Zum ersten Mal in Europa: Das Lollapalooza Festival in Berlin

Eine grandiose Premiere feierte am vergangenen Wochenende das Lollapalooza-Festival in Berlin und bot damit einen super Abschluss für die Festivalsaison. Mit dabei waren große Künstler wie Macklemore & Ryan Lewis, Sam Smith, Bastille, Seeed, Muse und viele mehr.

Farbenfroh und viel zu Entdecken - das Lollapalooza-Festival (Foto: L. Holfelder)

Farbenfroh und viel zu Entdecken – das Lollapalooza-Festival (Foto: L. Holfelder)

Das Lollapalooza Festival hat eine lange Tradition in Amerika und auch in vielen anderen Ländern auf der Welt. Doch nach Europa hat es die Veranstalter bisher noch nicht verschlagen. Das hat sich jetzt geändert: Mit dem stillgelegten Flughafen Tempelhof fanden die Veranstalter am 12. und 13. September die perfekte Location für das weltweit verbreitete Festival.

Das außergewöhnliche Festival-Gelände bot viel Platz für die mehr als 50.000 Besucher pro Tag, die neben vier Bühnen auch dutzende Essens- und Merchandisingstände erkundeten. Für die kleinen Besucher gab es ein extra angelegtes Kinderparadies, in dem die Kinder nicht nur spielen, sondern auch Skateboard-Tricks lernen konnten. Auch für die Kreativen wurde gesorgt: Ein Stand bot die Möglichkeit, sich seinen eigenen Festival-Beutel zu gestalten, ein anderer lud dazu ein, sein altes T-Shirt mit neuen Prints zu bedrucken.

In jeder Ecke des Festivalgeländes gab es etwas zu erkunden, so luden „Der Grüne Kiez“, eine Oase aus verschiedenen Pflanzen und Öko-Ständen, und der „Lolla Fun Fair“, ein jahrmarktähnlicher Platz, tagsüber zum entspannten Abhängen ein.

Die Mainstage 2 war direkt vor dem alten Hangar aufgebaut (Foto: L. Holfelder)

Die Mainstage 2 war direkt vor dem alten Hangar aufgebaut (Foto: L. Holfelder)

Die ersten Künstler traten bereits ab 12 Uhr auf, doch die wirklich bekannten Künstler betraten erst gegen Abend die Bühne. Dabei konnte man zwischen vier verschiedenen Bühnen wählen. Auf der „Mainstage 1“ und „Mainstage 2“ spielten dabei die bekannten Bands, wie Deichkind, James Bay, Bastille, Seeed und Sam Smith. Die Schlussacts der jeweiligen Abende waren Macklemore & Ryan Lewis sowie Muse. Auf der Bühne „Perry’s“ legten unter anderem die DJs Kygo und Felix Jaehn auf. Auf der „Alternative Stage“ traten Bands auf, die der breiten Masse meist nur durch wenige Titel bekannt sind, so zum Beispiel Chvrches, Clean Bandit und MS MR.

Um immer aktuell informiert zu sein, konnte man sich auf sein Smartphone die Lollapalooza-App runterladen. Neben verschiedenen Informationen konnte man sich auch seinen eigenen Spielplan zusammen stellen. Und auch das Bezahlen wurde fortschrittlich gelöst: statt Bargeld erhielt jeder Besucher ein Armband mit einem Chip, auf den Geld geladen wurde. So musste man nur den Chip an ein Lesegerät halten um seine Speisen oder anderen Errungenschaften zu bezahlen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Festival ein voller Erfolg war, inklusive der einen oder anderen organisatorischen Panne. Zum Beispiel waren am ersten Festivaltag nicht genug Toiletten vorhanden. Das Problem lösten die Veranstalter für den nächsten Tag aber direkt. Und auch die eigentlich so zahlreichen Essenstände schienen nicht dem Ansturm der vielen Festival-Besucher standzuhalten.

