Ohne Whatsapp, ohne mich!?

Whatsapp abschalten und ein paar Tage für viele Leute unerreichbar sein? Klingt unvorstellbar? Ich habe es gewagt. Vier Tage lang war ich ohne jegliche smartphoneartige Kommunikation auf SMS und Anrufe angewiesen. Anstoß für diesen Selbstversuch war, dass ich kaum noch eine ruhige Minute hatte. Wie ein Magnet zog mich mein Smartphone an, ich suchte die Wetterprognosen für die nächsten Tage (gleich an mehreren Orten), schaute was es Neues auf Facebook gab, checkte ständig meine E-Mails und dazu kamen die Whatsapp-Nachrichten im Sekundentakt (Gruppen können auch ein wahrer Fluch sein). Ich hatte keine freie Minute mehr, war vollkommen im Freizeitstress gefangen.

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Bevor ich die Internetverbindung meines Handys ausschaltete, habe ich meinen Selbstversuch in meinem Freundeskreis angekündigt. Von „Handy kaputt?“ über „Was ist denn los?“ bis hin zu „Oh, dann schreib ich dir mal einen Brief“ war jede Reaktion dabei.

Der erste Morgen ohne Smartphone fing schon nervenaufreibend an. Ohne Wetterapp, die App der öffentlichen Verkehrsmittel und Spiegelonline ein für mich ungewohnter Start in den Tag. Ich zog mich zu kalt an, verpasste die Bahn zur Arbeit und konnte nicht wie gewohnt die Nachrichten lesen. Doch je länger das Smartphone für seine eigentlichen Zwecke unbrauchbar war, desto entspannter wurde ich. Schon fast eine Art Ferienhochgefühl machte sich breit. Auf dem Heimweg beobachtete ich einen wunderschönen Sonnenuntergang, der mich von einem stressigen Tag abschalten ließ. Währenddessen schienen die Menschen um mich herum von ihren Handys gefesselt zu sein, alle schauten auf die kleinen Bildschirme in ihren Händen.

Nach Tag zwei vermisste ich nichts mehr, berief mich auf „alte“ Mittel wie Zeitung, Wetternachrichten im Fernsehen und merkte mir die Bahn-Fahrzeiten. Leute, die mir alltäglich nicht nur ein Blabla via Facebook oder Whatsapp schickten, sondern wirklich wissen wollten, wie es mir geht, riefen an oder schrieben SMS. Und wenn dann mal telefoniert wurde, dann hatte man sich auch wirklich etwas zu erzählen und kein mittlerweile Altbekanntes „Oh, dann habe ich dir das schon geschrieben gehabt?“ störte den Gesprächsfluss.

Als ich am vierten Tag abends meine Datenverbindungen wieder einschaltete, machte ich das mit großem Widerwillen. Das Urlaubsgefühl der letzten Tage war so plötzlich verpufft, wie es gekommen war. Doch ich habe viel gelernt: Durch die schnelle Kommunikationsgesellschaft, in der wir heute leben, gehen wertvolle Worte verloren. Bevor auf „senden“ geklickt wird, macht man sich wenig Gedanken, was man mit seiner Nachricht auslösen kann, oder auch nicht. Früher waren Briefe tagelang unterwegs, wurden von Hand auf Schmierpapier geschrieben, bevor sie auf Briefpapier übertragen wurden.

Ich will nicht sagen, dass ich nun Smartphones und deren spielerisches Können verachte. Eher, dass man die Möglichkeiten, die wir heutzutage haben, mit etwas mehr Bedacht nutzen sollte. Denn die wichtigsten Sachen der Welt – die zwischenmenschliche Kommunikation – sollte nicht zur alltäglichen Nebensache verkommen.

 Vorschau: Nächste Woche berichtet Julia von einem Treffen für junge Väter in Freiburg.

Kleiderständer?! – Selbstversuch Fotomodel

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

„Entweder du wirst mal Journalistin oder aber Model“ – das sagte einmal ein Kumpel zu mir. Obwohl ich mich durchaus geschmeichelt fühlte, war meine Antwort darauf: „Ich und modeln? Wohl eher nicht.“ Der Gedanke daran, einmal als Journalistin zu arbeiten, ließ mich so schnell allerdings nicht wieder los…

Dass mir dieses Gespräch ausgerechnet jetzt in den Kopf kommt, wo ich vor einem beleuchteten Spiegel sitze und mich für das anschließende Fotoshooting frisieren und schminken lasse, ist kein Wunder. Denn heute starte ich meinen Selbstversuch Fotomodel.

