Österreich erteilt dem Rechtspopulismus eine Absage

KOMMENTAR: Nach dem Brexit-Votum und der Trump-Wahl hatten viele einen weiteren Erfolg für den Populismus prognostiziert. Am Sonntag,  4. Dezember wurde durch eine basisdemokratische Direktwahl aller Bürger der Bundespräsident Österreichs bestimmt. Alexander Van der Bellen (Grünen-nahe) wird als neues Staatsoberhaupt vereinigt werden. Prognosen sahen dagegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer (FPÖ) als Favoriten. Doch schon vor der Auszählung der Briefwahlstimmen war die Entscheidung der Österreicher abzusehen: Mit 51,68 % gewinnt Van der Bellen den Wahlkrimi.

Der erste Wahlgang Anfang des Jahres

Bereits im April 2016 wurde eine Wahl abgehalten, in der fünf Männer und eine Frau kandidierten. Qualifizieren konnten sich allerdings nur Norbert Hofer mit 35% und Alexander Van der Bellen mit 21% der gültigen Stimmen. Die Stichwahl am 22. Mai  entschied Van der Bellen mit 50,3% gegenüber Hofer mit 49,7% für sich – hier war jedoch aufgrund des knappen Ergebnisses die Briefwahl entscheidend. Die Wahlbeteiligung bei diesem Wahlgang betrug 72,7%. Die Angst war groß, dass Hofer bei einer erneuten Wahl das Ergebnis drehen könnte. Auf einschlägigen Internetseiten wurde gar das 3:0 für die globale Neurechte-Bewegung prophezeit. Doch Heinz-Christian Strache, Hofers Zustellungsbevollmächtigter, reichte eine Wahlanfechtung beim Verfassungsgerichtshof ein, der aufgrund kleinerer Mängel stattgegeben wurde. Somit wurde einen Neuwahl fällig, auch wenn tatsächlich keinerlei Manipulation nachweisbar war.

Der zweite Wahlgang

Die Wahlwiederholung verzögerte sich aufgrund fehlerhafter Briefwahlunterlagen und diesen Aufschub nutzte Van der Bellen für sich aus: Er schafft es im zweiten Anlauf mehr für sich zu mobilisieren als Hofer. Die Wahlbeteiligung stieg insgesamt auf 73,8% laut orf.at. Es scheint ein neues Demokratiebewusstsein erwacht zu sein, denn der Wählerkreis der Rechtspopulisten ist weithin bekannt. In diesem Falle aber, so zumindest schreibt die ZEIT, haben „Frauen die Wahl in Österreich entschieden“. Insbesondere die unter 60-jährigen stimmen in der Mehrheit für den 72-jährigen Wirtschaftsprofessor und damit für eine liberalere, weltoffene Politik.

Was bedeutet dieses Ergebnis?

Was sind die Lehren aus dieser Wahl? Zunächst ist die Symbolkraft enorm, ein regelrechtes Aufatmen gegenüber dem prognostizierten Durchmarsch der Neurechten. Die Befugnisse des Bundespräsidenten sind außerdem in Österreich sehr weitreichend, die Einflussnahme des Grünen-nahen Wirtschaftsprofessors kann sich also durchaus positiv auswirken. Dabei wird aber das innenpolitisch lange schwelende Problem letztlich nur überdeckt, denn obwohl Van der Bellen die Bundesregierung und den Nationalrat ernennen und entlassen kann, so erhält die nationalistisch orientierte FPÖ nach wie vor eine deutliche Mehrheit aus der Bevölkerung. International, so verlautet der Österreichische Kurier fast selbstironisch, sei Van der Bellen allen egal. Was bleibt, ist die Tatsache, dass die Prognosen erneut falsch lagen, das Expertentum immer mehr in Frage gestellt wird und dass ob der Undurchsichtigkeit der sozialen Medien ein – wenn auch nicht gerade ganz neuer – Unsicherheitsfaktor hinzukommt.

Die Fans bleiben ihm treu – Eloy de Jong im Interview

Letzte Woche hat uns Eloy de Jong bereits einiges über seinen Musikgeschmack und die Zeit mit Caught in the Act in den 1990er Jahren verraten. Im zweiten Teil unseres Interviews hat er mit uns über sein Wiedersehen mit Caught in the Act und seine Disney-Sammlung gesprochen.

Face2Face: Was hast du nach Caught in the Act alles gemacht?

Eloy: Ich habe erst Zeit gebraucht, um zu mir selbst zurückzufinden und mir ein Privatleben aufzubauen. Danach habe ich angefangen, beim Fernsehen zu arbeiten. Jetzt habe ich meine eigene Produktionsfirma und entwickle Fernsehformate. Ich bin sehr stolz, dass ich neben meiner Musikkarriere auch etwas anderes erfolgreich machen kann.

Ganz in seinem Element: Eloy de Jong bei einem seiner Auftritte (Foto: Nina Wilfonseder)

Ganz in seinem Element: Eloy de Jong bei einem seiner Auftritte (Foto: Nina Wilfonseder)

Face2Face: Nach 17 Jahren hast du die anderen Bandmitglieder von Caught in the Act im April und im August 2015 wiedergetroffen. Was war das für ein Gefühl?

Eloy: Es war unglaublich. Wir haben so viel miteinander erlebt, aber auch so lange Zeit nichts mehr miteinander zu tun gehabt. Es war dann eigentlich ganz schnell wieder wie früher. Wir haben einen großen Teil unseres Lebens zusammen erlebt. Das ist eine Beziehung, die man niemals verliert. Mit Bastiaan bin ich immer in Kontakt geblieben.

Face2Face: Was kannst du in Bezug auf das Comeback von Caught in the Act sagen?

Eloy: Ich bin superstolz auf unsere Fans. Es gibt immer noch so viele. Ich sehe das jetzt bei meinen Soloauftritten. Da kommen so viele Fans hin. Auf Facebook bekomme ich so viele Nachrichten. Ich hoffe, dass wir die Möglichkeit haben, die Vergangenheit zusammen feiern zu können mit all diesen Menschen.