Für alle Lollapalooza-Fans, die dieses Jahr bereits teilgenommen haben oder nun daran interessiert sind: Die Veranstalter haben bereits bestätigt, dass nächstes Jahr am 10. und 11. September erneut das Festival in Berlin ausgetragen wird.

Erstmalig in Europa: Das Lollapalooza Festival in Berlin

Wenn man morgens aus dem Haus geht wird einem klar: der Sommer ist endlich da und mit ihm die Festival-Saison. Und auch wenn es noch eine kleine Weile hin ist, kommt hier ein Grund, warum man sich auf den September freuen sollte: Das Lollapalooza-Festival in Berlin am 12. und 13. September.

Das Festival findet zum ersten Mal in Deutschland statt und dann direkt auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Damit reiht sich Deutschland in die Liste der Lollapalooza-Länder ein: In Argentinien, Chile, Brasilien und den USA begeisterte das Festival bereits tausende Menschen.

Bei Festivals sind die Hände wichtig: zum Hochreißen und Mittanzen (Foto: L. Holfelder)

Bei Festivals sind die Hände wichtig: zum Hochreißen und Mittanzen (Foto: L. Holfelder)

Was bietet das Festival? An den zwei Tagen wartet eine bunte Mischung aus Künstlern darauf für ihre Fans zu spielen. Mit dabei sind unter anderem: Sam Smith, Bastille, Macklemore & Ryan Lewis, Martin Garrix und auch Seeed.

Neben der Musik gibt es viele Essensmöglichkeiten sowie Stände die zum Stöbern einladen. Neben Mode werden die typischen Festival-Gadgets verkauft. Im Vordergrund steht dabei das Thema Nachhaltigkeit.

Für das Festival, das samstags und sonntags stattfindet, gibt es verschiedene Tickets zur Auswahl. So kann man zwischen einem Zwei-Tages-Ticket für 199 Euro oder jeweils einem Ein-Tages-Ticket für 69 Euro wählen.

Das Festival verspricht Freude, gute Laune und gute Musik. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal die offizielle Seite zu besuchen, um mehr Informationen zu erhalten.

Gegründet wurde das Lollapalooza-Festival bereits 1991 und war bis 1998 auch sehr erfolgreich. Danach schwächte der Erfolg ab und erst 2005 konnte die Idee erneut umgesetzt werden. Zunächst in Chicago, USA, ansässig, zog es den Veranstalter ab 2011 auch in andere Länder. Mit Berlin findet in diesem Jahr das erste Mal Lollapalooza auch in Europa seinen Platz.

Im September folgt dann ein ausführlicher Bericht über das Festival und seiner Wirkung.

Spiel das ab, Scotty!

Eine Rakete ist laut Wikipedia.org „ein Flugkörper mit Rückstoßantrieb der während des Betriebs unabhängig von externer Stoffzufuhr ist und daher auch im luftleeren Raum beschleunigen kann“. Würde man diese Beschreibung umändern und beispielsweise eine Band als Rakede (man bemerke den gewollten Unterschied im Namen) bezeichnen, dann muss diese Band in der Lage sein, angefeuert mit der Kraft ihrer Triebwerke den Zuhörer zu packen und mit ihm so hoch zu fliegen, sodass dieser im luftleeren Raum (also in der Konzerthalle) völlig allein von der Musik in seinem eigenen Kosmos autark leben kann.
Nun gibt es rein zufällig eine Band mit dem Namen „Die Rakede“, zu der diese Beschreibung perfekt passt.
Die Jungs, die sich selbst als Triebwerke bezeichnen, schaffen ihren eigenen Sound, der Hip-Hop-, Reagge- und Dubstepelemente und vor allem eine große Portion Überraschung bei jedem Song enthält. Sei es, dass im Stile von Alex Clare ein Lautsprecher-zerreißendes Dubstepelement auf feine Gitarrenakkorde folgt oder dass ein anfänglicher Reagge-Song sich zu einer Sommerhymne zum Tanzen hochschaukelt, die Triebwerke wissen genau, welche Knöpfe sie zur richtigen Stimmungsrichtung drücken müssen. Versucht man den Klang der Band einzuordnen, dann stehe die Rakede im Vorgarten eines Deichkindes, dass fröhlich mit seinen Seeeds spielt. Durch zahlreiche eigene Konzerte, Auftritte auf verschiedenen Festivals und Fernsehshows, stehen die Triebwerke am Rande des Sprungs zu größeren Bekanntheit.

