Zwölf Tote nach Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt

KOMMENTAR: Nur fünf Tage vor Heiligabend geschieht es an der Berliner Gedächtniskirche: Ein bisher noch nicht identifizierter Täter fährt mit einem LKW –  ohne Licht und offenbar mit erhöhter Geschwindigkeit – in das Weihnachtsmarkt-Geschehen am Kurfürstendamm und reist zwölf Menschen in den Tod. 48 weitere sind zum Teil schwer verletzt. Unweigerlich kommen die Bilder vom Terroranschlag in Nizza in das Gedächtnis, auch wenn es für Vergleiche laut Terrorexperten noch zu früh sei. Der Beifahrer – nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ein polnischer Staatsbürger –  ist ebenso tot. Nach einem Kopfschuss erliegt er seinen Verletzungen, jedoch  erst nach der Amok-Fahrt. Nach Aussagen des polnischen Spediteurs und Eigentümers des Tat-LKWs beim Nachrichtensender TVN 24 hatte er den eigentlichen Fahrer, seinen Cousin Lukasz U., seit 16 Uhr nicht mehr telefonisch erreichen können. Der Wagen sei – so vermutet er – bei einem Zwischenstopp auf der Strecke von Italien nach Polen in Berlin entführt worden.

Ein Terroranschlag?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt im Interview mit dem Nachtmagazin zu bedenken, dass von der getroffenen Wortwahl eine psychologische Wirkung auf das ganze Land ausginge. Denn bisher fehlen die Merkmale des Terrors. Zwar hatte sich am Dienstag die Terrororganisation Islamischer Staat durch den Sprecher Amak die Tat zu Eigen gemacht, indem der Attentäter als ein „Soldat des Islamischen Staates“ bezeichnet wurde. Der Tathergang, soweit er sich bisher rekonstruieren lässt, passt in das Bild eines islamistischen Anschlages: GPS-Daten sollen zeigen, dass der Lkw drei Mal gestartet wurde, doch erst kurz vor der Tat seinen Parkplatz verließ. „Es wirkte, als habe jemand Fahren geübt“, sagt der Spediteur. Schließlich lenkte der Fahrer den LKW mehrere Meter über den Weihnachtsmarkt – zwischen den Buden hindurch – und floh nach der Tat. Der Täter, über dessen Nationalität schon früh von allen Seiten gemutmaßt wurde, ist immer noch auf freiem Fuß und offenbar bewaffnet. Der Tatverdächtige, einen pakistanischen Flüchtling, den die Polizei Montagnacht festnahm, hatte sich als Unbeteiligter ohne Schmauch- oder andere Spuren herausgestellt. Die Polizei fahndet weiter, derzeit nach einem Anis A. aus Tunesien.

So steht denn auch ohne die Benutzung eindeutigen Symbole fest: Angst und Schrecken verbreitet diese Tat schon ohne die Zuschreibung von Terror – und erfüllt damit doch dessen wichtigstes Kriterium.

 

12 points go to – der Eurovision Song Contest 2016

Am 14. Mai 2016 fand der 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Im letzten Jahr siegte der Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden mit seinem Song „Heroes“ und sorgte dadurch für die diesjährige Ausstragung des ESC in seinem Heimatland. Zusammen mit der Komikerin Petra Mede moderierte er den Musikwettbewerb, an dem in diesem Jahr 26 Länder teilnahmen.

Neues Punktesystem

Ein neues Punktesystem, bei dem die Punkte von Fachjury und Publikum der 42 stimmberechtigten Länder erstmals getrennt vergeben worden sind, sorgte für einige Überraschungen am Abend und machte den ESC spannend bis zum Schluss. Zuerst wurden die Punkte der Fachjurys der jeweiligen Länder verkündet. Danach hätte die Sängerin Dami Im aus Australien mit ihrem Song „Sound of silence“ den ESC gewonnen.

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Platz zwei und drei wären nach Juryabstimmung an Sängerin Jamala aus der Ukraine und den sympathischen Sänger Amir mit seinem französisch-englischen Gute-Laune-Hit J’ai cherché” aus Frankreich gegangen. Der polnische Sänger Michał Szpak bekam für seinen Song „Colour of your life“ von der Jury lediglich sieben Punkte, was den vorletzten Platz bedeutet hätte.