Kleiderständer spielen, nichtssagend in die Gegend grinsen, fürs Rumstehen bezahlt werden – es gibt so einiges an Vorurteilen über Models und genau diesen Vorurteilen werde ich heute auf den Grund gehen. An meiner Seite: Visagistin Natascha Pfeifer alias Zauberpinselchen und Fotograf Holger Thomas. Beide keine Unbekannten für mich – schließlich zauberte mir Natascha im Selbstversuch Bodypainting bereits eine eindrucksvolle Schildkröte auf den Rücken und Holger hielt das fotografisch fest.

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testet Face2Face-Chefredakteurin Tatjana heute (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testete Face2Face-Chefredakteurin Tatjana für euch (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Heute allerdings soll ich ein bisschen mehr machen, als mich anmalen zu lassen und möglichst mit dem Rücken zur Kamera zu stehen. Heute soll ich das Model mimen und befürchte – wie sich später herausstellen soll, zu Recht – dass es mit ein bisschen Gegrinse nicht getan ist.

Während mir Natascha für den Beachlook die Haare zu zwei lockeren Zöpfen flicht und Muschelketten hineinbindet, möchte ich von Holger wissen, wie eine Frau sein muss, um sich als Model zu eignen. „Nach mehrjähriger Erfahrung sind mir primär Zuverlässigkeit und Verantwortung wichtig“, erklärt der 48-Jährige, „bezüglich des Aussehens muss ich sagen, dass meiner Meinung nach ein guter Fotograf aus jeder Person etwas ausschöpfen können sollte. Die Kunst besteht darin, aus jedem etwas heraus zu kitzeln, sodass man das Besondere in ihm erkennt.“ Damit lastet die Verantwortung für das Gelingen des Shootings wenigstens nicht mehr zu 100 Prozent auf meinen Schultern, denke ich mir und lehne mich entspannt zurück, während mir Natascha das Gesicht abpudert.

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als es dann allerdings wirklich losgeht, kann ich meine Nervosität kaum noch verstecken. Und das Schlimmste: Man sieht sie mir auf den Fotos auch deutlich an: Verkniffener Mund, unsicherer Blick. Nach fast jedem Schuss zeigt mir Holger das Ergebnis und wir besprechen gemeinsam, was uns gefällt und was ich besser machen kann. So viel Feedback zu bekommen ist schon einmal hilfreich. Auch das, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe, – die „mach einfach mal irgendwas! Begeistere uns!“-Aufforderung á la Germanys next Topmodel – bleibt aus. Stattdessen zeigt mir Holger, der hauptberuflich als Instandhaltungsplaner arbeitet, anschaulich, wie ich posieren soll – und das sorgt nicht nur für ein Sicherheitsgefühl bei mir, sondern auch für den einen oder anderen Lacher. Sein großes Engagement beruht auf der Bedeutung, die das Fotografieren für ihn hat: „Für mich ist es Lebensinhalt und Bestätigung; aber vordergründig das Kennenlernen der Menschen, die Rückmeldung der Menschen, die ich fotografiere. Wenn ein Shooting gelingt, sehe ich Freude und Glück in ihren Augen.“

Und genau diese Freude empfinde ich nach den ersten paar Fotos auch. Mit jedem Outfit schlüpfe ich gleichzeitig auch in eine andere Rolle, fühle mich anders und bewege mich anders. Aber Spaß ist nicht das einzige, das ich mit fortschreitender Zeit spüre: In unbequemen Posen entspannt aussehen, möglichst wenig blinzeln, konzentriert sein – jetzt kann ich zumindest teilweise nachvollziehen, weshalb einige Models „für ein bisschen rumstehen und gut aussehen“ so gut bezahlt werden.