Face2Face: Du warst in den 90ern ein großer Disney-Fan. Sammelst du immer noch alles von Disney und auf welches Stück aus deiner Disney-Sammlung bist du besonders stolz?

Eloy: Ich bin immer noch ein Disney-Fan. Ich habe jetzt auch eine Tochter und die ist total in „Frozen“ vernarrt. Wir gucken das oft zusammen. Von ganz vielen Disney-Klassikern habe ich den Original-Cel (Anm. d. Red.: ein Cel ist eine durchsichtige Folie, auf die Animationen per Hand gezeichnet worden sind). Die habe ich an meiner Wand hängen und die finde ich super.

Face2Face: Was ist für 2016 alles geplant und welche Konzerttermine stehen an?

Eloy: Ich hoffe, viel in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sein zu können. Für weitere Infos und Termine geht ihr am besten auf meine Facebookseite oder auf die Facebookseite von ELOY Info.

Vorschau: Nächsten Samstag stellt euch Vanessa die deutsche Vertreterin für den diesjährigen Eurovision Song Contest in Schweden im Schnellcheck vor.

ESC – Jedes Jahr aufs Neue

Auch dieses Jahr ist es wieder soweit. Die europäische Musikwelt steht Kopf, denn nächsten Samstag ist der Eurovision Song Contest (ESC). Wir haben für euch die Fakten zum ESC 2015 gesammelt, wollen einen Blick auf die diesjährige deutsche Vertreterin werfen und im Schnellfaktencheck die Historie des Musikwettbewerbs unter die Lupe nehmen.

Bunt: So bunt wie die Farben der Flaggen ist auch die facettenreiche Musik Europas. (Foto: V.Wahlig)

Bunt: So bunt wie die Farben der Flaggen ist auch die facettenreiche Musik Europas. (Foto: V.Wahlig)

ESC 2015

Der diesjährige Eurovision Song Contest wird zum 60. Mal ausgetragen und findet vom 19. bis 23. Mai 2015 in Wien statt. Die österreichische Hauptstadt ist zum zweiten Mal Austragungsort. 1966 holte Udo Jürgens den Sieg nach Österreich und im drauf folgenden Jahr war das europäische Musikspektakel zu Gast in Wien. Im letzten Jahr gewann Conchita Wurst den Musikwettbewerb und holte somit zum zweiten Mal den ESC in die österreichische Hauptstadt. Mit ihrem Song „Rise like a Phoenix“ erreichte sie in Dänemark den ersten Platz.

Besonderheit dieses Jahr: am europäischen Wettbewerb nimmt erstmals auch Australien teil, das auf eine Einladung der European Broadcasting Union (EBU) folgt. Insgesamt nehmen 40 Länder teil.

Das diesjährige Motto lautet „Building Bridges“ (Brücken bauen) und wirft damit auch einen Blick auf die momentane politische und gesellschaftliche Lage Europas.

Moderiert wird die Veranstaltung von Alice Tumler, Arabella Kiesbauer und Mirjam Weichselbraun. Conchita Wurst wird den Green Room moderieren.

Bei uns läuft der Hauptwettbewerb, ohne die Vorentscheidungsrunden, am Samstag, 23. Mai in der ARD.

Die deutsche Vertreterin

Deutschland schickt keinen großen Star der deutschen Musikwelt in den Ring, sondern hofft auf den Esprit der Newcomerin Ann Sophie. Ihr Song heißt „Black Smoke“.

Nachdem sie sich im Februar 2015 im Clubkonzert gegen neun weitere noch unbekannte Künstler im Kampf um die Wildcard durchsetzen konnte, bekam Ann Sophie einen Platz in der deutschen Vorentscheidssendung.

Dort unterlag sie zwar eigentlich in der Zuschauerabstimmung gegen Andreas Kümmert, dieser lehnte allerdings seinen Startplatz zu Gunsten der Newcomerin ab.

Ihre Chancen werden insgesamt von als eher mäßig eingeschätzt. Wir sind dennoch gespannt, welchen Platz die 24-Jährige macht.

Fakten zur ESC-Geschichte

  • “Save our kisses from me“ von Brotherhood Of Man (1976) ist der meistverkaufteste Siegertitel. Die meisten glauben, dass es der ABBA-Hit „Waterloo“ von 1974 ist.
  • In den Anfangsjahren durften beim ESC nur Solokünstler oder Duos auftreten. Mittlerweile liegt die Höchstgrenze bei sechs Personen.
  • Der kürzeste Song, der jemals beim ESC gesungen wurde, war zwölf Sekunden lang. Interpretiert hat ihn die britische Sängerin Patrica Bredin. Höchstdauer der Performance liegt bei drei Minuten.
  • Die kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Lieder waren Nicoles „Ein bisschen Frieden“ von 1982 und „Dschinghis Khan“ von 1979.
  • Lena Meyer-Landruth war die zweite ESC-Gewinnerin, die versuchte ihren Titel im Folgejahr zu verteidigen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier einen Beitrag über ein Festival in Berlin.

WM der Extreme

Die momentan in Katar laufende Handball-Weltmeisterschaft wirft in vielerlei Hinsicht Kontroverse auf. Der sportliche Aspekt scheint schon vor den Titelkämpfen nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Es ist eine WM der Extreme.

Diese fängt bei der Tatsache an, dass die Weltmeisterschaft in dem traditionellen Handball-Wüstenstaat Katar stattfindet. Angesicht dessen, dass sich Katar in den nächsten Jahren insgesamt 20 Weltmeisterschaften in den verschiedensten Sportarten gesichert hat, dürften sich nur die wenigsten Sportfans über dieses unpassend wirkende Verhältnis verwundert die Augen reiben. Geld hat die Grundfesten des Sports schon lange überholt.

