Stubenhocker – na und?

Habt ihr es schon gemerkt? Es wird Frühling! Die Temperaturen steigen, die Blumen sprießen, die Bienlein summen. Von überall her tönt es: „Hinaus mit euch, hinaus in die Welt, in die Natur, in die Sonne!“ Meine Mutter meinte neulich mit einem skeptischen Blick auch, ich könnte etwas öfter rausgehen. „Es würde ja reichen, eine halbe Stunde auf die Terrasse zu gehen“, meinte sie und probierte es auch gleich mit dem schlechten Gewissen, meinen Kindern nicht genug Natur zu bieten. Denn eines ist klar: Ich bin ein Stubenhocker.

Wohlfühlbereich

Wohlfühlbereich: Für Stubenhocker das gemütliche Sofa (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Wohlfühlbereich: Für Stubenhocker das gemütliche Sofa (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Mein Wohlfühlbereich ist in meinen vier Wänden, am liebsten mit einem Buch. Sofa, Sessel, Kuscheldecke, dampfender Tee – meinetwegen auch ein kühler Saft. Dabei ist es nicht so, dass ich nicht gerne rausgehe. Ich genieße auch die Gartenarbeit, einen Spaziergang, Joggen oder einfach eine Decke auf dem Rasen. Lieber bin ich aber drinnen. Dort, wo kein Hundegebell oder Rasenmähergebrüll vom Nachbarn tönt, wo die Sonne nicht blendet und mir im Sommer regelmäßig den Hitzekoller bereitet, wo meine Kinder mit ihrem Spielzeug am Boden spielen, statt auf Klettergerüst und Rutsche zu turnen. Ich bin, verdammt nochmal, gerne ein Stubenhocker.

Raus aus dem Haus?

Raus ihr Stubenhocker? Auch draußen ist es schön (Andreas Hermsdorf / pixelio.de)

Raus ihr Stubenhocker? Auch draußen ist es schön (©Andreas Hermsdorf / pixelio.de)

Wichtig ist doch, das eigene Maß zu finden. Nach einem anstrengenden Nachmittag im Garten kann ich mich abends immer noch hin kuscheln. Und natürlich kann ich auch draußen lesen oder arbeiten, wenn ich dort meine Ruhe habe. Dann kann es ganz inspirierend sein, frische Luft um sich zu haben. Die gibt es aber auch drinnen, wenn die Fenster offen sind. Und auch wenn ich gerne drinnen bin, genieße ich genauso die Zeit draußen und freue mich darauf, bevor die Sommerhitze mich ohnehin wieder in die kühleren Innenräume zwingt. Auf Teufel komm raus aber hinaus zu gehen, nur um „an der Luft“ gewesen zu sein, macht das Naturerlebnis zum Zwang.

Kranker Stubenhocker

Kranker Stubenhocker: Mach drinnen bleiben krank? (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kranker Stubenhocker: Mach drinnen bleiben krank? (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Die Vorstellung des blassen, kränklichen Stubenhockers ist ohnehin überholt. Unsere leistungsorientierte Gesellschaft hat uns so darauf getrimmt, unsere Gesundheit im Auge zu behalten, dass wir die Notwendigkeit zum Ausgleich der Innenstunden quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben. Wir sind optimiert darin, vitaminreiche Nahrungsmittel zu uns zu nehmen, in Bewegung zu bleiben, mit Armbändern unser Schlafverhalten zu messen und unsere Schritte zählen zu lassen. Demnächst werden unsere Geräte festhalte, wie viele Sonnenstunden wir am Tag gesammelt hatten, um uns nach draußen zu schicken, wenn es zu wenig waren.

Drinnen genießen

Einfach nur Ruhe: Stubenhocker haben ihre Gründe (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Einfach nur Ruhe: Stubenhocker haben ihre Gründe (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Vielleicht bin ich ja auch deswegen so gerne drinnen, weil ich dann das Draußen ausschließen kann. Ich kann mich abschotten und jegliche Beobachtung von außen vermeiden. Rechner aus, Mobiltelefon aus, Stecker ziehen, Ruhe. Jede einsame Berghütte kann in meinem Zuhause sein, wenn ich es nur will. Draußen aber, da lauern immer fremde Blicke. Nicht nur die der Nachbarn, sondern neuerdings ja auch Drohnen mit Kameras, Satellitenaufnahmen und was weiß ich noch alles. In meiner Stube aber kann ich, ohne die anderen, einfach mal ich sein.

Vorschau: In zwei Wochen schreibe ich hier über die Ära Obama und warum ich sie vermissen werde.

Ab in die Sauna!

Die meisten wissen es: Wer regelmäßig sauniert, der tut seiner Gesundheit etwas Gutes: Im besten Fall wird unser Immunsystem massiv gestärkt, das Herz bleibt fit und die Haut entgiftet.

