„Liebe ist einfach Liebe“ – ein Interview mit Schauspielerin Josefine Preuß

Ab dem 15. März startet „Türkisch für Anfänger – Der Film“ in den deutschen Kinos (von links): Lena (Josefine Preuß) und Cem (Elyas M’Barek) (© 2012 Constantin Film Verleih GmbH)

Am Donnerstag, 15. März startet der Film „Türkisch für Anfänger“ in den deutschen Kinos. Die Geschichte ist an die gleichnamige ARD-Vorabenserie angelegt. Neben Elyas M’Barek (Cem Ötzürk) spielt Josefine Preuß (Lena Schneider) die Hauptrolle – türkisches Machotemperament trifft auf deutsche Emanzipation. Lena Schneider wird von ihrer forschen Mutter Doris (Anna Stieblich) zu einem Urlaubstripp nach Südostasien überredet. Als das Flugzeug notlanden muss, ist die Katastrophe schon vorprogrammiert – plötzlich ist nichts mehr wie es war.
Lena, der stotternde Grieche Costa (Arnel Taci), Cem und seine Schwester Yagmur (Pegah Ferydoni) finden sich auf einer einsamen Insel wieder, auf der sich die Gestrandeten einen offenen Schlagabtausch liefern. Lenas Mutter und Cems Vater Metin Öztürk (Adnan Maral) stranden in einer Ferienanlage und suchen ihre verlorenen Kinder. Der Urlaubstrip nimmt für alle Protagonisten eine unerwartete Wende.

Die Schauspielerin Josefine Preuß nahm sich Zeit um mit Face2Face über ihren aktuellen Film, die Dreharbeiten mit Franka Potente und ihre Zukunftspläne zu sprechen.

Face2Face: Viele kennen Sie noch aus Ihren Anfangszeiten als Sie in der „Kinderkanal“-Serie „Schloss Einstein“ die Rolle von Anna Reichenbach verkörperten. Denken Sie manchmal an den Beginn Ihrer Karriere zurück?
Preuß: Damals war mir noch nicht klar wie meine Karriere verlaufen würde. Ich habe einfach gemerkt, dass mir die Schauspielerei Spaß macht und da ich eine gute bis sehr gute Schülerin war, haben mich meine Eltern unterstützt soweit sie nur konnten. Wie jede normale Schülerin bin vormittags zur Schule gegangen und nachmittags wurden dann die einzelnen Szenen gedreht – sicherlich war das ein Sprungbrett um darauf aufzubauen.

Face2Face: Moderatorin, Schauspielerin, Hörbuch-Sprecherin und bei dem Musikvideo „Leuchtfeuer“ von der Band „Emma6“ haben Sie ebenfalls mitgewirkt. Gibt es irgendetwas, das sie nicht können?
Preuß: Ich will mich da nicht auf eine Sache festlegen. Im Grunde genommen sehe ich mich nicht als Schauspielerin, sondern eher als Darstellerin. Anfangs war nur geplant, dass ich im Musikvideo „Leuchtfeuer“ mitspiele, erst später hat man sich entschieden daraus einen Sing-Part zu machen.

Face2Face: Sie haben im historischen Film „Beate Uhse – Das Recht auf Liebe“ mitgespielt, wie war es für Sie neben Schauspielgrößen wie beispielsweise Franka Potente vor der Kamera zu stehen?
Preuß: Mir haben die Dreharbeiten mit Franka Potente riesigen Spaß bereitet. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht als ich zur Leseprobe zum Beginn der Dreharbeiten eingeladen wurde. Sie ist ein undivenhafter Star, der seine Arbeit sehr schätzt und zugleich eine liebenswerte Persönlichkeit mit sich bringt. Am Set gab es kein Rumgezicke oder Starallüren. Für mich als Nachwuchsdarstellerin war das eine super Gelegenheit, um auf mich aufmerksam zu machen.

Face2Face: Ebenfalls haben Sie in „Rubbeldiekatz“ an der Seite von Matthias Schweighöfer die Rolle einer tätowierten Frau gespielt. Wie war das?
Preuß: Für diese Szene war ich länger in der Maske gestanden als es gedauert hat sie zu drehen. Obwohl der zu sehende Abschnitt kurz war, hat man mich trotzdem in den zwei Minuten zwanzig Trailer gesehen, was ich sehr amüsant finde. Mit Matthias hab ich das erste Mal zusammen gearbeitet – ein sehr lustiger und sympathischer Kollege.