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als ich Natascha und Holger gegen 20.30 Uhr das letzte Outfit – ursprünglich sollten Lederleggings und hohe Hacken eine Art Rock-Outfit-light darstellen – präsentiere, habe die beiden eine Idee, die mich zuerst ein wenig aus dem Konzept bringt. Doch sei es nun dem Anflug von Müdigkeit oder meiner aufkeimenden Experimentierfreudigkeit geschuldet, ich ziehe mit. Und erschrecke mich eine gute halbe Stunde später vor mir selbst: Bauchnabellange, schwarze Locken mit knallroten Strähnchen, dunkel geschminkte Augen und eine schwarze Corsage machen aus meinem Rock-Outfit-light ein Horror-Outfit-deluxe. Wie passend, dass Natascha in ihrem Fundus noch einen Totenkopf findet, mit dem ich dann posieren darf…

Nach den schwarz-roten Haarteilen ist dann natürlich auch noch eine blonde Barockperücke dran und ich mache erstmalig Bekanntschaft mit aufklebbaren Wimpern, die zwar grandios aussehen, es mir aber schier unmöglich machen, die Augen offen zu halten. Wie schaffen es die Mädels, die sowas täglich tragen, nur nicht dauerhaft mit Schlafzimmerblick in die Welt hinaus zu schauen?

Kurz nach 22 Uhr ist dann alles im Kasten: Sechs verschiedene Looks, drei verschiedene Haarfarben, zwei durchgeknallte Künstler und eine erschöpfte, aber glückliche Journalistin.

Ungewohnter Anblick: Face2Face-Chefredakteurin Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Ungewohnter Anblick: Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie habe ich mich nun aber bei meinem ersten professionellen Fotoshooting angestellt, lieber Holger? „Um ehrlich zu sein, war es mit dir wirklich sehr leicht. Es hat schlicht und ergreifend gepasst und sehr viel Spaß gemacht.“ Na, wenn das mal nicht ein gelungener Abschluss für einen spannenden Selbstversuch ist…

Mein Fazit: Modeln ist alles andere als Kleiderständer spielen, es erfordert Disziplin und Konzentration – aber vor allem macht es riesigen Spaß!

Kontakt:
Fotoshooting Mannheim – Holger Thomas Photographie
0160 95012649
Foto-H.Thomas@directbox.com

Vorschau: Nächsten Dienstag erfahrt ihr im Panorama wo sich der reisende Koffer der Viva con Agua-Organisation gerade befindet und welche Ziele noch vor ihm liegen.

 

Selbstversuch Playbook

Es war an einem Samstag, den 13. September 2008, als die Karten zwischen Mann und Frau neu gemischt wurden. Die ProSiebenSat1-Media strahlte die erste Folge einer Serie aus, die in Amerika bereits erfolgreich lief und in Deutschland zur neuen Lieblingssendung aufsteigen sollte: How I met your Mother.

Abgesehen von den Alltags- und Liebesgeschichten der Figuren avancierte sehr schnell eine Figur aus Besetzung zum absoluten Publikumsliebling: Der stehts einen maßgeschneiderten Anzug tragende Barney Stinson. Die Figur zeichnet sich dadurch aus, dass er auf die wohl kreativste Art und Weise Frauen klarmacht. Hier hat sich die Face2Face-Redaktion gedacht, ob man zwischen der Fantasiewelt des Fernsehens und dem wahren Leben einen Bogen spannen kann.

Wie funktionieren die Anmachtricks des schillernden Helden Barney Stinson im echten Leben?

Mit freundlicher Unterstützung erhielt die Face2Face-Redaktion das Playbook vom riva-Verlag. Dieses bibelgleiche Buch führt alle Anmachtricks von Stinson auf und ermöglicht es dem Leser, laut der Aufschrift auf dem Cover, spielend leicht Mädels klarzumachen“. Um diese These zu überprüfen zu können, hieß es somit am Freitag, den 24. Mai „Suit Up“ (zu Deutsch: Anzug an).

Zuvor sollten allerdings Maßnahmen für die erfolgreiche Umsetzung der Anmachtricks getroffen werden. Zum Einen kann es nie schaden, wenn man einen Wingman (Partner zum Aufreißen von Frauen) – in meinem Fall sogar zwei – an der Seite hat und zum Anderen müssen die Tricks zuerst einmal genauesten studiert und selektiert werden. Beim Lesen des Buches fiel gleich auf, dass man für die Umsetzung der Tricks mehr als nur einen Anzug oder zumindest ein Sakko und gute Schuhe anziehen muss.

