Patrick Franziska triumphiert und ordnet sich unter

Hohen Tischtennis-Besuch gab es am gestrigen Sonntag in der Wormser BIZ Sporthalle zu bestaunen. Bei der zweiten Auflage des EWR Masters testeten unter anderem die beiden deutschen Tischtennis-Superstars Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll ihre Kräfte, bevor es zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro geht. Den Turniersieg schnappte sich mit Patrick Franziska aber ausgerechnet der eigentliche Ersatzmann für Olympia.

Es war 17.49 Uhr als sich Turniersieger Patrick Franziska sichtlich geschafft, aber überaus glücklich den wartenden Pressevertretern stellte. „Ich bin von meiner Leistung ehrlich gesagt selbst ein wenig überrascht. Aber ich war schon im Training in guter Form und freue mich darum umso mehr über den Turniersieg“, strahlte er nach dem kräftezehrenden 3:2 (11:7; 11:9; 9:11; 4:11; 12:10)- Finalerfolg über Deutschlands Nummer eins, Dimitrij Ovtcharov, über das ganze Gesicht.

EWR Masters als letzter Härtetest
Die zweite Auflage des EWR Masters war für die deutsche Tischtennis-Elite das letzte Turnier vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janiero. Klar, dass sich für diesen Härtetest in Ovtcharov, Timo Boll, Bastian Steger (alle Deutschland), Li Ping (Katar), Robert Gardos und Chen Weixing (beide Österreich) gleich sechs Rio-Fahrer in Worms die Klinke in die Hand gaben. Die Krux: Triumphator Franziska, der als vierter Ersatzmann mit nach Rio fliegt, war als Teilnehmer des Turniers ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen. Erst durch die Absage der schwedischen Tischtennislegende, Jan-Ove Waldner, rutschte der gebürtige Bensheimer ins Zwölferfeld nach und übte so schon einmal den Ernstfall des Ersatzmannes. Und dies mit großer Bravour. Mit zwei 3:1-Siegen über den Schweden Jörgen Persson und Steger, schaffte Franziska als Gruppenerster den Einzug ins Halbfinale. Gegner dort war Timo Boll, der sich ebenfalls mit zwei Erfolgen qualifizierte. Ovtcharov und Gardos komplettierten das Feld der besten Vier.

Voll fokusiert: Turniersieger Patrick Franziska und Dimitrij Ovtcharov (vorne) im Finalspiel des EWR Masters Foto: Koehl

Voll fokusiert: Turniersieger Patrick Franziska und Dimitrij Ovtcharov (vorne) im Finalspiel des EWR Masters Foto: Koehl

Arrangiertes Doppel sorgt für Unterhaltung
Doch bevor dieses ausgespielt wurde, sorgten die Veranstalter des TV Leiselheim für ein wenig Abwechslung in der brütend warmen BIZ Sporthalle. Während das Öffnen der großen Hallentüren nur wenig Abkühlung brachte, sorgte dagegen das arrangierte Doppel, bei dem Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf und der EWR-Vorsitzende Günther Reichart für den guten Zweck gegen Fetzner und den Wormser Sportdezernenten Uwe Franz einen Satz spielten, für reichlich Heiterkeit unter den Zuschauern. Auch die Autogrammstunde mit allen zwölf Spielern war ein echter Zuschauermagnet. „Tiiiiimoo“, schrie ein junges Mädchen, als sie ihr Idol entdeckte und schlug sich kurz darauf peinlich berührt die Hand vor den Mund. Doch nur, um wenige Sekunden später ihren Mut wieder zu finden und zu fragen: „Darf ich ein Foto mit dir machen?“ „Klar, auch zwei“, antwortete der ehemalige Weltranglistenerste mit einem sympathischen Grinsen.

Boll verliert und visiert Medaille an
Weniger zu Lachen hatte Boll dagegen wenig später an der Platte. Bei der 1:3 (9:11; 11:6; 9:11; 10:12)-Niederlage musste er sich Franziska im Halbfinale knapp geschlagen geben. „Es war vor Olympia noch mal wichtig, gute Wettkämpfe zu spielen. Man hat heute allen aber auch eine gewisse Müdigkeit angemerkt, da haben die Jüngeren vielleicht einen kleinen Vorteil“, sagte Boll mit einem Augenzwinkern und ergänzte: „Ich bin dennoch optimistisch, dass ich in einer guten Form bin. Natürlich möchte ich in Rio eine Medaille gewinnen, aber ich konzentriere mich zunächst voll und ganz auf die erste Runde.“

Mit Ovtcharov ist zu rechnen
Auch sein Mannschaftskollege Ovtcharov reist mit großen Medaillienambitionen nach Brasilien. Der klare 3:0 (11:4; 13:11; 11:7)-Halbfinalerfolg über Gardos hat gezeigt, dass mit ihm zu rechnen sein wird. Daran ändert am Ende auch die 2:3-Finalniederlage gegen Franziska nichts. Die Rollen sind klar verteilt. Das weiß auch der Ersatzmann: „Ich werde in Rio für die Mannschaft da sein und sie so gut es geht mit der Hoffnung unterstützen, dass am Ende eine Medaille herausspringt“, gab sich Franziska mannschaftsdienlich.

Vorschau: Nächste  Woche erfahrt ihr alles, was es mit dem HIIT Training auf sich hat.

 

  

Stehen die Olympischen Spiele auf der Kippe?

Wenige Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele macht das diesjährige Austragungsland Brasilien immer wieder durch schlechte Nachrichten von sich reden. Mittlerweile häufen sich gesundheitliche Risiken, Bauverzögerungen und Raubüberfälle in der Olympiastadt und es stellt sich die Frage, ob die Olympischen Spiele dieses Jahr verschoben oder möglicher Weise gar abgesagt werden müssen.

