Themenflaute mit Aussicht auf Schwachsinn – das Sommerloch 2017

Alle ausgeflogen, aber einer feilt an der Titelstory: Redaktionen um Sommerloch (brandtmarke  / pixelio.de)

Alle ausgeflogen, aber einer feilt an der Titelstory: Redaktionen im Sommerloch (brandtmarke  / pixelio.de)

Sommerloch – nein, damit ist nicht das Wettertief der letzten Tage gemeint! Stattdessen geht es um ein Tief der ganz anderen Art. Während der heißen Sommermonate bleiben die Nachrichten aus – ihr dürft euch an dieser Stelle gerne vorstellen, wie ein vertrocknetes Staubgebilde in Zeitlupe durch die verlassenen Räume der Nachrichten-Redaktionen rollt. Und während ihr noch die leisen Klänge der Jeopardy-Melodie in den Ohren habt, geht den verzweifelten Redakteuren plötzlich ein Licht auf. Schließlich ist das Nachrichtentief ganz leicht auszugleichen – mit einem Hoch an Kreativität!

Außer Face2Face, versteht sich 😉, haben in den letzten Tagen und Wochen wieder einmal viele Medien unter Beweis gestellt, wie man das Sommerloch mit allerhand Sinn und Unsinn füllen kann. Wir schauen mit euch zusammen rein!

Düstere Wolken über Heidelberg

William und Kate in Heidelberg – wenn das mal nicht ein Anlass für einen Liveticker ist! Die Stuttgarter Zeitung informiert ihre Leser im Minutentakt über alles, was vor Ort passiert. Da darf die emotionale Beschreibung der dramatischen Wetterlage natürlich nicht fehlen: „O je, es fängt zu Tröpfeln an … Hoffentlich ziehen die dunklen Wolken doch noch vorbei!“
60.000 bis 80.000 Euro kostete die Stadt das royale Spektakel. Mit vierstelligen Umsatzeinbußen rechnete vorab ein Gastronom am Markplatz, der wie alle anderen hier auch trotz strahlendem Sonnenschein drei Tage lang keine Außenbestuhlung anbieten durfte. Aber hach, Kate in ihrem gelben Spitzenkleid und William, wie er kindlich-hilflos versucht ein Stück Teig in Brezelform zu bringen… Zu schön, um nicht darüber zu berichten!

Keks-Kugel oder Baby-Bauch?

Erst hieß es, sie leide an Magersucht, jetzt vermuten findige Fans bei Sängerin Lena Meyer-Landrut eine Schwangerschaft. Soweit nichts Ungewöhnliches in der Berichterstattung der Klatschpresse. Dass jetzt aber auch ntv auf die Gerüchteküche anspringt, ist wohl dem Sommerloch geschuldet. Aber wir wollen mal nicht so sein: Allein der Begriff „temporäre Keks-Kugel“ verdient einen Award als bestes Sommerloch-Wort 2017, findet ihr nicht auch?

Zuhause gesucht!

Pünktlich zu Beginn der Sommerferien setzen viele Haustierbesitzer ihre mehr oder eher weniger liebgewonnenen Mitbewohner aus. Das ist schlimm und deswegen sind wir der Redaktion von ProSieben Newstime umso dankbarer, dass sie uns Alternativen wie Tierpensionen aufzeigt. Schade nur, dass wahrscheinlich viele Haustierbesitzer, die sich plötzlich fragen, was sie mit ihrem Tier anfangen sollen, während sie eine Woche lang betrunken im Bierkönig auf Malle liegen, vermutlich eher zur BILD-Zeitung greifen. Aber keine Sorge, liebe Tierschützer – die BILD-Redaktion kam schon vor Jahren auf das Thema und listet in ihrem Bericht von 2013 einfach mal ein paar Tierheime auf. Vielleicht hilft das was!

Todesmutige Pommes-Esser

Zum Schluss wollen wir aus gegebenem Anlass dann aber doch noch einmal ein bisschen ernst werden. Forscher haben in Pommes einen Stoff nachgewiesen, der stark krebserregend ist – diese bahnbrechende Nachricht ging in den letzten Tagen durch so gut wie alle Medien. Aber keine Sorge, die Redakteure der WELT können uns beruhigen: „Die Forscher essen weiterhin Pommes Frites.“ Na, wenn die Forscher sich so todesmutig geben, machen wir das doch auch!
Gefühlt gibt es, was unsere Umwelt und vor allem unsere Ernährung betrifft, doch fast nichts, was nicht schon mal als krebserregend klassifiziert wurde. Manches wie die Pommes geistert gerne mal durch die Medien – anderes wie beispielsweise Milchprodukte, die ebenfalls mit einem gesteigerten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden, geht gerne mal unter. Man muss sich schon ein bisschen einlesen, um herauszufinden, dass es in Sachen Milchprodukte ebenso wie bei den Pommes Tierversuche gab, die gezeigt haben, dass tierische Proteine, wie beispielsweise Casein, das Krebswachstum begünstigen.
Das wäre doch mal ein Sommerloch-Thema!

Im August dreht sich auf Face2Face alles rund um das Thema Fahrradfahren. Ihr dürft euch unter anderem auf den Selbstversuch einer Face2Face-Autorin freuen, die versucht in der Fahrradstadt Freiburg eine Woche lang ohne Drahtesel klarzukommen. Außerdem diskutieren wir über E-Bikes. Wir freuen uns, wenn ihr reinschaut!

 

Elisa Wächtershäuser: 24, Schriftstellerin und Ärztin – Teil 2

Elisa bei einer Lesung

Elisa bei einer Lesung

Abitur mit 17, Medizinstudium mit 23, nun 24 Ärztin und Schriftstellerin: Elisa Wächtershäuser hat bereits letzte Woche im ersten Teil des Interviews darüber berichtet, wie sie zur Medizin und Literatur gekommen ist (siehe dazu auch Teil 1 des Interviews: http://face2face-magazin.de/2016/05/27/elisa-waechtershaeuser-24-schriftstellerin-und-aerztin/). Diese Woche erzählt sie unter anderem wie sie zu ihren Geschichtsideen kommt.

Face2Face: Medizin klingt für mich sehr analytisch, objektiv, strategisch. Für die Literatur benötigt man doch vor allem Kreativität – wie passt das zusammen? Und was macht dir mehr Spaß: Medizin oder Literatur?
Elisa: In der Medizin ist vieles klar strukturiert, häufig gibt es eindeutige  Leitlinien zu Diagnostik und Therapie einer Erkrankung. Aber nicht immer ist alles eindeutig. Oft genug muss man kreative Lösungswege erarbeiten. Sei es, um ein untypisches Symptom  mit dem Krankheitsbild des Patienten in Verbindung zu bringen oder eine Operation bei einer nicht mit der Lehrbuchdarstellung übereinstimmenden Anatomie durchzuführen, oder auch nur, um einem Patienten zu erklären, warum das Essen aus der Krankenhausküche nicht so gut wie zu Hause schmeckt. Als Ärztin sieht man jeden Tag sehr viele unterschiedliche Menschen, die sich teilweise in außengewöhnlichen Situationen befinden oder außergewöhnliche Geschichten zu erzählen haben. Auch wenn nichts davon direkt in einen Text von mir einfließt, entsteht so doch ein Sammelsurium an Eindrücken, aus denen sich manchmal Personen oder Handlungselemente für einen Text herauskristallisieren. Als Medizinstudent bekommt man immer gesagt, die wichtigste Eigenschaft eines Arztes sei Empathie. Ich denke, dass Empathie auch für jemanden, der schreibt, eine unerlässliche Eigenschaft ist. Ob ich empathisch bin, müssen andere beurteilen, ich bemühe mich zumindest.Und was mehr Spaß macht? Unmöglich zu sagen. Die Kombination von beidem macht am meisten Spaß!