Bestes Beispiel dafür sind die, zugegebenermaßen schön anzusehenden, Sportarenen in Doha. In die gut 15 000 Zuschauer fassenden Arenen haben sich während der Vorrunde aber leider nur gut 4 000 im Schnitt verirrt. Die Kirsche auf diese Schwache Bilanz setzten sich die katarischen Machthaber selbst, in dem sie sich ihre „eigenen“ Fans aus Spanien eingekauft haben. Gut 50 Spanierinnen und Spanier wurde der Flug, das Hotel und die jeweiligen Spiele der Nationalmannschaft Katars bezahlt. Im Gegenzug sollten die Spanier die Nationalmannschaft unterstützen. Selbst beim Spiel gegen ihr Heimatland machten die gekauften „Fans“ ordentlich Stimmung für Katar – paradox, aber Geschäft ist nun mal Geschäft!

Doch damit noch nicht genug. Die katarische Nationalmannschaft schreibt auch gerade „historische“ Geschichte. Sie ist nämlich nach dem 29:27-Erfolg über Österreich sensationell ins Viertelfinale eingezogen. Nur leider nicht – und das ist auch wieder typisch Katar – mit den eigenen Landsmännern. Die Scheichs in Katar haben sich schon lange vor der WM eine eigene, internationale Nationalmannschaft zusammengekauft. Der sportliche Wert – dahin. Überwiegend aus Osteuropa stammen die Star-Spieler, die vor jeder Begegnung die Nationalhymne eines Landes mitsingen, in dem sie weder geboren, noch aufgewachsen sind. Geld und Reichtum steht vor Ruhm und Ehre. Jeder „katarische“ Akteur soll pro gewonnen Spiel bei der Weltmeisterschaft 100 000 Euro verdienen. So wirkt es doch ein wenig befremdlich, wenn Spieler aus Serbien, Montenegro, Kuba, Frankreich oder Slowenien wie kleine Kinder über das Feld springen und sich über den errungenen Sieg „ihrer“ Nation freuen. Die Scheichs machen sich eben frei nach dem Kinderstar Pippi Langstrumpf ihre Welt widi widi wie sie ihnen gefällt.

Klar, dass dieser Umstand auch in der Handballwelt oder besser gesagt unter den anderen Nationalmannschaften nicht ganz ohne Gegenwind über die Bühne geht. Die Österreichische Mannschaft fühlte sich nach der 27:29-Achtelfinalniederlage gegen Katar verpfiffen. Der ÖHB-Teamchef Patrekur Johanesson knirschte voller Sarkasmus: „Ich glaube Katar wird Weltmeister.“ Der Ärger auf das kroatische Schiedsrichtergespann war gewaltig. „Ich habe noch nie in meinem Leben eine Halbzeit erlebt, in der es so viele Offensivfouls gegeben hat“, kritisierte Kapitän Viktor Szilagyi die plötzliche Linienänderung der Schiedsrichter, nachdem Österreich noch mit einer Führung in die Halbzeitpause gegangen war. Auch der Lemgoer Torwart Thomas Bauer nahm kein Blatt vor den Mund und geigte den Unparteiischen nach der Schlusssirene lautstark seine Meinung.

Ist es nun Ironie oder Schicksal, dass Katar im Viertelfinale ausgerechnet auf die deutsche Mannschaft trifft. Die Deutschen, selbst nur durch eine äußert fragwürdige Wildcard qualifiziert, nachdem man auf dem sportlichen Wege grandios gescheitert war, sind für die Begegnung gegen die Multi-Kulti-Truppe (heute, 16.30 Uhr) allerdings bestens vorbereitet. Mit der Verpflichtung von Trainer Dagur Sigurdsson agiert Deutschland aus einer stabilen Deckung heraus und spielt ihr bislang bestes Turnier der vergangen Jahre. Angst, ebenfalls von den Schiedsrichtern verpfiffen zu werden, herrscht im deutschen Lager nicht. „Wir sind besser als Katar. Wenn wir das Spiel gewinnen, ist alles möglich“, sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand nach dem erstaunlich abgeklärten 23:16-Erfolg über Ägypten. Dumm nur, –und auch das passt zu dieser WM der Extreme – dass kaum ein deutscher Zuschauer die Spiele sehen kann. Statt im frei empfangbaren Fernsehen, läuft die Handball-Weltmeisterschaft beim Bezahlsender Sky. Weder ARD, ZDF noch Sport1 konnten bei den Verhandlungen mit dem Rechteinhaber beIN Sports (eine Tochterfirma des Fernsehimperiums Al Jazeera) vor der WM gewährleisten, dass die Satelliten-Übertragungen nicht außerhalb von Deutschland zu empfangen sind. Daraufhin wurden die Verhandlungen frühzeitig abgebrochen. Am Ende schaut der Fan in die Röhre – allerdings nicht in die des Fernsehers (soweit noch vorhanden) – und das Geld steht wie üblich über dem Sport.

Tee, Trend und Tradition: Wiener Kaffeehäuser

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto:Dreer)

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto: Dreer)

Tradition, Kaffee, Gemütlichkeit: Das sind nur einige der Begriffe, die einem durch den Kopf schießen, wenn man an die Wiener Kaffeehäuser denkt. Der Ursprung der berühmten Kaffehäuser liegt in einer Legende: Nach der Türkenbelagerung 1683 überließen die Türken dem polnischen Geschäftsmann und Dolmetscher Franz Georg Kolschitzky 300 Säcke mit Kaffeebohnen, bevor sie fluchtartig die Stadt verließen. Dieser sei es auch gewesen, der noch im selben Jahr das erste Kaffeehaus der Stadt eröffnete, welches er „Zur blauen Flasche“ taufte. Andere Quellen jedoch behaupten der Armenier Johannes Diodato habe 1685 den ersten Kaffeeausschank in Wien betrieben.

Doch was ist das Besondere an der Wiener Kaffeehauskultur, die sogar seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört? „Ins Kaffeehaus gehen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“, sagte einst Schriftsteller und Feuilletonist Alfred Polgar. Vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert waren die urigen Kaffeehäuser bei Künstlern, Literaten und anderen Intelektuellen beliebt. Das gemütliche Ambiente diente als Ort des Gedankenaustauschs und Schreibens, zudem hat man bis heute die Möglichkeit aus einem Angebot von dutzenden verschiedenen Zeitschriften und Tageszeitungen zu wählen. Zunehmendes Interesse an der Kaffeehaus-Tradition kann man seit den 1990er Jahren erkennen, sodass die Wiener Kaffeehäuser keinesfalls als unmodern oder überholt bezeichnet werden können.

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei "Demel" (Foto:Hohmann)

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei „Demel“ (Foto: Hohmann)

Das kulinarische Angebot reicht von Kuchen und Torten bis hin zu kleinen Speisen wie Würstel oder auch verschiedene Mehlspeisen. Das Besondere im Vergleich zu anderen Cafés ist, dass man ungestört Stunden dort verweilen kann, ohne dass die Kellner in immer kürzeren Abständen eine neue Bestellung aufnehmen möchten. Im Gegenteil: Die Kellner servieren traditionell auf einem Silbertablett zu jeder Tasse Kaffee oder Tee ein Glas Wasser, was in den Wiener Kaffeehäusern als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Beim Verzehr der Getränke und Speisen hat man die Gelegenheit, es sich in den „Schanigarten“, also im Sitzbereich vor dem Café, gemütlich zu machen.

Rund 500 Kaffeehäuser verteilen sich quer durch Österreichs Hauptstadt. Die drei Bekanntesten möchten wir euch vorstellen.

Das Café Hawelka ist wohl das traditionsreichste Kaffeehaus im Stadtbezirk. Im Jahre 1939 eröffnet das frisch vermählte Ehepaar Leopold und Josefine Hawelka das Kaffeehaus. Die Einrichtung hat sich seitdem kaum verändert, wodurch man sich beim Eintreten in das Lokal in eine andere Zeit versetzt fühlt. Empfehlenswert sind die hausgemachten Buchteln (Hefegebäck) mit Vanillesoße. Ein Besuch lohnt sich also!

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Ein weiteres bekanntes Kaffeehaus ist das Café Sacher, wo man selbstverständlich ein originales Stück Sacher-Torte kosten muss. Das Café ist an das Hotel Sacher gekoppelt und befindet sich gegenüber der neuen Oper. Dementsprechend ist es sehr zentral gelegen. Durch den vorhandenen Wintergarten kann man das turbulente Treiben außerhalb beobachten und sich trotzdem einen Moment Ruhe gönnen.

Das Café Sperl ist eines der ältesten Kaffeehäuser in Wien und gleichzeitig denkmalgeschützt. Seit der Eröffnung 1880 wird dort die Sperl Torte angeboten, die wegen der Mischung aus Vanille, Zimt, Milchschokolade und Mandelmasse eine wahrhaftige Leckerei ist.

Und, läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? Dann schaut doch bei eurem nächsten Städtetrip in Wien mal in einem der zeitlosen Kaffeehäuser vorbei und genießt einen Schluck Wiener Melange, die österreichische Kaffeespezialität, oder ein Stück der originalen Sacher-Torte.

Wer sich für traditionelle Cafés aus der Region interessiert, sollte sich unsere Serie hierzu nicht entgehen lassen. Zu Teil 1 geht’s HIER.

 Vorschau: Nächste Woche starten wir mit unserer kulinarischen Reihe. Den Anfang macht Württemberg!

Historischer Sieg für das deutsche Tischtennis-Team

Zum ersten Mal in der Geschichte schafften es sowohl das Frauen- als auch das Männerteam des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) beide Mannschafts-Titel bei den Europameisterschaften zu gewinnen. Die Männer gewannen diesen Titel nun bereits zum sechsten Mal in Folge, für die Damenmannschaft war es ein Befreiungsschlag nach einer langen, sieglosen Durststrecke.

Vorgelegt hatte die Frauenmannschaft des DTTB mit einem 3:1-Sieg gegen Rumänien. Das Match im österreichischen Schwechat bei Wien ging beinahe dreieinhalb Stunden. Das Frauen-Team von Bundestrainerin Jie Schöpp beendete mit seinem Finaltriumph über Rumänien eine 15-jährige Durstrecke ohne Mannschaftserfolg. Vor 1998 hatte die Frauenauswahl des DTTB 1962, 1968 und 1996 EM-Gold im Team-Wettbewerb gewonnen.

Tischtennis ist erfordert schnelle Reaktion: Die beste hatten bei der diesjährigen EM die deutschen Teams (Foto: @ A. Dreher / pixelio.de)

Tischtennis erfordert schnelle Reaktion: Die beste hatten bei der diesjährigen EM die deutschen Teams (Foto: @ A. Dreher / pixelio.de)

Die Herren siegten im Finale am Montag, 7. Oktober 2013 gegen die Auswahl aus Griechenland ebenfalls mit 3:1. Trotz der Absage von Tischtennis-Superstar Timo Boll ging nur ein Spiel verloren und dem sechsten Sieg in Folge stand nichts mehr im Weg. „Der Titel ist für uns eine sehr schöne Bestätigung, dass wir viele sehr gute Spieler haben und nicht nur Timo und mich. Wir haben unterstrichen, dass wir ohne Wenn und Aber das beste Team in Europa sind“, sagte Dimitrij Ovtcharov, der mit der 1:0-Führung die Grundlage für den Doppelsieg legte und mit insgesamt zwei Erfolgen im Finale zum Matchwinner wurde. Patrick Franziska holte den wichtigen Punkt zum 2:1.

Zum ersten Mal also war es der deutschen Auswahl gelungen, einen Doppelsieg zu feiern. Vor Deutschland war dies nur dem Team aus Ungarn gelungen, die dies bereits drei Mal geschafft hatten. Ungarn gilt in Europa als Tischtennisnation und ist hält neben den Siegen auch den Rekord für die meisten Endspielteilnahmen mit sowohl dem Damen- als auch dem Herrenteam. Deutschland stand auch bereits zwei Mal mit beiden Teams im Endspiel, bisher konnte jedoch keine der Titelchancen genutzt werden. Von daher ist der Sieg beider Mannschaften dieses Jahr ein großer Erfolg.

DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig lobte seine Mannschaft: „Wir hatten vorher nicht ausschließen wollen, dass ein solch überragendes Ergebnis möglich sein könnte. Besonders beeindruckend an diesem für das deutsche Tischtennis einmaligen Ergebnis ist die Souveränität und Ausgeglichenheit unserer Mannschaften, die beide Gold hundertprozentig verdient haben“

Vorschau: Nach der EM ist vor der NBA-Saison: In der US-Nationalliga werden bald wieder Körbe geworfen. Nächste Woche lest ihr eine Vorschau dazu.

Mit Durchblick und purer Dominanz zum Titel

Hat den vierten Titel fest im Blick: Sebastian Vettel (Foto: Pascal Werth)

Hat den vierten Titel fest im Blick: Sebastian Vettel (Foto: Pascal Werth)

Was für ein Rennen! Pure Dominanz! Das, was uns Sebastian Vettel am vergangenen Sonntag, 22.09.2013, in Singapur gezeigt hat war schlicht und einfach weltmeisterlich. 1600 Lichter und ein beachtliches Feuerwerk am Schluss des Grand Prix beleuchteten die Rennstrecke des einzigen Nachtrennens der Saison. Der Mann mit dem größten Durchblick war an diesem Abend der dreifache Weltmeister aus Heppenheim, der seinen Konkurrenten keine Chance ließ.

Auch wenn die Rahmenbedingungen und die Leistung Vettels erste Sahne waren, muss der Heppenheimer noch auf seine vierte Titelfeier ein wenig warten. Doch mit 60 Punkten Vorsprung auf den Spanier Fernando Alonso kann wohl nur noch eine Pannenserie oder übernatürliche Kräfte den Red-Bull-Piloten vom WM-Thron stoßen. Wann der Dominator auch rechnerisch nicht mehr einzuholen ist, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Natürlich ist ein Fahrer in gewissen Maßen nur so gut wie sein Auto – und der Bolide von Sebastian Vettel ist verdammt gut – doch Vettels Teamkollege Mark Weber hat wohlgemerkt die gleichen Vorzüge unter seinem Gesäß sitzen und leistet „nur“ mittelmäßige Arbeit ab.

Kein Wunder also, dass sich die internationale Konkurrenz vor dem 26-Jährigen Deutschen ehrfürchtig verneigt. Während Ferrari in Person von Teamchef Stefano Domenicali bereits die Weiße Fahne auf der eigenen Homepage hisst („Jetzt ist klar, dass wir 99 Prozent unserer Energie auf das Projekt für 2014 konzentrieren werden, weil es genauso kompliziert wie wichtig ist“) überschlägt sich die italienische Presse mit Lob für den alten (und zukünftigen Weltmeister): „Vettel ist unangreifbar und flößt Angst ein. Sein siebter Saisonsieg ist mehr als verdient“, titelt etwa die Gazzeta dello Sport. Und Tuttosport schreibt: „Vettel dominiert das Rennen von Anfang bis zum Ende. Sein Niveau ist einfach höher, als das von Ferrari.“ Auch der Kurier aus Österreich schreibt von einer klaren „Machtdemonstration“ des Deutschen, der „die WM-Lichter ausknipst“.

In den nächsten Wochen geht die Asientour der Formel 1 weiter. Es stehen Stationen in Südkorea (6. Oktober), Japan (13. Oktober) und Indien (27. Oktober) auf dem Programm. Alles Rennen, in denen der Weltmeister, der mit dem Sieg in Singapur seinen 33-Grand-Prix-Sieg feierte und damit erfolgreichster Fahrer der Formel 1 Geschichte ist,  im vergangenen Jahr gewinnen konnte und so den Weg zu seinem WM-Titel ebnete. Eine Wiederholung ist auch in diesem Jahr alles andere als ausgeschlossen. Und dann wird wieder ein Feuerwerk abgebrannt werden – nur für Vettel, nur für den Weltmeister. 

Weitere Pressestimmen:
ITALIEN
Corriere della Sera: „Vettel bringt das übliche, einsame Rennen hinter sich. Red Bull hat jetzt die WM in der Hand. Hoffentlich wird es nicht mehr zu pfiffen gegen einen sehr guten Piloten kommen, der den Verdienst hat, ein erschreckend schnelles Auto zu fahren. Man muss Mut haben, diesen Piloten nicht zu umjubeln, obwohl er gerade Geschichte schreibt.“
ENGLAND
Daily Mail: „Es braucht eine Invasion Nordkoreas in Südkorea, ein Erdbeben in Japan, das Ende des Dengue-Fiebers in Indien, einen Sandsturm in Abu-Dhabi, eine Schießerei in Texas und einen bewaffneten Überfall in Brasilien, um Sebastian Vettel auf dem Weg zum WM-Titel zu stoppen.“
The Guardien: „Nichts kann den Champion stoppen. Sebastian Vettel gewann fast zwangsläufig  den Grand Prix von Singapur und machte einen weiteren Schritt zu seinem vierten Weltmeistertitel. Niemand sonst, so schien es, hatte eine Chance.
FRANKREICH:
L’Equipe: „Nachteule Vettel. Ob Tag oder Nacht, Sebastian Vettel ist immer effektiv. Dies stellte er am Sonntag in Singapur unter Beweis. Vettel allein auf der Welt.
ÖSTERREICH
Kronen Zeitung: „Sebastian Vettel kann sich in der Formel 1 nur noch selbst schlagen. Der Titelverteidiger dominierte am Wochenende in Singapur wie nie zuvor in dieser Saison.

