Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Der Sommer hat begonnen. Bei einem erfrischenden Radler sitze ich mit ein paar Freundinnen am Rhein und genieße das Rauschen des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kein Wunder, dass wir da im Gespräch auch auf das Thema Urlaub kommen. „Ich fliege mit meinem Freund in die USA. Wir bleiben vier Wochen“, sagt eine meiner Freundinnen enthusiastisch. „Ich habe noch nichts gebucht, aber wahrscheinlich fliegen wir nach Mallorca oder nach Sizilien“, wird von anderer Seite berichtet. War ja klar. Da kann ich mit meinem Urlaubsziel mal wieder nicht mithalten. Im nächsten Moment wird mir die Frage gestellt, die ich schon erwartet hatte: „Und wohin fährst du in Sommerurlaub?“ „Nach Kühlungsborn oder nach Grömitz“, antworte ich und blicke – wie zu erwarten war – in fragende Gesichter: „Wo liegt das denn? Das habe ich ja noch nie gehört. Ist das noch in Deutschland?“ Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, meinen Freundinnen zu erklären, dass man manchmal gar nicht weit wegfahren muss und auch Deutschland wunderschöne Ecken zu bieten hat, an denen man einen perfekten Sommerurlaub verbringen kann. So zum Beispiel im Ostseebad Grömitz.

Seebad mit langer Tradition

Grömitz liegt am Nordrand der Lübecker Bucht in Ostholstein und hat rund 7.800 Einwohner. Die Hansestadt Lübeck ist nur etwa 50 Kilometer entfernt. Als Erholungsort hat Grömitz eine lange Tradition, denn es ist schon seit 1813 Seebad, also ein Kurort am Meer. Besonders schön sind der über acht Kilometer lange Sandstrand und das saubere Meerwasser. Wenn die Temperaturen stimmen, kann man natürlich in der Ostsee schwimmen. Ansonsten eignet sich der weite Sandstrand aber auch gut für ausgedehnte Spaziergänge, die stets von einem beruhigenden Wellenrauschen begleitet werden. Dank des weitläufigen Strandes verteilen sich die Einwohner und Touristen in Grömitz ganz gut und für jeden ist ausreichend Platz vorhanden. Auch an die Erholung des „besten Freundes des Menschen“ ist gedacht, denn es gibt extra einen Hundestrand, an dem sich die Vierbeiner austoben können.

Absolut sehenswert: Der Jachthafen in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Erholung nicht nur am Strand

Wer keine Lust auf Strand hat, kann sich in Grömitz auch gut anderweitig beschäftigen. So gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, einen Kurpark, einen Golfplatz, einen kleinen Zoo und einen sehenswerten Jachthafen mit empfehlenswerten Fischrestaurants. Die meisten Restaurants und Cafés befinden sich an der drei Kilometer langen Strandpromenade. Ausgiebige Spaziergänge mit Blick aufs Meer sorgen da ebenfalls für Entspannung. Und zwischendrin kann man dann ganz gemütlich in ein Eiscafé oder in einen der vielen kleinen Strandläden zum Stöbern einkehren.

Einfach mal abtauchen

Beeindruckend: Die 398 Meter lange Seebrücke in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Besonderes Highlight in Grömitz ist die 398 Meter lange Seebrücke. Dabei handelt es sich um die längste Seebrücke Schleswig-Holsteins. Wenn man auf ihr entlang läuft, ist man dem Meer ganz nah und hört unter den Holzbrettern der Brücke, wie die Wellen brechen. Bei klarer Sicht hat man von der Seebrücke aus einen tollen Blick auf umliegende Städte und Ortschaften sowie das weite Meer. Insbesondere abends ist es schön, von der Seebrücke aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Wer nicht nur die Aussicht über Wasser, sondern auch unter Wasser genießen möchte, kann in die Tauchgondel, die sich seit 2009 am Ende der Grömitzer Seebrücke befindet, steigen. 30 Besucher können gleichzeitig mit ihr abtauchen. Sie bekommen dann einen 3D-Film über die Ostsee gezeigt und können bei guter Sicht den Meeresboden und einige Meeresbewohner erkennen. Wer als Urlauber das Glück hat und Ende August das Strandbad besucht, kann an „Ostsee in Flammen“ teilnehmen. Das ist ein beeindruckendes, mit Musik untermaltes Feuerwerk, das direkt von der Seebrücke aus gestartet wird und so die Ostsee und den Grömitzer Strand erleuchtet. Wenn man dann in Meeresnähe steht, kann man sogar sehen, wie sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt.

Lichterspektakel: „Ostsee in Flammen“ (Foto: S. Holitzner)

Wasser marsch!

Leider gibt es immer mal wieder Sommerurlaube, in denen das Wetter nicht mitspielt oder die Temperaturen einfach zu niedrig sind, um im Meer zu schwimmen. In Grömitz kann man in so einem Fall trotzdem in Meerwasser baden. Im Schwimmbad „Grömitzer Welle“ gibt es nämlich aufbereitetes Seewasser in den Schwimmbecken. Außerdem gibt es ein Wellenbad: Alle 30 Minuten werden so am Anfang des Beckens kleine Wellen und am tieferen Ende des Beckens bis zu ein Meter hohe Wellen erzeugt, sodass man sich fast wie im richtigen Meer fühlt.