Face2Face: Wie kommst du zu deinen Geschichtsideen  und wie verläuft der Prozess von der Idee bis zum endgültigen Text?
Elisa: Die Ideen für meine Texte können überall herkommen, durch eine Person, eine Begegnung, einen Ort, ein Bild, ein bestimmtes Wort. Meistens sind diese Ideen anfangs noch sehr skizzenhaft. Einige vergesse oder verwerfe ich schnell wieder, über andere denke ich so lange nach, bis sie konkreter werden. Irgendwann mache ich mir eine Notiz, dann sammele ich weitere Details, eine grobe Struktur, einzelne Sätze und irgendwann schreibe ich einen Text. Mit der ersten Textfassung bin ich fast nie zufrieden, deswegen kommt nach der ersten Fassung die Korrektur, dann die zweite Fassung, dann vielleicht eine dritte und irgendwann wird der Text fertig.

Face2Face: Gibt es aktuell eine Kurzgeschichte an der du arbeitest? Um was geht es?
Elisa: Klar! Ich arbeite meistens an zwei oder drei Texten parallel. Aber worum es geht wird nicht verraten.

Face2Face: Du wurdest auch schon von Verlegern und Schriftstellern auf einen bevorstehenden Roman angesprochen, weil sie deine Kurzgeschichten interessant fanden. Wann ist damit zu rechnen und was ist der Inhalt?
Elisa: Momentan plane ich keinen Roman, zumindest nicht in der nächsten Zeit. Ich habe ein paar Ideen für ein längeres Schreibprojekt, aber gerade gefällt mir die übersichtliche, straffe Form der Kurzgeschichte einfach besser. Ich möchte mich gern noch an einigen kürzeren Texten austoben, bevor ich die Geduld und Disziplin für einen Roman aufbringe.

Face2Face: Was war dein schönstes Erlebnis bezüglich des Schreibens? Eine gewisse Auszeichnung? Das Lesen vor Publikum? Sich mit anderen jungen Schriftstellern bei den Workshops auszutauschen…?
Elisa: Jedes Mal, wenn ein Text, in dem zuerst gar nichts zu funktionieren scheint, doch noch fertig wird. Das ist jedes Mal das schönste Erlebnis.

Elisa Wächtershäuser: 24, Schriftstellerin und Ärztin

Elisa bei einer Lesung

Elisa bei einer Lesung

Elisa Wächtershäuser ist 24 Jahre alt. Ihr Abitur hat sie mit 17 Jahren gemacht. Es folgte ein Medizinstudium, das  sie im letzten Jahr abgeschlossen hat. Nun arbeitet sie als Ärztin in der Chirurgie und schreibt nebenbei ihre Doktorarbeit. In ihrer Freizeit schreibt  sie literarische Werke – genauso erfolgreich. So erfolgreich, dass renommierte Verleger und Schriftsteller sie immer wieder dazu motivieren, endlich einen Roman zu schreiben. Mit ihren Kurzgeschichten hat sie mittlerweile nämlich fast alles gewonnen, was man in jungen Jahren an Literaturpreisen gewinnen kann: Von 2007 bis 2015 war sie Preisträgerin des OVAG-Jugendliteraturpreises. Zudem erhielt sie 2013 den Hattinger Förderpreis für junge Literatur, hat am Literaturlabor Wolfenbüttel, am Treffen junger Autoren in Berlin und am Klagenfurter Literaturkurs teilgenommen.
Jeder, der gerade so um 11 Uhr schafft, aufzustehen, um zur einzigen Vorlesung des Tages zu gehen, mag sich jetzt damit trösten, dass Elisa ein abnormaler, überehrgeiziger  Freak mit Inselbegabung und fehlender sozialer Kompetenz sein muss.  Aber das ist keineswegs der Fall: Sie ist nett, hilfsbereit und hat einfach nur Spaß an dem, was sie macht. Grund genug, sie für ein Interview zu treffen.

Face2Face: Wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, mag man  den Eindruck gewinnen, dass du eigentlich gar keine Zeit hast: Doktorarbeit, arbeiten in der Chirurgie, Literaturwettbewerbe. Schläfst du auch irgendwann mal? Wie schaffst du das alles? 
Elisa: Dadurch, dass ich Dinge, für die ich mich weniger begeistern kann, auf das absolut notwendige Minimum reduziere. Staubsaugen zum Beispiel. Fenster putzen. Bügeln. Geschirr spülen. Und so weiter. Die Liste ist ziemlich lang …

Face2Face: Wenn man nun dich anschaut, könntest du auch als Geistes-oder- Sozialwissenschafts-Studentin im fünften Bachelor-Semester durchgehen. Warum hast du dich aber ausgerechnet für die Medizin entschieden? Warst du früher unsterblich in Patrik Dempsey aus Grey´s Anatomy verliebt und hattest gehofft, so deinen Traummann zu finden?
Elisa: Ich habe bisher ehrlich gesagt keine einzige Folge von Grey´s Anatomy gesehen, was zugegebenermaßen eine Bildungslücke für einer Medizinerin ist, und ich weiß auch gar nicht, wie Patrik Dempsey aussieht. Wohl auch eine Bildungslücke. Ist das wirklich so ein Traumtyp, dass man deswegen ein Medizinstudium beginnt? Vielleicht sollte ich mal einen Abend vor dem Fernseher verbringen!
Mich hat am Medizinstudium vor allem die breite Ausbildung interessiert, die Kombination aus naturwissenschaftlichen Fächern, Psychologie, Sozialwissenschaft, Ethik. Das Studium ist sehr vielfältig und man muss sich nicht wie in vielen anderen Fächern bereits während des Studiums für einen Schwerpunkt entscheiden. Mir fiel es immer schwer, mich festzulegen.

Face2Face: Ein Medizinstudium ist sicherlich schon anstrengend genug, vor allem, wenn man zu Beginn des Studiums nicht einmal volljährig ist. Wie war es für dich so jung ein so anspruchsvolles Studium zu meistern?
Elisa: Das war nie ein Problem. Ich wurde nie nach meinem Ausweis gefragt, an der Uni nicht und auch auf keiner Studentenparty. Ich glaube nicht, dass das Alter eine Qualifikation für das Studium ist. Man muss motiviert und interessiert sein und darf nicht den Spaß an der Sache verlieren, auch wenn gerade eine lernaufwändige Prüfung ansteht.

Face2Face: Wie bist du zur Literatur gekommen?
Elisa: Zur Literatur bin ich lange vor der Medizin gekommen. Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht. Und seit ich Schreiben gelernt habe, habe ich  Geschichten aufgeschrieben und bis jetzt nicht damit aufgehört. Obwohl es natürlich auch Phasen gibt, in denen ich fast gar nicht schreibe, ist es für mich ein ganz natürlicher Ablauf, dass man eine Idee, nachdem sie einem lange genug durch den Kopf gegeistert ist, zu Papier bringt. Ob man dieses Papier dann an eine andere Person weitergibt, oder gar veröffentlicht, ist eine andere Sache.