 

Mit Tragetuch zum Geisterberg – Familienurlaub in Österreich

Vier Sterne für Familien: Hotel Lerch in Sankt Johann im Pongau

Vier Sterne für Familien: Hotel Lerch in Sankt Johann im Pongau (Foto: Obermann)

Früher oder später musste er ja kommen: der erste Familienurlaub. Nur wie? Schön nostalgisch, wie wir ihn aus unserer eigenen Kindheit kennen, mit dem Auto durch den Stau über ein oder zwei Grenzen, selten mehr. Oder doch exotischer mit dem Flugzeug, dem Schiff oder zu Fuß um den halben Globus? Wer mit kleinen Kindern in Urlaub fährt, hat ganz andere Ansprüche, als jemand, der einfach nur die Welt sehen will. Kultur, Land und Leute, einmalige Erlebnisse und erstaunliche Naturschauspiele müssen plötzlich mit Wickelgelegenheiten, Spielplätzen und kindertauglichen Wegen kombiniert werden.

Wir fingen dieses Jahr klein an und fuhren für eine Woche mit Sohn (fünf Jahre) und Tochter (fünf Monate) nach Sankt Johann im Pongau, Österreich. Eine Stunde hinter Salzburg liegt der Alpenort. Damit wirklich jeder von uns zumindest teilweise auf seine Kosten kommt, quartierten wir uns im vier Sterne Hotel Lerch ein. Denn mit den Kindern kommt auch die Erkenntnis, wie erlösend eine Woche ohne selber kochen, Wäsche waschen und aufräumen ist. Das Hotel bietet für jeden Geldbeutel passende Zimmer, die für Paare oder Familien gedacht sind. Zwei Schwimmbecken locken an heißen Tagen zur Abkühlung, ein großer Spielplatz mit Kinder-Bauernhaus und Streichelzoo sorgt für die Kinder-Bespaßung. Dazu gibt es wöchentlich ein ausgedehntes Programm mit Kutschfahrten, Ponyreiten, Kinderkino, Nachwanderungen, Traktorfahrten, und und und.

Die Berge: ein Ausblick der sich lohnt (Foto: Obermann)

Die Berge: ein Ausblick der sich lohnt (Foto: Obermann)

Doch auch um Sankt Johann herum zeigt sich ein buntes Feld an Aktivitäten, die für Familien gemacht sind. Der nahe gelegene Geisterberg ist eine ideale Kombination von gemütlicher Wanderung für die Erwachsenen sowie Spiel und Spaß für die Kinder. Mehrere Spielgelegenheiten, ein Rundweg mit kleinen Stationen und zwei gemütliche Hütten für die Jause, den Imbiss beim Wandern, sind vorhanden. Alle, die gerne noch etwas mehr Bewegung wollen, sparen sich einfach den Geisterzug, der von der Gondel zum Geisterdorf führt. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, kommt dabei um eine Frage nicht herum: Kinderwagen oder Tragetuch. Wir entschieden uns für das Tragetuch und waren damit erstaunlicherweise in der Minderheit. Dabei finde ich das Tragetuch praktisch und ideal für Wanderungen. Auch etwas unebene Wege können leicht passiert werden, das Kind fühlt sich auch wach sicher und die Gefahr, dass es anfängt zu quengeln, ist minimal. Freie Hände und im Notfall auch eine Stillmöglichkeit während des Laufens sind weitere Pluspunkte. Auch Gondeln, Busse oder Züge sind mit Tragetuch oft leichter zu nutzen, vor allem beim Andrang in den Sommerferien.

Naturschauspiel: Der Wasserfall in der Lichtensteinklamm (Foto: Obermann)

Naturschauspiel: Der Wasserfall in der Lichtensteinklamm (Foto: Obermann)

Auch die Lichtensteinklamm bietet sich für Familien mit Kindern an. Mit dem Kinderwagen kommt man hier allerdings nicht durch. Wir suchten uns extra den heißesten Tag unseres Aufenthaltes aus, denn in der Schlucht ist es durchweg kühl. Der rauschende Bach und der tosende Wasserfall, der uns am Ziel erwartete, taten ihr Übriges. Die extra gekauften Regenjacken blieben indes unbenutzt. Im Herbst oder Frühjahr, wenn mehr Wasser den Berg herunter fließt, wird man beim Weg durch die Klamm aber doch ganz schön nass.

Etwas weiter von Sankt Johann entfernt liegt Wagrain, das mit dem Grafenberg eine weitere kinderfreundliche Attraktion bietet. Ein riesiger Spielplatz ist aber nicht das Einzige, was die fleißigen Gondelfahrer erwartet. Eine Kinderalm mit Streichelzoo, ein lehrreicher Bienenpfad, auf dem man das Leben der Honigbienen besser kennenlernen kann, sowie Hängebrücke und kleine Fähren über den Bergsee laden zum Verweilen ein. Wer dennoch etwas wandert, wird belohnt: Ein Seilgarten zum Klettern, eine riesige Rutsche, ein Barfußpfad, Wasserspiele, Jausehütten, und vieles mehr gibt es zu entdecken, je nachdem, wie weit man kommt.

Noch etwas weiter weg befindet sich der Nationalpark Hohen Tauern. Noch davor liegt ein Wildpark mit allerlei heimischen Tieren zum Bestaunen. Aber auch in Salzburg gibt es einiges zu erleben. Das Freilichtmuseum beispielsweise, der Salzburger Zoo, das Spielzeugmuseum oder aber das Haus der Natur fasziniert nicht nur die Kinder. Wir entschieden uns für Letzteres und staunten nicht schlecht. Flora und Fauna werden gezeigt und erklärt, ein kleiner Reptilienzoo gehört dazu, eine Weltraumausstellung, sowie eine Körperausstellung mit kleinen Stationen zum Mitmachen lässt den Besuch kurzweilig erscheinen. Im Extra-Trakt gibt es für kleine und große Forscher außerdem das Science Center mit Laboratorien, Sonderschau und allerlei zum Entdecken.

