Sechs Monate Frankreich: From Paris with Love

Am 14. Juli: Der Eiffelturm während des Nationalfeiertags. (Foto: Marjolaine Champagne)

Am 14. Juli: Der Eiffelturm während des Nationalfeiertags. (Foto: Marjolaine Champagne)

Ich wagte das Abenteuer und begab mich sechs Monate in die Stadt der Liebe und Köstlichkeiten: Paris. Ein halbes Jahr sagte ich Frankfurt „Goodbye“ und machte mich auf in die meistbesuchte Stadt Europas. Mit 12 Millionen Bewohnern ist Paris das Zentrum Frankreichs – sowohl ökonomisch als auch kulturell. Ob das Musée du Louvre, L’arc de Triomphe, die Basilique du Sacré Coeur oder der berühmtberüchtigte Eiffelturm: All diese gigantischen Gebilde sah ich nun jeden Tag. Ob auf dem Weg in die Uni, auf dem Nachhauseweg, wenn ich mich mit Freunden traf und einfach das Pariser Leben genoss. Nach ein paar Tagen hatte ich mich durch den französischen bürokratischen Universitätsdschungel gekämpft und erste Freunde gefunden. In einer Metropole wie Paris mit zwölf Universitäten findet sich schnell Anschluss zu anderen Erasmus-Studenten, was schon nach kurzer Zeit eine Art Heimatgefühl aufkommen lässt. Als ich im Juli letzten Jahres meine ersten Schritte in Paris machte, durfte ich direkt den Nationalfeiertag am 14. Juli miterleben. Militäraufmarsch, ein Konzert und beeindruckendes Feuerwerk direkt am Eiffelturm. Ganze acht Stunden saß ich auf einer Picknickdecke auf dem Champs de Mars und sicherte mir damit einer der besten Plätze für das Feuerwerk am Abend – und es hat sich gelohnt!

Durch die vielen Studenten und jungen Menschen ist es in einer Stadt wie Paris nicht einfach (und vor allem sehr teuer!) ein kleines, bezahlbares Studio zu finden. Ich wurde fündig und für schlappe 520 Euro konnte ich zehn Quadratmeter inklusive Badezimmer im Westen von Paris mein Eigen nennen.
Ob laue Sommerabend an der Seine, ausgelassene Partyabende oder ein gemütliches

Bei strahlendem Sonnenschein: Der L'arc de Triomphe. (Foto: Isabelle Hohmann)

Bei strahlendem Sonnenschein: Der L’arc de Triomphe. (Foto: Isabelle Hohmann)

Abendessen: Mit meiner neuen (überwiegend deutschen) Clique verbrachte ich viel Zeit und innerhalb von kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen. Wahrscheinlich ist diese kurze, begrenzte Zeit das, was ein Erasmus-Aufenthalt ausmacht: Man genießt jede Sekunde, denkt nicht an morgen und erlebt alles mit neuen Augen.
Diese Ausgelassenheit wurde einem fast wie der Boden unter den Füßen weggerissen, als im November bei den Attentaten in Paris 130 Menschen ihr Leben verloren. Die sonst so lebendige, aufbrausende Stadt war am darauffolgenden Wochenende und Montag fast wie leergefegt. In meiner ganzen Zeit in Paris habe ich die Stadt und Metro nie so leer gesehen. Ich wurde achtsamer, am Universitätsgebäude wurden Taschenkontrollen durchgeführt. Aber eins stand für mich fest: Ich werde mich nicht unterkriegen lassen!
Ich wollte nicht nur Paris sehen, ich fuhr in die wunderschöne Normandie, besuchte im Dezember ein Konzert in Lille und reiste zum Abschluss meines Aufenthalts in Frankreich an die Côte

Atemberaubend: Die Basilique du Sacré Coeur. (Foto: Marjolaine Champagne)

Atemberaubend: Die Basilique du Sacré Coeur. (Foto: Marjolaine Champagne)

d’Azur: Monaco, Nizza, Montpellier ließen mich eine andere Seite von Frankreich kennenlernen. Der hektische Alltag in Paris war weit weg, das Meer schlug gegen die Felsen und die Yachten in Monte Carlo warteten auf die Weiterfahrt. Ich verabschiedete mich (vorerst) von Frankreich und wusste zugleich, dass es mich irgendwann hierherziehen wird: An das wohl schönste Fleckchen Europas.

Vorschau: Im Mai entführen wir euch in das kleine hessische Städtchen Marburg- seid gespannt!

Janet Jackson ist „unbreakable“

Unbreakable“ ist die siebte Welttournee von Sängerin Janet Jackson, mit dem die jüngere Schwester von King of Pop“ Michael Jackson ihr gleichnahmiges, elftes Studioalbum promotet.

Bereits im August 2014 bestätigte Produzent Ian Cross die Arbeit und die geplante Welttour für 2015 und 2016. Cross arbeitete an den letzten drei Alben mit und bestätigte zuerst dem Barfoot Sound Magazine“ die Arbeit in den Studios in Katar, Paris und dem mittleren Osten.

Janet tourt nun seit dem 31. August 2015 durch die Vereinigten Staaten und kommt für vier Konzerte im April 2016 auch nach Deutschland. Hier wird sie ihr Set über 23 Songs in Hamburg, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Berlin performen. Darunter finden sich einige ältere Klassiker wie Scream“, Rhythm Nation“ und If“.

