Tierrecht in C-Dur – vegane Musik national und international

Taktvoll: Vegane Musik regt zum Nachdenken an (© Fabian Fellmann / pixelio.de)

Mit Thomas D, Jared Leto, Janet Jackson und Bryan Adams ist die Liste der veganen und gleichzeitig hochkarätigen Interpreten – sowohl national als auch international – lang und breit gefächert. Denn immer mehr Musiker, die sich auf diese Weise ernähren, bekennen sich auch durch ihre Musik dazu. Während einige Künstler mit radikalen Bekenntnissen die Fangemeinde spalten, gründen andere wiederum gleich ein ganzes Restaurant.

Vegan essen im Restaurant von Moby

So zum Beispiel der US-amerikanische Sänger und DJ Moby, der 1999 in Deutschland mit seinem Song „Why does my heart feel so bad?“ große Bekanntheit erlangte. Seit der Eröffnung im November 2015 betreibt der Musiker, der sich für Tierrechte engagiert, das vegane Restaurant „Little Pine“ in Los Angeles. Moby hatte nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Menüauswahl ein Wörtchen mitzureden. Die Gerichte haben mediterrane Einflüsse, die verwendeten Lebensmittel sind vegan und stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Moby wuchs mit Hunden und Katzen auf. Aus Liebe zu seinen Tieren entschied er sich 1985 im Alter von 19 Jahren dafür, Vegetarier zu werden. Aufgrund der miserablen Zustände in vielen kommerziellen Farmen ernährt er sich seit 1987 vegan. Im Rolling Stone Magazine schrieb Moby über seine Beweggründe für die vegane Ernährung: „Simply so that I could eat and live in accordance with my beliefs that animals have their own lives, that they´re entitled to their own lives and that contributing to animal suffering is something that I don´t want to be a part of.“ (zu Deutsch: „Einfach, damit ich in Übereinstimmung mit meiner Überzeugung, dass Tiere ihr eigenes Leben haben, dass sie ein Recht auf ein eigenes Leben haben, essen und leben konnte, und dass der Beitrag zum Leiden von Tieren etwas ist, von dem ich kein Teil sein möchte.“)

Die Avocado-Farm von Jason Mraz

Auch der US-amerikanische Sänger Jason Mraz isst hauptsächlich vegan. Zu seinen bekanntesten Songs zählen „I´m yours“, „I won´t give up“, „Love someone“ und das gemeinsame Duett „Lucky“ mit Sängerin Colbie Caillat. Dass der Musiker inzwischen veganes Essen bevorzugt, hat mit den Rolling Stones zu tun. Als Mraz vor ein paar Jahren Supportact bei ein paar Konzerten der Band war, beeindruckte ihn deren mittlerweile gesunde Lebensweise nachhaltig und veranlasste ihn wenig später dazu, seine eigene Ernährung umzustellen. Seitdem ist er nicht nur Veganer, sondern betreibt auch eine eigene große Avocado-Farm in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Wie wichtig ihm die Wertschätzung der Erde und der ökologische und idealerweise eigene Anbau von Lebensmitteln ist, könnt ihr in seinem Song „Back to the earth“ aus seinem Album „Yes!“ (2014) hören: „Cause my home is where my food is grown.“

Veganismus als Konzept der Band Deadlock

Veganismus: Musik- und Lebensstil zugleich (Foto: T. Gartner)

Auch auf nationalen Bühnen treten immer mehr Interpreten in Erscheinung, die Veganismus nicht nur leben, sondern mit in ihre Musik einfließen lassen. So führen alle fünf Köpfe der 1997 gegründeten Melodic-Death-Metal-Band Deadlock nicht nur einen veganen Lebensstil: Auf ihrem 2008 erschienenen Album „Manifesto“ prangern sie in Liedern wie „The Brave / Agony Applause“, „Deathrace“, „Slaughter’s Palace“ und „Seal Slayer“ die Massentierhaltung und das Töten von Tieren an. Das Album „Bizarro World“, das den Musikern 2011 erstmals eine Chart-Platzierung bescherte, erinnert namentlich nicht zufällig an die Comicfigur Bizarro. Vielmehr seien nach dem Bassisten John Gahlert in einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer vielerlei Parallelen zwischen der fiktiven Figurenwelt und der Gegenwart erkennbar: „Es geht darum, wie verdreht vieles auf der Welt ist. Die meisten Leute fressen einfach, was ihnen vorgeworfen wird. Würden sie weiterdenken, würde so manches Lügengebilde schnell einstürzen“. Als Motivation sich auch musikalisch mit den Rechten der Tiere auseinanderzusetzen, gab Gahlert in einem Interview mit dem Magazin All About The Rock an, die Fans zum bewussteren Konsum anregen zu wollen.

Offene Provokation durch Samsas Traum

Das deutschsprachige Musikprojekt Samsas Traum, das 1996 von Alexander Kaschte ins Leben gerufen wurde, bekannte sich durch morbide Plakate für die Tierschutzorganisation PETA mit Motiven der Selbstverstümmelung und Überschriften wie „Fleisch ist (Selbst) Mord“ zum veganen Lebensstil. Die plakative Kritik steht dabei konträr zur eigenen musikalischen Entwicklung, in der sich die Band mit lyrischen und anspruchsvollen Texten einer breiten Themenpalette widmet. Bereits der Bandname, der auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ referiert, deutet den literarischen Bezug an. Außerhalb der Musik äußert sich der Bandgründer weniger poetisch denn radikal gegen den Konsum tierischer Güter, indem er in einem Interview mit dem Zillo-Magazin Vegetarier mit Fleischessern auf eine Ebene stellt: „Vegetarier sind Mörder. […] Sie befriedigen ihr Gewissen durch den Verzicht auf Fleisch, konsumieren aber weiterhin Produkte […], die ebenfalls auf den Tod der zur Gewinnung ausgenutzten Tiere hinauslaufen“. Auch Fans werden fundamental zu veganer Ernährung aufgerufen – nicht nur, indem Kaschte auf Konzerten Veganismus-Bücher verkauft und kritische Ansprachen auf DVDs und Hörspiele presst. Kontroverse Diskussionen löste er unter anderem durch die Diffamierung von Fleischkonsumenten auch innerhalb der Fangemeinde aus. So finden sich in „Vegan oder tot“ auf dem 2007 veröffentlichten Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ bewusst provokante und provozierende Worte: „Ich weiß, dass alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. […]  Ich habe kein Mitleid für Menschen, die an einem Herzinfarkt sterben. Ich habe kein Mitleid für Menschen, die übergewichtig sind.“