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Bewegungsfreiheit? Mit dem Tragetuch klappt nicht nur das Wandern spielend (Foto: Obermann)

Wichtig ist, immer wieder Pausen einzuplanen. Zum Stillen, Wickeln, aber auch, dass die älteren Kinder kurz durchatmen können. Ein kleiner Snack sollte immer griffbereit sein und vor allem die Getränke dürfen nicht vergessen werden. Bei all dem Wandern und Spielen brauchen auch die größeren Kinder Ersatzkleidung. Und neben all dem Neuen, was es in kurzer Zeit zu entdecken und erfahren gilt, sollten Eltern immer darauf achten auch den eigenen Bauch und die Kinder zu hören. Ein Tag Pause passt vielleicht nicht immer in den Reiseplan, hilft aber bei nörgeligen Kindern oder schlaflosen Säuglingen. Und wer dann Schwimmbecken, Streichelzoo und Spielplatz im Hotel hat, kommt auch bei einem Tag Pause noch voll auf seine Kosten.

Ein guter Tipp für alle, die den nächsten Familienurlaub planen und noch nicht genau wissen, wo es hingehen soll, ist „Reisen mit Kindern“ von Geraldine Friedrich. Ob Afrika, Frankreich oder Amerika, ob Campen, Wandertour oder Skikurs, hier gibt es Erfahrungsberichte und nützliche Ideen.

Vorschau: Am 03.September folgt hier der Mentalitätscheck zum Land, wo die Zitronen blühen, Italien.

 

Von Männern mit Handtaschen und bezahlten Studenten

Bei manchen Studiengängen ist es schon Pflicht, es macht sich gut im Lebenslauf und stellt eine gelungene Abwechslung zum Studienalltag dar: Das Auslandssemester. Immer mehr Studentinnen und Studenten wagen sich im Bachelor oder Master für ein oder zwei Semester ins Ausland. Heute hat Face2Face für  euch vier Studenten interviewt, die sich gerade im Ausland befinden oder vor kurzem wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Luca Bayha (23) war im Rahmen seines Physik-Bachelors ein ganzes Jahr im Ausland. Sein fünftes und sechstes Semester verbrachte er im United Kingdom in London. Seine Entscheidung ist Ausland zu gehen fällte Bayha schon zu Anfang des Studiums. „Definitiv klar war es dann am Anfang der dritten Semesters“, erzählt er. Nach England zog es Bayha unter anderem wegen der Sprache,  mit deren Kenntnis er sich einen leichten Start in seinen Auslandaufenthalt erhoffte. Das habe dann auch geklappt, wie er Face2Face berichtet, und er  kann als Erfahrung mitnehmen, „dass man sich überall schnell einleben kann und dass ich viele nette und hilfsbereite Leute getroffen habe.“ Auch die Bewerbung von der Uni Heidelberg aus war für Bayha relativ einfach: „Es war nicht besonders schwierig, auch wenn nicht immer klar war, welche Formulare man  benötigt.“ Mit seiner Bewerbung habe er sechs Monate vor Beginn seines Auslandjahres begonnen. In England habe Bayha dann in den Vorlesungen hauptsächlich mit anderen Gaststudenten zu tun. „Mit den einheimischen Studenten entstand der Kontakt durch das Wohnheim und den gemeinsamen Sport“, berichtet der 23-Jährige. Alles in allem würde er, wenn er noch einmal die Wahl hätte, alles genauso wieder machen.

„Die universitäre Bürokratie und das Verhältnis zum zweiten Weltkrieg“ sind ähnlich, berichtet Sina Pauly (22) über ihr Auslandsjahr in Graz in Österreich. Für Österreich habe sie sich ein Jahr im Voraus entschieden, vor allem weil sie dort bereits  soziale Kontakte geknüpft habe. Selbstverständlich hörte sie ihre Vorlesungen im Studienfach Latein auf Deutsch. Trotzdem verwunderte sie die Tatsache etwas, „dass wie selbstverständlich auch in der Uni im „Dialekt“ gesprochen wird.“ Im Studium habe  sie es hauptsächlich mit österreichischen Studenten zu tun gehabt. Über  Bewerbungsverfahren von der Uni Tübingen aus berichtet sie, dass es „aufwändig aber einfach“ war. Beim nächsten Mal anders machen würde Pauly dass sie, wenn sie jetzt am Anfang ihres Auslandssemesters stünde, mehr ERASMUS-Veranstaltungen besuchen würde.

Weit weg von Deutschland und Europa hat sich Philipp Kunkel (24) gewagt. Zwei Semester studierte er in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans. „Dass ich für zwei Semester ins Ausland gehen will, war für mich eigentlich schon ziemlich klar, als ich angefangen habe zu studieren. Zwar wusste ich noch nicht wohin, aber zumindest wollte ich mal was anderes kennen lernen“, berichtet er. Auch, dass er Chinesisch lernen und die chinesische Kultur kennen lernen wollte, stand für ihn relativ schnell fest. „Dementsprechend hatte ich mich auch für China beworben, aber am Ende bin ich froh, dass es Taiwan geworden ist“, erzählt er. Ein Jahr im Voraus habe er sich beworben und wurde gleich genommen, da nur wenige Studenten von der Universität Heidelberg nach Taiwan wollten. „In Taiwan war dann auch alles eigentlich kein Problem, da es genug Leute gab, die sich um einen gekümmert haben und immer weitergeholfen haben.“ Im Laufe seines Aufenthaltes habe er die Erfahrung gemacht, dass die Bewohner Taiwans freundlich, offen, hilfsbereit und sehr gastfreundlich sind. Ungewohnt waren jedoch das taiwanesische Essen, die Nachtmärkte und „die vielen Männer mit großen Frauenhandtaschen.“ Zu tun habe Kunkel im ersten Semester noch eher mit anderen Austauschstudenten, aber je besser sein Chinesisch über das Jahr wurde, desto mehr habe er mit Taiwanern unternommen, da man so ja auch noch die Sprache üben konnte. „Ich glaube, dass es noch schöner gewesen wäre, wenn ich die Sprache noch ein bisschen besser gekonnt hätte, weil man dann gleich von Anfang an noch viel mehr entdecken kann“, erzählt Kunkel zum Schluss, „ansonsten würde ich eigentlich nichts anders machen.“

