Online-Lebensmittelhandel – Nischenmarkt mit Potenzial?

Ein paar Klicks und schon liegen die Zutaten für ein leckeres Essen im digitalen Einkaufskorb. Kurze Zeit später klingelt es an der Tür und Gemüse, Brot, Fleisch und Joghurt werden geliefert. So könnte der Lebensmitteleinkauf in naher Zukunft aussehen. Elisabeth Hander (27) hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Konsumentenbefragung zum Thema Online-Lebensmittelhandel durchgeführt. Was sie dabei herausfand, erzählt sie uns im Face2Face-Interview.

Face2Face: Wie bist du auf die Idee gekommen, dich mit dem Thema Online-Lebensmittelhandel zu beschäftigen? Was ist so spannend an diesem Thema?
Elisabeth: Neben meinem Studium war ich neun Monate als Werkstudentin im Vertrieb tätig. Weil ich das sehr spannend fand, war für mich klar, dass das Thema meiner Masterarbeit in Richtung Vertrieb gehen wird. Ich habe dann einige Wochen im Internet recherchiert, um das passende Thema zu finden. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Thema „Online-Shop“ immer mehr in den Fokus rückt. Und so stand schließlich der Titel meiner Arbeit fest: „Einführung und Optimierung eines internetbasierten Shopsystems für Discounter im Online-Lebensmittelhandel in Deutschland – dargestellt am Beispiel von Aldi Süd und Lidl“.
Ich persönlich finde das Thema Online-Lebensmittelhandel besonders für Deutschland sehr spannend, da es in den kommenden Jahren wohl weiterhin ein Nischenmarkt bleiben wird. Das hängt einerseits mit dem mangelnden Vertrauen der Verbraucher gegenüber der Frischequalität der Lebensmittel und andererseits mit den wenig erfolgreichen und ausgereiften Geschäftsmodellen der Lebensmitteleinzelhändler im Onlinesegment zusammen. Im Ausland, beispielsweise in England und den USA, ist der Online-Lebensmittelmarkt weit fortgeschritten und wird vermehrt genutzt. Fest steht, dass der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland viel Potenzial aufweist und damit eine neue Vertriebsart neben dem stationären Handel darstellt.

Ist mit ihrer Masterarbeit zum Thema Online-Lebensmittelhandel sichtlich zufrieden: Elisabeth Hander (Foto: privat)

Ist mit ihrer Masterarbeit zum Thema Online-Lebensmittelhandel sichtlich zufrieden: Elisabeth Hander (Foto: privat)

Face2Face: Im Rahmen deiner Masterarbeit hast du eine Umfrage durchgeführt – wie bist du dabei vorgegangen?
Elisabeth: Die Umfrage basiert auf einer quantitativen Erhebung. Ich habe die schriftliche Form gewählt, um die Konsumenten bei Aldi Süd und Lidl persönlich zu treffen und zu befragen, da diejenigen, die bei den beiden Discountern über den stationären Handel ihre Einkäufe tätigen, zu den potenziellen Onlinekäufern gehören.
Ich habe insgesamt 50 Personen befragt, 25 davon vor Aldi Süd und weitere 25 vor Lidl. Die Teilnehmer wurden zufällig ausgewählt und von mir beim Verlassen des Geschäfts angesprochen.
Der Fragebogen unterteilte sich in vier Teilbereiche. Befragungsteil A beinhaltet die Erfahrungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmer in Bezug auf den Online-Lebensmittelhandel. In Teilbereich B wurde der Trend im Hinblick auf den Online-Lebensmittelshop erfragt. Der Bereich C enthält die demografischen Daten der Teilnehmer und im Teilbereich D hatten die Befragten zusätzlich die Möglichkeit, Wünsche und Kommentare zum Thema Online-Lebensmittelhandel zu äußern.

Face2Face: Was sind die Ergebnisse deiner Studie?
Elisabeth: Den größten Anteil bei der E-Commerce-Nutzung machen die 21- bis 30-Jährigen aus, gefolgt von den 31- 40-Jährigen und den unter 20-Jährigen.
Zu den meistgekauften Produkten im E-Commerce zählen Textilien/ Accessoires, elektronische Geräte, Bücher in print und digital. Es zeigt sich, dass Lebensmittel verhältnismäßig wenig online eingekauft werden.
Auf die Frage, „Was erwarten Sie von Ihrem Discounter, wenn Sie Lebensmittel online bestellen?“, haben die meisten „hohe Qualität, flexible Liefer- und Abholzeiten sowie niedrige Liefer- und Abholgebühren“ angegeben.
Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch und Wurst, Milchprodukte und Ei, Joghurt und Dessert, Brot und Backwaren, Obst und Gemüse würde die Mehrheit der Befragten nicht über einen Online-Lebensmittelshop bestellen. Produkte mit einer längeren Haltbarkeit hingegen, wie Tabak, Konserven, Öl und Kaffee sind leichter über den Online-Shop zu vertreiben als frische Produkte.
Der Großteil der Teilnehmer ist bereit, bis zu einem Tag auf die Lieferung nach Hause zu warten. Bei der Selbstabholung wollen die Befragten lediglich eine bis sechs Stunden warten. Die meisten Teilnehmer wollen für die Lieferung weniger als fünf Euro bezahlen. Bei der Selbstabholung sind drei Euro für die Teilnehmer akzeptabel.