Vorschau: Am Freitag, 3.Juni berichtet Elisa unter anderem darüber wie sie zu ihren Geschichtsideen kommt und wie Medizin und Literatur für sie zusammen passen.

Ein Autor unter vielen

Ein Meer an Bücher - ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Ein Meer an Bücher – ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Als Schriftsteller/in hat man es nicht leicht. Mein Name schwimmt in einem Meer voller kleiner Fische mit einigen wenigen Walen. Nein, ich bin kein Wal in diesem Meer, ich bin ein kleiner Fisch. Ein Guppy. Doch zumindest kann ich bereits Veröffentlichungen vorweisen, gewonnene Wettbewerbe, Beiträge in Anthologien, die Herausgabe einer solchen und die Mitarbeit an einem Hörbuch. Viele Autoren aber sehen ihrer ersten Veröffentlichung sehnsüchtig entgegen und verschließen vor Problemen dabei manchmal die Augen.

Ein großes Problem nennt sich Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Oft haben sie einen ganz passablen Internetauftritt, werben mit vielen Autoren, die stets nett über den Verlag sprechen. Sie überraschen Neuautoren mit positiven Rückmeldungen und wollen verlegen. Alles. Egal was. Und das lassen sie sich bezahlen, nicht zu billig. Die dafür versprochenen Dienstleistungen, wie Lektorat und Werbung, werden dürftig bis gar nicht gemacht, das Buch mehr schlecht als recht verlegt. Wenige finden das Buch, kaufen und lesen es. Der Autor sitzt auf Kosten und ist entmutigter als vorher. Die beste Devise ist, nie bei einem Verlag zu veröffentlichen, der Geld sehen will.

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Eine besondere Sparte nehmen hier die reinen Dienstleister ein, die tatsächlich für Geld verlegen und klare Preise haben. Für ein paar Euro kann man dort schon ein Buch drucken lassen, oft als sogenanntes „Print on demand“ System. Das heißt, das Buch wird gedruckt, wenn es bestellt wird. Die Werbung ist auch hier oft gering, mehr kann man kaufen, aber das Buch ist bei allen großen Buchhandlungen lieferbar, wird professionell veröffentlicht und die Kosten sind nicht mit denen eines DKZV zu vergleichen. Ich spreche hier aus Erfahrung, mein Gedichtband Seelentropfen wurde beim Dienstleister BOD veröffentlicht. Daneben ist epubli ein Anbieter mit guten Konditionen. Mittlerweile ist auch die Veröffentlichung als elektronisches Buch kein Problem. Diese Methode ist für kleine Projekte, wie eben Lyrik, die nur wenige Verlage übernehmen, Ausgaben von kleineren Dichtergruppen und Selbstverlegern eigentlich eine ganz passable Alternative. Die Bücher sind gelistet, sind bestellbar und den Preis bestimmt man selbst. Wer im Internet selbst gut Werbung macht und eigenständig die gedruckten Ausgaben verkauft, ist ganz gut beraten.

Mittlerweile gibt es aber gerade im elektronischen Bereich auch kostenlose Möglichkeiten. Lektorat und Formatierung muss der Autor dann aber selbst machen. Mitunter gibt es auch negative Berichte zu den Themen Abrechnung und Verfügbarkeit der Dateien. Sehr viele sind aber auch zufrieden und manch ein Zufallserfolg war da schon dabei und machte richtig Geld. Problematisch ist aber, dass der Markt von eher minderwertigen elektronischen Büchern überlaufen ist. Wer selbst veröffentlichen und sich abgrenzen will, hat es nicht leicht. Viel Werbung, Kontakt zu Rezensionsplattformen und ein langer Atem ist nötig. Und manch ein Literaturschatz mag in dem Meer an miesen Büchern auch noch vergraben sein.

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ein guter Verlag ist für viele Autoren der Traum. Auch für mich. Denn ein guter Verlag heißt nicht nur viel Werbung und einen guten Stand für das Buch, sondern auch eine gute Position, wenn es um künftige Veröffentlichungen geht. Doch in so einen guten Verlag kommt man nicht leicht. Die Lektoren werden von Einsendungen zugeschüttet, das meiste landet ungelesen im Papierkorb, die ersten Seiten der Zusammenfassung, des Exposees, sind entscheidend, wenn überhaupt ein Blick darauf geworfen wird. Hier rein kommt man fast nur durch Literaturagenturen. Doch auch hier muss man gute von schlechten unterscheiden. Ein Tipp: Keine seriöse Agentur verlangt vor der Vermittlung Geld! Doch auch an eine gute Agentur zu kommen, ist nicht leicht. Auch hier stapeln sich die Manuskripte und manche gute Idee gerät einfach in die falschen Hände. Ihr seht, ich bin ein Guppy. Und die Chance, dass ich von einem Wal entdeckt werde, oder wachsen kann, sind gering.

Mit Ausschreibungen kommt man ganz gut in Anthologien und Sammlungen. Die sind aber oft von kleinen Verlagen und beinhalten eben viele kleine Autoren. Die Bücher finanzieren sich, weil jeder Autor ein paar Exemplare kauft und selbst verkauft oder verschenkt. Millionär wird damit keiner. Aber seien wir ehrlich. Nur sehr wenige Guppys können einmal von ihren Büchern leben. Mir reicht es schon, ab und zu wegen meiner Bücher angesprochen zu werden. Manch einer fragt mich auch mal, wann denn das Nächste erscheint. Und eine positive Bewertung eines meiner Bücher verschafft mir immer ein Kribbeln im Bauch. Bei all den Möglichkeiten kann ich noch viel ausprobieren und so oder so ist mir eines klar, ich werde immer schreiben, und so oft es geht auch veröffentlichen.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha, warum er das GPS an seinem Fahrrad so toll findet.

Das 1×1 des Modebloggings – Kinderleicht zum eigenen Blog

Modefreundinnen und -freunde verzehren sich tagtäglich vor allem nach dem Einen: Inspiration. Und was könnte eine bessere Inspirationsquelle bieten als das Leben selbst? Ein Glück, dass es das Internet und mit ihm seine vielen Blogs rund um das Thema Modetrends, Lifestyle und Beauty gibt. All jene, in Sachen Fashion auf dem neuesten Stand bleiben möchten, kommen heutzutage nicht mehr umhin, sich– auf die eine oder die andere Weise – mit sogenannten Mode-Blogs zu beschäftigen.

Wen es angesichts der Online-Artenvielfalt allerdings selbst in den Fingern juckt, der sollte sich mithilfe der folgenden Step-by-Step-Anleitung von Face2Face schleunigst an sein eigenes neues Herzensprojekt namens Blog wagen. Es bedarf lediglich ein wenig Vorlaufzeit zur Vorbereitung:

1. Der Name

Nomen est omen – das gilt auch für die Benennung deines neuen Mode-Blogs. Pfiffig sollte der Name sein und dabei möglichst viel der eigenen Persönlichkeit transportieren. Folglich sind Allerwelts-Titel wie „Schatzis Webseite, Mode von Mausi91“ etc. eher ungeeignet. Solche nichtssagenden Webdomains sind zudem meist bereits anderweitig vergeben, was umso stärker für einen individualisierten Namen spricht. In Verbindung damit solltest du dir überlegen, welches dein Zielgruppe ist und in welcher Sprache du dich in deinen Blogposts vorzugsweise an sie wendest. Entsprechend muss auch die Endung deiner URL ausfallen, .com und .de machen einen gravierenden Unterschied in der Verbreitung deiner Inhalte, da sie durch erstere viel eher von einer Zielgruppe über die deutschen Grenzen hinaus rezipiert werden dürften. Letzterer ist allerdings ein Schritt, über den du dir im Anfängerstadium noch keine Gedanken machen solltest. Dir genügen zur einfachen Blogerstellung handelsübliche und vor allem kostenfreie Server wie die von de.wordpress.com, myblog.de oder der Google-Tochter blogspot.com.