Die bisherigen Kritiken ihrer Konzerte, unter anderem in der The New York Times“ und dem E!“ Magazine sind sehr gut. Janet kann definitiv an frühere Erfolge anknüpfen und bringt dennoch frischen Wind in ihre alten Werke, wie mit Burn it up“, einem Song, den sie mit Missy Disdemeanor Elliot aufnahm, die ebenfalls in diesem Jahr ein erfolgreiches Comeback feiert.

Bis zum 29. Juni 2016 gibt sie insgesamt 111 Konzerte; 88 in Nordamerika, drei in Asien und 20 in Europa. Tickets für die Shows in Deutschland bekommt ihr hier.

Vorschau: Am 9. Januar 2016 erwartet euch ein Gastbeitrag.

Fußball in Zeiten des Terrors

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Je nach Medienangaben sind zwischen 130 und 135 Menschen gestorben, rund 350 Menschen wurden verletzt. Der „Islamische Staat“ hat sich zu den Anschlägen in Paris bekannt.

Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft war indirekt betroffen, denn sie spielten an diesem denkwürdigen 13. November im Stade-de-France gegen die französische Nationalmannschaft. Auch das Stadion war Ziel der Attentäter.

Dass den knapp 80.000 fußballbegeisterten Menschen nichts passiert ist, ist
großes Glück. Während des Spiels konnte man deutlich mehrere Detonationen hören, selbst am Fernseher. Tom Bartels, der Kommentator der ARD, die das Spiel live übertrug, kommentierte das Spiel infolge der durchsickernden Informationen sichtlich erschüttert weiter, aber er kommentierte eben weiter. Kurz wurde überlegt das Spiel nicht wieder anzupfeifen, aber um eine Massenpanik zu verhindern, wurde dann doch davon abgesehen. In der Nachbetrachtung war das die richtige Entscheidung. Nach dem Abpfiff sickerten dann Informationen zu den Zuschauern im Stadion durch, was schließlich zu den uns allen bekannten Fernsehbildern sorgte, die zeigen, wie Menschenmassen auf das Spielfeld des Stade-de-France strömen. Auf den heiligen Rasen, auf dem in weniger als einem Jahr die Europameisterschaft 2016 beendet werden soll.

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Vier Tage später sollte der Fußballklassiker Deutschland gegen die Niederlande in Hannover ein Spiel auch für die Franzosen werden, die zeitversetzt ihr Testspiel gegen die Engländer im altehrwürdigen Wembley-Stadion antraten. Vereint sangen Franzosen und Engländer dort die Marseillaise, die Nationalhymne Frankreichs. Das Stadion war in blau – weiß – rot gehalten, es zeigte über dem Eingang die Worte Liberté, Égalité und Fraternité – Einheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – den Wahlspruch der französischen Revolution und der heutigen Französischen Republik. Doch das Spiel in Hannover musste eine Stunde vor Anpfiff aufgrund von konkreter Terrorwarnungen abgesagt werden. Der Terror scheint nun auch in Deutschland angekommen zu sein.

„Bist du denn wahnsinnig?“
Ob ich denn wahnsinnig sei, fragte mich meine Mutter, als ich ihr eröffnete trotz der Ereignisse unbedingt am Wochenende ins Stadion zu wollen. Menschenmassen solle man meiden, heißt es in den Tagen nach den Anschlägen. Super. Und ich muss einen Tag später, am 14. November in den Hauptbahnhof Hannover, um von dort wieder in meine süße kleine Universitätsstadt Marburg zu fahren. Aber es passiert nichts. Es laufen mehr Bundespolizisten durch den Hauptbahnhof, das fällt auf. Vielleicht ist es ein wenig zynisch, aber ich fühle mich sicher(er).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Dann Donnerstag. 26. November. 13 Tage nach Paris. Die Sicherheitskontrollen vor dem Spiel des FC Schalke 04 gegen Apoel FC in der Gruppenphase der Europa Leauge sind schärfer als sonst. Es ist schon dunkel, als wir gegen 17:45 Uhr am Stadiongelände ankommen. Auf dem Weg zum Stadion hin bin ich aufgeregt. Aber nicht, weil ich Angst vor einem Terroranschlag habe, nein, ganz im Gegenteil. Ich freue mich einfach auf ein hoffentlich packendes, mitreißendes Fußballspiel. Doch bevor wir in das Stadion hinein gehen können, werden mein Begleiter und ich abgetastet. Gründlicher als sonst. In meine Tasche wird hineingeleuchtet, sie wird nicht wie sonst einfach nur abgetastet. „Sicherheitsvorkehrung“ sagt die zierliche Frau, die nach meiner Taschenkontrolle auch meinen Körper abtasten darf. Den tollsten Job hat sie tatsächlich nicht.

18:30 Uhr. Noch eine halbe Stunde bis Anpfiff. Der Stadionsprecher verliest die Charta der UEFA Europa League gegen Rassismus. Immer wieder läuft auch der Fernsehspot „No to Racism“ auf dem großen Videowürfel in der Veltins-Arena. Der Text, der sich gegen Rassismus positioniert, aber auch sexistisches Verhalten verurteilt, wird auch auf Griechisch vorgelesen, da es sich bei dem Gegner Apoel FC um eine Mannschaft aus Zypern handelt.