Der Austragungsort der Segelwettkämpfe? Eine Mülldeponie

Beim Gedanken an Brasilien assoziiert man augenblicklich den feinen, weißen Sandstrand der Copacabana, das glasklare Wasser.

Trügt der Anblick der Copacabana? (Foto: Astrid Götze-Happe/pixelio.de)

Trügt der Anblick der Copacabana? (Foto: Astrid Götze-Happe/pixelio.de)

Doch die Bilder der Guanabara-Bucht, dem Austragungsort der Segelwettkämpfe, zeigen exakt das Gegenteil: Die Bucht ist schon fast ein Tümpel voll von Bakterien, Viren und Müll. Zwar wurde bereits mit der Entsorgung der Abfälle begonnen, doch ist es weiterhin fraglich in wie weit das Problem bis zum Startschuss der Rennen beseitigt werden kann und ob die Keime nicht sogar krankheitsgefährdend für die Teilnehmer sein könnten.

Gefahr einer Zika-Pandemie?

Auch wenn das größte Risiko weiterhin für ungeborene Kinder besteht, kann der in Südamerika verbreitete Zika-Virus ebenso auf Sportler und Zuschauer übertragen werden.  Schwangere sollten unbedingt von einer Reise zu den Olympischen Spielen absehen. Ob durch die Besucher und Teilnehmer aus aller Welt nun eine Gefahr einer Pandemie bestünde, prüft die World Health Organisation (WHO) nun. Da bereits auf allen Kontinenten Fälle von Zika bekannt sind, geht man nicht davon aus, dass die Olympischen Spiele Hauptverursacher der schnellen Ausbreitung werden.

 Politische Aufruhre sorgen für Proteste

Nachdem zuerst die Präsidentin Dilma Rousseff aus ihrem Amt enthoben wurde und das Land nun von einer Übergangsregierung geleitet wird, werden die Proteste auf den Straßen des Landes nicht weniger. Korruption und böswilliges Absetzen der Amtsinhaberin werfen die Demonstranten den jetzigen Machthabern vor. Drei Prozent der Baugelder von Olympischen Sportstätten soll in die Taschen der Politiker geflossen sein, doch gerade diese Bauvorhaben erweisen sich als weiteres Problem.

Bauverzögerung bei Olympia-Velodrom

Die Austragungsstätte der Bahnradrennen ist wenige Wochen vor den Sommerspielen noch nicht fertig gestellt. Ähnlich sieht es beim U-Bahn-Netz aus, das das einfache Erreichen der Sportstätten für die Zuschauer ermöglichen soll. Und schließlich wurde diesen Montag der Bau des Beachvolleyballstadions an der Strandmeile Copacabana gestoppt. Eine fehlende Umweltgenehmigung ist die Ursache, die aber schnellst möglich eingeholt werden soll. Außerdem muss man sich dann auch mit den bereits vorhandenen Schäden eines zu hohen Wellenganges beschäftigen.

Auch für die Sportler ist es eine brisante Situation

Doch nicht nur Angst vor Krankheiten bestehen für die Sportler im südamerikanischen Land. Beispielsweise wurde das spanische Segel-Duo auf offener Straße überfallen, blieb jedoch unversehrt. So viel Glück hatte die brasilianische Sportschützin Anna Paula Cotta nicht. Ihr wurde bei einem Angriff in den Kopf geschossen, ihr Zustand sei weiterhin kritisch. Die Regierung reagiert auf die stark zunehmenden Angriffe auf Passanten und hat bereits alle zur Verfügung stehenden Soldaten für den Zeitraum der Sommerspiele geordert.

Austragung weiterhin fraglich

Noch gibt es keine offizielle Bestätigung, dass eine Absage der diesjährigen Spiele in Betracht gezogen wird. Doch wenn die WHO den Zika-Virus als zu großes gesundheitliches Risiko einstuft, Sportstätten weiterhin nicht fertiggestellt werden können und Rio zu gefährlich für Zuschauer und begeisterte Fans bleibt, muss ernsthaft über den Abbruch der Spiele nachgedacht werden.

Die Rückkehr einer Sportlegende

 

Es gibt Sportler, es gibt Rekordhalter oder auch Sportlegenden und dann gibt es noch Michael Phelps, der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Nach den Olympischen Spielen 2012 in London und insgesamt 22 Olympischen Medaillen (18 davon in Gold) wollte er sich frühzeitig in den Ruhestand verabschieden, doch gab es bereits 2014 erste Anzeichen dafür, dass der Schwimm-Gigant zurückkehrt. Beim Grand Prix in Mesa/Arizona sprang der Weltrekordhalter erneut ins Becken und gab schließlich sein Trainingsziel bekannt: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016.

Schwimmflossen anstelle von Spielzeugautos

Die Karriere des Amerikaners begann früh: Im Alter von sieben Jahren stieg er erstmals ins Schwimmbecken, auch weil es als hilfreiche Therapie seiner diagnostizierten ADHS Erkrankung dienen sollte. Nun galt das Schwimmen als oberste Priorität, sein Tagesablauf bestand einzig und allein aus schwimmen, Krafttraining, essen und schlafen und ja, die Schule musste dabei weichen. Anhaftender Chlorgeruch, vom Wasser aufgeweichte Fingerspitzen und Schwimmbrillenabdrücke auf der Stirn waren ständige Begleiter des Jugendlichen. Das tägliche Training zahlte sich bereits im Alter von 15 Jahren aus, als der junge Schwimmer an seinen ersten Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilnahm, auch wenn er dabei keine Medaille gewinnen konnte.

