Tierrecht in C-Dur – vegane Musik national und international

Taktvoll: Vegane Musik regt zum Nachdenken an (© Fabian Fellmann / pixelio.de)

Mit Thomas D, Jared Leto, Janet Jackson und Bryan Adams ist die Liste der veganen und gleichzeitig hochkarätigen Interpreten – sowohl national als auch international – lang und breit gefächert. Denn immer mehr Musiker, die sich auf diese Weise ernähren, bekennen sich auch durch ihre Musik dazu. Während einige Künstler mit radikalen Bekenntnissen die Fangemeinde spalten, gründen andere wiederum gleich ein ganzes Restaurant.

Vegan essen im Restaurant von Moby

So zum Beispiel der US-amerikanische Sänger und DJ Moby, der 1999 in Deutschland mit seinem Song „Why does my heart feel so bad?“ große Bekanntheit erlangte. Seit der Eröffnung im November 2015 betreibt der Musiker, der sich für Tierrechte engagiert, das vegane Restaurant „Little Pine“ in Los Angeles. Moby hatte nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Menüauswahl ein Wörtchen mitzureden. Die Gerichte haben mediterrane Einflüsse, die verwendeten Lebensmittel sind vegan und stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Moby wuchs mit Hunden und Katzen auf. Aus Liebe zu seinen Tieren entschied er sich 1985 im Alter von 19 Jahren dafür, Vegetarier zu werden. Aufgrund der miserablen Zustände in vielen kommerziellen Farmen ernährt er sich seit 1987 vegan. Im Rolling Stone Magazine schrieb Moby über seine Beweggründe für die vegane Ernährung: „Simply so that I could eat and live in accordance with my beliefs that animals have their own lives, that they´re entitled to their own lives and that contributing to animal suffering is something that I don´t want to be a part of.“ (zu Deutsch: „Einfach, damit ich in Übereinstimmung mit meiner Überzeugung, dass Tiere ihr eigenes Leben haben, dass sie ein Recht auf ein eigenes Leben haben, essen und leben konnte, und dass der Beitrag zum Leiden von Tieren etwas ist, von dem ich kein Teil sein möchte.“)

Die Avocado-Farm von Jason Mraz

Auch der US-amerikanische Sänger Jason Mraz isst hauptsächlich vegan. Zu seinen bekanntesten Songs zählen „I´m yours“, „I won´t give up“, „Love someone“ und das gemeinsame Duett „Lucky“ mit Sängerin Colbie Caillat. Dass der Musiker inzwischen veganes Essen bevorzugt, hat mit den Rolling Stones zu tun. Als Mraz vor ein paar Jahren Supportact bei ein paar Konzerten der Band war, beeindruckte ihn deren mittlerweile gesunde Lebensweise nachhaltig und veranlasste ihn wenig später dazu, seine eigene Ernährung umzustellen. Seitdem ist er nicht nur Veganer, sondern betreibt auch eine eigene große Avocado-Farm in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Wie wichtig ihm die Wertschätzung der Erde und der ökologische und idealerweise eigene Anbau von Lebensmitteln ist, könnt ihr in seinem Song „Back to the earth“ aus seinem Album „Yes!“ (2014) hören: „Cause my home is where my food is grown.“

Veganismus als Konzept der Band Deadlock

Veganismus: Musik- und Lebensstil zugleich (Foto: T. Gartner)

Auch auf nationalen Bühnen treten immer mehr Interpreten in Erscheinung, die Veganismus nicht nur leben, sondern mit in ihre Musik einfließen lassen. So führen alle fünf Köpfe der 1997 gegründeten Melodic-Death-Metal-Band Deadlock nicht nur einen veganen Lebensstil: Auf ihrem 2008 erschienenen Album „Manifesto“ prangern sie in Liedern wie „The Brave / Agony Applause“, „Deathrace“, „Slaughter’s Palace“ und „Seal Slayer“ die Massentierhaltung und das Töten von Tieren an. Das Album „Bizarro World“, das den Musikern 2011 erstmals eine Chart-Platzierung bescherte, erinnert namentlich nicht zufällig an die Comicfigur Bizarro. Vielmehr seien nach dem Bassisten John Gahlert in einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer vielerlei Parallelen zwischen der fiktiven Figurenwelt und der Gegenwart erkennbar: „Es geht darum, wie verdreht vieles auf der Welt ist. Die meisten Leute fressen einfach, was ihnen vorgeworfen wird. Würden sie weiterdenken, würde so manches Lügengebilde schnell einstürzen“. Als Motivation sich auch musikalisch mit den Rechten der Tiere auseinanderzusetzen, gab Gahlert in einem Interview mit dem Magazin All About The Rock an, die Fans zum bewussteren Konsum anregen zu wollen.

