Selbst ist die (Karriere-) Frau

Normalerweise bin ich ein sehr sozialer Mensch – ich nehme mir viel Zeit meine Freundschaften zu pflegen und stelle deshalb manchmal die Arbeit hinten an. Was passiert aber, wenn ich mich in verschiedenen Situationen meines Alttags so verhalten würde, wie man es von einer typischen Karrierefrau erwarten würde? Wie reagiert mein Umfeld und wie fühle ich mich selbst dabei? Startschuss für einen Selbstversuch!

Bücher und Definitionen statt Hanabi und Wizard



Als Karrierefrau stürze ich mich in die Arbeit und nehme keine Rücksicht auf mein Privatleben (Foto: M. Boudot)

Es ist Sonntagabend und in unserer WG ist mal wieder ein Spieleabend geplant. Normalerweise spiele ich mit Begeisterung mit, aber heute nehme ich keine Rücksicht auf mein Privatleben, sondern widme mich dem Stoff meines Studiums. Als „Karrierefrau“ steht die Arbeit bei mir nämlich an erster Stelle und Familie und Freunde finden da kaum Platz. Statt Hanabi, Wizard und Siedler zu spielen, versinke ich in meinen Büchern. Blöd nur, dass ich meine Mitbewohner immer wieder lachen höre. Sie scheinen einen spaßigen Abend zu haben – im Gegensatz zu mir. Nach getaner Arbeit bin ich zwar stolz auf meine Produktivität, aber ich gehe doch eher mit schlechterer Laune ins Bett. Am nächsten Morgen frustriert mich meine Abwesenheit am gestrigen Abend sogar noch mehr, denn das Erste, was mir meine Mitbewohner beim Frühstück mitteilen ist: „Du hast echt was verpasst!“

Herausgeputzt für Elyas M’Barek

Mein neues Outfit als Karrierefrau: Bluse, Blazer und Rock (Foto: M. Boudot)

Am Dienstag bin ich mit meinen Mädels im Kino verabredet. Da ich mitten im Selbstversuch stecke, nutze ich die Chance mich mal richtig herauszuputzen – eben wie eine typische Karrierefrau. Also krame ich Rock, Bluse, Blazer und hohe Schuhe aus dem Schrank und mache mich auf den Weg zum Kino. Schon unterwegs fühle ich mich etwas unwohl und werde vor allem von Jugendlichen angestarrt und begutachtet. Im Kino angekommen bekomme ich ein „Was hast du denn heute Abend noch vor?“ von meinen Freundinnen zur Begrüßung – na toll. Ist wohl nicht unbedingt das perfekte Outfit für „Fack ju Göhte“. Dass meine Abendgarderobe ein absoluter Fehlgriff war, wird mir während des Films bewusst. Der Bund vom Rock drückt auf meine Blase, mein Blazer stremmt und meine Schuhe sind auch alles andere als bequem. Das typische Selbstbewusstsein einer Karrierefrau strahle ich an diesem Abend also ganz bestimmt nicht aus.

Tennistraining à la Angelique Kerber

Zielstrebig, diszipliniert und ausdauernd – diese Merkmale einer Karrierefrau habe ich mir für mein Tennistraining am Mittwoch vorgenommen. Zehn Minuten vor Trainingsbeginn komme ich an der Halle an, um pünktlich umgezogen auf dem Platz zu erscheinen – mit vollster Motivation versteht sich. Während des Trainings tänzle ich immer wieder, bleibe nicht stehen und absolviere die Übungen öfter, als es die Trainerin gefordert hat, bis zu ihrem Kommentar „Du musst die Übungen doch garnicht so oft machen.“ Ich habe ihr nichts von meinem Selbstversuch erzählt, weshalb sich die Situation etwas merkwürdig und unangenehm anfühlt. Die Ansprüche an mich selbst habe ich bewusst extrem hochgeschraubt. Dadurch habe ich allerdings oft leichte Fehler gemacht und mich darüber geärgert. Trotzdem habe ich während des Trainings viel Lob von meiner Trainerin bekommen, habe mich am Ende richtig ausgepowert, aber gut gefühlt. Am Tag darauf folgte dann der Muskelkater…

Fazit meines Selbstversuchs

Eigenschaften einer Karrierefrau, wie schicke Kleidung zu tragen, keine Rücksicht auf das Privatleben nehmen oder diszipliniert und zielstrebig zu sein, für kurze Zeit in meinen Alltag zu integrieren, war keine schwere Aufgabe.
Allerdings möchte ich nicht immer auf Unternehmungen mit meinen Freunden verzichten und mich stattdessen in meiner Arbeit verlieren. Ich kann mir nämlich sehr gut vorstellen, dass man sich dadurch schnell einsam fühlt und das wäre nichts für mich.
Auch trage ich lieber bequemere Kleidung, als Rock und Bluse – Karrierefrauen wird nämlich nachgesagt, dass sie diese nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in ihrer Freizeit tragen.
Zielstrebig und diszipliniert an etwas heranzugehen finde ich dagegen ein sehr gutes Merkmal. Karrierefrauen sind ja nicht ohne Grund erfolgreich. In Zukunft möchte ich versuchen diese Eigenschaften häufiger in meinen Alttag zu integrieren, ohne mich dabei selbst zu sehr unter Druck zu setzen.

Rohkost und Fitness – „FitnRaw“ im Selbstversuch

Fit werden mit Rohkost – geht das überhaupt? Sabine aus Remscheid, Gewinnerin des FitnRaw-Gewinnspiels, hat das für uns getestet. Vier Wochen lang „kochte“ und trainierte sich die 33-jährige Mediengestalterin durch das Fitness- und Ernährungsprogramm „FitnRaw“. Ihr unabhängiges Fazit – nur auf Face2Face.

Gesünder und ausgeglichener dank Rohkost?

Viermal die Woche mache ich Kraftsport – beim Fitness-Teil des Online-Kurses sehe ich also keine größeren Probleme auf mich zu kommen. Bauchschmerzen bereitet mir dagegen der Ernährungs-Part: Ich esse zwar bereits rein pflanzlich, aber komplett auf Rohkost umzustellen, wird sicher eine Herausforderung. Wieso ich „FitnRaw“ trotzdem unbedingt ausprobieren will?
Ich denke, dass ich mit dem richtigen Wissen über Rohkost noch einiges mehr an sportlicher Leistung und gesundheitlichem Wohlbefinden erreichen kann. Außerdem verspreche ich mir eine gesündere und ausgeglichenere Darmflora. Mal schauen, was sich innerhalb der kommenden vier Wochen tut!

Woche 1: Nicht zu streng mit sich sein

Kommt gut an: Rohkost-Pizza (Foto: Sabine)

Kommt gut an: Rohkost-Pizza (Foto: Sabine)

Mit einem Morgenritual in den Tag starten – das gefällt mir gleich zu Anfang richtig gut und lässt sich auch super in den Alltag integrieren. Bei den anderen Übungen fehlt es mir noch ein bisschen an Balance und Beweglichkeit, aber das kommt hoffentlich noch!
Eine Aufgabe der ersten Woche besteht darin, Rezepte für leckere Rohkost-Mahlzeiten zu suchen und sie dann auszuprobieren – das macht richtig Spaß. Weniger Spaß hatte ich dabei, meinem Partner warmes Essen vorzubereiten, während ich nur etwas Kaltes bekommen habe.
Der Appetit auf etwas Warmes war leider da – auch wenn alles, vor allem die grünen Smoothies, sehr lecker war. Außerdem hatte ich mit Verdauungsproblemen zu kämpfen und war zeitlich damit überfordert, meine Rohkosternährung richtig zu planen. Die erste Woche hat mich definitiv gelehrt, dass aller Anfang schwer ist. Aber ich habe auch gelernt, dass man nicht zu streng mit sich selbst sein darf, wenn etwas mal nicht so klappt. Also mache ich einfach weiter!

Woche 2: Altes loslassen und Platz für Neues schaffen

Die Rohkostpizza war ein Gedicht! Mein Partner war sogar neidisch, sodass ich am Wochenende nochmal eine zubereiten durfte. Neben Essen und Sport ging es die Woche auch ans Mindset: Bei einer Selbstdiagnose sollte ich unter anderem negative „Ich bin“-Aussagen treffen. Das ist mir eher schwergefallen, weil ich mich doch als sehr positiven Menschen bezeichnen würde.
Das Zubereiten der Speisen hat dagegen wieder sehr viel Spaß gemacht und ich bin wirklich überrascht, wie schnell man neue Gewohnheiten in seinen Alltag einbringen kann, wenn der Wille stark genug ist.
Ich fühle mich diese Woche viel besser als in der ersten. Die Verdauungsprobleme haben sich gelegt und ich spüre insgesamt eine Verbesserung.

Woche 3: Kleine Veränderungen, große Wirkung

Grüne Smoothie-Bowls: Richtig lecker, findet Sabine (Foto: Sabine)

Grüne Smoothie-Bowls: Richtig lecker, findet Sabine (Foto: Sabine)

Ich fühle mich super! In dieser Woche habe ich mich sehr mit Gewohnheiten und Veränderungen beschäftigt. Jeden Tag Liegestützen machen, das Handy auch mal auslassen oder den Schrank ausmisten – alles vermeintliche Kleinigkeiten, die aber doch richtig guttun.
Der sportliche Part hat mir die Woche auch sehr gut gefallen: Das leichte Beintraining ist super für zu Hause oder wenn man mal unterwegs ist, nicht so viel Zeit hat, sich aber trotzdem bewegen möchte. Insgesamt komme ich mit den Übungen gut zurecht, obwohl mir manchmal etwas die Puste fehlt. Da merke ich dann, dass Ausdauertraining auch wichtig ist.
Beim Essen bin ich zwiegespalten: Kürbissuppe schmeckt mir warm und mit Kokosmilch einfach besser als in der Rohkostversion. Dagegen waren die Zucchini-Karotten-Zoodles mit Tomatensauce und Hefeflocken richtig lecker.
Ich finde es toll, dass ich immer weiter an mir arbeiten kann, wenn ich nur erstmal die Blockaden in meinem Kopf löse.

Woche 4: Sonnengruß und Wirsing-Chips

Ich habe eine neue Lieblingsübung: Den Sonnengruß! Dabei kommt der Kreislauf in Schwung und der ganzen Körper wird gedehnt. Man kann die Übung auch einfach zwischendurch mal machen, wenn man sich gerade abgeschlagen oder müde fühlt, einem kalt ist und man sich etwas aufwärmen will. Perfekte Übung – Daumen hoch! Außerdem habe ich festgestellt, wie entspannend ein kleines Workout am Abend sein kann.
Essenstechnisch waren die marinierten Wirsing-Chips aus dem Dörrautomaten eine echte Offenbarung für mich: einfach eine super-leckere Knabberei für zwischendurch.

Fitter, frischer, wacher

Alltagstauglich: Sport im eigenen Wohnzimmer (Foto: Sabine)

Alltagstauglich: Sport im eigenen Wohnzimmer (Foto: Sabine)

Mein Fazit nach vier Wochen „FitnRaw“: Zu 100% Rohkost kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre mir auf Dauer zu anstrengend. Vor allem das Essengehen mit Freunden und das spontane Eis in der Sonne oder Popcorn im Kino haben mir gefehlt.
Auf jeden Fall werde ich aber mehr Rohkost oder auch komplette Rohkosttage in meinen Alltag integrieren. Damit fühle ich mich einfach viel fitter, frischer und wacher.
„FitnRaw“ ist ein gutes Einsteigerprogramm: Nelly gibt einen spannenden Einblick in Sachen Rohkosternährung und Kay motiviert zum Sport und zu Veränderungen im gesamten Lebensstil.
Etwas gefehlt haben mir Angaben zu Kalorien, Nährstoffen und Vitaminen, damit ich auch weiß, wie viel von welchen Lebensmitteln ich zu mir nehmen sollte.
Was ich auf jeden Fall beibehalten werde, ist das Morgenritual, damit ich immer gut in den Tag starten kann, und die Motivation, etwas zu ändern, wenn ich es wirklich will.

Fit in den eigenen vier Wänden?

„Bodyweight-Training“ – so heißt ein Trend, der sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit erfreut. Programme von bekannten Trainern wie Mark Lauren oder Paul Wade wollen zum Sporteln in den eigenen vier Wänden animieren. Sie versprechen Fitness mit wenig Kosten und Aufwand. Doch halten sie, was sie versprechen? Wir von Face2Face haben es ausprobiert.

Immer ins teure Fitnessstudio?

Ist Muskelaufbau mit Übungen zu Hause wirklich möglich?

Ist Muskelaufbau mit Übungen zu Hause wirklich möglich? (Foto: DrSJS/pixabay.de)

Als Radsportler habe ich immer wieder mit Problemen in Rücken und Oberkörper zu kämpfen. Wer mehr als 10.000 Kilometer pro Jahr in geduckter Haltung im Sattel hockt, vernachlässigt natürlich bestimmte Muskelgruppen und bekommt prompt die Quittung dafür. Ein ausgleichendes Kraftprogramm ist für Radfahrer deshalb Pflicht. Aber immer ins teure Fitnessstudio? Das ist mir persönlich nicht nur zu kostspielig, sondern auch zu stressig. Eine vielversprechende Alternative bietet das Buch „Fit ohne Geräte“ von Mark Lauren. Dort beschreibt der ehemalige US-Militär, wie man ohne Fitnessstudio und Geräte zu Hause fit werden kann. Das will ich gleich mal ausprobieren!

Einsteiger oder Fortgeschrittener?

Zunächst einmal muss ich mir aus den angebotenen Programmen ein passendes aussuchen. Es gibt vier Level: ein Einsteigerprogramm, „First Class“, „Master Class“ und „Chief Class“. Für jedes Programm ist auch angegeben, welche Übungen man schon schaffen sollte. Die Beinübungen könnte ich vielleicht sogar in der Master oder Chief Class packen, aber meine Arme sind alles andere als durchtrainiert. Deswegen bleibe ich realistisch und fange mit der Stufe „First Class“ an, das absolute Anfängerprogramm kommt mir doch zu einfach vor.

Einarbeiten und los geht’s!

Bei einem ersten Blick ins detaillierte Trainingsprogramm bin ich froh, dass ich durch mein intensives Rennradtraining schon ein gewisses Hintergrundwissen in Sachen Trainingslehre habe. Ansonsten wäre es schon eine Herausforderung, die Beschreibung zu Strukturen wie „Stufenintervall“ oder „Supersatz“ zu verstehen. Wer ganz neu mit eigenständigem Training anfängt, sollte also mit etwas Einarbeitungszeit rechnen. Es gibt zwar auch eine App parallel zum Buch, die zusätzliche Anleitung bietet. Dafür muss man aber extra bezahlen.