2. Das Layout

Es stellt sozusagen das Gerüst, die Verpackung deines digitalen Gedankenguts dar. Ohne einen optischen Hingucker können deine Texte noch so gut geschrieben, deine Fotos noch so scharf aufgenommen sein. Es hilft alles nichts, ohne eine anständige Aufmachung bleibt sämtlicher Content wirkungslos. Hier empfiehlt sich, einige Zeit in Herumprobieren zu investieren. Gerade WordPress hat eine Menge vorgefertiger Blog-Designs, in der Fachsprache Themes genannt, im Angebot, die wie niedliche Kleidchen an den Körper deines Blogs angehalten werden wollen. Wenn du einmal zu den etwas geübteren BlogerInnen gehörst, wirst du dein Outfit mit Accessoires aufpeppen können, die –wie sich jeder Modeaffine längst auf’s Höschen gestickt hat– das A&O sind, um in der Praxis ordentlich was herzumachen. Bis es soweit ist, kann man sich aber mit den Basics begnügen. Erst, wenn es langsam an den Feinschliff geht darf sich vom Alleswisser Google oder wahlweise von einem befreundeten IT-Nerd zur Hand gegangen werden lassen.

3. Das Model

Mode wirkt, da für denselben bestimmt, am Menschen immer noch besser als am Kleiderhaken. Daher sollte frühzeitig überlegt sein, wer als Vorzeigemodel für deine Trends herhalten soll. Auch hier stehst du wieder vor einer Qual der Wahl: Entweder bist du es selbst – vorausgesetzt, es sind deine eigenen Kombinationen, die du im Blog hervorheben möchtest – der ein Schaulaufen mit seiner persönlichen Saisonware veranstaltet; oder aber ihr geht auf die Pirsch nach würdigen, modischen Vorzeigeexemplaren, die man nach Möglichkeit auf offener Straße vor die Linse bekommt, um an ihnen brandaktuelle „Streetstyles“ festzumachen. Gerade die stilbewussten Paradiesvögel unter ihnen werden sich nicht kamerascheu zeigen, denn sie sind es gewiss gewohnt, auf ihre außergewöhnlichen Outfits angesprochen zu werden.

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Standardausrüstung: Stativ, Selbstauslöser und besonders die Kamera dürfen nicht fehlen, wenn das eigene Blog ein Erfolg werden soll (Foto: Perlowa)

4. Das Equipment

Stehen die Grundidee und die richtige Präsentationsweise, geht es ans Eingemachte. Deine Grundausstattung besteht aus Kamera, Stativ und Selbstauslöser, wobei letzteres optional ist und ganz davon abhängt, ob ihr überhaupt Schnappschüsse von euch selbst einzubauen plant. An Stativ und natürlich einer ordentlichen Kamera führt allerdings kein Weg vorbei, da du weder verwackeltes noch zweitklassiges Bildmaterial auf deinem Blog zeigen willst.

5. Die Sponsoren

Hast du das Blog bereits in den Startlöchern und gewinnst langsam, aber sicher, schon die ersten Besucher, kannst du dich allmählich auf die Suche nach Sponsoren begeben. Diese Form der Kooperation brauchst du einerseits, um den Bekanntheitsgrad deines Modeblogs zu steigern und andererseits natürlich, um dir damit den ein oder anderen Groschen dazu zu verdienen. Außerdem wird es dir eine Freude sein, als Produkttesterin oder Probeträgerin verschiedener Labels zu fungieren. Auch, wenn du verpflichtet sein wirst, die meisten Muster zurückzusenden: Wer hat nicht gerne eine schönen Abend mit einer zwar geliehenen, aber bekanntermaßen sündhaft teuren Vuitton, für deren Spazierführung du am Ende sogar bezahlt wirst? Eine solche Selbst-Kommerzialisierung mag nicht jedermanns oder -fraus Sache sein, ist in der heutigen Zeit aber eine anerkannte Vermarktungsstrategie und durchaus erfolgsversprechend, wie diverse Durchstarterblogs belegen.

Doch wie bereits gesagt, sollte dein Blog vor allem inspirieren und zum Austausch anregen. Sorge also frühzeitig dafür, dass du um dich herum ein Netzwerk aus BloggerInnen spinnen kannst, die sich untereinander und nicht zuletzt dich pushen, verlinken und – ob in internen Facebook-Gruppen oder in Bloggerforen, auf speziellen Bloggerflohmärkten – dafür sorgen, dass auch dein Blog in aller Munde gerät und mithilfe deiner liebevollen Pflege und Verbreitungstaktik dauerhaft im Gespräch bleibt.

Vorschau: In der nächsten Woche lassen wir unseren modischen Frühlingsgefühlen freien Lauf.

Analphabetismus – wie viel Lesenkönnen reicht

Von klein auf: frühe Förderung kann Analphabetismus verhindern (Foto: Obermann)

Von klein auf: frühe Förderung kann Analphabetismus verhindern (Foto: Obermann)

Ich liebe es, zu lesen. Meine Bücherregale quillen über und zum Gute-Nacht-Ritual meiner Kinder gehört, dass ich ihnen vorlese. Meine Mutter macht mir dabei manchmal den Vorwurf, ich lese zu schnell, doch mein Sohn kommt ohne Probleme mit. Wenn dagegen mein Schwiegervater zum Buch greift, graut es mir. Monoton geht es da zur Sache. Noch schlimmer wird es bei meiner Großmutter, die mitunter manches Wort zweimal lesen muss. In solchen Momenten denke ich an meine Mitschülerin aus dem Abitur. Meine Mitschülerin hatte es ohne Probleme bis zur dreizehnten Klasse geschafft. Sie war nicht dumm und hatte ganz gute Noten. Doch wehe, sie musste vorlesen. Aus einem fünf Zeilen Absatz wurde da der metaphorische Mount Everest. Wort für Wort ging es da voran, stockend und langsam, ohne Zusammenhang und manchmal auch ohne Sinn. Das Abitur hat sie geschafft, aber ich wette fast, dass sie ihren Kindern nur selten etwas vorlesen wird.

Im Oktober erst habe ich erfahren, Menschen wie meine Mitschülerin gibt es mehr, als ich dachte. „Jeder sechste Erwachsene kann nur lesen wie ein Zehnjähriger“ stand da in den Überschriften der Zeitungen. Dabei bezogen die sich auf den aktuellen Pisa-Test für Erwachsene, kurz PIAAC, der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). 16 bis 65 Jahre waren die Teilnehmer der EU-Studie, die eben auch auf Leseverständnis getestet wurden. 17,5 Prozent der Erwachsenen Deutschlands können demnach gerade mal auf Grundschulniveau lesen und schreiben. Das reicht, um Texte Wörtchenweise vorzulesen, um einfache Aufgabenblätter und Einkaufszettel zu lesen, um Kurznachrichten zu schreiben. Es sind Menschen, die unter den Tisch fallen, weil sie eben noch keine Analphabeten sind, aber dennoch beim Lesen und Schreiben auf der Strecke bleiben.

