Trimm dich krank!

„Ich habe mit Spaß am Sport angefangen“, sagt Anja (22). „Es war toll, Erfolge zu erzielen, Veränderungen wahrzunehmen und sich gesund und fit zu fühlen.“ Aber dann wurde aus dem Spaß ein Zwang und aus dem Zwang eine Sucht.

„Traumbody“ dank Fitness- und Ernährungsprogrammen

Die Kombination aus Sport und Ernährung wird uns oft als Lösung für nahezu alles verkauft. „Mit effektivem Training und gesunder Ernährung zum Traumbody“ oder „durch kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung und moderates Workout den Körper auf schlank trimmen“ versprechen die Fitness- und Ernährungsprogramme der Promis. Dass man Sport und Ernährung aber auch gegen den eigenen Körper einsetzen kann, weiß sie besser als die meisten anderen: Anja hat sich aus Sportsucht und Essstörung gekämpft und ist heute… Foodbloggerin!

Kontrolle über das Essen

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Pancake-Stapel mit Blaubeeren und Schokosauce, Pastateller mit Kirschtomaten und frischen Kräutern, Frühstücksbowls mit frischem Obst… Wem bei Anjas Instagram-Posts nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, der hat wahrscheinlich gerade erst gegessen. Die 22-Jährige selbst zeigt sich dafür eher selten auf ihrem Profil. Und die Bilder, die es zu sehen gibt, passen so gar nicht zu den Foodporn-Beiträgen. Ein zartrosa, beinahe körperloses Geschöpf, dem selbst die coole Superman-Unterhose zu groß zu sein scheint, steht da vor dem Spiegel. Statt der Superheldin, die ihr Gewicht voll im Griff hat, sieht Anja heute nur noch den Kontrollfreak.
„Kontrolle war damals das Wichtigste für mich. Kontrolle über mein Essen, Kontrolle über mein Gewicht. Ich habe mich komplett auf eine bestimmte Zahl fixiert“, erklärt sie. Das Problem bei der Sache: „Kein Sixpack, keine Size-Zero und kein Gewicht haben dazu geführt, dass ich mich wohlgefühlt habe.“ Aber von vorne!

Zerfressen von Selbsthass

„Irgendwann diente der Sport nur noch zum „Kalorien-Verbrennen“, damit ich mir das Essen überhaupt erlauben konnte. Ich habe aufgehört, mich mit meinen Freunden zu treffen und habe stattdessen Sport gemacht“, erzählt Anja, „Sport, Kalorien zählen und Verzicht haben meinen Alltag geprägt und eingeschränkt.“ So wurde aus Spaß und Probieren eine Sucht. Phasen, in denen sie wenig bis gar nichts essen konnte, wechselten sich mit Heißhungerattacken ab. Das schlechte Gewissen darüber, zu viel gegessen zu haben und die Angst vor einer Gewichtszunahme mündeten in Bulimie oder, wie Anja selbst sagt, „einen Teufelskreis aus Heißhunger, schlechtem Gewissen und, Erbrechen“. Aus der Bulimie wurde eine Magersucht. Und dann endlich erkannte sie, was uns heute von den Fotos geradezu entgegenbrüllt: eine wandelnde Hülle, zerfressen von Selbsthass, Selbstzweifel und Unzufriedenheit.

Man muss damit aufhören. Ganz.

"Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden", sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden“, sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Wenn man etwas ändern möchte, muss man zunächst ehrlich zu sich selbst sein, auch wenn es weh tut. Man muss sein eigenes Verhalten, seine Gedanken und die Beweggründe hinterfragen. Und wenn man merkt, dass es etwas gibt, was einem nicht guttut, dann muss man damit aufhören. Ganz. Es bringt nichts, es nur „halb“ aus seinem Leben zu streichen. Der Anfang ist immer das Schwerste. Aber ich habe mir selbst bewiesen, dass es Hoffnung für alle gibt. Es ist möglich, Essstörungen und Sportsucht zu überwinden, wenn man dranbleibt und diesen schweren Weg durchhält. Es wird einfacher. Es lohnt sich“, sagt Anja. Also trainierte sie sich etwas Wichtiges an: gesundes Verhalten. Und das geht sogar ganz bequem von zu Hause aus – ohne Geräte, Joggingstrecke und Fitnessstudio. Dafür aber mit sehr viel Stärke und Willenskraft.

Die Kraft zu Laufen

„Heute kann ich Sport wieder aus Spaß betreiben und meiner Psyche und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Ich liebe zum Beispiel Yoga am Morgen. So spüre ich meinen Körper auf eine ganz andere Weise und kann seitdem wieder eine Verbindung zu ihm herstellen, die lange verloren war. Außerdem gehe ich drei- bis viermal die Woche laufen. Es ist schön, wieder die Kraft zu haben laufen gehen zu können. Es hilft mir dabei von meinem Uni-Alltag herunter zu kommen, meine Gedanken zu ordnen und mich lebendig zu fühlen.“ Und das Essen?