Offene Provokation durch Samsas Traum

Das deutschsprachige Musikprojekt Samsas Traum, das 1996 von Alexander Kaschte ins Leben gerufen wurde, bekannte sich durch morbide Plakate für die Tierschutzorganisation PETA mit Motiven der Selbstverstümmelung und Überschriften wie „Fleisch ist (Selbst) Mord“ zum veganen Lebensstil. Die plakative Kritik steht dabei konträr zur eigenen musikalischen Entwicklung, in der sich die Band mit lyrischen und anspruchsvollen Texten einer breiten Themenpalette widmet. Bereits der Bandname, der auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ referiert, deutet den literarischen Bezug an. Außerhalb der Musik äußert sich der Bandgründer weniger poetisch denn radikal gegen den Konsum tierischer Güter, indem er in einem Interview mit dem Zillo-Magazin Vegetarier mit Fleischessern auf eine Ebene stellt: „Vegetarier sind Mörder. […] Sie befriedigen ihr Gewissen durch den Verzicht auf Fleisch, konsumieren aber weiterhin Produkte […], die ebenfalls auf den Tod der zur Gewinnung ausgenutzten Tiere hinauslaufen“. Auch Fans werden fundamental zu veganer Ernährung aufgerufen – nicht nur, indem Kaschte auf Konzerten Veganismus-Bücher verkauft und kritische Ansprachen auf DVDs und Hörspiele presst. Kontroverse Diskussionen löste er unter anderem durch die Diffamierung von Fleischkonsumenten auch innerhalb der Fangemeinde aus. So finden sich in „Vegan oder tot“ auf dem 2007 veröffentlichten Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ bewusst provokante und provozierende Worte: „Ich weiß, dass alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. […]  Ich habe kein Mitleid für Menschen, die an einem Herzinfarkt sterben. Ich habe kein Mitleid für Menschen, die übergewichtig sind.“

KAFKAS machen Punkrock für Tier und Mensch

Kafkas gründeten sich 1995 in Fulda und vertreiben bis heute ihre Alben im hauseigenen Label. In ihren Texten setzen sie sich mit Themen wie Tierrecht und -schutz auseinander, engagieren sich aber auch außerhalb der Musik für Tier- und Umwelt-Organisationen. Inspiration für einige der Lieder bietet dabei das Schwein Paula, das als Mitbewohnerin des Sängers Marcus Kafka betitelt wird. In einem Interview mit Veggy-Post gab dieser an, sowohl als Plattform für „weniger massenkompatible Themen“ zu dienen als auch Anstoß zum Nachdenken zu geben. Mit den Songs „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und „Für immer“ erreichte die Band größere Bekanntheit, erhielt schließlich für „Klatscht in die Hände“ 2010 Platz 1 der MTV-Charts im Bereich Rockzone. Musikalisch erhebt die Band dabei nicht den moralischen Zeigefinger und befasst sich vielmehr mit subtileren Klängen und viel Eigenironie mit den ernsten Themen der Gesellschaft. Während das Lied „Vegetarier können nicht tanzen“ auf der „Superrocker“-EP aus dem Jahre 2004 humorvoll mit stereotypen Vorwürfen Vegetariern gegenüber spielt, die „immer bleich [sind], denn die essen ja kein Fleisch“, tritt die Kritik in „Non-Human-Justice“ auf der 1996 veröffentlichten „Serotonin“-CD schonungslos zutage: „Your steak on the table, you close your eyes. You ignore. The law is still on your side. But I think it´s time now for a change to stop killing defenceless life.“

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Sabrina Holitzner und Gülcin Onat.
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Musik für jede Lebenslage

Tipps aus der Musikredaktion

Der Frühjahrsputz steht zwar noch nicht ganz auf der To-do-Liste, aber denn braucht es ja auch nicht um mal einen tieferen Blick ins CD-Regal zu werfen. Diesen Monat stellt euch die Face2Face Musikredaktion die persönlichen Musikhighlights eines jeden unserer Musikredakteure vor.

Den Anfang macht Vanessa, Jahrgang 1993, mit einer Vorliebe für Pop- , Soul- und Singer/Songwriter Musik.

Mein erstes Album, das ich gerne immer wieder auflege:

Als Kind der 90er und mit einer älteren Schwester kam ich nicht an dieser einen britischen Pop-Girlgroup vorbei. Genau, die Rede ist von den Spice Girls. Mit „Spice“ schossen die fünf Mädels direkt in den Pophimmeln und sind auch heute noch das Highlight auf jeder Party. Mit „Spice up your life!“ wird es immer noch feurig.

Das beste Album für einen lauen Sommerabend:        

Nach Sommer sehnen wir uns bei diesen Temperaturen doch schon sehr. Und wir können uns sicher sein, der Sommer kommt bald. Zu einem perfekten Sommerabend gehört aber nicht nur das richtige Wetter, sondern oftmals auch Musik. Mein Tipp für einen lauen Sommerabend sind die Jungs von Rudimental. Mit ihrem Album „Home“ vereint die Band entspannende elektronische Tunes mit eingängigen Texten.