Tag 1: 120 Liegestützen

Ich überfliege die Programme nur kurz und entscheide mich dann etwas ungeduldig, sofort mit dem ersten Tagesprogramm zu starten. Zunächst ein paar Liegestütze – klingt ja sehr simpel. Aber nicht, wenn man sie so macht, wie vom Plan gefordert. Eine Liegestütze, Pause – zwei Liegestütze, Pause, drei… dieses Spiel geht immer weiter, bis man fast nicht mehr kann. Dann soll man rückwärts arbeiten, also zum Beispiel zehn Liegestütze Pause – neun Liegestütze, Pause, acht…. Insgesamt dauert der Spaß 7:30 Minuten lang. Ja, ganze 7:30 Minuten. Solche Schmerzen hatte ich in den Armen schon lange nicht mehr, summa summarum komme ich schließlich auf knapp 120 Liegestütze. Eine absolut ungewohnte Belastung für mich.

Minuspunkt: Sportgeräte selbst zusammenzimmern

Skepsis: Die Konstruktion zum "Umgekehrten Bankrdücken" scheint nicht sehr vertrauenserweckend

Zweifelhaft: Die Konstruktion zum „Umgekehrten Bankdrücken“ sieht nicht sehr stabil aus (Foto: Resch)

Die nächste Übung nennt sich „Umgekehrtes Bankdrücken“. Dazu brauche ich einen Besenstiel, den ich irgendwo so hinlegen soll, dass ich eine Art tiefes Reck erhalte. Als Vorschlag sind zwei Stühle abgebildet. Eigentlich heißt das Programm ja „Fit OHNE Geräte“ und jetzt muss ich mir doch irgendwie ein eigenes Reck zimmern. Das ist einfacher gesagt als getan. Wo finde ich schon zwei gleich hohe Flächen, die beide stabil genug sind, um Sportübungen auszuhalten? Hier ist definitiv Kreativität gefragt. Irgendwie schaffe ich es zwar, das Gerät aufzubauen, aber ich vertraue der Konstruktion nicht so ganz. Lieber folge ich dem Alternativtipp im Buch und ziehe mich an der Kante meines massiven Wohnzimmertisches hoch – sicher ist sicher.

Skepsis in Sachen Reisetauglichkeit

In den eigenen vier Wänden ist es irgendwie ja möglich, so ein Behelfsgerät zu basteln. Auf Reisen stelle ich mir das aber so gut wie unmöglich vor – wer schleppt schon einen Besenstiel im Koffer mit? Das enttäuscht mich schon ein bisschen, denn immerhin wirbt das Programm damit, auch auf Reisen problemlos machbar zu sein. Der Vorschlag mit dem Tisch ist zwar ganz gut und eher reisetauglich, trotzdem bin ich nicht völlig überzeugt.

Geschafft dank Fliegengewichts

Überrascht: Die morsche Tür hält meine Klimmzüge anstandslos aus

Überrascht: Die morsche Tür hält meine Klimmzüge anstandslos aus (Foto: Resch)

Nach einer weiteren Liegestütz-Variante – meine Arme schreien um Erbarmen – soll ich nun noch Klimmzüge an der Tür machen. Die Abbildung im Buch sieht interessant aus. Sehr interessant, wenn man bedenkt, dass in meiner Münchner Altbauwohnung die Türen schon bessere Zeiten gesehen haben. Was soll’s, ich probiere es trotzdem. Und siehe da, es funktioniert. Ich habe zwar insgesamt ein mulmiges Gefühl, aber die Tür und auch die sensiblen Scharniere tolerieren mein Gezerre. Zum Glück bin ich klein und durch meine alpine Radlerei ein Fliegengewicht. Bei einem durchschnittlich schweren 70 bis 80 Kilogramm-Mann würde meine Tür sicher kapitulieren.

Zu leicht oder doch zu schwer?

Nach dem ersten Workout weiß ich schon mal eines: Effektiv sind die Übungen, meine Arme brennen wie Feuer. Neugierig schaue ich mir das Programm der folgenden Tage an und probiere schon einmal ein paar Übungen aus. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich tatsächlich etwas ungleichmäßig trainiert bin. Die Beinübungen aus diesem Programm sind mir viel zu leicht, während mich die Oberkörperübungen an den Rand meiner Möglichkeiten bringen. Das heißt für mich persönlich, dass ich ein bisschen umdisponieren muss. Immerhin möchte ich meine Beinkraft auch verbessern. Entsprechend muss ich das Programm etwas anpassen und aus dem Buch schwerere Beinübungen aussuchen. Obwohl ich von Training und der Theorie dahinter einiges verstehe, dauert das ein gutes Weilchen. Ohne entsprechendes Vorwissen dürfte ein individuelles Maßprogramm wohl unmöglich sein.

Nach knappen zwei Tassen Kaffee habe ich dann mein individuelles Programm zusammengebastelt. Mal schauen, ob es am Ende meine Erwartungen erfüllen wird.

Mein Fazit zum Bodyweight-Training

Doch schon jetzt steht für mich fest: Sinnvoll ist das Training auf jeden Fall. Ich brauche keine Geräte im Fitness-Center, um mich so richtig müde zu machen. Zwar brauche ich auch beim Bodyweight-Training ein paar Hilfsmittel, aber mit ein bisschen Ideenreichtum kann man sich das alles zusammenbauen. Mit der Zweckentfremdung von Putzutensilien bleibt der Spaß auch kostenfrei. So spare ich definitiv Geld und auch Zeit, ich bin sehr flexibel, kann trainieren, wann ich will.

Das geht aber nur, weil ich schon ein bisschen Ahnung von Trainingslehre habe. Wer als kompletter Neuling anfängt, sollte entweder viel Zeit zum Einarbeiten einplanen oder sich den Rat von erfahrenen Sportlern suchen. Für ein individuelles und gesundes Programm muss man immerhin viele Dinge berücksichtigen. Muskuläre Dysbalancen, Gelenkprobleme, Haltungsfehler oder anderer Verletzungen muss man genauso beachten wie den eigenen Fitness-Stand und die persönliche Regenerationsfähigkeit.

Trotz kleiner Probleme im Detail, ist das Training mit dem eigenen Körpergewicht zweifelsohne einen Versuch wert. Ob man allein mit diesem Training wirklich fit werden kann, wage ich zwar zu bezweifeln. Irgendeine andere Sportart sollte man vielleicht doch machen, so wie ich definitiv meinem Rennrad treu bleiben werde, aber als Ausgleich vor allem im Winter ist es eine echt tolle Sache.

Selbstversuch: Inwiefern werden wir durch Wahlwerbung beeinflusst?

***Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Meinungsbeitrag. Er gibt die Ansichten der Autorin wieder, nicht jedoch die der gesamten Face2Face-Redaktion. Als unabhängiges Online-Magazin ermöglichen wir unseren Mitarbeitern eine uneingeschränkte Meinungsfreiheit.***

Heute ist es soweit: Die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag findet statt. Schon seit Wochen werben die Parteien für ihre Programme und hoffen die Stimmen der Bürger für sich zu gewinnen. Aber wie genau sieht diese Werbung aus und vor allem: Wie sehr werden wir dadurch beeinflusst? Mit dieser Frage habe ich mich näher befasst und einen Selbstversuch gestartet. Bewusst habe ich darauf geachtet, wo man überall mit Werbung von Parteien konfrontiert wird und inwiefern diese mich hinsichtlich meiner Stimme manipulieren kann.