Von West nach Ost

Ebenfalls eine Reise wert ist das Ostseebad Kühlungsborn. Es liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht und hat circa 8.900 Einwohner. Die Hansestadt Rostock ist nur rund 30 Kilometer entfernt. Im Gegensatz zu Grömitz ist Kühlungsborn erst seit 1996 offiziell Seebad. Kühlungsborn besteht aus den zwei Stadtteilen West und Ost, die durch einen 133 Hektar großen Stadtwald verbunden sind. Wer nicht durch den Wald gehen möchte, kann auch einfach am langen Sandstrand entlanglaufen und gelangt so ebenfalls zum jeweils anderen Stadtteil. Auch in Kühlungsborn ist das Meerwasser sehr sauber, sodass man sich bei heißen Temperaturen ideal mit einem Bad in der Ostsee abkühlen kann. Hundestrände gibt es hier ebenfalls. Von der 240 Meter langen Seebrücke, die sich im Stadtteil Ost befindet, hat man einen schönen Ausblick. Sie ist die erste Seebrücke, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern vollendet wurde (1991). Eine fast vier Kilometer lange Strandpromenade verbindet die beiden Stadtteile Ost und West und eignet sich gut für Spaziergänge mit Blick aufs Meer.

Entspannung am Meer: Kühlungsborn-Ost (Foto: S. Holitzner)

Kühlungsborn für Touristen

Viele schöne alte Villen aus der Gründerzeit prägen das Stadtbild von Kühlungsborn. Kühlungsborn-Ost ist der für Touristen vermutlich ein bisschen attraktivere Stadtteil. Abgesehen von der Seebrücke sind dort verschiedene größere Einkaufsmöglichkeiten, viele Cafés und Restaurants. Außerdem befindet sich dort ein Jachthafen. Ebenfalls beginnt in Kühlungsborn-Ost die Steilküste mit Blick auf die Ostsee. Gut ausgeschilderte Wanderwege ins nah gelegene Heiligendamm starten hier. International bekannt geworden ist dieser kleine Ort, als dort im Juni 2007 der G8-Gipfel stattgefunden hat.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Nostalgie pur: Eine Fahrt mit Dampflok „Molli“ (Foto: S. Holitzner)

In Kühlungsborn-Ost wird zudem Geschichte lebendig. Dort steht noch ein Original-Grenzbeobachtungsturm aus der Zeit der DDR. Von 1971 bis 1990 waren mehrere solcher Türme entlang der Ostseeküste aufgestellt, um die Seegrenze der DDR im Auge zu behalten und Republikflüchtlinge, die über die Ostsee aus der DDR fliehen wollten, zu erspähen. Rund um den Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn können sich Besucher über das Grenzsystem und das Schicksal von Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, informieren. Außerdem kann der Turm besichtigt werden. Lohnenswert ist in Kühlungsborn auch eine Fahrt mit dem „Molli“. Das ist eine Dampflok, die auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. Für diese Strecke, die teilweise mitten durch die Natur führt, benötigt „Molli“ rund 40 Minuten, denn er ist mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs. Bei einer Kurzreise mit dem „Molli“ lernen Fahrgäste sehenswerte Ecken der einzelnen Orte kennen, die sie so vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten.

Die Rückkehr einer Sportlegende

 

Es gibt Sportler, es gibt Rekordhalter oder auch Sportlegenden und dann gibt es noch Michael Phelps, der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Nach den Olympischen Spielen 2012 in London und insgesamt 22 Olympischen Medaillen (18 davon in Gold) wollte er sich frühzeitig in den Ruhestand verabschieden, doch gab es bereits 2014 erste Anzeichen dafür, dass der Schwimm-Gigant zurückkehrt. Beim Grand Prix in Mesa/Arizona sprang der Weltrekordhalter erneut ins Becken und gab schließlich sein Trainingsziel bekannt: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016.

Schwimmflossen anstelle von Spielzeugautos

Die Karriere des Amerikaners begann früh: Im Alter von sieben Jahren stieg er erstmals ins Schwimmbecken, auch weil es als hilfreiche Therapie seiner diagnostizierten ADHS Erkrankung dienen sollte. Nun galt das Schwimmen als oberste Priorität, sein Tagesablauf bestand einzig und allein aus schwimmen, Krafttraining, essen und schlafen und ja, die Schule musste dabei weichen. Anhaftender Chlorgeruch, vom Wasser aufgeweichte Fingerspitzen und Schwimmbrillenabdrücke auf der Stirn waren ständige Begleiter des Jugendlichen. Das tägliche Training zahlte sich bereits im Alter von 15 Jahren aus, als der junge Schwimmer an seinen ersten Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilnahm, auch wenn er dabei keine Medaille gewinnen konnte.

Seine größten sportlichen Erfolge

Zu seinem größten Erfolg zählt definitiv die Sommer Olympiade 2008 in Peking, wobei er acht Goldmedaillen mit ins heimische Baltimore, Maryland nehmen konnte. Bei sieben der Wettkämpfe erzielte er zusätzlich einen neuen Weltrekord.