Vielfalt: In jedem CD-Regal finden sich so einige Schätze der Musikwelt (V.Wahlig)

Vielfalt: In jedem CD-Regal finden sich so einige Schätze der Musikwelt (V.Wahlig)

Das beste Album National:

Oft vergessen wir es, weil der Blick in Richtung England oder USA geht, aber auch in Deutschland haben wir talentierte Musiker. Eins der nationalen Alben, das ich wirklich super finde, ist Tim Bendzkos Debütalbum „Wenn Worte meine Sprache wären“. Wie kein anderer zeigt er, wie eingängig deutsche Musik sein kann und spielt dabei mit den Worten wie kein anderer.

Ein Album zum Verschenken:

Musik vermittelt Emotionen und deshalb sind CDs auch immer ein schönes Geschenk. Ein Album, das ich immer wieder verschenken würde, ist das aktuelle Album „X“ von Ed Sheran. Die Mischung aus gute Laune und Romantik halten sich bei diesem Album die Waage, so ist für jeden was dabei.

Dieses Album darf in keinem CD-Regal fehlen:            

Das Album des King of Pop überhaupt ist „Thriller“ und genau dieses Album sollte man auf jeden Fall besitzen. 1982 erschienen, ist es auch heute noch eines der erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte. Und sind wir mal ehrlich: die passenden Tanzschritte zu den Songs üben heute noch Groß und Klein.

 CD- Geheimtipp – frisch auf dem Markt:

Natürlich stellen wir euch auch immer wieder die neusten Alben vor und so soll es auch diesmal sein. Seit gestern ist dieses Album auf dem Markt und bietet einen Musikstil, der sich nicht so ganz beschreiben lässt. „SomeKindaWonderful“ von der gleichnamigen Band ist das Debütalbum der fünf Amerikaner. Nach ihrer Single „Reserve“ wollen die Musiker mit der wandlungsfähigen Stimme von Frontmann Jody Towers und satten Subbässen das Publikum überzeugen.

 

Vorschau: Nächste Woche geht es hier mit Lea und ihren Lieblingsalben weiter.

Ska vi gå fika? – Kaffeepause auf schwedische Art

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Typisch für eine Fika: Kanelbullar und Tee. (Foto: N. Schwalb)

Ereilt die Einen schon zu Beginn eines längeren Auslandsaufenthaltes ein Kulturschock, können sich Andere mit den neu entdeckten kulturellen Gegebenheiten und Traditionen bestens anfreunden.
In Schweden zählt die Fika definitiv zu den leicht hinzunehmenden Gebräuchlichkeiten, die ein fremdes Land zu bieten hat.

Fika, ob als Verb oder Substantiv benutzt, mag einem Deutschen zuerst vielleicht komisch vorkommen. Tatsächlich bezeichnet Fika aber die schwedische Kaffeepause, die von Jung und Alt mit Freuden zelebriert wird. Zu Kaffee oder Tee werden dabei laut Tradition sieben selbstgebackene Kekse oder Gebäckstücke gereicht. In der Universität oder auch im Arbeitsleben wird die Fika zwar auf schlichtes Kaffeetrinken reduziert, im privaten Bereich zeigt diese Gepflogenheit jedoch althergebrachte Kontinuität.

Laut Statistik trinkt ein Schwede durchschnittlich vier Tassen Kaffee am Tag. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Fika zu jeder Tageszeit eingenommen werden kann. Ist die Förmiddagsfika vormittags zwischen zehn und elf Uhr anzusetzen, kann eine Fika aber auch am frühen Nachmittag oder sogar nachts vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

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Darf bei keiner richtigen Fika fehlen: Fikabröd. (Foto: N. Schwalb)

Ein typisches schwedisches Gebäck, das bei kaum einer Fika fehlt, sind Kanelbullar, zu Deutsch Zimtschnecken. Fikabröd aller Art, seien es Kekse, Kuchen oder anderes Gebäck, gibt es sogar in jedem Supermarkt zu kaufen, in dem die umfangreichen Auslagen der einer kleinen Bäckerei ähneln. Seit 1999 hat die Zimtschnecke in Schweden nebenbei ihren eigenen Feiertag, den Kanelbullenstag, der sich immer am 4. Oktober jährt.

Abgesehen vom Essen und Trinken ist der soziale Aspekt der Fika jedoch der wichtigste. Ob es sich um ein unkompliziertes Treffen zwischen Mann und Frau handelt, eine Mittagspause unter Arbeitskollegen oder Kommilitonen oder den Austausch zweier guter Freundinnen spielt keine Rolle. Ebenso ob sie zuhause oder in einem Café abgehalten wird.

Die Schweden sind jedenfalls davon überzeugt, dass eine Fika die perfekte Möglichkeit ist, den stressigen Alltag hinter sich zu lassen und Herz und Geist zu läutern – wenn auch nur für wenige Minuten.

Vorschau: Nächste Woche berichtet die Film Kunst Kultur-Rubrik vom Computerspielemuseum im Berlin.