Genial, weil‘s keiner braucht – Ein Interview mit den Gründern von Dubbe-Dabbe / Mit Gewinnspiel

Neu und schon Kult: Dubbe-Dabbe

Neu und schon Kult: Dubbe-Dabbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Wer dieses Jahr auf ein Weinfest geht kommt an ihnen nicht vorbei: Dubbe-Dabbe. Die kleinen, pinartigen Verzierungen für Gläser haben dieses Jahr in Rekordzeit einen Kultstatus erlangt. Face2Face sprach für euch mit den Gründern von Dubbe-Dabbe, Dennis Dick und Lars Palatinus, über ihre Dabbe, wie sie dazu kamen und warum Dinge, die kein Mensch braucht, oft die besten Ideen sind.

Face2Face: Lieber Dennis, lieber Lars, danke, dass ihr euch Zeit für uns nehmt, gerade mitten in den Weinfesten. Woher kennt ihr euch eigentlich?

Dubbe-Dabbe: Das darf man eigentlich keinem erzählen, das ist richtig kitschig. Wir haben uns in einem Möbelfachgeschäft 2011 kennengelernt, also schon vor vier Jahren. Unsere Frauen kennen sich schon länger und haben sich da zufällig getroffen. Wir sind ins Gespräch gekommen und wollten eigentlich mal was zusammen unternehmen. Wiedergesehen haben wir uns aber erst letztes Jahr, als Dennis geheiratet hat. Danach hat es dann auch mit dem Wiedertreffen geklappt.

Einfach genial: Dabbe für die Dubbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Einfach genial: Dabbe für die Dubbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Den Frauen sei Dank. Denn ohne Sie würde es Dubbe-Dabbe heute nicht geben. Aber was sind diese Dabbe genau und wie seid ihr dazu gekommen, sie zu produzieren und zu verkaufen?

Dubbe-Dabbe: Bei einem gemeinsamen Grillabend hat Dennis plötzlich davon geredet, dass er immer schon so ein paar Ideen gehabt hatte. Farbige Dubbegläser zum Beispiel, nur ist ihm da jemand zuvor gekommen. Und eben auch Glasmarkierer, die mit Saugnäpfen befestigt werden. Der Name war dann auch eine spontane Eingebung, die mit der Idee selbst kam. Lars war von der Vorstellung direkt begeistert und das Gespräch hat sich danach nur noch um die Idee „Dubbe Dabbe“ gedreht. Sehr zum Leidwesen unserer Frauen, die von unserem Gequatsche richtig genervt waren. Aus der Idee und dem Gequatsche wurde dann schnell Ernst und es ging zügig weiter. Die braucht ja eigentlich kein Mensch, aber genau solche Sachen sind die besten Ideen und Dennis hat einfach noch jemanden gebraucht, der sich begeistern konnte. Dann haben wir angefangen zu basteln, bis die Dubbe-Dabbe so waren, wie wir sie wollten. Jetzt sitzen die Rohstoffe fest zusammen und haben eine optimale Haftung. Dafür haben wir verschiedene Rohstoffe ausprobiert, bis wir die beste Zusammensetzung hatten. Der nächste große Kampf war die Frage des Papiers für die Designs, bis wir auf Fotopapier gekommen sind, um die beste Farbqualität zu erzielen.

Face2Face: Das klingt ziemlich zeitaufwendig, dabei habt ihr doch auch feste Berufe. Was macht ihr, wenn ihr keine Dubbe-Dabbe herstellt?

Dubbe-Dabbe: Dennis arbeitet im öffentlichen Dienst in Ludwigshafen am Rhein und Lars bei einer IT-Tochterfirma eines Chemie-Konzerns, ebenfalls in Ludwigshafen. Das sind beides sehr gute Berufe, sodass Dubbe-Dabbe für uns auch finanziell kein Risiko war, sondern vor allem Spaß gemacht hat und weiterhin macht. Wär’s schief gegangen, wäre es auch egal gewesen und wir hätten genug Dabbe für uns selbst gehabt.