Bald ist es wieder so weit: Die Schwimmstars kämpfen um Olympisches Gold (Foto: Gregor Fuhr-Boßdorf/pixelio.de)

Bald ist es wieder so weit: Die Schwimmstars kämpfen um Olympisches Gold (Foto: Gregor Fuhr-Boßdorf/pixelio.de)

Vier Jahre später in London qualifizierte er sich für alle acht Wettbewerbe, in denen er auch 2008 an den Startblock ging. Mit insgesamt vier Goldmedaillen und zwei in Silber krönte er sich selbst zum erfolgreichsten Teilnehmer der Spiele in der englischen Hauptstadt.

 Abschied eines Jahrhundert-Sportlers

Nach seinem letzten Rennen bei den Olympischen Spielen 2012 in London, der 4×100-m-Lagenstaffel, wurde der Olympia-Held schließlich verabschiedet. Die Schwimm-Welt trauerte als dieser große Sportler die Bühne verließ, immerhin mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, unter lautem Beifall und dem Lied von Bruce Springsteen „Born In The USA“. Paul Biedermann, László Cseh oder auch Ryan Lochte versüßten uns zwar die Überbrückungsphase mit tollen Wettkämpfen, doch der sympathische Phelps fehlte. Unvergessen bleibt das Titelblatt der Sports Illustrated, welches er mit seinen Gold-Medaillen von Olympia 2008 in Peking zierte. Und auch ein in den Sozialen Netzwerken gern aufgegriffenes Thema ist die „Michael Phelps Food Challenge“: In einem Interview erklärte er, dass seine täglichen Mahlzeiten aus 12.000 Kalorien bestanden.

 Große Chancen

Auch für Rio in wenigen Wochen, können wir uns viel von Phelps erhoffen. Bei den US-Meisterschaften in San Antonio siegte er in drei Disziplinen in Jahresbestzeit und verbrachte  bereits drei Wochen im Olympischen Trainingszentrum, um sich auf Rio vorzubereiten. Er selbst sagte aus: „Ich fordere meinen Körper so stark wie es nur geht“. Und vielleicht gibt ihm ja auch noch einmal die Geburt seines Sohns Boomer Anfang Mai einen zusätzlichen Ansporn. Die Schwimmwelt und alle Fans der Olympischen Spiele freuen sich jedenfalls auf die Rückkehr des Schwimm-Stars und drücken die Daumen für den erfolgreichsten Olympioniken.

Vorschau: Am 30.Mai muss Fußball-Bundestrainer Joachim Löw seinen endgültigen EM-Kader benennen. Face2Face wird diesen genau unter die Lupe nehmen.

 

 

Katinka Hosszu und Chad le Clos unschlagbar

Heute, Mittwoch, 13. November 2013, findet das Finale der diesjährigen Schwimm-Weltcupserie im chinesischen Peking statt. Auf sieben Wettkämpfen in verschiedenen Ländern konnten die Spitzenschwimmer durch vordere Platzierungen Punkte sammeln.

Das Olympiastadion in Peking: In der Schwimmhalle daneben fanden die Wettkämpfe zum Weltcup-Finale im Schwimmen statt (Foto: Dieter Schütz / Pixelio.de)

Das Olympiastadion in Peking: In der Schwimmhalle daneben fanden die Wettkämpfe zum Weltcup-Finale im Schwimmen statt (Foto: Dieter Schütz / Pixelio.de)

Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren tat sich jeweils ein Athlet klar hervor. Die Ungarin Katinka Hosszu konnte sich mit einer absolut brillanten Leistung deutlich von der Konkurrenz absetzen und hat bereits vor dem letzten Meeting fast drei Mal so viele Punkte auf dem Weltcup-Konto gesammelt, wie die zweitplatzierte Alia Atkinson aus Jamaika. Damit ist ihr der Gesamtsieg des Weltcups 2013 nicht mehr zu nehmen. Für den Gesamtsieg, den Hosszu dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge gewinnt, darf sie verdientermaßen 100.000 Euro mit nach Hause nehmen. Auf den restlichen Podestplätzen könnte es jedoch noch einmal spannend werden. Atkinson liegt zwar derzeit mit insgesamt 255 Punkten auf Platz zwei, sie hat jedoch die Spanierin Mireia Belmonte im Nacken (238 Punkte). Auch die Ukrainerin Davina Zevina (201 Punkte) hat noch Chancen auf einen Podestrang.

Bei den Männern dominierte der Südafrikaner Chad le Clos das Feld. Auch er darf sich nach 2011 bereits das zweite Mal die Weltcup-Gesamtsieg-Krone aufsetzen.  Mit 166 Punkten auf den zweitplatzierten Wladimir Morozov aus Russland und 252 Punkten Vorsprung auf den Australier Robert Hurley hat auch er ein deutliches Polster zu den restlichen Platzierten.

Die beste deutsche Schwimmerin ist Dorothea Brandt. Die Berlinerin konnte sich dank einer Medaille über 50 Meter Brust in Tokio auf Rang 15 verbessern. In diesem Rennen stellte die 22-jährige Russin Yuliya Efimova einen neuen Weltrekord auf. Sie unterbot die alte Marke der US-Amerikanerin Jessica Hardy um neun Hundertstelsekunden. Der neue Weltrekord steht jetzt bei 28,71 Sekunden.

Bester männlicher DSV-Athlet war Steffen Deibler. Er hatte allerdings nur an drei der acht möglichen Weltcup-Meetings teilgenommen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr einen englischen Beitrag, wie ihr euch am besten auf die Skisaison vorbereitet.