KAFKAS machen Punkrock für Tier und Mensch

Kafkas gründeten sich 1995 in Fulda und vertreiben bis heute ihre Alben im hauseigenen Label. In ihren Texten setzen sie sich mit Themen wie Tierrecht und -schutz auseinander, engagieren sich aber auch außerhalb der Musik für Tier- und Umwelt-Organisationen. Inspiration für einige der Lieder bietet dabei das Schwein Paula, das als Mitbewohnerin des Sängers Marcus Kafka betitelt wird. In einem Interview mit Veggy-Post gab dieser an, sowohl als Plattform für „weniger massenkompatible Themen“ zu dienen als auch Anstoß zum Nachdenken zu geben. Mit den Songs „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und „Für immer“ erreichte die Band größere Bekanntheit, erhielt schließlich für „Klatscht in die Hände“ 2010 Platz 1 der MTV-Charts im Bereich Rockzone. Musikalisch erhebt die Band dabei nicht den moralischen Zeigefinger und befasst sich vielmehr mit subtileren Klängen und viel Eigenironie mit den ernsten Themen der Gesellschaft. Während das Lied „Vegetarier können nicht tanzen“ auf der „Superrocker“-EP aus dem Jahre 2004 humorvoll mit stereotypen Vorwürfen Vegetariern gegenüber spielt, die „immer bleich [sind], denn die essen ja kein Fleisch“, tritt die Kritik in „Non-Human-Justice“ auf der 1996 veröffentlichten „Serotonin“-CD schonungslos zutage: „Your steak on the table, you close your eyes. You ignore. The law is still on your side. But I think it´s time now for a change to stop killing defenceless life.“

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Sabrina Holitzner und Gülcin Onat.
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Das Wunderkind kommt nach Deutschland

„Der Tag ist mein Feind“ (im Original: „The day is my enemy“): Mit diesem Album gehen die drei Jungs von The Prodigy nun im Herbst auf Welttour und geben auch in Deutschland vier Konzerte.

Bekannt wurde die englische Band in den 1990ern mit Ohrwürmern wie „Out of space“, „No good (start the dance)“ und „Poison“. In Deutschland erlangten sie ihren Durchbruch mit den durchaus partytauglichen Tracks wie „Firestarter“ und „Breathe“.

Die Band besteht aus den Mitgliedern Liam Howlett, Keith Flint und Maxim und wurde nach dem Synthesizer Moog Prodigy benannt. The Prodigy übersetzt heißt „Wunder“, beziehungsweise „Wunderkind“. Und bei ihrem einzigartigen Stil kann alle Mal von einem Wunder gesprochen werden.

Keine Band vor oder nach ihnen vereint Breakbeats, Acid House und Techno so gut zusammen und fügt Drum und Bass und Jungle hinzu.  Aktuell mischen sie auch Big Beat und Trip Hop, sowie Alternative und Punk in ihre unvergleichbare Musik.

„The day is my enemy“ ist das bereits sechste Studioalbum der Jungs und erschien am 27. März 2015.

 Am 07. Oktober 2015 beginnen sie ihre Welttour auf dem UKA Festival in Norwegen und touren sich durch Russland, Finnland, Schweden und Dänemark, bis sie am 06. November 2015 dann Deutschland erreichen. Hier starten sie in Oberhausen und treten noch in Hamburg, München und Frankfurt am Main auf.

Karten für die Shows gibt es beim Ticketverkäufer deines Vertrauens oder hier.

Vorschau: Am nächsten Samstag gibt es passend 25 Songs zum Tag der Deutschen Einheit.

Lou Reed – Walk on the Wild Side

Mit dem Tod von Lou Reed am vergangenen Sonntag, 27. Oktober, ist ein Ausnahmekünstler seiner Zeit gestorben. Seit den 60er-Jahren war er als Solokünstler sowie als Gitarrist und Sänger von „The Velvet Underground“ stilprägend – selbst musikalisch allerdings kaum erfolgreich. Reed litt nach jahrelangen Alkohol- und Drogenexzessen an schwerer Zuckerkrankheit und wurde im Mai 2013 durch eine Lebertransplantation noch einmal gerettet, an deren Folgen er aber offensichtlich bis zu seinem Tod zu leiden hatte.

Bereits 1975 fragte sich US-Musikjournalist Lester Bangs: „Warum gibt es diesen Typen immer noch, dessen ganze Karriere seit 1966, als ‚Velvet Underground‘ total kaputt auftauchten, auf Zuckungen im Endstadium basiert?“. Diese harschen Worte erklären sich vor allem durch den sehr eigenen Umgang, den Reed mit der Presse pflegte: Journalisten sah er als Störer an und begegnete ihnen immer wieder mit Unmut. Regelmäßig kam es während der Interviews zu Entgleisungen. Es kam schon einmal vor, dass Reed während eines Pressetermins einfach den Raum verließ.

Auch sein künstlerisches Wirken zeichnete sich als durchaus schwierig ab. Mit Texten über Sucht, Drogen und gesellschaftlichen Außenseitern provozierte er damals wiederholt die Öffentlichkeit. Reed verkörperte stets die Gegenkultur und inspirierte so Künstler wie die Sex Pistols, Nirvana und Radiohead. Reeds Rockmusik war stets anders, basierte meistens auf ein oder zwei Gitarrenakkorden und stellte vor allem die literarisch geprägten Texte in ihren Mittelpunkt. Die perfekte Verkörperung der amerikanischen Literatur wollte er musikalisch als Albenfolge umsetzen.