Fremde Welten? Noch immer können viele Deutsche nicht richtig lesen und schreiben (Foto: T.Gartner)

Fremde Welten? Noch immer können viele Deutsche nicht richtig lesen und schreiben (Foto: T.Gartner)

Dabei ist der Begriff ‚Analphabetismus‘ dehnbar. Laut dem Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. wird zwischen jenen unterschieden, die nie Lesen oder Schreiben gelernt haben (primärer Analphabetismus) und denen, die Kenntnisse zwar einst erworben hatten, sie aber wieder vergessen haben (sekundärer Analphabetismus). Darüber hinaus gibt es den funktionalen Analphabetismus. „Innerhalb der entwickelten Industriestaaten mit ihren hohen Anforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache müssen auch jene Personen als funktionale Analphabeten gelten, die über begrenzte Lese- und Schreibkenntnisse verfügen“ heißt es auf der Seite des Landesverbandes. In puncto Lesen würde meine Mitschülerin aus dem Abitur demnach durchaus in die Sparte Analphabetismus fallen, Schreiben konnte sie dagegen ohne Probleme.

Wenn schon meine leseschwache Mitschülerin das Abitur schaffen konnte, ist es wenig verwunderlich, wenn Analphabeten, die wesentlich schlechter  lesen und schreiben können, auch ihren Abschluss machen. Die Süddeutsche berichtete vor Kurzem von einem 25-Jährigen, der ohne jegliche Lese- und Schreibkenntnisse den Hauptschulabschluss schaffte. 2011 zeigte die LEO-Studie, die Literarität von Erwachsenen untersucht hat, dass 7,5 Millionen Deutsche funktionale Analphabeten sind, davon haben 300.000 Menschen keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse. 300.000 Menschen, die kein Buch lesen können, keine Beipackzettel, keine Einkaufslisten, keine Rezepte oder Straßennamen. Der Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. bietet auf seiner Internetseite die Funktion, Absätze auch vorlesen zu lassen, so dass Betroffene dort auch ohne lesen zu können an Informationen kommen, sofern sie jemanden finden, der ihnen die Internetadresse eingibt.

Einfach Losschreiben? Analphabetismus ist noch immer weit verbreitet (©Rainer Sturm/ pixelio.de)

Einfach Losschreiben? Analphabetismus ist noch immer weit verbreitet (©Rainer Sturm/ pixelio.de)

Diese aktuellen Studien zeigen aber auch, dass Analphabetismus zwar öfter in bildungsfernen Schichten und bei älteren Generationen auftritt, als bei jungen, bildungsnahen Menschen. Doch auch dort tritt er auf. Vielleicht nur ansatzweise wie bei meiner Mitschülerin aus dem Abitur oder auch primär, wie bei dem jungen Mann, den die Süddeutsche in ihrem Artikel vorstellt. Hilfe anzubieten ist mindestens so schwer, wie zuzugeben, dass man Hilfe braucht. Niemand gibt gerne zu, dass er nicht lesen kann, aber jemandem vorzuwerfen, er könne es nicht, das würde mir zumindest auch schwer fallen. Gerade in meiner vom Lesen und Schreiben geprägten Welt scheint es wie ein Sakrileg jemandem so etwas zu unterstellen.

Um die Zahl der deutschen Analphabeten zu verringern, muss sich also mehr verändern, als dass nur die Analphabeten sich bekennen. Jeder muss hellhörig werden und Hilfe ermöglichen. Lese- und Schreibkurse werden an Volkshochschulen und vom Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. regelmäßig angeboten. Dabei geht es nicht darum, einen zum Vielleser auszubilden, sondern zu helfen, dass jeder sich auch in der uns umgebenden Schriftwelt zurechtfindet. Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen, denn dass jemand durchs System rutscht und am Ende nicht lesen und schreiben kann, kann viele Schuldige haben. Es geht darum, dass wir unser Lesenkönnen nicht so selbstverständlich nehmen und darum auch aufmerksamer werden, wenn jemand eben da Defizite zeigt. Ein bisschen mehr aufeinander achten, damit andere im Notfall auch auf einen selbst achten können.

Vorschau: Nächste Woche erklärt euch Alexandra, was sich hinter dem Begriff „Lookism“ versteckt.

Die Wahrheit steht zwischen den Seiten – Lesprobe / Annette Warsönke

Ungewöhnliche Protagonistin: In Aneete Warsönkes neuem Roman spielt die Hauptrolle eine Schreibmaschine (Foto: Warsönke)

Ungewöhnliche Protagonistin: In Annette Warsönkes neuem Roman spielt die Hauptrolle eine Schreibmaschine (Foto: Warsönke)

I.                   Teil

1.      DER DOKTOR                

NAME DES TOTEN: JANUS LILIENSTEIN
Die Finger des Doktors hämmerten auf die Tasten der alten Schreibmaschine, deren Hebel mit jedem Anschlag mehr zu ächzen schienen.

TODESURSACHE: HERZVERSAGEN, NATÜRLICHER TOD, KEINE FREMDEINWIRKUNG
Er lehnte sich in dem kühlen Ledersessel zurück und fixierte das Porträt des Verstorbenen, das über der Eingangstür hing. Seine Pupillen lieferten sich mit den durchdringenden Augen seines Gegenübers ein ungleiches Kräftemessen, das der Doktor schließlich mit einem Wimpernschlag beendete.

»Ja, das war´s dann wohl, alter Junge. Du hattest ein langes Leben, und das ist nun zu Ende. Du warst bei allen beliebt, oder zumindest geachtet. Da kommt nur ein natürlicher Tod infrage – im eigenen Bett friedlich entschlafen.«
WOHNORT: …
Der Arzt ließ seine Blicke über die Reihen lederner Buchrücken schweifen, die sich bis zur Decke erstreckten und im Sonnenlicht golden schimmerten.
»Hier hast du unzählige Stunden verbracht. Deine papierenen Weggefährten verharren noch immer auf deinem Schreibtisch aus wohlpoliertem Eichenholz. Shakespeares Hamlet und Macbeth, deine Lieblingsdramen. Und natürlich der alte Platon.«

Er nahm das Buch des griechischen Philosophen zur Hand und öffnete es an der eingemerkten Stelle: »›Der Mensch ist das Maß aller Dinge‹. Ja, das war dein Herzenssatz, dein Lebensmotto, könnte man sagen.«
Er füllte die restlichen Zeilen des Fragebogens aus, dann drehte er an der Walze der Schreibmaschine, die knirschend das Formular freigab.
»Ja, der Totenschein deines Herrn und Meisters war wohl dein letzter Auftrag. Gestern noch sein behüteter und wohlgepflegter Augapfel, morgen schon einer ungewissen Zukunft entgegen. Mechanische Schreibgeräte sind ein Luxus der Alten, die an der Vergangenheit hängen. Jetzt wird deine Zeit bald abgelaufen sein, so wie die Seine. Und auch meine Mission hier ist schon fast beendet.«

Er unterschrieb das Formular, packte es in seine abgegriffene Arzttasche und ließ die rostige Schnalle zuschnappen.
Dann erhob er sich und ließ seine Finger wie zum Abschied über die abgeschabten Tasten der Schreibmaschine gleiten. »Vergiss nie den Satz, den Hamlets treuer Weggefährte sagte: ›Der Rest ist Schweigen.‹«

2.      ATHENE

Ich konnte es nicht glauben. Es war, als wäre ich in ein tiefes, schwarzes Loch gefallen. Dunkelheit umgab mich, hielt mich eng gefangen, ohne Aussicht, jemals wieder das Licht der Sonne zu erblicken.