Essen macht schön!

„Essen ist nicht länger mein Lebensmittelpunkt, kontrolliert und bestimmt mich nicht mehr. Essen hält meinen Körper am Leben, macht mich schön und gesund“, ist Anja heute überzeugt. „Ich habe Spaß an der veganen Ernährung gefunden, da sie sehr vielseitig ist und ich mich damit sehr gut fühle.“ Vor erneuter Mangelernährung hat sie keine Angst: „Wenn man darauf achtet, ausgewogen zu essen, kann man sich mit nahezu jeder Ernährungsweise gesund ernähren.“

Gute und schlechte Tage

Mit ihrem Instagram-Profil und ihrem Youtube-Kanal möchte Anja anderen den Druck nehmen, perfekt sein zu müssen. „Auf Social Media wird oft ein Scheinbild gezeigt – eine optimale Welt ohne Rückschläge und Fehler. Ich teile dort sowohl die guten als auch die schlechten Tage. Es kann nicht immer gut laufen und das ist auch völlig in Ordnung. Oft geht es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern zu lernen, mit ihnen umzugehen.“

 

Biennale Wiesbaden – Theatererlebnisse aus ganz Europa

Spielt man Faust von Goethe oder den Sommernachtstraum von Shakespeare eigentlich auch in Ungarn? Sind die Monologe in italienischen Theaterstücken länger als in deutschen? Und spielt man in der Türkei eigentlich auch Theater?

Wenn ihr euch diese Fragen auch schon einmal gestellt habt oder ihr einfach internationale Theaterluft schnuppern wollt, dann kommt hier die Lösung. Im Juni heißt es wieder Bühne frei für „Neue Stücke aus Europa“. Vom 19.-29. Juni 2014 findet in Wiesbaden das Theaterfestival „Neue Stücke aus Europa – New Plays from Europe“ statt. Es gehört zu den bekanntesten internationalen Festivals und stellt thematisch ausschließlich zeitgenössische Theaterstücke in den Mittelpunkt.

Herrschaftlich: Das Staatstheater Wiesbaden wird wieder Schauplatz der europäischen Theaterbühne. (Foto: V.Wahlig)

Herrschaftlich: Das Staatstheater Wiesbaden wird wieder Schauplatz der europäischen Theaterbühne sein. (Foto: V.Wahlig)

In 11 Tagen wird mit 23 Produktionen aus 22 Ländern unter dem Thema „rebellisches Theater“ in 18 Sprachen das neue Bild Europas auf die Bühne gebracht. Im Jahr der Europawahlen stellen junge Europäer ihre Ideen und Verständnisse von einem vereinten Europa vielseitig vor. So auch die Dramaturgen, die von der Festivalleitung eingeladen wurden um mit dem Spiegel der Kunst Kritik, Ideen und europäische Geschichten zu erzählen. Es geht hierbei um Lebenswelten, die auch in einem vereinten Europa nicht in jedem Land dieselben sind.

Die alle zwei Jahre stattfindende Biennale machte ihre Anfänge 1992 in Bonn. Die 12. Ausgabe des seit 2004 in Wiesbaden stattfinden Festivals, ist nach 22 Jahren die Letzte. In Wiesbaden steht für die neue Spielzeit ein Intendantenwechsel an und somit findet auch die Biennale nach 10 erfolgreichen Jahren in Wiesbaden ihr Ende.

Gespielt wird vor allem in den Spielstätten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, aber auch im Lab und im Mousonturm in Frankfurt. Die Stücke werden in Originalsprache aufgeführt und während der Aufführung simultan übersetzt. So wird es dem Zuschauer ermöglicht sich ein Stück anzuschauen dessen Sprache er nicht spricht. Vor den Aufführungen wird es jeweils eine kurze Einführung geben, bei dem die Gruppe und der Inhalt des Stückes vorgestellt wird.

Die Biennale besteht aber nicht nur aus Aufführungen, sondern bietet auch ein breites Rahmenprogramm. Bei dem Forum für junge Europäer etwa werden unterschiedliche Workshops angeboten. So entsteht beispielsweise während des Festivals ein Blog, auf dem alles rund um die Biennale 2014 berichtet werden wird. Am Warmen Damm (direkt in der Parkanlage hinter dem Theater) wird es das Festivalzentrum geben. Hier werden Diskussionen stattfinden, aber es soll auch als Ort des Austauschs zwischen Beteiligten und Zuschauern dienen.

Mehr Informationen zu Stücken und dem Rahmenprogramm findet ihr auf der Internetseite des Festivals.

Vorschau: Auch im Juni gibt es wieder jede Menge Tipps für Theater, Kino und Lesefreude.