Schwimm-WM steht an

Für die meisten deutschen Schwimmer ist die Wettkampfsaison zu Ende, doch für die Spitzensportler des Deutschen Schwimmverbands (DSV) steht das wichtigste Event des Jahres noch vor der Tür. Vom 19. Juli bis am 4. August finden im katalonischen Barcelona die 25. Schwimmweltmeisterschaften statt. Hier werden Wettkämpfe im Beckenschwimmen sowie im Wasserspringen, Synchronschwimmen und Wasserball ausgetragen. Die deutsche Schwimmnationalmannschaft tritt mit 28 Sportlern in der spanischen Großstadt an, zwölf Frauen und sechzehn Männer kämpfen um Spitzenpositionen im internationalen Vergleich.

Machte bei den Deutschen Meisterschaften einen Leistungssprung: die erst 16-jährige Selina Hocke (Foto: Mirko Seifert)

Machte bei den Deutschen Meisterschaften einen Leistungssprung: die erst 16-jährige Selina Hocke (Foto: Mirko Seifert)

Die deutsche Schwimmerriege war nach dem katastrophalen Abschneiden bei den Olympischen Spielen in London schwer in die Kritik geraten, die Wettkämpfe in Barcelona sind nicht nur ein Orientierungspunkt, wie sich die persönliche Entwicklung der einzelnen Athleten weiter fortgesetzt hat, sondern auch inwiefern sich Strukturveränderungen und Trainingslager auf die Gesamtleistung des deutschen Schwimmteams ausgewirkt haben.

Im Vorfeld haben die deutschen Topathleten einige Leistungen gezeigt, die auf viel hoffen lassen. Bei WM-Generalproben in Frankreich und Spanien standen deutsche Schwimmer stets mit auf dem Treppchen und zeigten saisonale Bestleistungen. Eine wichtige Stütze des Teams fehlt allerdings: Paul Biedermann verzichtete aufgrund von Formschwäche auf die deutschen Meisterschaften im Mai in Berlin – und damit auch auf die Qualifikationsmöglichkeit zu den Schwimmweltmeisterschaften. Der ehemalige Weltmeister ist jedoch nicht der einzige, der im internationalen Vergleich auf seine Teilnahme und damit auch auf seine Paradestrecke 200 Meter Freistil verzichtet. Auch der französische Olympiasieger Yannick Agnel wird in Barcelona über diese Distanz nicht an den Start gehen, genau wie der chinesische Superstar Sun Yang. Damit rückt der Russe Danila Izotov als Topfavorit nach. Izotov war bei der Universiade eine neue Weltbestzeit geschwommen und stellt damit schon große Titelambitionen auf dieser so hart umkämpften Strecke.

Die deutschen Hoffnungen liegen unter anderem auf der Nachwuchsschwimmerin Selina Hocke, die sich bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin mit einem riesigen Leistungssprung in die Spitze der Schwimmcharts katapultierte und zwei Titel über 50 Meter und 200 Meter Rücken einfahren konnte. Auch Schwimmstar Britta Steffen scheint in guter Form zu sein, sie präsentierte beim Open de France in Vichy Spitzenleistungen.

Hat sich was getan?

Die deutsche Schwimmwelt hat sich seit London etwas erholt. Die Weltcupserie wurde in diesem Jahr von Vorzeigefrau Britta Steffen komplett geschwommen. Zwölf Stationen auf der ganzen Welt, zwölf Mal war die Bald-Hallenserin nicht zu schlagen. In der Gesamtwertung landete sie mit dieser Leistung auf dem dritten Platz und darf sich über einen ordentlichen Zuschuss für ihr Konto freuen. Doch der Rest der Welt schläft natürlich nicht. Gerade jetzt trumpfen die Franzosen auf. Die hatten am vergangenen Wochenende ihre nationalen Kurzbahnmeisterschaften – und konnten zwei Weltrekorde und einen Fast-Weltrekord vorzeigen.

200 Meter Freistil-Olympiasieger Yannick Agnel siegte über 400 Meter Freistil und war in 3:32,25 Minuten mehr als eine halbe Sekunde schneller als Paul Biedermann, der den Weltrekord vorher gehalten hatte. Biedermann hatte diesen im Jahr 2009 in einem der heute nicht mehr zugelassenen High-Tech-Anzüge aufgestellt. Nur wenige Stunden nach diesem Weltrekord ließ Agnel einen weiteren Paukenschlag folgen. Über die 800 Meter Freistil-Distanz schwamm er in 7:29,17 Minuten zum Sieg – Europarekord! Auch über die 200 Meter schwamm er zum Sieg, und nur drei Zehntelsekunden an Biedermanns Weltrekordzeit von 1:39,40 Minuten vorbei. Auch seine Teamkollegin Camille Muffat scheint keine sonderlich lange Pause nach den Olympischen Spielen gemacht zu haben. In einer Zeit von 8:01,06 pulverisierte sie den vorherigen Weltrekord über 800 Meter Freistil um mehr als vier Sekunden. Auch der Olympiasieger über 400 und 1500 Meter Freistil, Sun Yang aus China, kam bei den derzeit stattfindenden Asia-Meisterschaften auf Zeiten, die nur knapp langsamer als seine Leistungen in London waren.