Glasmarkierer: Nicht nur für Dubbe-Gläser (Foto: Dubbe-Dabbe)

Glasmarkierer: Nicht nur für Dubbe-Gläser (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Euch gibt es jetzt ein halbes Jahr und ihr seid mitten in der Weinfestzeit angelangt. Wie läuft das Geschäft?

Dubbe-Dabbe: Das mit den Weinfesten ist etwas schwierig, weil wir als Kunsthandwerker selbst nicht ausstellen können, sondern einen Winzer brauchen, bei dem wir uns dazu stellen können. In Forst hat das zum Beispiel sehr gut geklappt. Die Dubbe-Dabbe kamen super an, die Leute kamen mehrmals und haben auch nach uns gefragt und unser Bestand war danach richtig leergekauft. Wir sind da auch schnell in eine Kult-Ecke gekommen. Die Dubbe-Dabbe wurden auf den verschiedenen Festen wiedererkannt, was uns wirklich sehr zufrieden macht. Unterstützt haben uns dabei Dennis‘ Frau und Lars‘ Freundin, weil wir allein gar nicht alle Termine hätten wahrnehmen können. Auf jeden Fall haben wir für die nächste Saison viel gelernt.

Face2Face: Das klingt, als wären Dubbe-Dabbe ein richtiger Trend. Wie kommt ihr eigentlich auf eure Designs?

Neuer Trend? Jeder will sie haben (Foto: Obermann)

Neuer Trend? Jeder will sie haben (Foto: Obermann)

Dubbe-Dabbe: Wir haben vordefinierte Designs und solche, die der Kunde selbst gestalten kann. Die Ideen für unsere vordefinierten Dubbe-Dabbe kommen aus tausend verschiedenen Ecken. Zuletzt wollte jemand zum Beispiel „Schorlegewitter“ als selbst gestalteten Dubbe-Dabbe haben. Wir haben das gemacht und fanden es so gut, dass wir gefragt haben, ob wir die Idee verwenden dürfen. Da sind wir sehr vorsichtig, weil Urheberrecht natürlich auch für uns gilt. Aber „Schorlegewitter“ ist jetzt bei unseren vordefinierten Designs dabei. Natürlich haben wir noch viele andere Ideen, aber wir wollen die Auswahlmöglichkeiten auch nicht zu schnell zu sehr wachsen lassen.

Face2Face: Noch mehr Arbeit. Wie schafft ihr das eigentlich neben euren „normalen“ Berufen?

Dubbe-Dabbe: Das ist schon manchmal schwer zu kombinieren. Durch unsere Arbeitszeiten gibt es Wochen, in denen wir uns kaum sehen. Darum haben wir die Produktion selbst auch weitestgehend abgegeben und an die Diakonissen Speyer-Mannheim abgegeben, in deren Werkstätten behinderte Menschen beschäftigt werden können und wir sind sehr zufrieden damit. Drucken müssen wir allerdings immer noch selbst, weil wir da einfach noch die beste Qualität der Bilder herausholen. Ansonsten ist Dubbe-Dabbe momentan noch nicht mal ein Nebenverdienst, sondern macht vor allem Spaß und wir sind gespannt, die Idee weiterzuverfolgen.

Face2Face: Der Herbst naht. Was wird aus Dubbe-Dabbe, wenn die Weinfestzeit vorüber ist?

Dubbe-Dabbe: Wir relaxen dann erst mal und genießen unsere Freizeit. Wahrscheinlich werden wir Werbepartner suchen und einiges vorbereiten, unseren Bestand aufbauen und Weinmessen besuchen. Mit den farbigen Dubbegläser haben wir schon ganz früh eine Partnerschaft aufnehmen können. Die sind von selbst an uns heran getreten, was uns wahnsinnig gefreut hat. Erst mal wollen wir aber wirklich die Füße hochlegen und realisieren, was aus unserer Idee seit Beginn der Umsetzung im Februar geworden ist.

