Selbstversuch: Inwiefern werden wir durch Wahlwerbung beeinflusst?

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Heute ist es soweit: Die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag findet statt. Schon seit Wochen werben die Parteien für ihre Programme und hoffen die Stimmen der Bürger für sich zu gewinnen. Aber wie genau sieht diese Werbung aus und vor allem: Wie sehr werden wir dadurch beeinflusst? Mit dieser Frage habe ich mich näher befasst und einen Selbstversuch gestartet. Bewusst habe ich darauf geachtet, wo man überall mit Werbung von Parteien konfrontiert wird und inwiefern diese mich hinsichtlich meiner Stimme manipulieren kann.

Ein wohlüberlegtes Kreuzchen
Schon einige Wochen vor der Wahl rühren die Parteien kräftig die Werbetrommel. Dadurch wird man früh mit der Bundestagswahl konfrontiert und macht sich Gedanken, wo man sein Kreuz machen wird. Das finde ich auch gut, denn schließlich sollte das keine unüberlegte Handlung sein. Wir haben nämlich das Recht auf eine Stimme, dank der wir Einfluss auf die Politik nehmen können.

Wahlplakate soweit das Auge reicht

Wahlplakate soweit das Auge reicht (Foto: M. Boudot)

Seit mehreren Wochen hängen an Straßen, Fahrrad- und Gehwegen dutzende Wahlplakate. Von überall lächeln mich diese herausgeputzten Menschen an, geben Versprechen ab und behaupten, dass ihre Partei die beste für Deutschland sei. So heißt es zum Beispiel von der SPD „Die Zukunft braucht neue Ideen und einen, der sie umsetzt“ oder von der CDU „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Klingt doch beides auf den ersten Blick vielversprechend, aber können die Parteien ihre Versprechen auch einhalten? In diesem Punkt sind sie sich ausnahmsweise alle einig und von der Umsetzbarkeit ihrer Visionen vollkommen überzeugt.

Promis werben für „ihre“ Partei
Neben zahllosen Berichten im Fernsehen, Radio und in der Zeitung, rufen auf Social Media-Plattformen, wie Facebook, Twitter und Instagram auch Prominente dazu auf, das Kreuz für eine bestimmte Partei zu machen. Handelt es sich dabei um bezahlte Kooperation oder haben sich die Promis wirklich intensiv mit dem Wahlprogramm ihrer Partei auseinandergesetzt und sind davon überzeugt? Letzterem bin ich kritisch gestimmt, fühle mich von solcher Werbung nicht angesprochen und lasse mich dadurch auch nicht beeinflussen.

Politische Stolperfallen im Alltag
Vor allem in den letzten Wochen vor der Wahl zeigen sich die Parteien präsent. So schlendere ich an einem Samstagmorgen über den Flohmarkt und entdecke neben gebrauchter Kleidung einen Stand der SPD. Eigentlich eine gute Sache, den Bürgern in ihrem Alltag die Möglichkeit zu geben sich zu informieren. Aber muss man denn wirklich überall an die Wahl erinnert werden? Mein Vorhaben gedankenlos nach tollen Schnäppchen zu suchen ist somit nicht ganz aufgegangen.

Eine Woche später stoße ich, auf dem Weg zum Supermarkt, auf Stände der CDU und Grünen. Hier gibt es neben ehrbaren Versprechen auch Werbegeschenke. Ich freue mich über meinen neuen Kugelschreiber und Notizblock, fühle mich den Parteien gegenüber aber nicht schuldig und nicht dazu gezwungen ihnen dafür etwas zurückgeben zu müssen.

Eine ganz ähnliche Situation an einem anderen Tag: Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen auf einer Liegewiese am Fluss. Am liebsten möchte ich die Seele baumeln lassen und mir über nichts Gedanken machen müssen. Doch kurze Zeit später baut die SPD einen Stand auf dem Rasen auf. Und schon wieder werde ich mit dem Thema Wahlen und mit Werbung einer Partei konfrontiert.

Alles freundliche Menschen, die das gleiche Ziel vor Augen haben – egal aus welcher Partei sie kommen: Meine Stimme für sich zu gewinnen und heute mein Kreuz vor ihrem Parteinamen zu erreichen. Gut ist, dass die Bevölkerung schon frühzeitig auf die bevorstehende Wahl aufmerksam gemacht wird und sich jeder somit rechtzeitig überlegen kann, welche Partei er in den Bundestag wählen möchte. Aber in meiner Freizeit will ich nicht dauerhaft mit dem Thema konfrontiert werden und ständig über Wahlwerbung stolpern.