Zuschauer teilten Jurymeinung nicht

Doch das Zuschauervoting kippte das Ergebnis. Das führte dazu, dass Michał Szpak vom Publikum 222 Punkte erhielt und mit einem guten achten Platz äußerst zufrieden sein konnte. Damir Im aus Australien hatte sich zu früh gefreut. Durch das Zuschauervoting stieß die Ukrainerin Jamala sie mit insgesamt 534 Punkten vom ersten auf den zweiten Platz und siegte mit ihrem Song „1944“ beim diesjährigen ESC.

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Der Song hatte bereits im Vorfeld des ESC aufgrund seines Inhalts für Kritik gesorgt, denn er handelt von der Geschichte von Jamalas Uroma, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurde. Auch nach dem Sieg gab es Kritik an der dadurch entstandenen Politisierung des ESC. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte der Russe Sergey Lazarev den Wettbewerb gewonnen. Er konnte nicht nur gesanglich mit „You are the only one“, sondern auch mit seiner spektakulären Show, bei der die Videoanimationen im Hintergrund perfekt auf seine Performance abgestimmt waren, überzeugen. Da ihn die Jury jedoch nicht ganz so weit vorne sah, schaffte er es mit insgesamt 491 Punkten nur auf den dritten Platz.

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Viele Höhepunkte und Jamie-Lee als Schlusslicht

Zu den Höhepunkten gehörten auch der Schwede Frans mit seinem Liebeslied „If I were sorry“ (Platz fünf) und der Niederländer Douwe Bob, der in seinem Song „Slow down“ dazu aufruft, im stressigen Alltag öfter mal innezuhalten, was er bei seiner Darbietung sowohl durch eine zehnsekündige Pause als auch durch eine rückwärtsgehende Uhr im Bühnenbild verdeutlichte (Platz elf). Jamie-Lee Kriewitz konnte mit ihrem Song „Ghost“ und ihrem Manga-Look weder Jury noch Publikum begeistern und belegte mit nur elf Punkten den letzten Platz.

Der diesjährige Eurovision Song Contest überzeugte durch viele tolle Songs und Auftritte sowie auffallend viele hübsche Sänger, die den ESC auch optisch zu einem Highlight machten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier mehr über Miles Davis.

Nichts zu verlieren

Am Ende der Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft in Polen, kommt es für die deutsche Auswahl mit dem Duell gegen Dänemark zu einem echten Endspiel um den Einzug ins Halbfinale. Die Face2Face-Sportredaktion wirft deshalb einen genauen Blick auf die deutschen Handballer und wiegt dabei die Siegchancen gegen den wohl größten Brocken des Turniers ab. 

Die Ausgangslage: Mit einem Sieg über Dänemark qualifizieren sich die Deutschen sicher für die Runde der letzten Vier. Bei einem Unentschieden müsste im Anschluss Spanien gegen Russland verlieren, damit die DHB-Auswahl weiterkommt.

Die deutschen Stärken: Diese liegen ganz klar in der Abwehrarbeit. Die selbsternannten „Bad Boys“ Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) und Finn Lemke (SC Magdeburg)  bilden allein schon wegen ihrer beachtenswerten Körpergröße – Pekeler misst 2,03 Meter, Lemke ist sogar 2,10 Meter groß – ein fast unüberwindbares Bollwerk. Auch im Angriff zeigte sich die DHB-Auswahl im bisherigen Turnierverlauf äußerst variabel. Mit Christian Dissinger, Steffen Weinhold (beide THW Kiel) und Steffen Fäth (HSG Wetzlar) besitzen die deutschen Durchschlagskraft und Qualität im Rückraum. Aber auch Matthias Strobel, Jannik Kohlbacher (beide HBW Balingen-Weilstetten), und der von der Siebenmeterlinie genauso variantenreiche wie effektive Tobias Reichmann (KS Vive Kielce) setzten Akzente.

Die deutschen Schwächen: Die Chancenverwertung. Die Deutschen erspielen sich zwar immer wieder gute Möglichkeiten, die Effizienz ist allerdings noch ausbaufähig. Auch die fehlende Kadertiefe stellt ein großes Manko dar. Fielen vor dem Turnier mit Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki (beide Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel) und Paul Drux (Füchse Berlin) gleich vier Leistungsträger aus, gesellen sich mit Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger seit dem vergangenen Spiel gegen Russland zwei weitere dazu.

