Trump ist Präsident und wir leben noch?

Seit Freitag, den 20.01.2017, ist wahrgeworden, was sich letzten Sommer kaum jemand hatte vorstellen können: Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Seitdem wurde keine Atombombe abgeworfen, die Muslime in Amerika wurden nicht deportiert, Afroamerikaner dürfen weiterhin im Bus dort sitzen, wo sie wollen. War die ganze Aufregung jetzt umsonst?

Mit Sicherheit nicht!
Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Nein, mit Sicherheit nicht. Bereits die ersten Amtshandlungen von Trump zeigen, dass es jetzt erst richtig losgeht. Er setzt auf eine Autarkie Amerikas, indem er die Steuer für Unternehmen senkt und Strafzölle für diejenigen erhebt, die im Ausland produzieren lassen und die Ware wieder nach Amerika einführen. Nennen wir das Kind doch beim Namen: Trump will, dass die Firmen in Amerika mit Amerikanern produzieren oder haufenweise Geld bezahlen. Da das nicht nur für amerikanische Firmen gilt, wirkt sich das auf die Weltwirtschaft aus. Den Ausstieg aus dem Handelsabkommen der Transpazifischen Partnerschaft hat Trump bereits besiegelt.

Alternative Fakten
Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Dass er dabei seine eigene Wahrheit hat, zeigt sich wohl am Deutlichsten in dem, was nach der Vereidigung passierte. Zuerst behauptete Sprecher Sean Spicer dreist, Trumps Vereidigung wäre die größte „aller Zeiten“ gewesen. Als die Medien dagegen Beweise vorlegten, sprach Trumps Beraterin Kellyanne Conway von alternativen Fakten. Die sind nichts Weiteres als Propaganda, die die Grenze zur Lüge eiskalt übertritt. Ein Recht, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Staab scheinbar nehmen. Eine Unberechenbarkeit, die nicht nur die Welt der Amerikaner schnell auf den Kopf stellen kann. Das zeigt nicht erst die offizielle Diskriminierung von Menschen aus einigen Ländern, darunter Flüchtlinge wie Green-Card-Besitzer, mit einem Einreiseverbot.

Nicht mit uns!
Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

So mächtig das Riesenbaby mit schlechter Frisur erschreckender Weise ist, so zuversichtlich bin ich seit dem Samstag nach der Wahl. Zum einen hat Trump nicht sofort einen Weltkrieg ausgelöst, was mich hoffen lässt, dass auch unter seinem Toupet ein Funken Verstand existiert. Wirklich zuversichtlich aber machte mich die Tatsache, dass weltweit Hunderttausende auf die Straße gegangen sind und gezeigt haben, dass sie mit ihm an der Spitze Amerikas nicht einverstanden sind. Allein in Washington waren es mehr als eine halbe Million Menschen. Überall auf der Welt marschierten Männer wie Frauen beim sogenannten Woman’s March. Der Spiegel schreibt, dass eine solche Demonstrationswelle Amerika seit dem Vietnamkrieg nicht mehr gesehen hat. Und auch Trumps Erlass, Einreisende aus bestimmten Ländern nicht ins Land zu lassen, wurde mit weltweitem Protest aufgenommen. Menschen standen an den Flughäfen Spalier, und feierten, als die Festgehaltenen doch durchgelassen wurden.

Späte Einsicht?
Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Nun kann darüber diskutiert werden, warum diese Menschen letztes Jahr nicht für Clinton gestimmt haben, denn einige merken jetzt, was sie angerichtet haben. Fakt ist – und nein, dieser ist nicht alternativ –, dass in Amerika mehr Menschen für Clinton statt für Trump gestimmt haben. Fakt ist auch, dass er dennoch mehr Wahlmänner und damit den Posten des Präsidenten gewonnen hat. Ist dann die späte Einsicht nicht umsonst? Nein! Der Widerstand gegen einen Unterdrücker, Chauvinisten und Rassisten ist nie umsonst. Amerika hat der Welt gezeigt, dass es nicht aufgeben wird. Manchmal braucht es einen Schock, um uns aus unserer Starre zu holen. Wenn Trump als Präsident diese Welle erzeugt, kann er am Ende ein notwendiges Übel werden, so furchtbar das klingt. Der Wecker, der uns aufgeschreckt hat. Darum sollten wir jeden Tag zeigen, dass wir mit den Überzeugungen dieses Mannes und denen von anderen Rassisten, Chauvinisten und Unterdrücken nicht einverstanden sind.