Seine größten sportlichen Erfolge

Zu seinem größten Erfolg zählt definitiv die Sommer Olympiade 2008 in Peking, wobei er acht Goldmedaillen mit ins heimische Baltimore, Maryland nehmen konnte. Bei sieben der Wettkämpfe erzielte er zusätzlich einen neuen Weltrekord.

Bald ist es wieder so weit: Die Schwimmstars kämpfen um Olympisches Gold (Foto: Gregor Fuhr-Boßdorf/pixelio.de)

Bald ist es wieder so weit: Die Schwimmstars kämpfen um Olympisches Gold (Foto: Gregor Fuhr-Boßdorf/pixelio.de)

Vier Jahre später in London qualifizierte er sich für alle acht Wettbewerbe, in denen er auch 2008 an den Startblock ging. Mit insgesamt vier Goldmedaillen und zwei in Silber krönte er sich selbst zum erfolgreichsten Teilnehmer der Spiele in der englischen Hauptstadt.

 Abschied eines Jahrhundert-Sportlers

Nach seinem letzten Rennen bei den Olympischen Spielen 2012 in London, der 4×100-m-Lagenstaffel, wurde der Olympia-Held schließlich verabschiedet. Die Schwimm-Welt trauerte als dieser große Sportler die Bühne verließ, immerhin mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, unter lautem Beifall und dem Lied von Bruce Springsteen „Born In The USA“. Paul Biedermann, László Cseh oder auch Ryan Lochte versüßten uns zwar die Überbrückungsphase mit tollen Wettkämpfen, doch der sympathische Phelps fehlte. Unvergessen bleibt das Titelblatt der Sports Illustrated, welches er mit seinen Gold-Medaillen von Olympia 2008 in Peking zierte. Und auch ein in den Sozialen Netzwerken gern aufgegriffenes Thema ist die „Michael Phelps Food Challenge“: In einem Interview erklärte er, dass seine täglichen Mahlzeiten aus 12.000 Kalorien bestanden.

 Große Chancen

Auch für Rio in wenigen Wochen, können wir uns viel von Phelps erhoffen. Bei den US-Meisterschaften in San Antonio siegte er in drei Disziplinen in Jahresbestzeit und verbrachte  bereits drei Wochen im Olympischen Trainingszentrum, um sich auf Rio vorzubereiten. Er selbst sagte aus: „Ich fordere meinen Körper so stark wie es nur geht“. Und vielleicht gibt ihm ja auch noch einmal die Geburt seines Sohns Boomer Anfang Mai einen zusätzlichen Ansporn. Die Schwimmwelt und alle Fans der Olympischen Spiele freuen sich jedenfalls auf die Rückkehr des Schwimm-Stars und drücken die Daumen für den erfolgreichsten Olympioniken.

Vorschau: Am 30.Mai muss Fußball-Bundestrainer Joachim Löw seinen endgültigen EM-Kader benennen. Face2Face wird diesen genau unter die Lupe nehmen.

 

 

„Wir sind freundlich begrüßt worden – von Menschen, Frauen und Kindern.“

Und wieder ein Jahr, das mit großen Schritten dem Ende entgegenschreitet. Auch in der Sportwelt hat sich 2014 einiges ereignet. Große Triumphe, bittere Niederlagen, Drehbuchreife Dramen und unzählige Sprüche, die diese Ereignisse mit dem gewissen Etwas gewürzt haben.

Das Jahr 2014 war noch recht jung, da fanden im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele statt. Überschattet von den politischen Verhältnissen vor Ort standen die Spiele von Beginn an in der Kritik. Schön, dass die deutschen Sportler mit ihren Mannschaftsoutfit ein inoffizielles Statement abgaben: „Lieber bunter Vogel als graue Maus – die Bunte Republik Deutschland lässt grüßen“, sagte Chef de Mission Michael Vesper nach der Eröffnungsfeier.

Aus rein sportlicher Sicht waren vor allem die (voraussehbaren) milden Witterung ein Graus. Kein Wunder, dass sich die Sportlerinnen und Sportler recht dünn für eine Winterolympiade anzogen. „Ich war so dünn wie möglich angezogen. Ich trug dieses nur, weil ich überhaupt etwas anhaben musste.“(Die norwegische Langläuferin Marit Björgen nach dem 10-Kilometer-Klassikrennen über die Wärme in Krasnaja Poljana) Aber nicht nur das Wetter, auch die Strecken oder Abfahrten hatte es in sich. Gut, dass die österreichische Skirennfahrerin Michaela Kirchgasser nicht so viel an ihrem Körper trug, als sie nach der Abfahrtsstrecke in der Super-Kombination bibberte: „Zwischendrin, glaub‘ ich, ist doch ein bisschen was in die Hose gegangen – nee, aber das ist schon heftig.“

Klar, dass da die deutsche Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger bei so vielen intimen Einblicken Ihrer Kolleginnen, im Bett klare Grenzen setzt und betont: „Mein Schlitten schläft nicht bei mir im Bett. Der hat seine eigene Decke.“ Rodler-Kollegin Tatjana Iwanowa hatte nach den Kommentaren genug gehört und antwortet auf den Vorschlag eines Frauen-Doppelsitzers mit ernster Stimme: „Das wäre zu viel. Zwei Mädels in einem Raum gibt Chaos. Wenn zwei Mädels auf einem Schlitten säßen, würde sie sich gegenseitig die Augen auskratzen.“

Einer der prägendsten Triumphe der Olympiade war aus deutscher Sicht sicherlich der Sieg beim Teamwettbewerb der Skispringer. Bundestrainer Werner Schuster war vor dem Springen für alle Eventualitäten gewappnet und verriet den anwesenden Pressevertretern: „Ich hätte bei einem Misserfolg drei Argumente parat, warum es nicht geklappt hat. Die habe ich wieder in die Schublade getan und nehme sie das nächste Mal mit.“ Das nächste Mal könnte indes schon der Auftakt zur Vierschanzentournee sein. Dort hatten die deutschen Springer nämlich wirklich einen Misserfolg zu verbuchen…

