Wenn Sommer zur Qual wird

Endlich mal ein angenehmer Sommertag, es gibt doch nichts Schöneres. Sonnenschein, 30 Grad im Schatten und ein gut gekühltes Getränk in der Hand – das ist das „Sommerfeeling“, nach dem wir uns sehnen, insbesondere weil solche wahren Sommertage in den letzten Jahren mehr als rar gesät waren.

Heiß: Wenn es Richtung 40 Grad geht, dann kommen viele ins Schwitzen (© Rosel Eckstein/Pixelio.de)

Heiß: Wenn es Richtung 40 Grad geht, dann kommen viele ins Schwitzen (© Rosel Eckstein/Pixelio.de)

Während so manche nach ein wenig Sommer lechzen und sich freuen, wenn die Temperaturen endlich etwas schweißtreibend sind, bedeutet „richtiger“ Sommer für einige eine Herausforderung. Es gibt so manchen, der mit Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke oder tropischer Luftfeuchtigkeit nicht zurechtkommt. Je länger die Hitzewelle dann dauert, um so kräftezehrender ist die Situation dann für die Betroffenen.

Die Rede ist hier zum einen von all den Menschen, die unter Kreislaufproblemen leiden. Wenn das Herz-Kreislauf-System schon bei kühleren Temperaturen Schwierigkeiten bereitet, dann läuft der Körper bei tropischen Außentemperaturen Amok. Durch die Hitze geht Einiges an Flüssigkeit verloren, die Blutzirkulation gerät aus dem Gleichgewicht und am Ende stehen Schwindelanfälle oder gar Ohnmacht. So macht der Sommer wahrlich keinen Spaß.

Ähnlich geht es denen, die mit überschüssigen Pfunden ringen. Je dicker, desto schneller fließt der Schweiß, so in etwa die Faustregel. Wenn schon bei kühlen Temperaturen der Schweiß rinnt, dann kann der Organismus bei Sommerwetter nicht mehr Schritt halten, das körpereigene Kühlsystem ist schlichtweg überlastet. Da verwundert es kaum, wenn die Betroffenen extrem erschöpft sind und kaum noch Luft bekommen. Umso frustrierender ist diese Lage, wenn der Gequälte eigentlich unverschuldet unter Übergewicht leidet, wenn die Körperfülle eben nicht das Resultat von zu viel Chips und Cola ist,sondern genetisch bedingt, etwa durch eine Stoffwechselkrankheit. Das aufkeimende Gefühl der Ungerechtigkeit ist da nur allzu nachvollziehbar.

Wenn es um Menschen geht, die unter großer Hitze leiden, dann sollten wir auf keinen Fall die Senioren unter uns vergessen. Je älter, desto labiler ist der Kreislauf ohnehin, das Herz wird mit fortschreitendem Alter tendenziell schwächer. Und je älter und schwächer der Körper, desto größer die Probleme. Wenn dann noch extreme Hitze dazukommt, kann das schnell für den ein oder anderen zu viel werden. Für manch einen wird es sogar so viel, dass akute Lebensgefahr besteht.

Und selbst all jene, die im Grunde genommen Freunde der Sonne sind: Spätestens mit einem derben Sonnenstich hat auch der letzte Sonnenanbeter zumindest zeitweise die Schnauze voll vom Sommer.

Klar, auch ich wünsche mir mediterrane Verhältnisse im Sommer, wenigstens ein paar Wochen im Jahr, in denen auch zu Hause so etwas wie Urlaubsstimmung und Südsee-Feeling aufkommt. Dennoch sollten wir Sonnenanbeter auch ein wenig Verständnis zeigen für all diejenigen, die bei 20 oder 25 Grad sagen: „Das reicht, wärmer muss es jetzt nicht sein.“ Hitze kann auch richtig weh tun.

Herrlich: Die meisten von uns freuen sich über blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein (© Verena Berk/Pixelio.de)

Herrlich: Die meisten von uns freuen sich über blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein (© Verena Berk/Pixelio.de)

Immerhin: Was uns wohl alle eint, ob nun Hitzefetischist oder eher gemäßigter Typ, ist der Wunsch nach Sonnenschein. Die meisten werden froh sein, wenn sich die Wolken verziehen und es nicht mehr regnet, als ob man unter der Dusche stünde. Und mal im Ernst, auch bei 25 Grad kann man nicht wirklich meckern. Hauptsache, Sonnenschein, oder?

Vorschau: Was es für eine Frau bedeutet ihr Kind zu stillen, das lest ihr nächste Woche in Evas Kolumne hier bei Face2Face.