Sein künstlerisches Schaffen brachte Reed schon früh mit Andy Warhol und seiner Factory zusammen, in der dieser seine Pop-Art schuf. Warhol unterstützte Velvet Underground als Produzent und gestaltete das weltbekannte Albencover von „The Velvet Underground & Nico“, das eine Banane zeigt.

Nach der Veröffentlichung des Albums zerstritt sich die Band und ging getrennte Wege. Obwohl Reed nie wirklich erfolgreich war, haben seine Werke heute Kultstatus erreicht. Er gilt als Wegbereiter des Punks und des Indie-Rocks. Doch auch dem musikalischen Nachwuchs gegenüber zeigte er sich ähnlich abgeneigt wie den Journalisten.

Immer wieder verärgerte er Kritiker mit Alben wie „Metal Machine Music“, das lediglich aus Gitarrenfeedbacks bestand. Zuvor hatte Reed mit dem von David Bowie produzierten Album „Transformer“, das unter anderem den Titel „Walk on the Wild Side“ enthielt, zumindest einen kleinen Erfolg eingefahren.

In den 80er-Jahren nahm Reed Abstand von seinem exzessiven Lebensstil und widmete sich zum Ende der Dekade auf dem Album „New York“ politischeren Themen. Nach dem Tod Warhols kam Reed mit dem ehemaligen Velvet-Underground-Mitglied John Cale zusammen, um „Songs for Drella“ zu produzieren. 1993 vereinigten sich Velvet Underground dann überraschend, um sich kurz darauf erneut zu trennen. Etwa ab 2009 arbeitete Reed gemeinsam mit Metallica am 2011 veröffentlichten Album „Lulu“, doch auch hier kam es aufgrund Reeds Charakters zu Problemen.

Auch, wenn Reed kein einfacher Zeitgenosse war – für die Entwicklung der heutigen Musiklandschaft darf seine Bedeutung nicht unterschätzt werden.

Backstage mit ZSK

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Wahnsinnsstimmung: ZSK rocken die Markthalle ! (Foto: Güngör)

Vergangenen Freitag, 13. September war die Punkband ZSK aus Berlin in der Hamburger Markthalle zu Besuch. Mit dabei hatten sie die Stuttgarter Band Heisskalt und die Band Jukes aus Warburg. Face2Face hat sich für euch an ZSK gehängt und ist mit ihnen Backstage gewesen.

Es ist gegen 20 Uhr, als die letzten Fans eintreffen. Das Bier wird schnell noch ausgetrunken, die Sonne geht langsam unter und die frische Brise Hamburgs fliegt durch die Luft. Alles bewegt sich in das innere der Markthalle, eine für 1.000 Besucher konzipierte Konzert-Location, die an diesem Abend noch abgerissen werden wird, aber dazu später mehr.

Wenn man nur als Fan und Zuschauer auf ein Konzert geht, stellt man sich die verrücktesten Sachen vor, die im Backstage-Bereich einer jeden Veranstaltung passieren. Rockstars und Groupies, Drogen und laute Musik, Menschen, die mit Essen werfen, und viele weitere verrückte Dinge. Betritt man die „heiligen Hallen“ sieht es natürlich ganz anders aus. Viele Musiker verteilt auf ihre Garderoben. Vor der Tür stehen zwei und rauchen ihre Zigarette. Musikinstrumente und Klamotten überall und mindestens einer, der versucht zu schlafen. Dieser einer war im Falle dieses Abends der Schlagzeuger der Band ZSK: Matthias.

Im Interview sagte die Band auf die Frage, was sie an und in Hamburg so schätzen: „Wir lieben die Flora, wir lieben die breite subkulturelle Szene und wir sind jedes Mal wieder beeindruckt, wie die Hamburger mit großen Naziaufmärschen umgehen. In kaum einer anderen Stadt knallt es bei sowas immer so heftig, dass die Aufmärsche meist verhindert werden können.“

Die Zuneigung für die Stadt ist groß, gerade vielleicht auch weil das Management der Band, Hamburg Records, hier ansässig ist und der Manager selbstredend an diesem Abend dabei war, auch um mit seinen Freunden, Schützlingen und Kollegen seinen Geburtstag zu feiern. Welch ein freudiger Anlass für einen fantastischen Abend.

Gegen 21 Uhr beginnt die erste Vorband Jukes. Während man sich noch nett mit dem Lichttechniker der Band ZSK unterhält und sich langsam auch mit den anderen Bands gutstellt, dröhnt die Musik in den Backstage-Bereich hinein. Das Interesse ist definitiv geweckt und der ein oder andere hinter den Kulissen lugt kurz aus der Tür heraus, um zu sehen, was da draußen passiert. Die Musik ist gut, passt zur Band und macht Stimmung, doch das Hamburger Publikum ist bekanntlich das schwierigste in Deutschland und so sitzen die Zuschauer, wo sie einen Platz zum Sitzen finden und hören der Musik einfach nur zu.

Eine halbe Stunde später ist die Band auch schon fertig und kommt mit Freude im Gesicht nach hinten, sie umarmen und beglückwünschen sich und das erste Eis zwischen den Bands ist definitiv gebrochen. Währenddessen bereiten sich ZSK immer noch vor. Sie erzählen von Ereignissen auf der Tour, trinken ihr Bier, Stimmen ihre Gitarren, den Bass und ziehen sich gefühlte achtmal um.

Genauso steht es um die Band Heisskalt, die nach einer kurzen Umbaupause als nächstes auf die Bühne geht. Das Publikum bleibt immer noch kritisch, doch von Song zu Song lockern sie immer mehr auf und fangen sogar an ein wenig zu tanzen, was für Hamburger Verhältnisse ein voller Erfolg ist. „Wir haben sie verehrt, de Band ZSK und hätte uns mit 16 Jahren mal einer gesagt, dass wir für sie als Vorband spielen dürfen, hätten wir der Person ganz laut FUCK YOU entgegengerufen, denn wir hätten es nicht geglaubt und jetzt sowas. Wahnsinn vielen Dank!“, sagt der Sänger enthusiastisch auf der Bühne. Das erfreut auch das Fanherz, das auch in der Face2Face-Musikredaktion ein kleinwenig für ZSK schlägt.