Hier misst sich am Wochenende die deutsche Schwimmspitze: Die Schwimmoper in Wuppertal (Foto: kurzbahndm2012.de)

Die Frage ist nun, ob nicht nur Steffen wieder zu guter Form zurückgefunden hat, sondern auch der Rest der deutschen Schwimm-Nationalmannschaft in der Lage ist, wieder an die internationalen Top-Stars anzuschließen. Für einige, die nach London erst einmal eine längere Pause gemacht haben, werden die deutschen Kurzbahnmeisterschaften am kommenden Wochenende in Wuppertal nicht mehr als ein hochwertiger Trainingswettkampf sein. Es wird auch nicht die komplette Elite am Start sein, viele konzentrieren sich auf den Wiederaufbau nach den Olympischen Spielen.

Es wird sich nach dem kommenden Wochenende zeigen, was sich getan hat im deutschen Schwimmsport. Mit Sicherheit wird noch keine 180°-Wende zu erwarten sein, doch viele hoffen auf eine positive Tendenz in der sportlichen Entwicklung.

Vorschau: Schaffts Vettel zum dritten Mal? Oder wird dieses Jahr Fernando Alonso der Champion? Ihr erfahrts nächste Woche an dieser Stelle!

 

Preview: November 2012

Comedian Kaya Yanar, It-Girl Bonnie Strange und Ironman-Teilnehmerin Eva Helms – im Oktober konnte Face2Face viele hochkarätige Interviewpartner an Land ziehen.

 Aber auch im eisigen November wollen wir euch, liebe LeserInnen, mit jeder Menge spannenden Artikeln versorgen. Urlaubsfeeling liefert unsere Reiseredaktion mit einigen Eindrücken aus dem türkischen Istanbul. Unsere Kolumnisten widmen sich dem Thema „jung und schwanger“. Eine Vorschau auf die Kurzbahn-EM/DM im Schwimmen erwartet euch in der Sportrubrik. Im Panorama lest ihr wie es sich anfühlt als junger Erwachsener an einem PC-Seniorenkurs teilzunehmen und auch in der Musikrubrik gibt´s einen interessanten Selbstversuch frei nach dem Motto: Wie überlebt man eine tagelange SWR3-Hitparaden-Party?

Die FilmKunstKultur-Redaktion widmet sich in einer Rezension George R. R. Martins Die Herren von Winterfeld und verlost außerdem mehrere Exemplare des Buches. Um Überfischung geht es in der Tier&Umwelt-Rubrik. Die Tipps&Tricks-Redakteure stellen euch eine Shisha-Bar in Speyer vor und die Mode-Redaktion widmet sich – ganz dem Wetter entsprechend – der Herbst- und Wintermode für den Mann.

Laufende Gewinnspiele:

In der Tipps&Tricks-Rubrik könnt ihr noch bis Freitag, 02. November, eines von fünf Balea More Blond Sets, bestehend aus Shampoo und Spülung, gewinnen. Weitere Infos gibt´s HIER.

DSV-Männer sind auf gutem Weg

Bei den Frauen fehlt es noch an vielen Ecken

Am Montagabend gingen die 124. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen zu Ende. Wie auch in den letzten Jahren fanden sie in der deutschen Hauptstadt statt, ausgerichtet in der SSE Schwimm- und Sprunghalle am Europasportpark. Die Meisterschaften standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der Olympiaqualifikation für London, was auch mit dem Slogan „The Road to London“ als Motto festgesetzt wurde.

Und auf einem guten Weg nach London befinden sich derzeit die Männer des Deutschen Schwimmverbands DSV. Fünfzehn Mal konnten Schwimmer die gesetzten Normen unterbieten, die sich an Platz zehn der letztjährigen Weltmeisterschaften orientieren. Bei manchen kam es erwartet, bei anderen überraschend. Erwartet wurde es vom Hallenser Paul Biedermann, er unterbot im 200 Meter Freistil Finale souverän die gesetzte Zeit von 1:47,76 Minuten um mehr als eine Sekunde, war aber mit seiner Leistung überhaupt nicht zufrieden. „Ich habe mir viel mehr erwartet“, sagte er der Presse. Und auch über 400 Meter Freistil, seine zweite Paradestrecke, war er nicht glücklich. Er gewann zwar den deutschen Meistertitel, konnte jedoch die Zeit von 3:47,26 Minuten nicht unterbieten. Allerdings hat ihm der DSV aufgrund seines Medaillengewinns über diese Strecke bei der letztjährigen Weltmeisterschaft das Startrecht bereits zugesichert.

Auf der 200 Meter-Strecke lieferten sich der Bad Saulgauer Clemens Rapp und der Mainzer Dimitri Colupaev, der in Los Angeles in den USA trainiert ein heißes Rennen um den zweiten Einzelstartplatz. Bis 150 Meter lag Colupaev deutlich an zweiter Stelle, erst auf der letzten Bahn gelang es Rapp, den Mainzer einzuholen und in 2:47,57 Minuten nur eine Hunderstel-Sekunde vor dem Gegner anzuschlagen. In London darf er damit neben der 4×200 Meter Staffel, für die die ersten vier dieser Strecke qualifiziert werden (vorausgesetzt ihre Einzelzeiten unterbieten eine genormte Gesamtzeit) auch über das Einzelrennen über 200 Meter Freistil an den Start gehen.