Diese Faktoren reichten auf jeden Fall aus, um sich die Neugier der Musikredaktion von Face2Face zu sicher:

Face2Face: Erst einmal die wichtigste Frage: Wie geht es euch Jungs?
Rakede: Uns geht’s gut, danke der Nachfrage.

Face2Face: Auf der Website eures Labels „Warner Music“ steht, dass 2006 auf einer nächtlichen Zugfahrt von Berlin nach Köln die „Rakede“ gegründet wurde. Wie kam es denn zu der Gründung und war auf dieser Zugfahrt irgendetwas Besonderes?
Rakede: Genau genommen wissen wir es nicht, denn wir waren nicht dabei. Die damaligen Triebwerke 2 und 3 haben den Zugfahrt-Mythos geschaffen und später sich wieder von Bord genommen.
Dazu muss man wissen: Einen Triebwerkposten „besitzt“ man nicht, man erfüllt ihn nur solange man fit genug ist – wie der Kapitän der Nationalelf oder die King’s Singers. Anfang 2013 war das gesamte Schiff in einem ziemlich rostigen Zustand und Triebwerk 1 und (das heutige) Triebwerk 2 haben das Ding mit viel Energie wieder aufpoliert – Das hat bis in dieses Jahr hinein gedauert; eine Neugründung 2014 gewissermaßen.

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede - Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede – Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Face2Face: Durch das Tischkonzert eures Songs „Bitte Bitte“ 2013 habt ihr gezeigt, dass ihr auch akustisch sehr stark seid. Habt ihr denn vor noch ein paar Tracks auf diese Art zu remixen? Sprich: Gibt es denn bald weitere kleine Tischkonzerte?
Rakede: Wir haben nicht vor, hauptberufliche Tischklopfer zu werden, so schön das auch war. Aber wir suchen immer nach Neuem – und das nicht nur „unplugged“: Wir werden uns weiter selbst covern, unsere Songs remixen, auflegen, umstricken. Einerseits weil es uns Freude macht, besonders aber, um auf unser Debut-Album aufmerksam zu machen, das wir im November rausbringen und auf das wir uns sehr freuen.

Face2Face: Der Hype zu dem Video war im November 2013 in Medien sehr präsent. Würdet ihr sagen, dass diesen Bekanntheitsschub gut nutzen konntet?
Rakede: Natürlich hat die Aufmerksamkeit uns weitergebracht. Wir hatten ein paar TV-Auftritte und eine gute Handvoll neuer Fans. Andererseits hat das Tischkonzert verhältnismäßig wenig mit unserem Album zu tun und daran hängt unser Herz nun einmal am meisten.
Deshalb hieß und heißt es: Entspannt bleiben. Wir wollten keinen nervösen Verkaufs-Anfall bekommen, in dem wir jedem, der das Tischvideo mag T-Shirts, Buttons und Konzertkarten andrehen wollen. Wer mag, darf das allerdings natürlich tun.
Man kann das gesamte Album auf Soundcloud hören. Vorbestellungen helfen uns sehr, alleine das Reinhören auch schon!

Face2Face: Ihr habt tolle Features auf eurem „Ja…aber was, wenn alles klappt“-Album: Bei „Bitte bitte“ und „Volldampf“ ist Samy Deluxe mit an Bord und bei „St. Tropez“ arbeitet ihr mit Frank Dellé von Seeed. 1. Wie kam es dazu und 2. Wie war denn die Zusammenarbeit?
Rakede: Die Zusammenarbeit mit Samy war ungefähr so, wie man sich das vorstellen würde. Wir haben damals Aufnahmen in seinem Studio gemacht und uns im Zuge dessen immer wieder gegenseitig über die Schulter geschaut. Manchmal ist dabei dann etwas rausgekommen, wie die beiden Features. Die Zusammenarbeit mit Dellé war da eher futuristisch. Wir haben uns tatsächlich nie getroffen. Norbert von Downbeat hat ihm den Song gezeigt und Dellé war so angetan, dass er „ungefragt“ eine Strophe über den Instrumentalteil gesungen hat – Fanden wir gut und haben wir so genommen.