Wieder eine Umbaupause, wieder kommt die Band in den bis vor kurzem noch mystischen Backstage-Bereich, wieder gratulieren sich alle und wirken glücklich. Einige gehen erst einmal eine rauchen, andere trinken genüsslich ihr Bier und unterhalten sich ganz angeregt. Die Bands geben sich untereinander Tipps und Tricks, essen und trinken gemeinsam. ZSK sind währenddessen in ihrer Garderobe. Joshi, der Sänger der Band, bereitet sich stimmlich auf den Abend vor und der Manager schickt uns noch einmal kurz raus damit sich die Band sammeln kann.

„Wenn man auf der Bühne steht, muss man 150 Prozent da sein. Da darf es keine halben Sachen geben. Alles andere ist dann egal. Ob du gerade krank bist, Bein verstaucht oder ähnliches. Alles um einen herum löst sich in Luft auf, es geht nur noch um dich, das Publikum und die Musik. Ich liebe diesen Moment“, erzählt Joshi nach seinem Auftritt.

Als Ritual hat sich die Band vor ihren Auftritten angewöhnt Schnaps zu trinken und dazu wird auch die Musikredaktion herzlich eingeladen.

ZSK gehen endlich auf die Bühne. Die Hamburger sind wach und voller Elan und bereit ihre Fäuste gegen Nazis und für die Band ZSK zu erheben. Alle tanzen sie Pogo, gehen einfach auf die Bühne, denn die Nähe zu den Fans ist der Band besonders wichtig. Das Publikum ist gemischt. Von 13 bis 40 Jahren ist alles dabei, doch es sind die jungen Hüpfer, die auf die Bühne gehen, um einen Hechtsprung ins Publikum zu absolvieren um Stage zu diven. Es sieht überragend aus, die Musik ist laut und schnell, einfach Punk. Die Botschaften sind sowieso eindeutig und alle singen laut mit.

Auf die Frage, warum sie sich dazu entschlossen haben, ihre Vorbildfunktion zu nutzen und ob sie bereits Erfolge mit ihren Botschaften verbuchen konnten, sagt die Band Folgendes:

„Das kann man natürlich schlecht messen. Aber wir wissen schon, dass viele unserer Fans sich politisch engagieren, Sticker kleben, zu Demos gehen usw. Wir treffen auch oft ZSK-Fans bei Protesten gegen Naziaufmärsche oder halt beim Castortransport. Die sind dann immer ganz überrascht und sagen: ʽIch macht das also echt, worüber ihr in euren Texten singt?ʼ“

Zwei Stunden gibt die Band richtig Gas und hinterlässt schwitzende und zufriedene Menschen im Publikum . Der Backstage-Bereich muss nach dem Konzert natürlich frei von Schaulustigen sein, denn die Band soll sich erst einmal kurz entspannen, sich umziehen und dann ergibt sich die weitere Abendplanung.

„Manchmal geht es recht schnell ins Bett, manchmal trinken wir bis um fünf Uhr morgens und schlafen im Bus auf dem Weg zur nächsten Show“, erzählt Joshi im Interview. An diesem Abend geht der Großteil der Band ins Hotel und schläft, während der Rest noch weiter über den Hamburger Kiez in die Dunkelheit zieht und feiert.

 

Vorschau: In zwei Wochen findet ihr in der Musikrubrik eine Review zum Konzert von Bonobo.

Zurück zum Ursprung – Mein Besuch auf dem Toten Hosen Konzert

Am Donnerstag, 29. August waren Die Toten Hosen für ein Open Air Konzert auf der Trabrennbahn in Barenfeld in Hamburg und ich war für euch live dabei.

Einer der letzten Sonnentage in diesem Sommer fand auf der Trabrennbahn in Barenfeld statt. Gefühlt tausend Menschen verschiedener Altersstufen pilgerten dort hin, um eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands zu feiern. Es war kurz vor 18 Uhr, der Staub wurde durch die vielen Besucher aufgewirbelt und bildet einen dünnen Nebel in der Luft. Es war warm und mit einer frischen Prise wirkte es nahezu harmonisch auf dem Konzertgelände. Eine riesige Bühne wurde für die Supportbands und die vielen Menschen an diesem Donnerstag Abend errichtet.

Pünktlich um 18 Uhr kamen ZSK, eine Punkband aus Berlin, auf die Bühne, um den Massen mit politischen Texten und lauter Gitarrenmusik einzuheizen. Zwei Meter vor der Bühne, mit all den jungen und alten Punk-Musikliebhabern um einen herum, fühlte man sich in seine frühste Jugend zurückversetzt, als man selbst noch ungezähmt war und Punk das Einzige war, woran man glaubte. Alle tanzten, einige sangen mit und es bildeten sich mehrere Pogokreise in der Menge. Von Song zu Song verloren sich die Fans mehr in der Musik – 30 Minuten um eine ganze Meute aufzuwecken und dazu zu animieren lauthals mitzusingen und die Meinung zu teilen.

„Unsere Faust gegen Nazis. Unsre Hand für die, die mit uns kommen, denn wir gehen diesen Weg nicht alleine. Es gibt nichts, was uns aufhalten kann!“, schallte es zum Schluss aus dem Publikum.

Die gute Laune breitete sich regelrecht aus, als ZSK schlussendlich von der Bühne musste, um die nächste Vorband willkommen zu heißen.

Die Umbaupause nutzten alle, um sich mit Getränken einzudecken und nochmal schnell auf der Dixitoilette zu verschwinden. Alles in allem wirkte der Abend nicht wie ein durchschnittliches Konzert, sondern eher wie ein kleines Festival, man könnte auch behaupten wie ein großes Familientreffen.

Zum Anklang in die zweite Runde lud die Oi- und Punkband Broilers vor die Bühne. Es ging los und alle bewegten sich zum Klang des Saxophons und zur melodischen und doch harten Stimme des Frontsängers Sammy Amara. Die Euphorie machte sich in den Gesichtern der Besucher deutlich bemerkbar. Alle lächelten freudig zur Bühne, um den Künstlern darauf zu signalisieren, dass sie das, was sie machten, gut taten.