Der erste Streich? Die Jungs von Dubbe-Dabbe haben noch viel vor (Foto: Dubbe-Dabbe)

Der erste Streich? Die Jungs von Dubbe-Dabbe haben noch viel vor (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Viel Zeit zum Planen also. Habt ihr denn noch mehr Ideen, die ihr umsetzen wollt?

Dubbe-Dabbe: Erst mal wollen wir weitere Partner finden. Auch denken wir über eine größere Version unserer Dabbe nach, die dann auf einen Maßkrug passen. Generell ist alles, wo Dubbe drauf sind, ein potentieller Markt für Dubbe-Dabbe. Außerdem sind wir noch auf der Suche nach selbstleuchtenden Farben, sodass die Dabbe im Dunkeln leuchten können.

Face2Face: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit euren Dubbe-Dabbe.

Wer sich ein Bild von den Dubbe-Dabbe machen will, kann am Freitag den 04.09.2015 und Sonntag den 06.09.2015 in Wachenheim im Weingut Manz Dennis und Lars an ihrem Stand besuchen. Außerdem habt ihr jetzt die Möglichkeit, exklusiv auf Face2Face drei tolle Preis zu gewinnen. Als Hauptpreis gibt es ein farbiges Dubbeglas mit drei Dubbe-Dabbe, als zweiter Gewinn winkt ein farbiges Dubbeglas und der dritte Gewinner kann sich auf drei brandneue Dubbe-Dabbe freuen.

Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis Mittwoch, den 30. September 2015, 23:59 Uhr eine E-Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de mit eurer neuen Dabbe-Designidee. In der Mail enthalten sein sollte euer Vor- und Nachname sowie eine gültige Adresse für den Versand. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt via Mail.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

§ 2 Teilnahme (1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mailadresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel (1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Online-zeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung (1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz. (5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz (1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges (1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Regionalmarketing

Kommentar: Deutschlandreisende, die es in die Pfalz verschlägt, kommen eher früher als später mit einigen „typisch pfälzischen“ Phänomenen in Berührung: Der Pfälzer trinkt Wein aus dem „Dubbeglas“ und isst Saumagen – natürlich am liebsten auf kleinen Weinfesten in Orten, in die sich sonst keine Menschenseele verirrt –, sein Herz schlägt in Kaiserslautern, sein Mund „babbelt Pälzisch“. Dabei gilt er stets als gemütlich und gesellig. Was aber sind dann Menschen, die keinen Wein trinken, kein Fleisch essen, sich nicht für Fußball interessieren? Reicht eine gewisse sprachliche Färbung aus, um einen Menschen zum Pfälzer zu machen?

Mit steigender Mobilität und digitaler Vernetzung scheinen regionale Identifikationsräume wie die Pfalz ihre Relevanz zu verlieren. Deutlich wird dabei vor allem, dass Pfälzer und Nichtpfälzer eigentlich gar nicht so verschieden sind. Vielleicht kann man nicht überall in Deutschland einen Saumagen bestellen. Außerdem wird man nicht viele Menschen treffen, die – ohne in der Pfalz aufgewachsen zu sein – die regionale Mundart beherrschen. Aber sicher finden sich – trotz andauerndem Aufenthalt in der 2. Bundesliga – auch außerhalb der Pfalz Fans der „Roten Teufel“. Von Wein, Gemütlichkeit und Geselligkeit braucht man kaum zu sprechen: Wer die Pfalz gen Norden verlässt, wird feststellen, dass man auch in Alzey, in Worms und in Mainz gerne Wein trinkt und gerne beisammen sitzt. Tatsächlich bauen die Rheinhessen sogar noch mehr Wein an als die Pfälzer.

Regionale Identität scheint sehr stark mit Dingen verflochten zu sein, die sich vermarkten lassen: Wein, Weinfest, Weinstraße, Weinkönigin, Dubbeglas – das ist die Pfalz, wie sie im Tourismus vermarktet wird. Und davon profitiert die Pfalz natürlich, denn Touristen wollen häufig auch ein Stück regionaler Kultur erleben. Und am besten auch gleich mit nach Hause nehmen. Dafür eignen sich die „Dubbegläser“ nicht nur, weil sie sich sichtbar von gewöhnlichen Weingläsern unterscheiden, sondern eben auch, weil in ihnen die auf den ersten Blick kaum zu vermarktende Sprache vermarktet werden kann. Ein Weinglas aus der Pfalz ist eben nicht einfach ein Weinglas, sondern ein „Dubbeglas“.

