Unsere Stimme für unser Morgen – Online Petitionen

Wer das Wort „Petition“ hört, denkt an Menschen in Fußgängerzonen, die an Klapptischen mit riesigen Plakaten Unterschriften für hungernde Kinder oder gequälte Tiere sammeln. Manch ein Unterhaltungsfernsehsender hat schon aufgedeckt, dass manche dieser Organisationen nichts als Schein sind und die Menschen, die sich ihre Füße wundstehen wie Sklaven behandelt werden. Nicht alle natürlich, das ist klar.

Doch in multimedialen Zeiten und der Internetgesellschaft ist das Sammeln von Unterschriften auf neue Ebenen gestiegen. Vielen sind Online-Petitionen allerdings nicht geheuer, sie zögern, ihre Adressen und ihren Namen anzugeben. Datenschutzdebatten klingeln noch in ihren Ohren. Andere kennen Organisationen wie ‚Avaaz‘ oder ‚Campact‘ nicht und was der Bauer nicht kennt …

Dabei können Online-Petitionen tatsächlich etwas bewirken und die junge Generation weißt das. 2007 wurde das Kampagnennetzwerk ‚Avaaz‘ gegründet und sammelt seitdem global Stimmen für Petitionen und organisiert unter anderem Flashmobs. In 14 Sprachen arbeitet das Netzwerk und sammelte beispielsweise 2010 über 110 000 digitaler Unterschriften gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Deutschland. Finanziert werden die Kampagnen über Spenden aus der ganzen Welt. Über zwölfeinhalb Millionen Mitglieder hat Avaaz im Februar 2012, noch im Herbst 2011 berichtete der „Fluter“ von zehn Millionen Aktiven. Kein schlechter Schnitt. Mitglieder registrieren sich für den Newsletter, in dem auf aktuelle Petitionen und Aktivitäten hingewiesen wird, unterschreiben Petitionen, die sie wichtig finden, leiten die Petitionen an Freunde weiter oder teilen sie über Facebook und Twitter. So viele Mitglieder zeigen, dass Online-Petitionen keine ziellosen Ideen sind. Im Januar 2012 erst vollbrachte es eine Petition von Avaaz in 36 Stunden 500 000 Unterschriften von Indern für eine umfassende Reform in Indien zu sammeln. Die Aktion folgte auf die Ankündigung Anna Hazare, sollte die Regierung keinen Entwurf für ein Anti-Korruptionsgesetzt erlauben, bis zu seinem Tod zu fasten. „Innerhalb von 4 Tagen brachte der öffentliche Aufschrei Indiens Regierung dazu, eine schriftliche Vorlage aller Forderungen Hazares zu unterzeichnen. Wir haben gewonnen!!“ schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite.

Mit über 500 000 Mitgliedern ist das Netzwerk ‚Campact‘ zwar kleiner als Avaaz, allerdings arbeitet ‚Campact‘ nur in Deutschland und fokussiert wichtige Themen unseres Landes. Ende 2004 ging ‚Campact‘ an den Start, 2009 half ‚Campact‘ mit, die Aussaat von Genmais zu verhindern. Momentan sammelt das Netzwerk Stimmen gegen das Atomendlager in Gorleben und für Regelungen zur effizienteren Energienutzung. Die Metapher des globalen Dorfes trägt die Fußgängerzone in unser Wohnzimmer, an unseren PC. Niemand muss das Haus verlassen, um seine Unterschrift unter eine Kampagne zu setzen, die er unterstützen will. Ganz im Geheimen kann er das tun und sich in Ruhe aussuchen, was er interessant findet. Mitmachen statt über die Zustände zu schimpfen, so lautete die Devise der Kampagnennetzwerke. Mitmachen und Bewegen. Wer keiner Partei so schnell seine Stimme leihen will, kann selbst sagen, was er gut und lohnenswert findet. Und wir kommen tatsächlich dank ‚ Organisationen wie Avaaz‘ und ‚Campact‘ an einen Punkt, wo wir sagen können: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.

Zusammen stark: Kampagnennetzwerke leben vom Engagement ihrer Mitglieder (Foto: Beutler)

Wer aber immer noch Angst vor Datenschutzmängeln hat und gesichtslosen Internetseiten nicht traut, sollte erst einmal einen Blick auf die Netzwerke werfen, ehe er seine Meinung bildet. Strenge Datenschutzrichtlinien werden sowohl bei ‚Avaaz‘, als auch bei ‚Compact‘ verfolgt und eingehalten. Der Newsletter ist schnell wieder abbestellt, ein persönliches Passwort bei ‚Compact‘ bietet noch mehr Schutz. Tatsächlich sind diese Netzwerke wesentlich übersichtlicher und sicherer, als manche Unterschriftssammlungen in der Fußgängerzone. Wichtig ist aber auch hier: Wir müssen mitmachen, müssen unsere Stimme nutzen und dank ‚Avaaz‘ und ‚Campact‘ können wir das auch.

 

 

Vorschau: Nächste Woche startet unser neuer Kolumnist Sascha mit seinem Text über die Männer unserer Zeit.