Nach dem Winter kommt der Frühling und dann, ja dann kommt endlich der Monat, auf den die meisten Einwohner in Deutschland gewartet haben: Der Sommer. Und mit ihm auch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Wie es Ex-Fußballer Andreas Möller trotz seiner fragwürdigen Geographiekenntnisse „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“, indes geschafft hatte, sich ordnungsgemäß in Brasilien einzufinden, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

Auch was sich DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock mit dem Satz „Wir sind freundlich aufgenommen worden – von Menschen, Frauen und Kindern“ wirklich gedacht hat, ist noch nicht ganz geklärt. Die deutsche Nationalmannschaft jedenfalls marschierte als Gruppenerster souverän ins Achtelfinale und bekam es dort mit dem großen Außenseiter Algerien zu tun. Der Respekt des Gegners war vor dem Duell riesig. Algeriens Nationaltrainer Vahid Halilhodzic ließ deshalb auch auf der Pressekonferenz verlauten: „Wenn Deutschland fünf Möglichkeiten bekommt, erzielen sie sechs Tore.“ Dass die Partie alles andere als glatt für die deutsche Elf verlief und der Sieg erst nach Verlängerung eingefahren werden konnte, sorgte für einige offene Fragen bei den Journalisten. Fragen, die der deutsche Verteidiger Per Mertesacker so gar nicht nachvollziehen konnte und dem ZDF-Reporter Boris Büchler die schon legendären Sätze entgegnete: „Wat woll’n Sie jetzt von mir?“, „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie eine Karnevalstruppe?“, „Ich lege mich jetzt erstmal für drei Tage in die Eistonne“, „Ich verstehe die ganze Fragerei nicht.“

Nach Algerien war vor Frankreich für die DFB-Elf. Das Spiel wurde 1:0 gewonnen. Die Hitze am späteren Finalspielort in Rio war aber unerträglich. Klar, dass da Thomas Müller mit einem Spruch um die Ecke kam und dem Kaktus huldigte: „Es war schon wie in einer Grillbude. Da merkt man erst mal, was für ein faszinierendes Gebilde ein Kaktus ist, da nicht einzugehen.“ Der Brasilianische Superstar Neymar gab sich, angesprochen auf sein Talent, nicht ganz so bescheiden. Vor dem Viertelfinalspiel gegen Kolumbien ließ er verlauten: „Klar habe ich eine Gabe. Aber ich nehme das Training als Spiel. Und das Spiel gehe ich an, als ob Krieg ist.“ Das Ende vom Lied: Dem Brasilianer wurde der dritte Lendenwirbel im Rücken gebrochen und die WM war für ihn damit gelaufen.

Beim Halbfinale Brasilien gegen Deutschland, sorgten die Deutschen mit einem 7:1-Erfolg für eine Geschichtsträchtige Partie. Doch die DFB-Elf feierte diesen Triumph nicht überschwänglich und tröstete die geschlagenen Brasilianer noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Der Spruch von Nationalspieler Toni Kroos: „Weltmeister ist noch niemand im Halbfinale geworden“, steht sinnbildlich für den Charakter der deutschen Mannschaft. Der Sportartikelhersteller Adidas gab sich da schon eher optimistisch. Mit dem Werbespruch „Nur noch kurze Zeit erhältlich – Deutschland-Trikot mit 3 Sternen,“ sprachen sie vielen deutschen Fans aus der Seele.

Dass das Endspiel dann an Spannung kaum zu überbieten war, ist bekannt. Einer, der sich während dem Turnier mit spannenden wie engen Spielen auskannte war Arjen Robben, der nach dem dritten gedrehten Spiel der Niederländer in die Kamera lächelte: „Ich glaube, die Kardiologen in Holland sind sehr glücklich mit uns.“ Dass sein Nationalmannschaftskollege Nigel de Jong herausstellte, „Ich finde eine fantastische Grätsche, mit der ich einen Treffer verhindere, viel geiler als ein Tor oder eine Vorlage“, ist vielleicht auch ein Grund, warum die Holländer ab dem Viertelfinale kein Tor mehr erzielen sollten.

Treffen wie er wollte konnte auch in diesem Jahr wieder der deutsche Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Als er erst vor kurzem durch seine 14 Punkten über die Los Angeles Lakers auf den achten Platz der ewigen NBA-Scorerwertung kletterte, sagte der 36-Jährige mit seinem typischen Humor: „Ich bin einfach nur glücklich, dass ich Teamkollegen habe, die mich in die richtige Position bringen. Auch wenn ich schon etwas älter bin.“ Den Druck spürt Nowitzki, der in seiner Karriere bereits alles erreicht hat, bestimmt nicht mehr so sehr. Obwohl, den haben die Holländer, insbesondere Klaas Jan Huntelaar, beim Spiel gegen Mexiko auch nicht gespürt. „Der Druck war weg“, sagte er nachdem er vor seiner Einwechslung gegen Mexiko nochmals auf Toilette musste und danach per Strafstoß das 2:1-Siegtor für Oranje erzielte…

Vorschau: Die Darts WM in London ist im vollen Gange. Doch wer holt sich den Titel?

MEINE MEINUNG ÜBER: Die Paralympischen Spiele

Die „großen“ Olympischen Winterspiele sind vorbei, kurz darauf finden jedes Mal die Olympischen Winterspiele der Sportler mit Behinderung statt, die Paralympics. Warum aber finden diese Spiele nicht ansatzweise so viel Beachtung, wie die  Olympischen Spiele?

Warum werden die Medaillen von paralympischen Sportlern nur in einer Kurzmeldung in den Nachrichten abgefrühstückt, wohingegen jede einzelne olympische Medaille mit Überschriften wie „Die Eiseiligen“ (beim Doppel-Gold der Rennschlittenfahrerinnen), oder  „Mama Mia Maria“ (bei Maria Höfl-Rieschs Goldmedaille in der nordischen Kombination) sowie jedes Mal mit feierfreudigen Fernsehbeiträgen belgeitet wurden.

Sollten nicht eigentlich gerade jene Sportler, die trotz körperlicher Einschränkungen Höchstleistungen vollbringen, besondere Aufmerksamkeit bekommen? Oder eben zumindest die gleiche „Sendezeit“, die auch die olympischen Spiele und Erfolge bekommen? Worin liegt der große Unterschied zwischen den Paralympics und den Olympics? Von vielen werden die Behinderten-Spiele belächelt, abwertend als „Pferderennen mit Eseln“ bezeichnet.

Natürlich sind solche Sprüche „nur Spaß“ und „natürlich nicht ernst gemeint“ und alle haben „den allergrößten Respekt“. Doch irgendwie müssen diese Aussagen doch ein Stück weit ernst gemeint sein. Wenn Monoski-Fahrerin Anna Schaffelhuber bei den Winter-Paralympics fünf Goldmedaillen holt, wird das in den Sportnachrichten unter „weitere Meldungen“ abgekanzelt. Hätte jedoch einer der „normalen“ Olympiasportler, wie beispielsweise eine Maria Höfl-Riesch, fünf Goldmedaillen gewonnen, wäre sie zur Sportheldin der Nation erhoben worden.

Ein Rollstuhl ist keine Ausrede, keinen Sport zu machen: Bei den Paralympics erzielen behinderte Sportler Höchstleistungen (Foto: Rike / pixelio.de)

Ein Rollstuhl ist keine Ausrede, keinen Sport zu machen: Bei den Paralympics erzielen behinderte Sportler Höchstleistungen (Foto: Rike / pixelio.de)

Wie also dieses Problem angehen? Wie ist es möglich, das Bewusstsein von Sportbegeisterten auf gleiche Weise für Behindertensportler wie auch für nicht eingeschränkte Sportler zu schärfen? Das Grundsatzproblem liegt meiner Meinung nach darin, dass Behinderte immer noch als „Menschen zweiter Klasse“ angesehen werden und somit auch ihre Leistungen nicht entsprechend gewürdigt werden.

Integration, Toleranz, Empathie. All dies wird immer groß gepriesen, wenn es um den Umgang mit Menschen geht, die nicht in das generelle Toleranzprofil der Gesellschaft passen. Doch eine wirkliche Bewusstseinsänderung bleibt aus. Die Lösung? Prinz William hat es vorgemacht: Er begleitete einen Tag einen Rollstuhl-Basketballer ­– im Rollstuhl! „Das war ein unglaubliches Erlebnis, ich habe eine riesige Achtung vor euch!“, verkündigte er in seiner Abschlussrede. Einen Tag nur sollten viele, die den Behindertensport missachten, die Lebensumstände der Sportler erleben und selbst mit den Herausforderungen klarkommen. Und vielleicht macht es dann endlich „Klick“ in vielen Köpfen.

Anmerkung: Es handelt sich hierbei um einen Meinungsbeitrag. Der Text spiegelt nicht zwingend die Meinung der gesamten Face2Face-Redaktion wieder.

Olympische Spiele der Extreme

Ständige Terrorgefahr. Über 60 000 Polizisten und Soldaten sind rund um die Uhr um die Sicherheit der Gäste und Sportler bemüht. Es kommt zu einer regelrechten Militarisierung. Wenn am Freitag den 07.02.2014 die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi eröffnet werden, haben diese Spiele bereits einiges erlebt – allerdings weniger aus sportlicher Sicht. Wohl kaum eine andere Winterolympiade hat im Vorfeld für so viel Gesprächsstoff gesorgt, wie diese. Neben dem omnipräsenten Anti-Homosexuellen-Gesetz, das einem alleine schon die Hände unglaubwürdig über den Kopf zusammenschlagen lässt, kamen in den letzten Tagen auch noch peinliche Bauverzögerungen, schwammige Dopingbekämpfungen und das Massentöten von Hunden und Katzen ans Tageslicht. 

ARD und WDR berichtet am vergangenen Wochenende über das bisher für die Öffentlichkeit unbekannte Dopingmittel Full Size MGF. Mit diesem soll ein Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau Geschäfte machen. Das Dopingmittel ist als hoch wirksam einzustufen und kann vor allem als intensiver Beschleuniger für den Muskelaufbau eingesetzt werden. Ein Nachweisverfahren gibt es laut offiziellen Angaben noch nicht. Ohne hin ist das Gesundheitsrisiko für den Menschen nicht abschätzbar, da dieses Mittel überhaupt keine klinische Zulassung besitzt. Dementsprechend emotional reagierte der Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, David Howman, auf die angebliche Verbreitung des Mittels: „Es ist schockierend, dass ein Wissenschaftler Substanzen anbietet, die noch nicht am Menschen erprobt worden sind. Die Sportler werden so zu Versuchstieren“, sagte Howman der dpa. Warum noch keine Nachweisversuche für dieses Mittel initiiert wurden, ist nicht bekannt. Fakt ist aber, dass so dem Doping Tür und Tor geöffnet werden. Bedrohlich: Aufgrund der noch relativen Unerfahrenheit mit Full Size MGF kommt die richtige Dosierung des Mittels einem russischen Roulette gleich. Zwischen Goldmedaille und Tod ist es da nur noch ein ganz schmaler Grad. 