Problematisch ist die Vermarktung solcher regionalen Phänomene deshalb, weil sie Grenzen in den Köpfen aufrechterhält, die heute kaum noch Geltung haben. Wo alles mobil und vernetzt ist, sind Vermischungsprozesse zu erwarten. Trotzdem sind von außen betrachtet nach wie vor alle Pfälzer Bauern, alle Schwaben geizig, alle Norddeutschen humorlos und alle Bayern konservativ. Regionale Stereotypen lassen sich schließlich nicht nur positiv darstellen. Wie aus dem pfälzischen Kulturgut Wein die Vorstellung wird, dass alle Pfälzer Bauern sind, mag noch recht einfach nachzuvollziehen sein. Ob der schwäbische Geiz oder die norddeutsche Humorlosigkeit in irgendeiner anderen Gestalt vermarktet werden, scheint jedoch zweifelhaft. Entscheidend ist: Ein Pfälzer kann einem Bayern erst dadurch vorwerfen, konservativ zu sein, indem er sich mit seiner Region – der Pfalz, nicht Bayern – identifiziert. Auf regionaler Ebene mögen solche Stereotypen noch unterhaltsam wirken, auf Bundesebene aber sind sie hoch problematisch. Die deutsche Geschichte liefert mehr als ein Beispiel für die negativen Folgen solcher Mythisierungen.

Historisch gesehen mag die Identifikation mit der Heimatregion ihren Sinn gehabt haben. Heute aber scheint regionale Identität vor allem für den Tourismus entscheidend. Die Pfalz mag schön sein, aber das ist kaum ein schlagendes Argument, in die Pfalz zu reisen. Denn – ganz platt gesagt – woanders ist es auch schön. Interessant ist die regionale Identität deswegen, weil sie es erlaubt, die in Reiseprospekten abgebildete Landschaft mit Bedeutung auszustatten, die sie so vielleicht gar nicht hat. „Zum Wohl. Die Pfalz.“ steht auf dem Werbelogo, das Veranstaltungsplakate und Internetauftritte gleichermaßen schmückt. Daneben: Zwei miteinander anstoßende Weingläser. Die Hände, die diese Weingläser halten, sind freilich nicht Teil der Abbildung – das ist die Aufgabe der Touristen, die ein Stück Regionalkultur erleben wollen.

Vom Abitur zum Hype des Jahres: Sizarr

Wenn über eine Band schon vor der Veröffentlichung ihres Debut Albums so viel gesprochen, diskutiert und berichtet wird, dann gibt es zwei Möglichkeiten: die Band veröffentlicht ihr Debut Album und enttäuscht damit alle Hoffnungen, oder sie veröffentlicht ihr Debut Album und sprengt alle Erwartungen und wird zum Newcomer des Jahres.

Jung aber oho: Sizarr aus Landau (Foto: Pressefoto Sizarr)

Letztlich war diese zeitliche Verzögerung jedoch von Vorteil für Sizarr. Nach dem Abitur zogen sie erstmal nach Mannheim, beziehungsweise Heidelberg. Fabian und Philipp wohnen zusammen mit Produzenten Markus Ganter in einer WG im Jungbusch. Marc wohnt in Heidelberg, ebenfalls zusammen mit Musikern und Künstlern. Man kann sich vorstellen, was herauskommt, wenn hier WG Parties gefeiert werden. Womöglich ein Album wie das Debutalbum Psycho Boy Happy.