Zeigte bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin eine beachtliche Leistung: Jan-Philip Glania (Foto: Offizielle Facebook-Fanseite)

Mehr oder weniger überraschend war die Leistungssteigerung von dem bei der SG Frankfurt startenden Jan-Philip Glania. Ihm gelang es als einzigem Schwimmer, die Olympianorm über 100 Meter Rücken zu unterbieten, außerdem schwamm er sich auch über die 200 Meter Rücken an die Spitze, unterbot die Norm und sogar den alten deutschen Rekord von Helge Meeuw. Auch über diese Strecke unterboten drei Schwimmer die Norm, allerdings hat der drittplatzierte Felix Wolf das Nachsehen, da in London nur zwei Schwimmer pro Nation über diese Strecke starten werden.
Eine großartige Leistung zeigte der Darmstädter Marco Koch, der sich mit seiner Zeit über 200 Meter Brust (2:09,48 Minuten) nicht nur für London qualifizierte, sondern sich auch an Rang vier der aktuellen Weltrangliste schwamm und damit deutliche Ambitionen auf einen Podestplatz in der britischen Hauptstadt zeigt.

Bei den Frauen sieht es derzeit nicht ganz so rosig aus, nur sieben Mal wurde die Olympianorm unterboten, und dies von nur fünf verschiedenen Schwimmerinnen. Einzig Britta Steffen konnte sich mit ihrer 100 Meter Freistil-Zeit in vordere Ränge der Weltrangliste schwimmen, von den anderen Teilnehmerinnen muss noch ein großer Leistungssprung folgen, sonst sind Finalplätze oder gar Medaillen nichts weiter als ein großer Traum.
Dennoch zu würdigen ist die Leistung der 18-jährigen Pforzheimerin Silke Lippok. Zunächst einmal die Tatsache, dass sie nicht, wie die meisten anderen an einem Landesstützpunkt trainiert, sondern zusammen mit ihrer Trainingsgruppe in einem kleinen 25-Meter Bad. Außerdem die Tatsache, dass sie dieses Jahr noch ihre Abiturprüfungen geschrieben hat und trotz des enormen Trainingspensums und oftmaligen Fehlens in der Schule aufgrund von Trainingslagern stets gute Zensuren schrieb. Sie unterbot als einzige die 200 Meter Freistil-Norm, und gehört damit zum festen Kern des Londoner Teams.

Es bleibt zu hoffen, dass bei den Europameisterschaften kommende Woche noch viele DSV-Schwimmer die erneute Möglichkeit nutzen, die Qualifikationszeit für London zu unterbieten, und auch dass die verbleibende Zeit für gutes Training und gute moralische Festigung genutzt wird.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr an dieser Stelle eine Vorschau auf die kommende Europameisterschaft im Fußball.

Paul Biedermann und sein Weg zu den Olympischen Spielen 2012

Er ist der Star des deutschen Schwimmsports, Zugpferd und großes Vorbild für viele Nachwuchsschwimmer. Außerdem ist er auch der medienpräsenteste deutsche Schwimmer, durch seinen Werbespot für „Gillette“ ist er vielen Menschen ein Begriff: Paul Biedermann. Sein großes Ziel – wie auch das vieler anderer Sportler – ist in diesem Jahr das Erreichen der Olympischen Spiele, die im August in der englischen Hauptstadt stattfinden. Biedermann hat schon vieles erreicht, war unter anderem der erste Mensch, der 200 Meter Freistil unter 1:40 Minuten geschwommen ist. Zusätzlich wurde er von bekannten Sportjournalisten zu Deutschlands Sportler des Jahres 2009 gewählt.

Doch wie der immer noch in allen deutschen Köpfen bekannten deutschen Schwimmerin Franziska van Almsick fehlt ihm diese eine, höchste zu erreichende Ehre im weltweiten Sportgeschehen: die olympische Goldmedaille. Seine Lebenspartnerin Britta Steffen hat dies schon 2008 erreicht. Steffen, die selbst im deutschen Schwimmgeschehen eine Vorreiterrolle einnimmt, kennt den schweren Weg bis zu diesem höchsten aller Ziele für Sportler. Sie kennt die Problematik des Wettkampfdrucks und des Drucks, der von außen kommt, von Trainern, von der Presse, so wie auch des Drucks, den man sich selbst macht – womöglich der am schwersten zu bewältigende. Und sie kennt auch das Gefühl, allen zu beweisen zu müssen, dass man es schaffen kann, und auch das Gefühl, welches nach der Euphorie über den Gewinn kommt. „Die zweite olympische Goldmedaille hat sich schon nicht mehr so besonders angefühlt, wie die erste. Das war dann schon fast erwartet“, sagte sie in einem Interview, nach dem sie neben der Goldmedaille über 100 Meter Freistil auch die 50 Meter Freistil bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen hatte. Zu hoffen ist, dass Steffen ihrem Partner in dieser Hinsicht Tipps geben kann. Doch wahrscheinlicher ist, dass er seinen eigenen Weg finden muss, denn bei jedem Sportler verläuft

die sogenannte „heiße Phase“ anders – jeder bereitet sich individuell auf das Großereignis vor.

Biedermann hat den Vorteil, dass er sich nur auf den Schwimmsport konzentrieren kann, er lebt derzeit von seinen Werbeeinkünften sowie der Unterstützung durch die Deutsche Sporthilfe. Er hat jedoch neben dem Training auch weitere Aufgaben, unterstützt zusammen mit einem seiner Sponsoren ein Nachwuchs-Perspektivteam, gibt Nachwuchsschwimmern die Möglichkeit, eine Trainingseinheit mit ihm zu schwimmen.