Nicht nur hübsch anzusehen: die erfolgreiche Nachwuchsdarstellerin Josephine Preuß (© Constantin Film / Mathias Bothor)

Face2Face: Gibt es eine Rolle, die Sie gerne einmal spielen würden?
Preuß: Oft ist es so, dass ich mir die Rolle selbst nicht aussuchen kann. Durch das Versetzen in die Rolle will ich gefordert sein und in dieser wachsen. Interessant wäre eine Rolle mit körperlichen Einschränkungen wie blind sein oder nicht gehen können.

Face2Face: Und mit welchem Schauspieler würden Sie gerne noch zusammenarbeiten?
Preuß (lächelt): John Malkovich und Steve Buscemi – allerdings müsste ich dazu nach Hollywood gehen und das kommt für mich nicht in Frage.

Face2Face: Bereuen Sie es manchmal im Nahhinein sowohl die Schule als auch das Studium für die Schauspielschule abgebrochen zu haben?
Preuß: Dass ich die Schule abgebrochen habe, ist nur ein Gerücht. Ich bin nach der zehnten Klasse von der Schule gegangen, hatte somit meinen Realschulabschluss erfolgreich abgeschlossen. Anders hätte ich den Einstieg in die Fernsehlandschaft verpasst und meine Rolle bei der Serie „Türkisch für Anfänger“ nicht wahrnehmen können. Ursprünglich wollte ich Gerichtsmedizin oder Archäologie studieren.

Face2Face: Reden wir nun über Ihren neuen Film: „Türkisch für Anfänger“. Wie sind die Dreharbeiten verlaufen?
Preuß: Für mich war es die schönste Möglichkeit für einen deutschen Film im Ausland zu drehen. In Thailand habe ich viel abseits des Drehorts erlebt. Beispielsweise das thailändische Neujahrsfest „Songkran“, das auch als Wasserfest bekannt ist. Für die Thai ist es ein Riesenspaß sich gegenseitig und besonders die Touristen großzügig mit Wasser zu begießen. Das Wasser wird als Zeichen der Säuberung und Erneuerung zum Reinwaschen der Süden gesehen.

Face2Face: Und wie war für Sie die veränderte Esskultur?
Preuß: Die thailändische Esskultur war für mich furchtbar, da ich nichts aus dem Meer esse – jeder, der Fisch mag, ist dort genau richtig. Die Kombination Reis und Hühnchen ging mir schon nach einer Woche auf den Sack, da war es ein richtiger Segen, dass ich auf einer Sightseeing-Tour eine Bäckerei entdeckt habe, die Brot nach deutscher Tradition backt. Das erste, was mir meine Mutter zu Hause gekocht hat, waren süß-saure Eier mit Kartoffeln.

Face2Face: Wie weit erinnert Sie das Drehbuch an Filmklassiker oder Serie?
Preuß: In ein paar Momenten des Films hat man Szenen von „Die blaue Lagune“, „The Beach“ oder der Erfolgsserie „Loft“ im Kopf.

Face2Face: Finden Sie, dass in jedem Mann manchmal ein türkischer Macho wie Cem Öztürk steckt?
Preuß: Ich hoffe doch nicht – allerdings muss das jeder für sich entscheiden. Mit zunehmendem Alter sollten die Partner ihre Rock-’n’-Roll-Allüren ablegen und sich mehr zur Ruhe setzen.

Zurück mit einem Kinoabenteuer vor paradiesischer Kulisse: Lena (Josefine Preuß) und Cem (Elyas M'Barek) (© 2011 Constantin Film Verleih GmbH / Mathias Bothor)

Face2Face: Haben Sie eine eigene Relativitätstheorie der Liebe?
Preuß: Vielleicht kann man es mit Liebe = Loyalität + Freundschaft hoch zwei + Vertrauen und Verlangen nach dem anderen erklären. Aber im Grunde genommen ist Liebe etwas ganz Abstraktes, wo auch Herz und Seele eine Rolle spielen, und das ist mit keiner Formel der Welt erklärbar – Liebe ist einfach Liebe.

Face2Face: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Preuß: Nach den Presseterminen und der bevorstehenden „Türkisch für Anfänger“-Kinotour, beginnt für mich der Drehstart zur Verfilmung des erste Bandes der „Edelstein-Trilogie: Rubinrot“ von der Autorin Kerstin Gier.

