Alles eitel Sonnenschein?

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Eine Frage der Perspektive: Halb voll oder halb leer? (©Dance-Photos.de/Pixelio.de)

Ja, das Schicksal kann unglaublich grausam sein. Tod, Trennung und finanzielle Katastrophen können uns Menschen aus der Bahn werfen. Aber auch kleinere Rückschläge sind auf die Dauer zermürbend und am Ende reicht bereits eine Kleinigkeit aus, um sich zu fragen: „Warum soll ich weitermachen?“

Optimistisch zu sein, ist wahrlich nicht einfach, das steht schon mal fest. Es ist viel bequemer, ein Pessimist zu sein und die dunklen Seiten des Lebens zu betonen. Doch mit der Zeit wird ein solcher Schwarzseher immer verdrießlicher, verdirbt sich die Laune und zieht darüber hinaus auch gleich sein gesamtes Umfeld, seine Mitmenschen, mit runter.

Für alle dagegen angenehmer sind Zuversicht gepaart mit Realitätssinn. Es ist schon ein gewaltiger Schritt vorwärts, zu erkennen, dass Fehler und Krisen einfach zum menschlichen Leben dazugehören – nicht alles kann eitel Sonnenschein sein. Vielmehr machen gerade erst Fehler und Schwierigkeiten das Leben aus. Wer keine Probleme hat, der kann nur tot sein oder anders ausgedrückt: Wer lebt, hat Probleme.

Krisen sind nicht nur einfach Krisen. Sie helfen uns, im Endeffekt besser zu werden und unser Leben zu meistern. Nur wer Fehler macht, kann aus diesen lernen und Fortschritte erzielen. Wo keine Fehler sind, da herrscht Stagnation. Und möglicherweise öffnet gerade ein lästiges Problem eine neue Tür im Leben: Vielleicht ist es am Ende sogar besser, dass man ausgerechnet jetzt gekündigt wurde. So ergibt sich die Chance, neu durchzustarten, gar den Weg in die Selbständigkeit zu finden.

Optimisten sehen die Welt keineswegs durch die rosarote Brille. Es würde gar keinen Sinn machen, Probleme wegzureden und zu ignorieren. Ein Optimist entscheidet sich jedoch für das einzig Sinnvolle: Er verzweifelt eben nicht, sondern sucht nach Lösungen. Steht ein Pessimist vor einem gigantischen Berg, so wird er am Fuß des Berges stehen bleiben und sein Leid beklagen, dass er den Berg nicht überwinden kann. Was macht der Optimist in solch einer Situation? Er baut einen Tunnel …

Dieses plakative und zugegeben etwas übertriebene Beispiel bringt eines auf den Punkt: Optimisten suchen Lösungen und bauen auf diese Weise ihre Stärken und Möglichkeiten aus. Sie vertrauen darauf, dass es irgendwie schon weiter gehen wird, selbst dann, wenn die exakte Lösung noch überhaupt nicht greifbar ist.

Wie schon gesagt, es ist mitnichten einfach, immer optimistisch zu sein, vor allem wenn man eine negative Grundeinstellung gewöhnt ist. Wir Menschen können nicht einfach so einen Schalter umlegen und von „Glas ist halb leer“ auf „Glas ist halb voll“ schalten. Es hilft aber schon enorm viel, wenn man versucht so positiv wie nur möglich zu denken. Sicher gibt es auch Situationen, in denen das Schlechte zu überwiegen scheint. Trotzdem heißt es: Ran ans Werk! Nur so kann die schlechte Zeit auch wieder vergehen.

Ein Bild, das mir persönlich bisher immer ganz gut geholfen hat, wenn ich an einem Tiefpunkt angelangt war, ist das des römischen Schicksalsrades. Die antiken Römer stellten sich das Leben als eine Art Rad vor, auf dem wir Menschen uns befinden. Das Rad dreht sich unentwegt weiter und es lässt sich niemals aufhalten. Manchmal befinden wir uns eben oben auf dem Rad, während wir ein anderes Mal unten sind und vom Rad des Lebens zerquetscht werden. Aber keine Bange, das Rad dreht sich weiter, nach einem Tiefpunkt geht es immer wieder bergauf. Und am schnellsten geht das, wenn wir nicht nur untätig herumsitzen, sondern das Rad aktiv anschieben und mithelfen, wieder nach oben zu kommen.