Düsternis beherrschte mein Denken. Warum bist du von mir gegangen, hast mich verlassen, im Stich gelassen, auf dieser Welt allein zurückgelassen?
Ohne dich bin ich nichts, habe keine Identität, keine Aufgabe, keinen Sinn. Du warst der wichtigste Teil meines Seins, was bin ich ohne dich? Nur eine leere Hülle ohne eigenes Leben …
Du warst für mich der wundervollste Mensch, deine Gedanken ein Quell der Erfüllung meiner einsamen Tage.

Ich war hin und her gerissen zwischen kalter, dumpfer Trauer und heißer, stechender Wut.
Trauer über Janus Weggang und Wut über den Doktor, über sein Reden und sein Tun – oder besser gesagt Nicht-Tun.
Keine Fremdeinwirkung. Wenn es nicht so tragisch wäre, müsste ich lachen. Herzversagen? Du warst kerngesund, nichts deutete darauf hin. Und ihm genügte sicherlich ein kurzer Blick auf dich. Nur nicht zu viel nachdenken, das war schon immer seine Devise.
Und wie er von deinen Büchern gesprochen hat, der Unwissende. Für ihn waren sie nur beschriebene Blätter in einem Einband, die er zwar gerne mal las, jedoch ohne den Sinn dahinter zu verstehen.
Wie anders bist du gewesen. Nie werde ich die Stunden vergessen, die wir beide zusammen mit ihnen verbracht haben, du hast mir mit deinen erfahrenen Händen ihre Bedeutung erklärt. Wie ich deine gefühlvollen Berührungen geliebt habe.

Sie waren nicht wie die knochigen Finger des Doktors, die mir immer einen eiskalten Schauer einjagten. Für ihn war ich eine unter vielen, für dich dagegen, wie du so oft sagtest, deine Muse. Ich hatte die Ehre, an deinen Ideen teilzuhaben und sie auf Papier zu bannen.
Du gabst mir einen Namen, der mich von all den anderen abhebt: Athene, die Göttin der Weisheit.
Aber nicht nur Hüterin der Weisheit, sondern auch kämpferische Beschützerin der Stadt Athen und des Odysseus auf dessen Fahrten.
Anders als meine große Namenspatin kann ich dich nicht mehr sicher nach Hause bringen, zu früh wurdest du mir entrissen. Aber ich kann zumindest versuchen, die Umstände deines Todes aufzuklären, wenn es schon sonst niemand tut.
Denn an einen schnöden Herzinfarkt vermag ich nicht zu glauben.

Wie der Doktor zu Recht erkannte, warst du ein geachteter Mann. Aber du hattest auch Gegner, die deine Worte und Taten nicht verstanden. Einige hatten dich beschimpft, sogar bedroht, aber du bist nie zur Polizei gegangen. Für dich war all dies nur eine Ausgeburt an Dummheit, die sich am Ende selbst vernichtet.
Und deine Philosophie war einleuchtend:
»Der Mensch ist das Maß aller Dinge.«
Er gibt ihnen einen Namen und legt ihre Eigenschaften fest. Jeder Mensch hat hierbei eine unterschiedliche Sichtweise, je nachdem, wie es sein geistiger Horizont erlaubt.

Ich bin dafür das beste Beispiel:
Für dich war ich Athene, deine Muse, die Schreiberin deiner Ideen – für den Doktor bin ich nur eine ganz gewöhnliche, alte Schreibmaschine.

©Annette Warsönke

Die Autorin

Jurisitin und Autorin: Die Schriftstellerin Annette Warsönke (Foto: Warsönke)

Jurisitin und Autorin: Die Schriftstellerin Annette Warsönke (Foto: Warsönke)

Schon in jungen Jahren fand man Annette Warsönke meist mit einem Buch vor der Nase – gerne auch mit Krimis. Da sie hierbei die Kombination von Buchstaben, Logik und Paragrafen fasziniert hat, hat sie Rechtswissenschaft studiert. Nach dem Examen ist sie beim Steuerrecht gelandet und hat in diesem Bereich mehrere Bücher veröffentlicht – unter anderem auch zum Thema Steuerstrafrecht.
Da sie sehr gerne mit Sprache arbeitet, ist sie als Freie Lektorin (ADB) und Dozentin für Kreatives Schreiben tätig.
Nach einem kurzen Abstecher nach Rom liegt ihr Lebensmittelpunkt heute südlich ihrer Geburtsstadt München.

Der Schritt von der Juristin zur Kriminalautorin war für sie eine logische Konsequenz aus ihrer Arbeit, die oft Spürsinn erfordert und Abgründe zeigt. Was sie liebt und mit Leidenschaft betreibt, ist die Dinge schreibend zum Leben zu erwecken. So entstand die Idee, einen Gegenstand, der mit der Entstehung von Kriminalromanen eng verbunden ist, zur Protagonistin ihres Krimis „Die Wahrheit steht zwischen den Seiten“ zu machen, der 2013 beim Spielberg-Verlag erschienen ist.

Da sich nicht nur Kriminelle gerne verbinden, ist sie Mitglied der Mörderischen Schwestern e.V. sowie im Montségur Autorenforum.

 

Von der Idee zum Artikel

Täglich erscheinen auf Face2Face Artikel zu den unterschiedlichsten Themen. Wo aber kommen diese Texte her? Wie entstehen sie? Und vor allem: Was unterscheidet einen Face2Face-Artikel von einem Blogeintrag? Wir möchten unsere Arbeitsweise für euch offenlegen und so Transparenz schaffen.

Steht am Anfang jedes Artikels: Eine Idee (© Benjamin Thorn / pixelio.de)

Am Anfang jedes Artikels steht eine Idee. Diese Idee ist zu Anfang vielleicht nur ein Geistesblitz – ein Thema, das den Autor selbst bewegt. Vielleicht ist er fasziniert von einer Person oder einem Ereignis. Möglicherweise macht ihn aber auch etwas wütend oder traurig. Mit „Autor“ ist in dem Fall einer der knapp 40 Journalisten gemeint, die auf ehrenamtlicher Basis für Face2Face tätig sind. Kein Mitarbeiter ist über 30 Jahre alt, so haben sie die Möglichkeit, sich optimal in die Face2Face-Zielgruppe – junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren – hineinzuversetzen, ihre Vorlieben, Sehnsüchte und Probleme zu erkennen und authentisch zu beschreiben.

In Teamarbeit werden dann die Themen in der jeweiligen Redaktion abgesprochen und eingeplant. Die sorgfältige Planung der Veröffentlichungen macht es uns möglich, euch bereits eine Woche vorher über das Thema des anstehenden Artikels zu informieren und Abwechslung zwischen Textsorten und Themen zu schaffen.