Doch nicht nur die schwammige Antidopingbekämpfung in Russland ließ aufhorchen, sondern auch das Massentöten von streunenden Katzen und Hunden steht in den letzten Tagen im Mittelpunkt. Die Region Sotschi ist voll von diesen Tieren. Russland möchte den Gästen eine saubere Stadt bieten und weiß sich in diesem Fall nicht anders zu helfen, als die zu tausenden herumstreunenden Hunde und Katzen zu erschießen oder zu vergiften. Während der Olympiavorbereitung wurden hunderte neue Gebäude errichtet. Ein Tierheim ist nicht darunter. Jahrelang war die Olympiabaustellen das Zuhause dieser Tiere. Gefüttert wurden sie von den Gastarbeitern. Doch diese sind mittlerweile größtenteils wieder weg – geblieben sind Hunde und Katzen jeglicher Art. Die Tierschützerin Tatjana Leschenko berichtete der dpa, dass die Hundefänger vor allem nachts kommen, wenn niemand hinsieht. Auch eine Kopfgeldprämie soll ausgesetzt worden sein. Für ein zivilisiertes Land dürfte man eine andere Umgangsart mit diesen Tieren erwarten. 

Zu den ganzen negativen Nebengeräuschen kamen nun auch noch die peinlichen Bauverzögerungen ans Tageslicht. Schlamm, Offene Kabelstränge, die in den Zimmern aus der Wand ragen, Baustaub auf hastig installierten Interieur und in den Betten oder verdreckte, schlecht verlegte Teppichböden prägen wenige Tage vor der Eröffnung das Bild von Sotschi. Vor allem in den Bergregionen ist die Unverhältnismäßigkeit zwischen Planung und Durchführung unübersehbar. Die Folge: Hunderte von Journalisten aus aller Welt stehen vor gleichermaßen verwirrenden wie besorgniserregenden Situationen. Viele bekamen erst nach stundelanger Warterei ein Zimmer in den Wohnkomplexen zugewiesen, da die von ihnen gebuchten Räumlichkeiten schlicht nicht zur Verfügung standen oder bereits anderwärtig belegt waren. Eine Sprecherin gab zu Protokoll, dass sechs der insgesamt neun Hotelanlagen fertig gestellt sein. Die letzten drei würden umgehend folgen. Und das für eine Veranstaltung, die insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro verschlungen hat. Die logische Konsequenz: Heerscharen von Arbeitern werkeln rund um die Uhr an der endgültigen Fertigstellung der restlichen drei Anlagen. Selbst türkische Gastarbeiter mussten kurzfristig eingeflogen werden. Immerhin sind die Sportanlagen, das Athletendorf und der Olympia Park, ungeachtet der unmenschlich hohen Kosten, ein echter Hingucker geworden. Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach, sieht in der peinlichen Bauverzögerung indes auch keinen besonderen Grund zur Besorgnis und versicherte, dass er mit dem Stand der momentanen Vorbereitungen zufrieden sei. Na dann… 

Vorschau: Am 19.02. erscheint ein Artikel über die Achtelfinal-Spiele in der Fußball Champions-League

 

Meine Meinung über: Profisportförderung in Deutschland

KOMMENTAR Als Profisportler hat man es hierzulande nicht sonderlich einfach, gehört man nicht gerade zur Gattung derer, die einen Rennwagen im Wert von mehreren 100.000 Euro durch die Gegend fahren oder derer, die gegen einen Ball treten, in der Hoffnung, dass er in diesen viereckigen Kasten rollt. Abgesehen von Fußball ist es in Deutschland nämlich nahezu unmöglich, nur von seiner Sportart zu leben.

Die Unterstützung für die meisten deutschen Topathleten kommt von der deutschen Sporthilfe. Monatliche Beträge werden dort je nach Kaderstatus an die Sportler überwiesen – die reichen jedoch so gut wie nie aus. Weniger als 2000 Euro beträgt der Durchschnittssatz, davon müssen nicht nur Miete und Essen, sondern auch Wettkampfkosten, Trainingslager und Material für die jeweilige Sportart bezahlt werden. Und auch für Spitzenleistungen sind die Förderungsausschüttungen des Deutschen Sportverbandes im internationalen Vergleich wirklich gering.

„Nur“ 15.000 Euro bekam ein deutscher Athlet für eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London im vergangenen Jahr. Im Vergleich: Der russische Sportverband schüttet bei einem Olympiasieg ganze 100.000 Euro aus, in Italien bekommt man sogar 140.000. Viele Sportler denken aufgrund der Tatsache, dass ein Sportlerleben in Deutschland nicht möglich ist, deshalb noch nicht einmal darüber nach, eine Profikarriere einzuschlagen, sondern studieren und arbeiten neben dem Training, um sich ein zweites, sichereres Standbein im Leben aufzubauen. Es hat sich jedoch erwiesen, dass ohne Profisport internationale Topleistungen kaum bis gar nicht zu erreichen sind. Wieso hängt Deutschland also mit der Sportförderung so sehr hinterher?

In den USA beispielsweise wird (Profi-)Sport von Beginn an schon in die High Schools, später in die Colleges und Universitäten integriert, es werden Sportstipendien ausgeschrieben, die Trainingszeiten in den Lehrplan mit intergiert. Zudem wird man als Sportler in den USA auch viel besser gefördert, bekommt Unterstützung in allen Lebenslagen. Das Ergebnis zeigt sich schnell: Die Vereinigten Staaten sind gemeinsam mit China die erfolgreichste Sportnation der Welt. Die Frage stellt sich schnell: Welchen Stellenwert nimmt Spitzensport in Deutschland überhaupt ein?