Face2Face: Über euren Sound wurde ja schon viel geschrieben: Ihr habt Pop, Reagge, Hip-Hop und Dubstep-Elemente in euren Songs. Was kann man nun für das Album, das im November 2014 erscheinen wird, erwarten? Bleibt ihr diesem Stil-Mix treu oder erweitert ihr ihn sogar?
Rakede: Wir hatten keine Vision von unserem eigenen Sound. Wir wussten nur, dass wir
alles tun würden, das Beste aus uns raus zu holen. Nur unser Geschmack, der nochmal
breiter gefächert ist als die Einflüsse die man letztlich benennen kann, und unsere handwerklichen Fähigkeiten – wie wir produzieren, welche Instrumente wir spielen – waren formgebend. Insofern kann man nicht von Stil¬treue sprechen. Ich denke, wenn man das Album hört, dann ist ein roter Faden und ein eigenständiger Charakter hörbar, ohne das man nach dem dritten Song schon erahnen kann, wie die nächsten neun klingen werden. Natürlich können auch wir das Rad nicht neu erfinden, klingen wie wir klingen, und sind wie wir sind, aber unsere Grundmotivation ist, ständig besser zu werden in dem was wir tun, und ich glaube das schützt ein wenig davor, uns selbst zu wiederholen, oder sich von vorn herein zu definieren und sich Genre bedingte Grenzen aufzuerlegen.

Face2Face: Diese Frage betrifft nun jeden Einzelnen: Gibt es DIR ein Lied das rückblickend DEINEN Musikgeschmack geprägt hat? So einen All-Time-Favoriten? Und wenn ja, welches Lied ist es und warum?
Rakede: TW1: Es gab da ein paar fette Blitzeinschläge: „We Are the Champions“ von Queen hat mich als 6 jähriger, der zu Hause nur Klassik gewöhnt war komplett geflasht, später dann „Black or White“ von Michael Jackson. Und noch später, als nach Düsternis suchender Teenager „Unforgiven“ von Metallica und überhaupt das ganze Black Album.
TW2: Einen einzelnen Song zu wählen kann ich nicht, davon gibt es zu viele. Wenn es um Alben geht, tu ich mich da leicht: Am meisten geprägt hat mich definitiv Tool¬ – Lateralus. Musik, die einen weiterdenken und reflektieren lässt und nicht nur an der Oberfläche kratzt, sowas mag ich.
TW3: Für mich war „High Way to Hell“ von AC/DC der Song, der sofort nach dem Auftakt des Gitarrenriffs, mein Leben mit 12 Jahren veränderte. Als ich hörte wie der Drummer anfing den Beat zu spielen wurde mir die Funktion von meinem Instrument kristallklar. Die Disziplin mit der er jeden Schlag spielte, so als hätte es vor ihm keinen anderen Drummer auf dieser Welt gegeben, der seine Absicht so deutlich machen wollte und konnte.
TW4: Also ich hätte da eins, weiß zwar nicht in wie fern das meinen Musikgeschmack geprägt hat aber jut…Europe – The Final Countdown. Das war jedenfalls das erste Mal das ich eine Band quasi richtig wahrgenommen hab und ich war total geflasht als ich die im Fernsehen bei Formel Eins live gesehen habe. Ich habe wahrscheinlich meine Eltern auch tierisch genervt wenn ich zum tausendsten Mal die Platte aufgelegt hab und in Fantasieenglisch mitgesungen hab. Da war ich ungefähr 7…

Face2Face: Eure Tour beginnt am 12. September auf dem Soundgarden Festival in Bad Nauheim. Habt ihr eine Art Ritual, dass ihr vor einem Konzert immer durchführt?
Rakede: Ausladen, schleppen, aufbauen! Nein im Ernst, diese automatisierten Abläufe, die einfach dazugehören, haben tatsächlich etwas fokussierendes und gelten für uns schon als Ritual. Direkt vorm Auftritt reicht meistens ein High¬five.