Nach einer Stunde völliger Ekstase verließen die Broilers die Bühne, um Platz zu machen für die Headliner des Abends – Die Toten Hosen.

Die Bühne wurde großzügig hergerichtet mit einem aufwendigen Bühnenbild und ausgearbeiteter Bühnenbeleuchtung. Alles in allem dauerte die Umbaupause eine gute halbe Stunde, bis dann schließlich die Meister selbst auf die Bühne kamen.

Die Menge wirkte als wäre sie nach dem Umbau gewachsen, doch das war nur der äußere Eindruck, denn natürlich sind nicht mehr Menschen dazugekommen, sie sind nur alle versammelt vor die große Bühne getreten, um sich das Spektakel anzusehen.

Seit über 20 Jahren sind die Toten Hosen bereits auf der Bühne und dennoch oder vielleicht gerade deswegen, haben sie keine Energiereserve eingebüßt. Die Show ist fantastisch und reißt alle mit. Jeder bekannte Song, von „Eisgekühlter Bommelunder“ bis hin zu „Hier kommt Alex“, wurde gespielt und im Chor von den vielen Bewunderern mitgesungen.

Zwei Stunden gaben sich die Toten Hosen die Ehre und verursachten tiefste Zufriedenheit und Glücksseligkeit bei den Menschen.

„Ich hab die Toten Hosen schon so oft live gesehen und bisher wurde ich nie, nicht einmal ein bisschen, enttäuscht!“, sagte ein Besucher nach dem Konzert zu mir.

Vorschau: Und kommenden Samstag findet ihr an dieser Stelle eine Review zum neuen John Meyer Album.

 

Meine Arbeit bei Hamburg Records

Der Chef von Universal, einer der größten Plattenfirmen der Welt, sagte einst bei einer Vorlesung an der Popakademie : „ Wenn man einen umfangenden Eindruck gewinnen will, wie die Arbeit bei einem Plattenlabel aussieht, muss man bei einem mittelgroßen oder auch kleinen Label anfangen.“ E ntsprechend diesem Rat habe ich Anfang Mai mein Praktikum bei Hamburg Records gestartet. Hamburg Records ist kein reines Label. Es ist gegliedert in drei Kategorien:

Mit viel Engagement zum Erfolg: Hamburg Records lebt die Musik seit über zehn Jahren (Foto: Hamburg Records)

Mit viel Engagement zum Erfolg: Hamburg Records lebt die Musik seit über zehn Jahren (Foto: Hamburg Records)

Management, Onlineshop und Shirtagentur. Alles zusammen wird geleitet vom Mitglied der Band Pyogenesis“ Flo v. Schwarz. Insgesamt sind wir – mich eingerechnet – sechs Mitarbeiter. Die Menschen, die hinter dem Namen Hamburg Records stehen sind nicht nur alt eingesessene Musiker. Es sind ganz normale Menschen mit einem Traum und Freude an der Arbeit. Diverse Band werden von Hamburg Records vertreten, bespielsweise die Punk Band ZSK. Der Alltag bei Hamburg Records lät sich mit jedem anderen Job vergleichen: Man geht morgens ins Büro, checkt die Mails, bespricht, was erledigt werden muss, und macht sich an die Arbeit. Die Managementaufgaben übernimmt Flo v. Schwarz . Er unterhält sich mit den Künstlern, macht das Booking und plant ausgiebig die Touren während er sich um neue, wichtige Kontakte für die jeweiligen Bands kümmert. Die Säulen des Managements sind der Online Shop , wo unter anderem das Merchandising der Band Bloodhound Gang vertrieben wird, und die Shirtagentur. Die Kunden rufen an und wir beraten sie im Detail darüber, wie sie am besten und kostengünstigsten ihre Wunschtextilien bedrucken lassen können. Wenn man es plump ausdrücken wollte, könnte man behaupten, dass es ein reiner Bürojob ist, doch es ist eine Arbeit, bei der man als Anfänger vieles fürs Leben lernt. Man bekommt einen Einblick in die Welt des Handels, in verschiedene Programme und Arbeitsprozesse. Jeder, der engagiert genug ist, kann bei Hamburg Records ein Praktikum machen. Die Chefs sind nett und die Arbeit ist zwar manchmal anstrengend, zum Beispiel wenn ein Release ansteht und man über 800 Vorbestellungen hat, die verschickt werden wollen, aber sehr lehrreich. Hamburg Records gibt es bereits seit über zehn Jahren in Hamburg. Spezialisiert ist das Label auf Punk und Metalbands. Der Service dort ist auf dem Boden geblieben, persönlich und voller Charme. Es ist ein Label mit viel Herzblut, Schweiß und guten Ergebnissen. Wer weitere Infos über das Label möchte, geht am besten auf die Homepage und informiert sich ausgiebig.

 

Vorschau: Nächste Woche erscheint an dieser Stelle ein Review des Mannheimer „Maifield Derby“.

 

Vom ganz normalen, haarigen Wahnsinn

„Ja, ich habe tolles Haar. Danke der Nachfrage!“ – Nicht, dass ich jemals so auf Menschen reagieren würde, die mir ein Kompliment für meine Haarfarbe , meine Frisur, meinen Haarschnitt oder meine Haarstruktur gemacht haben. Aber ich könnte. Immerhin pflegen und striegeln sich Haare ja auch nicht über Nacht. Es sind Züchtung und konstante Zuwendung erforderlich, es geht bei mir im Badezimmer fast wie auf einem Reiterhof zu. Wen wundert es da noch, dass die ein oder andere  Frau mittlerweile auf Pferdehaarbürsten schwört? Wenn man davon doch einen glänzenden, weichen Schweif bekommt…