Vorschau: „Steuererklärung? So etwas habe ich ja noch nie gemacht.“ – Wem es ähnlich ergeht, der sollte Evas Kolumne nächste Woche nicht verpassen, denn dort wird sie sich genau mit dieser Situation befassen.

Zu wenig Platz für zu viel Mensch

Wir brauchen eine größere Wohnung. Das wissen wir schon länger. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten. Überall, wo wir dachten, es passt kein Schrank mehr hin, haben wir doch noch einen hin gequetscht. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Bücher, weil die Regale voll sind und ich nicht darauf verzichten kann. Wir brauchen eine größere Wohnung. Hinzu kommt, dass unser vierjähriger Sohn kein eigenes Zimmer hat, weil sein Vater das dritte Zimmer als Arbeitszimmer braucht. Wir brauchen also so was von einer größeren Wohnung.

Übers Internet - so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm_pixelio.de)

Übers Internet – so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Seit einem Jahr etwa klicken wir uns auf Seiten wie „Immobilienscout24“ umher, sichten Angebote, reden darüber – und finden immer wieder Ausreden, doch nichts zu machen. Zuerst war es: „Jetzt warten wir erst mal bis sein Referendariat vorbei ist, vorher hat es keinen Sinn“. Klingt ja auch logisch. Also haben wir gewartet, gesichtet, geredet und Anfang des Jahres uns dann die ersten Objekte angeschaut. Eines der ersten war ein Haus, relativ günstig, passende Lage. Aber sonst passte nichts. Ein Innenhof zum Albträumebekommen, 90 Prozent Durchgangszimmer, ein riesiges Bad mit einer winzigen Wanne und irgendwie so ganz ohne Waschmaschinenanschluss. Also dann doch lieber nicht. Doch ein Haus wäre ja auch nicht verkehrt, überlegten wir. Immerhin, mit Kind und Katze, in der Kleinstadt, das könnte passen. Wäre doch schön.

Wir warteten wieder etwas und weil es keine Wohnungen zu geben schien, schauten wir uns im sonnigen Frühling ein zweites Haus an. Mit Dutzenden Wandschränken, geräumigen Zimmern, einer riesigen Garage, einem passablen Hof und etwas Garten. Aber: viel zu teuer. Momentan nicht bezahlbar, für einen Aushilfslehrer und eine Hilfskraft an der Uni. Wir bissen uns auf die Lippen, sagten ab und waren gefrustet. Wegen Eurokrise oder Wirtschaft, irgendeinen Grund musste es haben, gab es keine Wohnungen, die groß genug gewesen wären und erst recht keine Häuser, die wir uns leisten konnten.

Angebote? Der Wohnungsmarkt ist momentan leer, dann statt Wohnung vielleicht doch gleich ein Haus (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Währenddessen wuchs unser Platzmangel. Unser Sohn hatte Geburtstag – noch mehr Spielsachen – wir heirateten – überhaupt mehr Sachen. Nur der Platz wollte nicht mehr werden. Während ich unseren neuen Bowle-Behälter auf das Bücherregal räumte und unser Buffet dank der vielen Tassen nicht mehr richtig zugeht, warteten wir und warteten. Hatte denn niemand Mitleid mit einer kleinen Familie, die einfach nur ein Zimmer mehr haben wollte? Wir fragten – Kleinstadt eben – Familie und Bekannte, blätterten in den örtlichen Wochenzeitungen. Alles, was wir fanden, war eine Wohnung im zehnten Stock, die miefte und auch nicht größer war als das, was wir schon hatten.

Ich sah uns schon auf ewig hier versauern, ohne Kinderzimmer, bald über sorgsam hingestellte Kartons steigend, weil auf den Regalen schon lange kein Platz mehr ist. Vielleicht im Herbst – hofften wir, denn unsere Suchanfragen hatten seit Wochen keine neuen Objekte rausgespuckt. Mit drei Zimmern wären wir überschüttet worden. Aber drei Zimmer haben wir, drei Zimmer reichen eben nicht. Mindestens vier brauchen wir.