Face2Face: Wie erklärt ihr einem ahnungslosen Vielleicht-Rakede-Konzertbesucher, was euch von anderen Bands abgrenzt und warum er unbedingt mit der Rakede auf einem Konzert mitfliegen muss?
Rakede: Erstmal vorweg, um nicht zu selbstverliebt zu klingen: Es gibt auch andere
gute Bands. Ein Rakedekonzert ist schon was ziemlich eigenes und ich glaube, es gelingt uns gut, Elektronik mit live-Instrumenten auf die Bühne zu bringen. Außerdem – hoffen wir – merkt man uns auch an, dass wir vom ersten bis zum letzten Ton alles selber machen, voll hinter dem stehen was wir tun, und das Glück haben, mit sehr talentierte Musikern auf der Bühne zu stehen.

Face2Face: Was dürfen wir von der Rakede demnächst noch erwarten?
Rakede: Erstmal wird’s wundervolle Musikvideos, ein paar kleine Specials und die Club¬tour im Dezember geben. Musikalisch entwickeln wir uns stetig weiter, viele kleine Ideen schwirren schon rum, die gerade beginnen in ein nächstes Album zu münden.

Vielen Dank! Wenn ihr mehr über die Jungs von Rakede erfahren wollt, dann klickt am besten hier.

Vorschau: Nächstes Mal an dieser Stelle erwartet euch ein Review zum Mixtape „Hardcore“ von Lil Kim!

Rock am Ring 2013 – ein Nachbericht in zwei Akten

Zeltplatzerlebnisse (von Anja Rambacher)

Mittwoch, 5. Juni 2013. 19 Uhr. Ankunft am Zeltplatz B5 am Nürburgring. Meine Mitfahrerin und ich hatten eine angenehme Fahrt, bis auf die Tatsache, dass uns nach einer etwas heftigeren Bremsung der Grill entgegenkam und der Innenraum meines Autos nun mit Grillasche verschönert ist. Zweitrangig. Die Sonne scheint, es ist total warm, wir hupen auf der Autobahn jedes Auto mit »RaR«-Aufkleber an, manche hupen zurück, andere ignorieren uns dreist. Am Platz rufen wir erstmal unsere Camp-Mitglieder an: »Los geht’s, tragen helfen!« Diverse Paletten Bier, Schlafsäcke, Isomatten, Verpflegungstaschen und sonstiger Krimskrams tragen sich schließlich nicht alleine und vor allem nicht in einer einzigen Tour.

Diverse Gestalten tauchen auf. Einer, mit Edding-Schnurbart im Gesicht und Absperrband um den Kopf gewickelt. »Festival, Leute, voll schön, dass ihr da seid!« So wird man doch gerne begrüßt! Nachdem wir uns die Festivalbändchen geholt haben (die Farbe – pink – stößt doch einigen sehr bitter auf), beginnt der Marsch zum Camp. Dankenswerterweise gut markiert, durch einen zwei Meter großen aufblasbaren Gummipenis, den wir hoch oben an einem Holzstamm befestigt haben.

CIMG5665

Wurde zum Erkennungszeichen des Camps: ein riesiger aufblasbarer Gummipenis (Foto: Alexander Brenner)

Nachdem die Sachen im Zelt verstaut sind, spielen wir erst einmal eine Runde Begrüßungsflunkyball – und verlieren kläglich gegen unsere campinternen Gegner. Die haben ja auch schon einen Tag mehr Übung. Später am Tag, nachdem noch diverse andere Leute angekommen sind und uns die Schultern schmerzen vom vielen Taschen-Schleppen, erklingt auf dem ganzen Platz laute Musik. Manche sind mit riesigen Boxentürmen angereist, beschallen alle B5-ler mit Songs von »Killing in the name of« von Rage Against The Machine bis hin zum Grönemeyer-Klassiker »Flugzeuge in meinem Bauch«. Man muss wirklich nicht weit laufen, um zur nächsten Party zu finden!