Lebensmittel im Internet kaufen - könntet ihr euch das vorstellen? (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Lebensmittel im Internet kaufen – könntet ihr euch das vorstellen? (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Face2Face: Gibt es Konzerne, die ihre Lebensmittel bereits online verkaufen? Und hast du den Eindruck, dass dieses Angebot gut bei den Kunden ankommt?
Elisabeth: Ja, REWE hat zum Beispiel bereits ein Pilotprojekt in einigen deutschen Städten gestartet und vertreibt Lebensmittel online. Zudem verfügt der Supermarkt über eine eigene Logistik und einige Abholstationen. REWE ist einer der ersten Einzelhändler, der seine Lebensmittel neben dem stationären Handel auch online vertreibt. Lidl vertreibt ebenfalls Produkte über einen Online-Shop, allerdings keine Lebensmittel. Aldi Süd verfügt derzeit über keinen Online-Lebensmittelshop.
Das Wichtigste ist, dass die Lebensmitteleinzelhändler ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Onlinesegment aufbauen und das Vertrauen der Konsumenten gewinnen. Sie müssten den Verbraucher über Verpackung, Transport, Kühlkette und so weiter aufklären.
Laut meiner Recherchen waren nicht alle Onlinekunden mit dem Service ihrer Lebensmittelhändler zufrieden. Häufig gingen über den Kundenservice Beschwerden wegen der Qualität der gelieferten Produkte sowie der Wartezeit bei Lieferung ein. Das zeigt wiederum, dass der Onlinehandel in Deutschland noch nicht ausgereift und noch optimierbar ist.

Face2Face: Kaufst du selbst Lebensmittel online?
Elisabeth: Ich persönlich kaufe Lebensmittel gerne beim Einzelhändler vor Ort ein. Allerdings habe ich vor, auch einmal Lebensmittel online zu bestellen – einfach um das mal auszuprobieren. Leider liefert REWE nicht in meiner Gegend aus, sonst hätte ich es sofort getestet. Ich werde mich wohl noch gedulden müssen.

Face2Face: Wie siehst du die Zukunft des Onlinehandels mit Lebensmitteln?
Elisabeth: Ich bin davon überzeugt, dass der Onlinehandel mit Lebensmittel in den kommenden Jahren verstärkt zum Thema wird und immer mehr Menschen vertrauter damit umgehen werden, sobald sich die Serviceleistungen (Lieferung und Selbstabholung) der Einzelhändler vermehren und die Erwartungen und Bedürfnisse der Onlinekunden erfüllt werden. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt, und wie lange es dauern wird, bis sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland etablieren wird.

Vorschau: Am Dienstag, 3. Juni berichten wir im Panorama über einen gelernten Werbefotograf und seine Prognose für die professionelle Fotografie.

 

Aktionen um den Tannenbaum

Die Tage werden kürzer, der Wind wird kälter, der Mann mit dem Mantel hat nur noch einen halben und aus dem Boden sprießen unzählige wohltätige Konzepte und Adventsideen, denen sich immer mehr anschließen. Wir laufen zu Hochleistungen auf, was Nächstenliebe und Geberlaune angeht. Und tatsächlich: Wenn wir uns mal umschauen, so schlecht, wie wir das ganze Jahr über jammern, geht es uns gar nicht. Den meisten von uns. Wir haben ein Dach über dem Kopf, einen potentiell vollen Kühlschrank, genug warme Socken und immer ein bisschen mehr, als wir eigentlich benötigen. Das schlechte Gewissen holt uns ein. Und manche Ideen versprechen einfach nur eine schöne Weihnachtsüberraschung für viele.