Ein wohlüberlegtes Kreuzchen
Schon einige Wochen vor der Wahl rühren die Parteien kräftig die Werbetrommel. Dadurch wird man früh mit der Bundestagswahl konfrontiert und macht sich Gedanken, wo man sein Kreuz machen wird. Das finde ich auch gut, denn schließlich sollte das keine unüberlegte Handlung sein. Wir haben nämlich das Recht auf eine Stimme, dank der wir Einfluss auf die Politik nehmen können.

Wahlplakate soweit das Auge reicht

Wahlplakate soweit das Auge reicht (Foto: M. Boudot)

Seit mehreren Wochen hängen an Straßen, Fahrrad- und Gehwegen dutzende Wahlplakate. Von überall lächeln mich diese herausgeputzten Menschen an, geben Versprechen ab und behaupten, dass ihre Partei die beste für Deutschland sei. So heißt es zum Beispiel von der SPD „Die Zukunft braucht neue Ideen und einen, der sie umsetzt“ oder von der CDU „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Klingt doch beides auf den ersten Blick vielversprechend, aber können die Parteien ihre Versprechen auch einhalten? In diesem Punkt sind sie sich ausnahmsweise alle einig und von der Umsetzbarkeit ihrer Visionen vollkommen überzeugt.

Promis werben für „ihre“ Partei
Neben zahllosen Berichten im Fernsehen, Radio und in der Zeitung, rufen auf Social Media-Plattformen, wie Facebook, Twitter und Instagram auch Prominente dazu auf, das Kreuz für eine bestimmte Partei zu machen. Handelt es sich dabei um bezahlte Kooperation oder haben sich die Promis wirklich intensiv mit dem Wahlprogramm ihrer Partei auseinandergesetzt und sind davon überzeugt? Letzterem bin ich kritisch gestimmt, fühle mich von solcher Werbung nicht angesprochen und lasse mich dadurch auch nicht beeinflussen.

Politische Stolperfallen im Alltag
Vor allem in den letzten Wochen vor der Wahl zeigen sich die Parteien präsent. So schlendere ich an einem Samstagmorgen über den Flohmarkt und entdecke neben gebrauchter Kleidung einen Stand der SPD. Eigentlich eine gute Sache, den Bürgern in ihrem Alltag die Möglichkeit zu geben sich zu informieren. Aber muss man denn wirklich überall an die Wahl erinnert werden? Mein Vorhaben gedankenlos nach tollen Schnäppchen zu suchen ist somit nicht ganz aufgegangen.

Eine Woche später stoße ich, auf dem Weg zum Supermarkt, auf Stände der CDU und Grünen. Hier gibt es neben ehrbaren Versprechen auch Werbegeschenke. Ich freue mich über meinen neuen Kugelschreiber und Notizblock, fühle mich den Parteien gegenüber aber nicht schuldig und nicht dazu gezwungen ihnen dafür etwas zurückgeben zu müssen.

Eine ganz ähnliche Situation an einem anderen Tag: Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen auf einer Liegewiese am Fluss. Am liebsten möchte ich die Seele baumeln lassen und mir über nichts Gedanken machen müssen. Doch kurze Zeit später baut die SPD einen Stand auf dem Rasen auf. Und schon wieder werde ich mit dem Thema Wahlen und mit Werbung einer Partei konfrontiert.

Alles freundliche Menschen, die das gleiche Ziel vor Augen haben – egal aus welcher Partei sie kommen: Meine Stimme für sich zu gewinnen und heute mein Kreuz vor ihrem Parteinamen zu erreichen. Gut ist, dass die Bevölkerung schon frühzeitig auf die bevorstehende Wahl aufmerksam gemacht wird und sich jeder somit rechtzeitig überlegen kann, welche Partei er in den Bundestag wählen möchte. Aber in meiner Freizeit will ich nicht dauerhaft mit dem Thema konfrontiert werden und ständig über Wahlwerbung stolpern.

Beeinflussung im engsten Kreis?
Während meines Selbstversuchs ist mir zudem aufgefallen, dass sogar meine Familie und Freunde mich hinsichtlich meiner Stimme in gewisser Weise beeinflussen können. Denn die Bundestagswahl ist in aller Munde und wird auch unter uns stark diskutiert. Familie und Freunde werben für „ihren“ Kandidaten. Der Vorteil: Ich werde auf einige Aspekte aufmerksam gemacht, die mir so vorher nicht bewusst waren und mich zum Nachdenken anregen.

Ich habe das Gefühl, dass vor allem die Meinung meiner Eltern mir hinsichtlich der Wahl und der Kandidaten wichtig ist. Denn sie sind für mich Vorbilder und nach den Normen und Werten, die sie mich gelehrt haben, strebe ich und lege Wert auf diese. So auch bei meiner Wahl eines Bundestagskandidaten.

Wähle ich wirklich frei? – Mein Fazit
Meiner Meinung nach sollte sich jeder selbst eine Meinung bilden. Dabei schadet es allerdings nicht, gewissen Input von außerhalb, zum Beispiel durch den engsten Kreis, zu bekommen. So könnt ihr verschiedene Eindrücke bekommen, unterschiedliche Meinungen vergleichen und neue Blickwinkel gewinnen. Auch die Werbung der Parteien ist hilfreich bei der Entscheidung, vor allem durch den direkte Kontakt im Alltag. Hier können noch offene Fragen beantwortet werden und man bekommt einen ganz anderen Bezug zu der Partei – auch wenn es in diesem enormen Maß lästig werden kann.

Meine Entscheidung habe ich nicht zuletzt getroffen, indem ich mich im Vorfeld über die verschiedenen Wahlprogramme der Parteien informiert habe. Das hat die Auswahl schon mal etwas eingegrenzt. Außerdem haben mir einige Fernseh-, Radiobeiträge und Zeitungsartikel bei meiner Entscheidung geholfen – ebenso wie Gespräche mit Verwandten und Freunden. Am Ende zählt meiner Meinung nach vor allem die Sympathie, die man für einen Kandidaten aufbringt und wie sich dieser präsentiert.

Egal, wie man sich letzten Endes entscheidet, wichtig ist es überhaupt zu wählen und sich somit für seine politischen Anliegen einzusetzen – also auf in die Wahllokale!

Selbstversuch: Rad(t)los in einer Fahrradstadt

Ich lebe in Freiburg, einer der zahlreichen sogenannten „Fahrradstädte“ Deutschlands. Ein Drittel der dort lebenden Menschen bewegt sich mit dem Rad von A nach B – so auch ich. Normalerweise! Für Face2Face habe ich einen Selbstversuch gestartet und eine Woche auf mein Fahrrad verzichtet.

Wohlverdienter Urlaub für’s Fahrrad
Zum Zeitpunkt des Selbstversuchs mache ich ein Praktikum und muss dafür jeden Morgen etwa fünf Kilometer in die Innenstadt fahren. In der Regel nehme ich dafür das Fahrrad und brauche etwa 15 Minuten. Das soll sich jetzt ändern! Mein Rad wird für eine Woche im Keller stehen bleiben und ich bin auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Startschuss!
Der erste Tag: Ich stehe wie gewöhnlich gegen acht Uhr auf, dann folgt die übliche Morgenroutine: Waschen, umziehen, frühstücken, packen, los! Nur eines ist heute anders: Anstatt mit dem Fahrrad werde ich, wie den Rest der Woche, mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren. Dort soll ich jeden Morgen zwischen neun und zehn Uhr erscheinen. Die Haltestelle ist etwa sieben Minuten Fußweg entfernt. Um 9:10 Uhr mache ich mich auf den Weg. In der Straßenbahn angekommen, muss ich mir erst mal ein Wochenticket für 25 Euro kaufen. Das ist für mich viel Geld und ich ärgere mich, denn im Sommer brauche ich kein Semesterticket, da ich normalerweise immer mit dem Fahrrad unterwegs bin.