Das Debutalbum: Psycho Boy Happy (Foto: Sizarr Pressefoto)

Auf jeden Fall sind Sizarr der Beweis, dass die Musikindustrie auch noch richtig Gutes liefern kann. Weitab vom Mainstream, weitab von Castingbands. Manchmal braucht es eben nur ein wenig Zeit. In dieser Zeit kann man in aller Ruhe Abitur machen, umziehen und an den Songs arbeiten. Danach kann er kommen, der Durchbruch. Bei Sizarr wird er kommen, wenn er nicht schon da ist. Ganz bestimmt. 

Sizarr gehen auf Tour! Die Daten findet ihr unter: http://www.sizarr.com

Vorschau: Nächste Woche findet ihr hier Reviews über neue CDs.

„Die Jungs von Heaven Shall Burn reden ja lustig“ – Das „Rocco del Schlacko Festival“ wieder sehr erfolgreich

Noch deutlicher gehts nicht: Auch der Busfahrer zu den Duschen hat seinen Spaß (Foto:Güngör)

Begrüßt wird man von einer sehr dicken und immer breiter werdenden Wolke aus Staub. Die Sonne scheint hoch über dem Himmel im Saarland und das „Rocco del Schlacko Festival“ öffnet zum 13. Mal seine Pforten. Die Autos stehen Schlange, die Straße zum Festivalparkplatz wurde dieses Jahr für nicht Festivalisten gesperrt. Das totale Chaos hat begonnen, die Helfer versuchen die Massen zu koordinieren und die ersten Besucher schleppen ihre Campingausrüstung den staubigen Berg hinauf.

Es ist Donnerstag, der 9. August und wir befinden uns in Püttlingen, zwischen Saarbrücken und Saarlouis, auf dem Gelände des „Rocco del Schlacko Festivals“. Vor ungefähr zehn Jahren findet dieses Festival seinen Anfang. Damals, mit nicht mehr als 2000 Besuchern, ist es auf fast 30 000 Besucher (laut Angaben auf der offiziellen Homepage) gewachsen. Die Besucher sind zwischen zehn und 30 Jahre alt. Die jüngsten Festivalisten sind natürlich mit ihren Eltern vor Ort, doch der Rest der Meute sammelt sich auf einem der beiden großen Camping Plätze. Dieses Jahr gibt es jedoch im Campingbereich eine kleine, aber doch sehr feine Erneuerung: Das Green Camping wird eingeführt. Was beim „Maifeld Derby“, „Rock am Ring“ und auch dem „Greenville“ erfolgreich funktioniert, probieren die Saarländer nun auch aus.

Das Campingleben auf dem Green Camping ist friedlich, nicht vermüllt, entspannt, aber auch in manchen Moment etwas zu ruhig. Zu Beginn des Festivals stehen zwei Sicherheitsmänner am Eingang und kontrollieren jeden einzelnen, ob er zum Green Camping gehört oder nicht, denn um dort zelten zu dürfen, braucht man eine Genehmigung, für die man sich anmelden muss. Als Erkennungszeichen bekommt man ein orangenes Bändchen. Dummerweise sind diese Sicherheitsmänner Donnerstagabend schon wieder weg und so hat das orangene Bändchen seinen Sinn und Zweck verloren, denn jeder kann auf das Gelände. Die Menschen, die dort zelten, sind dankbar dort schlafen und für vier Tage leben zu dürfen. Denn sobald man den Vorplatz zum eigentlichen Campinggelände, auch Ponyhof genannt, betritt, ist es als wäre man in eine Parallelwelt eingetreten. An diesem Wochenende ist das Leben eben doch ein Ponyhof – und das wird dort mit zusätzlichen Konzerten und After-Show-Partys auch gefeiert!