Die Überraschungen: Mit Finn Lemke und Andreas Wolff (HSG Wetzlar) stechen zwei Spieler aus dem aktuellen EM-Kader heraus, die vor dem Turnier keiner so wirklich auf dem Zettel hatte. Lemke ist zum Abwehrchef aufgestiegen und hat den beim Deutschland-Cup so gut mit Pekeler harmonierenden Erik Schmidt (TSV Hannover-Burgdorf) aus dem Mittelblock verdrängt. Wolff zeigte seine ganze Klasse bereits in der Auftaktbegegnung gegen Spanien, als er für die etatmäßige Nummer eins, Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), eingewechselt wurde und ab dem dritten Gruppenspiel auch dessen Startplatz übernahm.

Die Chancen gegen Dänemark: Das Gute zuerst: Die deutsche Mannschaft hat, anders als die favorisierten Dänen, nichts zu verlieren und kann deswegen befreit aufspielen. Die Krux: Die Dänen zeigen bislang die beste Abwehrarbeit des Turniers (98 Gegentreffer, Deutschland 106 – Rang vier) und sind im Angriff sehr schnell auf den Beinen. Auch die ungemeine Kadertiefe sucht bei diesem Turnier ihresgleichen. Des Weiteren wiegen die kurzfristigen Ausfälle von Weinhold und Dissinger auf deutscher Seite besonders schwer. Die nachnominierten Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) und Julius Kühn (VfL Gummersbach) sind zwar frisch, es ist jedoch fraglich, ob sie ohne Rhythmus gleich ins Turnier finden werden. Das Positive: Die eventuelle Müdigkeit der Dänen, die Skandinavier mussten bereits gestern gegen Schweden antreten, könnte der DHB-Auswahl beim erreichen ihres Ziels in die Karten spielen.

Fazit: Nur wenn die Deutschen sehr gut in der Abwehr stehen und Carsten Lichtlein und Andreas Wolff das Torwartduell gegen Niklas Landin und Kevin Möller gewinnen, ist die Chance auf die Sensation Halbfinale möglich.

Vorschau: Nächste Woche klären wir auf, welche Vor- und Nachteile ein Saunagang mit sich bringen kann.

Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten?

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Von links: Christina Tsatsa, Milan Bartko, Cornelia Dudic mit dem Autor, Jusuf Nagobo, Alexander Staszewski (Foto: privat)

Überall wird heute Weihnachten gefeiert. Überall? Ist wirklich der 24. der entscheidende Tag? Bekommen alle Geschenke?  Und wie ist es Weihnachten zu feiern  wenn man gar nicht christlich ist? Fünf Personen geben heute Auskunft darüber, wie in anderen Kulturkreisen, im Ausland oder in Deutschland Weihnachten gefeiert wird.

Um 5 Uhr morgens – vor Sonnenaufgang – bricht Christina Tsatsa (24) mit ihrer Familie in die griechisch-orthodoxe Kirche auf. Am 25. Dezember begeht sie das Weihnachtsfest im Kreis von ungefähr 10 Verwandten und Freunden. „Traditionell isst man bei uns Lamm. Aber als Familie die mehrere Jahre in Deutschland lebt, haben wir auch die letzten Jahre Pute gegessen, “ berichtet Tsatsa.
Interessantes weiß sie von den Weihnachts-Bräuchen für griechische Kinder zu erzählen: „ Die Kinder ziehen um die Stadt und singen Weihnachtslieder (κάλαντα). Der Sinn des ganzen ist, dass, wenn Kinder Weihnachtslieder bei einem Haus singen, dann bringt es der Familie Glück fürs Jahr. Meistens werden die Kinder mit Weihnachtsgebäck beschert oder auch mit Geld.“ Für Christina –  abgeleitet von Christos –  selbst ist Weihnachten außerdem ein ganz besonderer Tag, da es ihr Namenstag ist und in Griechenland Namenstage wie in Deutschland Geburtstage gefeiert werden.

Ganz klassisch und ähnlich dem deutschen Weihnachtsfest feiert Milan Bartko (26) aus der Slowakei Weihnachten. Im kleineren Familienkreis mit Brüdern und Eltern geht er zusammen am 24. Dezember in die evangelisch-lutherische Kirche und genießt danach zu Hause Krautsuppe mit Fisch und Kartoffelsalat.
Auch Geschenke werden  bei ihm zu Hause – wie  bei uns in Deutschland –heute Abend  nach dem Essen verteilt. Schnee für Schneemänner gibt es in der Slowakei genug und Weihnachtsmarkt, Baum und Sterne gehören ebenfalls zur slowakischen Weihnacht. Einen Unterschied zum deutschen Weihnachten gibt es dann doch noch: Milan singt am Heilig Abend Kolleden. Auf Deutsch sind sie besser bekannt als Weihnachtslieder.