Die ersten Tage vergehen wie in einem großen Fluss, von Tagesroutine kann nicht die Rede sein, man isst eben, wann man Hunger hat, man ist so spontan wie sonst nie, die Menschen um einen herum sind so offen, wie das sonst nie der Fall ist – und es wird wirklich niemals langweilig! (Sollte das der Fall sein: Selbst schuld!) Wer zu viel trinkt und sich irgendwo in der Menge hinlegt fällt dem Deichkind-Motto: »Ich dekoriere besoffene Freunde, ist zwar gemein aber leider geil« zum Opfer. Und doch schafft es unser Opfer, rechtzeitig zu den Konzerten wieder fit zu sein – Respekt an dieser Stelle!

Zwei Campmitglieder beschließen, sich den Sonnenaufgang anzusehen und dabei laut durchs ganze Camp zu brüllen – um sechs Uhr morgens nicht die beste Idee, um sich Freunde zu machen. Auch der Megaphonmensch von gegenüber gehört nicht zu unseren Favoriten. Wir rächen uns, indem wir uns zu zwanzigst an den Straßenrand stellen und ihn mit »Aufstehen!« anbrüllen. Unsere Performance hat wohl beeindruckt – wir werden gleich engagiert, um eine weitere Person aus dem Schlaf zu brüllen.

Campingplatzatmosphäre beim Festival – da ist einfach jeder in Feierlaune und man kommt einfach nicht drum rum, sich davon anstecken zu lassen. Nächstes Jahr wieder? Auf jeden Fall!

Ach, Konzerte gab’s auch noch? (von Johannes Glaser)

Die „Seat Centerstage“ stellt während Rock am Ring eine ganz besondere Atmosphäre: Über die gesamte Länge der Boxengasse des in den letzten Jahren zum Politikum gewordenen Nürburgrings hinweg zieht sich eine einzige, unbeschreiblich große Menschenmasse. An die marode gewordenen Finanzen der Rennstrecke denkt in diesen Tagen aber freilich kaum jemand. Zehntausende Menschen stromern fröhlich über das Konzertgelände des Rockfestivals in der Eifel, lassen Politik Politik sein und ergeben sich der kaum zu bewältigenden Menge an Konzerten.

Mein Hauptproblem dieser Tage heißt: Wasser. Meine soziologischen Feldversuche belegen, dass ich ein überdurchschnittlich durstiger Mensch bin. Der Liter Wasser, der im Tetrapak in meiner Hand schlummert, wirkt bei der vernichtend-brennenden Sonne wie ein viel zu kleiner Schluck gegen den drohenden Hitzekollaps. Doch die nächste Wasserstelle scheint in der undurchdringlichen Menschenmenge meilenweit entfernt.

Drei Tage Festival liegen hinter mir. Ich bin dreckig. Ich bin dehydriert. Ich bin müde, krank, kaputt. Vermutlich geht es mir in diesem Moment nicht anders, als den geschätzten 85.000 Besuchern.

Hatte die Centerstage am Freitag im Griff: Panda-Raopper Cro (Foto: Simon Meier)

Hatte die Centerstage am Freitag im Griff: Panda-Raopper Cro (Foto: Simon Meier)

Irgendwo rechts hinter mir spielt MC Fitti, doch wir stehen planlos vor der Centerstage. Gleich soll Cro spielen. Ich erwarte mir nicht allzu viel von diesem Konzert. Mehrfach habe ich von Freunden gehört, dass dem jungen Musiker jegliches Bühnentalent vollkommen abgeht. Umso überraschter bin ich über seinen Auftritt – von mangelndem Entertainment nichts zu spüren! Cro legt eine wirklich gute Show hin. Die Menschenmenge kennt die Lieder auswendig, und der „Raopper“ muss seine Stimmbänder im Grunde kaum bemühen. Von überall her erschallt ein: „Ich nenn dich lieber ‚Sunny‘“, als „Easy“ angestimmt wird.