Warum es sich lohnt

Entspannung pur: Es reichen acht Minuten aus, um den Alltagsstress abzubauen (Foto: V.Kalra)

Entspannung pur: Es reichen acht Minuten aus, um den Alltagsstress abzubauen (Foto: V.Kalra)

Von regelmäßigen Saunagängen profitiert langfristig unser gesamter Organismus. Der Stoffwechsel wird enorm angekurbelt, die Stimmung aufgelockert, man wird weniger reizbar, Schlafstörung und Migräne reduzieren sich mit der Zeit ebenso. Giftstoffe werden beim Schwitzen über die Haut ausgeschieden. Dadurch säubert sich die Haut, ihre Durchblutung geht steil bergauf. Die Folge ist dann eine schöne, straffe, ebenmäßige Haut und ihr werdet seltener krank.

Wer hat Saunaverbot?

Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben und deshalb an Bluthochdruck, Fieber, Herzproblemen oder ähnlichem leiden, sollten sich lieber von Saunen fernhalten. Wer sich bezüglich seiner Gesundheit noch unsicher ist, kann vorher einen Arzt konsultieren.

Wie oft in die Sauna?

Ein Besuch pro Woche mit jeweils drei Durchgängen – das raten Experten, um das Immunsystem in Form zu halten. Das Wichtigste ist aber, dass ihr euch beim Saunieren wohlfühlt. Richtet euch deshalb einfach nach eurem persönlichen Wellness-Geschmack. Zu häufige Saunabesuche solltet ihr jedoch vermeiden, da sonst Kreislauf-Probleme drohen.

Tipps, um das Saunaerlebnis zu optimieren:

• Weder mit überfüllten noch mit leerem Magen in die Sauna gehen, denn hier droht sonst der Kreislauf abzustürzen.

• In der Ruhe liegt die Kraft: unter Zeitdruck zu saunieren, ist alles andere als Entspannung. Also nehmt euch die Zeit.

• Kurz und konzentriert: setzt euch acht bis zehn Minuten auf die obere Bank, dort ist die Hitze am stärksten. Die letzten zwei Minuten verbringt ihr dann auf die unterste Bank, um den Kreislauf nicht zu überfordern.

• Abkühlungsphase: mit kaltem Wasser langsam erst die Füße, Beine, Arme und dann den Oberkörper erfrischen.

• Ruhephase: Den Körper nun mit einem Bademantel oder einer Decke verhüllen und sich ebenfalls acht bis zehn Minuten zur Entspannung hinlegen.

Vorschau: Am Mittwoch, den 17.Februar erfahrt ihr die aktuelle Lage beim Deutschen Eishockeybund!

Konzentrier‘ dich! – Auf der Suche nach der einfachen Konzentration

Ich stelle fest, dass ich es nicht einmal schaffe, an diesem Text hier zu arbeiten, ohne von allen Seiten abgelenkt zu werden. Hier die Musik aus den Laptop-Boxen, da die rauschende Heizung… Zudem locken Facebook, Handy und Festnetztelefon. Moment, wollte ich nicht eben noch einen Tee aufsetzen?

Wenn man schon beim bloßen Schreiben am Computer nicht mehr monogam sein kann, wie sollte das dann, im größeren Kontext betrachtet, ausgerechnet im Alltag funktionieren? Liebesbeziehungen scheitern am Hang zur Polygamie, am Seitensprung nach links oder rechts, Klausuren werden aus mangelnder Konzentration heraus mit Flüchtigkeitsfehlern gespickt und überhaupt reicht uns, den von überall her Beschallten und Bestrahlten, ein einziger Fixpunkt schon lange nicht mehr aus. Um zur Ruhe zu kommen, benötigen wir Inselurlaube oder Bibliotheken – und selbst dort kann niemand garantieren, dass nicht zufällig ein Küstenwächter beziehungsweise ein röchelnd hustender Kommilitone unsere Aufmerksamkeit auf sich und vom wesentlichen fort zieht.

Die Energien fließen lassen: Ich bin ganz bei mir. (Foto: T. Gartner)

Konzentration – der Begriff kommt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus con, was soviel heißt wie mit und centrum, zu Deutsch: Mitte. Folglich scheint mit Konzentration ein Zusammenfinden in der Mitte, optimalerweise in der eigenen, gemeint zu sein. Die besonnenen Kampfkünstler und fernöstlichen Yoga-Meister wussten schon, wovon sie da redeten: Im eigenen Körper angelangen, sein Zentrum finden, nichts als seinem Atmen lauschen und all‘ sowas. Im Selbstverteidigungskurs haben sie uns jedenfalls erzählt, der innere „Kern“ und damit der Schlüssel zur völligen Fokussierung befände sich irgendwo unterhalb des Bauchnabels. Falls hier meine mir bisweilen zu häufig abhanden kommende Konzentration gefangen gehalten wird, so will ich mich einer Darmspülung unterziehen und sehen, ob wenigstens auf diese Weise etwas mehr davon freigegeben würde.