Sie beigeistert Männer und Frauen: „Jennifer Rostock“ haben die witzigste Show (Foto: „Rocco del Schlacko Festival“ offizielle Facebookseite)

Eine fröhlich-aggressive Grundstimmung ist nämlich an der Tagesordnung und die ganzen Festivalklassiker treten in Kraft. Menschen bewerten mit „Hot or Not“-Schildern, spielen Flunky Ball, saufen Bierbongs, tanzen, feiern und sind einfach gesellig. Alles soweit sehr lustig und ausgelassen. Doch diese Fröhlichkeit findet auf einem Teppich aus Müll statt. Dort, wo eigentlich Ackerfelder sind, sieht man den Boden vor lauter Müll nicht mehr. Man läuft durch eine Lache aus Bierdosen, Erbrochenem, Alkoholleichen und Ravioli. Man kann mit ruhigem Gewissen sagen, auf keinem anderen Festival, mag es noch so groß oder klein sein, gibt es so viel Müll wie auf dem „Rocco del Schlacko Festival“. Doch alles in allem stört es kaum jemanden. Alle sind fröhlich, munter und feiern ihre Freiheit in der selbstgeschaffenen Welt.

Der Donnerstag kommt und geht, es wird auf dem Ponyhof gefeiert und getanzt, die Nacht bricht an und schon nach wenigen Stunden Schlaf ist es Freitag. Völlig fertig, leicht verkatert und dreckig vom immer noch stehenden Staub, steigen die Menschen aus ihren Zelten. Einige gehen duschen, andere machen sich weitestgehend durch die altbewährte Katzenwäsche sauber und bereiten sich auf den eigentlichen Festivalbeginn vor. Den Startschuss macht die mexikanische Band „Pantéon Rococó“. Ihre Musik ist eine Mischung aus Ska, Reggae und Rock. Sie verbreiten mit ihrer Musik gute Laune, viele Menschen sind vor der Bühne versammelt und tanzen wie wild unter der glühenden Sonne. Diese einzigartige Stimmung zieht sich durch das ganze Festival. Viele Bands sind da, das Line Up dieses Jahr überschlägt sich. Doch die Highlights sind ganz klar definiert.

Die Menge feiert seine Musik: „Casper“ hat alle überzeugt (Foto: „Rocco del Schlacko Festival“ offizielle Facebookseite)

„Casper“ gehört auf jeden Fall zu den Höhepunkten. Viele auf dem Festival kennen seine Musik bereits, doch ungefähr die Hälfte der Besucher wiederrum nicht. Sie weiß nicht, was sie von ihm halten soll und wird letzten Endes mehr als überzeugt. Die Show ist der Wahnsinn, die Musik richtig gut. „Casper“ stürzt sich in die Menge und feiert mit seinen Fans, kämpft sich wieder raus, steigt auf die Bühne zurück und beendet seine Show zusammen mit seiner Band mit seinem Erfolgshit „So Perfekt“. Alle sind begeistert, teilweise sogar erstaunt, dass sie so begeistert von ihm sind.

Die witzigste Bühnenshow haben dieses Jahr, ohne weitere Diskussionen, „Jennifer Rostock“ hingelegt. Die Entwicklung dieser Band gleicht einem Phänomen. Von komischen Emokindern mit komischen Frisuren (zumindestens die Männer der Band) sind sie zu ernsthaften, guten Musikern geworden, mit einer heißen Frontfrau und einer Show die einigen Menschen die Tränen in die Augen getrieben haben, natürlich nur vor Lachen. Die gute Jennifer Weist, Sängerin von „Jennifer Rostock“, sucht sich einen halbwegs attraktiven Mann aus dem Publikum, pflanzt ihn auf einen Stuhl auf der Bühne und beginnt mit ihrem, eigentlich recht traurigen Song, „Irgendwo anders“. Doch dieser Song ist keineswegs bedrückend, denn Jennifer Weist fängt an den guten Mann zu betanzen. Es gibt einen Live Lapdance, bei dem sich viele Männer und Frauen wünschen, selbst auf der Bühne zu sitzen. Die Show ist heiß und in dem Hitzegrad, ziehen sich die restlichen Songs durch wie eine erfrischende Dusche.