Es war der Mittwoch vor den Kindergartenferien, dieser Artikel war schon angesetzt, mit offenem Ende noch – ob wir je etwas fänden? An der Pinnwand gegenüber der Garderobe meines Sohnes (Schicksal?) hing ein einfacher Zettel, den ich kurzerhand mit dem Handy fotografierte. Wenig Infos: Haus in zentraler Lage zu vermieten. Zwei Toiletten, stand da, und fünf Zimmer. „Kann ja nicht schaden“, sagte ich zu meinem Mann, als ich wieder zu Hause war, und rief gleich an. Keiner hob ab, also setzte ich mich an die Arbeit. Doch bald klingelte das Telefon und nach kurzer Verwirrtheit war klar: Das ist die Vermieterin. Wir machten nur kurz einen Termin aus, klärten das Wichtigste und ich war selig. Das Haus war bezahlbar. Günstiger als ein Haus, das wir uns erst ein paar Tage zuvor angeschaut hatten: Das hatte gemuffelt, wir brauchten eine neue Küche, null Dämmung, weiter weg von der KiTa, als mir lieb war, aber noch passabel. Nur etwas zu teuer. Der Makler wollte sehen, ob sich was machen lässt, wir warteten. Und dieses Haus? Ideal. Keine fünf Minuten von unserer Wohnung weg, kleiner Garten, gerade genug für mich, die ich ohnehin kaum Zeit habe neben Uni, Kind, Schreiben. Die Küche konnten wir übernehmen, nicht billig, aber ein Traum für jemanden, der bisher zwei Quadratmeter als Küche gehabt hat. Mit Kinderzimmer und Spielzimmer und Arbeitszimmer. Alles da. Wir waren sofort Feuer und Flamme, hätten am liebsten sofort unterschrieben. Einen Tag später weihten wir unseren Sohn ein, zeigten ihm das Haus, auch er war sofort begeistert, rannte auf dem Rasen seine Kreise.

Erst zu den Herbstferien ziehen wir um, doch die Zeit vergeht schnell. Hier einpacken, da ummelden, Nachmieter, neue Couch – alles ist plötzlich da und ging dann doch so leicht. Ganz ohne Makler, ganz ohne Internet, ganz ohne Stress. Hätten wir das nur früher gewusst.

 Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha gegen das Vorurteil, alte Menschen seien langweilig und träge.

Neue Rubrik: Panorama

Bewegende Geschichten und Schicksale, bekannte Persönlichkeiten und ihre Karrieren, große Veranstaltungen, technische Innovationen, mitreißende Stories und individuelle Meinungen – all diese Themen werden ab sofort in einer neuen Rubrik bei Face2Face veröffentlicht. Das „Panorama“ bietet Einblicke hinter die Kulissen von heiß-diskutierten Veranstaltungen, sowie hinter die Fassaden von Menschen – immer mit der Absicht nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern tiefere Beweggründe, Ziele und Träume aufzuzeigen. Veröffentlicht wird vorerst jeden zweiten Dienstag.

Aufgrund der internen Probleme bei Face2Face – das Online-Magazin und des arbeitsintensiven Umzugs in den letzten Tagen, muss der Start der neuen Rubrik leider noch einmal um eine Woche verschoben werden.
Los geht es also am Dienstag, 23. August mit dem Portrait eines jungen Mannes, der von seinen Erfahrungen und Eindrücken bei seiner Arbeit in einer Mannheimer Schmerztherapie- und Palliativstation  berichtet. Vielen Dank für eur Nachsicht und eure Geduld!

Japan – ein Land gezeichnet von Schicksalsschlägen

Die Nachrichten und Bilder, die seit letzter Woche von Japan aus um die Welt gehen, sind schockierend: Menschen, die verzweifelt nach Angehörigen suchen, die aufgrund der Kälte näher zusammenrücken, um sich gegenseitig zu wärmen, und mehr als 300 Männer, die sich freiwillig den nuklearen Strahlungen aussetzend gegen den Super-Gau kämpfen. Sie sind bereits Volkshelden, auch wenn wir nicht viel von ihnen wissen. Die Welt setzt alle Hoffnung in sie.

 Japan – wer dieses Wort vor zwei Wochen hörte, dachte zuerst an ein hoch entwickeltes Industrieland und eine immer stärker zunehmende Wirtschaftsmacht. Mit circa 127 Millionen Einwohnern ist es eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Japan steckt voller Gegensätze, Traditionen sowie einer faszinierenden Kultur und Geschichte.

 Allerdings hat es auch keine rosige Vergangenheit vorzuweisen. So sei hier an die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 – unter dem damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman – erinnert. Über 90.000 Menschen waren sofort tot; mehr als 100 000 Menschen starben erst in den darauffolgenden Jahren an den Folgen der nuklearen Strahlung. Im September 1945 unterzeichnete Japan dann die Kapitulationsurkunde; der 2. Weltkrieg fand nach Jahren unermesslichen Leids sowie Zerstörung ein Ende. Der Einsatz dieser Atombomben ist bis heute heftig umstritten. Musste es wirklich soweit kommen? Gab es keinen anderen Lösungsweg? Und gerade diesem Land droht nun der atomare Super-Gau.