In einer Fahrradstadt kommt ein Rad selten allein (Foto:M. Boudot)

In der Straßenbahn ist es morgens um die Zeit angenehm ruhig. Die wenigen Fahrgäste lesen entweder in einer Zeitung oder einem Buch, haben Kopfhörer auf den Ohren oder schauen verträumt aus dem Fenster. Ich gehöre zur zweiten Fraktion, stecke mir die Knöpfe ins Ohr und lausche der Musik. Während der Fahrt merke ich, dass ich müde werde. Am liebsten würde ich die Augen schließen und weiter schlummern. Die Straßenbahn braucht circa 15 Minuten, bis sie die Stadtmitte erreicht. Dort hält sie nur ein paar Meter von meiner Arbeitsstelle entfernt. Heute komme ich zwar nicht, wie sonst, wenn ich mit dem Rad fahre, verschwitzt und etwas außer Atem an, aber dafür deutlich müder. Außerdem war ich um einiges länger unterwegs als sonst. Nach meinem Arbeitstag steige ich gegen 18 Uhr wieder in die Straßenbahn ein. Am Abend ist es deutlich voller und nur noch wenige Sitzplätze sind frei. Ich krame erneut meine Kopfhörer aus der Tasche und versinke in der Musik. Meine Augen sind schwer und die Fahrt kommt mir ewig vor. Zuhause angekommen bin ich geschaffen vom Tag und falle schon recht früh ins Bett.

Mein Fahrrad fehlt mir
Der zweite Tag verläuft ähnlich wie der erste. Am dritten Tag führe ich am Morgen in der Straßenbahn ein kurzes aber dennoch nettes Gespräch mit einer älteren Dame und bin froh über die Abwechslung zu meiner Musik. Abends bin ich erschöpft von der Arbeit und nicht gerade abgeneigt in die Straßenbahn zu steigen, mich gemütlich zurücklehnen und entspannen zu können. Dennoch fehlt mir mein Rad, vor allem die frische Luft und die Fahrt durchs Grüne. Ich merke, dass mir die sonst übliche, sportliche Bewegung guttut und mir sowohl am Morgen als auch am Abend neuen Schwung verleiht.

In trockenen Tüchern

Mein neues Transportmittel: Eine Straßenbahn in Freiburg (Foto: M. Boudot)

Am vierten Tag, dem Donnerstag, wache ich auf und freue mich zum ersten Mal sehr mit der Straßenbahn zu fahren, denn es regnet in Strömen. Normalerweise würde ich mich jetzt in meine Regenjacke wickeln und zur Arbeit radeln, wo ich klitschnass ankommen würde. Heute kann ich mit dem Schirm in der Hand zur Haltestelle laufen und finde in der trockenen Straßenbahn Zuflucht vor dem Regen. Auch am Abend, der immer noch Unwetter mit sich bringt, bin ich froh wieder in die Straßenbahn einzusteigen.

 

 

Absolut rad(t)los!
Der nächste Tag ist zum Glück wieder trocken und sonnig. Am Abend steige ich nach der Arbeit wie gewohnt in die Straßenbahn und starte ins Wochenende. Zuhause angekommen fällt mir auf, dass der Essensvorrat knapp wird. Normalerweise würde ich mir jetzt mein Fahrrad schnappen und zum Einkaufszentrum fahren, um einen Großeinkauf zu machen. Aber da das Fahrrad diese Woche tabu ist, entscheide ich mich für den kleinen Supermarkt um die Ecke. Ich habe außerdem keine Lust erneut zur Haltestelle zu laufen und mit der Bahn zu fahren, da das fast doppelt so lange dauern würde wie der Schwung auf’s Rad.

Keine Ausnahmen!
Am Samstag verabrede ich mich mit meiner Mitbewohnerin in der Stadt. Wie gerne würde ich bei dem schönen Wetter mit ihr gemeinsam dorthin radeln. Aber der Selbstversuch wird natürlich durchgezogen! Also fahren wir gemeinsam mit der Straßenbahn. Nach einer erfolgreichen Shoppingtour sind wir beide ziemlich geschafft und letztlich doch ganz froh, die Einkaufstüten nicht um den Fahrradlenker hängen zu müssen, sondern in der Bahn entspannt plaudern zu können.

Eine Woche ohne Rad in Freiburg – mein Fazit

Nach einer Woche Selbstversuch bin ich sehr froh meinen Drahtesel wieder auszuführen (Foto: K. Ernst)

In einer Fahrradstadt eine Woche ohne Rad auszukommen ist zwar gut machbar, aber eher nichts für mich. Ich genieße die frische Luft und die Fahrt durch’s Grüne und merke, dass ich mich dadurch sowohl seelisch als auch körperlich besser fühle. Mit der Straßenbahn werde ich morgens einfach nicht so schnell wach und bin außerdem deutlich länger unterwegs. Aber natürlich hat sie auch ihre Vorteile. Bei schlechtem Wetter bleibt man trocken und wenn man mal besonders geschafft ist, kann man einfach eine entspannte Fahrt genießen. Außerdem bringt sie viele Menschen umweltfreundlich ans Ziel. Letztendlich bin ich aber doch sehr froh meinen Drahtesel nach einer Woche Selbstversuch wieder entstauben und an der frischen Luft ausführen zu können.

Von Spanferkel zu Tofu – ein Selbstversuch

Startschuss: Das große Fleischfressen vor der anstehenden veganen Woche (Foto: D. Pollach)

Der Grill knistert, die Hitze ist fast unerträglich. Immer wenn das Fett aus der angeschnittenen Schwarte des Spanferkels tropft, zischt es kurz. Und es durftet einfach so gut! Meine Vorfreude auf´s Essen ist unbeschreiblich groß – kein Wunder, nachdem ich „mein Schwein“ zehn Stunden lang immer wieder liebevoll mit einem Gemisch aus Apfelsaft und Salz eingepinselt habe. Und jetzt das: Eine Woche lang kein Fleisch und keinerlei tierische Produkte. Ein Selbstversuch.

Herausforderung angenommen!

Neben meiner Tätigkeit als IT-Manager bei Face2Face koche ich leidenschaftlich gerne. Natürlichkeit und Qualität ist mir dabei sehr wichtig. Nichts ist schrecklicher als ein schlechtes Essen, ein billiges Fleisch oder zu stark künstlich aufgezogenes Gemüse. Eine Woche lang auf Fleisch zu verzichten, stelle ich mir nicht so schwierig vor – aber auf Eier, Milch, Sahne und vor allem Käse? Könnte eine Herausforderung werden. Für euch dokumentiere ich jeden Tag meiner veganen Woche:

Tag 1:

Ein guter Start! Die Pizza Buscetta schmeckt, ist aber auch sehr nah an der Pizza, die ich sonst immer esse, nur eben ohne Mozzarella. Morgens gab es mein übliches Frühstück bestehend aus einem Apfel und einer Karotte.

