsetzbar. Doch im 21. Jahrhundert ist die Gefahr einer Invasion durch die Briten als nicht mehr existent zu betrachten. Selbst aber, wenn ein Angriffskrieg gegen die Vereinigten Staaten stattfinden sollte – die Militärs wären kaum auf Unterstützung aus dem zivilen Sektor angewiesen.

Ob in Amerika oder in Europa – ein privater Anspruch auf Waffenbesitz ist nicht mehr haltbar. Trotz fehlender Argumente für den Besitz von Schusswaffen gibt es sehr wohl Gruppen, die großes Interesse am Fortbestand eines lockeren Waffenrechtes haben: Die traditionell überaus einflussreiche Rüstungsindustrie.

Diese – so scheint es – weiß bisher den Erhalt des Status Quo durch geschickte Lobbyarbeit zu garantieren. Wie viele Menschen auch erschossen werden, wie qualvoll der Aufschrei von Betroffenen und Medien jedes Mal ist, und schließlich: Wie nichtig die Argumente für den weiteren Zugang zu Waffen auch jedes Mal wieder sind – die Lobbyisten sind nicht klein zu kriegen. Wie gefährlich Verwicklung wirtschaftlicher Interessen und politischer Arbeit sind, vermögen all die unnötigen Tode zu illustrieren, die tagtäglich durch die Presse gehen. Und wie ohnmächtig die Politik letztlich ist, ein schärferes Waffenrecht durchzuringen, das wird wohl nun auch wieder die im Nichts endende, neu aufkommende Debatte um eben diese Gesetzgebung zum Ausdruck bringen.