Der weitere Weg nach London sieht so aus, dass er zunächst die Olympischen Normen unterbieten muss. Möglichkeiten dazu hat er bei den deutschen Meisterschaften, die Anfang Juni in Berlin stattfinden, sowie bei den Europameisterschaften im ungarischen Debrecen, die eine Woche später geschwommen werden. Die Normen liegen hier bei den für ihn relevanten Strecken 200 Meter und 400 Meter Freistil bei 1:47,76 Minuten beziehungsweise 3:47,26 Minuten. Beides sind Zeiten, die Biedermann schon einmal erreicht hat, doch vor allem über die 200 Meter Strecke ist die internationale, aber auch die zunächst einmal relevantere nationale Konkurrent sehr stark. Denn bei den deutschen Meisterschaften muss er neben der Normunterbietung auch Platz eins oder zwei im Finale belegen, um für eine Nominierung berücksichtigt zu werden.

Die internationalen Chancen für Biedermann stehen gut, zuletzt hatte er den US-Superstar und 14-fachen Olympiasieger Michael Phelps im Direktvergleich mehrfach geschlagen. Letzterer gilt als einer der Top-Favoriten auf den Titel über Biedermanns Paradestrecke 200 Meter Freistil in London. Doch auch US-Kollege Ryan Lochte, der Franzose Yannick Agnel oder der Koreaner Park Tae-Hwan zählen zum engsten Favoritenkreis. Die 200 Meter Freistil können in diesem Jahr das bestbesetzte Rennen der ganzen Veranstaltung werden. Biedermann hat sich einiges vorgenommen, und hat bisher auch gute Leistungen gezeigt, doch einen Sieg prognostizieren kann niemand, denn vor allem bei den Olympischen Spielen passiert es oft, dass völlig unbekannte Sportler auf einmal Leistungsexplosionen zeigen, mit denen nie jemand auch nur im Entferntesten gerechnet hätte.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Christian über die Chancen von Sebastian Vettel in der diesjährigen Formel 1 Saison.

24 deutsche Schwimmer zur Kurzbahn-EM nach Stettin (POL)

Nach den deutschen Kurzbahnmeisterschaften, die vom Donnerstag, 24. November bis Sonntag, 27. November in Wuppertal stattfanden, hat der Deutsche Schwimmverband (DSV) elf Frauen und dreizehn Männer für die Kurzbahn-Europameisterschaft im Dezember in Polen nominiert.

Die nationalen Titelkämpfe boten für alle Athleten die Chance, die EM-Norm zu unterbieten. Belegte der Sportler zusätzlich im Finale Platz eins oder zwei, stand einer Nominierung zur EM, die  vom Donnerstag, 8. Dezember bis am Sonntag, 11. Dezember stattfinden wird, nichts mehr im Wege. Für 28 Athleten des deutschen Olympiakaders genügte es

Das Olympiabad in Stettin (POL): Hier werden die Kurzbahn-Europameisterschaften stattfinden (Foto: Polnischer Schwimmverband)

jedoch, „nur“ einen Titel zu gewinnen, um nominiert zu werden, eine Normunterbietung war nicht notwendig (Anm. d. Red.: Der Bundestrainer nominierte 28 Sportler mit Chancen auf Teilnahme beziehungsweise Medaillengewinn bei den Olympischen Spiele 2012 in den Olympiakader). Von den Frauen schafften sieben diese Kriterien, von den Männern acht. Die große Überraschung waren jedoch die neun restlichen Sportler, die es durch große Leistungssteigerungen geschafft hatten, die Norm zu unterbieten und sich ins EM-Team zu schwimmen.

So beispielsweise Doris Eichhorn. Sie hatte zuvor noch nie bei deutschen Meisterschaften eine Medaille in der offenen Klasse gewonnen, nun tauchte sie wie „aus dem Nichts“ auf, und wurde deutsche Meisterin über 50 Meter Rücken.
Isabelle Härle, die zwar schon mehrfach bei internationalen Meisterschaften für den DSV an den Start gegangen war, jedoch nicht dem Olympiakader angehört, gewann konkurrenzlos die 800 Meter Freistil und unterbot dabei auch deutlich die Normzeit (8:26,84 Minuten).

Auch bei den Männern gab es mehrere Überraschungen. Nicht nur ein Sportler, sondern gleich fünfunterboten die Normzeit für die 200 Meter Freistil, diese lag bei 1:45,04 Minuten. Gewöhnlich werden jedoch nur zwei Sportler pro Strecke für internationale Wettkämpfe nominiert. So konnten sich Paul Biedermann und Robin Backhaus über die Nominierung sicher sein; Tom Siara, Tim Wallburger und Steffen Deibler mussten jedoch weiter bangen. Wallburger und Deibler, die beide dem Olympiakader angehörten, gelang eine Nominierung über zwei andere Strecken, über die sie jeweils den Titel gewannen: Wallburger über 200 Meter Schmetterling und Deibler über 50 Meter Freistil und Schmetterling. Der Bundestrainer war über die Leistungsdichte auf den 200 Metern Freistil so überrascht, dass er nicht nur zwei, sondern drei Sportler für Stettin nominierte – Tom Siara darf also in Polen bei seiner ersten internationalen Meisterschaft an den Start gehen.