Eigentlich kommt Alexander Staszewski (23) aus dem Sauerland, „jedoch ist meine gesamte Verwandtschaft aus Polen“, berichtet er. Weihnachten feiern, dass heißt für ihn zusammenkommen mit der Familie und über ehemalige und kommende Ereignisse sprechen.  Gefeiert wird in der Familie der Staszewskis am 24. „Wir ziehen uns schick an, teilen das Brot vor dem Essen und einer aus der Familie spricht ein paar Wort“, erzählt er. In die Kirche geht die Familie traditionell am 25. Dezember.  Eine ganz spezielle Besonderheit am Weihnachtsabend schließt sich bei den Staszweskis noch an das Abendessen an: „Nach dem Essen und dem darauffolgende Tee schauen wir meistens Ekel Alfred zusammen an.“

Auch Jusuf Nagobo (24) lebt schon seit seiner Kindheit in Deutschland, seine Eltern, Geschwister und er kommen jedoch ursprünglich aus dem Iran und seine Familie ist muslimisch. Mit Weihnachten hat er eigentlich nicht viel am Hut, aber über die Jahre hinweg haben er und seine Familie doch ihren ganz eigenen Stil entwickelt Weihnachten zu feiern. „Kirche und Weihnachtslieder spielen bei uns natürlich keine Rolle“, erklärt Nagobo. „Wir schenken uns jedoch am 24. gegenseitig immer etwas, da wir als Kinder das ziemlich unfair fanden, dass alle anderen Geschenke bekamen außer uns.“
Eine Anekdote weiß Jusuf auch noch zu erzählen: „An unserem fünften Weihnachten hier in Deutschland hatte meine Mutter herausgefunden, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca Cola sei und war deswegen fest davon überzeugt, dass Coca Cola ein fester Bestandteil von jedem Weihnachtsfest sei. Deswegen gab es bei uns dann viele Jahre am 24. immer zum Essen Coca Cola.“

Bei Cornelia Dudic (73) ist es schon lange her, dass sie Weihnachten nach rumänisch-orthodoxer Tradition gefeiert hat. Jedoch erinnert sie sich noch lebhaft an ihre Kindheit: „Es war immer eine wahnsinniger Betrieb in der Küche vor Weihnachten, da es immer 23 Speisen an Weihnachten gab. Warum 23? Für jeden Tag der Adventszeit eine, aber keine für den 13.“ Vor allem ihre Mutter berichtet Dudic stand tagelang vor dem Herd. „Geschenke gab es keine – oder zumindest keine großartigen“, fährt sie fort. „Aber das sei bestimmt im heutigen  Rumänien ganz anders als damals.“, schließt Dudic.

Vorschau: Am Dienstag, 7. Januarbegeben wir uns an die warmen Goldstrände an der bulgarischen Küste.

24 deutsche Schwimmer zur Kurzbahn-EM nach Stettin (POL)

Nach den deutschen Kurzbahnmeisterschaften, die vom Donnerstag, 24. November bis Sonntag, 27. November in Wuppertal stattfanden, hat der Deutsche Schwimmverband (DSV) elf Frauen und dreizehn Männer für die Kurzbahn-Europameisterschaft im Dezember in Polen nominiert.

Die nationalen Titelkämpfe boten für alle Athleten die Chance, die EM-Norm zu unterbieten. Belegte der Sportler zusätzlich im Finale Platz eins oder zwei, stand einer Nominierung zur EM, die  vom Donnerstag, 8. Dezember bis am Sonntag, 11. Dezember stattfinden wird, nichts mehr im Wege. Für 28 Athleten des deutschen Olympiakaders genügte es

Das Olympiabad in Stettin (POL): Hier werden die Kurzbahn-Europameisterschaften stattfinden (Foto: Polnischer Schwimmverband)

jedoch, „nur“ einen Titel zu gewinnen, um nominiert zu werden, eine Normunterbietung war nicht notwendig (Anm. d. Red.: Der Bundestrainer nominierte 28 Sportler mit Chancen auf Teilnahme beziehungsweise Medaillengewinn bei den Olympischen Spiele 2012 in den Olympiakader). Von den Frauen schafften sieben diese Kriterien, von den Männern acht. Die große Überraschung waren jedoch die neun restlichen Sportler, die es durch große Leistungssteigerungen geschafft hatten, die Norm zu unterbieten und sich ins EM-Team zu schwimmen.