RaR_Prodigy

Legten mit den krassesten Auftritt des Festivals hin: die Jungs von The Prodigy – hier Frontmann Keith (Foto: Moritz Hartnagel)

Zweifelsohne ein gutes Konzert. Doch gegen Größen wie „The Prodigy“ oder „Seeed“ scheint die wirklich gute Stimmung bei Cro geradezu zu verpuffen. Was Prodigy samstags auf der Centerstage liefern, ist der absolute Wahnsinn. Schon vor dem Konzert macht sich eine geladene Stimmung im Publikum bemerkbar.

Auch ich – dieser kurze Einwurf sei mir erlaubt! – bin geladen. Am Nachmittag wollte ich eigentlich unbedingt „Palma Violets“ sehen. Palma Violets klingen wie eine Mischung aus Pink Floyd und Beatles in einer verdammt schmutzigen Garage. Leider spielt die britsche Band zu einer quasi außerhalb des Menschenmöglichen liegenden Uhrzeit – samstags kurz nach 15 Uhr – und so muss ich sie leider verpassen.

Zurück zur Centerstage! Die Menge tobt. Gleich wird The Prodigy auftreten. Joints werden herumgereicht, Moshpits geformt, Müll durch die Menge geworfen. Es kocht und es brodelt – lange, bevor die ersehnte Band die Bühne betritt. Als die Band dann endlich loslegt, kocht der Topf über. Wie keine andere Band versteht es The Prodigy, das Publikum anzuheizen. Ich habe in den letzten Jahren viele Konzerte besucht, aber etwas Vergleichbares zu den Moshpits bei The Prodigy habe ich mein Leben lang noch nicht erlebt. Der Höhepunkt des insgesamt schon überragenden Konzertes ist wohl „Voodoo People“. Die Band beschwört die Voodoo People in der Menge, und plötzlich – auf einen Schlag – bin ich Teil dieses Kollektivs, was wild feiert und tanzt. Ein übereifriger Fan zündet während des Auftritts einen Bengalo, grüne Funken und Rauch ziehen durch die Voodoo People, die alles vergessen zu haben scheinen. Ein „Deichkind“-Auftritt ist nichts gegen das wütende Gerangel, das sich da zwischen den Wellenbrechern abspielt.

ließen sich von der Musik mitreißen: über 87.000 Menschen bei Europas größtem Festival (Foto: SWR3)

ließen sich von der Musik mitreißen: über 87.000 Menschen bei Europas größtem Festival (Foto: SWR3)

Den Abschluss des gut besetzten Festivals bilden wohl „Seeed“. Sonntag Nacht – kurz nach zwölf – betritt die Gruppe die Alternastage. Mehr denn je rieche ich Schweiß, rieche ich Schmutz. Doch trotz einer bis zu sechs Tagen andauernden Nonstop-Party sind wahnsinnig viele Menschen zusammengekommen, die „Green Day“, die auf der legendären Centerstage spielen – und dabei, so wird erzählt, einen überragenden Auftritt hinlegen – einfach ignorieren. Wahnsinnig viele Menschen, die gekommen sind, um Seeed zu sehen. Und sie werden nicht enttäuscht! Was Seeed an diesem Abend auf der Alterna bietet, ist Irrsinn – ein ungewöhnlicher Irrsinn – denn kaum einer rastet aus, kaum einer dreht durch. Die Menge bleibt friedlich. Ein Moshpit würde trotz der rockigen Atmosphäre auch kaum zum Konzert passen. Die „Music Monks“ beenden das Festival mit einem wahrlich großartigen Auftritt. Und schon jetzt weiß ich: Nächstes Jahr wird „Beautiful“.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Johanna über Klangagenten.