Ihre Klasse bewies einmal mehr Britta Steffen. Die bei den letzten Weltmeisterschaften wegen schlechter Leistung vorzeitig abgereiste Olympiasiegerin aus Berlin (wir berichteten) schwamm über ihre Paradestrecke in 52,0 Sekunden eine neue Weltjahresbestzeit. Damit hat sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man sie nicht einfach abschreiben kann, sondern dass sie eine wahre Kämpfernatur ist.

Vorschau:

„Sommer ist, was in deinem Kopf passiert“

Sind wir mal ganz ehrlich: Haben wir uns diesen Sommer wirklich so vorgestellt?

Dass sich der Sommer gerade nicht von seiner besten Seite zeigt, ist offensichtlich. So war zeitweise im Norden Deutschlands ein Weiterkommen ohne Gummistiefel und anständiger Regenkleidung nicht mehr möglich, in der Eifel hat man schon fast wieder die Herbstpullover aus der hintersten Ecke des Schranks auskramen können und im Schwarzwald hat es – wenn es dann mal geregnet hat – gleich ein ordentliches Unwetter gegeben. Ab und an hat die Sonne dann mal hinter einer Wolkenschicht hervorgelugt, um gleich darauf von der nächsten Wolkenschicht wieder verschlungen zu werden. Fazit: Unser Wetter spielt verrückt – gut, ich gebe zu, das ist nichts Neues – und seit die Klimaveränderung zu einem ernsthaften Thema geworden ist, erst recht nicht mehr, aber gerade in diesem Sommer fällt es doch krass ins Auge.
Ich meine, schauen wir uns doch mal unser Wetter an – da fragt man sich doch, wo der Sommer geblieben ist. Was ist mit den heißen Tagen, an denen wir einfach nur am See oder im Schwimmbad liegen und nichts tun wollen? An denen uns nur die Lust nach Eis und Abkühlung im kalten Nass dazu bewegen, mal aufzustehen und ein wenig umherzulaufen? Es ist irgendwie nicht von der Hand zu weisen, egal, wie man es auch dreht und wendet: Irgendwie fehlt uns diesen Sommer etwas.

Die Ruhe vor dem Sturm: Noch kann der Schirm zubleiben... (Foto: Zander)

Die Ruhe vor dem Sturm: Noch kann der Schirm zubleiben... (Foto: Zander)

Und damit ist garantiert nicht der Regenschirm gemeint, den ich seit geraumer Zeit jedes Mal in meine Tasche stopfe, wenn ich unterwegs bin. Denn man weiß nie, wann der Himmel das nächste Mal sämtliche seiner Schleusen öffnet und alles regelrecht ins Wasser fällt. Da will ich dann doch lieber abgesichert sein, statt eine Erkältung der fiesen Art zu riskieren. Wenn also kein sommertypisches Wetter – falls es so etwas überhaupt gibt – mit was haben wir es momentan dann zu tun? Ganz einfach: Wir begnügen uns gerade mit einem imposanten Wechsel aus heiter über wolkig bis hin zu unwetterartig – und das meistens an einem einzigen Tag! – und Temperaturen, die wohl eher in das Frühjahr oder in den Herbst gehören als in den Sommer. Es ist nass, kühl und wenn die Sonne sich mal blicken lässt, seufzt fast jeder voller Freude auf und versucht ein Stück ihrer Wärme in sich zu speichern. So sieht es aus. Auf der anderen Seite könnte es auch schlimmer sein. Bilder von der Hitzeperiode in den USA sprechen da Bände.
Außerdem gibt der Wetterdienst für die kommenden Tage eine kleine Entwarnung: Wer es noch nicht weiß, es sieht gar nicht mal so schlecht aus. Eine Radtour mit Picknick oder ein leckeres Eis in der Sonne dürften auf jeden Fall drin sein. Denn die Temperaturen steigen wieder, es bleibt weitgehend trocken und die Sonne gibt sich auch öfter die Ehre – na, wenn da keine sommerlichen Gefühle in einem aufkommen, weiß ich auch nicht…
Andererseits ist das schlechte Wetter auch gar nicht so dramatisch, wenn man nur die richtige Einstellung hat. Ich gebe zu, das ist nicht ganz so leicht, wenn man aus dem Fenster schaut – wissend, dass es eigentlich warm sein sollte – und es gießt in Strömen, gewittert vielleicht oder stürmt. Aber warum sich von einer Laune der Natur, an der wir nichts ändern können, die ganze Stimmung kaputt machen lassen? Es kommen doch noch mehr Tage – und vielleicht werden die ein bisschen sonniger. Ein goldener Herbst hat doch aus seine Reize.
Aber damit das Gemüt bis dahin nicht in Melancholie und Wehmut verfällt, weil unsereins eben nicht im Freien schwimmen gehen oder in der Sonne in seinem Lieblingscafé einen Cappuccino trinken kann, sollten wir uns vielleicht einfach an dem Sommerhit der WiseGuys orientieren. Die haben nämlich schon erkannt, was wir vielleicht noch so vergebens suchen: „Es ist Sommer, egal, ob man schwitzt oder friert, Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht, Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.“

In diesem Sinne: Packt die trübsinnige Laune ein und stellt den Kopf auf Sommer 😉

Eure Lea