So beispielsweise Doris Eichhorn. Sie hatte zuvor noch nie bei deutschen Meisterschaften eine Medaille in der offenen Klasse gewonnen, nun tauchte sie wie „aus dem Nichts“ auf, und wurde deutsche Meisterin über 50 Meter Rücken.
Isabelle Härle, die zwar schon mehrfach bei internationalen Meisterschaften für den DSV an den Start gegangen war, jedoch nicht dem Olympiakader angehört, gewann konkurrenzlos die 800 Meter Freistil und unterbot dabei auch deutlich die Normzeit (8:26,84 Minuten).

Auch bei den Männern gab es mehrere Überraschungen. Nicht nur ein Sportler, sondern gleich fünfunterboten die Normzeit für die 200 Meter Freistil, diese lag bei 1:45,04 Minuten. Gewöhnlich werden jedoch nur zwei Sportler pro Strecke für internationale Wettkämpfe nominiert. So konnten sich Paul Biedermann und Robin Backhaus über die Nominierung sicher sein; Tom Siara, Tim Wallburger und Steffen Deibler mussten jedoch weiter bangen. Wallburger und Deibler, die beide dem Olympiakader angehörten, gelang eine Nominierung über zwei andere Strecken, über die sie jeweils den Titel gewannen: Wallburger über 200 Meter Schmetterling und Deibler über 50 Meter Freistil und Schmetterling. Der Bundestrainer war über die Leistungsdichte auf den 200 Metern Freistil so überrascht, dass er nicht nur zwei, sondern drei Sportler für Stettin nominierte – Tom Siara darf also in Polen bei seiner ersten internationalen Meisterschaft an den Start gehen.

Ihre Klasse bewies einmal mehr Britta Steffen. Die bei den letzten Weltmeisterschaften wegen schlechter Leistung vorzeitig abgereiste Olympiasiegerin aus Berlin (wir berichteten) schwamm über ihre Paradestrecke in 52,0 Sekunden eine neue Weltjahresbestzeit. Damit hat sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man sie nicht einfach abschreiben kann, sondern dass sie eine wahre Kämpfernatur ist.

Vorschau:

Krakau, Teil 1: Eine Stadt für Nachtschwärmer

Krakau, polnisch: Kraków, befindet sich 250km südlich von Warschau, der Landeshauptstadt Polens und liegt an der oberen Weichsel. Mittlerweile wird sie die „Heimliche Hauptstadt“ genannt, da sie sich im Laufe der Zeit zu einem Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum entwickelt hat. Die Stadt wird bewohnt von circa 760.000 Menschen, von denen 120.000 Studenten ausmachen, weswegen das Krakauer Nachtleben besonders bunt und vielfältig ist. Angezogen von der berühmten Partyszene, sind es überwiegend junge Touristen, die aus aller Welt in diese Stadt reisen.

„Na Zdrowie!“, brüllt der Pole, wenn er zum Wohle anstößt. „Nastrobiä!“ brüllen alle Touristen zurück und leeren ihre Schnapsgläser, gefüllt mit polnischen Wodka. Auch ich lasse die scharfe Flüssigkeit meine Kehle herunter rinnen und spüre, wie sich der Alkohol in meinem Körper ausbreitet. Ich kann nicht verhindern, dass sich mein Gesicht verzieht als Reaktion auf den bitteren Geschmack. Im Laufe des Abends wiederholt sich diese Szene mehrmals mit dem feinen Unterschied, dass der Trinkspruch irgendwann nicht mehr synchron und so enthusiastisch erwidert wird wie am Anfang.