Ist die Idee im Kopf des Autors und durch den Dialog in der jeweiligen Redaktion zu einem konkreten Plan herangereift, geht es an die Recherche. Hierfür werden je nach Thema Veranstaltungen besucht, Personen kontaktiert und zum Interview gebeten sowie Informationen aus den Medien durchforstet. Im Gegensatz zu größeren und bekannteren Online-Magazinen beziehen und veröffentlichen wir keine ausformulierten Texte von Nachrichtenagenturen. Unsere Artikel sind individuell und dementsprechend nur auf unserer Website in genau diesem Wortlaut zu finden.

Wie aber kommen wir als noch recht unbekanntes Online-Magazin an so prominente Interviewpartner wie taff-Moderator Daniel Aminati, Schauspieler Matthias Schweighöfer oder Erotikmodel Micaela Schäfer? Die Antwort lautet: Professionelles Auftreten, Hartnäckigkeit und natürlich auch eine Prise Glück. Wer zum Beispiel das „Vergnügen“ hat, während eines Interviewdrehs im Rahmen eines Praktikums den Regenschirm über „kicker“-Herausgeber Rainer Holzschuh zu halten, kann recht sicher sein, dass er dem Herrn doch wenigstens insoweit im Gedächtnis bleibt, als dass dieser die Interviewanfrage ein paar Tage später bejaht.

Das Handwerkszeug eines Journalisten: Stifte und Papier (© Lupo / pixelio.de)

Sind alle für den Artikel notwendigen Informationen gesammelt, geht es ans Schreiben. Es wird getippt, gebrainstormt, gestrichen, nochmal alles umgeworfen, neu formuliert, bis am Ende der fertige Artikel dabei herauskommt. Bevor er jedoch mit schönen Bildern illustriert auf Face2Face erscheint, wird er von einem unserer Lektoren korrigiert. Rechtschreibung, Grammatik, Formulierungen und Logik werden dabei beachtet, um so eine möglichst fehlerfreie Veröffentlichung zu garantieren. Die hohe Artikelqualität wie auch die Zuverlässigkeit der Erscheinung – täglich um 12 Uhr geht mindestens ein Artikel online – unterscheidet Face2Face von diversen Blogs im Internet. Auf der anderen Seite haben die oftmals sehr persönlich gehaltenen Internet-Tagebücher aber auch Vorbildfunktion für den einen oder anderen Artikel auf Face2Face. Mit redaktionsinternen Umfragen und subjektiven Darstellungsformen wie Kommentaren oder Kolumnen folgt die Redaktion dem Trend, den die Blogger setzen.

Und nun? Es ist Punkt 12 Uhr. Ein Artikel erscheint. Heute ist es ein Beitrag über die Arbeitsweise der Face2Face-Mitarbeiter und die Entstehung eines Artikels. Und für morgen hat das Redaktionsteam wieder Texte vorbereitet, sorgfältig recherchiert und eine Idee zu Papier gebracht, um euch, liebe Leser, zu informieren und zu unterhalten.

Mehr über die Entstehung von Face2Face und das Konzept lest ihr HIER.

Vorschau: Und nächste Woche im Panorama: Vorlesungen für alle und zum Nulltarif – wie das Internet die Bildung revolutioniert.

 

Weg durch die Nacht – Anna-Geraldine Link

Neu erschienen: zwei Geschenkbücher von Anna-Geraldine Link (Foto: Link)

„Vertrau mir, bitte, vertrau mir!“ Seine Stimme klang flehend, beinahe verzweifelt und sein Blick, immer suchend nach den Augen, die ihn nicht anblicken wollten. „Wir sind schon so weit gegangen. Das letzte Stück, dieses kleine letzte Stück, das schaffen wir jetzt auch noch.“

Stille.
Die Worte gesprochen in die Dunkelheit und Schwärze der Nacht, die sie umgab. Und dann die Antwort. Eine Stimme, viel lauter als erwartet, viel durchdringender und schriller als es die Umgebung erlaubte. „Nein!“ Und immer wieder: „Nein!“ Er seufzte. So tief und aus ganzem Herzen und er kannte keine Geste, kein Wort, keine Handlung die mehr hätte ausdrücken können, wie er sich fühlte, als dieses tiefe Seufzen. Er sammelte alle seine Kraft, um wieder das zu fragen, was er schon gefühlte tausendmal gefragt hatte.

Die Frage, auf die er keine befriedigende Antwort bekam. Die Antwort, die jedes Mal das gleiche sagte, und die er sogar verstehen, ja, wirklich verstehen und nachempfinden konnte. Und dennoch wollte er es nicht mehr hören, denn er hatte keine Argumente, keine Überzeugungspunkte. Nur Phrasen. Er wollte die Antwort nicht hören. Aber er fragte: Warum? Und kaum stand das Wort zwischen ihnen in der schwarzen Nacht zwischen ihnen, genauso unsichtbar wie sie selbst und alles um sie herum, prasselte die Antwort, die Antworten auf ihn ein. Wie schon tausendmal zuvor.

Seit 2011 veröffentlichte sie 7 Geschenkbücher: Autorin Anna-Geraldine Link (Foto: Link)

„Warum? Weil ich nicht mehr kann. Weil ich nicht weiß was kommt. Alles ist schwarz. Was ist wenn jemand uns angreift. Was ist wenn wir nicht stark genung sind. Wenn wir uns nicht verteidigen können. Was ist denn hinter der Schwärze. Was soll da tolles kommen. Wir können genauso gut zurück gehen oder für immer hier bleiben. Nicht vor und nicht zurück. Hoffen, dass die Zeit stehen bleibt. Uns klein machen und den Rest der Welt ignorieren. Aber ja nicht weiter gehen. Wer sagt uns denn, dass wir danach die Sonne sehen werden?“

„Jeder.“, entgegnete er leise. „Jeder sagt, dass nach diesem kleinen Stück der Dunkelheit die Sonne kommt. Es warm wird. Wir sehen wo wir hintreten. Wir die Welt sehen.“ Er wusste, dass er mit diesen Worten nichts ausrichten konnte – er hatte es oft genug versucht. Sein kleines, lautes Gegenüber war von seinem Standpunkt, der Aussichtslosigkeit und der Erschöpfung überzeugt. Und er konnte es verstehen. Schließlich sah er auch nichts. Nichts außer Dunkelheit. Kein Schimmer, keine Ahnung, keine Hoffnung auf Licht. Wärme. Ankommen. Sondern nur schwarz. Und doch wusste er, es kommt. Es wird kommen. Es muss kommen. Und er wusste es. Und auch wenn er es nicht fühlte, so glaubte er es trotzdem, weil er es wusste.

„Vertrau mir doch einfach. Und lass uns weiter gehen.“ Er hörte wie das kleine Etwas wieder tief Luft hohle. Er erahnte erneute Zweifelschwalle. Es hatte keinen Zweck und der Entschluss stand ihm klar vor Augen. Er bückte sich, tastete zielsicher in die Dunkelheit und ergriff das Herz, das zeterte und jaulte, nicht wollte, nicht konnte, verängstigt war von aller Schwärze die seit Tagen oder Wochen um sie herum herrschte. Er wusste, was das Herz nicht wusste, nicht mehr glauben konnte oder wollte. Warum auch immer. Es war seine Aufgabe, es dadurch zu tragen. Sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Auf das Ziel zuzustreben. Zu Laufen. Endlich Ankommen. Ins Licht. Und deshalb nahm er das Herz in seine rauen Hände hielt es fest und machte sich auf in die Nacht.