Am Beispiel des Tricks Legionär“ muss man nicht nur sich als Soldat ausgeben, sonder auch dem Militär zwangsläufig beitreten. Aus beruflichen sowie zeitlichen Konflikte verwarf ich diesen Trick ziemlich schnell. Auf Grund gesetzlicher Konflikte musste ich auch bei der Schaufensterpuppe“ passen, da es mir leider unmöglich war in ein Geschäft einzubrechen und mich als lebendig gewordene Schaufensterpuppe zeigen zu können. Man musste sich somit Tricks aussuchen, die sich durch ihre Spontanität auszeichnen und auch zu dem Probanden passen.

Die Bibel für Barney Stinson: Das Playbook (Foto: spies)

Die Bibel für Barney Stinson: Das Playbook (Foto: spies)

In Mannheim angekommen liefen die beiden Wingmen und der Proband erst einmal in eine Bar, um die Tricks noch einmal zu besprechen und die kommende Strategie festzulegen. Nach ein paar „Astras“ und dem passenden Shot Wundertüte“, ging man in eine gut besuchte Bar in Mannheim und ließ sich einfach mal Überraschen, was an diesem Abend noch so kommen mag. Am Tresen der Bar angekommen fielen gleich zwei Frauen auf, die nur auf einen Barney gewartet haben. Allerdings musste die Strategie geändert werden, da der Trick für zwei Frauen gleichzeitig gelten musste. Somit wurde Der Schriftsteller“ gespielt. Laut Buch liegt hier die Erfolgsquote bei 18 % und die Frau muss ein Buch in der Hand halten. Da das leider nicht der Fall war, holte ich mein Notizbuch heraus und ging auf die Beiden zu. Mit den Worten Ich schreibe ein Buch und deine Freundin sieht perfekt für eine der Figuren aus. Kannst du mir ein bisschen was über sie erzählen?“ sprach ich eine der beiden Frauen an. Nach einem kurzen Stutzen, bekam ich ein Lächeln und schon gingen die beiden Frauen darauf ein. Da Eis war gebrochen und der Trick funktioniert sogar. Die beiden Frauen, nennen wir sie hier Laura und Selina, plauderten ausgiebig mit mir und ich ging in meiner Rolle als Schriftsteller voll auf. Ich erzählte Ihnen von dem Buch und es gefiel den beiden. Nun wurde es ernst: Ich fragte nach Ihren Handynummern. Und da erhielt ich die erste Absage, sie gaben mir allerdings ihre E-Mail-Adressen. Naja ein Trostpreis ist schließlich auch eine Trophäe, dachte ich mir und verabschiedete mich höflich.

Nun musste ein neuer Trick her. Da meine beiden Wingmen leider unabkömmlich waren, da sich ein Kicker im selben Raum befand, musste ich mich allein als urbaner Krieger mit Sakko auf die Jagd begeben. Ich hatte gemerkt: Wenn man überzeugt an einem Trick festhielt, konnte die Illusion über das Unverständnis siegen und der Trick würde funktionieren. Es wurde also Zeit für einen Höhepunkt dieser Inszenierung und ich ging auf eine Frau zu und versuchte den Pistole auf die Brust“. Die Erfolgsquote liegt hier, laut Playbook, bei 25 %, also höher als bei dem Schriftsteller“. Ich ging also auf sie zu und fragte gezielt und bestimmt: Willst du mit mir schlafen?“. Nach einem kurzen verständnislosen Blick kam allerdings ein kurzes Nein“ das von einem kleinen aber sehr deutlichen Kopfschütteln begleitet wurde. Nun dann gehörte ich hier also auch eher zu den 75 % die mit der Bahn „Abfuhr“ in das Tal „Heute-schläfst-du-allein!“ fahren.