Ein Abend von vieren

Geschafft – ein gelungener Abend fern der Couch (© Bady-markus / pixelio.de)

Es ist eine alte Geschichte. Jemand findet jemanden, mit dem er oder sie zusammensein will. Zieht zusammen, heiratet vielleicht sogar. Und schneller, als gefürchtet findet sich das traute Paar in der Routine wieder. Die gemeinsamen Abende werden nicht selten, aber sie vergrauen. Warum ausgehen, wenn die gemütliche Couch lockt? Warum essen gehen, wenn ein romantisches Mahl auch am heimischen Esstisch eingenommen werden kann? Warum tanzen gehen, wenn man sich immer noch in den Augen des anderen verlieren kann? Romantisch und verhängnisvoll.

Dann geht es los. Mal meckert er, mal meckert sie. Die Argumente sind fast immer die gleichen. „Nie gehen wir aus“, „Wir erleben nichts Neues mehr“, die gemeinsame Zeit wird zum Alltag und die Angst kommt, dass der andere vielleicht Langeweile in der Beziehung wiederfindet – oder gar der eine selbst.

Auch ich versuche immer mal wieder es zu schaffen, mit meinem Mann auszugehen. Kein leichtes Unterfangen. Mindestens drei von vier geplanten Abenden scheitern. Ich werde krank, er wird krank, unser Sohn wird krank. Er muss noch arbeiten, jemand kündigt sich plötzlich als Besuch an, wir finden keinen Babysitter. Hürden, die sich von Paar zu Paar unterscheiden und doch die gleichen Ergebnisse liefern. Der Abend fällt ins Wasser. Verschoben, verplant, verloren. Und die Angst wächst.

Zusammensein – das eigentliche Ziel (©Jorma Bork / pixelio.de)

Ich bin dazu übergegangen, unseren gemeinsamen Kalender zu durchforsten, die Tage mit meiner Mutter abzusprechen, wann sie auf das Kind achten kann, die Möglichkeiten ausloten, was ich mit meinem Mann unternehmen kann. Eine Liste, die erstaunlich kurz ist und immer kürzer zu werden scheint. Wenn ich dann tatsächlich auf ein Datum gekommen bin, einen schönen Abend geplant habe und damit stolz zu meinem Mann komme, ist seine Reaktion oft verhaltener, als ich gehofft hatte. Ab und an eröffnet er mir auch, dass der sorgfältig ausgewählte Tag ihm so gar nicht passt. Frustrierend? Vielleicht, aber die Mühe wert.

Selbst wenn von vier geplanten Abenden, drei ins Wasser fallen, bleibt ein Abend, den wir nicht nur zusammen verbringen, sondern mit etwas nicht alltäglichem. Kino, Theater oder Essen, es zählt der Moment, an dem wir nicht zu Hause sitzen und das tun, was wir immer tun. Selbst wenn der Film schlecht ist, das Stück nur einem von uns gefällt und wir beim Essen ins Diskutieren kommen, das ist unsere Zeit. Es kann immer sein, das wir dabei noch etwas am anderen entdecken, was wir noch nicht kannten, was wir lange nicht gesehen hatten, was ihn uns näher bringt.

Eigentlich war unser Plan, alle zwei Wochen auszugehen. Wenn wir es einmal im Monat schaffen, ist das mittlerweile schon viel. Jeder Abend wird dabei zum Geschenk, schon allein wegen des Aufwandes, des Hintergrundes und der kostbaren Zeit. Und wenn alle Stricke reißen, können wir auch sehr gut einen gemütlichen Abend auf der Couch genießen und zu schätzen wissen. Vielleicht schaffen wir es nur einen von vier geplanten Abenden auch wirklich aus dem Haus, das heißt nicht, dass wir die anderen drei Abende nicht auch zu Hause gemeinsam verbringen können.

Lust zu spielen? Zeit zu zwei daheim genießen (Foto: Sharifi)

Ob beim Fernsehen statt im Kino, beim Spieleabend statt im Theater, beim Puzzeln, Computerspielen oder was auch immer. Gemeinsame Zeit ist kostbar, egal wo wir sie miteinander verbringen. Wichtig ist dabei, dass wir uns dieser Zeit bewusst sind. Dass sie dennoch ein Ausbruch aus dem Alltag ist, oder zumindest ein Lichtblick im grauen Einerlei. Keine Beziehung kann immer auf der Höhe schweben, jede braucht ab und an etwas mehr als Alltag. Wo wir das finden, ist unsere Sache. Dass wir danach suchen, ist eigentlich unvermeidlich. Vielleicht müssen wir nur richtig hinschauen, um es zu entdecken, um auch im Alltag das Schöne wiederzufinden, das wir doch in einer Beziehung gesucht haben. Die Versuche, endlich mal wieder auszugehen, sind schon allein wichtig, weil es Versuche sind. Wenn sie gelingen, um so besser. Wenn nicht, können wir auch in anderen Momenten das finden, was wir uns an diesen Abenden erhofft haben. Auch einer von vier Abenden zählt und tut uns einfach gut. Also werde ich nicht aufhören, zu planen und zu versuchen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra von der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren.