Die Welt ändert sich eben

Es weht ein frischer Wind: Die Debatte um die Ehe für alle wächst weiter (©manwalk / pixelio.de)

Es weht ein frischer Wind: Die Debatte um die Ehe für alle wächst weiter (©manwalk / pixelio.de)

Oh nein, höre ich euch rufen. Nicht noch ein Beitrag zur Befürwortung der Ehe-für-alle, in manchen Kreisen auch Homo-Ehe genannt. Seit die Iren mit über 60 Prozent „Ja“ gesagt haben, liest der aufmerksame Mensch ja nichts anderes mehr. Petitionen und offene Briefe, Kolumnen (na eben wie diese) und Leitartikel, alles dreht sich nur noch darum. Der Korruptionsskandal der Fifa, die unerklärliche Wiederwahl und der Rücktritt von Blatter, die Geheimdienstaffäre der Republik, alles tritt da in den Hintergrund und alle machen munter mit.

Und ja, sie ist wichtig, logisch und eigentlich selbstverständlich, das Zögern der CDU/CSU ein Zeichen einer vergangenen Ära. Oder? Immerhin waren es doch die erzkatholischen Iren, die so ihre Probleme mit Abtreibung haben, die zugestimmt haben. Und im europäischen Vergleich hinken wir, ausgerechnet wir, die einst einen homosexuellen Außenminister hatten, eine Frau an der Spitze der Regierung und sowieso und überhaupt doch so aufgeschlossen und modern sind, knallhart hinterher.

Aber warum tun sie sich eigentlich so schwer, die Konservativen, die christlichen Demokraten, wo doch sogar die Kirche Homosexualität nicht mehr so verschärft sieht, auch wenn der Vatikan sich noch mal anders gemeldet hat (die wissen ja auch nicht mehr, was sie wollen). Immerhin sind sich die Befürworter der Ehe-für-alle einig, es ändert sich nichts für alle andern, Kinder haben damit sowieso kein Problem damit und die Welt wäre ein bisschen gerechter und schöner.

Zeichen der Liebe: die Ehe sollte wie die Liebe nicht von Geschlecht abhängen (©E.-Kopp / pixelio.de)

Zeichen der Liebe: die Ehe sollte wie die Liebe nicht von Geschlecht abhängen (©E.-Kopp / pixelio.de)

Tatsache ist, die Ehe-für-alle ist nicht nur ein Problem für die CDU/CSU und die Bundeskanzlerin, weil einige Politiker es hinterm Mond gemütlicher finden, sondern weil ein Teil der Wählerschaft vehement dagegen ist. Und Wähler wird die Partei brauchen, sollten die Menschen bei der nächsten Bundestagswahl mal merken, dass die großen sozialen Projekte der Legislaturperiode eher weniger auf ihr Konto gehen. Gleichzeitig kann sie aber auch Wähler verlieren, wenn sie sich jetzt querstellt, wichtige, junge Wähler. Ein echtes Dilemma. Da unsere Gesellschaft aber so viel ältere Menschen umfasst, dass wir im weltweiten Vergleich im Schnitt die niedrigste Geburtenrate haben, vermute ich stark, die sogenannten christlichen Demokraten werden es aussitzen wollen, abwarten, hoffen, dass der Sturm vorüber geht, ein paar Zugeständnisse, die ohnehin geplant waren, absegnen und es dabei belassen. Schwach.

Aber seien wir ehrlich, natürlich ändert sich etwas, wenn die Ehe-für-alle erlaubt wird. Sehr viel für jeden von uns. Die Eltern müssen ihren Kindern nicht mehr nur erklären, wo die Babys herkommen, wieso Meryem so anders spricht und Ben so dunkle Haut hat sondern auch wie die Tina zwei Papas haben kann und der Jonas gar keinen – und wo dann die Babys hergekommen sind. Puh. Das schlimmste aber – das allerschlimmste – ist, dass wir selbst umdenken müssen. Mit der Ehe-für-alle wird endgültig die Norm der Zweierbeziehung von „er und sie“ abgeschafft. Die Frage, wann ein Heterosexueller gemerkt hat, dass er auf das andere Geschlecht steht, ist kein Kalauer mehr. Nach der Frage: „Sind sie verheiratet“, wird erst das Geschlecht und dann der Name des Ehepartners erfragt. Wir werden ein Stück gleicher. Wir müssen umdenken. Und, oh Gott, das klingt doch furchtbar anstrengend.

Liebe CDU/CSU, ja es ist anstrengend, seine Meinung zu ändern, sich zu öffnen und umzudenken. Aber, ganz sicher, ist es diese Anstrengung wert. Gerade die Frau Bundeskanzlerin sollte das wissen. Und darum ist es wichtig, dass wir Artikel schreiben, Kolumnen und Kommentare, dass wir Unterschriften sammeln und offene Briefe veröffentlichen, so lange, bis wir genug genervt haben, bis das Umdenken da ist, bis endlich die Ehe für alle möglich ist.

Jung und schwanger

Der Trend ist ungebrochen. Immer mehr Frauen bekommen in späteren Jahren Kinder, wenn überhaupt. Das Statistische Bundesamt zeigt auf, dass 2010 100 von 1000 Frauen mit 31 Jahren Mutter wurden, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 97. Der Schnitt hat sich dabei nur um eine Nachkommastelle verschoben. 30,5 Jahre ist eine Frau demnach bei der Geburt ihres Kindes, wobei Erstgebärende in der Regel 28,9 Jahre alt sind. Viele von uns sehen den Trend in den eigenen Familien. Meine Großmutter wurde mit 19 zum ersten Mal Mutter, meine Mutter dann mit 28. Hätte ich also bis 37 warten sollen?

Zu früh? Nur wenige Frauen werden mit 20 Mutter (© Andreas-Zöllick / pixelio.de)

Habe ich nicht. Ich gehöre zu den 22 von 1000 Frauen, die mit 20 Mutter geworden sind. Damit bin ich eine gesellschaftliche Randerscheinung. Zu jung, um in den Augen vieler ernsthaft als Mutter wahrgenommen zu werden, zu alt, um als Teenie-Mama durchzugehen. Und auch jetzt, da mein Kind vier ist und ich mein zweites erwarte gehöre ich zu einer Minderheit in Sachen Geburtenstatistik. Dabei sind viele Reaktion allein deswegen weniger schlimm, da die Menschen in meiner Umgebung bereits wissen, dass ich schon ein Kind habe. Bei meinem ersten Kind war der Schock für viele groß. Für mich und meinen damaligen Freund, der heute mein Ehemann ist, allerdings nicht. Uns war klar, was passieren kann und so hatten wir nie einen „Was machen wir jetzt nur“- Moment. Wir haben uns von Anfang an gefreut.

Die Reaktionen in unserem Umfeld dagegen waren gespalten. Von Menschen, die dachten, das wäre eine totale Katastrophe, bis hin zu den Konservativen, die schon das Hochzeitsdatum festlegen wollten, gab es alles. Reaktionen, die eine „normale“ Schwangere nicht zu erwarten hat. Junge Schwangere müssen gegen einen Haufen Vorurteile ankämpfen und stehen immer in Gefahr, dass alles, was schief läuft, auf ihr Alter zurückgeführt wird. „Die ist doch selbst noch ein Kind“, heißt es da oder es gibt Aufregung, weil die Ausbildung ja noch gar nicht beendet ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sind hier klar verteilt. Dabei bietet eine junge Mutterschaft durchaus ihre Vorteile. Jung heißt eben nicht immer gleich zu jung. Und laut der Biologie ist etwa mit 24 für eine Frau das beste Alter erreicht, um schwanger zu werden.

Mal davon abgesehen, dass allein die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden mit zunehmendem Alter immer mehr abnimmt und die Gefahr von Genfehlern dagegen steigt, gibt es weitere Vorteile, die gern unter den Teppich gekehrt werden. Sei es, dass die Großeltern des Nachwuchses selbst noch fit und agil sind und so die Möglichkeit einer guten Beziehung besteht, die für das Kind von Vorteil sind. Sei es, dass manches Verständnis von den jungen Eltern kommt, da sie ihrer eigenen Kindheit näher sind. Doch wie immer sind das situationsabhänge Vorteile. Auf der anderen Seite gibt es vieles zu bedenken. Ist die Partnerschaft beispielsweise nicht gefestigt, bricht sie dann genauso kompliziert auseinander, wie eine Ehe nach 20 Jahren. Auch die Ausbildungssituation ist natürlich ein Faktor. Als Studentin bin ich flexibel, kann wählen welche, und wie viele Kurse ich belege, und werde unterstützt, wenn beispielsweise mein Kind krank ist. Eine Ausbildung ist nicht so leicht zu unterbrechen, wie mit einem Urlaubssemester das Studium. Auch die Wiederaufnahme danach ist schwieriger. Als Studentin dagegen hat die Karriere selbst noch nicht begonnen, wird also für das Kind auch nicht unterbrochen.

Dazu gehören zwei. Eine stabile Partnerschaft ist für ein Kind wichtig, egal ob die Mutter 20 oder 30 ist (© JMG / pixelio.de)

Dass die Meinungen hier gespalten sind, zeigt gerade, wie andere junge Menschen auf junge Schwangere, junge Mütter und junge Familien reagieren. Beliebte Aussage hier ist: „Also ist könnte mir das nicht vorstellen“. Die Angst, irgendwie in Freiheiten beschnitten zu werden ist natürlich nicht unberechtigt. Ich persönlich hatte dagegen noch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges wegen meines Kindes verpasst zu haben. Stattdessen höre ich jeden Tag „Mama, ich hab dich ja so lieb“, worauf ich nicht verzichten wollte. Die persönliche Einstellung macht hier wie immer den Unterschied. Manche Frauen sind früh bereit, Mutter zu werden und schlüpfen dann mit Leichtigkeit in diese Rolle, andere haben auch mit 30 noch Probleme mit der Vorstellung. Das kann sich aber schnell ändern. Erst gestern haben sich mir gegenüber im Zug zwei junge Frauen um die 22 unterhalten. „Also, vor einem Jahr hab ich noch gesagt, ich könnte mir das nie vorstellen, jetzt ein Kind zu bekommen. Und jetzt denk ich, wenn ich den richtigen Mann hätte, wäre das schon schön“.

Das Problem der Diskriminierung junger Mütter liegt vor allem an der gesellschaftlichen Norm. Viele Frauen bekommen erst nach ihrem 30ten Lebensjahr ihr erstes Kind. Aber eben nicht alle. Und viele Frauen, die früh Mutter werden, sind keineswegs schlechte Mütter, sondern eben mindestens genauso fähig. Zu der persönlichen Entscheidung, wann es für ein Kind die beste Zeit ist, fällt aber die Reaktion der Umwelt als Punkt mit Sicherheit auf. In meinem Fall habe ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und hatte es auch nie. Ich bin gern Mutter und ich bin gerne jung. Wer sagt, dass nicht beides geht?

Vorschau: Nächste Woche lüftet Sascha, wie sehr wir doch am Aberglaube hängen und schon kleine Rituale und Ängste unser Leben beeinflussen.

Zusammenziehen – ja/nein/vielleicht?

Von links: Florian Büttner, Jule Frölich, Elvira Wilms, Sabrina Kuhn und Tobias Kloster (Fotos: privat)

„Liebe ist zwei Wohnungen gegen eine zu tauschen“ – so heißt es in einem von vielen „Liebe ist“-Sprüchen aus der berühmten Cartoon-Reihe von Kim Casali. Die Realität zeigt aber, dass sich heutzutage viele Paare noch nicht reif für den großen Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft fühlen. Vor allem müssen gewisse Kriterien vorher erfüllt sein, damit die Entscheidung eines Zusammenzugs denkbar ist. Dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt, sind sich die meisten einig. Es stellt sich nun die Frage, ab wann eine Beziehung bereit für den Zusammenzug ist. Face2Face hat sich an diese Frage gewagt und dazu fünf junge Menschen befragt.

„Natürlich ist der Zusammenzug etwas Besonderes, es markiert den Höhepunkt in der Beziehung und man möchte jede Nacht zusammen sein“, findet der 22-jährige Student Florian Büttner. Obwohl er selbst noch nie mit dem Gedanken gespielt habe, sei ein solcher Schritt nur dann möglich, wenn sich beide blind verstehen und dazu noch die finanziellen Mittel besitzen. Wichtig sei vor allem, dass man nicht in die Wohnung des anderen ziehe, sondern gemeinsam eine suche. Der 22-Jährige befürchtet nämlich, dass es sonst zu Streitigkeiten komme, da der zugezogene Partner sich zu stark anpassen müsse. Auf die Frage, was absolute No-Gos beim Zusammenleben wären, antwortet er: „Wenn der Partner nicht putzen kann und sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt.“ Bei dem Gedanken „Zusammenzuziehen“ habe Büttner besondere Bedenken in Bezug auf die Harmonie einer Beziehung. Diese könne aufgrund von verschiedenen Ansprüchen und Geschmäckern, wie zum Beispiel die Einrichtung der Wohnung, leiden. Dennoch verbinde er mit diesem Schritt die gemeinsame Zukunftsplanung und ein eigenes Zuhause.

Auch Jule Frölich hat sich bisher keine ernsthaften Gedanken darüber gemacht. Allerdings sehe sie die Option „Zusammenzug“ als eine praktische und machbare Sache an, wie sie Face2Face berichtet. Schließlich würden ihr Partner und sie keine Termine für ein Wiedersehen mehr machen müssen, da sie sich beispielsweise abends noch Zeit füreinander nehmen könnten. Für die 19-jährige FSJ-lerin sei dies ein besonderer und gewaltiger Schritt in eine ernsthafte Langzeitbeziehung. „Entweder es klappt und man bleibt beieinander wohnen oder es klappt eben nicht“, äußert sie sich dazu. Eine Dramaqueenbeziehung sei für sie keine Grundlage dafür. Im Gegenteil, die Partner müssen sich ihrer Meinung nach gut verstehen, finanziell auf einen Nenner kommen und weitestgehend gleichberechtigt sein. Frölich vermutet, dass der Haushalt letzten Endes doch an der Frau hängen bleiben würde und das wolle sie auf keinen Fall. „Schon klar, man kann nicht über jede Kleinigkeit diskutieren, um am Ende auf eine gerechte Lösung zu kommen, aber grundsätzlich und im alltäglichen Leben sollte Gleichberechtigung herrschen.“ Ausgeschlossen sei ein „Zusammenzug“, wenn der Partner unmotiviert sei und nicht aktiv am gemeinsamen Leben teilnehmen möchte. Wann eine Beziehung reif dafür sei, ließe sich für die 19-Jährige nur schwer sagen. Großes Vertrauen und eine Mindestdauer von einem Jahr Beziehung sollten jedoch bestehen. Allerdings möchte sie sich darauf nicht festlegen, da zahlreiche Gründe, wie zum Beispiel beruflicher oder familiärer Art, mit in die Entscheidung fließen. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist meiner Meinung nach, dass die Alltagsroutine die Liebe erstickt.“

Im Vergleich dazu hat Elvira Wilms bereits an das „Zusammenziehen“ gedacht. Das Thema Sicherheit ist ihr sehr wichtig. Daher seien eine langjährige Beziehung und Kompromissbereitschaft die Voraussetzung dafür. Zugleich müsse es finanziell stimmen – ein fester Arbeitsvertrag sei daher grundlegend. Besonders wichtig sei für die 22-jährige Fachangestellte für Bürokommunikation ein Zimmer, in dem sie sich zurückziehen könne. „Sollte dies nicht gegeben sein, wird ein Zusammenzug sehr schwierig werden“, so Wilms. In ihrem Umfeld habe sie Paare gesehen, die nach drei Monaten Beziehung diesen Schritt gewagt und sich dann getrennt haben, weil es ihrer Meinung nach zu früh war. Für die 22-Jährige ist das Zusammenziehen mit ihrem Partner schon gleichbedeutend mit Heirat, denn „immerhin sieht man dann den Partner jeden Tag und muss mit seinen Macken zurechtkommen.“ Außer der Angst sich auf die Nerven zu gehen, habe Wilms im Großen und Ganzen keine Bedenken. „Ich wünsche mir, dass mit dem Zusammenzug ein Anfang für eine gemeinsame Zukunft geschaffen werden kann. Die Beziehung sollte nicht einschlafen, sondern mit dem Zusammenzug trotzdem wachsen“, so die 22-Jährige im Gespräch mit Face2Face.

Erst in ihrer jetzigen Beziehung kam das „Zusammenziehen“ für die 23-jährige Sabrina Kuhn in Frage. Sie hätte von Beginn an mit dem Gedanken gespielt und es letztendlich nach vier Monaten Beziehung durchgezogen. Absolute Ehrlichkeit und Vertrauen seien für die Studentin und Angestellte bei der Drogerie Müller unverzichtbar. Die Bereitschaft eines „Zusammenzugs“ zeige sich darin, dass man nicht ohne den Partner aufwachen möchte und sich auf einen gemeinsamen Alltag freue. Auch wenn eine Beziehung schon Jahre dauere und man die Ticks des anderen kenne, hieße das für Kuhn noch lange nicht, dass ein „Zusammenleben“ funktionieren würde. Ansonsten hätte die 23-Jährige auf ihr Bauchgefühl gehört und sei der Meinung, „dass man es einfach weiß, wenn man soweit ist, diesen Schritt zu gehen.“ Unehrlichkeit und Misstrauen sprechen ihrer Meinung nach gegen eine gemeinsame Wohnung – ebenso wie wirtschaftliche Differenzen der Partner. Schließlich führe das zur finanziellen Abhängigkeit und könne viele Komplikationen verursachen. Etwas Gewöhnliches sei der „Zusammenzug“ für Kuhn keinesfalls, denn ab diesem Zeitpunkt teile man alles mit seinem Partner. Einen Rückzugsort gebe es ihrer Ansicht nach nicht im gemeinsamen Haushalt, da man sich dem Partner praktisch voll und ganz öffne. „Das ist auch eine gewisse Prüfung für die Beziehung“, ist sich die junge Frau bewusst. Obwohl Kuhn sich recht früh sicher war, habe sie auch Bedenken gehabt, was den Zusammenzug mit ihrem Partner betraf. Vor allem, ob sie sich ihm vollkommen öffnen könne. Weiterhin habe sie befürchtete in punkto Haushalt und Ordnung, sowie beim Geschmack in Bezug auf die Dekoration dem Partner nicht gerecht zu werden. Glücklicherweise haben sich diese Bedenken nicht bestätigt, denn derzeit sind die 23-Jährige und ihr Partner an einem Hausbau tätig. Für die Zukunft habe sie den Wunsch, weiterhin eine harmonische Beziehung zu führen und ein ganzes Leben vereint zu sein. Abschließend äußert sie: „Heiraten kann jeder, aber es zu schaffen, jahrelang zusammenzuwohnen, das ist mehr wert.“

Keine einfache Frage: Willst du mit mir zusammenziehen? (Foto: Sharifi)

Zu Beginn sollte man sich vergewissern, dass ein „Zusammenzug“ eine langfristig und ernst gemeinte Sache sei, findet Tobias Kloster. Der 21-jährige Student legt viel Wert auf einen ähnlichen, aber nicht gleichen Musikgeschmack, denn sonst könne es irgendwann öde werde. Mangelnde Hygiene, die Farbe Rosa und Kompromisslosigkeit wie zum Beispiel der Verzicht auf schlechte Musik oder Castingshows, die das Fernsehprogramm bestimmen, seien kontraproduktiv. Obwohl er der Ansicht ist, dass eine Beziehung nie reif für den Schritt in die gemeinsame Zukunft sei, sehe er es durchaus als etwas Besonderes an. Zum Thema Bedenken offenbart er: „Bedenken kaum, eher Angst, dass es nicht funktioniert, die Partner sich hassen und sich auf der Straße nicht mehr ansehen.“ Selbstverständlich hofft der 21-järige Student, der gerade mit seiner Freundin in eine Wohnung gezogen ist, „dass es so nie wird natürlich.“

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Fernbeziehungen – fernes Glück oder nahes Risiko?

Von links: Robert Tessmann, Vanessa R., Stefan S., Nicole Wawro (Fotos: privat)

Eine kurze Autofahrt, eine lange Zugfahrt oder gar eine Reise mit dem Flugzeug – Fernbeziehungen bedeuten mehr Aufwand, um den Partner wiederzusehen. Ein Aufwand, der sich durchaus lohnt. Dennoch sehen sich die Beteiligten neben Sehnsucht und Einsamkeit oft mit Fragen nach Vertrauen und Treue konfrontiert. Wie man dies alles meistern kann und trotz Entfernung eine glückliche Beziehung führt, verraten vier Frauen und Männer mit ihren ganz eigenen Erfahrungen in der Fernbeziehungs-Umfrage.

Regelmäßiger, wenn auch kurzer Kontakt, ist für den Stuttgarter Robert Tessmann das A und O einer funktionierenden Fernbeziehung. Der Kinder- und Jugendheimerzieher ist erst eineinhalb Monate mit seiner Freundin aus Paderborn zusammen und freut sich bei jedem Wiedersehen „auf ihre Stimme, ihre zarte Haut und die sanft geschwungenen Gesichtszüge“. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Berufsausbildungsseminar – und sie lernen sich trotz 400 Kilometer Distanz besser kennen, „indem man über alles redet, und sei es auch nur das Mittagessen“. Schließlich kann der andere nicht am gewohnten Alltag teilhaben. „Fotos anschauen, sich an das letzte Treffen erinnern, eine SMS schreiben oder kurz telefonieren“ sind seine Mittel gegen aufkommende Sehnsucht.

Die 23-Jährige Vanessa R. vertraut ihrer Partnerin trotz der 90 Kilometer zwischen Bad Dürkheim und Mainz voll und ganz: „Wenn man sich nur alle paar Wochen sehen kann, muss man einander vertrauen können“. Fremdgehen ist daher für sie gar kein Thema. Trotz dreijähriger Beziehung telefonieren die Liebenden jeden Tag. Denn die Telefonate und die Vorfreude auf das nächste Treffen helfen der Autorin, die Trennungszeit zu überbrücken.
Dennoch ist sich Vanessa der Nachteile einer Fernbeziehung bewusst: „Nicht jeder ist dafür geschaffen. Man kann sich nicht spontan sehen, wenn es einem schlecht geht, kann man nicht in den Arm genommen werden. Treffen sind immer Wochen im Voraus geplant. Man kann sich nicht immer erreichen, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt.“
Selbst der Wechsel von einer Fernbeziehung zu einer normalen kann sich dabei als schwierig erweisen, gibt die Studentin zu bedenken: „Wenn man gewohnt ist, sich nur zeitlich begrenzt zu sehen, ist es vielleicht schwer, jetzt auf engerem Raum zusammen zu sein. Man fühlt sich dann erst einmal bedrängt und in seiner Freiheit beschnitten.“

Auch Stefan S. aus Ainring kennt die Probleme, die dabei aufkommen können: „Die Entfernung erschwert es, sich tiefergehend kennenzulernen. Man kennt die Macken des anderen erst, wenn man länger zusammen wohnt oder sich ständig sieht. Wenn die Beziehung und die Gefühle aber stark genug sind kann man auch das trotz einiger Reibereien meistern“. Auch wenn für den 28-Jährigen IT-Administrator eine Fernbeziehung von 700 Kilometern zwischen Ainring und Berlin kein Dauerzustand ist, hängt für ihn der Erfolg vom gegenseitigen Verständnis beider Partner ab: „Die Chancen einer Beziehung hängen nicht von der Entfernung ab, sondern davon, wie viel jeder bereit ist in die Beziehung zu investieren.“

Erst seit einigen Wochen führt Nicole Wawro mit ihrem Freund eine Kurzzeit-Fernbeziehung zwischen Singapur und Deutschland. Aufgeben kommt für die Studentin aber nicht in Frage: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Ihr Rezept für eine glückliche Fernbeziehung heißt dabei Vertrauen und Kommunikation: „Übertreiben sollte man es bei dem Kontakt aber auch nicht“, da sich der Partner sonst eingeengt und kontrolliert fühlen könnte.
Von einem Tag auf den anderen über 10.000 Kilometer voneinander entfernt, musste sich Wawro erst in die Fernbeziehung einleben: „Es war zunächst ungewohnt, wieder mit so viel Freizeit klarzukommen. Die ersten Tage habe ich mich sehr gelangweilt. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, meinen alten Hobbys nachzugehen Außerdem unternehme ich viel mit Freunden“. So könne das Gefühl von Einsamkeit erst gar nicht aufkommen.
Trotz getrenntem Umfeld und neuen Erlebnissen, die der Partner nicht miterleben kann, sieht die 22-Jährige in einer Fernbeziehung eine Chance „an den Veränderungen teilzuhaben und mit dem anderen mitzuwachsen“. Dies sei das Geheimnis, sich nicht auseinanderzuleben. Falls die Sehnsucht einen übermannen sollte, hat Nicole auch dafür einen Tipp: „Ich habe mal ein Kissen gesehen, das aussah wie ein Oberkörper mit Arm. Man konnte dem Kissen dann ein T-Shirt vom Partner anziehen und dann mit dem Kissen kuscheln. Das ist doch eine lustige, nette Idee“.

Vorschau: Passend zur ungemütlich-kalten Jahreszeit gibt es nächste Woche drei Tipps gegen Schnupfen und Erkältung.

Beziehungen in Frischhaltefolie – die große Beziehungsumfrage

Von Links: Wolfgang Löffler, Matthias Wissing und Freundin, Ole Gerriets, Monika Blasczyk (Fotos: privat)

„Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ – Mit diesen Worten charakterisiert die Kunstfigur Evje van Dampen (Hape Kerkeling) eine harmonische Beziehung – und das nicht zu Unrecht! Da Beziehungen schließlich nicht in Frischhaltefolie gepackt werden können, benötigt es gelegentlich an einer großen Portion Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen, um zu erkennen, was dem Partner oder einem selbst gerade fehlt. Damit das Glück auch lange anhält, geben vier Frauen und Männer aus der Republik ihre ganz individuellen Beziehungstipps.

„In einer guten Beziehung passen zwei Menschen so zu einander, wie sie sind – ohne sich verrenken oder verleugnen zu müssen“, urteilt der Langzeit-Single Wolfgang Löffler. In seiner letzten Beziehung, die vier Jahre anhielt, hat er dabei viel darüber gelernt, wie man eine Partnerschaft lange jung hält: „Mann sollte sich immer mal wieder frisch in seine Partnerin verlieben, sie von Neuem verführen und vernaschen. Die Beziehung darf nicht zur Routine werden, sondern sollte ein aufregendes Abenteuer bleiben, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt“. Genauso abenteuerlich war deshalb der spontane Ausflug der beiden – ein dreiwöchiger Zelt-Trip durch Norwegen. Nicht nur Abenteuerlust innerhalb der Beziehung, sondern auch die „Bereitschaft, sich geistig und körperlich fit zu halten“, seien auf Dauer von Vorteil. Streitigkeiten seien für den 44-Jährigen kein Grund, eine Beziehung zu beenden: „Streit muss durchaus auch mal sein. Nur sollte man nicht nachtragend sein. Und nach dem Streit ist Kuscheln Pflicht.“

Nach einem Discobesuch hätten sich ihre Wege gekreuzt, berichtet Matthias Wissing von der ersten Begegnung mit seiner Partnerin. Der 21-jährige Auszubildende ist seit acht Monaten in einer Beziehung und  schätzt an ihr die offene und zuvorkommende Art. Außerdem fügt er hinzu: „Ich finde es toll, dass sie mir immer ehrlich sagt, was sie denkt und was sie stört“. Um sie zu überraschen, besuche er sie spontan bei ihrer Arbeit und warte dort auf sie, um sie nach Hause zu begleiten.  Er liebe es zu sehen, wie sie sich über solche Kleinigkeiten freut, denn genau das ist es, was für ihn eine gute Beziehung ausmacht, erklärt er. „Man sollte sich lieben und die Zeit miteinander genießen“, lautet seine Beziehungs-Maxime.
Um die Beziehung frisch zu halten und Routine zu vermeiden rät Wissing, spontan zu sein. Außerdem sollte man in jeder Lebenslage für seinen Partner da sein und ihn oder sie unterstützen. „Liebesbeweise“ – kleine oder auch  große Überraschungen – sorgen seiner Meinung nach dafür, dass die Beziehung gar nicht erst zur Routine wird.

Ähnlich sieht das auch Ole Gerriets. Er findet, dass man einander zuhören und sich die Fähigkeit bewahren sollte, „den Partner immer wieder mit kleinen Dingen und Gesten zu überraschen“. Der 38-jährige Gymnasiallehrer lernte seine zukünftige Gattin während seines Referendariats 1999 kennen, ein Jahr später waren sie ein Paar und 2004 gingen sie den Bund der Ehe ein. Heute sind sie bereits sieben Jahre verheiratet. Auf die Frage wie man trotz Beziehungs-Routine interessant für den Partner bleibt, antwortet er: „Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht so viele Gedanken gemacht. Aber ich denke, dass kleine Liebesbeweise im Alltag helfen können, das Interesse wach zu halten“.
Er schätzt an seiner Partnerin ihre Zielstrebigkeit, ihre Empathie- und Begeisterungsfähigkeit und ihre Direktheit. Mit seiner Liebsten geht er gern auf Reisen. Als Paar seien sie sehr aktiv, suchen sich immer wieder die sportliche Herausforderung beim Wandern und Radfahren. Den Grundstein ihrer Beziehung bilde gegenseitige Akzeptanz, meint Gerriets. Desweiteren herrscht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freiraum und gemeinsamer Zeit.  Dennoch sollte man mehr verbindende als trennende Hobbys und Interessen haben, findet Gerriets. Das Wichtigste für ihn: „Miteinander lachen und den Partner zum Lachen bringen kann.“

Monika Blasczyk steckt aktuell in ihrer bisher längsten Beziehung. „Wir sind dieses Jahr sieben Jahre zusammen“, berichtet sie. Kennen und lieben gelernt hätten sie sich in der neunten Klasse. Blasczyk findet, dass sie mit 15 und 16 noch sehr jung gewesen seien – dennoch würde es „einfach passen“. Sie habe mit ihrem Partner eine tiefe freundschaftliche Verbindung, sowie gegenseitiges Verständnis in allen Lebenslagen, sagt sie. Die 21-jährige Studentin beschreibt ihren Partner als verständnisvoll, lustig und ausgeglichen.
Es fällt Blasczyk nicht leicht, sich für einen Moment zu entscheiden, den sie als außerordentlich schön hielt, doch der gemeinsame Aufenthalt in den USA und insbesondere der Gedanke zusammen mit ihrem Partner das Gefühl zu erleben, auf dem Times Square zu stehen, blieb ihr in Erinnerung.
Eine Art „Rezept“ für eine gute Beziehung gebe es nicht, so die Studentin. Mit einer guten Basis aus Ehrlichkeit und Vertrauen ließe sich schon viel erreichen, doch die Gestaltung der Beziehung obliege dem Einzelnen. Selbst befolge sie keine Tipps, um sich interessant zu machen,  doch gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel zusammen kochen oder eine Sportart zu betreiben, stärke die Beziehung. Dennoch könne man nicht jeden Tag den Alltag neu erfinden, deshalb denkt sie: „Wenn es wahre Liebe ist, sind die Partner immer interessant füreinander.“
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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Gülcin Onat und Melanie Denzinger.
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Vorschau: Nächsten Sonntag lest ihr an dieser Stelle eine Zusammenfassung natürlicher Mittel gegen Blasenentzündung.