Der Verstand, der weitergeht, weil er weiß, dass es weiter geht. Der weiß, dass Licht kommen wird. Auch wenn das Herz es nicht mehr glaubt.

©Anna-Geraldine Link, geb. Buddeberg

Die Autorin

Für sie ist Schreiben lebenswichtig: Autorin Anna-Geraldine Link (Foto: Link)

Anna-Geraldine Link hieß bis zu ihrer Hochzeit im  Sommer 2012 mit Nachnamen noch Buddeberg, unter welchem sie auch ihre ersten Veröffentlichungen tätigte. Geboren 1989 in Nordrhein-Westfalen, zwischen Ruhrgebiet und Sauerland, verbrachte sie ihre ersten 20 Lebensjahre als Jüngste von fünf Schwestern. Nach dem Abitur zog es sie in den Süden, wo sie 2009 ein Germanistikstudium an der Universität Mannheim begann und 2012 erfolgreich mit einem Bachelor beschloss. Seitdem lebt sie in der schönen Pfalz, ihrer Wahlheimat.

Mit zwölf Jahren begann Anna-Geraldine Link ihre Leidenschaft in der Schreiberei zu entdecken und schrieb ihre ersten Geschichten und Gedichte. Seit 2006 betreibt sie ihren Blog „Gedankenflug“, der immer wieder mit neuen Gedanken und Impressionen gefüllt wird. Das Schreiben ist für sie wie Atmen und eigentlich eine überlebenswichtige Funktion, um alle Eindrücke von Kopf und Herz zu verarbeiten. Dabei ist es ihr ein Herzensanliegen, Gedanken, Gefühle und Begebenheiten so in Worte zu fassen, dass andere Menschen sich in ihnen wiederfinden können.

Im Januar 2011 erschienen ihre ersten Geschenkbüchlein beim Verlag SCM Collection. Bis heute sind es sieben Geschenkbücher zu verschiedenen fröhlichen Lebensthemen erschienen, mit inspirierenden Texten von Anna-Geraldine Buddeberg, in einem Arrangement von Zitaten großer Persönlichkeiten und passenden Bildern und Grafiken.

Bücher:

Zwei Herzen im Glück (2012)
Glück und Segen auf all deinen Wegen (2012)
Weil ich dich einfach mag (2012)
Ein Dankeschön für dich (2012)
Dies ist dein Tag (2012)
Jede Menge Glücksmomente (2013)
Weil du mir wichtig bist (2013)

Wer braucht denn noch den Journalismus?!

Ich fühle mich aktuell ein wenig erinnert an die Passion Jesu Christi. Die Rolle des Jesus Christus ist jedoch besetzt mit der des Journalismus. Der Journalismus leidet Qualen, er trägt seine Wunden öffentlich zur Schau und die ganze Welt nimmt daran teil. Folgt nun also bald die Kreuzigung?

Nicht erst seit den Insolvenzmeldungen etablierter Blätter wie der deutschen Financial Times oder der Frankfurter Rundschau steht es um den Journalismus, besonders den Printjournalismus schlecht. Langsam aber dauerhaft sinken die Auflagen, die Zeit zum gemütlichen Lesen der Wochen- oder Tageszeitung wird immer knapper und das Interesse am gut recherchierten Journalismus scheint abzunehmen. Nun stellt sich also auch mir die Frage: Wer braucht denn noch „guten“ Journalismus? Und was ist überhaupt „guter“ Journalismus? Insbesondere als Journalistin im Bereich Musik drängt sich diese Frage geradezu auf.

Die Menschen kaufen ihre Musik zwar noch größtenteils im Plattenladen, jedoch steigt die Anzahl an illegalen und legalen Downloads an. Kein Wunder also, dass die zunehmend internetaffine Mehrheit sich auch über dieses Medium über die Musik informiert. Ich selbst schreibe hier für ein Onlinemagazin. Somit verbreite ich meine Meinung und mein Wissen nicht via Printmedium, sondern via Internet. Gehöre ich also vermutlich zu den Verantwortlichen dieser „Misere“?

Bald eine Erinnerung an alte Zeiten? Verschiedene Printmedien (Foto: Wobbe)

Ich finde die Diskussion um das Medium eher lästig. Printmedien versus Onlinemedien. Wieso sollte nur eines davon den Anspruch auf Qualität haben? Es gibt eben unterschiedliche Menschen, die sich unterschiedlich informieren. Und da es nun mal das Internet gibt, gibt es auch Leute, die lieber über das Internet lesen. Die Onlinemedien sind deshalb aber noch lange nicht schuld an den sinkenden Auflagen. Meiner Meinung nach liegt das Problem vielmehr daran, dass viele Menschen keinen Wert mehr auf gründliche Recherche und detaillierte Informationen, insbesondere Hintergrundinformationen, legen. Viele sind einfach auf der Suche nach Neuigkeiten und diese sollen, logischerweise, möglichst aktuell, möglichst knapp und trotzdem informativ sein. Genau das findet man im Internet. Seit Smartphones und Tablets genügt ein Klick und man kann auf verschiedenste Nachrichtendienste zugreifen. Auch das geht wohl einher mit der immer knapper werdenden Zeit, die jedem Einzelnen zur Verfügung steht. Da muss es eben schnell gehen, das kenne ich selbst. Ein Teufelskreis also? Ich denke, die Printmedien müssen sich für die Onlinewelt öffnen. Sie könnten ein wahres As aus dem Ärmel ziehen, wenn sie Print und Online geschickt kombinieren. Ich selbst habe eine Wochenzeitung abonniert und bin gleichzeitig großer Fan der zugehörigen App. Letztlich ist es nicht anders als im Printjournalismus: Die guten Medien müssen sich etablieren und bleiben bestehen, die schlechten werden früher oder später aufgeben. Wieso sollte man sich also entscheiden müssen? Auch Online gibt es genug gute Journalisten und Beiträge. Es bedarf lediglich noch einer Art und Weise, die guten von den schlechten zu trennen. Nichts gegen die Meinungsfreiheit, ohne sie könnte ich an jener Stelle nicht schreiben. Aber wenn der Onlinejournalismus auf dem Niveau des Printjournalismus ankommen soll, muss man die Spreu von Weizen trennen können.

Die Frage, ob man den Journalismus überhaupt noch braucht, finde ich alarmierend. Wo kämen wir hin, wenn jedermann willkürlich Informationen, Meinungen und Wissen verbreiten könnte? Gerade dank der reichhaltigen Medienlandschaft, die zur Zeit noch vorherrscht, kann jeder für sich selbst auswählen, welche Zeitung, Zeitschrift, Magazin et cetera er liest. Und der Beruf des Journalisten sollte weiterhin ein ehrenhafter Beruf bleiben, den man erlernen muss, der eine Ausbildung erfordert und der letztlich das ist, was ihn so schön macht – eine Berufung.

Man möchte also hoffen, dass im Falle einer Kreuzigung, der Journalismus wieder aufersteht.

Vorschau: Nächste Woche gibt es eine CD Review von Hélène Grimaud und Sol Gambetta.