Backzeit – für einen wohltätigen Zweck (©Andreas Morlok / pixelio.de)

Das Face2Face-Team beispielsweise macht mit bei der Aktion „Kekse Backen für einen guten Zweck“. Hier werden Alleinerziehende mit selbstgebackenen Plätzchen unterstützt, da ihnen oft die Zeit fehlt, selbst etwas zu backen. Das finde ich eine ausgezeichnete Idee. Denn wer sich um seine Arbeit und Kinder kümmern muss, Angst um die Anstellung hat und darum, ob das Kind nächste Woche mit der nächsten Erkältung im Bett liegt, hat selten Zeit, ausgiebig Weihnachtsgebäck zu backen. Eine Kleinigkeit vielleicht und mit Sicherheit fehlt es anderen an brisanteren Stellen. Aber auch Kleinigkeiten gehören dazu. Ein paar strahlende Kinderaugen mehr, Alleinerziehende, die sich wenigstens um diese Sache mal keine Gedanken machen müssen und irgendwie sieht die Welt dann schon besser aus.

Päckchen? Wie wär es mit einem für ein armes Kind (© Pambieni / pixelio.de)

Der Kindergarten meines Sohnes beteiligt sich seit ein paar Jahren, über Umwege, an einer ganz anderen Aktion. Ein Elternpaar verteilt jeden Winter Infomaterial zum Weihnachtspäckchenkonvoi. Die Aktion sammelt hierzulande fertige Päckchen und schickt sie nach Rumänien, Moldawien und die Ukraine an Waisenhäuser, Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Kindergärten und Schulen. Darin enthalten sein sollte ein (abgelegtes) Spielzeug, Naschereien, Schreibutensilien, Hygieneartikel, neue Kleidung und so weiter. Gebrauchte Kleidung erlaubt der Zoll nicht, aber hierfür gibt es an jeder Rot-Kreuz-Stelle dankbare Abnehmer. Die Päckchen werden hübsch verpackt und markiert, ob sie für Babys, Kleinkinder, Grundschulkinder oder Größere geeignet sind. Als Eltern wird man dabei nicht nur immer wieder ein altes Spielzeug und/oder Kuscheltier los, das ansonsten nur das Kinderzimmer unnötig füllt: Dadurch, dass so ein Päckchen mit neuen und vernünftigen Dingen aufgefüllt wird, gibt es Spannung, Spiel und Zahnpasta in einem. Wem die Endstationen zu weit weg sind, muss sich hierzulande umschauen. Waisenhäuser und Krankenhäuser, Stellen, bei denen man ein armes Kind findet, das sich über ein Geschenk zu Weihnachten freut, finden wir auch in Deutschland.

Lesestoff? Gibt es bei den Buchwichteln (Foto: mit freundlicher Genehmigung der Aktion Buchwicheltn)

Weg von der Wohltätigkeit und hin zur Adventsaktion komme ich mit den Buchwichtel. Hier werden noch bis Sonntag, 25. November Anmeldungen entgegen genommen. Im Dezember bekommt dann jeder Teilnehmer die Daten seines Wichtelkindes. Nun sucht er ein ausgelesenes Buch aus dem Regal aus, schickt es ab und bekommt von einem anderen Mitwichtel ein anderes zum Lesen geschickt. Für alle Lesefreunde wie mich, deren Bücherregal überquillt, genau das Richtige. So kommt der Lesehungrige an frischen Lesestoff, ohne ein neues Regal aufstellen zu müssen, denn der freie Platz kommt mit dem Abschicken des alten Buches von selbst. Dank vieler Spenden gibt es unter allen Teilnehmer auch eine Verlosung. Bücher oder Lesezeichen, Schokolade oder Kaffeetasse, wer da gezogen wird, kann sich freuen.

Wem das alles noch zu wenig ist, der darf gerne mehr tun. Und Kleinigkeiten können schon groß wirken. Eine Riesentüte Gummibärchen an Schulen und Kindergärten verteilen, beispielsweise. Hier sollte aber vorher mit der jeweiligen Leitung gesprochen werden, dass kein falsches Bild entsteht. Oder eine Thermoskanne (Kinder-)Punsch im nächsten Vorlesungssaal ausschenken. Es lohnt sich hier auch, an die vielen Menschen zu denken, ohne die unser Alltag nicht der gleiche wäre. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Kleinigkeit für die Bäckerangestellten, Postboten, Kassierer. Oder ihr bringt das selbstgebackene Gebäck zur alten Frau aus der Nachbarschaft, die selbst nicht mehr backen kann. Die Weihnachtspäckchen könnt ihr auch an Kinder verteilen, von denen ihr wisst, dass es ankommt, dass sie den Inhalt brauchen. Gelesene Bücher könnt ihr auch mit der besten Freundin oder dem besten Freund tauschen. Außerdem werden Geldspenden zur Weihnachtszeit auch immer beliebter und in den Läden von REWE beispielsweise können für fünf Euro volle Einkaufstüten an die Tafeln gespendet werden. Die Ideen gehen uns bestimmt nicht aus.

Vorschau: Sascha schreibt nächste Woche über den Perfektionsdrang unserer Welt.