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Fernab des Spielgeschehens (der FC Schalke 04 vergibt sehr viele Chancen, gewinnt aber glücklich 1:0) habe ich nie das Gefühl mich in einer Gefahrenlage zu befinden. Dabei sind über 43.000 Menschen im Stadion. Angst hat als Besucher nichts bei einem Fußballspiel zu suchen. Nicht beim Stadionbesuch. Oder im alltäglichen Leben. Denn Angst lähmt nur unsere Gesellschaft.

Abenteuer Erasmus: Mein Leben in Paris

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Es ist soweit! Ab dem 1. September werde ich ein Jahr lang in Paris leben und studieren. Neue Sprache, neue Leute, neue Kultur, neues Leben: Auf Face2Face werde ich alle vier Wochen von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten und euch auf dem Laufenden halten.

Heute: Erasmus-Bewerbung und Wohnungssuche

Vor knapp vier Wochen, am 19. Juli, habe ich mein Studenten-Leben in Frankfurt hinter mir gelassen und ein neues Abenteuer gewagt: Ein Jahr in der Stadt der Liebe, ein Jahr in Paris!
Im Rahmen meines Studiums verbringe ich zwei Semester an einer der zwölf Universitäten in Paris, möglich macht`s Erasmus. Nach langwierigem Bewerbungsverfahren hielt ich endlich die Bestätigung in meinen Händen: Vom 1. September 2015 bis zum 31. Mai 2016 bin ich Studentin in der Metropole Paris. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es in meinem Studienfach nur zwei Bewerber gab, sodass meine Chancen von Anfang an sehr gut standen. Ihr solltet euch also generell nicht davor scheuen, euch zu bewerben, auch wenn der Bewerbungsprozess seine Zeit dauert – am Ende lohnt sich der Aufwand!

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Finanziell unterstützt werde ich durch mein Erasmus-Stipendium. Wie viel man monatlich erhält, hängt von dem jeweiligen Land ab. Die Zielländer sind in drei Kategorien unterteilt, wobei Gruppe 1 (z.B. Dänemark, Italien, Irland, Frankreich) den Höchstsatz von 330 Euro erhält, Gruppe 2 (z.B. Belgien, Griechenland, Niederlande, Spanien, Türkei etc.) 270 Euro und  Gruppe 3 (Bulgarien, Litauen, Polen, Ungarn etc.) 210 Euro.

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Mir wird schnell klar, warum Frankreich zu den teuersten Ländern gehört: Die Mieten in Paris sind immens hoch. Nach einigen Wohnungsbesichtigungen habe ich mich für ein kleines Studio im 16. Arrondissement in Paris entschieden, welches im Westen liegt. 510 Euro für elf Quadratmeter – aber wenigsten mit eigenem Bad.
Ein eigenes Bad ist bei den kleinen Apartments keine Selbstverständlichkeit. Oft befinden sich Duschen und Toiletten auf dem Gang und man muss sich diese mit ein paar anderen teilen. Für mich war relativ schnell klar, dass ich mein eigenes Bad haben möchte – so viel Komfort muss sein.
In Frankfurt wohnte ich bei meiner Mutter im Herzen der Stadt – 22 Quadratmeter durfte ich mein eigen nennen. Nun hieß es also, mein Hab und Gut in elf Quadratmeter unterzubringen – da muss man natürlich Abstriche machen. Welche Klamotten brauche ich wirklich (zuhause hatte ich zwei Kleiderschränke – einen für den Sommer, einen für den Winter!)? Welche Schuhe trage ich am meisten (bei knapp 30 Paar Schuhen keine leichte Wahl)? Ich weiß nicht genau wie, aber ich habe es nach qualvollen Stunden geschafft, mich für die wichtigsten Dinge zu entscheiden. Und habe tatsächlich alles in meinem neuen kleinen Heim untergebracht!

Am 22. September berichte ich von meinen ersten Schritten in Paris und meinen ersten drei Wochen an der Uni!

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in die Party-Hochburg Rimini!

Rap und Hip-Hop aus Frankreich

Spätestens 1998, als keine geringere als Missy Misdemeanor Elliot mit Timabaland und Nicole Wray für ihre Hitsingle „All in my grill“ den französischen Rapper MC Solaar featurte, hatten französisch-sprachiger Rap und Hip-Hop auch international ihren Durchbruch erlangt.

Bereits in den 1980er Jahren bildeten sich die ersten Gruppen. Diese waren stark an US-Vorbildern orientiert. Hip-Hop und Rap wurden als Modewelle wahrgenommen, die schnell verebbten. Erst seit den frühen 1990ern gibt es wieder eine eigene Szene, die sich stärker von den USA absetzt und in Frankreich hauptsächlich in den Banlieues, den französischen Vorstädten und Stadträndern, verwurzelt ist.

1990 erschien der erste Rap-Sampler Rapattitude in einer größeren Auflage und wurde insgesamt 40.000 mal verkauft. MC Solaar und IAM waren die ersten erfolgreichen Rapper.

MC Solaar war ebenfalls der erste Rapper, der 1992 den nationalen Musikpreis „Victoire de la musique“ erhielt. Die Szene orientiert sich heute an künstlerischen Polen wie Suprême NTM im Pariser Norden oder 500 One im Pariser Süden. Wichtige Zentren der Szene sind Paris (Suprême NTM, La Cliqua), Marseille (IAM), Toulouse (KDD), Strasbourg (NAP) oder die Bretagne (Manau).

Die Szene und auch die meisten Gruppen sind im Gegensatz zu den US-amerikanischen Vorbildern absichtlich multikulturell und nicht ethnisch festgelegt. Sie selbst betiteln sich oft als Black-Blanc-Beur-Gruppen. Black für die Schwarzen, Blanc für die Weißen und Beur für die Araber aus dem Maghreb. Dennoch sind heutzutage die größten französischen Rap-Künstler meist Farbige mit Migrationshintergrund aus Nord- und Westafrika sowie den französischen Überseegebieten DOM und TOM; Aber auch einige Weiße französischer oder anderer Abstammung gelangten zu Bekanntheit, wie Rocking Squat von der Gruppe Assassin oder die Rapperin Diam’s. Sie orientieren sich am sogenannten Message oder Knowledge Rap, der sich an der Ostküste der USA parallel zum Gangsta-Rap der Westküste entwickelte.

Thematisch wurde in den französischen Rapsongs zunächst der Lebensalltag in der Banlieue beschrieben: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Zurückweisung und Chancenlosigkeit, Rassismus, Drogenhandel und Beschaffungskriminalität sowie Kritik an der Polizei waren die Hauptthemen.

Diese Auseinandersetzung trug zur Identitätsfindung bei. Rapper haben in Frankreich meist einen gemeinsamen Erfahrungshorizont, sie werden von der Gesellschaft ausgeschlossen und haben kaum Lebensperspektiven. Rap bietet ihnen daher einem symbolischen, aber durchaus auch materiellen Entfaltungsraum. Diese Bedeutung des Rap für das eigene Leben wird in den Songs immer wieder thematisiert, zum Beispiel in „Petite Banlieusarde“ aus dem Album „Dans ma Bulle“ von Diam’s aus dem Jahr 2006.

Auch wenn sich einige französische Rapper vom US-amerikanischen Gangsta-Rap inspirieren lassen, dem sogenannten Hardcore-Rap, in dem es hauptsächlich um Kriminalität und Gewalt geht sowie um die täglichen Erlebnisse und das Repräsentieren in den Stadtvierteln, gibt es in Frankreich nach wie vor Gruppen, die den engagierten Message Rap weiterführen. Sie zeichnen sich durch einen ausgeprägt metaphorischen Sprachgebrauch aus, der immer wieder zu Missverständnissen führt oder von Politik und der medialen Öffentlichkeit genutzt wird, um ein negatives Bild des Rap zu vermitteln.

Was in vielen Berichten und Studien in den Hintergrund tritt, ist die aktive Szene der in Frankreich rappenden Frauen. Sie waren, wenn auch in geringerer Zahl, von Anfang an dabei und sie reagieren auf die Konstruktion des Raps als eine männliche Domäne. So kam bereits 1995 die Rap-Compilation Lab’ Elles auf den Markt. 1999 brachten Lady Laistee, Diam’s, Bams und Princess Aniès ihre ersten Alben heraus.

Rapper und Crews wie zum Beispiel Booba, Rohff, Mc Solaar, IAM, dessen Album „L’école du micro d’argent“ sich über 1,5 Mio. mal verkaufte, Supreme NTM, Sinik und 113 verkauften jeweils schon Millionen von Alben, weshalb viele Künstler auch außerhalb von Frankreich wie zum Beispiel in Kanada, Belgien, Schweiz und weiteren französisch-sprachigen Ländern den Durchbruch schafften. Durch ihren internationalen Erfolg arbeiteten sie auch häufiger mit bekannten amerikanischen Rappern und Produzenten wie unter anderem Dr. Dre, Game, Wu-Tang Clan, Mobb Deep, Nas zusammen.

 Vorschau: Nächsten Samstag erscheint ein Bericht über Giorgio Moroder.

„Ich war noch niemals in New York“ – Eine musikalische Weltreise

Sänger besingen in ihren Liedern Gefühle, Menschen und manchmal auch Städte. Über welche Städte am meisten gesungen wird und warum, verraten wir euch jetzt und gehen mit euch auf eine musikalische Weltreise.

Ob Udo Jürgens, Jay-Z oder Alicia Keys – sie alle haben Noten aufs Papier gebracht, um diese eine Stadt zu besingen. Die Rede ist von New York. Der Big Apple ist neben der britischen Hauptstadt die meist besungene Stadt der Musikbranche. Insgesamt gibt es rund 2.707 Lieder, die die amerikanische Metropole musikalisch in den Mittelpunkt stellen. Aber werden eigentlich auch Städte wie Ankara, Honolulu oder gar Vaduz besungen?

Der Programmierer Javier Arce entwickelte eine interaktive Karte namens „Spotimap“. Auf dieser musikalischen Weltkarte kann man sich als Hörer von Land zu Land und von Stadt zu Stadt klicken. So kann man sich mit einem Klick beispielsweise über tausend Lieder aus der Stadt der Liebe, Paris, anhören. So hört man Audrey Hepburn mit „Bonjour, Paris“ und Frank Sinatra, der seine Liebe zur französischen Hauptstadt besang. Viele verschiedene Lieder kann man erwarten einen in der Städteplaylist  und wenn man die Augen schließt, manchmal sogar in die Stadt entfliehen.

Aber auch deutsche Städte wurden besungen, zwar nicht so oft wie London, Paris oder New York aber immerhin. So gibt es Songs über Hamburg, Köln und natürlich auch über die Bundeshauptstadt Berlin. Herbert Grönemayer besang beispielsweisedie Liebe zu seiner Heimatstadt Bochum im gleichnamigen Lied und auch der deutsche Rapper Materia widmete seiner Heimat Rostock einen Song. In 154 Lieder ist Berlin vertreten und landete im Städteranking somit auf Platz fünf.

Insgesamt kann man sich in der „Spotimap“ durch über 200 Städte klicken und nahezu 8.000 Songs hören. Da ist es kein Problem von Australien über China und Frankreich mal einen Abstecher nach Amerika zu machen.

Mithilfe unsere Reiseredaktion könnt ihr euch nun auf eine musikalische Face2Face-Weltreise machen:  

In London wandeln wir nicht nur auf den Spuren der Beatles, sondern machen zusammen mit Duffy einen Halt an der „Warwick Avenue“. Über den Ärmelkanal zurück aufs Festland genießen wir zusammen mit David Bowie den „Port of Amsterdam“. Auf ein „Altbierlied“ in der Modestadt Düsseldorf sind wir dann mit den Toten Hosen verabredet. Weiter geht es in der italienischen Modemetropole „Milano“,wo wir Ivano Fossati begegnen, um die Weitereise nach Istanbul anzutreten. Hier treffen wir uns auf einem der zahlreichen Märkte mit Loreena McKennitt, um auf „The Gates of Istanbul“ zu schauen. Lustig wird es dann für uns in Seoul, wo wir zusammen mit Psy den „Gangnam Style“ tanzen. Mit den „Perth Girls“ von Abbe May legen wir uns in Australien an den Strand und umschwärmen wenig später Elvis in Las Vegas, wenn er „Viva Las Vegas“ singt. Einmal zurück über den großen Teich gesprungen, flanieren wir durch Porto, das uns zum Abschluss unserer Reise Rui Veloso besingt.

„Je suis Charlie Hebdo!“

Immer mittwochs um zehn Uhr kamen die Mitarbeiter der politisch links eingestellten Satirezeitschrift „Charlie Hedbo“ in ihren Büroräumlichkeiten in Paris zu einer Redaktionskonferenz zusammen. Auch an diesem vergangenen Mittwoch, 7. Januar 2015, fand ein solches Treffen in der Rue Nicolas-Appert, statt, als gegen 11:30 Uhr zwei maskierte und schwer bewaffnete Männer eindringen und zwölf Personen niederschießen, mindestens zehn weitere verletzen und schließlich fliehen.

Zu diesem Zeitpunkt kann niemandem klar gewesen sein, was in den darauffolgenden 72 Stunden in und mit der Stadt Paris passieren sollte: Die Attentäter, das Brüderpaar Kouachi, teilten gegenüber dem französischen Fernsehsender BFM TV telefonisch mit, dass sie  von der Al-Qaida im Jemen beauftragt worden seien. Diese hatten bereits Anfang März 2013 im ihnen zugeschrieben „Inspire Magazin“  den Chefredakteur des Satireblatts Charlie Hedbo, Stéphane Charbonnier, als eine von zehn Persönlichkeiten ausgeschrieben, die „tot oder lebendig wegen Verbrechen gegen den Islam“ getötet werden sollen. Die Fahndung der Islamisten ist betitelt mit Slogans wie: „Eine Kugel am Tag schützt vor Ungläubigen“. Bei ihrer Flucht töten die Brüder einen weiteren Menschen und können anschließend von der Bildfläche verschwinden.

Ebenfalls im Zusammenhang mit diesem Terroranschlag soll die Tötung einer Polizistin am Folgetag im Pariser Montrouge stehen. Damit steigt die Anzahl der Opfer auf vierzehn. Aber auch an diesem Punkt ist das Drama von Paris noch nicht zu Ende: Am Freitag, 9. Januar, verschanzt sich ein mutmaßlicher Komplize der Kouachi-Brüder, Amedi Coulibaly, in einem Supermarkt für koschere Waren im Osten von Paris. Er nimmt Geiseln, von denen er vier erschießt, noch bevor die Polizei das Gebäude erstürmt und den Geiselnehmer tötet. In einem im Internet kursierenden vermeintlichen Bekennervideo spricht Coulibaly gar von einer Aufteilung der Attentate: Er sei auch für den Tod der Polizistin verantwortlich. In diesem Video bekennt sich Coulibaly zum Islamischen Staat und erhebt es weiterhin zum Auftrag, Angst und Schrecken in seinem Sinne zu verbreiten.

Drei Tage des  Terrors, insgesamt zwanzig Tote und ein nationales Trauma sind das traurige Resultat. Die Handlung hat globales Entsetzen ausgelöst: weltweit gehen die Menschen auf die Straße und stellen mit Solidaritätsbekundungsbannern ihre Anteilnahme zur Schau. Auch das Internet, besonders die sozialen Netzwerke, werden zum Aushandlungsort von Mitleid oder Schock. Unter dem titelgebenden Slogan „Je suis Charlie“, der von vielen als Profilbild verwendet wird, verstehen die meisten „Jetzt erst recht!“ Sie wollen sich keine Angst machen lassen und sich keinesfalls – und das steht oftmals im Mittelpunkt der Argumentation – den Mund verbieten lassen. Unter diesem Motto steht auch das „Rassemblement France du 11 janvier“: Ein Aufstehen gegen den Terrorismus, das ist das Zeichen, das am Sonntag, 11. Januar, in die Welt getragen werden sollte: 3,7 Millionen Menschen fanden sich in ganz Frankreich zu Demonstrationszügen zusammen, die Twitter-Hashtags #JeSuisCharlie und  #NousSommesCharlie sind nur die konsequente Fortführung dessen im Internet. Bezeichnend ist auch die Tatsache, dass es bereits einen ausführlichen Wikipedia-Artikel zu diesen aktuellen Geschehnissen gibt. Die Internet-Community nimmt Charlie Hebdo im Zusammenhang mit den grausamen Anschlägen rasend schnell als leitendes Kommunikationsthema auf. Allerdings ist nicht nur Zuversicht und Trotz die Reaktion.

Gerade in Deutschland führen die jüngsten Geschehnisse zu einer Verstärkung der Debatte um die Pegida-Bewegung (Anm. d. Red.: PEGIDA ist die Abkürzung für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Es ist zu befürchten, dass sie neuen Zulauf bekommen wird, denn die Verunsicherung und auch die Wut sind angesichts dieser unvorhergesehenen und unvorhersehbar tragischen 72 Stunden größer denn je. Die Ereignisse von Paris bieten eine Plattform für die Bewegung sich zu profilieren: Am heutigen Montag, 12. Januar, soll auf der 12. Montagsdemonstration der Pegida Trauerflor getragen werden. Das löst bei französischen und frankophonen Karikaturisten Entsetzen aus, die umgehend ein Flugblatt mit dem Titel: „Pegida verschwinde!“ herausgeben. Darin heißt es, dass die Attentate von Kräften instrumentalisiert werden, die das Gegenteil von dem repräsentierten, „für das unsere Freunde zeitlebens warben, [dies] gleicht einer Grabschändung. Pegida steht für all das, was sie durch ihr Werk und ihr Leben bekämpften.“

Das Disneyland in Paris: Adrenalin-Junkies aufgepasst!

Die Winterdekoration: Merry Christmas

Die Winterdekoration: Merry Christmas

„Irgendwann will ich mal ins Disneyland nach Paris!“, diesen Satz haben sicherlich schon viele Eltern von ihren Kindern zu hören bekommen. Einmal Mickey Mouse, Cinderella und Goofy hautnah erleben: Ein Traum vieler Kinder.

Doch das Disneyland ist keinesfalls nur etwas für die kleinen Mitmenschen unter uns: Auch für junge Erwachsene bietet der Freizeitpark eine Menge Attraktionen, für die es sich allemal lohnt den Weg auf sich zu nehmen.

Da ein Besuch preislich meist sehr teuer ist, empfiehlt sich ein Kurztrip im Winter

Eines von zahlreichen Themenhotels: Das Hotel "Cheyenne"

Eines von zahlreichen Themenhotels: Das Hotel „Cheyenne“

. Insbesondere zu Beginn des neuen Jahres findet man die günstigsten Preise für Hotelübernachtung in Kombination mit den Tagestickets. Etwa bis zwei Wochen nach Weihnachten ist das Disneyland ganz in das Thema „Winterzauber“ eingebettet, sodass der gesamte Park weihnachtlich geschmückt ist und das Ambiente die Besucher einfach nur verzaubert. Die genaue Preistabelle mit Einzelheiten findet ihr auf www.disneylandparis.de.

Es gibt diverse Disney Hotels, die nur wenige Minuten vom Park entfernt liegen. Wenn ihr hier eincheckt, bekommt ihr einen Pauschalpreis, in dem meist das Frühstück und der Eintritt in den Park mit inbegriffen ist. Von jedem Hotel aus gibt es einen kostenlosen Shuttle-Bus, der alle paar Minuten den Park ansteuert.

Neben dem Disneyland gibt es zusätzlich noch den Walt Disney Studios Park. Hier dreht sich alles rund um Film und Produktion. In vier Hallen befinden sich wechselnde Ausstellungen zu diversen Walt Disney-Filmen, die einen Besuch auf jeden Fall wert sind. Zusätzlich gibt es auch einige Attraktionen, die das Herz eines jeden Adrenalin-Junkies höher schlagen lassen. Es ist während des ganzen Tages möglich zwischen den beiden Parks zu wechseln. Außerdem ist der Eintritt in dem Kombiticket mit inbegriffen.

Wenn ihr die Abende entspannt ausklingen lassen möchtet, empfiehlt sich das Disney

Berühmt berüchtigt: Das Disney Schloss

Berühmt berüchtigt: Das Disney Schloss

Village. In unmittelbarer Nähe zu den Parks  könnt ihr hier einen leckeren Cocktail trinken oder auch eine Pizza essen. Selbst ein Kinobesuch ist möglich, wenn ihr euch von dem anstrengenden Tag erholen möchtet. Aber Achtung: Die Preise für Essen und Getränke sind äußerst hoch, so zahlt ihr für eine Pizza Margherita nicht selten 15 Euro. Solche Preiswucher findet ihr auch im Park. Zudem sind die Restaurants und Stände innerhalb der Parks um die Mittagszeit komplett überfüllt, sodass ihr mit langen Wartezeiten rechnen solltet. Am besten ist es sich während des Tages selbst zu verpflegen, da es zum einen kostengünstiger und zum anderen deutlich entspannter ist und ihr die Zeit so besser für Achterbahnen, Geisterhäuser und Co. nutzen könnt.

 Wenn ihr den Besuch im Disneyland mit einem Städtetrip in Paris verbinden möchtet, lohnt sich die Anreise in die Parks mit der Bahn. Vom Stadtzentrum Paris fahrt ihr bis zum Bahnhof „Marne la Vallée-Chessy“ etwa 30 Minuten. Der Preis für ein Ticket für diese Strecke beläuft sich auf etwa  10 Euro. Zudem ist die Bahnstation direkt am Disneyland gelegen, sodass ihr in nicht einmal zehn Minuten Fußweg den Eingang erreichen könnt.

Täglich: Die Disney Parade

Täglich: Die Disney Parade

Das Disneyland überzeugt mit Liebe zum Detail: Jedes seiner fünf Themenwelten besticht mit atemberaubenden Attraktionen und wunderbarer Kulisse. Vom Kinderparadies mit Miniaturwunderland bis hin zu Achterbahnen im Dunkeln und Autoscooter: Jung und Alt finden hier gleichermaßen Spaß und Action. Somit ist das Disneyland ein schönes Ausflugsziel für Familien mit Kindern, aber auch ein Trip mit Freunden wird sicherlich ein unvergessliches Erlebnis.

Vorschau: Das nächste Mal lest ihr hier über Weihnachten vor und nach dem Mauerfall.

Cool sein kann nicht jeder

Gerade neigen sich die Fashion Weeks in Berlin, New York, London, Mailand und Paris dem Ende zu. Somit sind die neuen Street Style-Trends auch schon gesetzt: Überall findet man Bilder von Bloggerinnen und Stars wie Anna Dello Russo, Chefin der japanischen Vouge, mit verrückten, bunten und lustigen Handyhüllen. Sie sind das neue It-Accessoire. Ob als Pommestüte von Moschino, als Duff Beer Dose von Urban Outfitters, als Hot Dog von Asos oder als Nagellackfläschchen von Iphoria – wer solche Hüllen aus Silikon oder Hartplastik besitzt, ist up to date und liegt damit voll im Trend.

Als ob es nicht schon genügt, als Smartphone-Besitzer „in“ zu sein, muss jetzt noch eins drauf gesetzt werden: Das elektronische Spielzeug dient ab sofort auch als cooles Accessoire. Aber cool sein kann nicht jeder. Was ein blöder Zufall, dass es die meisten Hüllen nur für das Iphone 5 oder 5s gibt. Wer da nicht mithalten kann, liegt nicht im Trend und ist leider uncool.

auffallender Nagellack und Handy in der Hand - cool sein kann eben nicht jeder (Foto: T. Gartner)

 Cool sein kann eben nicht jeder

(Foto: T. Gartner)

Ein ähnliches Prinzip herrscht beim Beauty-Trend schlecht hin: Bunte Nail-Art zum Aufkleben ist ebenso wie die Handyhüllen eines der neuen It-Accessoires. Es gibt sie in tausenden verschiedenen Varianten und Farben: Als Fake-Nägel oder Nagelfolien in grafischen Mustern, mit einem hippen Moutache oder im Leo-Style. Nun reicht es auch nicht mehr aus, seine natürlich gewachsenen Nägel in nude oder fetzigen Farbtönen zu lackieren. Stattdessen müssen unechte Klebe-Nägel her, um als Accessoire zu dienen. Erscheint logisch, denn wenn man den ganzen Tag sein Smartphone in den Händen hält, um die neue Hülle zu präsentieren, müssen die Nägel natürlich mit dem Iphone konkurrieren – ein trendiges Accessoire scheint vielen nicht mehr auszureichen.

Was dann nicht fehlen darf, ist die Handtasche mit dem eigenen Namen drauf, wie es das britische Supermodel Cara Delevingne, It-Girl Alexa Chung und die US-amerikanische Sängerin Lana Del Rey vormachten. Sie alle bekamen eine nach ihnen benannte Tasche der Luxusmarke Mulberry. Cara Delevingne durfte sogar auch an deren Designs mitgestalten. Das eben noch angesagte Namenstattoo wird also mal eben von einer mit dem eigenen Namen bedruckten Tasche abgelöst und der süße Verkäufer hinter der Theke kann gleich auf der Tasche lesen, wie man heißt. Wer also so richtig cool sein will, holt sein Smartphone aus der Tasche, klebt sich in Windeseile die bunten Fake-Nägel auf und hofft, in den nächsten paar Sekunden von einem Street Style-Fotografen entdeckt zu werden.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr das 1×1 des Modebloggins lernen.

Long live Lanvin! Geschichte und Zukunft eines Luxus-Labels

Ein Jubiläum jagt derzeit das Nächste: Gerade noch feierten wir Geburtstag mit Topmodel Kate Moss und nun ist es Lanvin – ein Modehaus, dem man seine 125 Jahre ebenso wenig ansieht wie Kate ihre frischgebackenen 40. Wie sich das dienstälteste französische Unternehmen bis heute so mädchenhaft jung gehalten hat und auf welche Weise Gründerin Jeanne Lanvin ihre große Liebe unsterblich gemacht hat, erzählt Face2Face in einer kleinen Hommage an das Label pünktlich zum runden Geburtstag.