„Heaven Shall Burn“ bringen die Massen zum eskalieren: „Die Exoten unter dem Line Up“ (Foto: (c) preag.de / presented for people)

Die härteste Band an diesem Wochenende ist „Heaven Shall Burn“. Mit ihrem Hardcore Metal sind sie die „Exoten unter den Bands“, wie sie es selbst so schön sagen. Doch die Masse der Jubelnden ist groß. Die Show ist der Wahnsinn, genau wie die Band selbst. Ursprünglich kommen sie aus dem Osten Deutschlands, was man dem Sänger nach genauem hinhören auch anhört und was zur Belustigung aller beiträgt. Die Band sieht nicht unbedingt aus wie die typische Hardcore Metalband. Eigentlich sehen sie aus wie eine typische Boyband aus Bänkern, was die Sache nur noch witziger und cooler macht. Die Musik ist grandios und Zuschauer eskalieren regelrecht. Moshpits bei jedem Song, überall. Circle Pits und springen und Wall of Deaths und alles, doch die anscheinende Aggression nimmt niemals überhand. Wie es auf jedem guten Konzert sein sollte, helfen sich die Besucher untereinander, wenn jemand fällt wird gemeinschaftlich dafür gesorgt, dass die Person wieder auf die Beine kommt, wenn jemand nicht mehr kann, wird der Weg frei gemosht, damit der oder die Besucher/in sich ein wenig außerhalb hinstellen kann und nach jedem Song fragt der Sänger: „Geht es euch gut?? Gibt es Verletzte im Publikum?? Ihr lacht, aber ich muss das nachfragen, wir wollen doch alle hier Spaß haben.“ Die Festivalisten sind eine große Gemeinschaft, fast eine Familie. Sie beschützen sich und haben Spaß miteinander. Auch „Heaven Shall Burn“ fällt das auf und sie freuen sich darüber und beenden ihre Show mit zwei riesigen circle pits. Der erste ist so groß wie der Bereich vor der Bühne, alle rennen im Kreis, alle feiern die Band wie wild, der zweite findet im hinteren Bereich statt, die Menschen rennen um den Soundturm, der gegenüber der Bühne steht, herum und so entsteht ein noch größerer circle pit. Die Besucher des „Rocco del Schlacko Festivals“ beweisen eine Ausdauer, die seinesgleichen sucht.

So vergeht der Tag auf dem Festival und die Sonne versinkt langsam. Wir sind beim Samstagabend angekommen und freuen uns auf den Headliner des Festivals „Korn“.

Die Bühne verdunkelt sich, als „Korn“ anfangen. Die Masse rastet aus, klatscht die Band auf die Bühne, sie wollen eskalieren und ihre Stars feiern. Wie ein Feuerball prasselt die Band auf die Bühne und beginnt. Anfangen tun sie mit alten Songs und erklären dazu: „Thats for our old fans, we love you!“.

Der Sänger lebt und liebt seine Musik, denn er rastet mit einer solchen Leidenschaft auf der Bühne aus, die faszinierend ist. Es steckt die Leute an, sie verfolgen die Band mit der gleichen Leidenschaft. Es wird getanzt, gemosht, gesungen, die Faust geht zum Himmel und kommt mit voller Wucht zurück und die Besucher sind in einer anderen Welt. Die Musik hat etwas hypnotisierendes, denn alle wirken wie in Trance, der Abend soll nicht zu Ende gehen. „Korn“ spielen viele neue Songs. Die Dubstep-Einflüsse nimmt man kaum war, die Musik ist trotzdem hart und berührend zugleich. Kurz vor Schluss passiert dann etwas, womit wohl niemand gerechnet hat. Der Schlagzeuger kommt auf die Bühne und legt erst einmal ein fulminantes Solo hin, als er dann plötzlich jemanden ankündigt: seinen guten alten Freund „Bülent Ceylan“. Der Mannheimer Comedien steht auf der Bühne, begrüßt die Menschen, die völlig begeistert rufen und klatschen, er tanzt ein wenig, schüttelt sein langes Haar, nimmt sich dann die Drumsticks und fängt an mit dem Schlagzeuger zusammen das letzte Lied einzutrommeln. Ein gelungenes Ende für ein wahnsinniges Konzert und ein sehr gelungenes „Rocco del Schlacko Festival“.

Vorschau: Und nächste Woche findet ihr hier an dieser Stelle ein Interview mit der „Dancehall Queen“.