Der Wodka: die traditionsreichste Spirituose Polens (Foto: Kumai)

Der Wodka ist die traditionsreichste Spirituose in Polen und wird überall von Frauen wie auch Männern pur oder mit Apfelsaft gemischt getrunken. Sehr beliebt ist die Marke „Zubrówka“, in Deutschland auch bekannt als „Grasovka“ – der Bisongras-Wodka mit dem berühmten Mariengras in der Flasche, der ausschließlich als Dekorationselement dient, da der Wodka bereits bei der Destillierung aromatisiert wird. Der Alkoholgehalt beträgt 40%, weswegen ein wenig Vorsicht geboten ist beim Konsum des Getränks.

Nachdem auch wir genug hatten von der durchsichtigen Flüssigkeit, beschließen wir uns in eine Bar zu begeben und auf polnisches Bier umzusteigen. Ausgangspunkt für eine ausschweifende Partynacht in Krakau sind die zahlreichen Bars, Cafés und Kneipen, von denen sich viele im jüdischen Viertel Kazimierz befinden. Die Straßen, die dort hinführen sind belebt von den Nachtschwärmern, die in Gruppen dorthin strömen. Auf dem Nowy-Platz im Herzen des selben Viertels findet man mehrere Häuschen nebeneinander, in denen „Zapikianka“, ein deftiger polnischer Snack verkauft wird. Er wurde zu Ostblockzeiten als sozialistisches Fastfood für die arbeitende Bevölkerung entwickelt. Die Leckerei besteht aus einem halbiertem Baguette, das mit gewürzten Champignons und Zwiebeln verfeinert ist. Alle weiteren Zutaten für den Belag kann man sich aussuchen, beispielsweise gibt es den Zapikianka Grecka mit Feta und Oliven oder Zapikianka Hawaijska mit Ananas. Des weiteren kann man sich unterschiedliche Saucen wie Majonaise, Ketschup oder Senf aussuchen. Abschließend wird sie mit Käse überbacken und bietet eine gute kulinarische Grundlage für eine feierfreudige Nacht.

Unsere Bar, die sich „Alchemia“ nennt, befindet sich ebenfalls am Platz Nowy. Sie ist überfüllt von Menschen, sodass wir uns an einen Tisch mit anderen Besuchern setzen müssen. Die Luft ist erfüllt von Unterhaltung und der Raum erleuchtet im warmen Kerzenlicht. Die zusammen gewürfelten Wohnzimmermöbel schaffen eine gemütliche Atmosphäre, in der man in Ruhe sein Bier (auf Polnisch: piwo) genießen kann. Typisch polnisches Bier sind „Tyskie“, „Zywiec“ oder „Lech“. Die Polen, die an unserem Tisch sitzen, sprechen nur gebrochen Englisch, sind jedoch sehr aufgeschlossen und interessiert an einer Unterhaltung und erzählen uns, dass im Untergeschoss der Bar öfters Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. Generell sprechen die meisten Polen kein oder nur sehr begrenzt Englisch, sind jedoch oft bemüht trotzdem zu helfen oder zu kommunizieren.

Club "Pauza": Abgefahrene Lichter und gute Stimmung (© Robin / pixelio.de)

Gegen halb eins machen wir uns auf den Weg zum Club „Pauza“ in der Nähe des „Rynek Glowny“, dem berühmten Platz in Krakau (im nächsten Teil mehr dazu). „Krazy Baldhead“, ein französischer Elektrokünstler, der vom Plattenlabel „Ed Banger Records“ vertrieben wird zusammen mit „Justice“ und „Daft Punk“, legt neben zahlreichen anderen DJs auf. Der Club ist gut gefüllt und erleuchtet in abgefahrenen Farben. Die Stimmung ist gut und die Menge tobt bis in die Frühe. Vollkommen erschöpft aber mit einem guten Eindruck des Krakauer Nachtlebens, das lebendig und aufregend ist, falle ich ins Bett und lasse den Beat abklingen, der den ganzen Heimweg immer noch meinen Körper beherrscht hat.

Bar Alchemia:
Adresse: Estery 5, 31-000 Kraków, Polen
Telefon: +48 12 421 22 00
Website: http://alchemia.com.pl/

Club Pauza:
Adresse: Floriańska 18/3, 31-000 Kraków, Polen
Telefon: +48 12 422 48 66
Website: http://pauza.pl/strony/klub/eng/

Vorschau: Das nächstes Mal berichtet Konstantin über einen Vortrag in Ludwigshafen. Thema ist „der faszinierende Subkontinent Indien.“ Danach werde ich im zweiten Teil der Krakau-Serie allgemeine Sehenswürdigkeiten und praktische Informationen vorstellen.