Nach einer kurzen Absprache mit den Wingmen, die bereits ihr siebtes Spiel in Folge gewonnen hatten, fasste ich wieder Mut und es folgte der 3. Versuch: „Der Freund von Michael“. Ich starte diesen Trick mit einer vom Buch ausgeschriebenen Erfolgsquote von 90 %. Der Schwachpunkt ist in dem Buch folgendermaßen eingetragen: Wer ist Michael?“. Die begründete Frage könnte somit auch diesen Trick scheitern lassen. Ich setze mich also neben eine neue Auserwählte und gebe mich ganz überrascht und sage brav aus dem Playbook auswendig gelernt: Mensch, das ist ja toll, dass wir uns wiedersehen! Du, sei mir nicht böse, aber ich weiß nicht mehr, wie du heißt.“ Nachdem sie mir ihren Namen verraten hat, erwidert sie, dass sie mich aber sicherlich noch nie zuvor gesehen hat. Das ist der Moment an dem ich angebe, ein Freund von Michael zu sein. Leider kam es, wie es kommen musste und sie fragt mich Von welchem Michael denn?!“. Als ich ihr sage, dass ich leider den Nachnamen vergessen habe, aber es wirklich schön ist, sie wieder zu sehen, kommt mir die Idee: Ich verbinde zwei Tricks. Ich füge also schnell noch hinterher, dass ich Schriftsteller bin und sie ideal für mein Buch ist, dass ich gerade schreibe. Ein paar Minuten später schreibt sie mir ihre Handynummer in mein Notizbuch. Die Mission ist erfüllt.

Am Ende war das abschließende Resultat zwei Handynummern, zwei E-Mail-Adressen, ein Bild von einer Lotusblüte und ein Gedicht. Es lässt sich also sagen, dass es durchaus möglich ist, die Tricks aus dem Playbook in der wahren Welt anzuwenden, allerdings sollte man doch ein gewisses schauspielerisches Talent besitzen. Der Proband verließ somit die Bar mit einem großen Grinsen und die beiden Wingmen hatten ebenfalls etwas zu feiern: Sie waren den ganzen Abend die ungeschlagenen Meister am Kicker.

Vorschau: Und nächste Woche lest ihr hier etwas über zwei junge Unternehmensgründer auf dem Weg zum Erfolg.

Und Tschüss, Welt…

Facebook, studiVZ, mal eben die Mails checken, schnell mal etwas nachgooglen, um wieder im Bilde zu sein, und dann noch ein rascher Abstecher zur virtuellen H&M Seite. Nebenbei noch die SMS der besten Freundin beantworten und nicht den Rückruf bei einem Freund vergessen. Ganz wichtig! Tja, wer kennt das nicht? Immer und überall will und muss man erreichbar sein. Egal, wie – ob per Internet, Telefon, Handy. Wer schreibt heutzutage noch altmodische Briefe, wo es doch so etwas Praktisches wie die elektrische Post gibt? Aber das ist wieder ein anderes Kapitel…

 Denn heute geht es nicht um einen Aufruf zum mehr Briefeschreiben, sondern um einen Selbstversuch der besonderen Art. Und zwar habe ich mir für meinen Urlaub etwas ganz Besonderes überlegt. Ich habe nämlich sozusagen ganze 2 Wochen gefastet. Ja, ihr habt richtig gehört: Gefastet. Keine Schokolade oder so etwas in der Art, nein, ich habe dem ganzen „Immer-und-überall-erreichbar-sein-Müssen“ den Kampf angesagt und sowohl auf das Internet als auch auf das Handy verzichtet (Telefon hatte ich keines im Urlaub). Gut, das Handy hatte ich zwar dabei – für den Notfall, es aber nur zweimal eingeschaltet. Einmal bei einem Städtetrip und einmal als ich mit dem Rad in der Natur unterwegs war. Man weiß schließlich nie, was einem da so über den Weg läuft oder ob sich nicht vielleicht der Reifen überlegt, ein Eigenleben zu entwickeln und an einem ungünstigen Ort die Luft zu verlieren. Also habe ich an diesen zwei Tagen mein mir selbst auferlegtes Enthaltsamkeitsgelübde vernachlässigt und das Handy angeschaltet. Aber beim Internet war ich hartnäckig. Und ich muss sagen: Es hat nicht geschadet. Im Gegenteil.