Tag 2:

Frühstück wie immer, mittags einen Gazpacho-Salat und abends ein Gericht aus Tofu und Chicorée. Auch wenn die Kombination von Chicorée und Gemüse gut passt – Tofu ist einfach nicht mein Geschmack. Weder die Konsistenz sagt mir zu noch irgendetwas sonst. Durch das Marinieren schmeckt es zwar nach was, aber Eigengeschmack – Fehlanzeige.

Werden keine Freunde: Das Soja-Hack und ich (Foto: D. Pollach)

Tag 3:

Nachdem es mittags in der Firmenkantine vegane Paella gab, stand abends eine Gemüse-Lasagne auf dem Plan – mit Soja-Hack und Sour Cream aus Cashewnüssen. Dieses Mal war das Soja weit weniger schlimm als am Tag davor. Die Konsistenz war besser und man hat nur leicht gemerkt, dass es kein Fleisch ist. Die Sour Cream hingegen schmeckte komplett anders als echte, aber nicht schlecht. Geschmacklich wirklich spannend – das werde ich auch in mein Koch-Repertoire aufnehmen. Wie ich mich fühle? Satt!

Tag 4:

Heute Mittag musste ich eine kleine Ausnahme machen. Mitten in Basel unter Zeitdruck und mit knurrendem Magen habe ich mich dann zu Sandwiches mit Frischkäse verleiten lassen. Vegetarisch, aber eben nicht vegan. Ich denke das ist auch eine der größten Schwierigkeiten mit veganer Ernährung: Es ist nicht leicht sie überall und ohne große Mühen bzw. Vorbereitung hinzubekommen.
Zum Abendessen gab es dann Polenta mit Pilzen – ein gutes Gericht, bei dem mich auch die Sauce in veganer Variante überzeugt hat.

Tag 5:

Lecker! Den Kichererbsen-Eintopf mochte ich sehr! Ein bisschen Brot dazu, um es später in die Saucenreste zu dippen, macht das Gericht perfekt.

Vegan und lecker: Frischer Spinat, Linsencurry und Wildreis (Foto: D. Pollach)

Tag 6:

Das Linsen-Spinat-Curry, das es heute gab, kannte ich so ähnlich schon – ein gutes Gericht! Wie häufiger in der indischen Küche fällt dank der starken Würzung kaum auf, dass es vegan ist.

Tag 7:

Zum Abschluss der veganen Woche gab es Süßkartoffel-Pommes mit der Sour Cream aus Cashew-Nüssen und Salat. Im Plan ist es ursprünglich so vorgesehen, dass die beiden Gerichte mit der Cashew-Sour Cream direkt nacheinander kommen, sodass man nicht zweimal welche machen muss. Sie hält sich im Kühlschrank allerdings auch ein paar Tage.
Pommes sind für mich prinzipiell eher eine Beilage und keine vollwertige Mahlzeit, deshalb hat mir bei diesem Gericht tatsächlich noch etwas gefehlt. Vielleicht eine Tarte oder Ähnliches.

Nicht schlecht, aber anders

Mein Fazit nach einer Woche Selbstversuch: Veganes Essen schmeckt nicht schlecht, aber eben anders. Bestes Beispiel ist die Sour Cream aus Cashews: Sie schmeckt sehr gut, aber eben anders als eine normale Sour Cream und ist daher kein Ersatz, sondern eben ein anderes Gericht. Ich koche oft mit Käse, Schmand, Milch und Eier und habe diese Lebensmittel schon ein bisschen vermisst.
Das Soja-Hack enthält außerdem einige künstliche Stoffe – da glaube ich, dass das Schwein, das artgerecht aufgezogen und geschlachtet wurde, wahrscheinlich doch gesünder und natürlicher ist.

Vegan essen – ja oder nein?

Die größte Herausforderung ist mein Berufsalltag, da ich viel reise. Wenn ich mich da vegan ernähren würde, hieße das, dass ich beispielsweise auf Geschäftsessen mit Kollegen verzichten beziehungsweise mich bei der Wahl der Gerichte extrem stark einschränken müsste.
Es war toll neue Geschmackseindrücke zu bekommen, trotzdem könnte mich nichts dazu bewegen mich zukünftig ausschließlich vegan zu ernähren. Ich liebe einfach die Variation beim Kochen und Essen – da möchte ich mich nicht einschränken.

Vegan mit Plan

Der Plan hat mir bei meiner veganen Woche sehr geholfen! Alle Lebensmittel waren einfach zu bekommen und übersichtlich auflistet. Die Mengenverhältnisse kann man individuell anpassen, so dass ich zum Beispiel bei der Lasagne die doppelte Menge Soja-Hack verwendet habe. Aber die Rezepte waren einfach und verständlich und speziell die Anordnung der Gerichte hat es mir sehr leicht gemacht die Woche durchzukochen.

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Dein Plan für eine vegane Woche

Wir für euch: 7 vegane Rezepte und Snackideen plus Einkaufsliste im Face2Face-Plan für eine vegane Woche (Foto: T. Gartner)

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Einfach und schnell vegan kochen mit Zutaten aus dem Supermarkt – dabei wollen wir dich unterstützen. Ganz egal, ob du vorhast, deine Ernährung dauerhaft umzustellen, oder einfach nur mal „reinschnuppern“ willst – mit unserem Plan für eine vegane Woche inklusive Einkaufsliste und Snackideen gelingt beides völlig stressfrei.

Spare Zeit!

Keine zeitraubende Suche nach guten Rezepten, stundenlanges In-der-Küche-stehen oder das Abklappern von drei verschiedenen Einkaufsläden – mit unserem Plan sparst du vor allem eins: wertvolle Zeit.

Eiweißquellen inklusive

Wo bekomme ich denn meine Proteine her ohne Fleisch und Eier? Keine Sorge – die Rezepte aus dem Plan enthalten Hülsenfrüchte und Sojaprodukte, also natürliche pflanzliche Eiweißquellen.

In den Einkaufswagen: Deine vegane Woche

Unseren Plan für eine vegane Woche plus Einkaufsliste und Snackideen könnt ihr für zehn Euro über diese E-Mail-Adresse bestellen: tatjana.gartner@face2face-magazin.de. Schreibt in den Betreff einfach „Vegane Woche“ und in die E-Mail euren vollständigen Namen plus Anschrift. Eure Daten werden nicht für Werbezwecke genutzt und nach Abwicklung der Bestellung wieder gelöscht.

Eure Vorteile auf einen Blick

  • 7 Hauptgerichte für zwei Personen
  • alle Zutaten gibt´s im Supermarkt
  • unkompliziert und schnell vegan kochen
  • Snackideen für zwischendurch
  • Zeit für die Zubereitung: max. 30min

Viel Spaß bei eurer veganen Woche!

Du liebst Fleisch und kannst dir ein Leben ohne tierische Produkte nicht vorstellen? Dann lies den Erfahrungsbericht unseres IT-Managers Denis. Er hat den Face2Face-Plan für eine vegane Woche ausprobiert und den Selbstversuch gewagt – von Spanferkel zu Tofu.

Mehr Tipps zum Thema „Ernährungsumstellung auf vegan“ findest du HIER.

eBook-Reader vs. traditionelles Buch – ein Selbstversuch

„Dass du dir noch keinen eBook-Reader angeschafft hast wundert mich, das wäredochperfekt für dich!“ Solche und ähnliche Sätze habe ich mir schon oft anhören müssen. Als leidenschaftliche Leseratte schleppe ich in einen zehntätigen Urlaub gut und gerne mal acht Bücher oder mehr in meinem Koffer mit mir herum. Wenn ich ein gutes Buch entdeckt habe, ist es teilweise am gleichen Tag noch verschlungen. Also, warum nicht auf ein eBook umsteigen, und sich den Platz und das Gepäck sparen?

