Rupert und die Medien

Neuigkeiten? Wieweit sind Rupert Murdoch und sein Sohn James in den Abhörskandal involviert? (© Thorben Wengert / pixelio.de)

Vor zwei Wochen war der Name Rupert Murdoch für die meisten nicht zwangsläufig aussagekräftig. Dann gab es den Abhör-Skandal der „News of the World“, Köpfe rollten im auf der Insel und jeder konnte den Namen einordnen. Aber nicht nur das – jeder meinte auch, er könnte nun urteilen über den Medienmogul, seinen Sohn, sein Imperium. Doch der Mann, der zwei Prozent aller globalen Medien beherrscht, hüllt sich in Schweigen, will von allem nichts gewusst haben.

 Bereits 1997 wurde spekuliert, dass Rupert Murdoch Vorbild für den James Bond Bösewicht Elliot Carver gestanden haben soll, einen Medienmogul, der – wie könnte es anders sein – die Weltherrschaft an sich reißen will. Dafür schreckt er auch vor dem dritten Weltkrieg nicht zurück. Natürlich verhindert Bond, James Bond, den Tod Tausender. Schade eigentlich, dass das Leben nicht wie ein Film ist, denn wenn die Vorwürfe stimmen, stellt sich die Frage, welche Geschehnisse von Murdoch nicht nur abgehört, sondern auch provoziert wurden.

 Klar, solche Spekulationen gehen ziemlich weit. Wenn wir es kleiner fassen wird dennoch eines offensichtlich: Die Print-Medien machen den kleinsten Teil in Rupert Mudochs Medienimperium aus. Und den unlukrativsten. Im TV ist Mudochs „News Corporation“ wesentlich erfolgreicher. Beispielsweise gehört ihm das Filmstudio „20th Century Fox“, die „Fox Broadcasting Company“, Anteile von „Sky“ fast überall in Europa und „Star TV“ in Asien. Doch selbst bei den Zeitungen hat Murdoch ganz andere Kaliber als die Revolverblätter „News of the world“ und „The Sun“ – unter anderem nämlich die „Times“, das „Wall Street Journal“ und  „The Daily Telegraph“. Im Internet ist er mit „Jamba!“, „IGN Entertainment“ und „The Daily“ mit dabei. Sprich: Jeder von uns hat bereits von seinem Medien gehört, hat sie genutzt, gelesen, ganz ohne mit dem Namen Rupert Murdoch irgendetwas anfangen zu können. Und jetzt das.

Abgehört: Mitarbeiter von "News of the World" haben offensichtlich Politiker, Promis aber auch Opfer von Straftaten regelmäßig abgehört (© Rainer Sturm / pixelio.de)

 Abhörskandal, Lauschangriff, Korruption. Alle Klischees, die sich in Klatschzeitschriften finden, haben die Redakteure von „News of the world“ offenbar abgehakt. Rücksichtslos wie es sich für knallharte Journalisten gehört, wurden da tödlichen Krankheiten von Politikerkindern ausgeschlachtet, das Handy einer entführten und schließlich auch ermordeten Teenagerin manipuliert, um die Eltern in medienwirksamen falschen Hoffnungen zu lassen und ein paar Schlagzeilen mehr zu bekommen, auch Handys von Opfern des 11ten Septembers sollen abgehört worden sein. Kein schönes Bild, das da von Murdochs Empire und dem Journalistenberuf gezeichnet wird.  Jetzt wird seinem Sohn James vor dem Untersuchungsausschuss auch noch Falschaussage vorgeworfen.

 Im Land der wilden Spekulationen könnte jetzt behauptet werden, Murdoch wollte die Print-Medien los werden, hätte überall seine Finger im Spiel. Prompt sind wir beim Bild des James-Bond-Bösewichts angelangt. Die traurige Wahrheit ist, dass wir es nicht wissen. Einer der Hauptzeugen, Sean Hoare, der alles angestoßen hat, beging Selbstmord und selbst wenn der Untersuchungsausschuss zu einem Ergebnis kommt, heißt das nicht, dass sich etwas ändert. Zum einen gibt der Ausschuss nur eine Empfehlung, keine Entscheidung und erst recht kein Urteil. Dazu kommt, dass Murdoch kein Engländer, sondern als gebürtiger Australier die amerikanische Staatsbürgerschaft hat.  Also alles nur gute Miene zum bösen Spiel?

Alles von einem: Medienmogul Rupert Murdoch hat Zeitungen, Filmindustrien und Internetseiten mit seiner Firma in seinem Besitz (© Halina Zaremba / pixelio.de)

 Es ist wirklich kaum zu glauben, dass Rupert Murdoch, genauso wie sein Sohn, keinen Schimmer von den Abhöraktionen gehabt haben sollen. Rebekah Brooks, Chefredakteurin von „News of the World“, wird oft genug als Mitglied der Murdoch-Familie bezeichnet. Bei einer so engen Vertrauten, unter der die eigentliche Affäre passiert ist, kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sie ihrem Chef-Papa nichts gesagt hat. Dafür ist er was die Anschuldigungen ihr gegenüber angeht viel zu gelassen. Allerdings behauptet ja auch Brooks von nichts gewusst zu haben. Das macht mich doch sehr stutzig. Fragt eine Chefredakteurin nicht, wie ihre Journalisten an brisante Infos kommen? Ist sie so leichtgläubig? Murdoch jedenfalls steht weiter hinter ihr. Dabei steht sein Name, Ruf und Lebenswerk unter Beschuss. Gut, durch die Affaire wurde Murdoch für viele erst berühmt und wie wir wissen: es gibt keine schlechte Publicity. Und sein Lebenswerk? Wie gesagt: der Anteil der Printmedien in seinem Imperium ist gering, noch ist niemand darauf gekommen „20th Century Fox“ mit dem Abhörskandal in Verbindung zu bringen. Vielleicht kommt von da ja demnächst ein Film, in dem der alternde Medienmogul um sein Vermächtnis bang. Auf die unerwartete Wendung warte ich noch, und auf James Bond, der alles wieder in Ordnung bringt.

Eure Eva

Vorschau: Nächste Woche meldet sich Lea aus dem Urlaub zurück.