Wie ich soeben deutlich zu machen versuchte, kommt man nicht mit prächtiger Haarpracht auf die Welt. Das liegt nicht nur daran, dass man im Idealfall mit nicht mehr als einem Haarbüschel auf dem Haupt geboren wird. Erst einmal müssen wir ohnehin alle daran glauben: Haare wachsen lassen, um sogleich wieder auf dem Friseurstuhl Haare zu lassen. Wer kennt sie nicht, die grausamen Coiffeure, die auf Anweisung grausamer Elternteile wehrlosen Kindern besonders grausame Haarschnitte antun? Von „süüüüß“-em Pony kann wiederum außerhalb des Reiterhofes nicht die Rede sein.  Kurzhaarfrisuren, die wir rückblickend „Topfschnitte“ schimpfen, haben ihrem optischen Gräuel zum Trotz immerhin einen pragmatischen Vorteil:  Sie sind in Styling und Pflege denkbar unkompliziert. Denn, mal ehrlich – es dürfte schwer sein, eine Sechsjährige zu finden, die mit ihren Genossinnen aus der Spielgruppe regelmäßig Föhnhitze und Flechtwerk  zum Gesprächsthema macht. Außerdem lebt es sich gewiss einfacher von Menschen umgeben, die allesamt genauso einen hässlichen Mopp auf dem Kopf haben wie man selbst. So frei von (Frisuren-)Neid ist man wahrlich selten!

Wer sie hat, hat’s gut: Haare und davon viel.                (Foto: T.Gartner)

Doch je älter wir werden, desto mehr Mädchen werden wir. Das mag zunächst paradox klingen, ist in Wahrheit aber völlig logisch. Wir entwickeln nämlich mit der Zeit so etwas wie einen sechsten Sinn, den Ästhetischen, entdecken nach und nach, was uns steht und wie viel davon. Das gilt für Kleider und für die Beschäftigung mit dem eigenen Kopfhaar gleichermaßen. Wir probieren uns dabei in verschiedene Richtungen aus – mal mit mehr, mal mir weniger gutem Erfolg. Haartechnisch ist vor allem zwischen zwölf und zwanzig Jahren alles erlaubt. Wir gehen mit der Mode oder trotzen ihr bewusst, provozieren Autoritäten mit irren Irokesen und ausrasiertem Unterhaar.  Doch vor allem tun wir etwas für Mädchen besonders Typisches:  Wir reden mit unseren Freundinnen darüber. Angefangen bei mit „Das will ich auch“-versetzten Komplimenten („Toll, so weiches Haar! Welche Pflegeserie benutzt du so?“) und aufgehört bei spöttischem Tratsch über die Sitznachbarin, der der frisch geschnittene, rot gesträhnte Bubikopf mal so überhaupt nicht steht.

Besonders versessen sind wir darauf, das Geheimrezept für gesundes und voluminöses Haar zu finden – ein bisschen wie Plankton, der Mister Krabs mit allen Mitteln die Krabbenburger-Geheimformel abringen will. Und wir sind bereit, dafür einige Tortur auf uns zu nehmen. Von stundenlanger Lektüre erfolgsversprechender Foren über Selbsterfahrungen mit Youtube-Wundervideos bis hin zur Investition in sündhaft teure, aber angeblich hundertprozentig organische Shampoos. Ob wir mit einem Friseurbesuch, so regelmäßig wie Routineuntersuchung beim Zahnarzt, und unserer Naturhaarfarbe nicht von vorneherein besser bedient wären, werden wir in unserem Haar-Wahn wohl so schnell nicht herausfinden.

Eher noch bekommen wir Haare auf den Zähnen, wenn wir anderen Frauen begegnen, die scheinbar nie mit einen „Bad Hair Day“  zu kämpfen haben, wie wir es von Zeit zu Zeit leider tun müssen.

Oder schlimmer noch: Wenn wir sie unter höchster Anspannung, sich dem Ziel nahe wähnend,  nach ihrem Friseur des Vertrauens und ihren Pflegeprodukten ausquetschen und uns als Antwort nicht mehr als ein „Ach, ich tue nur das Übliche. Meine Haare sind von Natur aus so“ entgegen geschmettert wird.

Tja, also habe ich wohl doch nicht so tolles Haar. Was ich habe, ist bloß zu viel Zeit, Geld und Conditioner.

Meine männlichen Leser möchte ich zu guter Letzt an dieser Stelle um Vergebung für die mangelnde Erwähnung bitten: Auch ihr habt natürlich im Laufe eures Lebens furchtbar haarige Erfahrungen machen müssen  – Frisur-Vorbild Aaron Carter sei Dank. Glücklicherweise werdet ihr mit zunehmendem Alter allerdings nicht nur weniger eitel, sondern habt auch weniger Haare auf dem Kopf, denen ihr euch widmen könnt. Entweder wir Frauen fressen sie euch von da oben runter oder aber Mutter Natur tut ihr Übriges. Genießt also die vergleichsweise kurze Zeitspanne, in der ihr eure Mähnen noch mit Gel zähmen oder zur Elvis-Tolle frisieren könnt. Seht das Ganze positiv – nicht zu wissen, dass ein Bob mit Baggern und Kränen nicht viel gemein hat und Silikon nur in Pamela Andersons Brüsten etwas zu suchen haben, ist keine Schande.

Vorschau: In der nächsten Woche arbeitet Kolumnist Sascha hart an der Frage, was eigentlich harte Arbeit bedeutet.

Hamburg – die schönste Stadt der Welt

In der Bar Roadrunners mit Freunden: So macht Hamburg am meisten Spaß (Foto: Güngör)

Wenn man in Deutschland Menschen fragt, welche Stadt die schönste ist, bekommt man laut der Bewohner und Besucher, nicht Berlin als Antwort, sondern Hamburg.

Und man kann sagen, es stimmt. Hamburg ist wahrhaftig schöner als Berlin, es ist wie eine größere Kleinstadt, die Menschen sind herzlich und trotz dessen, das man in einer Metropole Deutschlands ist, hat man das Gefühl Teil einer großen Familie zu sein.

Gerade als Nicht-Bewohnerin Hamburgs kann man das gut beurteilen und Vergleiche mit anderen Städten ziehen.