Doch da ich nach zwei Yogastunden das Handtuch beziehungsweise die Matte geworfen habe, werden wir wohl niemals erfahren, was dieser sogenannte Kern eigentlich davon hat, sich meine hochgeschätzte Konzentration einzuverleiben. Kürzlich überkam mich allerdings noch einmal der unbändige Drang, meinem Defizit final den Kampf anzusagen. Die Waffe hieß Meditation. Radikales Vor-sich-hinatmen, Daumen und Zeigefinger zusammengeführt, denn so hat auch der dicke Buddha schon lange vor mir seinen inneren Konzentrations-Schweinehund besiegt. Mir sind unterdessen jedoch abermals wirre Gedanken durch den Kopf geschossen, Schritte im Treppenflur haben mich verleitet und so scheiterte die Mission nach nicht einmal fünf Minuten mit im Schneidersitz eingeschlafenen Beinen.

Während ich diesen Text hier zu beenden versucht habe, sind übrigens zwei Tage verflogen und unzählige SMS ein-und ausgegangen. Es ist mir weder gelungen, mich zu konzentrieren noch einen einzigen Lösungsansatz zu formulieren, der jenseits von kaltem Entzug für alle an Multimedia-Sucht Erkrankten liegt.  Ich halte das Mantra meiner alten Yogalehrerin auf jeden Fall weiterhin griffbereit und zünde mir auf meiner Suche (nach ihrer Nummer) erst einmal ein paar Räucherstäbchen an.

Vorschau:  In der nächsten Woche geht Kolumnist Sascha dem Geheimnis des „Gedankenlesens“ auf den Grund.

Wenn einem alles über den Kopf wächst…

Bestimmt kennt das der ein oder andere von euch: Es gibt Augenblicke im Leben, da weiß man gar nicht, wie die Zeit schnellstmöglich rumzubringen ist. Da scheint der Zeiger einfach nicht vorwärtsrücken zu wollen. Und dann gibt es wiederum die Momente, in denen es nahezu so erscheint, als würde die Welt sich schneller drehen und die Zeit im Flug vergehen. Zeit, die wir bräuchten, um all das erledigen zu können, was wir noch zu tun haben oder gerne tun möchten.

Irgendwann ist der Zeitdruck dann so groß, dass alles um einen herum im Chaos zu versinken droht. Zig Fragen schießen durch den Kopf, auf der Suche nach einer Antwort und dennoch lässt sich keine Lösung finden. Wie soll man für eine Prüfung lernen, arbeiten gehen, den Verlust eines geliebten Menschen verkraften, das private Leben sortiert bekommen und nebenher noch eine Hausarbeit schreiben? Der Mensch kann zweifelsohne viel verkraften, aber irgendwann ist eine gewisse Grenze erreicht. Es geht dann einfach nicht mehr weiter. Und bevor wir uns noch mehr aufhalsen und weiter in dem Teufelskreis sitzen, sollte überlegt werden, ob es denn nicht eine Möglichkeit gibt, uns etwas mehr Zeit für uns selbst zu nehmen. Muss die Hausarbeit wirklich jetzt geschrieben werden oder kann sie ins nächste Semester geschoben werden? Kann das Hobby nicht einmal etwas vernachlässigt werden? Was hilft mir, um mich zu entspannen und von dem Stress loszukommen?

Das sind nur ein paar Fragen, die in solchen Momenten vielleicht zu stellen sind, um einen Überblick über die Gesamtsituation bekommen zu können. Manchmal ist die Situation nämlich gar nicht so aussichtslos, wie wir selbst denken. Das Problem besteht darin, dass wir – stecken wir erst einmal in der Situation fest – nicht mehr objektiv an die Sache herangehen, sondern eine Art Scheuklappendenken entwickeln. Wir sehen nur noch den Berg Arbeit vor uns und vergessen, dass wir diesen nicht innerhalb eines Tages abarbeiten müssen.

Zumindest geht es mir oft so. Ich fühle mich dann regelrecht von der anstehenden Arbeit erschlagen, bevor ich überhaupt damit begonnen habe. Dabei genügt es, einen Schritt nach dem anderen zu tun und sich immer wieder Pausen zu gönnen. Denn dass man sich nach einem Spaziergang an der frischen Luft oder einer kleinen Lesestunde in einem guten Buch wieder viel besser auf alles andere konzentrieren kann und mit neuer Motivation an die Arbeit geht, erklärt sich von selbst.

Deshalb – wenn euch wieder alles einfach zu viel wird – alles mal fünf Grad sein lassen und sich etwas anderem widmen. Danach geht es bestimmt viel besser 😉

In diesem Sinne eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Nächste Woche schreibt Eva von einem Arzt, der seine Patientinnen fotografiert hat und was die Leute so dazu sagen.