Trotz bisheriger großer Ablehnung gegenüber den „Konkurrenten des guten alten Buches“ wurde ich langsam doch neugierig: Was ist, wenn an den Lobeshymnen meiner Freunde auf den eBook-Reader doch etwas dran ist? Aufgrund der Tatsache, dass diese immerhin auch alle begeisterte Bücherfans sind, ließ ich mich trotz größter Skepsis auf das Experiment „eBook“ ein.

Lässt sich bequem in jeder Handtasche verstauen: der handliche eBook-Reader von Sony. (Foto: Betz)

Lässt sich bequem in jeder Handtasche verstauen: der handliche eBook-Reader von Sony. (Foto: Betz)

Einmal den Entschluss gefasst, wurde auch direkt eifrig im Internet, ganz nach guter neuer Schule, recherchiert und verglichen. Mit einem „Klick“ landete am Ende das neueste Modell des Sony-Readers (PRS-T3) im Warenkorb und lag zwei Tage später für 130€ auf meinem Tisch. Nach kurzem Laden am Computer konnte es dann auch schon losgehen: Anmelden im eBook-Store, eine Adobe-ID einrichten und anschließend aus der großen Auswahl ein passendes Buch für den „1.Versuch“ auswählen.

Zunächst fiel mir positiv auf, dass der Store wirklich übersichtlich strukturiert ist und man für jeden Lese-Geschmack das richtige Buch findet. Außerdem sind besonders Krimis von eher unbekannten Autoren zu Schnäppchen-Preisen von bereits 0,99€ zu bekommen. Für mich als Thriller und Krimi-Fan ein Traum!

Dennoch entschied ich mich in diesem Fall nach längerem Stöbern in dem großen Angebot für den kürzlich erschienen Roman von Lori Nelson Spielman „Morgen kommt ein neuer Himmel“. Der Bezahlvorgang per Lastschrift erwies sich ebenfalls als ziemlich unkompliziert und kurze Zeit später konnte ich das Buch auch schon „downloaden“.  Jetzt wurde es Ernst: Kann ein eBook mit dem „echten“ Lesegefühl eines richtigen Buches mithalten?

eBook vs. "Klassiker": Wer hat die Nase vorn? (Foto:Betz)

eBook vs. „Klassiker“: Wer hat die Nase vorn? (Foto:Betz)

Mit einer Sonnenbrille und einem Glas Wasser machte ich es mir auf meiner Sonnenliege bequem und begann die erste Seite „aufzuschlagen.“ Nach kurzen „Startschwierigkeiten“, in denen ich mich an die ungewohnte Leichtigkeit und das Format des eBooks gewöhnen musste, hatte ich ziemlich schnell eine passende Haltung und damit auch den Einstieg in den Roman gefunden.

Nach drei Tagen, einem Roman und einigen Lesestunden später kann ich nur sagen:  Das eBook hat mich positiv überrascht! Obwohl ich dachte, mich niemals mit einem elektronischen Buch anfreunden zu können, gelang mir das Lesen auf dem Reader erstaunlich gut. Wenn man richtig in der Story gefangen ist, bemerkt man den Unterschied irgendwann kaum noch. Mir ist es sogar einige Male passiert, dass ich aus Reflex die Seite wie bei einem richtigen Buch umblättern wollte. Weitere Vorteile sind die Wörterbuch-Funktion, mit der man unverständliche Wörter direkt aufgrund der WLAN-Verbindung nachschlagen kann und die Möglichkeit, sich Notizen zu machen.

Mein Fazit: Das kleine Teil ist äußerst handlich und mit seinen Zusatzfunktionen sehr praktisch. An das „veränderte Lesegefühl“ gewöhnt man sich widererwartend nach kurzer Zeit ziemlich gut. Ein kleines „aber“ bleibt dennoch: Trotz der vielen positiven Eigenschaften ist es trotzdem nicht dasselbe, wie ein richtiges Buch. Betrachtet man den eBook-Reader allerdings nicht als Alternative zum Buch sondern als Ergänzung, hat man damit eine gute Wahl getroffen!

 

Vorschau:

Ohne Whatsapp, ohne mich!?

Whatsapp abschalten und ein paar Tage für viele Leute unerreichbar sein? Klingt unvorstellbar? Ich habe es gewagt. Vier Tage lang war ich ohne jegliche smartphoneartige Kommunikation auf SMS und Anrufe angewiesen. Anstoß für diesen Selbstversuch war, dass ich kaum noch eine ruhige Minute hatte. Wie ein Magnet zog mich mein Smartphone an, ich suchte die Wetterprognosen für die nächsten Tage (gleich an mehreren Orten), schaute was es Neues auf Facebook gab, checkte ständig meine E-Mails und dazu kamen die Whatsapp-Nachrichten im Sekundentakt (Gruppen können auch ein wahrer Fluch sein). Ich hatte keine freie Minute mehr, war vollkommen im Freizeitstress gefangen.

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Lange, lange ist es her: Smartphone los tippe ich eine SMS (Foto: Vondracek).

Bevor ich die Internetverbindung meines Handys ausschaltete, habe ich meinen Selbstversuch in meinem Freundeskreis angekündigt. Von „Handy kaputt?“ über „Was ist denn los?“ bis hin zu „Oh, dann schreib ich dir mal einen Brief“ war jede Reaktion dabei.

Der erste Morgen ohne Smartphone fing schon nervenaufreibend an. Ohne Wetterapp, die App der öffentlichen Verkehrsmittel und Spiegelonline ein für mich ungewohnter Start in den Tag. Ich zog mich zu kalt an, verpasste die Bahn zur Arbeit und konnte nicht wie gewohnt die Nachrichten lesen. Doch je länger das Smartphone für seine eigentlichen Zwecke unbrauchbar war, desto entspannter wurde ich. Schon fast eine Art Ferienhochgefühl machte sich breit. Auf dem Heimweg beobachtete ich einen wunderschönen Sonnenuntergang, der mich von einem stressigen Tag abschalten ließ. Währenddessen schienen die Menschen um mich herum von ihren Handys gefesselt zu sein, alle schauten auf die kleinen Bildschirme in ihren Händen.

Nach Tag zwei vermisste ich nichts mehr, berief mich auf „alte“ Mittel wie Zeitung, Wetternachrichten im Fernsehen und merkte mir die Bahn-Fahrzeiten. Leute, die mir alltäglich nicht nur ein Blabla via Facebook oder Whatsapp schickten, sondern wirklich wissen wollten, wie es mir geht, riefen an oder schrieben SMS. Und wenn dann mal telefoniert wurde, dann hatte man sich auch wirklich etwas zu erzählen und kein mittlerweile Altbekanntes „Oh, dann habe ich dir das schon geschrieben gehabt?“ störte den Gesprächsfluss.

Als ich am vierten Tag abends meine Datenverbindungen wieder einschaltete, machte ich das mit großem Widerwillen. Das Urlaubsgefühl der letzten Tage war so plötzlich verpufft, wie es gekommen war. Doch ich habe viel gelernt: Durch die schnelle Kommunikationsgesellschaft, in der wir heute leben, gehen wertvolle Worte verloren. Bevor auf „senden“ geklickt wird, macht man sich wenig Gedanken, was man mit seiner Nachricht auslösen kann, oder auch nicht. Früher waren Briefe tagelang unterwegs, wurden von Hand auf Schmierpapier geschrieben, bevor sie auf Briefpapier übertragen wurden.