Was man aber immer als Nicht-Hamburger und Hamburger wissen und beachten sollte: Hamburg ist nie wie eine andere Stadt – alle anderen Städte sind wie Hamburg. Unter der ganzen Freundlichkeit der Anwohner existiert ein großes, stolzes Herz, das nur für Hamburg schlägt. Hamburg hat einen wunderschönen Hafen, eine wunderschöne Shoppingmeile, wunderschöne Viertel und das Wichtigste: eine sehr vielfältige Partyszene.

Ganz klar, überdeutlich und wirklich groß vertreten ist die Rock-Szene in Hamburg.

Punk, Metal, Hardcore, Indie und alles, was die Gitarre zur Extase bringen kann, ist vertreten. Und als wirklich sehr verrücktes Pendant dazu ist die Goa-Szene sehr umfangreich..

Wenn man Hamburg im Fernsehen zu Gesicht bekommt, sieht man immer nur die Reeperbahn mit betrunkenen Jugendlichen und pöbelnden Randalierern, die von der Polizei niedergestreckt werden. Ein klein wenig stimmt das auch, aber das liegt nicht daran, dass es Hamburger sind, sondern weil die meisten Männer grundsätzlich auf einem Teppich aus Alkohol und Testosteron schweben und nichts mehr wahrnehmen außer ihre eigene Stimme im Kopf die ihnen befehlt männlich zu sein. Das ist aber eben nur die eine Seite und die gibt es wohl in so ziemlich jeder größeren Stadt auf dieser großen, weiten Welt.

Beim Streifzug durch Hamburg habe ich einiges zu Gesicht bekommen und war mit allem glücklich und zufrieden. Hamburg besteht nicht nur aus der Reeperbahn, was ich sehr interessant und vor allem faszinierend fand. Beim ersten Besuch in dieser tollen Stadt, kam es einem Kulturschock gleich, doch der Schock legte sich schnell. Das Angebot ist wirklich sehr vielfältig. Während die Touristen ganz klassisch nach dem nächsten Club Ausschau halten, pflegen die Hamburger selbst eine sehr starke Bar- und Konzertkultur. Natürlich gibt es genug Clubs – doch dazu mehr später.

Es gibt eines, was man in Hamburg definitiv erleben kann: Eine lange und wilde Nacht.

Man muss nicht mal richtig danach suchen. Wunderschöne und günstige Bars findet man überall, doch vor allem auf der Schanze. Das Goldfischglas ist eine Bar unter vielen, eine Möglichkeit von hunderten die Nacht zu beginnen. Im Kiez selber gibt es die Cobrabar, eine kleine aber sehr coole Punkerkneipe in einer Gegend, die von den Hells Angels „regiert“ wird. Dort gibt es sehr gute klassische Punkmusik, geschmackvolles gutes Bier und unglaublich nette und was weitaus beeindruckender ist: aufgeschlossene Menschen. Lange bleibt man in so einer Stadt nicht alleine – das garantiere ich.

Auf der Reeperbahn selbst gibt es viele Bars, doch vom Typ sind sie alle gleich: Nur für Touristen, mit überteuerten Preisen und schlechter Musik, doch wenn man es mal schafft die kurze Straße des „Grauens“ hinter sich zu lassen, findet man schnell wieder den Weg in eine Welt, die besser ist.

Abseits von Prostitution und Schlagermusik, gibt es Bars, die wieder Stimmung machen, wie zum Beispiel das Roadrunners. Die Bar ist winzig, aber die Musik dröhnt aus allen Boxen, von Oldschool HipHop bis hartem Elektro und seichtem Rock `n´ Roll ist alles vertreten, garniert mit sehr freundlichen und attraktiven Barmännern und einem gemischten aber wildem Publikum. Man kann sagen: Hamburg ist perfekt für eine gepflegte Kneipentour.

Auch das Gängeviertel hat einiges zu bieten, vor allem kleine Clubs und viele Livekonzerte findet man dort. Natürlich gibt es die Standardadressen wie die Große Freiheit oder die Docks aber in kleinen Livebars und Clubs sind Konzerte immer besser. Der beste Tag zum Feiern hier ist Donnerstag. Warum das so ist, ist mir selbst nicht ganz schlüssig, aber jede Stadt hat seinen eigenen Rhythmus und so ist Donnerstag der Partytag in Hamburg. Eine Freundin sagte mir: „So ziemlich jede Band versucht Hamburg als Veranstaltungsort mitzunehmen, nicht mal nach Berlin wollen die Musiker so oft, weil es hier einfach besser ist!“

Sie hat recht. Unter den vielen Musikerfischen, die sich im Hamburger Hafen tummeln, gibt es sehr viele Talente, die gefördert werden und sich gegenseitig unterstützen. Das ist es, was Hamburg zu einer so besonderen Stadt macht.

Jede Stadt hat seine Vor- und Nachteile. So auch Hamburg: Die Bar- und Liveclubkultur ist hier überwältigend, doch die allgemeine Clubkultur macht eher rar. Doch habe ich eine Rarität in dieser großen Stadt gefunden: Das Hafenklang. Es ist ein Club, ein Konzertsaal, eine Bar, es ist alles und nichts. Dort findet man dreckige und wilde Dubstep- und Drum n Bass-Partys, sowie gechillte Oldschool Reggea-Partys und Swing vom feinsten. Für größere Elektropartys gibt es das Edelfettwerk, wo kommende Woche die Djs Dada Life sind und die Hütte abreisen werden, und natürlich wieder ganz klassisch der Club Übel und Gefährlich – sehr beliebt und eines der vielen und wenigen „Urgesteine“ hier.

Wie bereits erwähnt, ist neben der großen und gemeinschaftlichen Rock Szene auch Goa stark vertreten in Hamburg.

Wer einmal in Hamburg war, kommt immer wieder, kommt immer gerne und bleibt irgendwann für immer.

Mehr über die Hamburger Musik-Szene lest ihr in unserer dreiteiligen Serie Music made in Hamburg. HIER geht´s zu Teil I.