L’amour et Lanvin

Uns wird früh beigebracht, dass auch noch so tiefe Gefühle vergänglich, ja dass wir es vor allem selbst sind, die nicht ewig währen. Müsste uns demnach die junge Jeanne-Marie Lanvin – 1867 in Paris geboren – nicht vom Glauben abfallen lassen? Schließlich hat die mit sechzehn Jahren als Hutmacherin gestartete Modedesignerin uns gelehrt, auf welche Liebe es im Leben tatsächlich ankommt – in ihrem kamen und gingen schließlich einige Männer, während die Verbindung zu ihrer Tochter Marguerite bis zum Schluss derart vertraut und herzlich blieb, dass sie ihr sogar das Lanvin-Imperium nach ihrem Tode übergab.  Es scheint, dass Familie und Fashion Trends durchaus miteinander vereinbar sind. So nähte Lanvin noch lange bevor der bloße Nachname zu einem Synonym für Haute Couture erklärt wurde, zunächst für ihre einzige Tochter und ihre geliebte Schwester. Bereits zur damaligen Zeit markierten die locker sitzenden Schnitte, die bunte Farbauswahl und nicht zuletzt das aufwendig gestaltete Handwerk aus drapierten, luftigen Stoffen an ihren Kleidern einen geradezu nahtlosen Übergang zwischen mädchen-und damenhaftem Understatement . Romantische Zierde vermengte sich mit zuvor kaum dagewesener Beinfreiheit und einer für das 19. Jahrhundert gar revolutionären Kürze des Rocks. Tüll, Spitze, florale Elemente – bis heute typische Elemente einer jeden Lanvin-Kollektion.

L’amour et la mode

Ihren glänzenden Auftritt legte zum einen die Machart ihrer Mode und zum anderen die Person der Modeschöpferin selbst hin, betrachten wir einmal das in die Geschichte des Hauses Lanvin eingegangene Logo aus 1907. Jeanne-Marie selbst ziert es, nebst ihrer Tochter, einander bei den Händen haltend. Sie sind scheinbar in einen Partnerlook gehüllt, präsentieren sich auf der Schwarzweißfotografie beide in schimmerndem, Lackleder ähnelndem Stoff. Einzig die Kopfbedeckungen unterscheiden sich in ihrer Opulenz und dem Grad der Verspieltheit. Vielleicht lässt uns dies auch bereits einen „Schimmer“ davon haben, in welche Richtung sich Lanvin mit der Zeit wohl weiterentwickeln würde: In aktuellen Lancierungen und Vorgriffen auf den kommenden Sommer ist zwar – von den Accessoires einmal abgesehen – nicht alles Gold, was glänzt, doch sorgt dafür ein auffällig glänzend-futuristischer Farbrausch bei den Damen für eine garantiert extravagante Alltags-und Abendgarderobe.

Bei den Männern hingegen setzt das seit 2001 zentral aus Taiwan geführte Unternehmen auf sportlich-eleganten Purismus, vorwiegend in den Un-Farben Schwarz und Weiß. Blazer und Bundfaltenhosen aus Stoff zählen hier zu den Evergreens. An warmen Sommertagen bleiben die Herren bei Lanvin zudem cool mithilfe von extra kurzen Shorts aus Wollstoff, die gerade das Nötigste bedecken und an den Waden viel Platz für lange, schwarze oder grauschwarze Anzugsocken schaffen. Doch selbst dieser klassische Chic wird bisweilen durchbrochen von Farbakzenten, ob nun in Form von knalligen Hemden in Magenta oder farblich abgestimmten Zweiteilern im altbekannten „Lanvin-Blau“.

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Erschwinglicher Luxus: H&M hat es möglich gemacht (Foto: Perlowa)

L’amour et l’argent

Wer es nun kaum erwarten kann, den nächsten Shop zu plündern, sobald das Monatsgehalt eingetroffen ist, sollte darauf vorbereitet sein, dass Eines davon für Lanvin vermutlich nicht reicht. Das könnte einerseits am Suchtpotential liegen, das von den qualitativ hochwertigen und nicht zuletzt ästhetisch ansprechenden Teilen ohne Zweifel ausgeht, andererseits jedoch schlicht an der Tatsache, dass Qualität ihren Preis hat – das gilt auch für Produkte von Lanvin, für Pieces und Düfte gleichermaßen.

Grund zur Freude für etwas sparsamere Luxus-Anhängerinnen war da eindeutig die Kooperation mit H&M in 2010, die ein bisschen Lanvin an die Stange und damit einen Hauch von Haute Couture an die Frau gebracht hat. Im Unterschied zur vereinzelt anzutreffenden Riesenschleife – unter dem israelischen Designer Alber Elbaz seit 2001 stets mit Bedacht als Markenzeichen eingesetzt – setzt Lanvin für H&M auf das Motto „Mehr ist mehr“, gestaltet Cocktail-Kleider wie Knallbonbons und übersät Shirts mit einem Mix aus Tüll, Applikationen und Aufdruck.

Lanvin ist, Traditionen aus über zwei Jahrhunderten zum Trotz, also noch immer für eine Überraschung gut. Dieses Sich-Immer-Wieder-Neu-Erfinden bei gleichbleibender Attitüde muss schon während der Anfänge in Paris Teil des Erfolgsrezepts gewesen sein. Bleibt nur noch, dem Label die besten Wünsche für die nächsten 125 Jahre mit auf den Weg zu geben. Hoch lebe der Luxus! Hoch lebe Lanvin!

Vorschau: In der nächsten Woche fragen wir uns, was es eigentlich mit dem Hype um Model Cara Delevingne auf sich hat.