Beeinflussung im engsten Kreis?
Während meines Selbstversuchs ist mir zudem aufgefallen, dass sogar meine Familie und Freunde mich hinsichtlich meiner Stimme in gewisser Weise beeinflussen können. Denn die Bundestagswahl ist in aller Munde und wird auch unter uns stark diskutiert. Familie und Freunde werben für „ihren“ Kandidaten. Der Vorteil: Ich werde auf einige Aspekte aufmerksam gemacht, die mir so vorher nicht bewusst waren und mich zum Nachdenken anregen.

Ich habe das Gefühl, dass vor allem die Meinung meiner Eltern mir hinsichtlich der Wahl und der Kandidaten wichtig ist. Denn sie sind für mich Vorbilder und nach den Normen und Werten, die sie mich gelehrt haben, strebe ich und lege Wert auf diese. So auch bei meiner Wahl eines Bundestagskandidaten.

Wähle ich wirklich frei? – Mein Fazit
Meiner Meinung nach sollte sich jeder selbst eine Meinung bilden. Dabei schadet es allerdings nicht, gewissen Input von außerhalb, zum Beispiel durch den engsten Kreis, zu bekommen. So könnt ihr verschiedene Eindrücke bekommen, unterschiedliche Meinungen vergleichen und neue Blickwinkel gewinnen. Auch die Werbung der Parteien ist hilfreich bei der Entscheidung, vor allem durch den direkte Kontakt im Alltag. Hier können noch offene Fragen beantwortet werden und man bekommt einen ganz anderen Bezug zu der Partei – auch wenn es in diesem enormen Maß lästig werden kann.

Meine Entscheidung habe ich nicht zuletzt getroffen, indem ich mich im Vorfeld über die verschiedenen Wahlprogramme der Parteien informiert habe. Das hat die Auswahl schon mal etwas eingegrenzt. Außerdem haben mir einige Fernseh-, Radiobeiträge und Zeitungsartikel bei meiner Entscheidung geholfen – ebenso wie Gespräche mit Verwandten und Freunden. Am Ende zählt meiner Meinung nach vor allem die Sympathie, die man für einen Kandidaten aufbringt und wie sich dieser präsentiert.

Egal, wie man sich letzten Endes entscheidet, wichtig ist es überhaupt zu wählen und sich somit für seine politischen Anliegen einzusetzen – also auf in die Wahllokale!

Décollage: Poesie der Großstadt

Sie sind überall: An Bushaltestellen, auf Litfaßsäulen, an Straßenecken und manchmal bedecken sie ganze Hauswände – Werbeplakate. Mal mehr und mal weniger kreativ, mit Text oder nur als provozierendes Bild sind sie aus dem modernen Stadtbild nicht wegzudenken. Doch manche sehen darin mehr als Effekthascherei oder einer Revolte gegen die Provokation: „Bekleben verboten!“

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Jacques Villeglé beim Abreissen von Plakaten in den Straßen von Paris, 1963 (Foto: Shunk-Kender © J. Paul Getty Trust. The Getty Research Institute, Los Angeles. (2014.R.20) Gift of the Roy Lichtenstein Foundation in memory of Harry Shunk and Janos Kender)

Ausgehend von Paris formierte sich in den 1950er Jahren die Kunstströmung der Affichisten. Angeregt durch die zunehmende Verbreitung von Plakaten und Werbetafeln entwickelten sie die Praxis der Décollage. Im Gegensatz zur Collage, dem Zusammenkleben verschiedener Elemente zu einem neuen Ganzen, bezeichnet die Décollage die Zerstörung von Bildern mit dem Zweck, aus den Teilen neue Werke zu erschaffen.

Die Affichisten sammelten auf den Straßen der Großstadt Fragmente von zerrissenen und verwitterten Plakatwänden und erschufen daraus neue Werke, geprägt durch den Zufall der überlagerten Schichten als kulturelles Gedächtnis der Nachkriegszeit.