Vorschau: Kommenden Samstag findet ihr an dieser Stelle ein Interview mit den Organisatoren des WIR Festivals.

Zwei Jahre Haft für „Rowdytum“ – „Pussy Riot“ hinter Gittern

Moderne Künstlergruppen haben in jüngerer Zeit immer wieder Ärger mit dem Gesetz. Heiß diskutiert wird momentan die Verhaftung der russischen Punkrock-Band „Pussy Riot“ aus Moskau. Nachdem sie in einer Kirche in der russischen Hauptstadt öffentlich Kritik am russisch-orthodoxen Klerus und an Ministerpräsident Wladimir Putin geäußert hatten, wurden drei Bandmitglieder am Freitag, 17. August 2012, zu zwei Jahren Haft im Straflager verurteilt.

So hatten Mitglieder der Band am Dienstag, 21. Februar 2012 die „Christ-Erlöser-Kirche“ in Moskau gestürmt und sich dort widerrechtlich Zugang zu einem den Predigern vorbehaltenen Bereich des Gotteshauses verschafft, um vom Altar aus kritische Worte – verpackt in eine Art Gebet und aufbereitet als Punksong – an die Gläubigen zu richten. Im Song verarbeiteten die Musikerinnen ihren Unmut darüber, dass der Kopf der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., dazu aufgerufen hatte, bei den anstehenden Wahlen für Wladimir Putin zu stimmen.

Aufgrund grober Verletzung der öffentlichen Ordnung wurden die Bandmitglieder Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa zunächst in Untersuchungshaft genommen. Den inhaftierten Frauen drohten nun jeweils sieben Jahre Haft. Aufgrund des Ausmaßes der angedrohten Strafe gingen internationale Beobachter davon aus, dass der Putin-Staat ein Exempel an den Kritikern statuieren wolle. Die Härte, mit der hier bestraft werden sollte, löste weltweite Proteste aus.

So unterzeichneten etwa Anfang August 121 Bundestagsabgeordnete einen Brief an den russischen Botschafter in Deutschland, in welchem das Verfahren gegen die Punkerinnen kritisiert wurde. Auch im eigenen Land erfahren „Pussy Riot“ Solidarität. Etwa 2.000 Gläubige äußerten sich in einem offenen Brief an Kyrill I. gegen eine Bestrafung. Und auch Musikerkollegen, wie etwa die „Red Hot Chili Peppers“ und „Madonna“ bezeugten Sympathie für „Pussy Riot“.

Am Freitag, 17. August 2012 wurde nun das Urteil im Prozess verkündet: Die Sängerinnen müssen für zwei Jahre ins Straflager – Amnesty International wertet sie als politische Gefangene. Auf der ganzen Welt protestieren Anhänger der Band in bunten Strumpfmasken – einem Erkennungszeichen von „Pussy Riot“ – gegen das Urteil.

Doch auch solche Protestaktionen sieht der russische Staat wohl nicht gerne: Garri Kasparov, der ehemalige russische Schachweltmeister wurde bei einer Demonstration, die nach dem Prozess vor dem russischen Gericht stattfand, verhaftet – ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Mit dieser Art von Aktionskunst sollte ein moderner Staat eigentlich zurechtkommen – schließlich ist es vor allem das Zeichen von Diktatoren, unliebsame Personen von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Dank moderner Massenmedien ist dies allerdings nicht mehr so einfach möglich. Denn: Die Botschaft, die „Pussy Riot“ verbreiten wollte, ist jetzt in aller Munde.

Haute couture – nein danke! Mode mal anders, Teil 1

Das „X-Trax“ in Karlsruhe

Außergewöhnlich: Verkäuferin Maren Becher präsentiert einen Teil des "X-Trax"-Sortiments (Foto: Eysell)

Frei nach dem Motto „Normal sein kann jeder“ stellt euch die neue Modeserie auf Face2Face Shops in ganz Deutschland vor, die Kleidung der etwas anderen Art verkaufen. Vom düsteren Gothic-Look bis hin zum ausgeflippten Cyberoutfit – wir zeigen euch eine andere Seite der Modebranche und befragen die, die es wissen müssen: Shopbesitzer und Verkäufer.

 Gothic, Punk, Metal, Rockabilly – auf diese Szenen hat sich das Warensortiment des Karlsruher Underground-Mode-Shops „X-Trax“ spezialisiert. Vor 18 Jahren eröffnete der Standort in der Kaiserstraße, seit zwölf Jahren ist Maren Becher hier als Verkäuferin tätig. „Ich bin schon so lange hier, dass inzwischen der Großteil meines Kleiderschrankes aus unserer eigenen Ware besteht, die ich auch privat oft und gerne trage“, erzählt die 45-Jährige.

Der Laden sei gut besucht, zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel Halloween würden sogar bis zu 300 Besucher kommen, so Becher. „Auch wenn im angrenzenden Ausland, also Frankreich, Schweiz oder Belgien Feiertage sind, macht sich das bemerkbar“, fügt sie an. Absoluter Verkaufsschlager seien zurzeit farbige Kontaktlinsen – diese würden ganzjährig von verschiedenen Szenegängern getragen, aber auch von „normalen“ Kunden zu Fasching oder Halloween. Zum Sortiment zählen aber auch die exklusiven Marken „New Rock“, „Iron Fist“, „Lip Service“ und „Jungbluth“, die von Prominenten wie Marilyn Manson oder Christina Aguilera getragen werden, berichtet Becher.

Einen durchschnittlichen Kunden gebe es im Karlsruher „X-Trax“ nicht – „eine Altersgrenze kann man bei uns schlecht festlegen, unsere Kundschaft bewegt sich zwischen zwölf und 60. Wir haben Stammkunden, aber auch Leute, die nur aus Neugier mal reinschauen.“

 
Kontakt „X-Trax“:

Kaiserstraße 170
76133 Karlsruhe
Telefon : 0721 205062
E-mail: karlsruhe@x-tra-x.de

Vorschau: Nächsten Donnerstag erwartet euch an dieser Stelle ein Interview mit Bloggerin Claire „C’est Clairette“ Beermann.