Aufgrund seiner geographischen Lage wird Japan seit jeher von Erdbeben heimgesucht. Es liegt in einer Zone, in der gleich vier Kontinentalplatten aufeinandertreffen: die eurasische, die philippinische, die pazifische sowie die nord-amerikanische Erdplatte.

 Diese Kontinentalplatten sind nicht starr, sondern ständig in Bewegung und können sich im Jahr bis zu 18 cm verschieben. Folgen von solchen Verschiebungen sind unter anderem: Erdbeben, Tsunamis, verschiedene Gebirge, Vulkanismus.

 Bei Japans schwerem Erdbeben vergangene Woche (das eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala erreichte) hat sich die pazifische Platte unter die philippinische sowie die nordamerikanische Platte geschoben. Diese beiden drückten sich wiederum unter die eurasische Platte. Die Konsequenz einer solchen Plattenverschiebung: das furchtbare Erdbeben verrückte laut dem Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam die Hauptinsel Japan um etwa 3 m. Wer weitere Informationen dazu haben möchte, findet eine anschauliche und gut verständliche Darstellung der Ereignisse unter folgender Webadresse:

http://www.br-online.de/wissen/forschung/erdbeben-japan-tektonik-ID1300358740181.xml

 Daraus resultierten: Großbrände, Tsunami, Nachbeben, Heimatlosigkeit, tausende Tote und eine drohende Atomkatastrophe. Selbst in den USA konnte eine durch das Beben ausgelöste Welle beobachtet werden.

 Erinnerungen an das schwere Erdbeben von Kobe im Jahr 1995 kommen hoch. Innerhalb von 20 Sekunden wurde eine Stärke von 7,3 erreicht. Die Katastrophe forderte etwa 6500 Menschenleben und machte über 300 000 Menschen obdachlos. Auch die Ereignisse des großen Kanto Erdbebens im September 1923 auf Honshu, einer der vier Hauptinseln Japans, sind fast greifbar. Das Beben hatte eine Stärke von 7,9 und zerstörte unter anderem Bereiche der Stadt Tokio sowie die Hafenstadt Yokohama. Eine Folge dieses Bebens war ein 12 m hoher Tsunami sowie mehrere Brände. 1,9  Millionen Menschen wurden in wenigen Minuten obdachlos. Weil Bauten aus Stahlbeton diesem Erdbeben getrotzt hatten, ist dieses Baumaterial seitdem für Japan von großer Bedeutung.

 Aktuell kämpft Japan an mehreren Fronten – und zugleich gegen die bekannte Ironie des Schicksals: In Japan, wo die Erde häufiger mal bebt und die Häuser erdbebensicher gebaut sind, lernen die Menschen schon von Kleinauf, mit dieser Gefahr umzugehen. Dennoch zeigt sich, dass die Natur unberechenbar ist und der Mensch sich nicht anmaßen sollte, sich über sie zu stellen. Trotzdem stellen sich die Japaner mit bewundernswerter Disziplin diesen Ereignissen, die wir uns nicht vorstellen können. Mit viel Mut, Ruhe und Entschlossenheit kämpfen sie gegen diese schrecklichen Geschehnisse an.

 Ganz anders verhält es sich bei uns in Deutschland, wo Experten seit heute mit minimal erhöhten Strahlenwerten rechnen, und wo durch die Ereignisse in Japan eine neue Debatte über die Atomkraftpolitik losgetreten wurde. So ruderte die CDU, die vor wenigen Monaten erst die Verlängerung der Atomkraftlaufzeit beschlossen hatte, zurück und zog die Notbremse. Ob aus wahltaktischen Gründen oder aus Vernunft wird sich bald zeigen…

 Ich finde es traurig und schockierend zugleich, dass es erst einer solchen Katastrophe bedarf, bis man die Wahrheit erkennt und nicht länger die Augen verschließt. Die Zeit der Veränderungen ist gekommen und wir müssen eindeutig umdenken lernen.

 Oder wie seht ihr das?

Eure Lea

Vorschau: Nächste Woche  geht es bei Eva um Wahlen, im großen und im kleinen Rahmen.