Die Ausstellung „Poesie der Großstadt“ in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt die Geschichte der Décollage der 1950er und 1960er Jahre mit Werken der französischen Affichisten Francois Dufrene, Raymond Hains und Jacques Villeglé sowie des Italieners Mimmo Rotella und des Deutschen Wolf Vostell. In einem thematischen Parcours wird anhand der Begriffe Abstraktion, Material, Lettritismus, Politik und Pop die ganze Bandbreite des Plakatabriss´ dargestellt, von kleinen Fragmenten bis zu wandfüllenden Großformaten. In kleineren Kabinetten werden außerdem fotografische, filmische und poetische Experimente der Künstler vorgestellt. Villeglé beispielsweise spielte mit geriffelten Gläsern, die er zwischen Kamera und Objekt anbrachte, um kaleidoskopartige Effekte der Verzerrung zu erzielen.

JACQUES MAHE DE LA VILLEGLE - MOTO

Jacques Villeglé: La Moto – Avenue Ledru-Rollin, 17 juillet 1965, 1965 320 x 270 cm Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris © VG Bild-Kunst Bonn, 2015

Die Ausstellung „Poesie der Großstadt“ ist noch bis Montag, 25. Mai in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen. Am Samstagabend, 21. März gibt es die Möglichkeit im Rahmen einer Feier bei Musik und Getränken Antworten zur Kunst der Ausstellung und den Wegbereitern der Pop Art und Street Art zu bekommen.

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POESIE DER GROSSSTADT. DIE AFFICHISTEN Ausstellungsansicht (© Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015 Foto: Norbert Miguletz)

Vorschau:

Baby shower goes Germany – die gelungene Babyparty, Teil 1: Die Dekoration

Blau und weiß: Die traditionellen Farben für einen Jungen (Foto: Silke Held)

Obwohl die Babyparty ursprünglich aus Amerika kommt und bei uns noch wenig bekannt ist – geschweige denn den Status einer Tradition innehat –, findet sie in Deutschland immer mehr Anklang. Üblicher Weise wird sie von einer engen Verwandten oder Freundin der werdenden Mutter organisiert. Geladen werden in der Regel nur weibliche Gäste – nicht einmal der Vater darf kommen. Hintergrund des Ganzen ist zum einen natürlich der Unterhaltungsfaktor, denn wie auf jedem Fest gibt es auch bei einer Babyparty gutes Essen, Getränke und Unterhaltungsprogramm – vor allem aber sollen der werdenden Mutter gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben werden. Die Gäste berichten von ihren Erlebnissen in der Schwangerschaft, geben hilfreiche Tipps und stehen zum Fragenbeantworten zur Verfügung. Damit eine Babyparty ein voller Erfolg wird, muss an jedes Detail gedacht werden. Eines davon: die Dekoration.

Wichtig dabei ist, dass man dem Original aus Amerika treu bleibt und dort lautet die Devise: Je kitschiger desto besser. Am leichtesten fällt es natürlich, wenn das Geschlecht des Babys schon bekannt ist. Wird es ein Junge, wird die Dekoration blau und weiß – wird es ein Mädchen, so wird sie weiß und rosa. Ist das Geschlecht noch unbekannt, oder möchte man bewusst mit der Tradition brechen, kann selbstverständlich jede andere Farbe ausgewählt werden. Die Farben dürfen gerne in jeglichen Dekorationsdetails zu finden sein – von den Girlanden, Luftschlagen und Luftballons bis hin zu der Tischdekoration und den Plakaten.

Ganz leicht selbstgemacht: Dekorative Störche aus Pappe (Foto: Silke Held)

Viele dieser Artikel kann man im Internet finden, aber aufgepasst: Nicht das erstbeste Produkt direkt ein den Warenkorb legen. Da Babypartys bei uns noch nicht weit verbreitet sind, muss man oft auf Ware aus dem Ausland zurückgreifen und das kann teuer werden. Dann doch lieber selbst kreativ werden. Poster mit der Aufschrift „It’s a Boy/Girl“ kann man ganz leicht selbst basteln und auch Störche zum Dekorieren – welches Tier wäre passender für eine Babyparty? – sind einfach selbst anzufertigen. Wer nicht ganz so talentiert beim Zeichnen ist, findet auch tolle Vorlagen dazu im Internet. Für die Tischdekoration ist es schön kleine Hände und Füße aus bunter Pappe auszuschneiden und dekorativ zu verteilen.

Wenn die Dekoration steht, geht es an den nächsten Schritt: das Essen. Was da zu beachten ist, wie man eine tolle Torte ganz einfach selbst machen kann und welche Snacks sich super eigenen erfahrt ihr im zweiten Teil.

Vorschau: Nächste Woche gibt es in der Tipps & Tricks-Rubrik wieder einen Beitrag zur Hausmittelserie. Im fünften Teil erfahrt ihr etwas über Kamille.