Ich will nicht sagen, dass ich nun Smartphones und deren spielerisches Können verachte. Eher, dass man die Möglichkeiten, die wir heutzutage haben, mit etwas mehr Bedacht nutzen sollte. Denn die wichtigsten Sachen der Welt – die zwischenmenschliche Kommunikation – sollte nicht zur alltäglichen Nebensache verkommen.

 Vorschau: Nächste Woche berichtet Julia von einem Treffen für junge Väter in Freiburg.

Kleiderständer?! – Selbstversuch Fotomodel

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

„Entweder du wirst mal Journalistin oder aber Model“ – das sagte einmal ein Kumpel zu mir. Obwohl ich mich durchaus geschmeichelt fühlte, war meine Antwort darauf: „Ich und modeln? Wohl eher nicht.“ Der Gedanke daran, einmal als Journalistin zu arbeiten, ließ mich so schnell allerdings nicht wieder los…

Dass mir dieses Gespräch ausgerechnet jetzt in den Kopf kommt, wo ich vor einem beleuchteten Spiegel sitze und mich für das anschließende Fotoshooting frisieren und schminken lasse, ist kein Wunder. Denn heute starte ich meinen Selbstversuch Fotomodel.

Kleiderständer spielen, nichtssagend in die Gegend grinsen, fürs Rumstehen bezahlt werden – es gibt so einiges an Vorurteilen über Models und genau diesen Vorurteilen werde ich heute auf den Grund gehen. An meiner Seite: Visagistin Natascha Pfeifer alias Zauberpinselchen und Fotograf Holger Thomas. Beide keine Unbekannten für mich – schließlich zauberte mir Natascha im Selbstversuch Bodypainting bereits eine eindrucksvolle Schildkröte auf den Rücken und Holger hielt das fotografisch fest.

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testet Face2Face-Chefredakteurin Tatjana heute (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testete Face2Face-Chefredakteurin Tatjana für euch (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Heute allerdings soll ich ein bisschen mehr machen, als mich anmalen zu lassen und möglichst mit dem Rücken zur Kamera zu stehen. Heute soll ich das Model mimen und befürchte – wie sich später herausstellen soll, zu Recht – dass es mit ein bisschen Gegrinse nicht getan ist.

Während mir Natascha für den Beachlook die Haare zu zwei lockeren Zöpfen flicht und Muschelketten hineinbindet, möchte ich von Holger wissen, wie eine Frau sein muss, um sich als Model zu eignen. „Nach mehrjähriger Erfahrung sind mir primär Zuverlässigkeit und Verantwortung wichtig“, erklärt der 48-Jährige, „bezüglich des Aussehens muss ich sagen, dass meiner Meinung nach ein guter Fotograf aus jeder Person etwas ausschöpfen können sollte. Die Kunst besteht darin, aus jedem etwas heraus zu kitzeln, sodass man das Besondere in ihm erkennt.“ Damit lastet die Verantwortung für das Gelingen des Shootings wenigstens nicht mehr zu 100 Prozent auf meinen Schultern, denke ich mir und lehne mich entspannt zurück, während mir Natascha das Gesicht abpudert.

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als es dann allerdings wirklich losgeht, kann ich meine Nervosität kaum noch verstecken. Und das Schlimmste: Man sieht sie mir auf den Fotos auch deutlich an: Verkniffener Mund, unsicherer Blick. Nach fast jedem Schuss zeigt mir Holger das Ergebnis und wir besprechen gemeinsam, was uns gefällt und was ich besser machen kann. So viel Feedback zu bekommen ist schon einmal hilfreich. Auch das, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe, – die „mach einfach mal irgendwas! Begeistere uns!“-Aufforderung á la Germanys next Topmodel – bleibt aus. Stattdessen zeigt mir Holger, der hauptberuflich als Instandhaltungsplaner arbeitet, anschaulich, wie ich posieren soll – und das sorgt nicht nur für ein Sicherheitsgefühl bei mir, sondern auch für den einen oder anderen Lacher. Sein großes Engagement beruht auf der Bedeutung, die das Fotografieren für ihn hat: „Für mich ist es Lebensinhalt und Bestätigung; aber vordergründig das Kennenlernen der Menschen, die Rückmeldung der Menschen, die ich fotografiere. Wenn ein Shooting gelingt, sehe ich Freude und Glück in ihren Augen.“

Und genau diese Freude empfinde ich nach den ersten paar Fotos auch. Mit jedem Outfit schlüpfe ich gleichzeitig auch in eine andere Rolle, fühle mich anders und bewege mich anders. Aber Spaß ist nicht das einzige, das ich mit fortschreitender Zeit spüre: In unbequemen Posen entspannt aussehen, möglichst wenig blinzeln, konzentriert sein – jetzt kann ich zumindest teilweise nachvollziehen, weshalb einige Models „für ein bisschen rumstehen und gut aussehen“ so gut bezahlt werden.

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als ich Natascha und Holger gegen 20.30 Uhr das letzte Outfit – ursprünglich sollten Lederleggings und hohe Hacken eine Art Rock-Outfit-light darstellen – präsentiere, habe die beiden eine Idee, die mich zuerst ein wenig aus dem Konzept bringt. Doch sei es nun dem Anflug von Müdigkeit oder meiner aufkeimenden Experimentierfreudigkeit geschuldet, ich ziehe mit. Und erschrecke mich eine gute halbe Stunde später vor mir selbst: Bauchnabellange, schwarze Locken mit knallroten Strähnchen, dunkel geschminkte Augen und eine schwarze Corsage machen aus meinem Rock-Outfit-light ein Horror-Outfit-deluxe. Wie passend, dass Natascha in ihrem Fundus noch einen Totenkopf findet, mit dem ich dann posieren darf…

Nach den schwarz-roten Haarteilen ist dann natürlich auch noch eine blonde Barockperücke dran und ich mache erstmalig Bekanntschaft mit aufklebbaren Wimpern, die zwar grandios aussehen, es mir aber schier unmöglich machen, die Augen offen zu halten. Wie schaffen es die Mädels, die sowas täglich tragen, nur nicht dauerhaft mit Schlafzimmerblick in die Welt hinaus zu schauen?

Kurz nach 22 Uhr ist dann alles im Kasten: Sechs verschiedene Looks, drei verschiedene Haarfarben, zwei durchgeknallte Künstler und eine erschöpfte, aber glückliche Journalistin.

Ungewohnter Anblick: Face2Face-Chefredakteurin Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Ungewohnter Anblick: Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie habe ich mich nun aber bei meinem ersten professionellen Fotoshooting angestellt, lieber Holger? „Um ehrlich zu sein, war es mit dir wirklich sehr leicht. Es hat schlicht und ergreifend gepasst und sehr viel Spaß gemacht.“ Na, wenn das mal nicht ein gelungener Abschluss für einen spannenden Selbstversuch ist…

Mein Fazit: Modeln ist alles andere als Kleiderständer spielen, es erfordert Disziplin und Konzentration – aber vor allem macht es riesigen Spaß!

Kontakt:
Fotoshooting Mannheim – Holger Thomas Photographie
0160 95012649
Foto-H.Thomas@directbox.com

Vorschau: Nächsten Dienstag erfahrt ihr im Panorama wo sich der reisende Koffer der Viva con Agua-Organisation gerade befindet und welche Ziele noch vor ihm liegen.