Degenfechterin Imke Duplitzer sagte in einem Interview klar: „Deutschland ist kein Sportlerland!“ Die meisten der deutschen Topathleten trainieren im Ausland, da die Förderung und auch die Anerkennung in der Heimat einfach zu gering sind. Natürlich muss für eine gute Sportförderung Geld fließen, doch die Frage ist, ob man überhaupt gewillt ist, dies zuzulassen.

Anmerkung: Es handelt sich hierbei um einen Meinungsbeitrag. Der Text spiegelt nicht zwingend die Meinung der gesamten Face2Face-Redaktion wieder.

Sportförderung: Kann man Erfolg kaufen?

Die olympischen Sommerspiele in London waren noch nicht ganz vorbei, da begannen in Deutschland schon die hitzigsten Diskussionen. Alles drehte sich nur um ein Thema: Die Medaillenausbeute der deutschen Athleten. Und die wurde von der Öffentlichkeit sofort als zu gering bezeichnet. Der Deutsche Olympische Sportbund hatte in seiner vorab verfassten Hochrechnung knapp die doppelte Medaillenanzahl in Aussicht gestellt. Am Ende jedoch waren es vor allem die dDeutschen Schwimmer, die enttäuschten – alle anderen Athleten riefen ähnlich Leistungen wie vier Jahre zuvor in Peking ab. Das Resultat: Elfmal Mal Gold, 19 Mal Silber und 14 Mal Bronze.

Doch wo liegen die Gründe für eine solch „geringe“ Ausbeute? Viele Athleten beschwerten sich nach der harschen Kritik der Öffentlichkeit postwendend: Es stünden zu geringe Geldmittel zur Verfügung, um auf ausreichendem Niveau zu trainieren, es fehle oftmals schlichtweg am nötigen Geld. Kann man Goldmedaillen, den Erfolg, also kaufen?

Führt man sich die Gehälter vieler Profisportler einmal vor Augen, wird sofort ein großes Ungleichgewicht zwischen den Sportarten offensichtlich. Während Superstars der Szene wie Sprinter Usain Bolt schon vom Sponsor Puma Gelder in Millionenhöhe einstreichen, müssen andere Athleten mit weit weniger auskommen. So etwa Diskusolympiasieger Robert Harting, der bei der Bundeswehr 1.900 Euro monatlich erhält und zusammen mit Sponsorengeldern auf ein Monatsgehalt von 3.000 Euro kommt. Kristof Wilke, Ruderer des deutschen Goldachters, muss sogar mit monatlich? nur 1.500 Euro der deutschen Sporthilfe auskommen. Trotzdem sind beide bei den olympischen Spielen mit Goldmedaillen aus den Wettkämpfen hervorgegangen.

Alles also nur Ablenkungsmanöver, wenn Athleten, die ihre Leistung nicht wie gewollt zeigen konnten, über schlechte Trainingszustände mosern? Eine Frage, die sich pauschal sicherlich nicht so einfach beantworten lässt. Um sportlichen Erfolg zu haben, ist jedoch vor allem eins wichtig: Absoluter Wille und Leidenschaft, zu gewinnen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr eine Analyse über den Lockout in der NHL.

Gewinnspiel: Im Rahmen unseres zweijährigen Jubiläums verlosen wir drei Eintrittskarten für die Heidelberger Schwimmbäder. Wer teilnehmen möchte, schickt bis einschließlich am Mittwoch, 26.09.2012 um 23:59 Uhr eine Email mit dem Betreff „Gewinnspiel Jubiläum“ an anja.rambacher@face2face-magazin.de. In der Mail sollten euer vollständiger Name, sowie eure Adresse enthalten sein, so dass wir euch schnellst- möglichst Bescheid sagen können. Die Gewinner werden Ende September benachrichtig. Welche Gesichter hinter den Sportartikeln stecken, lest und seht ihr hier.

Freiwasserschwimmer retten DSV-Ehre

Dass die deutschen Beckenschwimmer in diesem Jahr bei den Olympischen Spielen in London sang- und klanglos untergegangen sind, ist kein Geheimnis. Dass jedoch Freiwasserschwimmer Thomas Lurz als einziger Athlet des Deutschen Schwimmverbands (DSV) eine Silbermedaille aus dem mehrfach in den Schlagzeilen gewesenen „Dreckwasser“ des Hyde Park geholt hat, ging in der lautgewordenen Kritik fast unter. Es ist also an der Zeit, das Phänomen Freiwasserschwimmen, seine Tücken und Freuden etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Beckenschwimmer bezeichnen Schwimmstrecken ab 200 Meter bereits als „lange Strecke“, doch das wahre „Langstreckenschwimmen“ fängt im Prinzip erst bei Distanzen über fünf Kilometer an. Die Langstreckenwettkämpfe werden auch nicht in Schwimmhallen ausgetragen, sondern in offenen Gewässern, weshalb der internationale Begriff „Open Water Swimming“ auch sehr gut passt. Nach einem Massenstart müssen die Sportler entweder Runden schwimmen oder an einem festgelegten Punkt wenden. Meist sind auch Betreuerboote im Wasser, die den Athleten kleine Stärkungen wie Energieriegel oder Getränke reichen. Ein weiterer Gegensatz zu den „Kachelzählern“, wie die Beckenschwimmer gerne genannt werden, liegt darin, dass es auch zu Körperkontakt kommt. Schläge auf die Brille oder den Körper sind – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt – keine Seltenheit. International werden auf Europa- und Weltmeisterschaften Titel über 5, 10 und 25 Kilometer vergeben, gute Athleten benötigen für die kürzeste Strecke je nach Bedingung zwischen 50 und 60 Minuten.