Für Clarissa Wink (23) stand schon in der Schule fest, dass sie gerne einmal ein Auslandssemester in Frankreich machen möchte. Von ihrem Physikstudium an der Uni Stuttgart aus hatte sie dann die Wahl entweder nach Oslo oder Paris zu gehen. Da ihr Auslandsemester auf ein Wintersemester fiel, entschied sie sich wegen der langen Nächtegegen Norwegen. Über das Unisystem in Frankreich berichtet Wink, dass es anders als in Deutschland über den Universitäten noch sogenannte „Grandes Écoles“ gebe: „An meiner École, der École Normale Supérieure, werden Studenten schon gleich nach ihrer Aufnahme verbeamtet und bekommen ein festes Gehalt.“ Damit gehen einher, dass sowohl die Ansprüche an die Studenten, als auch das Niveau sehr hoch seien. Mit ihrer Bewerbung habe sie im dritten Semester ihres Bachelor-Studiengangs angefangen und im fünften Semester sei sie dann nach Paris gegangen. An der Universität habe sie sowohl mit anderen Austauschstudenten zu tun gehabt, als auch mit einheimischen Studenten. „Die Vorlesungen sind größtenteils auf Französisch manche auch auf Englisch. Die Dozenten kommen nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus dem Iran, Deutschland und der ganzen Welt“, berichtet Wink. Wenn sie jetzt ihr Auslandssemester überdenkt, wäre es vielleicht hilfreich gewesen dieses erst im Master zu absolvieren, „weil ich fachlich noch mehr hätte mitnehmen können“, sagt sie – im Großen und Ganzen sei sie aber  sehr zufrieden.

Vorschau: Am Dienstag, 12. Februar geht es in der Reiserubrik weiter mit der Mentalitätencheckserie – dieses Mal geht es um Australien.

Der große Mentalitätencheck, Teil 7: Ungarn

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuchen und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuellen Mentalitäten vor. Heute: Ungarn.

Thronend über der ganzen Stadt: Der jahrhunderte alte Regierungssitz über Ungarn, der Burgpalast in Buda (Foto: Homolka)

Ungarn gehört mit Finnland zu den beiden einzigen Ländern in Europa, die eine Sprache sprechen, die weder mit den romanischen, noch mit den germanischen, noch mit den slawischen Sprachen in irgendeiner Art und Weise etwas gemeinsam hat. Auch 300 Jahre österreichische Herr- und Mitregentschaft haben daran wenig geändert. Wahrscheinlich liegt es teilweise daran, dass die Ungarn ihre eigene kulturelle Identität größtenteils bewahrt haben und sowohl im ehemaligen Ostblock, als auch im heutigen Europa eine Sonderrolle spielten und immer noch spielen. Doch wie wirkt das sich auf das Verhalten der Ungarn gegenüber neugierigen Besuchern wieder?

Zuerst einmal ist die Kommunikation mit den Ungarn gar nicht so kompliziert. Je nach Alter sprechen die meisten Ungarn als Zweitsprache entweder deutsch, wenn sie zur älteren Generation gehören, oder englisch, wenn sie eher zur jüngeren Generation zählen. Weiterhin stellt auch für die russisch Sprechenden die Sprache der ehemaligen Sowjetunion eine Alternative dar.
Nichtsdestotrotz geht mit der besonderen Sprache auch ein besonderer Nationalstolz einher, der sich zurzeit im politischen Rechtsrutsch der regierenden Partei wiederspiegelt.  Dennoch trifft das bei Weitem nicht auf die ganze Bevölkerung zu. Geprägt von einer jahrhundertelangen ungarisch-deutsch-jüdischen Tradition in ganz Ungarn sind die meisten Menschen aufgeschlossen und auch am Austausch mit ausländischen Besuchern interessiert. Auch schließt der aufkeimende Nationalismus nicht aus, dass sich der Großteil der ungarischen Bevölkerung für eine stärkere Integration in die europäischen Union ausspricht.
Ihr könnt euch also auf einer Reise durch Ungarn auf interessante politische Gespräche gefasst machen.

Reichhaltig und farbenfroh: Die große Markthalle in Budapest (Foto: Homolka)

Als empfehlenswert ist weiterhin die Küche Ungarns.  Fleisch und Paprika sind  die beiden kulinarischen Hauptattraktionen der ungarischen Küche. Nichts wird gekocht ohne eine Prise schärfsten Paprikagewürzes oder eines gut durchgebratenen Stück Fleischs. Dies kann man im Restaurant oder auf dem Markt im Vergleich zu Deutschland relativ billig erstehen. Inzwischen ist jedoch  ein langsamer Anstieg der Preise zu beobachten. Für ausgesprochene Nicht-Scharf-Esser ist übrigens abstandzuhalten von jeglichem Paprikagewürz, da ein feuriges Gefühl im Mund nicht ausgeschlossen werden kann.

Beliebte Reiseziele in Ungarn stellt neben der Metropole Budapest mit ihrer ganz eigenen Szene und Stadthistorie vor allem die Plitvicer Seenplatte im Norden des Landes dar. Traumhaft in der Natur gelegen gehörte diese Gegend schon zu Kaiserin Sissis Erholungsgebieten und ist auch heute noch eine hochfrequentierte Urlaubsregion von Österreichern und Deutschen.

Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, eine Reise nach Ungarn anzutreten, ist nur noch ein kurzes Wort über die Reisejahreszeit zu verlieren: Tendenziell ist das Wetter einen Tick besser als in Deutschland, dennoch ist der Sommer als beste Reisezeit zu empfehlen. Aber wer jetzt Lust bekommen hat auf eine Winterreise, zum Beispiel zu  den heißen Thermalquellen nach Budapest, dem sei dies natürlich auch wärmstens empfohlen.

Mehr  über Budapest lest ihr HIER nach.

Vorschau: Am Dienstag, 18. Dezember geht es in der Reiserubrik weiter mit der Mentalitätencheckserie – dieses Mal geht es um die Türkei.