Face2Face: Gibt es irgendeinen Traum, den Sie sich gerne noch erfüllen würden?
Preuß: Jedes Jahr nehme ich mir vor den Führerschein zu machen, mir fehlt dazu der letzte Arschtritt, da ich in Berlin kein eigenes Auto benötige. Bis ich 30 bin habe ich es hoffentlich geschafft.

Weitere Informationen zur „Türkisch für Anfänger“-Kinotour gibt es hier.

Kontakt Josefine Preuß:
Offizielle Facebook-Seite
Offizielle Homepage zum Film „Türkisch für Anfänger“

Vorschau: Am Dienstag, 20. März, startet im Panorama eine neue Serie zum Thema „Verkannte Berufe – stille Helden des Alltags“. In Teil 1 spricht eine Kassiererin über ihren Beruf und die Anerkennung, die diesem gezollt wird.

„Johnny Depp finde ich großartig“ – ein Interview mit Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer

2011 ist sein Jahr: Matthias Schweighöfer gehört zur obersten Riege der deutschen Schauspieler. Im Sommer diesen Jahres feiert der Berliner sein Regiedebüt mit seinem ersten selbstproduzierten Film „What a Man“. Seit Donnerstag, 15. Dezember ist er in der Romantik-Komödie von Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ zu sehen. Dort schlüpft er in die Doppel-Hauptrolle von Alexander beziehungsweise Alexandra Honk.
Schweighöfer sprach mit Face2Face unter anderem über Weihnachten, die Aussichten nach Hollywood und seine Pläne für das Jahr 2012.

Face2Face: Wie war es für Sie in die Rolle einer Frau zu schlüpfen?
Schweighöfer: Es war eine schöne Erfahrung eine Frau zu spielen. Vor allem wie man in High Heels läuft. Der Schuh macht schöne Beine und einen schönen Po, nur habe ich mir dabei die Knöchel verengt.

Zum Anfassen: Schauspieler Matthias Schweighöfer auf seiner Kinotour zu „Rubbeldiekatz“ im Mannheimer „Cineplex“ (Foto: Jenowein)

Face2Face: Und von wem kam die ursprüngliche Idee, dass Sie eine Frau spielen?
Schweighöfer: Die Drehbuchautorin Annika Decker (Anm. d. Red.: Annika Decker schrieb auch schon zusammen mit Til Schweiger die Drehbücher zu den Filmen „Keinohrhase“ und „Zweiohrkücken“) ist eine gute Freundin von mir. Vielleicht weil sie gesehen hat, dass ich gewisse feminine Züge besitze.

Face2Face: Können Sie jetzt sagen, dass Sie die Frauenwelt durch Ihre Filmrolle als „Alexandra“ besser verstehen?
Schweighöfer: Ich habe gehofft, ich würde nach den Dreharbeiten Frauen besser verstehen, das hat aber leider nicht geklappt.

Face2Face: Welche Szene in „Rubbeldiekatz“ war für Sie die lustigste?
Schweighöfer: Die Szene, bei der ich immer wieder lachen muss, ist die, in der ich Max Giermann küsse.

Face2Face: Ist Max Giermann denn ein guter Küsser?
Schweighöfer (lächelt): Ja, er küsst phantastisch. Sehr stürmisch und intensiv. Gesagt habe ich ihm das aber so direkt jedenfalls nicht. Nur der doch sehr haarige Bart störte mich etwas.

Face2Face: Würden Sie in einem Ihrer nächsten Filme wieder einen Mann küssen?
Schweighöfer: Ich hoffe, dass es das letzte Mal war, dass ich einen Mann küssen musste.

Face2Face: Im Moment besuchen Sie drei verschiedene Städte am Tag und sehen täglich mehrere tausend Leute auf Ihrer Kinotour – wird das auf Dauer nicht zum Stressfaktor oder überwiegt die Freude?
Schweighöfer: Die Kinotour zu „Rubbeldiekatz“ macht mir auch Spaß, aber wenn ich ehrlich bin, freue ich mich jetzt auf Weihnachten und ein wenig Ruhe.