Mit dem Würzburger Athleten Thomas Lurz hat der DSV den erfolgreichsten Freiwasserschwimmer aller Zeiten. Binnen acht Jahren gewann er bei Weltmeisterschaften über die 5 und 10 Kilometerdistanz insgesamt neun Goldmedaillen, sowie je zweimal Silber und Bronze. Und nicht nur im Erwachsenenbereich sind die deutschen Freiwasserschwimmer international unter den besten Athleten, auch die Jugendlichen zeigen, dass die Nachwuchsarbeit Früchte trägt. Bei der Junioreneuropameisterschaft im August in Antwerpen gewann das DSV-Team souverän die Nationenwertung, gleich zwei Goldmedaillen gewannen die Bayreutherin Lena-Sophie Bermel sowie der Elmshorner Rob Muffels.

Gewinnspiel:  Im Rahmen unseres zweijährigen Jubiläums verlosen wir drei Eintrittskarten für die Heidelberger Schwimmbäder. Wer teilnehmen möchte, schickt bis einschließlich am Mittwoch, 26.09.2012 um 23:59 Uhr eine Email mit dem Betreff „Gewinnspiel Jubiläum“ an anja.rambacher@face2face-magazin.de. In der Mail sollten euer vollständiger Name, sowie eure Adresse enthalten sein, so dass wir euch schnellst- möglichst Bescheid sagen können. Die Gewinner werden Ende September benachrichtig.

Welche Gesichter hinter den Sportartikeln stecken, lest und seht ihr hier.

Vorschau: Ob Erfolg käuflich ist und inwieweit die Sportförderung damit zusammenhängt lest ihr in einem Kommentar nächsten Mittwoch.

Rechtsextreme Vorbildfiguren

Die olympischen Spiele gelten seit jeher als Ort des Zusammentreffens von Ausnahmesportlern aus aller Herren Länder. Der Sport verbindet: Auf der ganzen Welt fiebern Olympiabegeisterte den Wettbewerben entgegen. Und bereits die olympische Flagge – fünf ineinander verschränkte Kreise, die die Kontinente der Welt symbolisieren – deutet es an: Hier soll es um ein Miteinander gehen. Diese schöne Gedankenkulisse wurde bei den diesjährigen Spielen allerdings von einem peinlichen Vorfall gestört.

Überschattet wurden die Londoner Spiele von der Meldung, dass eine deutsche Sportlerin in rechtsextreme Kreise verwickelt sei. Nadja Drygalla, Athletin der deutschen Frauenrudermannschaft, unterhält eine Beziehung zum Rostocker NPD-Politiker Michael Fischer, der im vergangenen Jahr als Kandidat zur Landtagswahl angetreten war. Auch bei Neonazi-Demonstrationen soll Drygalla schon mitgelaufen sein, was von ihr selbst allerdings entschieden zurückgewiesen wird.

Nun könnte man sagen: „Lasst die Frau doch in Ruhe! Es geht hier um Sport, nicht um Politik.“ Doch stärkt man mit dieser Haltung die intoleranten Rechten ganz ungemein, macht mit der Akzeptanz von rechtsextremem Gedankengut Fremdenfeindlichkeit erst salonfähig. Wer auf internationaler Bühne auftritt – vor allem bei einer Veranstaltung, die wie kaum eine andere für ein Gemeinsam der Völker steht – der darf unter keinen Umständen mit menschenverachtenden, überkommenen Weltvorstellungen in Verbindung gebracht werden. Diese Verwicklung führt den olympischen Gedanken ad absurdum.

Wie sollte auch scharf zwischen Politik und Sport getrennt werden? Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung ja eben nicht konkret der Sportler, der um die Medaillen kämpft – es ist die Nation, als deren Agent der Athlet hier fungiert. Ständig wird aufgerechnet, welche Nation bereits wie viele Trophäen erringen konnte; der Wettstreit nimmt also eindeutig eine Dimension der kollektiven Identifikation an.

Wie sehr diese Identifikation auch vom politischen Geschehen geprägt wird, das vermögen zahlreiche Beispiele zu illustrieren. In jüngster Vergangenheit trafen etwa die deutschen Fußballnationalspieler während der Europameisterschaft 2012 auf das griechische Nationalteam. Bereits im Vorfeld der Begegnung wurden hier Sportler und (politische) Nation Griechenland gleichgesetzt, den Griechen dabei immer wieder ihre wirtschaftliche Bankrottlage und ihre Verschuldung bei den anderen Euroländern vorgeworfen. Dass eine politische Identifikation stattfand, ist also kaum zu verleugnen.

Wenn nun also bekannt wird, dass Nadja Drygalla einen Lebensgefährten aus dem rechtsextremen Milieu hat, und möglicherweise selbst schon an politisch äußerst fragwürdigen Aktionen teilgenommen hat, dann stellt das ein ganz massives Problem dar. Da die Trennung von Sport und Politik, die von so vielen Menschen beschworen wird, gar nicht stattfinden kann, wird hier der Öffentlichkeit nicht etwa schlicht eine deutsche Sportlerin präsentiert, sondern eine deutsche Sportlerin mit rechtsextremen Umtrieben. Die Botschaft, die hier den Massen vermittelt wird, ist mehr als zweifelhaft.

Das sieht auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich so. Extremistisches Gedankengut habe im Sport keinen Platz, äußerte er gegenüber der „BILD“ – und verwies auf den Vorbildcharakter der Sportler.

Das Dilemma ist wohl auch Drygalla selbst bewusst. Nach dem Medienecho um ihre politischen Verstrickungen reiste sie aus dem olympischen Dorf ab, um Belastungen der Olympia-Mannschaft zu vermeiden. Inzwischen wurde sie vom Vorsitzenden des Deutschen Ruderverbands (DRV) Siegfried Kaidel dazu aufgefordert, sich von rechtsextremem Gedankengut zu distanzieren.