 Gut, um ehrlich zu sein waren die ersten Tage ziemlich hart. Gerade wenn man viel im Internet unterwegs ist und oft in den sogenannten Social Networks vorbeischaut oder seine E-Mails checkt, ist das nicht gerade ein Spaziergang. Es hat mich starke Nerven und eiserne Disziplin gekostet, den vielseitigen Reizen der virtuellen Welt zu widerstehen. Aber ich bin stark geblieben und habe Verzicht geübt. Und nach einer Woche hatte ich mich wirklich schon soweit an meine Abstinenz gewöhnt, sodass ich nicht mehr wirklich einen Gedanken an das worldwideweb verschwendet habe.

 Es sei denn, es überkamen einem abends tiefsinnige Fragen über das Sein und Nicht-Sein im Allgemeinen und über die Geschichte der Menschheit im Allgemeinen. Oder es überkam mich der seltsame Drang die Namen sämtlicher Hauptstädte der Welt zu erfahren. Tja, normalerweise konnte man das ja schnell man googlen und – schwups! – schon hatte man die Antwort. Schwarz auf weiß. Vor sich auf dem Schirm und schon war man um eine Erkenntnis reicher. Bei mir leider weit gefehlt. Und wer jetzt denkt: Warum macht die nicht einfach ihr Handy an und schaut nach? Immerhin hat man doch jetzt auch auf dem Handy Internet. Tja, da muss ich euch Lieben leider sagen, dass ich noch zu der mittlerweile fast „altmodischen“ Sorte Mensch gehöre, die ein altes Nokia haben und somit keine Apps besitzen, einen Internetzugang vom Handy aus oder was es sonst noch mittlerweile so für das kleine, flache Mobiltelefon gibt. Also war googlen nicht drin, sprich: Ich musste bis zum nächsten Morgen warten, um mich dann in einer Buchhandlung schlau zu machen oder ich ließ es einfach bleiben. Der Einfachheit halber habe ich es dann auch nach dem zweiten Mal gelassen. War dann doch etwas umständlich und die Dame aus der Buchabteilung hat irgendwann auch seltsam geschaut…

 Um aber wieder auf meinen Selbstversuch zu sprechen zu kommen, kann ich abschließend wirklich mit Überzeugung sagen, dass ich das kleine Experiment nicht bereue. Es hat mir einmal mehr gezeigt, wie abhängig wir vom Internet geworden sind und mit welcher fast schon erschreckenden Selbstverständlichkeit wir das Netz nutzen. Zwei Wochen frei von all dem – das hat mir wirklich gut getan. Ich konnte den Urlaub dieses Mal wirklich genießen, weil ich mich durch nichts habe stören lassen. Keine Hiobsbotschaften per E-Mail, SMS oder über eines der social networks. Einfach nur Ruhe. Das hat die Urlaubsstimmung sehr beeinflusst. Ich konnte abschalten und neue Kräfte für den Alltag tanken. Mich ganz auf mich konzentrieren, ohne mich mit irgendetwas beschäftigen zu müssen, was nicht mit meinem Urlaub zu tun hatte. Von daher stimmt der Rat von Psychologen, im Urlaub das Handy ausgeschaltet und den Laptop zu Hause zu lassen.

 Natürlich bin ich nach den zwei Wochen auch wieder froh gewesen, wieder Internet zu haben und mein Handy wieder zu benutzen. Denn ganz ohne das geht es heutzutage wirklich schlecht, das hat mir gleich mein volles E-Mail Postfach und die Nachrichten auf facebook bestätigt. Auf der anderen Seite waren sie auch wieder ein Beweis dafür, dass ein wenig Abstand niemals verkehrt sein kann. Die Dinge einfach mal ruhen lassen und sich nur auf sich konzentrieren. Etwas, das ich so schnell nicht vergessen werde und deshalb heißt es auch im nächsten Urlaub wieder: „Und tschüss, Welt!“

 Und wie sieht das bei euch aus? Seid ihr im Urlaub jederzeit und über alles erreichbar oder könnt ihr auch darauf verzichten?

Eure Lea

Vorschau: Lea betrachtet mal die Wetterturbulenzen und berichtet, warum ihrer Meinung nach trotzdem Sommer ist.