Face2Face: Wie gefällt Ihnen Mannheim und was haben Sie bisher von der Stadt gesehen?
Schweighöfer: Ich finde Mannheim ist eine wunderschöne Stadt. Ich habe bisher zwei Kinos gesehen.

„Rubbeldiekatz“: die Romantik-Komödie des Winters von Detlev Buck mit Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara (Foto: Jenowein)

Face2Face: Wie kommen Sie mit dem kurpfälzischen Dialekt zu recht?
Schweighöfer: Es ist ein sympathischer Dialekt, der teilweise schwer zu verstehen ist, für einen Berliner.

Face2Face: Wie sieht Weihnachten bei der Familie Schweighöfer aus?
Schweighöfer: So wie bei fast jedem anderen auch: Christbaum, Geschenke, Plätzchen und Kirche.

Face2Face: Ich habe gelesen, Sie feiern Weihnachten von Ihrer Frau getrennt, stimmt das?
Schweighöfer: Ja, das stimmt. Wir haben so viele Verwandte und jeder will eben auch mal seine Familie sehen, deshalb haben wir uns in diesem Jahr so entschieden.

Face2Face: Wie schaffen Sie es sich immer fit zu halten bei all dem Stress berühmt zu sein?
Schweighöfer: Ich mache viele unterschiedliche Sportarten: Schwimmen, Joggen, Muskeltraining, Gymnastik oder Badminton spielen. Demnächst will mich mal an einem Teamsport versuchen.

Face2Face: Welcher ist für Sie der „Film des Jahres 2011“?
Schweighöfer: Für mich persönlich ist „What a man“ der Film des Jahres 2011, weil er einfach mein Werk ist, bei dem ich das erste Mal die Hauptrolle spiele und Regie geführt habe. Aber „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck ist ehrlich gesagt der bessere Film.

Face2Face: Wenn Sie die Wahl hätten, mit wem würden Sie gerne mal vor der Kamera stehen?
Schweighöfer: Johnny Depp finde ich großartig.

Face2Face: In der FAZ haben Sie einmal gesagt, dass Sie gerne in Hollywood spielen würden. Sind Sie durch den Erfolg dieses Jahr diesem Ziel ein wenig näher gekommen?
Schweighöfer: Ja spielen… Hollywood interessiert mich jetzt nicht wirklich – man kann auch in Deutschland gute Filme machen. Dadurch, dass ich mir jetzt in Deutschland etwas aufbauen möchte mit meiner Produktionsfirma „Pantaleon Films“ hat sich das geändert. Diese Arbeit beansprucht viel Zeit und füllt mich aus, ich habe jetzt sehr viele Möglichkeiten, darauf konzentriere ich mich.

Face2Face: Welches Filmgenre schauen Sie sich privat an?
Schweighöfer: Ich schaue mir alles an, was mir so in die Finger fällt. Zu Hause auf meiner großen Leinwand schaue ich mir die Filme auf DVD an. Dafür gucke ich mir nie einen Film oder eine Serie im Fernsehen an.

Face2Face: Welchen Film haben Sie als letztes gesehen?
Schweighöfer: Der letzte Film, den ich zu Hause geschaut habe, war „Blue Valentine“ mit Ryan Gosling.

Face2Face: Was haben Sie sich für das Jahr 2012 vorgenommen?
Schweighöfer: Im nächstes Jahr will ich viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen – insbesondere mit meiner Tochter Greta.

Face2Face: Mehr Zeit mit ihrer Tochter verbringen – was schwebt Ihnen da vor?
Schweighöfer: Ganz normale Dinge tun wie mit ihr einzukaufen oder ihr eine Brotstulle schmieren. Am meisten freue ich mich darauf meine Tochter von der Kita abzuholen, da kräht kein Hahn nach meinem Bekanntheitsgrad. Ich habe mir fest vorgenommen mit der Familie Reisen zu machen, Parks zu besuchen und dafür die Arbeit ein wenig ruhen zu lassen.

Face2Face: Wann können wir mit Ihrem neuen Film „Russendisko“ rechnen?
Schweighöfer: „Russendisko“ wird Ende März 2012 in die Kinos kommen.

Vorschau: Wie sieht eigentlich der Alltag einer Gogotänzerin aus? Das und vieles mehr lest ihr am Dienstag, 10. Januar im Portrait über Tänzerin „Kimstyle“. Am Dienstag, 03. Januar gibt´s außerdem das nächste Rätsel des Monats.